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»Die Kräuter bieten einander den Duft ihrer Blüten: Ein Stein strahlt seinen Glanz auf die anderen, und jedwede Kreatur hat einen Urtrieb nach liebender Umarmung. Die ganze Welt steht ja dem Menschen zu Diensten, und in diesem Liebesdienst legt sie ihm freudig ihre Güter ans Herz (…). Und so bin ich, die Barmherzigkeit, in Luft und Tau und in aller gründenden Frische ein liebliches Heilkraut. Übervoll ist mein Herz, jedwedem Hilfe zu schenken. (…) Der Hartherzigkeit indes ist jenes heilsame Wesen verschlossen, während ich mit liebendem Auge alle Lebensnöte berücksichtige und mich so mit allem verbunden fühle. Den Gebrechlichen helfe ich auf und führe sie zur Gesundung. Heilsamer Balsam bin ich für jedes Weh, und meine Worte tun wohl.« (Hildegard von Bingen über die Barmherzigkeit, zit. n. Heinrich Schipperges, 1997)


Olaf Rippe Margret Madejsky

Traditionelle Heilpflanzenkunde und Phytotherapie Kräuterwissen im Geist des Paracelsus

Naturphilosophie Pflanzenporträts Therapeutische Anwendungen


Wichtiger Hinweis für den Leser Trotz sorgfältiger Überprüfung sind die im Buch aufgeführten Hinweise, Rezepte, Dosierungsangaben und Applikationsformen ohne Gewähr; eine Garantie bzw. Haftung übernehmen daher weder der Verlag noch die Autoren. Jeder Benutzer ist angehalten, durch Prüfung der Beipackzettel verwendeter Handelspräparate und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem Arzt oder Heilpraktiker festzustellen, ob die Empfehlungen für Dosierungen oder die angeführten Kontraindikationen gegenüber den Angaben in diesem Buch abweichen. Jede Dosierung oder Applikation erfolgt auf eigene Gefahr und muss in jedem Fall individuell abgewogen werden. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) sind nicht gesondert kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Sämtliche vorgeschlagenen Therapiehinweise und Rezepte haben ausschließlich einen modellhaften Charakter. Sollten Sie weder Heilpraktiker, Arzt noch Apotheker sein, bedenken Sie bitte bei einer Selbstmedikation, dass hierfür ausreichende Kenntnisse der Heilkunst erforderlich sind.

Dieses Buch ist eine aktualisierte Neuauflage des unter dem Titel »Die Kräuterkunde des Paracelsus« im AT Verlag erschienenen Werks.

4. Auflage, 2019 © 2006 AT Verlag, Baden und München Lektorat: Barbara Imgrund, Heidelberg Umschlagbilder: Olaf Rippe, Margret Madejsky Druck und Bindearbeiten: Firmengruppe APPL, aprinta druck, Wemding Printed in Germany ISBN 978-3-03902-006-5 www.at-verlag.ch Der AT Verlag, AZ Fachverlage AG, wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016–2020 unterstützt.


Inhalt

9

Vorwort

13

Mensch und Heilpflanze

14

Vom Zauberglauben zum Wirkstoffkult: Paracelsus und die Geschichte der Kräuterheilkunde

14 16 18 20 23 26 31 33 35

Der Grenzgänger Paracelsus Naturverehrung als Quelle der Weisheit Urwege der Erkenntnis Das Zeitalter der Mysterien Die Medizinphilosophie der Antike Von der Mystik zur Wissenschaft Die Pflanze als Wirkstoffträger Das Geistartige der Arznei Kräuterbücher von der Antike bis heute (Tabelle)

39

Das Licht der Natur: Philosophie als Grundlage der Heilkunst

39 41 43 45 47 53 58 63 66

Die Freiheit des Menschen Das Staunen über das Wunderbare Das Unsichtbare in der sichtbaren Welt Das fantastische Reich der Elementar- und Fabelwesen Von Nymphen, Sylphen, Zwergen und Salamandern Die Wunderarznei des Paracelsus Die vier Mütter des Lebens Die Trinität Sulfur – Merkur – Sal Der dreigliedrige Mensch

69

Signaturenlehre: Die Zeichensprache der Natur

69 73 77 81 88 92

Wege der Heilmittelerkenntnis Schule der Wahrnehmung Das Heilmittel als Spiegelbild der Krankheit Signaturbetrachtungen am Beispiel der Brennnessel (Urtica dioica) Signaturbetrachtungen am Beispiel des Johanniskrauts (Hypericum perforatum) Signaturrezepte

95

Astrologie der Heilkräuter: Die Welt als Spiegelbild kosmischer Kräfte

95 97 100

Kosmische Sphärensinfonie Der Mensch als Abbild des Kosmos Die sieben Planetenorgane und ihre Krankheiten


106 113 116 118

Die kosmische Natur der Heilmittel Heilen im Einklang mit den Sternen Kairos: Die Qualität der Zeit beim Sammeln und Verarbeiten von Kräutern Astrologische Therapieideen

126

Alchimie und Spagirik: Traditionelle Wege der Heilmittelherstellung

126 127 130 133 136 139 141 145 147

Die Mutter aller Wissenschaften Alchimie als Einweihungsweg Quintessenz und Arcanum Der »grüne Geist« in der Flasche: Über alkoholische Pflanzenauszüge Das Sal-Prinzip der Asche: Die Kalzination Die alkoholfreie Arznei Die Kunst der Destillation Der Pflanzengeist Einige Hersteller spagirischer Heilmittel

153

Therapie mit Heilpflanzen

154

Krankheitsursachen und Heilungswege

154

Krankheit und Heilung als multifaktorielles Geschehen

160

Heilpflanzen am Geburtsort des Paracelsus

161

Von Adlerfarn bis Zinnkraut

174

»Wider Pestilenz und faule Geschwer«: Infektionen und Hautleiden bei Paracelsus

174 175 180 183 186 192

Vom Wundfieber zum Krankenhauskeim Von der balsamischen Tugend des Sankt-Johannes-Krauts Sanikel, das Heiligenkraut der Volksmedizin Die antibiotischen Kräfte des Wegerichs Einige vergessene Wundkräuter des Paracelsus Über die Heilkraft der Harze: Mit Weihrauch und Myrrhe präpariert für die Ewigkeit Der deutsche Balsambaum: Die Lärche Die Pestarzneien des Paracelsus Der Theriak der armen Leute Volksmedizinische Knoblauch- und Zwiebelrezepte wider die Pestilenz Vom Weihrauch der nordischen Völker Pesträucherung nach Paracelsus

198 201 206 208 210 211


212

Der innere Alchimist: Gewürze und Heilkräuter für Magen und Darm

212 214 215 218 219 221 228 233 235 239

Von der Nahrung zur Quintessenz Wie man den inneren Alchimisten heilt Verstopft wie die Tore zur Hölle Von der Schwächung durch Abführmittel Der Ausscheidungsweg als Eingang für die Gesundheit Über heilsame Bitterstoffe: 1000 Gulden für eine gute Verdauung Wie man die Winde überlistet Wacholderbeeren gegen schlechten Magen Exotische Gewürze bei Paracelsus Liebesgewürz und Todestrank: Doldenblütler bei Paracelsus

248

Tartarus und Entgiftung: Stoffwechselkrankheiten und Ausleitungstherapien

248 250 252 257 263 276 277 280

Vergiftung: Ein zentrales Thema der Heilkunde Von Schlacken und vom Tartarus Entgiftung: Die Basis jeder Therapie Die besonderen Zeichen der reinigenden Kräuter Beispiele für entgiftende Heilpflanzen bei Paracelsus und in der Volksmedizin Die Heilkraft des Weins Das Sulfurische des Weins: Über Weinessig und Weinsäure Das Kardinalmittel bei Tartarus: Weinstein

285

Die Frauenheilkunde des Paracelsus

285 291 292 296 298 305 309 313

Grundregeln der Frauenheilkunde nach Paracelsus Die Blutstiller des Paracelsus Die blutflusshemmenden Kräfte der Rosengewächse Die Menstruationsmittel des Paracelsus Die Artemisiagewächse in der Frauenheilkunde Frauenkräuter – Männerkräuter Die Planetenkräfte der Frauenarzneien Signaturrezepte in der Frauenheilkunde

316

»Die Sonne im Menschen«: Herzerkrankungen und deren Therapie

316 319 323 325 332 336 343

Heimat der Seele und Organ der Lebenswärme Die goldene Mitte Herzenstrost und Wohlgemut: Blaue Blüten für die Seele Kräuter für Lebenskraft und Seelenwärme Stachelige Pflanzen zur Herzstärkung Rhythmische Signaturen von Herzpflanzen Das Herz in der modernen Medizin: Herzglykoside


348

»De vita longa«: Über Lebenselixiere und die Kunst des langen Lebens

348 351 356 361 364 366 369 374 375

Das Geheimnis des Methusalem Das Wasser des Lebens: Aqua vitae Melisse: Ein Arcanum für Herz und Seele Safran: Das königliche Gewürz Gewürze der Sonne Pflanzen der Mittwintersonne Schwarze Nieswurz: Die Blume für den Lebenswinter Goldhaltige Elixiere Traditionelle Lebenselexiere

378

»Wider das Berufen«: Psychoregulation mit den Heil- und Zauberpflanzen des Paracelsus

378 381 389 392 394 395 398 400 402 405 407 410 413 417 421

Leidenschaft und Selbstverzauberung Seelenbalsam und Homunculus Johanniskraut als Fuga daemonum Von der Macht der Imagination Schutz für Haus und Hof Abwehrzauber mit Berufskräutern Über das Berufen und Verzaubern heute Die besonderen Kräfte der roten Koralle Weitere Abwehrmittel des Paracelsus Magische Pflanzen gegen Anfallsleiden Der Heilschlaf und die Somnifera bei Paracelsus Schlafmohn: Von der Blume des Hypnos zum Sedativum des Paracelsus Mandragora: Zauberwurzel und Narkotium der Weisen Bilsenkraut: Schlafkraut und Zahnwurzel des Paracelsus Rezepte für einen gesunden Schlaf Anhang

424

Biografische Notizen zu Paracelsus

429

Praktische Hinweise

431

Literatur und Internetadressen

441

Über die Autoren

442

Danksagung

443

Stichwortindex

456

Heilmittelindex


Vorwort

Nun fügen wir dem Bücherberg, der sich bereits rund um Paracelsus auftürmt, also noch ein weiteres Werk hinzu! Doch im Gegensatz zu den vielen eher medizinphilosophisch oder biografisch gehaltenen Schriften, die über Paracelsus verfasst wurden, ist unser Anliegen vor allem, einen umfassenden Einblick in seine Kräuterkenntnisse zu ermöglichen und diese in die Praxis zu übertragen. Bislang wurden nur Teilaspekte seiner Kräuterkunde hervorgehoben. Natürlich konnten auch wir nicht vollständig sein, aber es ist uns hoffentlich gelungen, einen Großteil des paracelsischen Heilkräuterschatzes für die heutige Zeit nutzbar zu machen. Um im Sinne des Paracelsus zu handeln, haben wir uns redlich bemüht, vor allem jene Aussagen und Kräutererkenntnisse in den Vordergrund zu stellen, die für uns in der Natur nachvollziehbar und in der Praxis oder am eigenen Leib erfahrbar waren. Wie einst Paracelsus trauen auch wir den »papiernen Büchern« ebenfalls nur bedingt und halten das gezielte Erproben von Gehörtem, Gelesenem und Überliefertem für die Basis der Heilkunst. Außerdem sind wir gemäß der Forderung des Paracelsus so oft wie möglich »durch der Natur Examen gegangen«. Wir haben unsere Freizeit den Natur- und Signaturstudien gewidmet und sind während unserer Urlaube auf den Spuren des Paracelsus gewandelt. Seit vielen Jahren integrieren wir seine Sichtweise, vor allem die Signaturenlehre, in unsere Lehrtätigkeit und berücksichtigen seine Heilpflanzenerkenntnisse in unserer Naturheilpraxis. Nur so war es uns überhaupt möglich, die im Gesamtwerk zerstreuten Informationen über Heilpflanzen sinnvoll zu bündeln, was bei einigen tausend Seiten nicht immer leicht war. Denn schon C. G. Jung bemerkte so treffend: »Alles ist bei ihm (Paracelsus) übertrieben. Lange dürre Wüsten wilden Geschwätzes wechseln ab mit Oasen überquellenden Geistes, dessen Leuchtkraft erschüttert und dessen Reichtum so groß ist, dass man das leidige Gefühl, irgendwo habe man die Hauptsache übersehen, nie mehr loswird« (2001).

Oft genug war es auch für uns erschütternd, während der Recherche die philosophische Tiefe seiner Weltvorstellung zu erkennen und die universelle Gültigkeit seiner Erkenntnisse zu ahnen. Emil Schlegel nannte ihn treffend einen »Wahrheitsforscher« – und Wahrheit hat eben kein Verfallsdatum. Natürlich war es uns bereits zu Beginn dieses Buchprojekts klar, dass es mehrerer Leben bedurft hätte, um die Werke des Paracelsus vollständig zu durchleuchten und all seine Weisheiten unmittelbar zu erfahren und zu erforschen. Doch wir wollten uns weder durch unsere eigenen Ansprüche noch durch die Ansprüche anderer lähmen lassen, denn das Heilkräuterwissen des Paracelsus soll endlich einer breiteren Leserschaft zur Verfügung gestellt werden, so wie es mit der Klostermedizin und speziell mit der Hildegard-Medizin bereits geschehen ist. Natürlich kannte Paracelsus die in den Klostergärten gezogenen Heilpflanzen und die Klostermedizin seiner Zeit. Seine Kräuterkunde umfasst jedoch ein viel breiteres Spektrum, das unter anderem herbalmagische Kenntnisse der alten Kräuterweiber und der Fahrenden, Erfahrungen der Bauerndoktoren, aber auch alchimistisches Wissen berücksichtigt und den Umgang mit exotischen Heilpflanzen einschließt. Mit unserem Buch Paracelsusmedizin haben wir vor einigen Jahren den Anfang gemacht, die Gedanken des Paracelsus einer breiten Leserschaft vorzustellen; mit dem vorliegenden Titel wollen wir dieses Bestreben nunmehr fortsetzen. Paracelsus erweist sich immer wieder als unerschöpfliche Wissensquelle, und seine Botschaften sind auch nach 500 Jahren keineswegs veraltet. Was er uns in Bezug auf Heilkräuter kundtat, kann in den meisten Fällen den modernsten wissenschaftlichen Untersuchungen standhalten – man denke dabei etwa nur an die Psychoregulation mit Johanniskraut, deren Vater er war. Aber auch seine Pest- und Wundarzneien, die Heilkräuter für Magen und Darm, seine Konzepte zur Entgiftung oder seine Lebenselixiere können auch heute noch die Naturheilkunde wesentlich bereichern. Paracelsus ist und bleibt eine ewige Quelle der Inspiration für alle, die


Paracelsus betrachtet die »rubinrote Tinktur« zur Stärkung des Lebensgeistes. Ölbild von Sebastian Stief, 1881; Museum Carolino Augusteum, Salzburg.


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sich für Pflanzenheilkunde interessieren. Bei keinem anderen findet man einen so breiten Fächer der Heilpflanzenbetrachtung, denn er scheute sich nicht, sein Wissen aus allen erdenklichen Quellen zu schöpfen, die sich sogar bis zu den ägyptischen Mysterienkulten zurückverfolgen lassen. Altes Wissen ist nicht veraltet, sondern die Wurzel unseres heutigen Denkens und Handelns. Wohin die Reise geht, ist jedoch wesentlich davon abhängig, ob man diese Wurzeln in Ehren hält oder nicht – denn was ist eine Pflanze ohne ihre Wurzeln und was ist eine Kunst ohne ihre Lehrmeister? In diesem Sinne würden wir uns wünschen, mit diesem Buch dazu beizutragen, dass man sich zum Wohl der Kranken und Bedürftigen wieder mehr an die Weisheit dieses Meisters der Heilkunst erinnert und sein Wissen auch anwendet, welches im Wesentlichen noch heute die Grundlage der Naturheilkunde bildet. »Es bedarf eines langen Studiums, um zu erkennen, dass die paracelsischen Anweisungen nicht Vergangenheitswert haben, sondern zukunftstragend sind, wenn man erst einmal einsieht, was seine Begriffe und Worte bedeuten, die dem naturwissenschaftlichen Bewusstsein ganz fremd erscheinen und oft auch verlacht wurden. Oft mutet es an, als spräche aus Paracelsus ein ganz modernes, geisteswissenschaftlich geschultes Bewusstsein, für das die damalige Sprache noch nicht die Mittel zum Ausdruck besaß.« (W. Chr. Simonis, 1981) Zur Quellenlage und zur Sprache des Paracelsus Sofern nicht anders angegeben, sind sämtliche Paracelsuszitate in diesem Buch unter Angabe von Band (I bis IV) und Seitenzahl der Übertragung von Bernhard Aschner entnommen (siehe Literatur). Die meisten Werke des Paracelsus wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht – vor allem von Johannes Huser, der zwischen 1589 und 1605 die Schriften des Paracelsus sammelte und als Gesamtwerk herausgab. Es versteht sich von selbst, dass dieses Werk nicht leicht zugänglich ist. So muss man etwa zu seinem Studium Bibliotheken besuchen, Fraktur lesen können, Latein beherrschen und sich mit einem

für unsere Zeit völlig ungewöhnlichen Stil auseinandersetzen. Bis zur Übertragung der Schriften durch Karl Sudhoff zwischen 1922 und 1933 war die Husersche Ausgabe die einzige Quelle, und selbst die Sudhoff-Ausgabe ist immer noch schwer lesbar. Für geschulte Leser und für Philologen ist sie sicher die beste Grundlage, um sich die komplexen Weltvorstellungen zu erarbeiten; doch dies erfordert sehr viel Zeit und Mühe. So verwundert es nicht, dass die Werke des Paracelsus nur von wenigen gelesen wurden. Dies wäre sicher so geblieben, wenn sich nicht Bernhard Aschner parallel zu Karl Sudhoff ebenfalls an eine Übertragung gewagt hätte, mit der er das Werk für die Praxis nutzbar machen wollte. Er wurde hierfür von Paracelsusforschern sehr angegriffen, doch »nur durch eine leicht lesbare sinngemäße Übersetzung des Hohenheimschen Gesamtwerkes kann (…), unbeschadet vereinzelter Unklarheiten, ein Einblick in die bisher der Allgemeinheit so gut wie ganz verschlossene Schatzkammer der paracelsischen Geisteswelt gewonnen werden« (B. Aschner, 1930/1993; II/910). Wir sind derselben Meinung wie Bernhard Aschner und haben uns daher entschlossen, seine vierbändige Ausgabe der Paracelsuswerke als Grundlage zu verwenden, denn ein Buchprojekt dieser Art, das sich an ein breites Leserpublikum wendet, würde sein Ziel verfehlen, wenn es nicht versuchen würde, so verständlich wie möglich zu sein. Von den alten Kräuterbüchern (Bock, Fuchs oder Tabernaemontanus) und auch von vielen Schriften zur Alchimie liegen allerdings keine Übertragungen vor, so dass wir hier die Originaltexte verwendet haben. Zum Studium des Paracelsus gibt es zahlreiche Sekundärwerke. Besonders lohnend sind die Schriftenreihen der Schweizerischen Paracelsusgesellschaft (Nova acta Paracelsica) und der Internationalen Paracelsus Gesellschaft (Salzburger Beiträge zur Paracelsusforschung), siehe Literaturverzeichnis. Wir sind uns sehr wohl darüber im Klaren, dass die Ausgabe von Aschner nicht vollkommen ist. Und so wäre es natürlich wunderbar, wenn sich ein sachkundiger Geist erneut an das Martyrium einer sprachlichen Überarbeitung wagen würde. Olaf Rippe, Margret Madejsky München, Juni 2006


Vom Zauberglauben zum Wirkstoffkult Paracelsus und die Geschichte der Kräuterheilkunde »Den Heiden ist die älteste Arznei gegeben worden, diese sind die ältesten Ärzte.« (Paracelsus I/498)

Der Grenzgänger Paracelsus Theophrast Bombast von Hohenheim, der sich selber Paracelsus nannte, war nicht nur einer der bedeutendsten Ärzte und Medizinreformatoren in der Geschichte der abendländischen Heilkunde, er war auch ein begnadeter Naturforscher, ein tiefsinniger Philosoph und ein profunder Kenner der Heilpflanzenwelt. In seinem umfangreichen Werk erwähnte er immerhin um die 400 Pflanzen (O. Nowotny, 1997). Leider blieb sein Vorhaben, ein eigenes Kräuterbuch zu schreiben, unvollendet. Man findet in seinen Schriften daher kaum Monografien, sondern vor allem therapeutische Hinweise zum Umgang mit Heilpflanzen, aber auch umfangreiche philosophische Betrachtungen zu Natur und Pflanzenwelt. Vergleicht man seine Texte zu Heilpflanzen mit den berühmten Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, z.B. von Fuchs, Bock oder Tabernaemontanus, so erscheinen sie auf den ersten Blick nicht sehr umfangreich, vor allem was botanische Anmerkungen angeht. Doch diese Sicht täuscht, denn insgesamt dürften seine Ausführungen zur Therapie mit Heilpflanzen viele hundert Seiten umfassen, nur sind sie über das ganze Werk verstreut. Bei Paracelsus stand nie die Pflanze selbst im Mittelpunkt der Betrachtung, sondern immer das Naturverständnis sowie natürlich der kranke Mensch und damit die Therapie mit Pflanzenarzneien. Aus der Sicht des Praktikers sind allein die zahlreichen und unermesslich wichtigen therapeutischen Anregungen Grund genug für ein Buch dieser Art. Natürlich zitieren wir in diesem Buch auch die Kräuterbücher seiner Zeitgenossen oder seiner Schüler. Sie sind nicht nur ein bibliophiler Genuss, der seinesgleichen sucht, sondern auch in praktischer Hinsicht sehr nützlich. Die Sprache mag in

vielen Fällen etwas antiquiert erscheinen; wenn man sie aber zeitgemäß interpretiert, dann zeigt sich meistens, dass die angegebenen Indikationen nicht Fantasiegebilde sind, sondern auf Erfahrungen beruhen, die immer noch ihre Gültigkeit haben. Wir haben jedenfalls feststellen müssen, dass man die Bücher auch in ihren kuriosen Aussagen ernst nehmen sollte. Sie entsprechen wesentlich mehr dem therapeutischen Alltag als die »spartanischen« Angaben in neuzeitlichen Büchern. Diese mögen zwar wissenschaftlich abgesegnet sein und man sollte sie selbstverständlich berücksichtigen,

Paracelsus mit seinem Schwert, in dessen Knauf sich das Elixier des Lebens befunden haben soll. Universitätsbibliothek Leiden, um 1560.


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die daraus abgeleitete Praxis ist aber oft wenig überzeugend, da sie der Individualität und Vielfalt von Krankheiten in keiner Weise gerecht wird. Liest man dagegen Paracelsus, dann strotzt jede Seite nur so vor Erfahrung, und die zahlreichen praktischen Tipps zeigen einem ungeahnte therapeutische Möglichkeiten. Abgesehen davon sind die Texte unterhaltsam, und immer ist die Therapie aus einem philosophischen Verständnis abgeleitet Die Kräuterkunde des Paracelsus ist eine faszinierende Mischung aus volksmedizinischem und eigenem Erfahrungswissen, antiker Medizinphilosophie, uralter heidnischer und hermetischer Weisheit sowie Kenntnissen der »empirischen Weiber«, wie man die kräuterkundigen Frauen zu jener Zeit nannte. Gleichzeitig öffnet sich mit Paracelsus die Tür zu einem neuartigen wissenschaftlichen Weltverständnis und zu einer modernen Medizin mit Heilpflanzen. So gilt Paracelsus auch als Begründer der Iatrochemie (also der Anwendung chemischer Kenntnisse zur Herstellung von Arzneimitteln) – und er war ein Meister der Alchimie.1 Sein Weltbild beruhte auf den unterschiedlichsten mystischen, magischen und heilkundlichen Traditionen, die sich bis zu den ägyptischen Mysterienkulten zurückverfolgen lassen. Ähnlich der engsten Stelle einer Sanduhr fließen im Gedankengebäude des Paracelsus sämtliche Zeitströme der Vergangenheit zusammen. In seinem Geist verschmolz das alte Wissen mit seinen eigenen Erfahrungen, und heraus kam ein geistiges Destillat, das als etwas völlig Neues die Heilkunst für alle Zeiten verändert hat. Das Neuartige und Ungewöhnliche seiner Ideen wird jedoch erst verständlich, wenn man ihre historischen Wurzeln genauer betrachtet. In seinem Weltbild integrierte er einerseits magische Techniken, andererseits aber auch das Wissen der Priesterärzte und Medizinphilosophen antiker Mysterienkulte; er schätzte ferner die christliche Mystik und die verschlungenen Gedankenpfade der Adepten der Alchimie, und nicht zuletzt war er auch ein Freund humanistischer Geistesgrößen wie Erasmus von Rotterdam. Paracelsus war nicht nur ein großartiger Arzt, sondern auch einer der bedeutendsten Denker der 1 Andere Schreibweisen sind Alchemie oder Alchymie.

beginnenden Renaissance. Es war eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs und der geistigen Neuorientierung. Alte spirituelle Werte wurden in Zweifel gezogen, und unser heutiges naturwissenschaftliches Weltbild entstand. »Der Mensch war nicht mehr nur Ziel und Zentrum in einem großartig erdachten Weltsystem, in dem, wie in der gnostischen Lehre, das Personale hinter dem Kosmischen zurücktrat und der Einzelne ein verschwindendes Teilchen in einem erdrückenden Kosmos war. Er wurde in der Renaissance in seiner Einmaligkeit und Verantwortung zu einem Individuum, und die Medizin begann bei Paracelsus zu einer Wissenschaft vom Menschen zu werden« (G. Stille, 1994). Paracelsus war jedoch ein Grenzgänger. Mit einem Bein stand er noch im »abergläubischen« Mittelalter, mit dem anderen bereits weit in einer »aufgeklärten« Zukunft. Einerseits vertrat er ein pantheistisches mystisches Weltbild, das von Fabelwesen und Engeln belebt war, andererseits erforschte er die Natur mit den Augen eines modernen Chemikers und Pharmazeuten. Heute befinden wir uns wieder an einem entscheidenden Wendepunkt. Das verkrustete reduktionistische Weltbild unserer Zeit löst sich langsam auf, denn es bietet schon länger keine Antworten mehr auf die sozialen, ökonomischen und vor allem ökologischen Probleme unserer Zeit. Auf der Suche nach Alternativen ist es auf jeden Fall sinnvoll, auch in die Vergangenheit zu schauen. Altes Wissen ist nicht veraltet, sondern es ist die Wurzel unseres heutigen Denkens. Vielleicht ist es auch der Schlüssel zu einer philosophisch orientierten Heilkunst, in der man die Weisheit der Eingeweihten aus alter Zeit endlich wieder genauso berücksichtigen wird wie naturwissenschaftliche Erkenntnisse. »Uralt-Heidnisches, schlimmsten Aberglauben des untersten Volkes vortäuschend, brachte er (Paracelsus) herauf. Der christliche Spiritualismus verwandelte sich in seine prähistorische Vorstufe, in den Animismus des Primitiven, und die scholastische Geistesbildung des Paracelsus erzeugte daraus eine Philosophie, die sich keinem christlichen Vorbild, sondern vielmehr dem Denken der bestgehassten Feinde der Kirche, der Gnostiker, annäherte.« (C. G. Jung, 2001)


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Naturverehrung als Quelle der Weisheit Paracelsus war Arzt, folglich hatte er die zu seiner Zeit üblichen akademischen Hürden mehr oder weniger erfolgreich gemeistert. Bevor man sich dem Medizinstudium widmen konnte, musste man damals zunächst eine geisteswissenschaftliche Schulung absolvieren. Hatte man endlich das Vorstudium geschafft, stand allerdings das Büffeln der Schriften alter Meister auf dem Lehrprogramm – und nicht die praktische Erfahrung am Krankenbett. Man leitete in der Medizin des ausgehenden Mittelalters noch jedes Phänomen vom antiken Weltbild der Säftelehre ab. Die Ideen der antiken Ärzte galten als heilig und unantastbar. Eigene Vorstellungen waren unerwünscht, und jegliche Kritik wurde unterdrückt. So enthielt beispielsweise noch im Jahre 1676 die Stiftungsurkunde der ersten protestantischen Universität zu Helmstedt den Passus: »dass, wer sich erkühne, einen eigenen neuen Gedanken zu verfolgen, oder wer gar seine Lehre denen der Alten überzustellen sich unterfange und deren Lehren entgegenzutreten sich herausnehme, der sei ein Verächter der Heiligen und als lächerlich zu erachten; denn solche Anmaßung könne allein ihren Grund haben in Unkenntnis der Lehren des Altertums, in Beschränktheit und Stumpfsinn« (zit. n. Strebel, 1948). Der Missmut des Paracelsus über seine Ausbildung ist daher kein Wunder. Seiner Meinung nach war »noch nie ein Arzt von den Hohen Schulen hervorgegangen, auch nie einer, der imstande gewesen wäre, mit wahrem Wissen die Ursache der wenigsten Krankheiten darzulegen« (I/339). »Es gibt genug Lehrmeister, die den Arzt lehren, aber nicht auf den Hochschulen. Dort sind auserwählte Narren und Büffel und niemand darf sie weise machen, denn sie haben Bullen und Statuten, dass sie bei ihrem Eid nicht witziger werden dürfen, und so werden die Hochschulen von solchen freiherrlichen Narren beherrscht« (II/322). Die in seinen Augen völlig unerfahrenen Hochschulärzte nannte er fantasievoll »Schwaderlappen« (II/328), »LumpelÄrzte« (II/368), »Doktor Fürtzlein«, »Meister Läusejäger«, »Meister Kratzer«, (II/515), »Plärrärzte« (II/520) oder »Schmierdoktoren« (II/521).

Der römische Dichter Ovid beschreibt in seinen Metamorphosen die Pflanzenwelt als verwunschenes Reich der Götter und Geister, so z.B. in der Geschichte von Apollon und Daphne. Die Nymphe verwandelte sich aus Verzweiflung vor der Zudringlichkeit des Sonnengottes in einen Lorbeerbaum. Im Orakelkult zu Delphi spielte der lichte Baum, den man im Griechischen auch mantikos (Hellsehkraut) nannte, eine wichtige Rolle. »Apollo und Daphne« (Detail), Ölbild von Nicolas Poussin, um 1627; Alte Pinakothek, München.

Als unruhiger Geist, der eigentlich niemals ein wirkliches Zuhause fand, wanderte Paracelsus nach seinem Studium jahrelang durch ganz Europa, um die nötigen Erfahrungen zu sammeln. Er nahm sogar an mehreren Kriegen als Feldarzt teil. Dadurch hatte er genug Gelegenheit, wirklich erfahrenen Heilern über die Schulter zu schauen. Seine Schule war vor allem das gemeine Volk. Wie er selber sagte, lernte er bei alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und anderen »unachtsamen« Leuten mehr als auf den hohen Schulen, die er besucht hatte (IV/325). Die Erfahrungen der Volksmedizin baute er völlig hemmungslos in sein Denksystem ein, selbst


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wenn es noch so abwegig erschien. Alles, was der Heilung diente, war ihm willkommen. Was er durch seinen Umgang mit dem einfachen Volk lernte, war jedoch teilweise so kurios, dass es ihm bald den Ruf eines Magiers und Scharlatans einbrachte. Dass er nicht wie Dutzende seiner Schüler auf dem Scheiterhaufen landete, grenzt eigentlich an ein Wunder. Seine Schriften wimmeln nur so von Beispielen angewandter Hexenkunst, die im Volk damals noch weit verbreitet war. In der Krankenbehandlung scheute er nicht vor Voodoopuppen, Beschwörungen oder dem Gebrauch von Amuletten zurück. Wie er meinte, sollte man jede Art von Zauberei nach dem homöopathischen Prinzip mit Zauberei heilen, und Schadenszauber war damals ein durchaus alltägliches Phänomen in der Praxis. Seit Urzeiten glaubte man im Volk außerdem an Geistwesen als Ursache von Krankheiten. Zahlreiche Stellen im Werk des Paracelsus zeigen, dass auch er von dämonischen Mächten überzeugt war. Um diese Sichtweise zu verstehen, muss man sich in die Vorstellungswelt des mittelalterlichen Menschen einfühlen. Tiere, Pflanzen, selbst Mineralien waren für unsere Vorfahren und auch für Paracelsus noch sichtbarer Ausdruck einer geistigen Welt. Die Unterscheidung zwischen belebter und unbelebter Natur ist eine ausgesprochen neuzeitliche und nach alter Vorstellung eine völlig absurde Behauptung. Nach jener heilen nämlich keine Stoffe, sondern höhere Mächte, die mit einer Substanz in Beziehung stehen. Für Paracelsus war jedes Heilmittel noch ein Träger göttlicher Energie. Dieses uralte Wissen wurde über Jahrtausende in Mythen weitergegeben. Bei dem römischen Dichter Ovid (43 v. Chr.–17 n. Chr.) kann man nachlesen, dass Bäume in Wahrheit verwunschene Wesen sind und dass sich im Rauschen der Blätter und im Knistern des Räucherwerks die Götter dem Menschen offenbaren. Und auch für unsere keltischen und germanischen Vorfahren waren Pflanzen noch ein Ausdruck göttlicher Macht. So zeigte sich der Donnergott Thor in der kraftvollen Gestalt der Eiche und die Liebesgöttin Freya im lieblichen Duft der Linde. Verwendete man nun einen Teil eines solchen Baumes zum Heilen, dann war es die Gottheit selbst, die half, nicht etwa die Rinde oder die Blüte. Im Volk ist man bis heute von der magischen Wirkung der Kräuter und Bäume überzeugt. Das

Verbohren von Krankheiten ist beispielsweise immer noch Brauch, den auch Paracelsus erwähnte (IV/325). Vor allem in alten Weiden, in Holunderbüschen, aber auch Eschen und Eichen findet man manchmal Haare oder Fingernägel von Kranken, meistens zusammen mit Zaubersprüchen. Der Geist der Krankheit wird dabei vom Baumgeist besiegt. Magischem Wissen begegnet man außerdem gehäuft im Brauchtum. Vielerorts stellt man noch Marienfiguren an Quellen oder in Bäumen auf, und das geweihte Würzbüschel zu Mariä Himmelfahrt oder der Palmbuschen sind Relikte, die von der einstigen Naturverbundenheit unserer heidnischen Vorfahren zeugen. Diese Weltsicht kann man nur nachvollziehen, wenn man eine geistige Welt jenseits des Sichtbaren für möglich hält. Was wir sinnlich wahrnehmen, ist nur ein kleiner Ausschnitt der Wirklichkeit. Dahin-

Eine Heilpriesterin beschwört den Geist der Erde. Wie er selbst immer wieder betonte, lernte Paracelsus mehr vom gemeinen Volk als auf höheren Schulen. Er kannte sich in der Hexenmedizin, die damals noch weit verbreitet war, bestens aus und nutzte die verschiedensten magischen Techniken für seine Heilkunst, wie Räucherungen, Amulette und Zauberpuppen. »The Magic Circle«, Ölbild von J. W. Waterhouse, 1886; Tate Gallery, London.


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wählt man dann nach den Regeln der Sympathie ähnliche Arzneimittel. Besonders die Metalltherapie ist hier bedeutsam, weil Metalle und viele Mineralien die Planetenkräfte besonders deutlich widerspiegeln; Pflanzen dienen vor allem als Ergänzungsmittel, daher erklärt sich auch, warum wir bei den Rezeptbeispielen immer wieder Mineralien aufführen. »Ihr sollt wissen, dass die Wirkung des Willens für die Arznei von großer Bedeutung ist, denn es ist möglich, dass einen, der sich selbst nichts Gutes gönnt und sich selbst hasst, sein eigener Fluch trifft.« (Paracelsus I/52) Ens spirituale Bei der vierten Krankheitsursache handelt es sich in erster Linie um geistige Ursachen. Paracelsus zeigt sich hier als Pionier auf dem Gebiet der Psychologie. Das Ens spirituale hat nichts mit Geistern, Dämonen oder Ähnlichem zu tun. Es beschreibt vor allem die Art und Weise, wie die eigene Sicht der Welt die Neigung zu bestimmten Krankheiten bedingt. Besonders die Imagination bewirkt, dass sich Dinge ereignen, die unserer Vorstellung entspringen. Das Unbewusste funktioniert hier wie ein Künstler, der eine weiße Leinwand vor sich hat – und plötzlich entsteht im Geist ein Bild, das nur noch umgesetzt werden will. Die Zukunft ist eigentlich immer wie ein unbeschriebenes Blatt, das durch unsere geistigen Vorstellungen gefüllt wird. Ein weiterer Aspekt des Ens spirituale ist das Selbstwertgefühl und damit auch die Folgen von Fremdbestimmung. Unter dieses Ens fallen aber auch alle psychosozialen Probleme, also z.B. böse Folgen von familiären Streitigkeiten, Mobbing, sozialer Armut und Ausgrenzung (etwa aufgrund von Religion oder Hautfarbe). Immer wieder stößt man in der Praxis jedoch auch auf Unerklärliches, das nur wenig mit einer Selbstverzauberung oder sozialen Problemen zu tun hat. Paracelsus ging in solchen Fällen auch davon aus, dass es sich um eine Verhexung handeln könnte: Eventuell hat ein Schwarzmagier eine Voodoopuppe von jemandem angefertigt und traktiert dieselbe mit Nadeln, und prompt kommt es bei dem

Ein göttliches Wesen richtet den Kranken wieder auf. Aus dem Bilderzyklus »Milton a Poem« von William Blake, 1804.

»Verhexten« zu bizarren Krankheiten, die extrem therapieresistent sind, da man sie nur mit Magie lösen kann. Die Therapie des Ens spirituale besteht in erster Linie aus psychisch wirksamen Mitteln, also aus Antidepressiva, Nervina, Sedativa, hormonell wirkenden Mitteln und auch Schlafmitteln. In alter Zeit nannte man Pflanzen mit einer psychischen Wirkung »Berufs- und Verschreikräuter«. Das Berufen erfolgt durch nichtmenschliche Wesen (= Besessenheit), während das Beschreien mit Verhexung gleichzusetzen ist. Natürlich fällt unter das Ens spirituale auch jede Form der Psychotherapie, und auch Hypnose oder musische Therapien eignen sich vorzüglich für Krankheiten aus dem Ens spirituale. Sollte das Leiden aber weder auf eine Psychotherapie noch auf geeignete Arzneien ansprechen, sollte man einmal an magische Techniken denken, bevor man die Flinte ins Korn wirft. Schamanische Methoden wie Räucherungen, Amulette, Gegenzauber mit Beschwörungen oder Puppenmagie wären einige Möglichkeiten. Der schamanische Therapieansatz


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ist nur leider in unserer aufgeklärten Gesellschaft kaum möglich. Dennoch gibt es inzwischen immer mehr Therapeuten, die mit Schamanen zusammenarbeiten; hier könnten sich in Zukunft noch ungeahnte Möglichkeiten ergeben. »Jede Krankheit ist ein Fegefeuer. Daher kann kein Arzt heilen, wenn nicht nach Gottes Ratschluss das betreffende Fegefeuer beendet sein soll. Denn der Arzt soll und kann nicht gegen die göttliche Bestimmung des Fegefeuers wirken.« (Paracelsus I/55) Ens dei Die letzte Ursache befasst sich mit Krankheit als Schicksal und Karma. Paracelsus ging davon aus, dass jede Krankheit auch metaphysische Ursachen hat und dass man sie als läuterndes Fegefeuer verstehen sollte. In den meisten Fällen ist eine therapeutische Hilfe bei Krankheiten möglich, wenigstens sofern die anderen vier Entien als Ursache in Frage kommen. Beim Ens dei ist alles anders. Hier ist die Krankheit und damit auch die Heilung ganz dem Willen höherer Mächte unterworfen. Somit finden wir hier das scheinbar Unheilbare, die Krankheit als Stigma – die Betroffenen, aber auch die Therapeuten müssen sich in Demut üben. Als Therapeut hat man hier vor allem seelsorgerische Aufgaben zu erfüllen und das Urvertrauen zu stärken. »Denn im Grund genommen kann menschliches Leben nur gesund bleiben, wenn es getragen wird von einem alles umfassenden Daseinsvertrauen, einem Vertrauen, das aus der Treue kommt, das sich etwas zutraut, einem anderen sich anvertraut und zuletzt dann auch das schafft, was wir – in paracelsischem Geist – die Medizin von morgen nennen: eine Medizin der Menschlichkeit« (H. Schipperges, 1985). Die Stigmatisierten sind nicht selten Auserwählte und haben manchmal sogar eine regelrechte »Vorbildfunktion«. Oft sind es gerade solche Personen, die zum Heiler berufen werden. Nicht selten entwickeln sie durch das Stigma bestimmte Gaben wie die Geistheilfähigkeit oder die Hellsicht.

Eine Therapie im üblichen Sinn gibt es nicht, denn vom Ens dei kann man nur erlöst werden, wenn die Zeit reif ist. Wenn es im Schicksalsplan so vorgesehen ist, kann es in manchen Fällen sogar zu einer Wunderheilung kommen. Wann diese Zeit gekommen ist, kann man nicht selbst bestimmen, dennoch sollte man nicht untätig bleiben, sondern sich um Erkenntnis und Liebesfähigkeit bemühen und diese zum Wohle anderer einsetzen. Zusammenfassung Paracelsus ging davon aus, dass man sich nie wirklich sicher sein könne, welches der Entien denn nun eigentlich für eine Krankheit verantwortlich ist. In letzter Konsequenz bedeutet dies für die Therapie jeder Krankheit, dass sie auf fünf Säulen aufbauen sollte: 1. Stärkung der Lebenskraft und der Abwehr, um die vorherrschende Atmosphäre besser meistern zu können; die Therapie sollte astrologische Gesichtspunkte berücksichtigen (Transite!). Außerdem sollte man geomantische Phänomene beachten. 2. Stärkung der inneren Alchimie durch Anregung der Stoffwechseltätigkeiten; eventuell sind auch diätetische Maßnahmen erforderlich. Anregung der körpereigenen Entgiftungsvorgänge. 3. Konstitutionelle Therapie mit spagirischen und/ oder homöopathischen Mitteln, die, soweit möglich, auch auf astrologischen Gesichtspunkten beruhen sollte (Horoskopanalyse). 4. Psychisch und sozial orientierte Therapie, die gegebenenfalls auch unorthodoxe Maßnahmen erfordert. 5. Spirituelle Führung des Patienten. Außerdem sollte man die Dreigliedrigkeit bei der Therapie berücksichtigen: Je nach Ausprägung der Krankheit in Bezug auf Sulfur, Merkur und Sal sind andere Therapiekonzepte und Heilmittel erforderlich. Ferner sollte die Arznei dem Krankheitsgeschehen möglichst entsprechen. Die Therapie nach den Gesichtspunkten der Sympathie ist jener der Antipathie möglichst vorzuziehen.


Heilpflanzen am Geburtsort des Paracelsus »Jedem Lande wächst seine eigene Krankheit, seine eigene Arznei, sein eigener Arzt. (...) Sie (die Modeärzte) wollen Arzneien aus überseeischen Ländern, und im Garten vor ihrem Hause wächst Besseres.« (Paracelsus III/492)

In seinen Werken erwähnte Paracelsus rund 400 Pflanzen, von denen einige leider nie genauer identifiziert werden konnten. Manches Gewächs tauchte dagegen mehrmals unter verschiedenen Namen auf. Viele der von ihm genannten Heilpflanzen und pflanzlichen Arzneien finden sich nicht oder inzwischen nicht mehr in der Flora des Kantons Schwyz, zu dem sein Geburtsort Einsiedeln heute zählt. Nicht heimisch sind z.B. die sagenumwobene Alraune oder Asa foetida, die beide erst südlich der Alpen vorkommen. Auch exotische Gewürze wie etwa Galgant, Ingwer, Muskatnuss oder Zimt oder orientalische Harze wie Mastix, Myrrhe und Weihrauch fanden große Beachtung in der Kräuterkunde des Paracelsus, obwohl er eindeutig die Verwendung heimischer Gewächse propagierte. Daher bleibt zu vermuten, dass er einen nicht unerheblichen Teil seiner Arzneipflanzen während seiner Studien und auf seinen abenteuerlichen Reisen kennen und schätzen gelernt hat. Einen anderen Teil hat Paracelsus vermutlich schon als Kind im Klostergarten von Einsiedeln gesehen: Seit den Dekreten von Karl dem Großen (747–814) baute man in Klöstern vor allem winterharte, mediterrane Kräuter an. Die Heilkräfte der geläufigsten Klosterkräuter wie Anis, Fenchel, Dill, Benediktenkraut, Lavendel, Melisse, Raute oder Salbei waren Paracelsus jedenfalls bekannt. Etwa drei bis vier Dutzend Pflanzen nannte er jedoch häufiger und lobte ihre Kräfte vor allen anderen. Zu den einheimischen Lieblingsmitteln des Paracelsus gehörten Akelei, Augentrost, Betonie, Brennnessel, Braunelle, Johanniskraut, Knabenkraut, Nieswurz, Wegerich und Wiesenraute, um nur einige Beispiele zu nennen. Viele dieser Heilkräuter hat er vermutlich schon in seiner Kindheit

kennengelernt. Nahe seiner Geburtsstätte bei Einsiedeln gedeihen immer noch zahlreiche Pflanzen, deren Kräfte der Meister häufiger in seinen Werken beschrieben hat: Nicht weit der Teufelsbrücke befindet sich heute das Naturschutzgebiet Schwantenau, in dem sich ein Teil der ursprünglichen Flora erhalten konnte. Auch in den Wäldern, die den benachbarten Kraftberg Etzel bedecken, dürfte der junge von Hohenheim seine ersten Begegnungen mit dem Pflanzenreich gehabt haben. Sehr wahrscheinlich hat der Vater seinen Sohn bereits in jungen Jahren zum Kräutersammeln geschickt, damit er selbst die Wunden wie auch andere Gebrechen der auf dem Jakobsweg vorbeiziehenden Pilger mit der daraus hergestellten Pflanzenmedizin behandeln konnte. Unklar bleibt, ob Vater und Sohn gemeinsam in die umliegenden Berge gewandert sind, um dort Gebirgskräuter zu sammeln, die erst in der heutigen Volksmedizin als besonders heilkräftig gelten. Seinerzeit war der Respekt vor den Naturgewalten groß, und die Bergwelt mit ihrem unberechenbaren Witterungswechsel galt eher als unheimlich. Aber auf den Wiesen am Fuße des nahe gelegenen Kleinen und Großen Mythen könnten Vater und Sohn durchaus Heilkräuter gesammelt haben. In seinen Schriften erwähnte Paracelsus nur wenige typische Alpenkräuter, z.B. Bärentraube, Bartflechte, Gelben Enzian, Meisterwurz und Steinbrech. Rund um die Geburtsstätte, nahe der Teufelsbrücke, wo Paracelsus seine ersten sieben Lebensjahre verbrachte, findet man immer noch eine üppige Flora. Trotz intensiver Landwirtschaft lädt die Natur auch heute noch dazu ein, auf den Spuren des Meisters zu wandeln. Die Heilpflanzen, die einem rund um die Teufelsbrücke begegnen, waren mit


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Sicherheit die ersten, mit deren Heilkräften der junge Paracelsus in Berührung kam. Möglicherweise waren dies auch seine ersten pflanzlichen Lehrmeister. Sein Vater hatte ihm ihre Sprache, die Signaturen, beigebracht: Als Landarzt war dieser mit den Kräuterkenntnissen der Landbevölkerung vertraut, die seinerzeit noch durch kein Buchwissen verbildet war, sondern vielmehr die Zeichensprache der Natur ähnlich wie Tierfährten zu lesen wusste. Nachfolgend einige Pflanzen, die wir bei unseren mehrmaligen Besuchen in Einsiedeln rund um den Geburtsort des Paracelsus gefunden haben: Das Geburtshaus des Paracelsus soll direkt an der Teufelsbrücke gelegen haben. Foto: Margret Madejsky.

Adlerfarn (Pteridium aquilinum; Merkur, Saturn) Die Blattform zeigt einen Bezug zum Nervengewebe an. Volksmedizinisch zur Auflage bei Hexenschuss gebraucht sowie als Bettunterlage bei Rheuma. Heute zusammen mit anderen Farnen in homöopathischer Zubereitung bei Neigung zu Wurmbefall und Dysbiose (vergleiche Wurmfarn). Enthalten in Aquilinum comp. (Globuli und Ampullen von Wala) zur Behandlung von Blähungen, Störungen der Darmperistaltik (Durchfall, Verstopfung), Dysbakterie, Neigung zu Wurmbefall und nahrungsabhängigen Ekzemen. Das Naturschutzgebiet Schwantenau zu Füßen des Etzels, eines Orts der Kraft – hier lagen die »Spielwiesen« des jungen Paracelsus. Foto: Margret Madejsky.

Blick vom Geburtshaus Richtung Einsiedeln, Foto: Margret Madejsky.

Akelei (Aquilegia vulgaris; Merkur, Venus) Sie soll heilkundlich erstmalig von Hildegard von Bingen erwähnt worden sein (E. Gallwitz, 1996). Von Paracelsus wegen der harntreibenden und antitartarischen Wirkung in Rezepten gegen Blasensteine aufgeführt (I/929, III/460). Heute noch in der Hildegardmedizin von Bedeutung: Akelei-Kräuterelixier und Akelei-Kräutertabletten zur Behandlung von Erkrankungen des Lymphsystems; Akelei-Kräutersalbe zur Ableitung von Toxinen über die Haut und zur Anregung der Lymphe (alle drei Mittel liefert z.B. die KlösterlApotheke in München). Die Pflanze ist schwach giftig (enthält vor allem in den Samen Blausäureglykoside, die angeblich kanzerogen sind). »Der ethanolische Extrakt zeigte in vitro antibakterielle Wirkung gegen Staphylococcus aureus (…) und Candida albicans« (Chr. Jänicke/J. Grünwald/Th. Brendler, 2003). Wir verwenden Akelei auch zur


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beine. Bis sie wieder mit ihrer Haut umgeben sein werden. Sie wurden bei der Instandsetzung der Kirche im Jahre 1752 aus dem Grabesmoder gehoben und hier beigesetzt. Hier liegt begraben Philippus Theophrastus, der berühmte Doktor der Medizin, welcher auch die schrecklichsten Wunden, Lepra, Podagra und Wassersucht und andere unheilbar scheinende Krankheiten durch seine wunderbare Kunst heilte. Und es brachte ihm auch Ehre ein, dass er sein Hab und Gut unter den Armen verteilen ließ. Im Jahre 1541 am 24. September vertauschte er das Leben mit dem Tode. Friede den Lebenden, ewige Ruhe den Toten.« Zum Unmut seiner Gegner löst Paracelsus nach seinem Tod ein Versprechen ein, das er zuvor in seinen Schriften gemacht hatte: »Ich will mehr nach meinem Tode wider euch ausrichten als vorher, und ob ihr schon meinen Leib fresset, so habt ihr nur einen Dreck gefressen, der Theophrastus wird mit euch streiten ohne den Leib« (Paracelsus I/397).

Praktische Hinweise Zur Einnahme von Naturheilmitteln Erfahrungsgemäß lassen sich die genannten Heilmittel und Rezepte gut mit anderen Heilverfahren kombinieren. Sofern man gleichzeitig schulmedizinische Medikamente anwendet, sollte eine Absprache mit den behandelnden Therapeuten erfolgen. Einschränkungen von Gewohnheiten, z.B. der Genuss von Kaffee, sind nur nötig, sofern sie zum Krankheitsbild beitragen. Zu den Rezepten Obwohl wir uns bemüht haben, alle genannten homöopathischen und pflanzlichen Arzneien sowie Firmenmittel auf ihre Lieferbarkeit zu überprüfen, gibt es immer wieder Apotheken, die – zum Teil auch aus mangelnder Erfahrung mit Naturarzneien – behaupten, dies oder jenes gäbe es nicht oder nicht mehr. Leider unterliegt der Arzneimarkt derzeit unglaublich raschen Veränderungen, so dass die eine oder andere Arznei in der Tat in kürzester Zeit wiederum vom Markt verschwunden sein kann. Manches ist unter dem genannten Namen auch nur in Deutschland oder in der Schweiz erhältlich oder muss eigens aus Österreich bezogen werden. Nicht selten handelt es sich aber um falsche Auskünfte! Daher ist es ratsam, sich nicht gleich mit der Absage eines Apothekers zufrieden zu geben, sondern sich im Zweifelsfall an unsere Vertrauensapotheker Roland Andre (Lindenapotheke in Pfaffenhofen, Tel. 0 84 41/7 64 64) oder Michael Aigner (Eversbusch Apotheke in München, Tel: 0 89/8 12 21 59) zu wenden, die gern für Sie herausfinden, ob ein Präparat vielleicht doch noch lieferbar ist, ob es ein Folgepräparat gibt oder ob Rezeptpflicht besteht und wie man gegebenenfalls einen Auslandsimport durchführt. Der Import von Arzneimitteln aus den EU-Ländern nach Deutschland ist zwar nicht ganz billig, aber ohne Rezept möglich; hierunter fallen zum Beispiel die Mischrezepte von Spagyra Homöopathische Arzneimittel (Marktplatz 5a, A-5082 Grödig, Tel. 00 43 (0) 62 46/7 23 70, Fax 00 43 (0) 62 46/ 7 31 65, office@spagyra.at). Ein Import aus NichtEU-Ländern wie der Schweiz ist dagegen nur mit


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Rezept möglich. Sollte ein Rezeptbestandteil nicht mehr lieferbar sein, ist es meistens möglich, sich mit der nächstlieferbaren Potenzstufe zu behelfen. Und falls ein Bestandteil überhaupt nicht lieferbar ist, kann man in der Regel von den anderen Bestandteilen mehr nehmen, so dass die Gesamtmenge sich nicht ändert. Die Angabe, dass die Rezepte, sofern es sich um apothekenpflichtige Stoffe handelt, direkt bei den jeweils genannten Firmen gemischt werden sollten, macht das Rezept für den Endverbraucher erheblich billiger, als wenn der Apotheker die Rezeptur selbst mischen würde. Hierbei sendet dieser der genannten Firma das Rezept (meistens nur auf ausdrücklichen Kundenwunsch) und erhält das fertig gemischte Produkt nach einigen Tagen; dies ist nur möglich, sofern alle Mittel von derselben Firma stammen, was wir bei den Rezepten berücksichtigt haben (teilweise kann sogar der Verbraucher selbst den Firmen den Auftrag erteilen, z.B. der Firma Spagyra; seit 2009 ist dies auch in der Apotheke an der Weleda möglich, besonders wenn es sich um Arzneien dieser Firma handelt, www.apothekeweleda. de). Am billigsten ist es jedoch immer noch, sich die einzelnen Substanzen nicht als Mischung, sondern als Einzelpräparate zu besorgen (hier gibt es Mindestmengen, die man abnehmen muss; Dilution meistens 20 ml, Globuli 10 g) und diese dann selbst in einer Braunglasflasche nach Bedarf zu mischen. Gefahren und Grenzen der Selbstbehandlung Eine zielgerichtete Behandlung erfordert diagnostische, medizinische und naturheilkundliche Grundkenntnisse. Bitte bedenken Sie, dass Heilkundige (Ärzte und Heilpraktiker) in der Regel Risiken oder Nebenwirkungen am besten einschätzen können und Erfahrungen mit der Dosierung einer Arznei haben. Spätestens wenn sich ein Leiden nicht mehr beherrschen lässt, weil z.B. das Fieber weiterhin steigt, Schmerzen zunehmen oder weitere Beschwerden hinzukommen, ist die absolute Grenze der Selbsttherapie erreicht! Zu den Risikogruppen, die von einer Selbstbehandlung absehen sollten, gehören z.B. Alkoholkranke, Allergiker, Epileptiker, Hypertoniker, psychisch Kranke, Schwangere, sehr alte oder schwer kranke Menschen.

Adressen und Bezugsquellen Homöopathische, spagirische oder die meisten pflanzlichen Arzneien wie auch viele der genannten Mischrezepte kann man nur über Apotheken beziehen. Da jedoch nicht alle Apotheken genügend Erfahrung mit Naturheilmitteln haben, sollte man sich vor allem bei Mischrezepten vorher nach dem Preis und der Lieferzeit erkundigen. Bei Fragen zur Rohstoffbeschaffung und zur Rezepterstellung kann man sich an Roland Andre wenden: Lindenapotheke, Kellerstr. 38–40, 85276 Pfaffenhofen, Tel. 0 84 41/7 64 64, Fax 0 84 41/ 8 39 58. Die Lindenapotheke stellt seit 20 Jahren Hildegard-Arzneien her sowie viele der genannten Mischrezepte nach Paracelsus und versendet diese auf Anfrage. Frischpflanzen werden von manchen Gärtnereien versandt, z.B. von der Blumenschule Engler, Augsburger Str. 62, 86956 Schongau, Tel. 0 88 61/ 73 73, Fax 0 88 61/12 72, www.blumenschule.de. Die Blumenschule hat sich auf Heilpflanzen sowie auf Raritäten wie Alraune oder Bilsenkraut spezialisiert und versendet kontrolliert biologisch angebaute Kräuter. Gegen einen Unkostenbeitrag sind auch Katalog und Seminarprogramm erhältlich. Getrocknete Heilkräuter für Teemischungen und dergleichen bezieht man am besten über Kräuterläden. Die Ware ist dort meist viel frischer und preiswerter als in Apotheken und wird auch in kleinen Mengen abgegeben. Einziger Nachteil: Man muss die Einzelbestandteile einer Teemischung selbst mischen. Folgende Kräuterläden versenden getrocknete Kräuter auf Anfrage: Kräutergarten, Inhaberin Romana Auth, Pestalozzistr. 3, 80469 München, Tel./Fax 0 89/23 24 98 02, www.kraeutergarten-muenchen.de. Der Kräutergarten hat viele getrocknete Heilkräuter aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) im Sortiment. Kräuterparadies Lindig, Blumenstr. 15, 80331 München, Tel. 0 89/26 57 26, Fax 0 89/23 26 98 57, www.phytofit.de


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