CH Regionalmedien AG I Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern I Obere Bahnhofstrasse 5 I 8910 Affoltern am Albis I Telefon 058 200 5700 I www.affolteranzeiger.ch I Auflage 27 155 I AZ 8910 Affoltern a. A. I Post CH AG
AUS DEM BEZIRK AFFOLTERN I Nr. 19 I 177. Jahrgang I Freitag, 10. März 2023
Unter Schock
Sinan Kovan aus Affoltern erzählt über die Erdbebenopfer in der Türkei. > Seite 7
Eifersucht und Gewalt
Am Bezirksgericht Affoltern wurde stundenlang über ein Beziehungsdrama verhandelt. > Seite 9
Zum Tag der Kranken Der Lions Club Knonauer Amt verschenkte im Pflegeheim Seewadel Blumen. > Seite 9
Mehr Grün
Kantonsrat Thomas Schweizer fordert mehr Bäume im Siedlungsgebiet. > Seite 10
Erhält die Reuss einen Seitenarm? Projekt für eine Revitalisierung am «Rüssspitz» bei Maschwanden
Die Schaffung eines 530 Meter langen und 12 bis 15 Meter breiten Seitenarms
Auf diesem Abschnitt Richtung «Rüssspitz» soll ein 530 Meter langer Seitenarm der Reuss geschaffen werden, wozu der Hochwasserschutzdamm verlegt und Wanderwege neu angelegt werden müssten. (Bild Werner Schneiter) rechtsseits der Reuss bildet das Kernstück des Projekts – ein paar hundert Meter von der Mühlauer Brücke entfernt, Richtung «Rüssspitz». Damit sollen die Uferlänge vergrössert und wertvolle Lebensräume mit Land-WasserInteraktion geschaffen werden. Übergeordnetes Ziel einer Revitalisierung des rechten Ufers ist die Wiederherstellung der natürlichen Auendynamik. Verbunden ist damit auch die Hoffnung, dass sich im Seitenarm unter anderen die Nase ansiedelt, eine in der Schweiz vom Aussterben bedrohte Fischart. Geplant sind ausserdem eine Rückversetzung des Hochwasserschutzdamms und ein – eventuell teilweiser – Rückbau der bestehenden Uferverbauung. Zwischen Reuss und neuem Seitenarm soll ein 1 ha grosser Auenwald geschaffen werden, dazu ein Grossseggenried zwischen Seitenarm und neuem
Damm. Vorgesehen sind ausserdem Ufersicherungen. Auf dem neuen Damm ist ein Fussweg von einem Meter Breite sowie ein Damm-Übergang geplant, derweil die bestehenden Wege auf dem heutigen Damm und am wasserseitigen Dammfuss zurückgebaut werden.
Gespräch mit Eigentümerschaften suchen Insgesamt soll das Projekt ins bestehende Konzept des Naherholungsgebiets «Maschwander Allmend» eingebettet werden, heisst es im technischen Bericht. Darin ist auch die Rede von einem positiven Einfluss auf das Landschaftsbild. «Die Massnahmen, insbesondere der Seitenarm und der Auenwald, tragen dem ursprünglichen Charakter der natürlichen Flusslandschaft Rechnung», heisst es wörtlich.
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Die Holzkorporation Maschwanden steht dem Projekt kritisch gegenüber. Weil offenbar auch landwirtschaftlich intensiver genutzte Flächen betroffen sind, stellt sich die Frage nach Realersatz. Der derzeitige Projektstand werde aktuell durch die massgebenden Fachstellen geprüft. Im Anschluss könne dann das Projekt unter Berücksichtigung von Rückmeldungen weiterentwickelt und der Landbedarf pro Grundeigentümer ermittelt werden. Danach werde mit den Eigentümerschaften das Gespräch gesucht, betont Florian Weber. Noch sind nicht alle Rückmeldungen eingegangen. «Die weiteren Schritte hängen im Rahmen der Vernehmlassung stark von der Analyse der Fachämter ab», so der Baudirektor. 2026 sieht er als frühestmöglichen Baubeginn. Die Kostenschätzung beläuft sich nach heutigem Stand auf 1,75 Mio. Franken.
Flüchtlinge in der Zivilschutzanlage?
«Niemand zwingt uns zur Neutralität»
Ab 1. Juni müssen die Gemeinden im Kanton Zürich mehr Flüchtlinge beherbergen. Das gab Mario Fehr, Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich, am Montag bekannt. Konkret steigt die Aufnahmequote von 0,9 auf 1,3 Prozent. Der Bezirk Affoltern muss somit rund 250 zusätzliche Asylsuchende beherbergen. Schon jetzt ist die Wohnsituation angespannt. Nun haben Obfelden, Mettmenstetten, Ottenbach und Hausen bekannt gegeben, dass sie bei Bedarf die Zivilschutzanlage in Obfelden für Flüchtlinge öffnen werden. (uc)
Der ehemalige Schweizer Botschafter in Deutschland, Tim Guldimann, befasste sich am Dienstagabend im vollbesetzten Löwensaal in Hausen unter dem Titel «Zeitwende in Europa» mit der Frage, welche Strategie die Schweiz benötige, um angesichts des Ukrainekriegs und weiterer Krisen ihren Platz in der Welt zu behaupten. Guldimann formulierte präzis und pointiert, sein kritischer Blick fokussierte alle, gerade auch seine eigene Partei, die SP. Der grosse Applaus, den er entgegennehmen durfte, zeigte, dass seine unideologische Betrachtungsweise auch bei seiner Gastgeberin, der SP Hausen, gut ankam. Das Verhalten des Bun-
> Bericht auf Seite 3
Wieder weniger Arbeitslose
Zwar sind die Arbeitslosenzahlen im Dezember und Januar infolge saisonaler Effekte leicht gestiegen, sie bleiben aber nach wie vor sehr tief. Zudem wurde im letzten Monat bereits wieder ein Rückgang verzeichnet: Ende Februar waren 446 Personen aus dem Knonauer Amt bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) des Kantons Zürich als arbeitslos gemeldet, zehn weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote liegt unverändert bei 1,5 Prozent. Die Wirtschaftslage sei erfreulich, heisst es beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA). Aufgrund der gesunkenen Energiepreise mache sich bei vielen Unternehmen Optimismus breit. Für das kommende halbe Jahr gehen deutlich mehr von einer Verbesserung der Geschäftslage aus als von einer Verschlechterung. Hauptgrund dafür ist die ausgebliebene Energiemangellage. Wenn da nur nicht der Mangel an Arbeitskräften wäre. Er dürfte sich in den nächsten Jahren akzentuieren. (tst.)
von werner schneiter
Seitenarm, Kernstück des Projekts
Der Spatenstich signalisierte den Baubeginn im Lötschenrain in Obfelden. > Seite 11
Die gesunkenen Energiepreise sorgen bei Unternehmen für Optimismus. Die Arbeitslosenquote bleibt bei 1,5 Prozent.
Der Kanton Zug will den «Rüssspitz» revitalisieren und plant dabei auch eine Aufweitung der Reuss mit einem Seitenarm. Noch ist aber nicht abschliessend geklärt, ob sich das Projekt mit dem Moorschutz vereinbaren lässt.
Gemäss Richtplan des Kantons Zug ist eine Renaturierung verschiedener Fliessgewässer vorgesehen, darunter auch der Abschnitt von der Mühlauer Brücke bis zum «Rüssspitz» – dort, wo die Lorze in die Reuss fliesst. «Ziel dieser Revitalisierung ist es, ökologische Mehrwerte zu schaffen. Im Rahmen der aktuell durchgeführten Vernehmlassung wird nun auch geprüft, ob das Projekt mit dem Moorschutz vereinbar ist», hält der Zuger Baudirektor Florian Weber auf Anfrage des «Anzeigers» fest. Im Auftrag des Tiefbauamtes des Kantons Zug hat ein Ingenieurbüro einen technischen Bericht zum Bauprojekt verfasst – ein diffiziles Unterfangen, liegt doch der Projektperimeter östlich des Reussdamms in der Maschwander Allmend, in einer Moorlandschaft von nationaler Bedeutung mit einer Vielzahl an Lebensräumen, geschützten Pflanzen- und Tierarten. Die Revitalisierung orientiert sich ausschliesslich an ökologischen Zielen: Flora, Fauna und Lebensräume, Naherholung, Landwirtschaft werden im technischen Bericht thematisiert, ebenso auch Uferverbauung und -sicherung, Dammverlegung, Morphologie, Hydrologie, Geologie, Auenzonen, Bepflanzung sowie Auswirkungen auf das Landschaftsbild und anderes. Vorgesehen ist eine Erhebung des Ist-Zustands und der Lebensräume. Erklärtes Ziel ist die uneingeschränkte Erhaltung und Verbesserung der Tierund Pflanzenwelt nach Umsetzung der Revitalisierung.
21 neue Wohnungen
Tim Guldimann referierte in Hausen zur «Zeitwende in Europa»
desrats sei angesichts des Überfalls auf die Ukraine ebenso unverständlich wie dessen unvermittelter Rückzug vom Rahmenabkommen mit der EU. Beides schade der Schweiz gewaltig. Kern von Guldimanns Kritik: Der Bundesrat pflege zu behaupten, «wir dürfen nicht», statt zu sagen, «wir wollen», denn heute zwinge uns niemand mehr zur Neutralität. Bundesrat und Parlament müssten die realen Interessen der Schweiz analysieren und ihre Stärken pflegen, statt die Stellung unseres global vernetzten Landes immer stärker erodieren zu lassen. (bs)
Tim Guldimann. (Bild zvg.)
> Bericht auf Seite 5
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