Nr. 17 25. Jahrgang Donnerstag, 27. April 2023
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Mit Volldampf über den Hauenstein
Kolumne
Der Kreisel
Läufelfingen Historische Dampflok lässt Bahngeschichte aufleben OTTO GRAF
Der «Elefant» machte seinem Namen alle Ehre, als er am vergangenen Samstag gleich viermal einen Zug mit historischen Eisenbahnwagen zwischen Sissach und Olten über die alte Hauensteinlinie schleppte. Ermöglicht hat die Fahrt die Stiftung «Historisches Erbe der SBB», kurz SBB Historic. Die «Oberbaselbieter Zeitung» hatte Gelegenheit, die Dampffahrt zu begleiten. Schon eine halbe Stunde vor Abfahrt auf Gleis 2 in Olten lag auf dem Perron eine gewisse Spannung in der Luft, obwohl von der Komposition des Extrazuges, die im Rangierbahnhof stand, noch nichts zu sehen, wohl aber zu riechen war. Dampfloks zeichnen sich nämlich durch den süsslichen Duft der Kohlepartikel aus, die mit dem sonst weissen Wasserdampf ausgeblasen werden. Unzählige Kameras hielten dann die Einfahrt für die Ewigkeit fest. Die Heizer schaufelten unentwegt Kohle in die Feuerbüchse, um die C 5/6, Baujahr 1917, unter Dampf zu halten. Pünktlich setzte sich der Zug sanft und ohne zu ruckeln in Bewegung. Der Kondukteur, ebenfalls im historischen Outfit, kontrollierte das Billett und entwertete dieses mit der Löchlizange, wie es früher Praxis war. Befürchtungen einiger Reisenden, die Luft im knapp zwei Kilometer langen Scheiteltunnel von Trimbach hinauf nach Läufelfingen könnte knapp werden, erwiesen sich als grundlos. Der Koloss an der Spitze des Zuges meisterte die steilen Rampen am Hauenstein problemlos. Grosses Publikumsinteresse Im Bahnhof Läufelfingen, der einzigen Kreuzungsstelle der alten Linie zwischen Olten und Sissach, musste die Komposition den Gegenzug, das Läufelfingerli, abwarten. Denn das zweite Gleis der 1858 durchgehend als Doppelspur gebauten Verbindung von Sissach ins Mittelland wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg wieder abgebaut. Viele Passagiere nutzten den viertelstündigen Aufenthalt zum Fotografieren und Filmen, während das Lokpersonal mit dem Ölpintli in der Hand die kritischen Stellen des Gestänges an den mächtigen Rädern der Antriebsachsen kontrollierte und schmierte. Überall an der Strecke standen Eisenbahnfans, um die einmalige Fahrt festzuhalten. In Sissach, dem Endbahnhof, warteten indessen schon die Reisenden, die die Fahrt nach Olten in der entgegengesetzten Richtung gebucht
Die Lok und der Zug - eine Augenweide. hatten. Recht aufwendig gestaltete sich das Umspannen der Lok auf die andere Seite des Zuges, zumal das Gleis für die fahrplanmässige S9 geöffnet werden musste. Als das Läufelfingerli weg war, fuhr der Dampfzug rückwärts auf Gleis 3 in den Bahnhof ein. Minuten später setzte sich die Komposition, verfolgt von vielen Schaulustigen mit Ziel Olten in Bewegung. Die Lokomotiven des Typs C 5/6 waren seinerzeit die leistungsfähigsten Loks der SBB und wurden zunächst im Güterverkehr am Gotthard eingesetzt. Nach der Elektrifizierung der Gotthardlinie 1920 setzten die SBB die Maschine im Mittelland auch im Schnellzugsverkehr ein. 1967, nach der vollständigen Elektrifizierung des SBB-Netzes, wurde die Lok 2978 ausgemustert. Sie wird jedoch seither als historisches Fahrzeug genutzt. Sie ist ein einzigartiger Zeitzeuge der Bahntechnik, wie sie vor einem Jahrhundert vorherrschte. Dass sie immer noch läuft, ist den Freiwilligen zu verdanken, die in der erwähnten Stiftung mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrungen in ungezählten Arbeitsstunden das alte Rollmaterial am Leben und vor allem funktionsfähig erhalten. Am 17. September 2023 verkehrt auf der Hauenstein-Bergstrecke mit dem legendären «Krokodil», der Ce 6/8 III ein weiteres Arbeitstier.
F O T O S: O. GR A F
Kontrolle mit dem Ölpintli in Läufelfingen.
Post CH AG
Wenn Sie Auto fahren, haben Sie sich wohl auch schon über Verkehrsteilnehmer geärgert, die sich in einem Kreisel falsch verhalten haben. Wer in der linken Spur in den Kreisel fährt, muss entweder bei der dritten oder vierten Ausfahrt den Kreisel verlassen. Wer jedoch links einspurt und geradeaus weiterfährt, gefährdet die korrekt fahrenden Verkehrsteilnehmer. Mich hätte auch schon ein solcher Linksfahrer fast gerammt. Kreisel sind also nicht harmlos. Es gibt auch Automobilisten und Automobilistinnen, die im Tempo des gesengten Schweins in einen Kreisel fahren – ohne Rücksicht auf Verluste. Wir müssten heute eigentlich gescheiter sein und wissen, wie ein Kreisel funktioniert, denn die ersten Kreisverkehre gab es schon am Ende des 19. Jahrhunderts. In der Schweiz wurde der «Kreisverkehrsplatz» zwar erst 1994 in die Signalisationsverordnung aufgenommen. Kreiselmässig hinkten wir Frankreich oder Deutschland also weit hinterher. Der Kreisel, wie wir salopp sagen, hat Vor- und Nachteile. Eine Besonderheit des Kreisels ist, dass durch die Strassenführung eine Kreiselinsel entsteht. Diese Insel kann bepflanzt werden, wie etwa in Reinach mit Birkenwäldchen, oder als Standort für Kunstwerke genutzt werden. Man spricht dann von Kreiselkunst. Aus Verkehrssicherheitsgründen kann nicht auf jeder Kreiselinsel ein Kunstwerk errichtet werden. Es ist interessant, dass die meisten Kreiselkunstwerke im unteren Baselbiet und im Laufental zu finden sind. Pratteln ist die Ortschaft mit sehr vielen Kunstkreiseln. Im oberen Baselbiet sind die Kreisel nüchterner gestaltet. Man fragt sich, ob dies mit fehlenden finanziellen Möglichkeiten zu tun hat oder mit dem pragmatischen Oberbaselbieter Charakter. THOMAS BRUNNSCHWEILER
Billetkontrolle mit der Löchlizange.
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