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08_2023_stadtanzeiger_olten

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Olten, Donnerstag, 23. Februar 2023 | Nr. 8 | 91. Jahrgang | Auflage 34 383 | Post CH AG

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Die 50-jährige Bohème-Gugge beeindruckte mit ihrem Papageien-Gewand. (Bilder: Achim Günter)

Das fasnächtliche Treiben ist zurück FASNACHT Nach zwei Jahren unfreiwilliger Pause erlebte die Region Olten ein kraftvolles Comeback der Fasnacht. Mitmachende und Zuschauende hatten viel Spass.

aut, bunt, schrill, ausgelassen, fröhlich – die Fasnacht ist zurück in Olten und Umgebung. Nachdem in den beiden Vorjahren die meisten Anlässe der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen waren, konnte in die-

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sem Jahr wieder ohne Einschränkungen und ohne Absagen gefeiert werden. Ob Chesslete, Kinderfasnacht, Schnitzelbankabende, Fasnachtsball oder Umzug – die Fasnacht ist in ihrer ganzen Pracht zurück. Wir waren am Sonntagnachmittag beim grossen Umzug in der Oltner Innenstadt mit dabei. 33 Nummern – gebildet aus Formationen hauptsächlich aus Olten und Region, aber auch aus Muttenz, Triengen oder Biel – zogen dabei knapp zwei Stunden bei freundlichem, ziemlich windigem Wetter durch die Oltner Innenstadt. Sie verströmten jede Menge gute Laune – und verteilten Unmengen an Konfetti, aber auch zahlreiche kleinere und grössere Naschereien.

Die einzelnen Nummern waren mehrheitlich apolitisch. Ausnahmen bildeten etwa Fifa-Boss Gianni Infantino hinter schwedischen Gardinen (Bärenzunft Wangen) oder der erhaben winkende König Charles III. (Hilari Zunft). Viel Aufsehen erregten auch das Wikingerschiff der Guggi-Zunft, gezogen von einem riesigen Drachenkopf, oder das Silberzigarren-Raumschiff der Fröscheweid-Zunft. Die vielen Tausend Zuschauerinnen und Zuschauer am Strassenrand kamen jedenfalls auf ihre Kosten – nicht nur der Bonbons, Orangen oder Chips wegen.

Die Nachtwächter Zunft Oute verteilte grosszügig Konfetti.

Für einmal nicht am Tratschen: ein Mitglied der Oltner Rätschwyber Zunft.

Die Höckeler Zunft nahms öfter mal gemütlich.

ACHIM GÜNTER

Weitere Bildimpressionen auf Seite 3

inmal war ich Punk, war Pipi Langstrumpf, Prinzessin und ein Clown. Das liegt rund zwanzig Jahre zurück. Und nun stehe ich hier, Konfetti wirbeln vor blauem Himmel, der Wind katapultiert das Bunt unkoordiniert in Gesichter, Jackentaschen und Stiefel und Sousaphone, Pauken und Trompeten liefern die Hintergrundmusik zum Konfettitanz. Der grosse Umzug ist eines der Highlights der rund einwöchigen Oltner Fasnacht. Was hier die Stadt sechs Tage in einen Ausnahmezustand versetzt, lange Partynächte in der ganzen Stadt möglich macht, sowie müde Augen, gute Erinnerungen und Konfetti zurück lässt, das nimmt im Norden genau einen Schultag in Anspruch. Wir nennen es Fasching, und das bedeutet: An einem Tag geht es verkleidet über den Schulhof oder in den Kindergarten, etwa bis zur vierten Klasse. Lebt man nicht im Südwesten Deutschlands, ist das Thema danach vorbei, und das Verkleiden bleibt was für die Kleinen. Doch im Land der Guggenmusik und Zünfte ist das anders. Hier werden auch Erwachsene zu Pferden, Fröschen oder Piñatas. Und deshalb hörte ich schon in meinen ersten drei Schweizer Wochen die Frage: «Kommst du mit an die Fasnacht?» Als Hamburgerin besass ich seit Jahren keine Kostüme und hatte nur eine grobe Idee von dem, was mich erwarten würde. «Gugge» und «Obernaar» waren noch Fremdwörter, und «Schnitzelbänke» hatten nichts mit Musik zu tun, doch ich bejahte die Frage. Fühlte ich mich anfangs noch fremd, ist meine Kostümsammlung mit den Jahren unweigerlich gewachsen. In meinem sechsten Fasnachtsjahr habe ich statt keinem zwei Kostüme und feiere unter anderem in einem rot-weissen Pappkarton als Popcorntüte mal mit einem Schokobon oder einem Känguru. Und ja, in manchen Momenten hinterfrage ich das alles noch, doch die restliche Zeit habe ich Spass an Musik und Kostümen und freue mich auf die nächste Konfettischlacht unter Freunden.


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