DONNERSTAG, 3. AUGUST 2023
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Zum Philosophieren braucht es nur ein Stück Käse: Bezirksgerichtspräsident Daniel Aeschbach begeisterte mit seiner Rede.
«In der Schweiz gibt es noch viele Löcher im Käse» Lenzburg Am 1. August werden grosse Reden geschwungen. Viele Ansprachen sind schnell vergessen − die Rede «Löcher im Käse» von Bezirksgerichtspräsident Daniel Aeschbach bleibt in Erinnerung. ■
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emütlich zusammensitzen, etwas Gutes trinken und essen, eine beschwingte Rede geniessen und sich angeregt unterhalten: das gab es in Lenzburg am 1. August trotz garstigem Wetter. Rund 150 Besucher feierten den 732. Geburtstag der Schweiz trotz Regenwetter am Dienstagmorgen im altehrwürdigen Rittersaal auf dem Schloss. Eingerahmt von den Klängen der Brass Band Imperial Lenzburg verfolgte das Publikum den ökumenischen Gottes-
dienst und lauschte im Anschluss gespannt dem Grusswort von Stadtammann Daniel Mosimann und der Ansprache von Festredner Daniel Aeschbach, Bezirksgerichtspräsident Lenzburg.
Mal mild, mal rezent
In seiner unkonventionellen und charmanten Ansprache sprach Aeschbach über «Löcher im Käse». «Warum zahlen wir Schweizer gutes Geld für Löcher? Warum essen wir Löcher? Kann man ein Loch überhaupt essen? Ein Loch alleine nicht. Aber mit dem Drumherum gehts», sinnierte er. Den Käse nutze Aeschbach als Metapher für die Schweiz, die ebenfalls eine ureigene Unvollkommenheit aufweist. «Vollkommen sind wir bei weitem nicht», so der Bezirksgerichtspräsident . «Mir geht es in der Schweiz so gut, dass ich ab und zu einen Schwangerschaftstest mache, um wieder einmal etwas Negatives zu erleben», witzelte er und leitete zum Kernthema seiner Rede
über: die Schweiz und ihre einzigartige Sprache. Wie beim Emmentaler Käse könne die Sprache mal mild oder rezent, mal hart oder weich, mal surchoix oder premier cru sein. Aeschbach philosophierte über Schimpfwörter, Dialekte und elementare Mundart-Begriffe, die besonders die junge Generation kaum mehr kennt − etwa «Gsüchti, Embi und Hüenliwey». «Kehren Sie wieder einmal in sich, sinnen sie nach speziellen Mundart-Begriffen und sorgen Sie dafür, dass diese wieder unter die Leute kommen», forderte Aeschbach das Publikum auf und schloss tiefsinnig: «Es Loch em Chääs esch ned nüüt −s esch ebe es Loch! Zum Glücklichsein braucht es nur und einzig ein Stück Emmentaler Käse – und das kann sich jeder leisten.» Im Anschluss an den offiziellen Teil warteten erfrischende Getränke und feine Grilladen auf die Feiernden, die trotz Regenwetter das schöne Fest bei bester Stimmung ausklingen liessen.
SOLAR-PROFI
Sommerferien bedeuten für viele durchatmen vor einem Neustart. Für manche steht eine neue Klasse bevor, für andere ein Wechsel der Schule, Kathrin Steinmann die einen beginnen eine Ausbildung, andere eine neue Arbeitsstelle. Die erste Zeit in einer neuen Umgebung bedeutet, spezifische Regeln, soziale Dynamiken und eingespielte Abläufe zu lernen. Ben, den wir am Jugendfest bei der Morgenfeier kennen lernen konnten, hat so einen Neuanfang gerade erst erlebt. Er ist mit seiner Mutter kurz zuvor nach Lenzburg gezogen. Gut, dass er am ersten Tag in der Schule neben Lena sass, die ihn an der Hand nahm und ihm das Jugendfest gezeigt hat. Und ebenso wertvoll ist, dass Lenas Vater Bens Mutter mit den Gepflogenheiten rund um das Fest bekannt machte. Während die Kinder an einem neuen Wohnort durch die Schule schnell Kontakte knüpfen und an Traditionen herangeführt werden, sind die Eltern oder Personen ohne Kinder auf die Aufgeschlossenheit der Alteingesessenen angewiesen. Traditionsanlässe wie das Jugendfest verbinden und stiften Identität. Sie können aber auch verunsichern und ausschliessen. Wenn ich nicht weiss, wo ich hingehen muss, was ich anziehen sollte oder was von mir erwartet wird, während alle anderen den Gewohnheiten folgen, die sie schon lange kennen, dann bleibe ich aussen vor. Verbindend werden Traditionen, ein Klassenverbund oder ein Arbeitsteam erst, wenn wir offen sind, neue Menschen willkommen zu heissen und einzubinden. Und wenn wir neugierig darauf bleiben, was neue Mitglieder einbringen können. Der Start in einer ungewohnten Umgebung ist in jedem Fall aufregend. Menschen wie Lena können ihn erleichtern und das Einleben angenehmer machen, indem sie Neuankommende mit offenen Armen empfangen. In diesem Sinne wünsche ich allen, die vor einem Neuanfang stehen, eine Lena an die Seite. Kathrin Steinmann, Lenzburg
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