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Oberbaselbieter Zeitung vom 29. Februar 2024

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Nr. 9 26. Jahrgang Donnerstag, 29. Februar 2024

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Die Fasnacht ist vorbei Am Cherus marschierten 20 Cliquen durchs Stedtli Liestal. Seite 3

Fasnächtlicher Abschied

29 Guggen heizten am cherusgälti.ch tausenden von Besucher/-innen auf sechs Bühnen ein. Seite 11

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Scharfzüngige Verse

Acht Schnitzelbänkler/-innen waren in Oberdorf auf Beizentour. Seite 15

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Flammender Abschied von der Fasnacht Unsterblichkeit Kolumne

Sissach Mit der Chluuri-Verbrennung wurde die Fasnacht 2024 beerdigt

dem vor, dass die Traktoren am Umzug, welche Firmenschilder montiert hatten, künftig einen Werbezuschlag zu berappen hätten.

Sander van Riemsdijk

Traditionell wurde bei der Chluuriverbrennung am Fasnacht-Donnerstagabend die Fasnacht 2024 und damit die fünfte Jahreszeit zu Grabe getragen. Als die Finsternis sich in der Fasnacht-Metropole Sissach meldete, zogen Punkt 19.30 Uhr ab Kantonalbank in weissen Leintüchern gehüllten und schrill-heulende Chluuris durch die Rheinfelderstrasse in Richtung Allmend. Umrahmt von den schrillen Klängen der Guggen und Cliquen. Mit kleinen Geldkassen ausgerüstet versuchten die Chluuris bei den vielen Umstehenden, welche dem feuchten und windigen Wetter trotzten, an den Strassenrändern einen Obolus zu erbetteln. Der Klagegesang der Kässelischüttler in einer gespenstigen Atmosphäre steht für die Trauer über den Abschied von der diesjährigen Fasnacht, welche mit der Verbrennung des Chluuris als Höhepunkt auf der Allmend besiegelt wird. Mit versteinerter Miene Von einem Traktor bedachtsam gezogen, harrte die imposante, sieben Meter hohe Gestalt mit versteinerter Miene auf einem Anhänger der Dinge, die kommen würden. Schon bald nachdem der Trauerzug am Richtplatz auf der Allmend eingetroffen war, um das Schicksal des Chluuris feurig zu besiegeln, ergriff der anonyme Chluuri-Redner mit seiner sonoren Grabstimme das Wort, um die Fasnacht nochmals Revue passieren zu lassen. So prangerte er die 15 von insgesamt 23 Restaurants und Geschäfte an, «Begegnigszone-Chröömer-Jommeri», welche laut unbestätigten Informationen nicht bereit waren, 45 Franken für ein Inserat in der Fasnachtszeitung «Glöggeliwagä» zu zahlen. Er schlug zu-

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Adie Fasnecht 2024 Nebst einem grossen Lob für die Wegmacher und für den Vorstand der Fasnachtsgesellschaft Sissach, hatte er für die Werbung für Frauen am Banntag nur eine müde Bemerkung übrig: «Es wäre alles gut und recht, aber einfach nicht am gleichen Tag. Es ist wie es ist und das ist gut so.» Das Chluuri verkörpert jeweils eine Persönlichkeit, welche sich besonders für die Fasnacht eingesetzt hat. Dieses Jahr wurde dem 84-jährigen Gemüsehändler Bruno Attanasio die Ehre zuteil. Seine rauchenden Würste waren in Sissach viele Jahre ein Begriff. Als das Chluuri in Flammen stand, wurde es durch den straffen Wind nochmals heikel, als Stofffetzen durch die Luft wirbelten. Mit den Worten «Adie Chluurie, adie Fasnecht» schloss der Chluuri-Redner seine Rede in guter Tradition ab und so wurde das Chluuri feuerlodernd in den Sissacher Himmel entlassen. Adie Fasnecht 2024!

Dank starkem Wind war das Schicksal des Chluuris rasch besiegelt.

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Fotos: S. van Riemsdijk

Das Chluuri stand am Nachmittag beim Eingang in die Begegnungszone.

Für viele Menschen ist die Unsterblichkeit eine verlockende Idee. Die einen glauben an die Unsterblichkeit der Seele, andere an die Auferstehung des Leibes, wieder andere an die Reinkarnation. Wir leben in der Zeit. Wenn wir sterben, stirbt auch die Zeit, weil es uns in der Zeit nicht mehr gibt. Ewigkeit ist das Gegenteil von Zeit und keineswegs eine nicht endende Zeit, die man im besten Fall in einem wunderschönen Himmel mit allen Annehmlichkeiten verbringt. Es gibt dazu eine schöne Anekdote. «Nicht wahr, Herr Professor», fragte eine Frau den berühmten Theologen Karl Barth, «im Himmel werden wir alle unsere Lieben wiedersehen?» Mit einem wohl ironischen Unterton antwortete er: «Ja. Aber die anderen auch.» In meinen Augen ist die Sterblichkeit des Menschen eine kostbare Gabe, die das Leben erst wertvoll macht. Wären wir tatsächlich unsterblich, könnten wir ja alles bis nach dem Tod verschieben. Und dann würden die Zeit und die Geschichte von neuem beginnen – eine schreckliche Vorstellung. Auch der Berner Pfarrer und Dichter Kurt Marti glaubte nicht an ein Leben nach dem Tod. Er schrieb: «Ein Glaube, der auf das eigene Weiterleben nach dem Tod fokussiert ist, bleibt heillos egozentriert. Ist der Wunsch, ewig zu leben, nicht ohnehin der menschliche Urfrevel, so sein zu wollen wie Gott, der allein Ewige?» Eugen Roth brachte es auf den Punkt: «Ein Mensch schaut in der Strassenbahn / Der Reihe nach die Leute an: / Jäh ist er zum Verzicht bereit / Auf jede Art Unsterblichkeit.» Thomas Brunnschweiler

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