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Donnerstag, 15. September 2022 | Nr. 37 | 83. Jahrgang
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Wenn der Markt den Strompreis diktiert «Die Strompreise (auch in Grenchen) explodieren förmlich», schreibt uns Leser Thomas Ryf aus Grenchen. Für ihn sei das absolut unverständlich, weil man von Seiten des Energieversorgers suggeriere, das Standardprodukt würde mit erneuerbaren Energien hergestellt. Energie aus Wasserkraft und Sonnenergie koste immer noch gleichviel und trotzdem würden die Strompreise massiv steigen. Wir haben bei der SWG nachgefragt. JOSEPH WEIBEL
BÜREN AN DER AARE Diese Woche im
Für Ronny Leuenberger, Leiter Energie + Vertrieb, kommt diese Reaktion unseres Lesers nicht überraschend. «Die Mechanismen im Strommarkt sind komplex und nicht immer direkt nachvollziehbar», sagt Leuenberger. Die für nächstes Jahr angekündigte Strompreiserhöhung von 54 Prozent tut weh, nicht nur in den Ohren, sondern vor allem im Portemonnaie. Anstatt 22,19 Rappen pro Kilowattstunde, kostet der kWh-Preis ab nächstem Jahr 33,73 Rappen. Das ist happig, aber kantonal gesehen noch längst nicht die Spitze des Eisbergs. In Biezwil oder Lüterswil kostet die Kilowattstunde fast 45 Rappen. Günstig bleibt der Strom, unter ande-
rem in Neuendorf (18 Rappen) oder in Gerlafingen, Kriegstetten, Luterbach und Lommiswil mit 25 Rappen pro Kilowattstunde. Leser Thomas Ryf kann nicht verstehen, dass Strom aus erneuerbaren Energien wie zum Beispiel Wasserkraft denselben Preissteigerungen unterworfen ist, obwohl die Kosten für die Produktion nicht oder nur geringfügig steigen. Was ist hier falsch? Ronny Leuenberger von der SWG hat dafür eine plausible Erklärung: «Der Preis an der europäischen Strombörse wird durch das so genannte Merit-Order-Prinzip bestimmt.» Das bedeutet, dass die Produzenten zuerst die Kraftwerke mit den tiefsten Produktionskosten einsetzen, um Strom zu produzieren. Dies sind erneuerbare Energien (Wasser-, Windkraft und Fotovoltaik). Vermögen diese Kraftwerke die Nachfrage nicht mehr zu decken, werden nach und nach weitere Kraftwerkstypen wie Kernkraft, Kohle und zuletzt Gas zugeschaltet. Letztere beeinflussen, basierend auf dem beschriebenen MeritOrder-Prinzip, den an der Börse gehandelten Einheitspreis – kurz der Kraftwerkstyp mit den höchsten Produktionskosten bestimmt den Preis. Dabei spielt die Art der Produktion keine Rolle. Aktuell sind dies die Gaskraftwerke, welche Erdgas zu sehr hohen Preisen beschaffen müssen. Die Energieversorger wie die SWG kaufen den Strom an der Strombörse zu den dort gehandel-
ten Einheitspreisen. Die finale Deklaration der jeweiligen Stromherkunft erfolgt in einem zweiten Schritt, entkoppelt von der eigentlichen Energie, über sogenannte Herkunftsnachweise. Diese garantieren den Kunden, dass der von der SWG an der Börse beschaffte Strom auch tatsächlich aus erneuerbaren Ressourcen stammt. Anders als eine grosse Energieversorgerin wie zum Beispiel der BKW kann die SWG dabei nicht auf eine eigene Stromproduktion aus Wasserkraft oder dergleichen zurückgreifen und muss die benötigte Energie auf dem Markt einkaufen. «Wir sind demzufolge abhängig vom Marktpreis.» Ausgerechnet in Deutschland, wo der vollständige Atomkraftausstieg nach dem Töhoku-Erdbeben in Japan beschlossen wurde, werden heute viele Gaskraftwerke betrieben. Und weil die Gasversorgung ungenügend und dadurch immer teurer wird, explodieren auch bei uns die Strompreise. Nur wer den Eigenbedarf grösstenteils selbst decken kann, kommt praktisch ungeschoren davon. So wie die BKW, die ihre Energie grösstenteils aus der Wasserkraft gewinnt. Zu einer bedeutenderen Selbstversorgerin würde die SWG dann, wenn der Windpark auf dem Grenchenberg in Betrieb geht. Einsprachen haben den Bau aber immer wieder verzögert. Mit dieser Windkraft könnte immerhin zwei Drittel der Grenchner Haushalte mit Strom versorgt werden.