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Lenzburger Bezirks-Anzeiger

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DONNERSTAG, 19. JANUAR 2023

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Amtliches Publikationsorgan für den Bezirk Lenzburg und angrenzende Gemeinden.

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Übernahme der Regentschaft: Mit dem Eintrommeln der Tambourinnen beginnt die dreitätige «Weiberherrschaft».

Endlich wieder eine dreitägige «Weiberherrschaft» im Seetal Meisterschwanden-Fahrwangen Zwei Jahre lang mussten die Meitlisonntag-Vereinigungen auf die Ausübung ihres Brauchs verzichten. Letzte Woche hatten die Frauen endlich wieder das Sagen – zumindest für drei Tage. ■

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m Donnerstagabend eröffneten rund 100 Frauen in eleganten schwarzen Roben begleitet von den Trommelklängen der Tambourinnen die «Meitlitage» auf dem Dorfplatz. «Wir freuen uns riesig, dass wir dieses Jahr nach zweijähriger Coronapause endlich wieder die dreitägige Weiberherrschaft übernehmen können», sagt Delphine Schmitt vom Vorstand der MeitlisonntagVereinigung Meisterschwanden. Der Brauch geht zurück auf den zweiten Vill-

mergerkrieg von 1712. Die Seetaler Frauen haben den reformierten Bernern damals zum Sieg verholfen. Zum Dank für ihre Hilfe und ihren wackeren Einsatz schenkte der Berner Heeresführer Oberst Tscharner den Kämpferinnen «drei eigene Tage», an denen sie über das «Mannevolch» regieren dürfen. Die Tage der Frauenherrschaft sind der Meitlidonnerstag, der Meitlisamstag und der Meitlisonntag. Sie werden jährlich rund um den zweiten Sonntag im Januar in Meisterschwanden und Fahrwangen gefeiert.

Männerfang und Damenwahl

Die Meitlitage in Meisterschwanden begannen am Donnerstagabend mit Glühwein, Punsch, Rohschinkenzopf und dem traditionellen Eintrommeln, gefolgt von der Generalversammlung. Danach teilten sich die Frauen in vier Gruppen und Beizen auf, wo sie die Männer zum Tanz aufforderten. Bald schon ging es ans Eingemachte: Bewaffnet mit einem Grasbogen aus Hanfseilen machten sich

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die Frauen auf zum Männerfang. Dabei wird jeweils ein Mann im Netz gefangen, durchgeschüttelt und zur nächsten Beiz getragen, wo er sich mit einer Runde Wein freikaufen kann. Ganze sechzehn Männer gingen den Frauen am Donnerstagabend bei heiterer Stimmung und munterem Treiben ins Netz. «Es ist ein Privileg, gefangen zu werden», verrät Schmitt. Drei bis vier Beizen brauchen die Frauen zum Tanzen und Zirkulieren. Eine davon ist seit vielen Jahren das Restaurant Löwen. Das Wirtepaar Chregu und Heidi Eichenberger unterstützt die Meitlisonntag-Vereinigung Meisterschwanden seit bald 37 Jahren, seit 2017 sind die beiden auch Fahnengotti und -götti und dieses Jahr zum letzten Mal dabei. Die Gastgeber verabschieden sich im Juni in den Ruhestand. «Eine Ära geht zu Ende. Es ist sehr schade, dass die beiden aufhören. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die grossartige Unterstützung über all die Jahre», so Schmitt.

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Zum Klimawandel gibt es harte Fakten und eher weichere Faktoren. Zu letzteren gehört natur(eis)gemäss, dass der Kreis der Lenzburger, die noch nie Peter Buri auf dem Fünfweiher «schlöflen» konnten, immer grösser wird. Letztmals konnte die idyllische Natureisbahn im Februar 2012 für ein paar Tage behördlich freigegeben werden. Zwar überzog seither ab und zu zur Winterszeit eine dünne Eisschicht den Waldweiher, zu den für eine offizielle Freigabe notwendigen 15 Zentimeter reichte es aber bei weitem nicht. Geschweige denn für die Durchführung des legendären Fünfweiher-Eishockeycups, der letztmals 2002 ausgetragen werden konnte. Anders vor 50 Jahren: In den 70erJahren war das in der Rathausgasse ausgehängte Schild «Fünfweiher fahrbar» ein Fixpunkt im Lenzburger Wintersportkalender. Und in den 50er-Jahren dauerten die Eiszeiten regelmässig so lange an, dass in Lenzburg sogar ein Eishockeyclub existieren konnte – der HC Mammut. Er nutzte den Fünfweiher und eine Spritzeisfläche auf dem Tennisplatz als Heimstadion. Aber auch bei Tauwetter beziehungsweise Softeis wusste man sich zu helfen: In der alten Reithalle wurde für eisnahes Schusstraining ein mit Schmierseife behandeltes Brett auf den Torfmull gelegt. Diese Kunst- oder Trockeneisidee der Mammuts feiert nun Renaissance – auf Hightech-Basis. Möriken-Wildegg realisiert im Februar eine Kunst(stoff ) eisbahn, und in Niederlenz gibt’s in einer Industriehalle eine 300 Quadratmeter grosse Kunsteisbahn Lenzburg («GreenIce-Skating») mit angegliederter Hockeyschule. Diese innovativen Angebote führen sogar zur Wiedergründung eines Eishockey-Clubs Lenzburg, der ab Saison 2023/2024 mit einem 4.-Liga- und einem Nachwuchsteam Meisterschaft spielen will. Nun fehlt nur noch eine Kunstschneeloipe in der Mehrzweckhalle, eine Mattenschanze am Schlossberg oder eine Gras-Skipiste am Gofi, damit sich Lenzburg als Wintersportort im Zeichen des Klimawandels positionieren kann. Peter Buri, Lenzburg

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