Donnerstag, 9. April 2026
118. Jahrgang
Nr. 15
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Die Birs holt sich ihr Ufer zurück Fünf Jahre nach der Revitalisierung zeigt sich am «Inseli» in Grellingen, wie sich die Natur entwickelt, wenn man ihr Raum gibt.
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B L AU E N
Melanie Brêchet Das «Inseli» in Grellingen ist eigentlich eine Insel. Der Name hat sich eingebürgert und beschreibt das Projekt eines revitalisierten Uferabschnitts zwischen den zwei Kraftwerken an der Birs. Hier soll sich die Natur wieder freier entfalten können. Seit dem schweren Hochwasser im Jahr 2007 wurden entlang der Birs zahlreiche Schutzmassnahmen umgesetzt. In Grellingen bot sich die Gelegenheit, ein Areal von privater Hand zu erwerben und ökologisch aufzuwerten. 2021 wurde der Abschnitt umgestaltet. Fünf Jahre danach zeigt eine Wirkungskontrolle, dass die Entwicklung in Gang gekommen, aber noch nicht abgeschlossen ist. Bestehende Bäume wurden, wo möglich, stehen gelassen, ergänzt durch standorttypische Arten wie verschiedene Weiden, Schwarzpappeln und Flatterulmen. Ziel ist ein typischer Auenlebensraum, der sich dynamisch weiterentwickelt: Entlang der Uferzonen breiten sich junge Weiden und Erlen aus. Langfristig soll diese Entwicklung zu einem sogenannten Weichholzauenwald führen. Noch ist dieser Zustand aber erst ansatzweise erreicht. Die Vegetation entwickle sich zwar in die richtige Richtung, liege jedoch vielerorts noch deutlich unter dem angestrebten Ziel, heisst es im Bericht zur Wirkungskontrolle. Sichtbar ist die Veränderung auch im Kleinen. Der Schilfbestand etwa habe sich in den letzten Jahren deutlich vergrössert, ein Zeichen dafür, dass sich neue Lebensräume stabilisieren. Gleichzeitig wurden erstmals klare Spuren des Bibers festgestellt.
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B Ü S S E R AC H
Sind mit der Entwicklung des Areals zufrieden: Alicia Escher, Projektleiterin Revitalisierung, und Jonas Woermann, Leiter FOTO: MELANIE BRÊCHET Geschäftsbereich Wasserbau im Tiefbauamt des Kantons Basel-Landschaft.
Er hat bereits einzelne Bäume gefällt — Eingriffe, die hier nicht als Schaden gelten, sondern als Teil der gewünschten Entwicklung. Denn das Prinzip des Projekts lautet: möglichst viel zulassen. «Es hat ein, zwei Hochwasser gegeben hier in den letzten fünf Jahren. Das ist für ein solches Projekt wertvoll», sagt Jonas Woermann vom Tiefbauamt. «Das Wasser verändert die Landschaft weiter — das ist erwünscht.» Totholz bleibt deshalb liegen, solange keine akute Gefahr entsteht. Solche Strukturen bieten Unterschlupf für Tiere und erhöhen die Vielfalt im und am Wasser. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Gestaltung des Gewässers selbst.
«Wir haben Wert auf beschattete Bereiche gelegt», sagt die Projektleiterin Renaturierung Alicia Escher. Diese Rückzugsorte sind für viele Wasserlebewesen entscheidend. Gleichzeitig ist die Dynamik des Flusses nicht unbegrenzt: Der Abschnitt liegt teilweise im Rückstau eines Kraftwerks, was die natürliche Umlagerung bremst.
Invasive Neophyten als grosse Herausforderung Eine der grössten Herausforderungen bleibt der Umgang mit invasiven Neophyten. Drei Arten treten im Gebiet auf und müssen regelmässig entfernt werden. Der Aufwand lohnt sich: Die Bestän-
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de gehen zurück, während sich die einheimische Vegetation zunehmend durchsetzt. Allerdings ist diese Entwicklung kein Selbstläufer, sondern das Resultat konsequenter Pflege. Auffällig ist auch, was hier bewusst nicht im Zentrum steht: die Nutzung durch den Menschen. «Das ‹Inseli› ist kein Naherholungsgebiet. Der Platz gehört der Natur, auch wenn ein Besuch grundsätzlich möglich ist, solange man sich rücksichtsvoll verhält», erklären Escher und Woermann. Die Entwicklung auf dem «Inseli» soll weiter beobachtet werden. In fünf Jahren ist die nächste Wirkungskontrolle geplant. Bis dahin dürfte sich das Bild erneut verändern.
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