Die schรถnsten
Hรถhenwege
der Schweiz
Ueli Hintermeister Daniel Vonwiller
Ueli Hintermeister Daniel Vonwiller
Die schรถnsten
Hรถhenwege der Schweiz
AT Verlag
Beim Aufstieg zum Faulhorn begleitet der sensationelle Blick auf Schreckhorn und Finsteraarhorn.
2. Auflage, 2015 © 2009 AT Verlag, Baden und München Fotos: Ueli Hintermeister und Daniel Vonwiller, Seite 70: Walter Hintermeister, Seite 122–124: Silvia Fantacci Kartenausschnitte: Atelier Guido Köhler & Co., Binningen Gestaltung: Giorgio Chiappa, Zürich Lithos: Vogt-Schild Druck, Derendingen Druck und Bindearbeiten: Andersen Nexö, Leipzig Printed in Germany ISBN 978-3-03800-861-3 www.at-verlag.ch
Inhalt
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Vorwort Was ist ein Höhenweg? Wandern – aber sicher
OSTSCHWEIZ 14 20
Gratwegs über das Kalksteingebirge: Alpstein Über Walensee und Thur: Toggenburger Höhenweg
ZENTRALSCHWEIZ 28 32 36 40 44
Über fünf Ecken: Schwyzer Panoramaweg Die drei Gipfel einer Königin: Rigi-Höhenweg Urchige Landschaft über historischer Passstrasse: Schächentaler Höhenweg Hoch über dem Glarnerland: Braunwald Vielfältige Landschaft im Herzen der Schweiz: Urschner Höhenweg
GRAUBÜNDEN 50 58 64 68 72 76
Höhenweg «über dem Wald»: Senda Sursilvana Durch das Unterengadin der Donau entgegen: Via Engiadina Ein Weltkulturerbe als Ziel: Senda Val Müstair Bei den Königen der Alpen: Steinbockweg Sonniger Panoramaweg im Bergell: Strada del Sole Steiles Tal – kühner Weg: Sentiero Alpino Calanca
TESSIN 84 90 94 98 106 110 114 118 122
Hoch hinaus: Strada Veramente Alta Im Land der Bergseen: Sentiero Panoramico Verweilen, wo andere vorbeieilen: Val Bedretto–Lago Tremorgio Königstour der exponierten Grate und steilen Grashalden: Via Alta Verzasca Auf den Spuren der «Transumanza»: Hoch über dem Maggiatal Bei den Wallisern im Tessin: Von Bosco/Gurin nach Campo Vallemaggia Gegensätze: Vom entlegenen Onsernonetal ins mondäne Ascona Bekannte Tour auf unbekannten Wegen: Monte Tamaro–Monte Lema Das Hufeisen von Lugano: Val Colla
BERNER OBERLAND 130 134 138 142
Auf schmalem Grat hoch über dem Brienzersee: Brienzer Rothorn Der beste Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau: Niederhorn Spektakuläre Ausblicke mit 170 Jahren Geschichte: Faulhorn Die Nordwände des Dreigestirns zum Greifen nah: Mürrener Höhenweg
WALLIS 148 152 156 160 168 174 178 186
Hoch über der Lonza von Alp zu Alp: Lötschentaler Höhenweg Ein Erlebnis nicht nur für Eisenbahnfans: Lötschberg-Südrampe Abwärts durch das oberste Wallis: Gommer Höhenweg Und zum Schluss das Matterhorn: Europaweg Zu Füssen der Viertausender: Topali-Höhenweg Ins Tal der fünf Viertausender: Val d’Anniviers Anschauliche Geologie hoch über der Rhone: Tour des Muverans Um die sieben Zinnen des Tors zum Wallis: Dents du Midi
190 192
Verzeichnis der Touren nach Schwierigkeitsgrad Autoren
Vorwort
Wandern ist im Grunde die einzige Fortbewegungsart, die der Natur des Menschen gerecht wird. Eine Distanz von zwanzig Kilometern am Tag erscheint in unserer auf Tempo fixierten Welt als lächerlich wenig, doch zu Fuss zurückgelegt, genügt diese Strecke vollauf als Tagespensum. Dafür sieht und erlebt man jeden Meter und wird mit der Landschaft vertraut. Es bleiben Zeit und Musse, alle Schönheiten und Details zu entdecken, die einem sonst verborgen blieben. Und selbst über eine solch geringe Distanz verändert sich die Landschaft ständig, so dass kein Tag dem anderen gleicht. Den grössten Genuss bietet das Zu-Fuss-Gehen, wenn der Weg in der Höhe verläuft und von einem prächtigen Panorama begleitet wird. Die unverstellte Sicht in die Ferne hat eine befreiende, wohltuende Wirkung, die den eigenen Horizont erweitert und den Kopf freimacht für neue Gedanken. Die Höhenwanderung als Therapie für den Alltag sozusagen. Viele Tourismusgebiete in den Bergen haben einen Höhenweg zu bieten, der als solcher ausgeschildert ist. Darüber hinaus gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Touren, die zwar nicht explizit so heissen, aber dennoch mit gutem Gewissen als Höhenwanderung bezeichnet werden dürfen, weil sie in höheren Gefilden Bergflanken traversieren, über Kämme und Gipfel verlaufen, Pässe queren und dabei viel Weitsicht und Tiefblick zu bieten haben. Für unser Buch haben wir 34 Höhentouren rekognosziert und zusammengestellt. Die Auswahl reicht von der einfachen Tagestour auf der Rigi über das siebentägige Trekking von Brig nach Zermatt bis zur äusserst anspruchsvollen Via Alta Verzasca im Tessin. Bewusst haben wir das Schwergewicht auf zwei- oder mehrtägige Touren gelegt. Denn abschalten und ankommen, intensiv erleben und sich erholen kann man zweifellos besser, wenn man aus dem Alltag hinaustritt und zumindest eine Nacht in der besuchten Region einplant; nicht zuletzt lassen sich so Mühsal und Dauer der Hin- und Rückreise besser ertragen und auch entlegenere Gebiete unseres Landes besuchen. Natürlich dürfen die beliebten und bekannten Klassiker unter den Höhenwegen in diesem Buch nicht fehlen – fast immer kann man ihnen durch Varianten und Verlängerungen einen neuen Reiz abgewinnen. Daneben findet sich eine Vielzahl an selten begangenen Wanderungen und Varianten, teilweise eigentliche «Trouvaillen». Manchmal, aber längst nicht immer sind die Ausgangspunkte zu Höhentouren mit Seilbahnen erreichbar. In der Regel weisen wir dann aber darauf hin, dass der Aufstieg auch zu Fuss möglich ist. Und umgekehrt: Wo der Höhenweg erst auf einer Höhe beginnt, die zuerst erarbeitet werden muss und es eine einfachere Variante gibt, verschweigen wir diese ebenfalls nicht. Nehmen Sie sich genügend Zeit für Ihre Höhenwanderung. Es locken nicht allein prächtige Fernblicke, auch die kleinen Schönheiten am Wegrand verdienen Aufmerksamkeit. Erleben Sie bekannte Touren neu, und geniessen Sie auf unbekannten Wegen das Kribbeln der Vorfreude auf immer wieder neue Aussichten, die hinter der nächsten Wegbiegung, der nächsten Kuppe oder dem nahen Grat locken. Machen Sie Ihre Höhenwanderung zu einer Entdeckungsreise. Wir wünschen Ihnen viel Spass dabei!
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Was ist ein Höhenweg?
Bei einem Höhenweg ist nicht der Gipfel das Ziel, nicht die Überschreitung eines Gebirgspasses oder eines Gletschers noch die Überwindung der Vertikalen. Solche Höhepunkte physischer und psychischer Natur können bei einer Höhenwanderung zwar auch dazugehören, gelten aber für Bergtouren im Allgemeinen. Gemeinsam ist allen Höhentouren jedoch, dass sie – der Name lässt es vermuten – in der Höhe verlaufen. Dabei kann «Höhe» ganz unterschiedlich verstanden werden: von einem Weg, der einfach über dem Talgrund verläuft, über Routen, die mindestens über der Waldgrenze verlaufen, bis hin zu den luftigen Touren in Gipfelnähe und entlang der Gebirgskämme. Als weiteres Merkmal kommt hinzu, dass die Höhenwege von ihrem Ausgangspunkt zu einem anderen Zielort führen oder zumindest eine Rundtour absolvieren, ohne dabei denselben Weg zweimal zu benutzen. Viele touristisch genutzte Gebirgsregionen haben bestimmte Wanderungen als Höhenwege definiert und oft auch auf den Wegweisern als solche ausgeschildert. Höhenwege sind bekannt und beliebt und daher bei vielen Menschen mit gewissen Erwartungen verknüpft: Eine Höhenwanderung soll aussichtsreich sein; sie soll schon in möglichst grosser Höhe beginnen, also an einem mit Bahnen oder auf der Strasse erreichbaren Ausgangspunkt beginnen. Und nicht zuletzt werden moderate Auf- und Abstiege erwartet, also eine Wanderung, die das Prädikat «einfach» erfüllt. Für das vorliegende Buch wurde der Begriff «Höhenweg» mit Absicht weiter gefasst. So darf eine Route ausnahmsweise auch einmal den Talboden berühren, um sonst durchaus in der Höhe verlaufende Wegstrecken sinnvoll miteinander zu verbinden, wie dies etwa bei der Senda Sursilvana der Fall ist. Andere wiederum verlaufen fast durchwegs über Gipfel und Bergrücken und bieten Panorama pur. Das herausragendste Beispiel hierfür ist zweifellos die Via Alta Verzasca, die auch schon als «weissblau-weiss markierter Wahnsinn» bezeichnet wurde – eine Folge von Gipfeln und Kämmen, dazwischen steile Grasschrofen und unwegsames Gelände, nicht selten weglos. Diese Tour stellt höchste Anforderungen und ist erfahrenen, trittsicheren und schwinGemütliche Unterkunft am Schwyzer Panoramaweg: Alpwirtschaft Zwäcken.
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Unterwegs auf der Niederhorn-Tour, zwischen Burgfeldstand und Gemmenalphorn.
delfreien Berggängerinnen und -gängern vorbehalten, doch durch ihren Verlauf und das grossartige Bergerlebnis hoch über dem Tal, weit weg von Zivilisation und mechanischen Hilfsmitteln, kann sie als Höhentour der Extraklasse bezeichnet werden und gehört daher auch in dieses Buch. Der Grossteil der vorgeschlagenen Touren entspricht aber ohne Wenn und Aber den gängigen Vorstellungen einer Höhenwanderung, indem sie hoch über dem Talgrund verlaufen, da und dort auch Gipfelerlebnisse, Gratwanderungen und grandiose Tiefblicke bieten, ohne jedoch ausdrückliche alpinistische Erfahrung vorauszusetzen. Viele Höhenwanderungen sind tatsächlich mit Bergbahnen und Alpstrassen bequem erreichbar. Daneben gibt es aber auch weniger gut erschlossene, dafür umso ursprünglicher erhaltene Gebiete, in denen keine Seilbahn über die ersten Höhenmeter hinweg hilft. Manche Höhenwege verlaufen bequem und ohne grössere Steigungen. Das klassische Beispiel dafür ist der Lötschentaler Höhenweg, der weit hinten im Lötschental auf der mit dem Postauto erreichbaren Fafleralp beginnt (oder endet) und dann gemächlich zur Lauchernalp hinauf führt – ein Höhenweg der sanften Art. Bei anderen muss die Höhe zuerst erarbeitet werden, indem Aufstiege von 1000 Höhenmetern oder sogar mehr zu bewältigen sind, bevor die Strecke flacher wird und der Weg zu einem Höhenweg mutiert. Der Sentiero Panoramico von Airolo zur Cadlimohütte gehört zu dieser Gruppe. Viele der offiziell als solche bezeichneten Höhenwege sind reine Tagestouren. Besonders attraktiv sind jedoch Panoramawanderungen von zwei oder mehr Tagen bis hin zur sagenhaften Wanderung von Rosswald, hoch über Brig, bis nach Zermatt, die stolze sieben Tage dauert. Hier wird der Höhenweg zur Fernwanderung und bleibt sich trotz der ansehnlichen Distanz doch immer treu. Nur gerade ein einziges Mal berührt der Weg den Talboden, um von der einen Seite des Saasertals auf die andere zu wechseln. Die erwähnten Beispiele beweisen es auf anschauliche Weise: Die Schweizer Alpen bieten eine unglaubliche Fülle von kurzen und langen, einfachen und anspruchsvollen Touren in der Höhe, die nur darauf warten, von Ihnen entdeckt und erlebt zu werden.
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Wandern – aber sicher
Für Höhenwanderungen gilt dasselbe wie für jedes Wandern im Gebirge: Es birgt gewisse Risiken, deren man sich bewusst sein muss und die möglichst weit zu reduzieren sind. Verantwortungsbewusstes Verhalten im Gebirge setzt eine sorgfältige Vorbereitung der Tour, eine angemessene Ausrüstung und die richtige Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit voraus. Die in diesem Buch vorgestellten Touren sind hinsichtlich des Schwierigkeitsgrads nach der sechsstufigen Skala des Schweizer Alpen-Clubs SAC eingeteilt, die von T1 (Wandern) bis T6 (schwieriges Alpinwandern) reicht, wobei die einzelnen Stufen wie folgt definiert sind: SCHWIERIGKEITSGRAD
WEG/GELÄNDE
ANFORDERUNGEN
BEISPIELTOUREN
T1 Wandern
Weg gut gebahnt. Falls markiert: gelb. Gelände flach oder leicht geneigt, keine Absturzgefahr.
Keine, auch Turnschuhe geeignet. Orientierung problemlos, in der Regel auch ohne Karte möglich.
Tanzboden–Regelstein–Chrüzegg; Rigi Kulm–Staffel–Scheidegg– Urmiberg; Eggberge–Klausenpass
T2 Bergwandern
Weg mit durchgehendem Trassee. Falls markiert: weiss-rot-weiss. Gelände teilweise steil, Absturzgefahr nicht ausgeschlossen.
Etwas Trittsicherheit. Trekkingschuhe empfehlenswert. Elementares Orientierungsvermögen.
Casaccia–Soglio; Oberwald– Münster–Bellwald
T3 anspruchsvolles Bergwandern
Weg am Boden nicht unbedingt durchgehend sichtbar. Ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Eventuell braucht man die Hände fürs Gleichgewicht. Falls markiert: weiss-rot-weiss. Zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen.
Gute Trittsicherheit. Gute Trekkingschuhe. Durchschnittliches Orientierungsvermögen. Elementare alpine Erfahrung.
Airolo–Alpe di Lago– Capanna Cadlimo; Il Fuorn– Munt la Schera–Ofenpass; Vira Gambarogno–Poncione della Croce–Monte Tamaro; Hoher Kasten–Saxer Lücke–Bollenwees
T4 Alpinwandern
Wegspur nicht zwingend vorhanden. Teilweise braucht es die Hände zum Vorwärtskommen. Falls markiert: weissblau-weiss. Gelände recht exponiert, heikle Grashalden, Schrofen, einfache Firnfelder und apere Gletscherpassagen.
Vertrautheit mit exponiertem Gelände. Stabile Trekkingschuhe. Gewisse Geländebeurteilung und gutes Orientierungsvermögen. Alpine Erfahrung. Bei Wettersturz kann ein Rückzug schwierig werden.
Gätterlipass–Rigi Hochflue–Egg; Forstberg–Grosser Sternen– Kleiner Sternen
T5 anspruchsvolles Alpinwandern
Oft weglos. Einzelne einfache Kletterstellen. Falls markiert: weiss-blau-weiss. Exponiert, anspruchsvolles Gelände, steile Schrofen. Gletscher und Firnfelder mit Ausrutschgefahr.
Bergschuhe. Sichere Geländebeurteilung und sehr gutes Orientierungsvermögen. Gute Alpinerfahrung und Erfahrung im hochalpinen Gelände. Elementare Kenntnisse im Umgang mit Pickel und Seil.
Lago di Stabbiello–Pizzo Stabbiello–Punta Negra; Alpe Fümegna–Capanna d’Efra; Brienzer Rothorn–Tannhorn– Augstmatthorn–Harderkulm
T6 schwieriges Alpinwandern
Meist weglos. Kletterstellen bis II. Grad. Meist nicht markiert. Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Gletscher mit erhöhter Ausrutschgefahr.
Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechischen Hilfsmitteln.
Capanna Borgna–Alpe Fümegna; Capanna d’Efra–Capanna Cognora
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In diesem Buch wurde grundsätzlich darauf geachtet, dass die Anwendung der SAC-Skala mit der Markierung im Gelände möglichst übereinstimmt, dass also beispielsweise weiss-blau-weiss markierte Routen mindestens mit T4 bewertet werden und umgekehrt eine weiss-rot-weisse Strecke höchstens ein T3 erhält. Gleichzeitig wird auf Wegabschnitte, die ausgesetzt oder sonst heikel sein können, speziell hingewiesen. Die Bewertung richtet sich dabei nach dem schwierigsten Abschnitt innerhalb einer Tour oder einer Etappe. Wanderungen im weiss-rot-weiss markierten Bereich, also bis T3 auf der SACSkala, sind für die meisten durchschnittlich trainierten, regelmässigen Wanderer gut zu bewältigen. Die höheren Schwierigkeitsstufen ab T4 setzen entsprechende Erfahrung und Kenntnisse voraus und sind zu Beginn am besten in Begleitung entsprechend erfahrener Bergsportler zu unternehmen. Eine gute Kondition und ausreichende Kraftreserven gehören zu den Grundvoraussetzungen für ein verantwortungsbewusstes Bergwandern. Wer an die Limite geht, wird kaum Spass an der Tour haben und gefährdet unter Umständen sich selbst oder andere. Hier gilt: bei der Tourenwahl nicht zu ambitiös sein – weniger ist oft mehr – und auf der Tour sich genügend Zeit lassen. Zur Ausrüstung und zu jenen Dingen, die unbedingt in den Rucksack gehören, nur soviel: Auch bei besten Wetteraussichten muss im Gebirge immer mit Gewittern oder einem Wetterumsturz gerechnet werden, und kalt kann es in den Bergen immer werden, selbst mitten im Hochsommer. Darauf gilt es vorbereitet zu sein. Bei zweifelhaften Wetterverhältnissen bzw. -aussichten ist die Tourenwahl entsprechend anzupassen; statt einer Höhenwanderung, die naturgemäss meist in exponierterem Gelände verläuft, wo keine Wälder mehr Schutz bieten, ist dann eher eine talnähere Wanderung angesagt. Zum Schluss noch eine Bemerkung zu den Zeitangaben bei den einzelnen Tagesetappen: Es handelt sich dabei um Durchschnittswerte und um die reine Marschzeit ohne Pause. Rechnen Sie in jedem Fall genügend Zeit ein, um die Natur und die Wanderung wirklich erleben und geniessen zu können. ZU DEN KARTENAUSSCHNITTEN In den Kartenausschnitten wird die folgende Kennzeichnung verwendet: Route. Die Nummerierung bezieht sich auf die Tagesetappen. Variante Berghütte/einfaches Berghotel Restaurant oder Verpflegungsmöglichkeit (teilweise mit Übernachtungsmöglichkeit) Haltestelle Postauto oder Bus
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Durch das Unterengadin der Donau entgegen: VIA ENGIADINA Lavin–Ardez–Motta Naluns–Fuorcla Champatsch–Vnà–Tschlin
Zum Schwarzen Meer strebt das Wasser des Flusses Inn, dessen rätoromanischer Name En dem ganzen Tal den Namen gegeben hat. Das Engadin ist ein rund 80 Kilometer langes Hochtal, das vom 1800 Meter hohen Malojapass abfällt bis zur Schlucht von Finstermünz auf knapp 1000 Metern, wo der Fluss die Schweiz in Richtung Österreich verlässt und sein Wasser als einziger der Schweizer Hauptflüsse nach Osten zur Donau trägt. Auf diesen 80 Kilometern lassen sich einige Veränderungen beobachten: der Wechsel von der weiten, von mehreren Seen, aber auch einem rauhen Klima geprägten Berglandschaft des Oberengadins hin zum engen, fast schluchtartigen Gebirgseinschnitt des unteren Engadins, in dem es für Dörfer auf dem Talboden kaum Platz gibt. Daher wurden viele Häuser auf den Geländeterrassen über dem Fluss erbaut, vorzugsweise auf der sonnigen, linken Talseite, um so in den vollen Genuss des verhältnismässig milden Klimas zu kommen. Scuol, der Hauptort des Unterengadins, zählt zu den niederschlagsärmsten Ortschaften der Schweiz. Das Unterengadin ist reich an natürlichen Schätzen: Im Dreieck zwischen Scuol, Tarasp und Vulpera entspringen rund zwanzig Mineralquellen, weshalb hier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Hotels entstanden und Scuol zum Kur-
Der Weg von der Fuorcla Champatsch durch das Val Laver ist eine sehr attraktive Variante der Via Engiadina.
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Wer von Lavin direkt ins Val Tuoi wandert, kommt am hübschen Dorf Guarda vorbei.
Erdpyramiden bei Zuort im Val Sinestra.
und Badeort wurde. Und ist dies bis heute geblieben. Das Bogn Engiadina ist seit seinem Neubau einer der wichtigsten Publikumsmagnete des Ortes, der auch dann noch Besucher anlockt, wenn die Skilifte längst geschlossen und die Wanderwege von der Schneeschmelze noch völlig aufgeweicht sind. Reich ist auch die Natur: Stellvertretend dafür sei die Pracht der Blumen erwähnt, die im Spätfrühling und Frühsommer auf den Wiesen der nordseitigen Berghänge blühen. Aber auch ihre unscheinbareren Verwandten, die Algen, Farne und Moose (Kryptogamenflora) sind hier bestens vertreten. Reich ist das Unterengadin nicht zuletzt in kultureller Hinsicht. Das Tal ist ein ausgezeichnetes Beispiel für eine gelungene Symbiose der landwirtschaftlich genutzten Flächen, der Dörfer und Einzelgehöfte mit ihrer natürlichen Umgebung. Selbst Sündenfälle wie die auf der Südseite des Tals verlaufende Starkstromleitung vermögen dieses Bild kaum zu beeinträchtigen. Neben den Naturschönheiten machen daher gerade auch die Siedlungen mit ihren grösstenteils gut erhaltenen Dorfbildern den Besuch des Engadins zum Erlebnis. Die behäbigen Engadinerhäuser mit ihren
Rötliches Gestein dominiert im Gebiet um die Fuorcla Champatsch.
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Eine Brücke zum Mond? Der Piz Minschun oberhalb von Motta Naluns.
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wuchtigen, oft mit Sgraffito verzierten Steinmauern bilden vielerorts noch intakte Dorfkerne, die über Jahrhunderte wenige Veränderungen erfuhren. Als Höhenweg kann die Via Engiadina nicht alle Dörfer des Unterengadins besuchen. In ihrem zweiten Teil besucht sie jedoch zwei der hoch über dem Inn gelegenen Terrassendörfer und mit etwas Fantasie und ausreichendem Zeitbudget lassen sich durchaus noch weitere Dorfbesichtigungen einbauen. Dank des Vereinatunnels ist Lavin für viele Bewohner des Mittellands so nahe gerückt, dass Frühaufsteherinnen noch in den kühleren Stunden des Vormittags zur Wanderung auf der Via Engiadina aufbrechen können. Von Zernez her kommend, verlässt die Via Engiadina in Lavin die Tiefe des Tals und steigt das Val Lavinuoz hinauf zur Alp d’Immez. Noch ist der Panoramaweg nicht erreicht, es fehlen noch gut 200 Höhenmeter, die über einen Zickzackweg zu erklimmen sind. Dann wird die Via Engiadina aber der Erwartung gerecht und umrundet als schöner Höhenweg den Piz Chapisun. Zwischen Lavin und Scuol sind es nicht weniger als drei Seitentäler, die tief nach Norden in die Berge hineinreichen – es sind dies das erwähnte Val Lavinuoz, das Val Tuoi und das Val Tasna, die alle von der Via Engiadina begangen werden. Dadurch wird die Etappe zwischen Lavin und Motta Naluns aber auch ganz schön lang. Da die Via Engiadina das Dorf Ardez fast streift und nur wenige Höhenmeter entfernt die Hänge quert, bietet sich hier eine Übernachtung und die Aufteilung der Etappe auf zwei Tage an. Motta Naluns ist das Herzstück des Skigebiets von Scuol und Bergstation der Gondelbahn. Eine Übernachtungsgelegenheit gibt es hier oben nicht, doch die Bahn hilft bequem über die Höhenmeter hinab nach Scuol mit seinem reichhaltigen Angebot an Hotels. Der folgende Tag beginnt dann wieder mit der Bergfahrt, um den Weg auf der Via Engiadina fortzusetzen. Diese quert nun steile, grasbewachsene Flanken und sinkt hinab nach Sent, um von dort ins Val Sinestra vorzudringen. In diesem engen, durchwegs bewaldeten Seitental steht weit hinten ein grosse Gebäude, das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Kurhaus Sinestra. Die hier entspringenden, arsenhaltigen Quellen waren der Grund, weshalb ausgerechnet an diesem Ort ein derart grosses Hotel entstand. Aus allen Teilen Europas kamen Menschen hierher, um mit Badeund Trinkkuren allerlei Gebrechen zu lindern. Zwar nicht mehr als Kurhaus, aber als Hotel entführen die stilvollen alten Räume heute noch in eine andere Zeit.
Das Unterengadin ist bekannt für seine üppigen Blumenwiesen, an denen oft auch die Via Engiadina vorbeiführt.
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Von Motta Naluns kann man noch auf einem zweiten gebirgigeren, längeren, aber landschaftlich fantastischen Weg ins Val Sinestra gelangen: über die Fuorcla Champatsch und durch das Val Laver nach Zuort, wo ein weiteres schönes Gasthaus zum Bleiben einlädt, das nicht weit vom Kurhaus Val Sinestra entfernt liegt. Nur ein kurzes Stück Weg von weniger als einer Stunde verbleibt nun nach Vna. Dieses winzige, kompakte Terrassendorf hoch über dem Tal verfügt seit dem Jahr 2008 über eine kleine Besonderheit: das mit viel Aufwand sorgfältig renovierte Gast- und Kulturhaus Piz Tschütta. Das Besondere an diesem Haus liegt weniger in der Architektur als in der Idee, das Dorf und seine Bewohnerinnen und Bewohner in den Hotelbetrieb mit einzubeziehen. So verfügt das «Piz Tschütta» nicht nur über seine eigenen zehn Zimmer, sondern bietet weitere acht externe Zimmer an, die im Dorf von Privatpersonen zur Verfügung gestellt werden. So wurde ein ganzes Dorf zum Hotel mit dem Gasthaus Piz Tschütta als Zentrum, das nicht zuletzt als Begegnungsort für die Dorfbevölkerung eine wichtige Rolle spielt. Daneben gibt es in Vna eine zweite Unterkunft, die nicht minder gemütliche, schöne Pensiun Arina, deren Terrasse die Wanderer an schönen Sommertagen unweigerlich zur Einkehr lockt. Eine letzte Anstrengung, ein letztes Wegstück, dann betritt man eine weitere Perle, das verträumte Dorf Tschlin, mit seinen stilvollen Häusern und der spätgotischen Kirche aus dem Jahr 1515. Um auch als Berggemeinde Arbeitsplätze zu erhalten und lebendig zu bleiben, werden hier unter der Marke «Bun Tschlin» verschiedene Produkte wie Biokäse oder Marketingdienstleistungen vermarktet. Vna – das Dorf als Hotel; Tschlin – das Dorf als Marke. Unter dieses Dach gehört auch eine Bierbrauerei, deren Gebräu wirklich Freude macht. Für alle Liebhaber von Hopfen und Malz die schönste Belohnung nach einer langen Wanderung – und für einmal nicht von weit hergekarrt, sondern ein echtes lokales Bier. (UH)
Tief dringt die Via Engiadina in Seitentäler wie das Val Tasna ein.
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GRAUBÜNDEN
ÖSTERREICH
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Piz Minschun
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3. Tag Vor der Bergstation der Gondelbahn nach Motta Naluns nach rechts auf dem Fahrweg aufwärts bis unterhalb der Chamanna Naluns, dann auf
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2. Tag Auf dem am Vortag benutzten Weg bis zum Waldrand aufsteigen, wo bei P. 1588 die Via Engiadina nach rechts abzweigt. Über den romantischen Balkon von Clüs ins Val Tasna und weit hinten, auf der Alp Valmala, den Bach queren, dann 150 Höhenmeter steil hinauf und schliesslich deutlich flacher zur Alp Laret. Danach durch einen wilden, von Felsbrocken dominierten Gebirgskessel nach Clanas. Auf einem Strässchen einige Meter bergan, dann nach rechts und auf schmalem Pfad hinab nach Prui, an der Bergstation des Sessellifts vorbei und auf dem breiten Fahrweg nach Motta Naluns. 15 km, 900 m Aufstieg, 220 m Abstieg, 5 Std., T3.
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1. Tag Durch die Unterführung beim Bahnhof auf die Nordseite der Bahngeleise und der Umfahrungsstrasse wechseln, dann auf einem Fussweg und abschnittsweise auf der Alpstrasse hinauf zur Alp Dadora und weiter auf dem Fahrweg zur Alp d’Immez. Auf dem nach rechts abzweigenden Weg im Zickzack steil hinauf bis auf etwa 2200 Meter Höhe, wo der eigentliche Panoramaweg beginnt. Auf diesem zu P. 2180 und dann durch die steile Südflanke des Muott’Auta zur Chamanna dal Bescher. Weiter ins Val Tuoi und hinab nach Plan Champatsch auf dem Talgrund. In der Nähe des Bachs aufwärts zur Alp Suot und wiederum hangaufwärts bis auf etwa 2100 Meter, dann flacher und aussichtsreich über Marangun und Alp Sura zur Alp Murtera Dadora. Von dort teilweise steil über Weiden, mehrheitlich aber auf Alpsträsschen hinab nach Ardez. 20 km, 1250 m Aufstieg, 1140 m Abstieg, 7 ¼ Std., T3.
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Piz Tasna
Piz Champatsch
DIE WANDERUNG Anfahrt Mit der Rhätischen Bahn nach Lavin.
Tschlin
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CHARAKTER Einfache Wanderung auf guten und gut bezeichneten Wegen, wobei die erste der beschriebenen Etappe sehr lang ist, gute Kondition und auch etwas Trittsicherheit verlangt. Auch die dritte Etappe von Scuol/Motta Naluns bis Tschlin ist eher lang, lässt sich aber problemlos auf zwei Tage aufteilen.
Lavin
einem Fussweg über die Alpweiden und durch ein von rötlichem Geröll geprägtes Tal hinauf zur Fuorcla Champatsch. Nach kurzem, steilem Abstieg auf rutschigem, lockerem Untergrund auf zunehmend besserem Weg talauswärts durch das wundervolle Val Laver. Von der Alp Pra San Flurin auf der Zufahrtsstrasse nach Zuort, einem Hof mit Gasthaus. Danach, bei der Verzweigung bei P. 1691 (wo geradeaus die Strasse zum Kurhaus Val Sinestra führt), nach links auf ungeteertem Fahrweg nach Vnà und danach, längere Zeit dem Waldrand folgend, weiter nach Chant Sura und Chant Dadaint. Durch bewaldetes Gebiet hinab ins enge Val Ruinains und über aussichtsreiche Hänge nach Tschlin. 25 km, 900 m Aufstieg, 1550 m Abstieg, 8 Std., T3. UNTERKUNFT UND VERPFLEGUNG Für Unterkünfte in Ardez und Scuol siehe Tourismusvereine unten. Hotel Val Sinestra, 7554 Sent, Telefon 081 866 31 05, www.sinestra.ch. Hof Zuort, 7554 Sent, Telefon 081 866 31 53, info@zuort.ch, www.zuort.ch. Pension Arina, 7557 Vnà, Telefon 081 866 31 27. Gast- und Kulturhaus Piz Tschütta, 7557 Vnà, Telefon 081 860 12 12, info@hotelvna.ch, www.hotelvna.ch. Hotel Macun, 7559 Tschlin, Telefon 081 866 32 70, info@hotelmacun.ch, www.hotelmacun.ch. VARIANTEN 1. Tag Vom Bahnhof Lavin an der Kirche vorbei auf einem Seitensträsschen unter Bahn und Umfahrungsstrasse hindurch, dann den Wegweisern folgend Richtung Guarda. Kurz vor dem Dorf in das Tal der Clozza und in der Nähe des Bachs talaufwärts via Plan Champatsch zur Alp Suot, von wo die Via Engiadina wie oben beschrieben
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weiter führt. Bis Ardez 16 km, 870 m Aufstieg, 820 m Abstieg, 5 ¼ Std., T3. 3. Tag – Von Motta Naluns Richtung Chamanna Naluns, kurz davor nach rechts abwärts zu den Talstationen der Bahnen und von dort auf der Via Engiadina durch die grasbewachsene Flanke des Piz Soer hinab nach Sent. Zuerst parallel zur Strasse, dann auf der Strasse zum Kurhaus Val Sinestra. Vor dem ersten Gebäude rechts hinab zum Bach, diesen queren und dann leicht ansteigend nach Vnà. Fortsetzung nach Tschlin wie oben beschrieben. Motta Naluns–Tschlin 24 km, 670 m Aufstieg, 1280 m Abstieg, 7 ½ Std., T3. – Von Scuol auf direktem Weg durch schöne Hänge ins Nachbardorf Sent und dann zuerst auf dem Wanderweg parallel zur Strasse, später auf der Strasse zum Kurhaus Val Sinestra. Von dort via Vnà nach Tschlin wie oben beschrieben. 20 km, 800 m Aufstieg, 510 m Abstieg, 6 ¼ Std., T2. INFORMATIONEN Tourismus Engadin, Via da Buorcha 492, 7550 Scuol, Telefon 081 861 88 00, info@engadin.com, www.scuol.ch. Ardez Turissem, Sur En, Bos-cha, 7546 Ardez, Telefon 081 862 23 30, info@ardez.ch, www.ardez.ch. Bun Tschlin, 7559 Tschlin, Telefon 081 866 31 07, www.buntschlin.ch.
Landeskarte 1:25 000, 1198 Silvretta, 1199 Scuol, 1179 Samnaun. Landeskarte 1:50 000, 249 Tarasp.
GRAUBÜNDEN
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Der beste Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau: NIEDERHORN Beatenberg/Niederhorn–Gemmenalphorn–Habkern
Schon lange im Voraus sieht man ihn auf der Anreise mit dem Zug von Bern her, den markanten Sendeturm auf dem Niederhorn, dem ersten Gipfel oder, je nach Variante, dem Startort dieser Eintagestour. Die drei eindrücklichen nahezu parallel verlaufenden Grate nördlich von Interlaken – Sigriswilergrat, Güggisgrat und der lange Brienzergrat – laden mit ihrer markanten Silhouette zur Begehung ein und bieten einen der schönsten Ausblicke auf das weltbekannte Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Niederhorn ist mit zwei Bahnen erreichbar: ab Beatenbucht mit der 1889 eröffneten und bereits 1911 elektrifizierten Standseilbahn nach Beatenberg und mit der Gruppenumlaufbahn weiter auf das Niederhorn. Dank der leichten Erreichbarkeit, der guten Thermik und dem grossen Startplatz ist das Gebiet auch ein Eldorado für Gleitschirmflieger. Bereits im Aufstieg zum Niederhorn zeigt sich das Schreckhorn (Bildmitte im Hintergrund) in voller Grösse.
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Ständige Wegbegleiter auf dieser Tour: Das allein für sich stehende Schreckhorn (links) und das Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau.
Von Schmocken führt der erste Aufstieg zuerst westwärts via Waldbrand zur Haberelegi, und auf angenehm weichem Waldweg geht es im morgendlichen Schatten auf das Niederhorn. Hier gönnt man sich gerne eine kleine Pause und widmet sich den in dieser Gegend flächendeckend vorkommenden Heidelbeeren. Fachleute der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft untersuchen in diesem Wald seit 1996, wie sich der Baumbestand verändert und welche Ursachen die Veränderungen haben. Dazu werden Beobachtungen und Messungen bezüglich Stoffkreislauf, Klima und Boden vorgenommen. Auf der untersuchten Fläche von zwei Hektaren wachsen Fichten mit einem maximalen Alter von 180 bis 220 Jahren. Es ist eine von siebzehn in der ganzen Schweiz verteilten Untersuchungsflächen der Langfristigen Waldökosystem-Forschung (LWF). Kaum hat man die Waldgrenze erreicht, eröffnet sich das eindrückliche Panorama der bekannten Berner Viertausender, allen voran Eiger, Mönch und Jungfrau, und weit unten der Thunersee. In leichtem Auf und Ab führt ein gut ausgebauter Weg dann auf den Burgfeldstand und auf das Gemmenalphorn. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man dabei imposanten Steinböcken begegnet, die sich nur wenige Meter vom Weg entfernt tummeln und sich auch durch neugierige Wanderer nicht aus ihrer majestätischen Ruhe bringen lassen. Wer sich speziell für die gehörnten (und ungehörnten) Bergbewohner interessiert, kann jeweils am Donnerstag von Juni bis August an einer von einem ortskundigen Wildtierspezialisten geführten Wildbeobachtung teilnehmen (Reservation obligatorisch bei Thunersee-Beatenberg-Niederhorn-Bahnen, siehe «Informationen»). Dank einer sehr frühen Spezialfahrt ausserhalb des normalen Fahrplans kommt man in den Genuss, Steinböcke, Gämsen, Murmeltiere und mit etwas Glück auch Steinadler beobachten zu können.
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Steinböcke sind trotz – oder vielleicht gerade wegen – den zahlreichen Wanderern ohne Schwierigkeit zu beobachten.
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Der Abstieg vom Gemmenalphorn führt auf gutem Weg ein paar Zickzackkehren hinunter.
Nach der Gipfelrast auf dem Gemmenalphorn führt der Weg in ein paar Serpentinen und über eine mit grossen Steinen erbaute Treppe vom Gipfel hinunter. Zuerst durch den Wald und später über Wiesen und an braungebrannten Ställen vorbei gelangt man in den 700-Seelen-Ort Habkern, der mit liebevoll blumengeschmückten Holzhäusern aufwartet. Der Ort wurde erstmals im Jahr 1275 als «Habcheron» urkundlich erwähnt. Neben der Landwirtschaft, die mit 65 Betrieben knapp einem Drittel der Bevölkerung ein Auskommen schafft, ist fast die Hälfte der Einwohner in Handwerk und Gewerbe tätig, wobei dem Holzbau eine besonders grosse Bedeutung zukommt. Dies zeigt sich auch an den vielen verschiedenen Holzzeichen, mit denen auch heute noch das eigene Holz und das Werkzeug gekennzeichnet werden. Auch der Tourismus spielt eine Rolle, wobei man sich in vorausschauender Weise um einen sanften Tourismus bemüht, der den ursprünglichen Streusiedlungscharakter des Bergdorfs nicht gefährdet. (DV)
SigriswilerRothorn
J
u
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Gemmenalphorn Habkern
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Burgfeldstand
Niederhorn
Harderkulm
Beatenberg
Thun
Goldswil
Schmocken Sundlauenen Unterseen
Beatenbucht
Thunersee
CHARAKTER Einfache eintägige Wanderung nordwestlich von Interlaken. Zwar auf kaum über 2000 Metern, aber dennoch mit faszinierender Aussicht auf die grossen Viertausender des Berner Oberlands und Thunersee. DIE WANDERUNG Anfahrt Von Interlaken Ost mit Bus nach Schmocken/ Beatenberg Station (1121 m). Oder mit dem Bus oder per Schiff zur Standseilbahn ab Beatenbucht und hinauf nach Beatenberg.
Interlaken
Neuhaus
VERPFLEGUNG UNTERWEGS Nur auf dem Niederhorn möglich, bis Habkern keine weitere Verpflegungsmöglichkeit und erst auf der Alp Bäreney wieder ein Brunnen mit Wasser. NFORMATIONEN Niederhornbahn AG, 3803 Beatenberg, Telefon 033 841 08 41, www.niederhorn.ch.
Beatenberg Tourismus, 3803 Beatenberg, Telefon 033 841 18 18, www.beatenberg.ch. Habkern Tourismus, 3804 Habkern, Telefon 033 843 13 01, www.habkern.ch. Landeskarte 1:25 000, 1208 Beatenberg. Landeskarte 1:50 000, 254 Interlaken.
Von Schmocken westwärts via Waldbrand und Haberelegi auf das Niederhorn. Über den Güggisgrat in leichtem Auf und Ab zum Burgfeldstand und auf das Gemmenalphorn. Abstieg zuerst nordostwärts, später ostwärts zur Alp Bäreney, nördlich am Guggihürli vorbei und über Ufem Stand nach Habkern. 13 km, 1100 m Aufstieg, 1200 m Abstieg, 6 ½ Std., T2 (Schmocken/ Beatenberg–Niederhorn 2 ¾ Std., Niederhorn– Habkern 3 ¾ Std.). VARIANTEN – Mit der Bahn auf das Niederhorn. Gesamte Strecke dann 9 km, 300 m Aufstieg, 1200 m Abstieg, 3 ¾ Std., T2. – Die Tour in Habkern starten und bis zur Mittelstation der Beatenberg-NiederhornBahn absteigen, dort ein Trottinett mieten und bis Beatenberg fahren. Gesamte Strecke dann 10 km, 1200 m Aufstieg, 650 m Abstieg, 5 Std., T2.
Prächtig geschmückte Holzhausfassaden prägen das Dorfbild von Habkern.
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