Nr. 1/2 27. Jahrgang Donnerstag, 8. Januar 2026
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«D’Zyt stoht still»
Vielfältige Angebote
Clausen-Cup in Oberdorf
Die defekte Törliuhr ist das Sujet der Liestaler Fasnachtsplakette 2026.
Der Sonntagsverkauf des Gewerbevereins Sissach und Umgebung zog wieder viele Besucher an. Seite 9
Das dreitägige Hallenturnier des FCO begeisterte die Nachwuchsfussballer.
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(02/26)
«Mir läbe ame guete Ort»
Kolumne
Vo Roggeburg bis Ammel
Liestal Stadträtin Marie-Theres Beeler sprach am Neujahrs-Apéro über Kompromissbereitschaft Ulrich Fluri
Alle die Morgenmuffel, die sich vom Silvesterkater erholen mussten, haben an diesem kalten, aber sonnigen Neujahrsmorgen etwas wirklich ganz Tolles verpasst. Auf Einladung des Fahrvereins Baselland sind nämlich rund 40 festlich herausgeputzte Kutschengespanne zu ihrem traditionellen Fuhrmanns-Znüni in die Rathausstrasse eingefahren und haben dabei eine schöne Kulisse zum parallel stattfindenden Neujahrs-Apéro der Stadt gebildet. Von wegen nichts los in Liestal oder sonstigem Spott, der gelegentlich über das vermeintlich so verschlafene Stedtli ausgeschüttet wird. Nichts von alledem ist zum Start ins 2026 eingetroffen. Der Kantonshauptort mit den vom Törli bis zum Regierungsgebäude aufgestellten Kutschen präsentierte sich als temporäres Pferde-Mekka in Jahrmarkt-Stimmung – das ist wirklich nicht alltäglich! So war denn das weit herum hörbare Gewieher der Pferde und das Klappern ihrer Hufe für die Insider ein untrügliches Zeichen, dass das neue Jahr angebrochen ist. Da gab es vom kleinen Mini Shetty bis zum fast dreimal so grossen Kaltblutpferd und vom Einspänner bis zum Vierspänner für die vielen Zuschauenden alles zu bestaunen, was sich Pferdeliebhaber so wünschen. Und immer wieder haben sich Passanten und «Rösseler» herzhaft zugeprostet, diese oder jene prächtige Mähne der geduldig dastehenden Vierbeiner liebevoll gestreichelt und dem Begriff «Begegnungszone» alle Ehre gemacht. Bleibt zu hoffen, dass sich Stadt und Fahrverein betreffend Reinigungskosten der Strassen einigen können und so der Fortbestand dieses schönen Anlasses gesichert bleibt. Der Neujahrs-Apéro der Stadt stand dem festlichen Treiben draussen auf der Rathausstrasse in nichts nach. Mit Peter Schellings fetzig intoniertem Kultklassiker «Völlig losgelöst», einer textlichen Metapher für das Streben nach Freiheit, hat die Regionale Jugendband Liestal mit Dirigent Michael Farner bereits zum Auftakt einen emotionalen Knaller durch die Räume des alt ehrwürdigen
Einfahrt durchs Törli. Das Stedtli gehört jetzt den Pferden.
Die Zügel fest in der Hand. Marie-Theres Beeler gutgelaunt auf dem Bock einer Wagenotte-Kutsche.
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Rathauses geschmettert. Diesem folgte dann Stadträtin Marie-Theres Beeler mit einer gehaltvollen Kurzansprache, in der sie das bauliche Geschehen in Liestal mit kritischem Blick zurück aufzeigte und das bisher Erreichte würdigte, ohne aber in grenzenlose Lobhudelei zu verfallen. Für die Grünen-Politikerin ist indes die Fertigstellung des Bahnhofs und das Ende der dadurch verursachten Widerwärtigkeiten das grosse Ding und ein wirklicher Meilenstein, genauso wie die für viel Geld wieder instand gestellte Sichternstrasse. «Bei allem Gelungenen schauen wir aber auch auf Unerfreuliches zurück», so Beelers Bilanz. Dabei stellte sie die hinderlichen Baustellen mit langzeitigen Umleitungen sowie die Wasserrohrbrüche genauso an den Pranger wie die vielen Elterntaxis die die Sicherheit der Kinder auf dem Schulweg gefährden oder etwa der Abbruch des Grammetbrügglis über die Ergolz. Die Bereichsleiterin «Betriebe», die auch beim abschliessenden Foto-
Fotos: U. Fluri
shooting auf dem Bock einer Kutsche ganz gute Figur gemacht hat, zeigte sich indes zuversichtlich und rief auf zu Kompromissbereitschaft, Offenheit für Neues und Verständnis für Unmögliches. Versöhnlich deshalb dann ihre Konklusion mit dem von alt Stadtrat Daniel Muri getexteten Lied: «Mir läbe ame guete Ort» und dem Wunsch des Stadtrats «uf es guets neus Johr!»
Halt! werden Sie denken, es heisst doch «Vo Schönebuech bis Ammel». Ja, im Baselbieterlied ist dies die erste Zeile, aber seit 1994 gehört das Laufental zum Baselbiet. Damit wurde Roggenburg zur westlichsten Gemeinde im Kanton und löste Schönenbuch ab. Dass das Baselbieterlied nicht mehr ganz den Fakten entspricht, merkte ich erst vor kurzem, als ich den Wikipedia-Eintrag studierte. Natürlich werden die Schönenbucher und viele andere Baselbieter nicht zustimmen, das Baselbieterlied zu verändern. «Wo chieme-mer do au hii!» Und «Schönebuech» tönt ja auch weicher als das harte «Roggeburg». Die Basler würden auch nie singen «Z’ Basel an myne Dürm, deerte gits e Gschtürm», obwohl die Roche-Türme jetzt besser zu sehen sind als der Rhein. Ursprünglich hiess das Baselbieterlied «Baselbieterchränzli», verfasst vom Lehrer Wilhelm Senn. Die Urfassung zählte acht Strophen, geblieben sind vier. In den weggelassenen Strophen ging es um die Hilfsbereitschaft gegenüber den in Not Geratenen, um die Heissblütigkeit der Baselbieter, die angeblich aufbrausenden Baselbieterinnen und das Heimweh, das sich schon einstellt, wenn man nach Basel geht. In der siebten Strophe heisst es: «Doch wenn er (der Mann) ufrecht heime chunnt, so isch dä Chib verschwitzt.» Es gibt wohl viele Junge, die das Wort «Chib» nicht mehr verstehen; es meint Zorn oder auch Streit. «Verschwitzt» meint hier «vergessen». Nicht mehr ganz auf der Höhe ist die dritte Strophe des heutigen Baselbieterliedes: «Die eine mache Bändel, die andre schaffes Fäld.» Tempi passati!
Mit Scheuklappen vor dem Rathaus. Ein Schelm, wer da Böses denkt …
Thomas Brunnschweiler
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