CH Regionalmedien AG I Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I www.affolteranzeiger.ch I Auflage 27 810 I AZ 8910 Affoltern a. A. I Post CH AG
AUS DEM BEZIRK AFFOLTERN I Nr. 52 I 179. Jahrgang I Dienstag, 21. Juli 2026
Künftig jeden Sommer Totalsperre?
Trotz zwischenzeitlicher Abkühlung
Bereits zum zweiten Mal innert zwei Jahren ist die Strecke zwischen Bonstetten und Altstetten während der Sommerferien gesperrt. Seite 7
Auch der Gemeinderat Hedingen hat ein allgemeines Feuer- und Feuerwerksverbot beschlossen, welches bis auf Widerruf gilt. Seite 11
Knonauer Amt war schon zur Zeit der Römer recht dicht besiedelt Eine gross angelegte Untersuchung dokumentiert zahlreiche alte Gutshöfe und Siedlungen Florian HoFer Seit 26 Jahren spürt der Archäologe Daniel Käch als Projektleiter der Kantonsarchäologie römischen Siedlungen nach. Vor zwölf Jahren hat er angefangen, alle Informationen über Funde in der Region Affoltern systematisch zu sammeln. Nun ist ein umfangreiches wissenschaftliches Buch erschienen, das dieses Wissen aus insgesamt 90 Fundstellen strukturiert präsentiert. Es heisst «Das Umland des Vicus von Obfelden-Lunnern – Der Südwesten des Kantons Zürich in römischer Zeit». Der Spezialist für ländliche römische Siedlungen ist dabei zu einer ganzen Reihe von wichtigen Erkenntnissen gekommen: «Das heutige Knonauer Amt war damals von einem dichten Netz von Gutshöfen überzogen.» Der Südwesten des Kantons Zürich gehörte zum Umland der kleinstädtischen römischen Siedlung von Obfelden-Lunnern, die als regionales Zentrum fungierte. Bislang war man in der Forschung davon ausgegangen, dass der Südwesten des Kantons Zürich zur römischen Zeit ein eher dünn besiedeltes Gebiet war. «Diese Auffassung muss revidiert werden», so Käch. Zudem legen die archäologischen Auswertungen nahe, dass das Gebiet rund um Obfelden-Lunnern von den Römern wohl bereits früher besiedelt wurde als bislang vermutet. Auch die in Fachkreisen kontrovers diskutierte Frage, ob
«Das heutige Knonauer Amt war damals von einem dichten Netz von Gutshöfen überzogen.» Daniel Käch, Kantonsarchäologie Zürich
das Untersuchungsgebiet zum Hinterland des Legionslagers von Vindonissa gehörte, wird in der Publikation diskutiert. Der Autor kommt dabei zum Schluss, dass das erweiterte Umland von Obfelden-Lunnern zur Versorgung des
3.
Swiss Karate League Zürich hochkarätig besetzt mit starken Karateka aus ganzer Schweiz. Seite 12
«Wagner leitet sich von Wagenbau ab.» Seite 9 Rolf Frei, gelernter Schreiner. (Bild Angela Bernetta)
Grenzfluss Reuss
Wo heute eine Wiese ist, stand an der Oberholzerstrasse im Bereich zwischen Affoltern und Mettmenstetten in römischer Zeit ein Gutshof – es war wohl einer der grössten Gutshöfe im ganzen Kanton. Daniel Käch von der Kantonsarchäologie Zürich hat in seinem neuen Buch alles Wissen über Funde im Knonauer Amt zusammengetragen. (Bild Florian Hofer) Lagers in Vindonissa herangezogen worden sein dürfte.
Was ist ein Gutshof? Von insgesamt 90 Inventareinträgen stehen 20 Einträge für sicher als römisch erkannte Siedlungen. Bei 23 weiteren Einträgen sind Siedlungsstellen wahrscheinlich. Bei Letzteren handelt es sich meist um Fundstellen, die wahrnehmbare Fundhäufungen aufweisen, vereinzelt um pauschale Erwähnungen von «römischen Überresten» oder um Flurnamen, die auf Gebäude schliessen lassen. Insgesamt kommt man im Untersuchungsgebiet somit auf die stattliche
Anzahl von 43 gesicherten oder vermuteten Siedlungsstellen. Erwartungsgemäss handelt es sich dabei meist um Gutshofanlagen (zum Beispiel in Bon-
90
Fundstellen aus römischer Zeit gibt es im Knonauer Amt.
stetten, Mettmenstetten, Ottenbach, Rifferswil oder Wettswil). Neben dieser häufigsten Befundgattung sind vereinzelt Kultplätze, Gräber oder Strassenbefunde nachgewiesen. Ein römischer Gutshof ist nicht vergleichbar mit einem heutigen Bauernhof. «Ein Gutshof ist eher wie ein
kleines Dorf mit Arbeitern, Heiligtümern, Töpfereien, gelegentlich auch einem Schmid und mit Handel», erklärt Käch. Es wurden Überschüsse erzielt, die in die städtischen Zentren verkauft wurden. Ein solcher Gutshof, man könnte es auch Landgut nennen, besteht aus einem Hauptgebäude, Nebengebäuden und ist oft umfriedet von einer Hofmauer. Die charakteristischen Ausstattungselemente der Hauptgebäude sind Mörtelböden, Wandmalereien, heizbare Räume und Badetrakte oder separat liegende Badegebäude. Sie konnten im Knonauer Amt um die 700 Hektar Land umfassen.
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Positive Seiten der Hitzewelle Hohe Erträge und Qualität bei Getreideernte
Was das für ein interessantes Gebilde ist, ist auf Seite 11 zu erfahren. (Bild cle)
Für die Landwirtschaft hat die Hitzewelle im Juni auch Vorteile mit sich gebracht. Das heisse Wetter kam dem Getreide zugute und sorgte für hohe Erträge und gute Qualität. Ungefähr zwei Wochen früher als üblich mussten die Mähdrescher ausrücken, um die erste Gerste zu ernten. «Die Erträge lagen bei durchschnittlich sechs bis acht Tonnen pro Hektare», erklärt Xaver Am-
gwerd, Bereichsleiter der Sammelstellen Landi Albis. Nach der Gerste folgte nahtlos die Ernte der Weizenfelder, deren Ertrag mit durchschnittlich sieben Tonnen pro Hektare ebenfalls gut war. Der Raps wurde so lange wie möglich stehen gelassen. Statt acht dauerte die gesamte Getreideernte nur vier Wochen. (red)
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Im fünften Teil der Sommerserie wirft Bernhard Schneider einen historischen Rückblick auf die Reuss. Mit einer Länge von 164 Kilometern und einem Einzugsgebiet von 3426 Quadratkilometern ist sie der viertgrösste Fluss der Schweiz. Sie führt vom Gotthardmassiv zum Wasserschloss bei Windisch, wo sie in die Aare fliesst. Auf einer Länge von gut fünf Kilometern bildet sie die Grenze zwischen den Kantonen Zürich und Aargau, von der Lorzenmündung am südlichen Ende von Obfelden bis zur Mündung des Bonbächlis unterhalb der alten ARA Jonen-Ottenbach nahe dem nördlichsten Punkt von Ottenbach. Sie war lange Zeit von grosser militärischer Bedeutung, denn mit der Territorialbildung der Städte Zürich und Luzern wurde die Reuss im Spätmittelalter zum Grenzfluss zwischen dem luzernischen Amt Merenschwand und der Kirchgemeinde Ottenbach am westlichen Rand der Zürcher Herrschaft, der die heutigen Gemeinden Obfelden und Ottenbach angehörten. Allerdings suchten Zürich und Luzern tendenziell eher die Verständigung und akzeptierten im Wesentlichen die Reuss als Herrschaftsgrenze. Luzern kämpfte in den Kriegen gegen Zürich zwar meist auf der Seite von Schwyz, nahm dabei aber keine Führungsrolle ein. Keine der beiden Städte nutzte einen der zahlreichen Kriege zwischen Zürich und Schwyz zur Eroberung von Land auf der anderen Seite der Reuss. Dies änderte sich auch nicht mit der Reformation 1525, als die Reuss zur Konfessionsgrenze wurde. Wichtiger als eine Ausdehnung des Territoriums war den beiden Städten, eine interkonfessionelle Vermischung ihrer Bevölkerung mit derjenigen des anderen Herrschafts- und Konfessionsgebiets zu verhindern. Obwohl die Reuss 1848 zum Binnengewässer wurde, behielt sie eine militärische Bedeutung, da sie zu den wichtigen Übungsplätzen der Pontoniere der Schweizer Armee zählt. Der 1888 gegründete Pontonierfahrverein Ottenbach verbindet seither Militär und Sport und zählt rund 60 Aktivmitglieder. (red)
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