Fossiler Ammonit (Scaphites, Kreidezeit, South Dakota, USA), in dem die Indianer einen Büffel zum Jagdzauber erkennen.
© 2011 AT Verlag, Aarau und München Lektorat: Diane Zilliges, Murnau Fotos: Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling, wenn nicht anders vermerkt Bildaufbereitung: Vogt-Schild Druck, Derendingen Druck und Bindearbeiten: Firmengruppe APPL, aprinta druck, Wemding Printed in Germany ISBN 978-3-03800-524-7 www.at-verlag.ch
Inhalt
Vorwort
Unsere tierischen Verwandten Einleitendes und Hintergründiges Kinder der Natur Vom Nutzen der Tiere
7
11 11 14 17
Die ältesten Kunstwerke der Menschheit
21
Heiligtümer der Mammuts Steinzeitliche Höhlenkunst im Lichte des Schamanismus Antworten vom Dach der Welt
24 27 31
Tierbegleiter in die Anderswelt Schlangen – Nagas Pferde Tiere als Verbündete Tiere als Lehrmeister Tier-Mensch-Mischwesen Der große Zauberer Tiere und Schamanenpflanzen Tiere und Räucherstoffe Tiere als Krankheitsursache und Medizin Schamanische Heilung
Das schamanische Erbe hier und heute Tiere als Vorbilder Avatar – im Körper des anderen
Jagdzauber und Tieropfer Die Jagd Verhandlungen und Verwandlungen Krafttiere Totem, Tiergeist, Tonal und Tierseele Hexentiere, Familiare und Folgeseele
Tiere in der Materia schamanica Schneckentrompeten Fetische Idole Amulette
82 82 86 87 93 95 101 105 112 117 121
122 122 123
36 39 46 51 61 65
72 73 75 79 79
Anhang Glossar Literaturverzeichnis
128 128 130
Mischwesen wie dieser Krähenmensch deuten auf die Verwandlung des Schamanen in ein Tier, dessen Eigenschaften und Kräfte er so erhält. (Bemalte Holzfigur des Bardo Thödol, Kathmandu, Nepal, frühes 20. Jahrhundert)
7
Vorwort
Tiere der Schamanen sind nichts Exotisches. Sie führen uns zu uns selbst. In unser eigenes Innenleben. Zum Tier in uns und anderen. Die für Schamanen zentralen Tiere geleiten uns auf die Spur unserer eigenen Vergangenheit, in die ferne Eiszeit Europas. Sie leiten uns zum Kuschelbär unserer Kindheit, beleuchten den Adler als bekanntes Wappentier und den Werbeslogan »Pack den Tiger in den Tank!«. Seit der Kindheit verspüren wir eine Seelenverwandtschaft mit bestimmten Tieren. Im 18. Jahrhundert schlossen Physiognomiker vom tierähnlichen Aussehen eines Menschen auf dessen Charakter und seine »natürlichen Neigungen«. Märchen, Fabeln und Gleichnisse prägten sprachliche Stereotype von der eitlen Gans, dem dummen Schwein, der blöden Kuh, der falschen Schlange, dem verrückten Huhn, dem sturen Esel oder Ochsen, dem schlauen Fuchs, der falschen Katze oder dem feigen Hund (ZERLING und BAUER 2003: 18). Die Sprache belegt unsere enge Verbundenheit mit Tieren. Wir sprechen von Adler- und Falkenaugen. Vom Pleitegeier, von Bärenkräften und Katzenjammer. Wir kennen den Angsthasen, den Frechdachs und die Zeitungsente. Rehaugen und Pfauenaugen betören, und Fliegenschisse und Ameisenhirne nerven uns. Wir erscheinen anderen als graue Maus, wilder Hengst oder Partylöwe. Wir winden uns wie ein Wurm oder eine Schlange. Wir krebsen, wieseln und tigern herum. (Obszöne Zeitgenossen rammeln sogar oder vögeln, sind affengeil oder spitz wie Nachbars Lumpi.) Wir brüllen und verteidigen unsere Brut wie eine Löwin oder werden angeklagt, eine Rabenmutter zu sein. Wir horten Besitztümer mit Hamsterbacken, werden von Miethaien drangsaliert und von Kapitalisten ausgesaugt, die wie Heuschrecken über uns herfallen. 1 Eine solche Fantasiereise ist bei ZERLING und BAUER 2003: 26f. abgedruckt.
In unseren Breitengraden sind als sogenannte Krafttiere vor allem Raubkatzen, Bären, Hirsche, Wölfe, Adler, Schlangen, Wale und Delfine beliebt. Wer verwandelt sich schon gern in einen Moskito oder Blutegel oder brüstet sich mit einem Faultier, einem Esel, einer Hyäne, Spinne oder Gottesanbeterin als Krafttier? Steuern Wünsche unsere Reisen ins Unterbewusstsein auf der Suche nach dem persönlichen Krafttier und tierischen Seelengefährten? Sind omnipotente Wünsche die Väter der allseits beliebten von schamanischen Trommeln begleiteten Fantasiereisen?1 Der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung prägte den Begriff des Archetypen – und nutzte für seine Erklärungen oft Tiere, erfolgreich auch von der Werbeindustrie vermarktete Protagonisten: »Tiere symbolisieren die Archetypen des kollektiven Unterbewusstseins«, sagt Helmut Behn vom Deutschen Werbemuseum in Frankfurt/Main (zitiert nach ZERLING und BAUER 2003: 18). Das seit jeher für den schamanischen Galopp in die Anderswelt symbolträchtige und später als Last-, Zug- und Reittier genutzte Pferd wurde zu Beginn des industriellen Zeitalters zur Maßeinheit von Automobilen: PS sind Pferdestärken. Folgerichtig führt eine italienische Autobaufirma ein Pferd im Wappen, ein US-Schlitten heißt Mustang und eine britische Automarke Jaguar. Einen energieliefernden Schokoriegel nannte man Leon, also »Löwe«. Starke, alkoholreiche Biersorten heißen Bock, auch ein Slangbegriff für ein starkes Motorrad. Ein großes, kräftiges Messer wird als Hirschfänger bezeichnet, und weil Milch bärenstark und »müde Männer munter« macht, firmiert ein Milchprodukt unter Bärenmarke. Wir erkunden in diesem Buch, was es mit Jagdzauber, Zaubertieren, Tiergeistern, Hexentieren
10
Schamanische Tanzmaske aus Holz, Haaren und Federn. Das Menschengesicht befindet sich im Rachen eines Walrosses, eines mächtigen Tierverbündeten der Inuit. Der aus der Stirn ragende Vogelkopf stellt eine Seemöwe, den Boten des Schamanen dar. Diese Maske wurde vom Schamanen beim großen Huldigungsfest zu Ehren der Tiere getragen. (Maske der »Alaska-Eskimos«, 53 Zentimeter hoch, Ethnographische Sammlung, Museum für Völkerkunde Berlin, Illustration aus RASMUSSEN 1937: 64f.)
und Arten auslöschen – letztlich unerheblich. Die Erde dreht sich weiter. Das Leben regeneriert sich und passt sich den neuen Verhältnissen an. Die Evolution nimmt ihren Lauf. Lebewesen überleben, wenn sie sich der Natur anpassen. Was aber geschieht, wenn sich eine Kreatur nicht anpassen, sondern die Natur bezwingen, beherrschen und selbstsüchtigen eigenen Bedürfnissen unterordnen will? Kann ein derartiges Wesen überleben? Das ist die entscheidende Frage. Die Fukushima-Katastrophe enthüllt den menschlichen Wahn4, die Natur beherrschen zu können. Letztlich nämlich beherrscht die Natur unser Leben. Ursprünglich erforschten Wissenschaftler Naturgesetze, um sie besser verstehen und sinnvoll nutzen zu können. Allein die Intention entscheidet darüber, ob uns das erlangte Wissen dient oder schadet. Dass lebenserhaltende, heilende und zerstörerische Energien ein und derselben Quelle entstammen, gehört seit jeher zum Common Sense der
Schamanen und zum allgemeinen »gesunden Menschenverstand«. Die Sorge um eine verantwortungsbewusste Einschätzung möglicher Risiken der Atomenergie und der Appell, daraus resultierende notwendige Konsequenzen ernst zu nehmen, trieb im Frühjahr 2011 viele Menschen auch in Deutschland auf die Straßen. Radioaktivität ist bedrohlich, gefährlich, tödlich, obwohl man sie weder sehen, hören, schmecken, riechen oder fühlen kann. Sie ist ein unsichtbarer Geist, der überall in der sichtbaren Welt lauern kann. Man muss nicht an die Radioaktivität glauben. Man kann sie mit dem Geigerzähler messen. Die unsichtbaren Welten der Schamanen sind genauso wirklich wie die unsichtbare Radioaktivität – ob man daran glaubt oder nicht. Seit mehr als 30000 Jahren entwickelten Schamanen Methoden, Gefahren aus der unsichtbaren Welt erfolgreich zu begegnen, sie zu bannen und Kranke zu heilen. Mythen überlieferten die im Unsichtbaren lauernden Gefahren als Drachen und Monster, deren übermenschliche, titanische Zerstörungskraft in heroischen Kämpfen besiegt wurde. Dass wir die Macht der Instinkte und Gewaltausbrüche noch immer mit dem Adjektiv »tierisch« beschreiben, ist ein fernes Echo davon. Hamburg, im Sommer 2011
4 Die Griechen bezeichneten diesen Wahn als hybris; als »Hochmut«, »Übermut« und »frevelhafte Selbstüberhebung« über die Götter.
11
Unsere tierischen Verwandten
Was ist ein Tier? Diese Frage klingt lapidar. Doch wer ernsthaft nach einer schlüssigen Antwort sucht, die auf die große Vielfalt aller Tierarten zutrifft und sie von Pflanzen und Menschen unterscheidet, stößt immer wieder auf Unschärfen und bemerkt, wie anspruchsvoll diese Frage ist. In der Brockhaus Enzyklopädie von 1973 steht der nüchterne Eintrag »Tiere: Lebewesen, die organ. Nahrung bedürfen, deren Organe sich im Innern des Körpers durch innere Flächenentfaltung entwickeln, die aus Zellen ohne verfestigte Zellwand aufgebaut sind« – und dann die folgenschwere Bemerkung: »Rechtlich gelten Tiere als Sachen.« Die Aussage bezüglich der Organe trifft auch auf Menschen zu und ist somit kein beide Geschöpfe unterscheidendes Merkmal. Dass Tiere juristisch als Sachen gehandhabt werden, unterscheidet sie vom Menschen und erhellt unseren allgemein vorherrschenden Umgang mit Haus, Nutz-, Jagd- und Wildtieren.
Einleitendes und Hintergründiges Der Mensch betrachtet sich gern als Krone der Schöpfung und stellt sich an die Spitze eines hierarchischen Wertesystems, das ihm andere Lebensformen als »niedriger« unterordnet. Ob in der Religion, in der Wissenschaft oder im Rechtssystem. Vor diesem Hintergrund erdachte der Mensch mannigfaltige Merkmale, die ihn vom Tier unterscheiden. Der französische Philosoph René Descartes (1596–1650) prägte nachhaltig unsere auf nüchternen Fakten basierende wissenschaftliche Denkweise. Er bezeichnete Tiere als biologische Automaten, ohne Verstand und Gefühl. Auf die Frage »Woher wissen Sie, dass Tiere Gefühle haben?« riskieren ernstzunehmende Wissenschaftler wie der Evolutionsbiologe Marc Bekoff erst heute das bislang gänzlich diskreditierende Statement: »Ich kann
Kegelschnecke (Conus leopardus). Das von oben betrachtete Gehäuse offenbart einen Spiralwirbel. Der obere Teil dieser im Indopazifik verbreiteten Meerschnecke wird in vielen Kulturen als Amulettschmuck getragen. (Foto: Karl-Christian Lyncker)
ihre Gefühle fühlen«, wie 2010 im Stern zu lesen war. Tiere haben keine Seele, glaubt die katholische Kirche und stützt sich dabei auf den Kirchenlehrer Thomas von Aquin, der dies im 13. Jahrhundert konstatierte. Sogar Frauen wurde eine Seele abgesprochen. Ganz zu schweigen von »Wilden«, Barbaren, Unzivilisierten und »primitiven« Eingeborenen ferner Kontinente. Als europäische Invasoren den fünften Kontinent Australien entdeckten, betrachteten sie die australischen Ureinwohner als Affen. Sie »schossen sie wie Affen von den Bäumen« und bahnten der europäischen Zivilisation so ihren Weg in den australischen Busch. Tiere haben keine Gefühle, meinen viele und rechtfertigen so skrupellose Massentierhaltungen und Tiertransporte. Tiere können keine Freude oder Trauer empfinden, das war lange die allgemein akzeptierte Überzeugung. Bis man verblüfft auf die Beobachtung reagierte, dass sich eine Elefantenherde lange um einen verstorbenen Artgenossen schart, bevor sie ihren Weg der Nahrungssuche
12
fortsetzt. Desgleichen zeigte auch die Primatenforschung, dass sich Schimpansen-, Orang-Utan- und Gorillamütter nicht gleichgültig von einem gestorbenen Jungen abwenden, sondern den Kadaver noch tagelang mit sich herumschleppen und auf Lebenszeichen untersuchen. Man war überzeugt, dass Tiere Werkzeuge weder herstellen noch benutzen. Dann entdeckten Verhaltensforscher derartige Praktiken nicht nur bei Primaten, sondern auch bei Papageien und Rabenvögeln, die im zoologischen Stammbaum sehr viel tiefer rangieren. Diese Vögel kürzen und spitzen Zweige zurecht, um damit ge-
Visionäres Mischwesen mit Eidechsenkörper, menschlichen Extremitäten und einem Hirschgeweih. Von einem Schamanen der kalifornischen Chumash-Indianer in Fels geritzt. (Felsbild, Ventureño Area, CA, USA)
Schamanen können in Trance mit einem »Röntgenblick« ins Innere eines lebenden Körpers sehen und Anatomie sowie Zustand erforschen. (Petroglyph, Sakatschi, Amur-Ussuri-Gebiet, nach LOMMEL 1961)
schickt nach verborgenen Maden zu angeln. Sie legen gepanzerte Tiere oder Nüsse in natürliche Mulden, bugsieren Steine in gezielter Falllinie auf höher gelegene Felsvorsprünge oder Astgabeln und nutzen die Wucht des Aufpralls, um die begehrte Nahrung aufzuknacken. Tiere können nicht vorausschauend planen und organisiert handeln, da war man sich sicher. Dann erwiesen lang angelegte Beobachtungen, dass Wolfsrudel und Delfinschulen mit ausgeklügelten Strategien die ausgespähte Beute umzingeln, sie vom Verband isolieren und im geeigneten Moment mit vereinten Kräften angreifen. Selbst der aufrechte Gang des Menschen trifft, zumindest zeitweise, auch auf Schimpansen, Bären und Erdmännchen zu. Bleibt als einzig triftiges Unterscheidungskriterium nur die Handhabung des Feuers? Auch die neuesten Erkenntnisse der Genforschung belegen, dass die gemeinsamen Merkmale zwischen Mensch und Tier bei Weitem überwiegen – und nicht die trennenden (wie gern angenommen wird). Dass die Gene von Menschen und Schimpansen zu 99 Prozent übereinstimmen, ist für viele noch immer verstörend. Charles Robert Darwins Zeitgenossen empörte, dass Mensch und Tier einen gemeinsamen Stammbaum haben. Am 24. November 1859 erschien sein Lebenswerk Über die Entstehung der Arten durch natürliche Auslese oder das Erhaltenbleiben der begünstigten Rassen im Ringen um die Existenz. Noch am selben Tag war die erste Auflage von 1250 Exemplaren vergriffen, die von Darwin betreute sechste Auflage erschien bereits 1872. In diesem Buch belegt der umstrittene englische Biologe und Vater der Evolutionslehre akribisch, dass die Arten eine gemeinsame Abstammungsgeschichte teilen. Sie verdanken ihre spezifische Erscheinung keinem einzigartigen göttlichen Schöpfungsakt, sondern haben sich in einem lange währenden evolutionären Prozess verändert und an ihren Lebensraum angepasst. Die Medien brachten die Quintessenz des bahnbrechenden Werkes auf die provokante und eingängige Formel, der Mensch stamme vom Affen ab. Darwin selbst hatte dies so niemals explizit behauptet. Doch die bloße Idee einer Verwandtschaft von Mensch und Tier
13
Spinnen gehören in vielen schamanischen Kulturen zu den heiligen Tieren und Freunden der Menschen. Spinnen und Spinnweben sind wichtige Elemente der schamanischen Lebenswelt. Das Netz spinnen bedeutet so viel wie: den Kosmos erschaffen und ihn ordnen. Die achtbeinigen Kerbtiere spinnen die Wirklichkeit und wirken das Gewebe der Welt. Die Spinne gehört zu den Schöpfern der Welt. Viele Schamanen sagen, dass Spinnen Lehrmeister sind, und bewundern ihre Kunst. (Moche-Darstellung auf einem Keramikgefäß, Chimu, Peru, nach KUTSCHER 1977)
trieb den Klerus und die breiten Massen auf die Barrikaden. Der wie auch immer legitimierte Anspruch des Menschen auf die krönende Spitze in der Hierarchie aller Lebensformen ist ein hinfälliges und durch wissenschaftliche Fakten widerlegtes Konzept. Das menschliche Bedürfnis und Bestreben, sich von Tieren abzugrenzen und sie den eigenen Bedürfnissen unterzuordnen, ist nach wie vor brisant und äußert sich auf mannigfaltige Weise. Von fundamentalistischen Christen dominierte Staaten der USA untersagen die Lehre der Evolutionstheorie an Schulen. Jäger und Schafzüchter appellieren an uralte Ressentiments gegen den »bösen Wolf« und laufen Amok gegen neu eingewanderte Wölfe, Luchse und Bären in der Lausitz, im Bayrischen Wald und anderen abgelegenen Regionen, wo sie lange als ausgerottet galten. Stadtmenschen, die ihr neues Häuschen in Siedlungen beziehen, die auf dem grünen Tisch geplant und in plattgewalzten Schneisen inmitten von Wäldern und ländlicher Einsamkeit realisiert wurden, mobilisieren den Bürgermeister, die ortsansässige Freiwillige Feuerwehr und die lokale Presse, wenn Rotten von Wildschweinen ihren angestammten Lebensraum behaupten und sorgsam getrimmte, neu angelegte Rasenflächen durchpflügen. Das Entsetzen vor der gefährlich wilden tierischen Natur und die davon abgegrenzte menschliche Zivilisation sind auch umgangssprachlich allgegenwärtig. Das vom Lateinischen Bestia (»Tier«) abgeleitete Wort »Bestie« bezeichnet einen rohen,
wilden, grausamen Menschen. Bestialität bedeutet äußerste Rohheit und Grausamkeit. Ein »bestialischer« Mord oder Gestank ist roh, grausam, fürchterlich und abstoßend. Ein mitfühlender und weitsichtiger Mensch ist dagegen menschlich oder human. Wer tierisch handelt oder haust und sich wie ein Tier verhält, unterliegt niedrigen Instinkten und besitzt keine zivilisierten Umgangsformen. Wer sich mit eingezogenem Schwanz davonschleicht wie ein Hund, wehrt sich nicht wie ein gestandener Mann und hat keine Zivilcourage. Wer mit aufgestellten Nackenhaaren und gefletschten Zähnen auf vermeintliche Angriffe reagiert, verhält sich animalisch und lässt jeglichen kühlen rationalen Verstand vermissen. Auch uns als Autoren dieses Buches sträuben sich die Nackenhaare. Nicht weil uns ein gemeinsamer Stammbaum von Mensch und Tier entsetzt. Sondern weil uns derartige Abgrenzungsbedürfnisse rätselhaft sind und es uns vor den fanatischen Allmachtsansprüchen schaudert. Für schamanische Gesellschaften sind solche Abgrenzungsbemühungen irrelevant. Sie achten und würdigen Tiere schlichtweg als Verwandte. Als gleichrangige Mitgeschöpfe im verwobenen und vernetzten Kreislauf des Lebens. Diese Haltung ist unserem westlichen Kulturkreis keineswegs fremd und exotisch. Wenn wir der Fährte der Herkunft und Bedeutung von Worten folgen, stoßen wir auf die Spur unserer eigenen schamanischen Wurzeln. Das Wort »Tier« ist urgermanischen Ursprungs. Es bedeutet so viel wie »lebendes Wesen« oder »at-
14
mendes Wesen«. Die deutschen Worte »Atem« und »atmen« gehen auf den Sanskrit-Begriff Atman, »Seele«, zurück. Die Gans heißt im Sanskrit Hamsa. Ham bedeutet »ausatmen«, sa bedeutet »einatmen«. Die Gans als der Atem der Welt. Sie ist das Tier des Gottes Brahma, des Erzeugenden, des Belebenden, des Schöpfers. Hamsa ist der kosmische Atem, der Lebensspender. Deshalb ist die Gans heilig und nicht »dumm«. Auf das Lateinische anima, »Seele«, geht auch der im Deutschen, Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen identische Wortstamm animal, für »Tier« und »tierisch«, zurück. Dieses germanischen und romanischen Sprachen gemeinsame Wort bedeutet in erster Linie »Lebewesen«. Wendungen wie animale ragionevole im Italienischen (»der Mensch, das vernunftbegabte Lebewesen«) oder l’homme est un animal raisonnable im Französischen (»der Mensch ist ein vernunftbegabtes Lebewesen«) bezeugen die ursprüngliche Verwandtschaft von Mensch und Tier.
Kinder der Natur »Tiere und Menschen sind nur verschiedene Manifestationen der alles bewegenden kosmischen Kraft.« (GRÖNING und SALLER 1998: 122)
Tiere sind atmende Lebewesen und Teil von etwas viel Größerem. Tiere sind Teil der Natur. Sie sind Kinder der Natur wie wir Menschen. Die Natur gehört nicht den Tieren und Menschen. Sondern die Menschen und Tiere gehören der Natur! Die Natur ist die Große Göttin. Die Göttin, die alles hervorbringt, alles erhält und alles zerstört. So betrachtete man jedenfalls in der Antike die Natur, römisch Natura, griechisch Gaia5 oder Physis, und verehrte sie als etwas Heiliges. Die Natur gibt dem Sein ein Gesicht. Sie lässt wahrnehmendes Bewusstsein entstehen, um sich selbst zu betrachten und zu erkennen.
Im reflektierenden und wahrnehmenden Geist des Menschen wird sich die Natur ihrer selbst bewusst. »Ist nicht der Himmel ein Vater und die Erde eine Mutter? Sind nicht alle Lebewesen ihre Kinder, ob sie nun Füße, Flügel oder Wurzeln haben?«, fragt Black Elk, ein Schamane der OgalallaSioux. Ähnlich formuliert der französische Philosoph Michel de Montaigne (1533–1592) in seinen Essays: »Wir stehen weder höher noch tiefer als die übrigen Geschöpfe: Alles, was unter dem Himmel ist, sagt der Weise, folgt einerlei Gesetz und Los.« Schamanen zählen auch in veränderten Bewusstseinszuständen wahrgenommene Götter und Göttinnen, Geister, Seelen und Tiergeister zur Wirklichkeit hinter den alltäglich sichtbaren Erscheinungsformen. In allen Naturerscheinungen drückt sich ihr Zusammenspiel und Wirken aus. Die Sonne, im Deutschen eine Göttin, in den meisten Sprachen ein Gott, die wir sehen und spüren können. Die Erde, eine Göttin, die wir mit Händen greifen und unter unseren Füßen fühlen. Die Planeten sind Gottheiten, die bis heute in Planetennamen weiterleben. Die Natur ist das eigentlich Göttliche. Götter und Göttinnen sind nicht jenseits der Natur, sondern allgegenwärtig erlebbare Manifestationen der Natur, die sich in allen natürlichen Phänomenen, in Bergen, Felsen und Steinen, in Pflanzen, Pilzen, Tieren und auch im Menschen manifestieren. Viele Fragen quälen den menschlichen Geist: Folgt die Natur einem Plan? Einem göttlichen Plan? Ist sie selbst schöpferisch oder benötigt sie einen Schöpfer? Hat die Natur einen Geist? Ist die Natur die Evolution des Universums, des All-Einen? Hat die Natur zwei Erscheinungsformen, nämlich Geist und Materie? Hat sie ein zentrales Nervensystem, eine Art Gehirn, so wie Tiere und Menschen? Folgt sie einem Sinn und Zweck? Wie beantworten Religion oder Wissenschaft, Philosophie oder Schamanismus diese Fragen? Stellen sich Tiere solche Fragen? Reflektieren sie über ihr eigenes Sein? Über die Natur im Allgemeinen und die eigene Natur im Besonderen? Und allen voran stellen wir uns die drei
5 Zusammen mit Chaos und Eros gehört die griechische Erdgöttin Gaia zu den Urprinzipien des Kosmos. Aus ihr gingen Himmel (Uranos) und Meer (Pontos) hervor. Befruchtet von Uranos gebar Gaia die Titanen, die urtümlichen Wirkkräfte der Natur.
15
Der Schamane Dawa Sherpa in seiner traditionellen Schamanentracht. Die Krone aus Pfauenfedern zeigt seine Fähigkeit an, in andere Welten »fliegen« und heilen zu können. (Dhulikel, Nepal, 2009)
wesentlichen Fragen: Woher kommen wir? Was machen wir hier? Wohin gehen wir? Gewöhnlich schreibt man den paläolithischen Menschen, genauer gesagt den Neandertalern (Homo sapiens neandertalensis) zu, dass sie als Erste über den Tod und die damit verbundenen Fragen nachgedacht haben. Die Neandertaler waren unsere ersten Vorfahren, die ihre Toten rituell bestatteten (AUFFERMANN und ORSCHIEDT 2006). Ihre Grabbeigaben bezeugen, dass sie sich über das Sein nach dem Tod Gedanken machten. Biologisch betrachtet, sind wir Menschen Tiere. Eine von vielen Spezies, die auf der Erde gelebt haben und immer noch leben. Als Phylogenese bezeichnet man die allen Lebewesen gemeinsame Entwicklungsgeschichte; als Ontogenese die Entwicklung eines einzelnen Lebewesens von der befruchteten Eizelle bis zur Geschlechtsreife. Dass der menschliche Fötus eine mit Fröschen, Vögeln und Säugetieren vergleichbare Entwicklung durchläuft, erkannte man im 19. Jahrhundert. Die neurologische Forschung teilt das menschliche Gehirn in drei wesentliche Bereiche ein. Das sogenannte Reptiliengehirn des Hirnstamms ist Kontrollzentrum unbewusster, gefühlloser Programme wie etwa des Territorialverhaltens. Das limbische System des sogenannten Altsäugergehirns umschließt den Hirnstamm wie ein Saum, verbindet Informationen zwischen dem Körperinneren und
Ein Schamane der BoraIndianer trägt eine Federkrone aus den Flügeln und Schwanzfedern des blaugelben Ararapapagei (Ara ararauna). Der Ararageist ist ein Helfer beim andersweltlichen Fliegen. (Bei Iquitos, Amazonia, Peru, 1999)
der Umgebung und generiert Emotionen. Der entwicklungsgeschichtlich jüngste Neokortex wird als »zerebrales Gütesiegel höherer Säugetiere« bezeichnet und befähigt Menschen zu differenzierten und abstrakten Denkprozessen. Laut Aussagen des kanadischen Gehirnforschers Paul MacLean ist »unser menschliches Gehirn gleichsam die Zusammenfassung seiner evolutionären [das heißt allen Lebewesen stammesgeschichtlich gemeinsame] Vergangenheit. Wir sind Erben der Struktur und Organisation dreier grundlegend verschiedener Gehirne, die wie drei miteinander verschaltete biologische Computer funktionieren, wobei jeder seine eigene Subjektivität und Intelligenz, seine eigenen Zeit- und Raumvorstellungen sowie sein eigenes Gedächtnis besitzt.«6 In seinem aufsehenerregenden Buch bezeichnete Desmond Morris den Menschen (bereits im deutschsprachigen Titel) als »nackten Affen«. Unsere Art ist Teil der Evolution des Lebens auf unserem Planeten. Wir sind Nachfahren der ersten Zelle, die in der Ursuppe ausgebrütet wurde. Wir haben denselben Ursprung wie jede Art von Tier, Pflanze und Pilz. »Die Evolution ist das Geheimnis des Lebens: eine Folge von Vorgängen, die es ermöglichen, dass sich Populationen mit der Zeit verändern ...« heißt es im Atlas der wilden Tiere, 2009 von National Geographic veröffentlicht. Alle Arten verändern sich im Laufe der Zeit. Die einen schneller, die an-
6 Auf diese Zusammenfassung von Hans Goller stößt man auf der Seite http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/107.html (letzter Zugriff im Juni 2011).
28
Die älteste bisher bekannte Darstellung einer Eule aus dem Paläolithikum. Eulen gehören seit alters her zu den Schamanentieren. Der mit dem Eulengeist ausgestattete Schamane kann unbemerkt und zielsicher eine im Dunkel der Anderswelt verborgene Krankheitsursache oder ein verlorenes Seelenteil ergreifen. In der europäischen Antike war die Eule Göttertier, Zaubertier, Hexentier, Hexe (Strix), magisches Mittel, Apotropäum und Omen. Der nachtsichtige Raubvogel hatte somit auch dort alle Eigenschaften eines Tieres der Schamanen. Viele können sich in Eulen verwandeln, nutzen sie als geistigen Verbündeten und kennen ihre Bedeutung als Omen in Träumen und im Vogelflug. (Felsgravur aus der Höhle Chauvet, Frankreich, etwa 32 000 Jahre alt)
Schon in vorspanischer Zeit gehörte die Eule zu den wichtigsten Schamanentieren im südwestlichen Peru. Noch heute haben die dortigen Curanderos, die sich mit dem San-Pedro-Kaktus (Trichocereus pachanoi) und Engelstrompeten (Brugmansia spp.) in schamanische Trance versetzen, Eulen als Verbündete. (Darstellung auf einem Keramikgefäß der Moche, Chimu, Peru, nach KUTSCHER 1977)
Die vermutlich älteste Darstellung eines Fisches, wahrscheinlich ein Lachs. Bis heute gehören Lachse zu den Schamanentieren nordischer Völker. Der Schamane kann die Eigenschaft des Fisches, erfolgreich gegen den Strom zu schwimmen, auf sich übertragen. (Wandbild in der Höhle Niaux, Frankreich, etwa 14 000 bis 18 000 Jahre alt)
Indianischer Petroglyph eines Eulen-Mischwesens. Möglicherweise ist die Göttin Tsogiglalal, »die, die wacht«, abgebildet. Gemäß den Pima-Indianern aus Arizona geleiten Eulen die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits. (Columbia Plateau, Lower Columbia, Oregon, USA; Long Narrows Stil)
29
weihtragende Tiere, Mammut und Rentier. Nur ein einziges Mal findet sich das Wiesel. Ob Schlangenlinien auch Schlangen darstellen, ist nicht sicher. Erstaunlicherweise sind die am meisten gemalten Tierarten nicht identisch mit den meistgejagten Tieren. Die spirituelle Fauna ist also nicht mit dem Jagdwild kongruent.
Prähistorische Tiere in der steinzeitlichen Höhlenkunst (Nach ihrer Häufigkeit, vgl. LORBLANCHET 2000: 59) Pferde Wisent (Bison) Steinbock, Wildschaf Auerochse Hirsche und andere geweihtragende Tiere Mammut und Waldelefant Rentier Bär Löwe Nashorn oder Wollnashorn Fische Riesenhirsch Eule Selten dargestellte Tiere sind Halbesel, Elch, Gämse, Damhirsch, Fuchs, Wolf, Robbe, Schlange, Wiesel, Saïga-Antilope.
»Jede Handlung des Malers übertrug demnach die Metamorphose des Schamanen, der das Felspferd der Höhle beschwörte und sich selbst in ein Pferd verwandelte, indem er sein zum Tier gewordenes Selbst auf die Wand brachte …« (LORBLANCHET 2000: 263)
Sind die Höhlenbilder Ausdruck einer spirituellen Weltanschauung? Sind sie l’art pour l’art? Stehen sie mit der Jagd und dem Jagdzauber in Verbindung? Sind sie Ikonen einer steinzeitlichen Religion? Sind es Bilder, die für Initiationsriten gebraucht wurden? Sind es Lehrbilder? Oder sind es gemalte Visionen? Sind es die Tiergeister, die Tierverbündeten, die Hilfsgeister der Schamanen? – Oder ist von allem ein bißchen dabei? Wie können wir die Höhlenkunst verstehen? Ist es überhaupt möglich, jahrzehntausendealte Artefakte einer nicht mehr bestehenden Kultur zu verstehen? Und was heißt eigentlich »verstehen«? Wenn wir Kunstwerke betrachten, möchten wir sie verstehen, ihre Bedeutung erkennen – nur dadurch können wir sie uns aneignen. Die Kunstgeschichte hat uns gezeigt, dass man Kunstwerke nur dann verstehen kann, wenn man sekundäre Quellen zur Verfügung hat beziehungsweise über ein bestimmtes Wissen verfügt, das notwendig zum Verständnis eines Kunstwerkes ist. Bilder sprechen in den seltensten Fällen für sich. Ein Gemälde enthüllt sich nur durch das dazugehörige Wort. Kunst muss meistens erklärt werden, damit der Betrachter damit etwas anfangen kann. Manchmal kann der Maler, der Urheber des Bildwerkes, durch seine Worte sein Kunstwerk erklären, also zugänglich machen. Kunsthistoriker können aufgrund ihres durch Forschung angesammelten Wissens um die kulturellen und persönlichen Umfelder erhellende Aussagen machen. Sie können dem Blick des Betrachters eine Brille des Verstehens aufsetzen. Oft ist es sehr verblüffend, was der Künstler oder der Kunsthistoriker zu einem Bild zu sagen hat. Der Betrachter wäre von allein nie darauf gekommen. Was nun die Höhlenkunst angeht, können wir weder die Maler befragen noch auf kunstgeschichtliche Quellen zurückgreifen. Wir wissen ja nicht einmal, ob das dargestellte Tier ein Porträt ist, einen Jagdzauber darstellt, die Abbildung eines Tiergeistes oder eine religiöse Ikone. Uns bleibt nur die Annäherung per Analogie übrig. Es geht also darum, ethnografische Parallelen auszumachen und die damit zusammenhängenden Erkenntnisse auf die Interpretation der Höhlenbilder anzuwenden.
52
Die Hindu-Göttin Jai Mata Di, eine Emanation der Großen Göttin ParvatiKali, auf einem Tiger reitend. Die alles gebärende, erhaltende und vernichtende Kali ist in Nepal die wichtigste Göttin der Schamanen. (Sticker, 2009 in Kathmandu, Nepal, erworben)
Der Tiger als Krönung eines nepalesischen Phurbas. Jhankris beschwören mit diesem hölzernen Geisterdolch die Tigerkraft und nutzen sie bei Heilritualen. (Nepal, 20. Jahrhundert)
Traditionelle Darstellung eines Tigergesichtes mit großen Reißzähnen auf einem Schnupfpulverfläschchen. In Nepal gibt es Schnupfpulver (nas) mit psychoaktiven Pflanzen. Schamanen nutzen sie als Reisemittel und assoziieren ihre Wirkung mit dem Tiger. (Geschnitzter Yakknochen mit Metallfassung, Kathmandu, Nepal, 20. Jahrhundert. Im Hintergrund zerkleinerter Kachopat – ein von Schamanen angebauter starker Tabak, den sie als Verwandten des Stechapfels ansehen.)
Der Tiger ist ein bedeutendes Schamanentier in Korea. Es heißt, der Tiger habe den heilkräftigen Schamanenpilz (Ganoderma lucidum) aus dem Himmel geholt und in die Wälder gepflanzt. Einstmals verehrten koreanische Schamaninnen das Tier als Gott Hosin und brachten ihm Opfergaben dar. (Farbiger Holzblockdruck, Südkorea, 22,8 ⫻ 27 Zentimeter)
53
Bär, Raubkatze, Adler und andere Raubvögel, Rabe, Wolf und Schlange sind die zentralen Tiere im Schamanismus. Auch auf der »Hitliste« unserer beliebtesten Krafttiere stehen sie (mit Ausnahme des Raben) ganz oben. Bär Der Eisbär wurde zum Symbol der derzeit virulenten Diskussion um Klimawandel und Erderwärmung. Dabei ist sicher nur wenigen bewusst, dass die als Arktis bezeichnete betroffene Region vom Griechischen arctos, »Bär«, abgeleitet ist.28 Die Beziehung zwischen Mensch und Bär ist einzigartig. Sie umspannt einen längeren Zeitraum als bei jedem anderen Tier und reicht bis in vorgeschichtliche Zeiten zurück. Schon unser Urahne, der Neandertaler, begegnete vor 60000 Jahren dem ebenfalls ausgestorbenen Urahnen des Bären: dem Höhlenbär. Sie teilten sogar denselben Ort, wie Schädel- und Knochenfunde aus der sogenannten österreichischen Drachenhöhle von Mixnitz und dem Schweizer Drachenloch beweisen. Dort entdeckte man aus Höhlenbärenknochen hergestellte Werkzeuge der Steinzeitmenschen und Höhlenbärenschädel, die offensichtlich sorgsam auf Steinplatten niedergelegt und von Steinplatten umrandet waren. Bei einem Fund war der Oberschenkelknochen eines Höhlenbären sorgsam zwischen Schläfenbein und Jochbein verkeilt (RABEDER et al. 2000: 83f.). Vermutlich trennte sich die Evolutionslinie des Höhlenbären vor mehr als einer Million Jahren von der des heutigen Braunbären. Verglichen mit den heute größten Arten, dem in Nordamerika heimischen Grizzly- und dem Kodiakbär, die bis zu siebenhundertachtzig Kilogramm Körpergewicht erreichen, errechnete man für den Höhlenbären das doppelte Maximalgewicht von bis zu eintausendfünfhundert Kilogramm – bei einer annähernd gleichen Körperlänge von dreieinhalb Metern und einer nur geringfügig größeren Widerristhöhe von 1,75 Metern.
Die frühesten Vorfahren der Menschheit teilten mit dem Bären nicht nur denselben Lebensraum und Rückzugsort. Sie überwältigten und töteten das ihnen an Größe und Kraft bei Weitem überlegene Tier und bestatteten es schließlich rituell. Bärenkulte sind in der ganzen Welt bezeugt. »Dem Bär verdankt die westliche Zivilisation ihren Fortschritt.« Diese provozierende Erkenntnis durchzuckte mich (Claudia Müller-Ebeling), als ich 1994 auf Tasmanien vor der North Cave im Rocky Cape Mountain Parc stand. Hügel von Muschelund Schneckenschalen zeigten, wovon sich die dort seit 35000 Jahren lebende Urbevölkerung der Aborigines ernährt hatte. Seit Urzeiten waren sie den vorgegebenen Traditionen ihrer Ahnen gefolgt. In ihrer Lebenswelt gab es weder gefährliche Raubtiere noch widrige klimatische Bedingungen, derer sie sich erfindungsreich erwehren mussten und die Anlass für Veränderungen gegeben hätten. Bis ihnen im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts unvermittelt Invasoren aus Großbritannien gegenüberstanden. Fremde Menschen aus einer unbekannten Welt und Zeit. Sie waren technologisch weit überlegen und machten sich unverzüglich daran, die Höhlenmenschen aus der Steinzeit wie Affen von den Bäumen zu schießen, um sich der lästigen primitiven Bevölkerung zu entledigen. Ein »adäquater« Befreiungsschlag einer sich zivilisatorisch überlegen dünkenden Rasse. Die Weißen kamen aus kalten Breitengraden, wo der Bär, das übermächtige Raubtier, den Menschen gelehrt hatte, sich ihrer Furcht zu stellen und listenreiche Strategien zu ersinnen, um den übermächtigen Gegner erfolgreich zu überwältigen. Bären sind Allesfresser, wie wir, und können sich sogar auf zwei Beine aufrichten. Sie erforschen ihre Umgebung über Geschmack und Geruch und spüren auf, was man fressen und womit man heilen kann. Seit jeher begaben sich Schamanen in ihrem Windschatten auf ihre Spur und erklären daher einmütig, wie viel sie vom Bären gelernt haben.
28 Auch der vom Lateinischen ursus abgeleitete Gattungsname bedeutet »Bär«. Die zoologische Bezeichnung für den Eisbär Ursus arctos ist daher eine Verdoppelung.
64
Sie sind eine interkulturelle Konstante – auch bei Völkern und Individuen, die niemals ein Flugzeug bestiegen haben. Flugträume verändern drastisch die optische Perspektive. Man kann Landschaften und Siedlungen aus der Vogelperspektive sehen und auf die Anderswelt schauen. Man gewinnt neue Informationen und Erkenntnisse. Träume sind die Wirklichkeit der Seele. Ist man wach, befindet sich die Seele gewöhnlich im Herzen. Von dort überträgt sie die Lebenskraft auf den Körper. Sie hält den Menschen gesund und spiegelt sich in einem wachen Blick. Dennoch kann die Seele im Wachzustand den Körper auch verlassen. Durch große Angst, jähen Schreck oder langwierige Schwächung. Dann wird sie aus dem Herzen katapultiert und verliert die Verbindung zum Körper. Das resultiert in Schwäche und Krankheit. Die Seele kann auch von schädigenden Energien, Zauberern, Dämonen, ja sogar von Schamanen geraubt oder aus dem Körper entführt werden. Sie können Seelenteile in der Anderswelt gefangen halten. Es kommt auch vor, dass die Seele eines Verstorbenen vor ihrer Reise in die Unterwelt die Seele eines nahen Verwandten oder Freundes überredet, sie zu begleiten. Da die Reise der Seele in die Unterwelt nur durch den Tod möglich ist, kann die Entführung der Seele oder von Seelenanteilen einem lebenden Menschen gefährlich sein und ihn krank machen. Dann muss ein Schamane um Hilfe gebeten werden. Er versetzt sich willentlich in einen veränderten Bewusstseinszustand, in dem er seine eigene Seele in die Seelenwelt schickt, um dort die Ursache des Seelenverlustes seines Patienten herauszufinden. Hat er sie gefunden, kann er die geraubte oder verlorene Seele zum Patienten zurückbringen und sie wieder in dessen Körper heimisch machen. Da-durch wird die Krankheit geheilt. Die Seele kann in der Traumwelt eine nichtmenschliche Gestalt oder das Aussehen der eigenen Tieridentität annehmen. Dann sieht man sich selbst als Vogel, Jaguar oder was auch immer. In der Traumwelt kann man aber auch die Seelen von Tieren und Pflanzen sehen, oft in verwandelter Gestalt, sogar in menschlicher Form. Die Lakandonen berichteten, dass die Tierseelen der Greifvögel in
der Wahrnehmung anderer Vögel wie Raubkatzen aussehen. Die gewaltige Harpie, der größte Adler, erscheint natürlich als Jaguar, das größte und stärkste Raubtier des Dschungels. Der Bussard als Puma, der Falke als Ozelot, der Habicht als Wildkatze. Die Greifvögel sind in der Vogelwelt also das gleiche wie die Wildkatzen in der Menschenwelt. In der heidnisch-germanischen Zeit stellte die Seele eine Verbindung zur geistigen Welt dar. Noch immer sprechen wir vom Auge als Spiegel der Seele,
Folgende Verbindungen von Mensch und Tier lassen sich unterscheiden: Körperseele: Wird mit jedem Menschen geboren und wohnt ihm inne. Im Schlaf, Traum und in der Trance kann sie den Körper verlassen und jede beliebige Gestalt – auch die von Tieren – annehmen. Tierverbündeter: Spontan offenbartes Tier oder Tiergeist, der sich in gefährlichen Situationen mit dem Schamanen verbündet, wodurch er dessen Kraft und Fähigkeiten erlangt und Einsichten, die dem Menschen ansonsten verborgen blieben. Tiernatur/Tieridentität: Tier, in das sich Schamanen willentlich in Trance (und Menschen unwillentlich im Traum) verwandeln können. Nahual (auch Nagual): Alter Ego; aztekisches Wort für einen Zauberer, der sich willentlich in ein Tier verwandeln kann. Tiergeist: Wird mit jedem Menschen geboren, befindet sich jedoch lebenslang außerhalb des Körpers und der Seele des Menschen. Er ist schicksalhaft mit ihm verbunden und wird weder willentlich noch spontan erwählt, sondern vererbt. Folgegeist, Fylgia: Nur Schamanen und Sehern sichtbar. Zeigt sich nur in großer Gefahr oder im Augenblick des Todes auch dem Menschen, zu dem er gehört. Kann nach dem Tod eines Individuums zum Schutzgeist der
65
das den geistig-seelischen Zustand des Menschen reflektiert. Unsere Seele ist also ein Tor zur schamanischen Welt.
gesamten Familie, das heißt zum Familiengeist werden. Siehe Tiergeist. Totemtier: Tier, von dem der Mensch nach mythologischen Überlieferungen abstammt. Der Ursprung und Ahne des jeweiligen Clans. Schutzgeist/Hilfsgeist: Ein in Träumen aufgetauchtes oder bei bestimmten Begegnungen offenbartes Wesen menschlicher, tierischer oder sonstiger Natur, das Menschen schützt (zum Beispiel ein Schutzengel) und ihnen in schwierigen Situationen beisteht. Tonal: Geisthelfer eines Menschen oder sein Tiergeist, meist in Tiergestalt. Seelentier: a) Entspricht dem Charakter eines Menschen, angeborene Verwandtschaft mit einem Tier. b) Sentimentale Betrachtung eines Tieres und Verbindung mit einem Tier, das einem gefühlsmäßig nahe steht. Moderne esoterische Vorstellung. Krafttier: Persönlich erwähltes Tier, das individuellen Wunschvorstellungen nach spiritueller Kraft entspricht. Inbegriff des Schamanismus aus esoterischer Sicht; in authentischen schamanischen Gesellschaften weitgehend irrelevant und unbekannt. Sie bezeichnen Krafttiere zutreffender als Tierverbündete.
Hexentiere, Familiare und Folgeseele Die Katze – das wichtigste Hexentier Die Katze ist das prominenteste Tier auf Hexenbildern, die in der frühen Neuzeit entstanden, im 15. und 16. Jahrhundert, zur Hochzeit des Hexenwahns. Er führte vor allem in katholischen Landstrichen von Deutschland und der Schweiz zu verheerenden Rekordzahlen von assenverbrennungen angeblicher Hexen. Mehr als jeder andere Künstler variierte der am Oberrhein tätige Maler Hans Baldung Grien (etwa 1484–1545) in zahlreichen kolorierten Holzschnitten das ekstatische Treiben von Hexen in nächtlicher Waldeseinsamkeit und prägte nachhaltig unsere archetypischen Vorstellungen vom Hexensabbat. In einem 1510 entstandenen Holzschnitt wendet sich eine kauernde Katze am rechten Bildrand vom Betrachter ab. In den auf 1514 datierten drastischen Szenerien speit rechts im Vordergrund eine Katze etwas aus. In einem anderen Holzschnitt desselben Jahres kommentieren zwei miauende Katzen am linken Bildrand das unheimliche Geschehen. Die Verwandlung in eine Katze bezeugt ein Holzschnitt aus anonymer Hand. Unter dem Spruchband »Halber Mensch und halbe Katz« steht eine Nackte zwischen zwei Säulen. Sie wendet sich über ihre Schulter blickend dem Betrachter zu. Oberhalb der Gürtellinie hat sie sich bereits in eine Katze verwandelt. Unterhalb präsentiert sie ihr nacktes weibliches Gesäß. Der rund um Augsburg tätige Hans Burgkmair der Ältere (1473–1531) interpretierte in einer 1512 entstandenen Holzschnittfolge für Maximilian I. die den angeblichen Hexen angelastete Tierverwandlung dämonisch. Halb auf einer Brüstung einer antiken Säulenarchitektur, halb auf der Schulter einer alten Vettel, die uns mit ihrem Blick fixiert, sitzt ein vielbrüstiges dämonisches Wesen mit stacheligem Rücken und Krallenhand. Offensichtlich steht die Alte mit dem Teufel im Bunde. Der pralle Geldbeutel, den sie mit ihrer Rechten umklammert, lässt keinen Zweifel daran, dass ihr magisches Heilversprechen in Wahrheit auf das Geld ihrer Klientel zielt. Darstellungen wie diese suggerierten, dass
122
Das schamanische Erbe hier und heute
Schamanentiere begegneten uns auf diesen Seiten als Lehrmeister, Verbündete und Hilfsgeister, als Heiler, Krafttiere und Seelenverwandte, als Führer und Begleiter in andere Welten. All das sind sie seit Jahrtausenden, sie sind es nach wie vor. Schamanentiere sind keine ausgestopften Präparate, die uns mit »lebensechten« Glasaugen aus einer fernen Welt und Vergangenheit anglotzen. Sie sind noch immer vital und lebendig.
Tiere als Vorbilder Sie sind Lehrmeister für Techniker, die die Textur der Haihaut unter die Lupe nehmen, um widerstandsfähige Materialien und Oberflächen zu entwickeln. In der neuen wissenschaftlichen Disziplin der Bionik übertragen Ingenieure tierische Bewegungsabläufe auf technische Apparaturen. Biologen studieren das Schwarmverhalten von Fischen und Vögeln, um Erkenntnisse zu gewinnen, wie man Panikausbrüchen in Menschenmassen wirksam begegnen kann. Tiere stehen Sanitätern und Rettungskräften in Katastrophengebieten als Verbündete zur Seite, um Verschüttete unter Lawinen, Schutt und eingestürzten Häusern aufzuspüren. Als treue Verbündete kleiner Jungs eroberten der Collie Lassie, der schwarze Hengst Fury und der Delfin Flipper in erfolgreichen TV-Serien der 1960er- und 70er-Jahre weltweit Kinderherzen. Ein Erfolgsrezept, dem die Serie »Kommissar Rex« noch heute verpflichtet ist. Tierischer Spürsinn wittert nahendes Unheil in der Ruhe vor dem Sturm. Aufmerksamen Beobachtern werden Tiere zu Hilfsgeistern, wenn sie unvermittelt ins Landesinnere fliehen und dadurch einen Tsunami ankündigen, den Menschen erst wahrnehmen, wenn die Flutwelle über sie hereinbricht. Es
gibt zahllose Berichte von Menschen, die tierischen Instinkten ihr Überleben verdanken. Vor allem von Hunden ist die Rede, die ihre Herrchen oder Frauchen aus Unfallautos zerrten, bei Verunglückten oder Selbstmördern ausharrten und mit penetrantem Gebell und Geheul Helfer auf den Plan riefen. Im Stadtpark von Freiburg im Breisgau steht ein steinerner Erpel auf einem Sockel. Das aufgeregte Schnattern eines Enterichs trieb Anwohner am 27. November 1944 aus den Federn und bewog sie, den Luftschutzbunker aufzusuchen. Gerade noch rechtzeitig, wie sich herausstellte. Zum Dank setzten sie ihm ein Denkmal. Meine (Claudia Müller-Ebelings) aus ihrer schlesischen Heimat vertriebenen Großeltern fanden Ende der 1950er-Jahre eine Bleibe auf einem Bauernhof am Tuniberg bei Freiburg im Breisgau. Für Oma und Opa waren die nächtlichen Gänge zum Plumpsklo im Hof beschwerlich. Für mich als Vierjährige aber war die eng an die typischen Lößberge geschmiegte ehemalige Poststation, an einer damals kaum befahrenen Straße, eine Idylle. In warmen Sommernächten sang eine Nachtigall auf den hohen Tannen, und der Schäferhund des Hofes war mein spezieller Freund. Kein Scherz – er hieß natürlich Rex. Sein alarmierendes Gebell und das aufgeregte Geschnatter der Gänse weckten nicht nur mich oft aus dem Schlaf, sondern auch die Bauersleute, die immer rechtzeitig mit Heugabeln zur Stelle waren, um den Fuchs in die Flucht zu schlagen. Nach wie vor sind Tiere Heiler. Sie werden auf vielfältige Weise erfolgreich therapeutisch eingesetzt. Pferde schenken Behinderten neue Selbstachtung und Vertrauen in ihren Körper. Ihre bedingungslose Zuwendung und Abhängigkeit von menschlicher Fürsorge vermittelt Drogensüchtigen den verantwortlichen Umgang mit anderen Lebe-
123
wesen und mit sich selbst. Die für emotionale Zustände empfänglichen Delfine ermöglichen Autisten und Menschen mit sozialen Kontaktstörungen nachhaltig beglückende Erfahrungen. Wellensittiche, Hamster, Hunde und Katzen stimulieren rudimentäre sensorische Erinnerungsschichten und sind für demente und an Alzheimer erkrankte Menschen heilsam. Für Blinde sind Hunde Führer und Begleiter in andere Welten. Geheimnisvolle Wesen der Tiefsee entdecken Forscher in unbekannten lichtlosen Räumen. Tiere erscheinen uns in Visionen, Träumen und intuitiven Momenten. Gänse führten den Verhaltensforscher Konrad Lorenz auf die Spur der kurz nach dem Schlüpfen erfolgenden Prägung. Filmteams folgten ihnen mit eigens konstruierten Kameras und Gleitseglern in die Sphäre des Mikrokosmos, des Ozeans und der Lüfte und ermöglichten spektakuläre Einblicke in ihr Verhalten. Bereits in unserer Kindheit spendeten uns Teddybären und Kuscheltiere Trost und Kraft. Wir wenden uns an Krafttiere auf der Suche nach Regeneration unserer Lebensenergie. Einst konnte man sich und die Familie mit einer Anstellung auf Lebenszeit ernähren. Heute reichen selbst mehrere parallele Jobs dafür oft nicht mehr aus. Im von der globalen Weltwirtschaft diktierten täglichen Existenzkampf schnürt uns der Schraubstock von Effizienz und Leistungsdruck mehr und mehr die Luft ab. (Um etwaige Scharlatane auf dem boomenden Esoterikmarkt sollten sich nicht kirchliche Sektenbeauftragte kümmern, sondern Politiker und Vorstandsvorsitzende von Wirtschaftsunternehmen, die für den Verschleiß »humaner Ressourcen« verantwortlich sind.) Nach wie vor erachten wir Tiere als Seelenverwandte. Bürgerinitiativen, die sich für artgerechte Tierhaltung engagieren; Menschen, die gegen Tiertransporte, Tierversuche, Massentierhaltung und Legebatterien demonstrieren; Bauern, Züchter und Initiativen, die alte Nutztierrassen vor dem Aussterben bewahren; Organisationen, die für das Überleben bedrohter Tierarten kämpfen; Engagierte, die Tiere aus deprimierenden Bedingungen befreien und ihnen einen würdigen Alterssitz bie-
ten… Die Tiere der Schamanen begleiten uns, und sie sind uns wichtig, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Im letzten Abschnitt begegnen wir nun einer weltweit erfolgreichen modernen Variante der altvertrauten Schamanentiere – und unseren eigenen schamanischen Wurzeln.
Avatar – im Körper des anderen »Doch ab und zu überwindet ein Film die Barrieren der Kultur, des Genres und des persönlichen Geschmacks und lebt in den Köpfen der Zuschauer kollektiv weiter; ein Film, dessen Geschichte, Figuren und Dialoge so einzigartig sind, dass daraus eine eigene Mythologie entsteht.« (Peter Jackson in FITZPATRICK 2010: 7; Kommentar zum Kinofilm Avatar)
Avatar – Aufbruch nach Pandora. Seit Erscheinen dieses US-amerikanischen Kinofilms von James Cameron 2009, in bestechend dreidimensionaler Technik, gehört das Wort »Avatar« zu den bestbekannten Fremdwörtern. Es ist der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten. »Zusammengefasst ist der Film eine Odyssee, eine Reise vom Vertrauten über das Fantastische zum Fantasmagorischen.« (FITZPATRICK 2010: 12)
Schamanische Tiermenschen als modernes Kinderspielzeug aus Plastik. In ihnen begegnet uns der paläolithische Löwenmensch wieder. (Von der Firma Papo, 2007)