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Lenzburger Bezirks-Anzeiger

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DONNERSTAG, 29. JUNI 2023

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Amtliches Publikationsorgan für den Bezirk Lenzburg und angrenzende Gemeinden.

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Zeigten sich am Netzwerktag überzeugt von der Bedeutung der Freiwilligenarbeit: Stadträtin Beatrice Taubert, Autor Ludwig Hasler und Müllerhaus-Geschäftsleiterin Michelle Müller. Foto: Fritz Thut

«Vereinsamung ist das einzige Kreuz des Alters» Lenzburg Die Stiftung Müllerhaus engagiert sich vermehrt im Bereich Freiwilligenarbeit. Um das Angebot zu lancieren, lud man zu einem Netzwerktag mit interessanten Vorträgen, unter anderem von Philosoph und Autor Ludwig Hasler. ■

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ie Freiwilligenarbeit ist ein neues wichtiges Standbein im Sektor Gemeinnützigkeit der Stiftung Müllerhaus (vgl. Artikel in der Ausgabe vom 1. Juni). Als Startschuss zum neuen Angebot, das auch individuelle Beratung von Interessierten umfasst, lud die Organisation unter dem Titel «vereinigt engagiert» zu einem Netzwerktag ein. Verschiedene Institutionen präsentierten im ersten Stock des Müllerhauses ihre Möglichkeiten und luden zum direkten Austausch ein. Im Zentrum stand

jedoch eine Reihe von Referaten zum Thema. Die für die Bereiche Soziales, Gesundheit und Gesellschaft zuständige Stadträtin Beatrice Taubert strich in ihrem Grusswort die Bedeutung der Freiwilligenarbeit hervor: «Sie ist unbezahlt, aber auch unbezahlbar.» Dieser Dienst von Menschen an Menschen «funktioniert nicht auf behördliche Verordnung». Sie unterstütze alle Initiativen, die Mitmenschen unabhängig vom Alter zur Freiwilligenarbeit animierten. Beispielsweise gelte es, «das Potenzial von fiten Jungsenioren abzuholen».

Lebenslanger Lebensnachmittag

Hauptredner war der Philosoph, Physiker und Publizist Ludwig Hasler. Sein Bestseller «Für ein Alter, das noch was vorhat. Plädoyer fürs Mitwirken an der Zukunft» war mitverantwortlich für die Gründung des neuen Müllerhaus-Angebots. «Das wusste ich bis jetzt nicht», verriet er einleitend. Nüchtern und tiefgründig analysierte der 78-jährige Hasler in seinem freien

Vortrag seine Altersgenossen. Viele Senioren könnten sich selber helfen: «Der sogenannte Lebensabend hat sich längst in einen lebenslangen Lebensnachmittag verwandelt.» Doch befriedigen immer mehr Kreuzfahrten und Golfrunden die agilen Alten? Hasler verneinte natürlich die selbst gestellte Frage. Nicht Konsum, sondern nur Beziehungen schaffen gute Laune. «Vereinsamung ist das einzige Kreuz des Alters», ist der Autor überzeugt und rät, «etwas mehr als sich selbst in Bewegung zu bringen». Da Senioren nicht gewohnt seien, sich selbst Aufgaben zu geben, sei Kreativität oder Hilfe von aussen gefragt: «Mein liebster Gedanke ist, mit 80 mitwirken an einer Zukunft, die ich wohl nicht mehr erlebe.» Heidi Schatzmann, die Präsidentin der Städtischen Hilfsgesellschaft, ergänzte aus der Praxis: «Die Freiwilligenarbeit verändert sich laufend, aber das Geben und das Nehmen bleiben wichtig. Ohne die Freiwilligenarbeit wäre unsere Welt kälter.»

Die Philippinen zählen zu den 15 mangrovenreichsten Ländern der Erde. Mangroven sind ein wichtiger Teil des Ökosystems hier. Sie dienen als natürMelanie Solloso licher Küstenschutz, sind Habitat für eine Vielzahl an Vögeln und Kinderstube für Fische. Auch Siargao Island ist umgeben von Mangroven. Der Mangrovenwald im Süden zählt gar zu den grössten des Landes und umfasst über 4800 Hektaren. Das Naturreservat darf auf Wasserwegen und in Stille besucht werden. Man taucht ein in eine Welt ohne Menschengeräusche. In den scheinbar endlosen Wassergassen fühlt man sich rasch verloren. Man erlebt eine ungewohnte Art von Stille, durchbrochen von Stimmen der Natur. Vor kurzem erlebte ich die Mangroven nach dem Eindunkeln. Ein unvergessliches Erlebnis. Still gleitet das Paddelbord durch das dunkle Nass, über mir Millionen Lichtpunkte und ein bleicher Mond. In den Büschen, die aus dem Wasser ragen, zirpt es in allen Stimmlagen. Ich halte inne und atme ein, fühle mich ein bisschen wie das erste Mal in der Kirche in Einsiedeln, nur dieses Mal ist es die Natur, die Andacht auferlegt. Als mein Paddel die dunkle Wasseroberfläche durchbricht, wirbeln winzige Leuchtpunkte auf, verteilen sich im Nu in alle Richtungen, erhellen das stille Dunkel unter mir: «Plankton», schiesst es mir durch den Kopf. Ich hatte davon gehört, aber es noch nie gesehen. Eine Weile stehe ich nur da, staune, perplex von der Magie der Natur. Das Wasser unter mir ist wieder dunkel. Ein längst vergessenes Kindheitsgefühl regt sich in der Bauchregion: «Nochmals!» Die Freude am Wunder der Natur übermannt mich. Die Vorfreude, das Paddel wieder in die dunkle Oberfläche zu stechen, jagt mir Schmetterlinge durch den Bauch. Und dann: ein Feuerwerk von Leuchtpunkten unter mir, die funkelnden Sterne über mir und überall um mich herum: Mangrovenbüsche, vom Mond in silbernes Licht getaucht. Magisch! Melanie Solloso, Siargao Island, Philippinen (ehemalige Redaktorin)

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