Steffen Guido Fleischhauer Jürgen Guthmann Roland Spiegelberger
Enzyklopädie
Essbare Wildpflanzen
2000 Pflanzen Mitteleuropas Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche
Steffen Guido Fleischhauer Roland Spiegelberger Jürgen Guthmann
Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen 2000 Pflanzen Mitteleuropas Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche
AT Verlag
Die Angaben in diesem Buch sind von Verlag und Autoren sorgfältig erwogen und geprßft worden, dennoch sind sie ohne Gewähr. Die im vorliegenden Buch beschriebenen Heilwirkungen und medizinischen Anwendungen von Wildpflanzen haben lediglich informativen Charakter und sollen den Leser keinesfalls zur Selbstmedikation anregen. Dies gilt insbesondere bei ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Eine Haftung der Autoren, des Verlages oder seiner Beauftragten ist ausgeschlossen.
Inhalt
7
Einleitung
8 10 10 10
Lebensmittel aus Wildpflanzen Vitalstoffe in Wildpflanzen Toxische Stoffe Die »Stoffliste des Bundes und der Länder«
13 13 13 14 15 15 16 16 17 17 18 18 19 20 20 20 20 21
Wirkstoffgruppen in Wildpflanzen Alkaloide Ätherische Öle Biogene Amine Bitterstoffe Cumarin Furocumarine Fette und fette Öle Essentielle Fettsäuren Flavonoide Gerbstoffe Glucosinolate Iridoide Lektine Phytoalexine Polyine Saponine Schleimstoffe
22 22 22 22 22 23 23 23 23 24 24 25
Besondere Inhaltsstoffe in Wildpflanzen Allantoin Anthrachinone Arbutin Blausäureglykoside/Cyanwasserstoff Fructane Inulin Erucasäure Kieselsäure Oxalsäure Phytosterine (Beta-Sitosterin) Pyrrolizidinalkaloide
26 26 26 26 26
Das Sammeln essbarer Wildpflanzen Utensilien Prinzipien Zeitpunkt Gefahren
27 27 27
Essbare Wildpflanzen und Naturschutz Gesetzlicher Konsens zum Sammeln essbarer Wildpflanzen Gewerbliche Nutzung von Wildpflanzen
28 28
Rezepte: Grundzubereitungen Grundrezepte und Verarbeitungshinweise
40
Der Aufbau des Buches
41
Schlüssel zur Orientierung anhand der Blattform
45
Die essbaren Wildpflanzen nach Blattformen und Pflanzengattungen
515
Pflanzengattungen mit seltenen und gefährdeten Arten
583 584 584 584 586 586 587
Giftpflanzen und Gefahren Die Giftpflanzen von A–Z Giftige Inhaltsstoffe in Wildpflanzen Gefahrenstufen bei der Verwendung Problematik der Bewertung giftiger Pflanzen Giftpflanzen und Verwechslungen mit essbaren Wildpflanzen Was tun im Falle einer Vergiftung? Hinweis zum Fuchsbandwurm
627
Verwendete und umstrittene Giftpflanzen
635 636 639 646 646 647 649 677 681 682
Anhang Glossar Quellenverzeichnis Verwendete Quellen im Internet Weitere Quellen Gattungsliste der Binsen, Sauergräser und Süßgräser Register der deutschen und lateinischen Pflanzennamen Bildnachweis Autoren Dank
7
Einleitung
In unserer mitteleuropäischen Landschaft gibt es eine große Anzahl leicht verfügbarer essbarer Wildpflanzen. Sie lassen sich zu leckeren Speisen zubereiten und stellen eine Bereicherung unserer täglichen Nahrung dar. Für aufgeschlossene und neugierige Menschen ist es wie die Wiederentdeckung eines wertvollen Schatzes zu erkennen, dass wir von gesunder Nahrung umgeben sind. Wildpflanzen benötigen keinen landwirtschaftlichen Anbau und keine Pflanzenpflege, sondern müssen nur gesammelt werden. Seit Jahrmillionen waren Wildpflanzen die wichtigste Nahrungsgrundlage der Menschen. Die Kenntnisse über essbare Wildpflanzen stellten einen Wissensschatz dar, der den Menschen das Überleben sicherte. Erst in einem Bruchteil der Geschichte, in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten, ging dieses Wissen fast verloren. Über das Wildpflanzenwissen wurde wenig aufgeschrieben, das alltägliche Wissen um die Nahrung wurde nur mündlich weitergegeben und verschwand daher, als die Menschen ihre Nahrung nicht mehr direkt selbst besorgten, sondern sich ein Versorgungssystem durch Landwirte und Produzenten etablierte. Die Erwerbsarbeit beschäftigte die Menschen zunehmend mehr als die Nahrungssuche. In Kriegs- und Notzeiten erwies sich das Sammeln von Wildpflanzen wieder als notwendig, doch da war bereits viel Wissen um die Pflanzenerkennung und die richtige Verarbeitung der Wildpflanzen abhanden gekommen; auch konnte man in Notzeiten nicht auf die richtigen, günstigen Sammelzeiten für die verschiedenen Pflanzenteile warten. So blieb die Nahrung aus diesen Zeiten als nicht sehr bekömmlich in Erinnerung. In der jüngeren Zeit der global vernetzten Märkte und der Überproduktion spielten die essbaren Wildpflanzen für viele Menschen keine Rolle mehr. Erst in den letzten Jahren, durch die zunehmende Verfremdung unserer Nahrung, haben sich mehr und mehr Menschen wieder dem Thema der natürlichen Nahrung gewidmet. Köche und Kochschulen arbeiten mit essbaren Wildpflanzen. Man entdeckt sie neu als außergewöhnliche Geschmacks- und gesunde Vitalstoffträger.
8
Lebensmittel aus Wildpflanzen
Über unvorstellbar lange Zeiträume hat der Mensch durch Versuch und Irrtum ermittelt, welche Gewächse seiner Umgebung als Nahrungsmittel geeignet sind. Parallel dazu entwickelte er Verarbeitungstechniken und teils komplexe Zubereitungsarten, mit deren Hilfe er nicht nur die Bekömmlichkeit steigern, sondern manche Pflanzenteile überhaupt erst essbar machen konnte. Durch seine Fähigkeit, diese Fertigkeiten zu erlernen und Gelerntes über die Generationen weiterzugeben, sammelte sich im Laufe der Zeit ein großer, für die Gemeinschaft überlebenswichtiger Erfahrungsschatz hinsichtlich der essbaren Wildpflanzen an. Bedauerlicherweise geht die Entwicklung in der Geschichte aber auch oft den gegenteiligen Weg, und überliefertes Wissen geht wieder verloren, verblasst mit der Zeit oder wird aus Achtlosigkeit dem Vergessen preisgegeben. Glücklicherweise ist das Interesse für die essbaren Wildpflanzen wieder erwacht. Etliche Autoren haben das noch verfügbare Erfahrungswissen zusammengetragen, selbst probiert und experimentiert. Mittlerweile existiert wieder ein großes Arsenal an einschlägiger Literatur. Bei der Nutzung von Wildpflanzen sollte man immer bedenken, dass sie besondere, eben natürliche, unverfälschte »Lebensmittel« sind. Denn anders als Kulturgemüsepflanzen, die gehegt und gepflegt werden, müssen sich die essbaren Wildpflanzen gegenüber der Umwelt behaupten und verfügen noch über alle natürlichen Abwehrstoffe. Es sind auch Stoffe darunter, mit denen unser Organismus nicht mehr häufig konfrontiert wird, und oft muss man erst probieren, ob man eine spezielle Wildpflanze jeweils persönlich verträgt. Die meisten Menschen sind nicht mehr daran gewöhnt, ihre Nahrung selbst zu sammeln und zu bestimmen. Auch die Verwendung der essbaren Wildpflanzen erfordert spezielle Kenntnisse. Deshalb leistet jeder, der essbare Wildpflanzen zubereitet oder damit kulinarisch experimentiert, in vielerlei Hinsicht etwas Bedeutungsvolles für uns alle. Wir sind uns sicher, dass alle Autoren auf diesem Gebiet sorgfältig gearbeitet haben. Trotzdem kann damals wie heute, insbesondere bei wenig verwendeten oder seltenen Arten, niemand eine Garantie für die Sicherheit der schriftlichen und mündlichen Quellen geben. Aus den genannten Gründen sollte man immer eine gewisse Vorsicht walten lassen, bevor man (alte) Rezepte und Verwendungsmöglichkeiten in die Tat umsetzt. Häufig lassen sich bei der Recherche auch die altertümlichen Mengenangaben oder Verarbeitungsvorschriften nicht mehr exakt nachvollziehen. Diese und die manchmal im Laufe der Zeit verloren gegangenen Teile der Beschreibungen müssen dann durch Experimentierfreude und Kreativität erst wieder neu erschlossen werden. Von manchen Anwendungen nehmen wir heute auch gerne Abstand, da die Gefahren inzwischen bekannt sind und glücklicherweise auch keine Notzeiten herrschen, die uns zwingen würden, zweifelhafte Pflanzen auf unseren Speiseplan zu setzen. Die Wissenschaft liefert ständig neue Erkenntnisse, und gar nicht so selten werden dabei Gefährdungspotenziale auch in gebräuchlichen pflanzlichen Nahrungsmitteln oder Gewürzen entdeckt. Wer Wildpflanzen als Nahrungsmittel verwenden will, muss dabei auf deren Bekömmlichkeit und Unbedenklichkeit achten. Diesbezüglich spielen die in den Pflanzen vielfältig vorhandenen Inhaltsstoffe verständlicherweise eine große Rolle. Da Wildpflanzen bezüglich ihrer Inhaltsstoffe aber meist gar nicht oder nur äußerst lückenhaft untersucht sind, kann eine Beurteilung überwiegend nur durch Vergleiche mit bereits untersuchten verwandten Arten oder verwandten Gemüse- oder Gewürzpflanzen erfolgen. Andererseits können auch Inhaltsstoffanalysen nur Anhaltspunkte liefern. Denn so banal dies auch klingen mag, es sollte nie vergessen werden, dass sich in jeder Pflanze unübersehbar viele Inhaltsstoffe befinden, die gegenseitig miteinander in Wechselwirkung stehen. Dadurch kann es zu einer Aufhebung der Wirkung, selbstverständlich aber auch zu einer Wirkungsverstärkung kommen. Manche
Lebensmittel aus Wildpflanzen
Wirkungen sind unserer Gesundheit dienlich, manche schädlich, möglicherweise aber im Falle einer Erkrankung doch wieder hilfreich. Zusätzlich unterliegt der Gehalt an Inhaltsstoffen oft außerordentlich großen Schwankungen, so etwa in Abhängigkeit von der Jahreszeit, dem Nährstoffangebot und den untersuchten Pflanzenteilen. Je länger der Mensch im Laufe seiner Stammesgeschichte mit einer Pflanze als Nahrung umgegangen ist, umso mehr hat er sich auch an potenzielle Abwehrstoffe (z. B. Blausäureglykoside) gewöhnt. Im Vergleich zur ganzen Entwicklungsgeschichte des Menschen hat er gerade eben erst begonnen, das Jäger- und Sammlerdasein aufzugeben, und deckt nun den Hauptteil seiner Nahrungsmittel mit Zuchtformen und den Produkten der Lebensmittelindustrie ab. Bei allen heute gebräuchlichen Pflanzen, die wir als Lebens- bzw. Nahrungsmittel und Gewürze zu uns nehmen, insbesondere aber bei den »essbaren Wildpflanzen« stellt sich die Frage, welche Bedingungen denn eigentlich ein Nahrungsmittel zu erfüllen hat, damit wir es als solches bezeichnen, es verwenden oder damit Handel treiben dürfen. Vermutlich wird es den Leser verwundern, dass selbst der Gesetzgeber dazu keine wirklich eindeutige oder gar hilfreiche Definition liefert. Wir haben hier beispielhaft die Gesetzeslage im EU-Raum und in Deutschland betrachtet. Der Gesetzestext schreibt lediglich vor, dass »Lebensmittel Erzeugnisse sind, die dazu bestimmt sind oder von denen nach vernünftigem Ermessen erwartet werden kann, dass sie in verarbeitetem, teilweise verarbeitetem oder unverarbeitetem Zustand vom Menschen aufgenommen werden«. Wer sich mit der riesigen Zahl heute verfügbarer natürlich vorkommender Nahrungsmittel befasst, wird selbst schnell merken, dass eine weitergehende Definition schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist. Hierbei spielen einfach zu viele Variablen eine Rolle, von denen die Verzehrmenge, kulturelle und persönliche Vorlieben und die individuelle Verträglichkeit nur einen kleinen Ausschnitt darstellen. Uns allen eingängiger ist die Erklärung, dass Nahrungsmittel Nährstoffe wie Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate enthalten, die unseren Körper mit Baustoffen und Energie versorgen. Außerdem enthalten sie Vitamine, Mineralien, sekundäre Inhaltsstoffe und natürliche Geschmacksstoffe, die entweder lebensnotwendig sind oder den Körper bei seinem reibungslosen Funktionieren unterstützen und die Bekömmlichkeit und den Geschmack beeinflussen. Selbstverständlich sind die Übergänge auch hier fließend. Die Problematik einer wissenschaftlich exakten Beurteilung pflanzlicher Nahrungsmittel hinsichtlich ihrer Eignung als Lebensmittel wird wohl nie befriedigend zu lösen sein. Nur für verhältnismäßig wenige Pflanzen und deren Inhaltsstoffe existieren Angaben zu täglichen Aufnahmemengen, Höchstmengengehalten an Inhaltsstoffen, Verzehrempfehlungen sowie Informationen zu möglichen Nebenund Wechselwirkungen. Immer wieder werden Pflanzen und Gewürze, die lange Zeit ohne Beanstandung verwendet wurden, aufgrund ihrer Inhaltsstoffe oder wegen Überschreitung von Höchstmengen bestimmter Inhaltsstoffe plötzlich kritisch betrachtet, ihre Anwendung eingeschränkt oder gar ein Verbot ausgesprochen. Wie bereits eingangs erwähnt, kann die Betrachtung der derzeit bekannten Inhaltsstoffe zumindest eine gewisse Orientierung liefern, welche Wildpflanzen in welchen Mengen für den menschlichen Verzehr vermutlich prinzipiell geeignet sind. Wichtig ist dabei immer das oben erwähnte vernünftige Ermessen. Insbesondere wer Neuland betreten und das Spektrum der essbaren Wildpflanzen und deren (kulinarische) Anwendung erweitern will, sollte über eine sichere Artenkenntnis und ein gewisses Maß an Kenntnissen über potenziell schädliche Inhaltsstoffe verfügen. Dann kann er in eigener Verantwortung den Versuch unternehmen, verwandte Arten gebräuchlicher »essbarer Wildpflanzen« seiner Küche erstmals zugänglich zu machen. Es empfiehlt sich hier, wie in allen anderen Fällen, zunächst nur kleinere Mengen zuzubereiten und zu verkosten. Demjenigen, der mit der nötigen Vorsicht und einem guten Quantum an Kreativität an die Sache herangeht, eröffnen sich hier immer wieder neue, ungeahnte Möglichkeiten. Durch Kombination mit anderen Nahrungsmitteln, verschiedene Zubereitungsarten und nicht zuletzt durch geschicktes Arrangieren erweitern findige Küchenkünstler das Spektrum der möglichen Verwendungen um ein Vielfaches und stoßen die Tür zu neuen Geschmackserlebnissen und Vitalstoffträgern auf.
9
46
Inhaltsstoffe und Wirkung: Das Rhizom enthält ätherisches Öl mit dem Wirkstoff Asaron. Dieser steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Allerdings enthält der Wurzelstock europäischer Pflanzen im Gegensatz zu Rassen indisch-chinesischer Herkunft nur geringe Mengen. Weitere Inhaltsstoffe sind das bittere Acorin und Schleim- und Gerbstoffe. Die Behauptung einer halluzinogenen Wirkung ist definitiv falsch (Rätsch 1998). Die Kalmuswurzel ist ein hervorragendes Mittel bei Magen- und Darmbeschwerden, auch wenn diese nervös bedingt sind. Ferner wirkt die Wurzel appetitanregend und wird als Gurgelmittel im Mund- und Rachenbereich angewandt.
Kalmus Acorus Kalmusgewächse (Acoraceae)
Kalmus Acorus calamus 3
1 5
4b
Lauch-Arten, Zwiebeln Allium Lauchgewächse (Alliaceae) 4a
2
Höhe bis 1,5 m 1 Blätter ordnen sich nicht spiralig, sondern zweizeilig um den Trieb 2 Stängel mit drei Kanten 3 Drei Kammern im Fruchtknotenquerschnitt 4 Blütenstand als Kolben (a) mit vielen kleinen gelbgrünen Einzelblüten (b) 5 Blütenblätter kappenartig ausgeformt
Gefahrenstufe bei der Verwendung: ** Verbreitungsschwerpunkt: Röhrichte und Großseggensümpfe Hauptblütezeit: Anfang Juni bis Ende Juli Verwendung in der Ernährung: Das Öl, besonders das der Wurzel, wirkt möglicherweise kanzerogen. Dennoch wurden die Blüten, Blätter und Wurzeln früher laut vielen Angaben gewürzartig genutzt: z. B. die Blüten als süßer Snack, das Sprosszentrum in Rohkost, ältere Blätter als Aroma von Spirituosen und diversen Speisen oder die Wurzeln vermahlen als Gewürz.
Grundlegende Merkmale: Die meisten Vertreter dieser Gattung bilden Zwiebeln aus und riechen nach Lauch oder Zwiebeln. Häufig sind die Blätter ungestielt und im Querschnitt rundlich, eine Ausnahme bildet hier der Bärlauch (Allium ursinum, siehe S. 51). Der Blütenstand ist doldenartig, die Frucht eine Kapsel. Verwendung in der Ernährung: Alle Pflanzenteile der unten aufgeführten mitteleuropäischen Arten sind nicht nur im Geruch, sondern auch im Geschmack scharf zwiebel-lauch-aromatisch. Am geschmackintensivsten sind die Zwiebeln der Pflanzen. Vor der Blüte, von Frühjahr bis Frühsommer, nimmt man die Blätter als stark ätherischduftendes Scharfgewürz zu diversen Speisen, wie als frischwürziger Brotbelag [15.1], in Hackkräutermischungen zu Kräuterkartoffeln [15.2], in Kräuterbutter [15.3] oder Kräuterquark [15.5] sowie in Salaten und Rohkost [1]. Aber auch erhitzt ergeben sich vielfältige Verwendungsmöglichkeiten: als aromatische Beigabe in Bratlingen [4] und Hausbrotmischungen [21.1], in Eierspeisen [6] oder Füllungen für Gemüsestrudel [10.1] und -taschen [10.2], zu Ofengemüsegerichten wie Pizza [12.2] oder auch in Saucen [14] und Gemüsesuppen [3.1]. Sie eignen sich außerdem sehr gut als Würze und Würzbeigabe insbesondere in Wildpflanzensalz [16.1], Würzmus [16.10] oder Pesto [16.6]. Die Blütenknospen ergeben in Öl, Essig oder Salzlake ein gutes Pickles [13]. Eine Delikatesse sind sie mit etwas Salz in Nussöl eingelegt. Vorzüglich schmecken sie auch als kurz gebratenes Gemüse [8.2], in Mischgemüsegerichten [11], paniert [8.3] oder in Ausbackteig [8.4]. Die strahlig aus den Blütenständen stehenden Blüten bilden, je nach Art von April bis Sommer, eine schmuckhafte, essbare Dekoration verschiedener Speisen. Sie werden ausgezupft und ergeben z. B. eine hervorragend pikante Beigabe zu Camembert und Ziegenkäse. Die Zwiebel erntet man bei frisch getriebenen Pflan-
47
zen im Herbst oder später auch im Frühjahr und verwendet sie als Scharfgewürz zu verschiedenen Speisen. Verarbeitet werden kann sie, solange ihre oberseits austreibenden Blätter noch sehr jung sind und die Zwiebel selbst noch knackig und saftig ist. Bei unten bezeichneten Pflanzen gibt es zusätzlich auch Nebenzwiebeln, die sich unterirdisch an die Mutterzwiebel anschmiegen, oder auch sog. Brutzwiebeln, die sich im Blütenstand als kleine Kugeln ausbilden. Alle Zwiebeln lassen sich verwenden als Brotteigbeigabe, insbesondere im Hausbrot [21.1], für Bratlinge [4] bzw. als Bratgemüse [8.2]. Sie ergeben ein delikates eingelegtes Gemüse [13] und eignen sich hervorragend als Würzbeigabe, insbesondere in Wildpflanzensalz [16.1] und Kräuteröl [16.4]. Die kleingeschnittenen Zwiebeln verfeinern außerdem Gemüsesuppen [3.1], Mischgemüsegerichte (insbesondere Eintopf [11.1]) und Würzmus [16.10]. Ebenso gibt es bei unten bezeichneten Pflanzen zusätzlich als Ernte zarte junge, unreife Samen, die von Frühsommer bis Sommer als Würzbeigabe in Salaten und Rohkost [1], in Kräuteröl [16.4], Saucen [14] oder als kapernartig eingelegtes Gemüse [16.11] Verwendung finden. Eine schmackhafte Beigabe sind sie auch im Brotteig für Hausbrot [21.1], in Kräuterkäse [15.4] und Kräuterquark [15.5]. Reife Samen nutzt man getrocknet als pfeffriges Gewürz [16.2].
Acorus calamus
Inhaltsstoffe und Wirkung: Lauchgewächse enthalten Vitamine (A, B und C), aromatisch schmeckende, schwefelhaltige Aminosäuren wie Alliin und Allicin und Flavonoide. Sie wirken allgemein stärkend, appetitanregend und hemmen das Wachstum schädlicher Bakterien. Des Weiteren wirken sie blutverdünnend und mild blutdruck- und cholesterinsenkend. Auch die äußerliche Anwendung bei Warzen und Hühneraugen macht Sinn. Der Presssaft der Pflanzen soll (Kleider-) Motten, Insekten und Maulwürfe vertreiben. Die schleimlösenden Eigenschaften kann man sich bei Erkältungskrankheiten zunutze machen.
Allium oleraceum
48
Gemüse-Lauch, Feld-Lauch, Ross-Lauch Allium oleraceum
Auffälliger Lauch, Seltsamer Lauch Allium paradoxum 3b
4
3a 2
5 1
2 4a
6
4
1
3
5
Höhe bis 0,6 m Grundlegende Merkmale der Pflanzengattung auf S. 46 1 Stängel im Durchmesser rund 2 2–5 schmale Blätter in der unteren Hälfte des Stängels 3 Die Blätter sind im Durchmesser rinnig, hohl und bis ca. 5 mm breit 4 Lang gestielte Blüten in doldenartiger Anordnung und mit Brutzwiebeln an der Basis 5 Lange Hüllblätter an der Basis des Blütenstandes 6 Blüte mit 6 Staubblättern Foto S. 47
Verbreitungsschwerpunkt: Kalk-Magerrasen Hauptblütezeit: Juli bis August Zusätzliche Hinweise zur Verwendung: Bei dieser Pflanze können zusätzlich Nebenzwiebeln und Brutzwiebeln geerntet und wie bei der zusammenfassenden Beschreibung oben verwendet werden. Die dunkelroten, kleinen Brutzwiebeln befinden sich zwischen den Blüten. Man kann sie, von trockenen Blättern befreit, in etwas Öl und Salz kurz erhitzen. Eine Spezialität sind sie nach unserer Ansicht auch als Pizzazutat [12.2].
Höhe bis 0,3 m Grundlegende Merkmale der Pflanzengattung auf S. 46 1 Dreikantiger Stängel 2 Meist nur ein langes Blatt, ca. 2 cm breit 3 Blütenstand mit wenigen hellen Brutzwiebeln (a) und 1–2 langgestielten Blüten (b) 4 Blüten weiß und glockenförmig mit feinen grünen Streifen (a) 5 Zwiebel
Verbreitungsschwerpunkt: Schleier- und Krautgesellschaften im Halbschatten, Erlen- und Edellaub-Auenwälder Hauptblütezeit: April bis Mai Zusätzliche Hinweise zur Verwendung: Bei dieser Pflanze können zusätzlich Nebenzwiebeln geerntet und wie bei der zusammenfassenden Beschreibung oben verwendet werden.
50
Berg-Lauch Allium senescens 8 5 4
6
7
2
1
Allium senescens
3
Höhe bis 0,3 m Grundlegende Merkmale der Pflanzengattung auf S. 46 1 Farbige Blütenblätter rot/rosa 2 Staubblätter ragen aus Blüte hervor 3 Blütenstiele fast dreimal so lang wie die farbigen Blütenblätter (1) 4 Keine Brutzwiebeln im Blütenstand 5 Hüllblätter unter dem Blütenstand viel kürzer als ein einzelner Blütenstiel (3) 6 Pflanzenstängel rundlich mit starken Kanten 7 Blätter erscheinen im Querschnitt wie eine flache Rinne, ca. 3–4 mm breit. Rinne hat keinen Kiel an dieser Stelle 8 Dicht stehender rundlicher Blütenstand
Verbreitungsschwerpunkt: Lockere Sand- und Felsrasen Hauptblütezeit: Juli bis August Zusätzliche Hinweise zur Verwendung: Bei dieser Pflanze können zusätzlich Samen geerntet und wie bei der zusammenfassenden Beschreibung oben verwendet werden.
Allium ursinum
Mercurialis annua
Mercurialis perennis
Mespilus germanica
Mimulus guttatus
289
und einen blauen Farbstoff. Trocknung und Erhitzen sollen die Giftwirkung der Pflanze aufheben. Der Pflanzensaft wirkt wurmtreibend und stark abführend. Er wurde äußerlich zur Behandlung von Augenerkrankungen verwendet. Bereits Hippokrates nutze das Wald-Bingelkraut zur Behandlung von Frauenleiden. Früher verwendete man sie zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden und zum Austreiben der Nachgeburt. Äußerliche Anwendung des Saftes oder einer Salbe bei Warzen, Ausschlägen, Entzündungen und Ohrenschmerzen, mit antiseptischer Wirkung. Die Homöopathie nutzt die Pflanze zur Behandlung von Mundtrockenheit, Schwindel und Kopfschmerzen.
Wegen ihrer adstringierenden Wirkung eignen sie sich zur Regulierung der Darmtätigkeit und werden auch von Menschen mit empfindlichem Magen vertragen. Ein Absud kann für Mundspülungen und als Gurgelmittel für Waschungen bei Entzündungen genutzt werden.
Mispeln Mespilus
Gelbe Gauklerblume Mimulus guttatus
Gauklerblumen Mimulus Gauklerblumengewächse (Phrymaceae)
Rosengewächse (Rosaceae)
Echte Mispel, Deutsche Mispel Mespilus germanica 6
Verbreitungsschwerpunkt: Waldmantelgebüsche und Hecken Hauptblütezeit: Anfang Mai bis Ende Juni Verwendung in der Ernährung: Die Mispel ist eine steinfleischige, vielfach vergessene Wildfrucht. Ihre Früchte sammelt man am besten nach dem ersten Frost im Oktober, oder man lässt sie vor der Verwendung circa zwei Wochen draußen ruhen. Sie lassen sich roh naschen, sind dann aber etwas holzig. Gerne wurde ihr Saft für Spirituosen [18.6] (Schnäpse und Liköre) genutzt. Wenn man sie auskocht und passiert, erhält man ein hervorragendes Mus. Dieses lässt sich scharfwürzig einmachen als Chutney [16.9] oder süß, dann erinnert es im Geschmack an Aprikosenmus. Das passierte, aprikosen-aromatische Fruchtfleisch wird gesüßt auch gerne als delikate Einlage in Mürbeteiggebäck verwendet. Die Frucht eignet sich des Weiteren für Getränke wie Tee [22.1] Saft [22.4] und Bowle [22.3] sowie für eine süße Sauce [17.2], Kompott [17.5], Gelee [18.1], Marmelade [19.3], Früchteauflauf [19.1] und Fruchtschnitten [19.6]. Sie wirkt mit ihrem Pektingehalt sehr stark eindickend in den Zubereitungen. Die Mispel eignet sich ferner für Fruchtessig [16.8], Fruchtwein [24] und auch als Fruchtbeigabe in Gebäck. Die Blüten können von Mai bis Juni als farbiger Speisendekor kandiert [17.4] oder in Süßspeisen [17] verwendet werden. Inhaltsstoffe und Wirkung: Die Mispel enthält Gerbstoffe, organische Säuren, Pektine, Zucker und Vitamin C. Die Früchte werden seit dem Mittelalter bei Fieber und Durchfall eingesetzt, sind harntreibend und reinigen das Blut.
4
3
5 2
Höhe bis 0,9 m 1 1 Stängel aufrecht, kahl, hohl 2 Blätter paarweise am Stängel angeordnet 3 Blätter länglich eiförmig, einteilig 4 Blattrand unregelmäßig gezähnt 5 Blüten einzeln den oberen Blattwinkeln entspringend 6 Dottergelbe Blütenkrone häufig rot gepunktet, bis 5 cm lang
Verbreitungsschwerpunkt: Quellfluren Hauptblütezeit: Juli bis August Verwendung in der Ernährung: Früher verbrannte man ihre getrockneten Blätter auf der Holzofenplatte und erhielt eine salzig-würzige Asche, die man zum Würzen nutzte. Von März bis April gab man das frische, zarte, hellgrüne, herbwürzige Laub als Beigabe in Hackkräutermischungen z. B. zu Kräuterkartoffeln [15.2] oder Kräuter-
584
Giftpflanzen
Giftpflanzen und Gefahren
Giftige Inhaltsstoffe in Wildpflanzen Praktisch alle Pflanzen enthalten potenziell giftige Inhaltsstoffe. Die Tatsache an sich ist zunächst ohne Bedeutung, denn bereits Paracelsus erkannte, dass allein die Dosis aus einem Stoff ein Gift macht. Darüber hinaus sind aber noch weitere Faktoren für eine Giftwirkung von Bedeutung. Hier wären zu nennen die Empfindlichkeit der betreffenden Person und vor allem die Art der Aufnahme (über die Haut, den Mund, die Schleimhäute oder über die Blutbahn). Um dem Leser eine gewisse Hilfestellung zu diesem Thema zu geben, haben wir uns für eine Einteilung mit Sternchen entschieden. Ein * bedeutet nur eine geringfügige Gefahr. Beispiele für derartige Pflanzen sind die Schlüsselblume (Primula veris) oder der Sauerampfer (Rumex acetosa). Vier **** bedeuten höchste Vorsicht. Hier besteht akute Lebensgefahr beim Verzehr. Derartige Pflanzen oder Teile davon sind bis auf wenige Ausnahmen strikt zu meiden. Eine ausführliche Beschreibung dieser Pflanzen finden Sie ab S. 588.
Gefahrenstufen bei der Verwendung: Bedeutung der Sternchen nach den lateinischen Namensbezeichnungen * Vorsicht! Es besteht eine geringfügige Gefahr bei der Verwendung. ** Vorsicht! Es bestehen Gesundheitsrisiken bei der Verwendung. *** Vorsicht! Es bestehen dauerhaft gesundheitsschädigende und/oder lebensbedrohende Gefahren. Es gilt höchste Achtsamkeit bei allfälliger Verwendung! **** Vorsicht! Hier besteht akute Lebensgefahr beim Verzehr! Selbst geringe Mengen können schwere oder gar tödliche Vergiftungen hervorrufen. Pflanzen, die mit vier Sternen gekennzeichnet sind, finden Sie fast ausnahmslos ab S. 588. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sollte jeglicher Verzehr von Teilen dieser Pflanzen tunlichst unterbleiben.
Die Anzahl der Sterne sollten sie auch als Aufforderung verstehen, die Hinweise zur Verwendung der betreffenden Pflanzen mit zunehmender Aufmerksamkeit zu lesen.
Problematik der Bewertung giftiger Pflanzen Die überwiegende Zahl der Publikationen, die sich mit der Giftigkeit von Pflanzen befasst, nutzt eine drei- oder viergeteilte Unterscheidung von wenig bis sehr stark giftigen Pflanzen oder Pflanzenteilen. Beim Aufarbeiten zahlreicher Literaturquellen mussten wir feststellen, dass fast jeder Autor seine eigene Einschätzung zur Giftwirkung hat. Nur über die gefährlichsten Giftpflanzen waren sich normalerweise alle Autoren einig. Selbstverständlich wollen und müssen auch wir auf Gefahren hinweisen, aber wie soll man dabei vorgehen, wenn die Hinweise je nach Publikation unterschiedlich ausfallen? Wir haben uns schließlich ebenfalls für eine eigene Bewertung entschieden. Bei unserer Einteilung haben wir uns an die verfügbare Fachliteratur über Giftpflanzen angelehnt und sie für unsere speziellen Zwecke differenziert ausgelegt. Im Haupteil dieses Buches, der die essbaren Wildpflanzen auflistet und beschreibt, machen wir nicht nur einfache Aussagen zur Giftigkeit, sondern beziehen diese speziell auf die Gefahren bei der Verwendung ganz bestimmter Pflanzenteile.
Giftpflanzen
Die eine oder andere Pflanze, die im vorliegenden Buch beschrieben wird, werden Sie in anderen Büchern mit dem Vermerk »giftig« vorfinden. Es kommt auch vor, dass Pflanzen in diesem Buch als essbar und gleichzeitig als »unbekömmlich« oder »giftig« bezeichnet werden (darunter auch gefährliche Giftpflanzen). In diesem Zusammenhang bedarf es der nachfolgenden Differenzierung des Begriffes »Giftpflanze«: − Die Bezeichnung als »Giftpflanze« kann bedeuten, dass nur einzelne Teile einer Pflanze »giftig« sind, andere jedoch verwertbar. Es kann aber auch die komplette Pflanze als »giftig« bewertet werden. − Die Bezeichnung als »Giftpflanze« kann des Weiteren bedeuten, dass eine Einnahme oder ein Kontakt damit zu sehr unterschiedlichen Reaktionen führen kann: a) Pflanzenteile wirken gefährlich giftig. Das heißt, wenige Gramm können zum Tod führen. b) Pflanzenteile wirken unbekömmlich. Der Verzehr üblicher Mengen kann unter Umständen zu Erbrechen oder Übelkeit führen. Eine direkte Lebensgefahr besteht nicht. c) Pflanzenteile wirken erst bei dauerhafter, regelmäßiger oder zumindest wiederholter Einnahme gesundheitsschädigend. Eine direkte Lebensgefahr besteht nicht. d) Pflanzenteile reizen bei Berührung die Haut. (Nur deswegen wird auch die Brennnessel zuweilen als Giftpflanze aufgeführt.) − Der Begriff »Giftpflanze« wird auch oft für Pflanzen verwendet, deren Teile nach einer beschriebenen Verarbeitung oder in der beschriebenen Verwendungsform bzw. -menge durchaus ungefährlich sind. Wie bereits erwähnt, ist nicht der Stoff allein entscheidend für die Giftigkeit, sondern vor allem die Menge. Jede Pflanze hat eine Wirkung auf den menschlichen Organismus, die noch dazu bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Dieselbe Pflanze kann je nach Dosierung und Zubereitung heilsam und giftig wirken. Auch Kochsalz kann zu schweren Vergiftungen führen, und gängige Gewürzpflanzen, wie z. B. Rosmarin, die in kleinen Mengen unbedenklich oder sogar gesundheitsfördernd wirken, können in größeren Mengen unbekömmlich sein. Bei zu reichlichem Verzehr von Gemüsekohl kann es zu Schilddrüsenerkrankungen kommen, Zwiebeln können eine Anämie hervorrufen oder Muskatnuss tagelange Bewusstseinsstörungen mit schweren Halluzinationen erzeugen. (Vgl. Mabey 1981: 12ff.) Die individuell unterschiedlichen Reaktionen hängen vermutlich mit den oft stark schwankenden Wirkstoffkonzentrationen in den einzelnen Pflanzen wie auch mit der individuell unterschiedlichen Verträglichkeit der einzelnen Menschen zusammen (vgl. Roth et al. 1994: Vorwort). Die Grenze zwischen essbar und giftig ist oft fließend und muss von jedem Einzelnen selbst eingeschätzt werden. Überschneidungen von essbar und giftig ergeben sich auch dann, wenn eine Pflanze oder ein Pflanzenteil erst durch die Verarbeitung bekömmlich wird. Deshalb ist die korrekte Zubereitung in einigen Fällen von außerordentlicher Bedeutung. Beispielsweise sind die rohen Samen und Hülsen der Bohnenarten (Phaseolus spp.) stark giftig. Ausreichend gekocht gehören sie zu unseren gebräuchlichen Gemüsepflanzen. Dies gilt übrigens auch für Kartoffen (Solanum tuberosum), die wir als Gemüse ebenfalls ohne Bedenken essen. Wer die Gefahren und den richtigen Umgang mit essbaren Wildpflanzen kennt, muss – wie bei unseren Kulturpflanzen auch – keine Angst vor Vergiftungen haben. Bei allen Pflanzen, die in den Quellen sowohl als »giftig« wie auch gleichzeitig als »essbar« bezeichnet werden, finden sich spezielle Angaben zu Mengen, zur Verarbeitung oder zu den verwendbaren Pflanzenteilen. In jedem Fall ist es empfehlenswert, erstmals in der Küche verwendete Pflanzen und insbesondere die widersprüchlich eingestuften Pflanzen zu Beginn (wenn überhaupt) nur sehr sparsam zu dosieren, um die individuelle Verträglichkeit vorsichtig und in kleinsten Mengen zu testen. Weiteres hierzu steht im Kapitel über »Lebensmittel aus Wildpflanzen«, S. 8.
585
648
Binsen, Sauergräser, Süßgräser
Festuca (Folgende Arten im Bestand gefährdet: F. duvalii, F. patzkei, F. polesica, F. psammophila, F. trichophylla, F. vaginata, F. valesiaca) Gaudinia (Art G. fragilis in der Schweiz im Bestand gefährdet) Glyceria (Arten G. declinata und G. maxima im Bestand gefährdet) Hierochloe (Arten H. hirta, H. odorata und H. repens im Bestand gefährdet) Holcus Hordelymus Hordeum (Arten H. marinum und H. secalinum im Bestand gefährdet) Isolepis (Art I. fluitans im Bestand gefährdet) Juncus (Folgende Arten im Bestand gefährdet: J. alpinus, J. arcticus, J. atratus, J. balticus, J. bulbosus, J. capitatus, J. castaneus, J. pygmaeus, J. ranarius, J. sphaerocarpus, J. squarrosus, J. stygius, J. subnodulosus, J. tenageia) Kobresia (Art K. simpliciuscula im Bestand gefährdet) Koeleria (Arten K. arenaria, K. glauca und K. vallesiana im Bestand gefährdet) Leersia (Art L. oryzoides im Bestand gefährdet) Lolium Luzula (Arten L. desvauxii und L. sudetica im Bestand gefährdet) Melica (Art M. altissima im Bestand gefährdet) Mibora (Art M. minima im Bestand gefährdet) Micropyrum (Art M. tenellum im Bestand gefährdet) Milium Molinia Nardus Panicum Parapholis (Art P. strigosa im Bestand gefährdet) Phalaris Phleum (Arten P. arenarium und P. paniculatum im Bestand gefährdet) Phragmites Piptatherum (Art P. paradoxum im Bestand gefährdet) Poa (Arten P. badensis und P. palustris im Bestand gefährdet) Puccinellia (Arten P. distans und P. limosa im Bestand gefährdet) Rhynchospora (Arten R. alba und R. fusca im Bestand gefährdet) Schoenoplectus (Folgende Arten im Bestand gefährdet: S. carinatus, S. mucronatus, S. pungens, S. supinus, S. tabernaemontani, S. triqueter) Schoenus (Arten S. ferrugineus und S. nigricans im Bestand gefährdet) Scirpoides (Art S. holoschoenus im Bestand gefährdet) Scirpus (Art S. radicans im Bestand gefährdet) Scolochloa Secale Sesleria Setaria (Art S. verticillata var. ambigua in der Schweiz im Bestand gefährdet) Sorghum Spartina Stipa (Folgende Arten im Bestand gefährdet: S. borysthenica, S. capilata, S. dasyphylla, S. eriocaulis ssp. austriaca, S. eriocaulis ssp. lutetiana, S. pennata, S. pulcherrima ssp. bavarica, S. pulcherrima ssp. pulcherrima, S. styriaca, S. tirsa) Tragus (Art T. racemosus im Bestand gefährdet) Trichophorum (Arten T. alpinum und T. cespitosum im Bestand gefährdet) Trisetum (Art T. cavanillesii im Bestand gefährdet) Triticum Ventenata (Art V. dubia im Bestand gefährdet) Vulpia (Arten V. bromoides und V. ciliata in der Schweiz und in Teilen Österreichs im Bestand gefährdet)
649
Register der deutschen und lateinischen Pflanzennamen
Hinweise zur Namensschreibung, zur Zugehörigkeit zu Artengruppen und zu Namenssynonymen finden Sie im Kapitel »Der Aufbau des Buches«, Seite 40. → Pflanzenart ist in der Artengruppe integriert.
A Abies 516 Abies alba 516 Acer 123 Acer campestre 125 Acer monspessulanum 125 Acer negundo 125 Acer opalus 125 Acer platanoides 125 Acer pseudoplatanus 125 Aceras 558 Achillea 491 Achillea atrata 492 Achillea crithmifolia 492 Achillea macrophylla 492 Achillea millefolium (Artengruppe) 491 Achillea pannonica 492 Achillea pratensis → A. millefolium (Artengruppe) 491 Achillea ptarmica (Artengruppe) 492 Acinos 258 Acinos alpinus 258 Acinos arvensis 259 Ackerfrauenmantel-Arten 373 Ackerfrauenmantel, Gewöhnlicher 373 Ackerkohl 529 Ackerkohl-Arten 529 Ackerlauch 126 Aconitum 588 Aconitum lycoctonum 589 Aconitum napellus 588 Acorus 46 Acorus calamus 46 Adenophora 516 Adenophora liliifolia 516 Adlerfarn 504
Adlerfarne 504 Adonis vernalis 589 Adonisröschen, Frühlings- 589 Aegopodium 125 Aegopodium podagraria 125 Aesculus 71 Aesculus hippocastanum 71 Aethionema 516 Aethionema saxatile 516 Aethusa cynapium 590 Agrimonia 482 Agrimonia eupatoria 482 Agrimonia procera 483 Agrostemma githago 590 Agrostis 647 Ahorn, Berg- 125 Ahorn, Dreilappiger 125 Ahorn, Eschen- 125 Ahorn, Feld- 125 Ahorn, Felsen- 125 Ahorn, Französischer 125 Ahorn, Frühlings- 125 Ahorn, Italienischer 125 Ahorn, Schneeballblättriger 125 Ahorn, Spitz- 125 Ahornbäume 123 Ailanthus altissima 590 Aira 647 Ajuga 314 Ajuga chamaepitys 315 Ajuga genevensis 315 Ajuga pyramidalis 315 Ajuga reptans 315 Akelei 593 Alant, Echter 280 Alant, Weidenblättriger 282 Alant, Wiesen- 281 Alante 280
Alchemilla 72 Alchemilla alpina 75 Alchemilla conjuncta (Artengruppe) 73 Alchemilla filicaulis → A.vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla fissa (Artengruppe) 73 Alchemilla glabra → A. vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla glaucesc. → A. hybrida (Artengruppe) 74 Alchemilla hybrida (Artengruppe) 74 Alchemilla micans → A. vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla monticola → A. vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla splendens (Artengruppe) 75 Alchemilla subcren.→ A. vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla vulgaris (Artengruppe) 75 Alchemilla xanthochl. → A. vulgaris (Artengruppe) 75 Alisander 575 Alisma 198 Alisma gramineum 198 Alisma lanceol. → A. plantago-aquatica (Artengruppe) 198 Alisma lanceolatum 198 Alisma plantago-aquatica (Artengruppe) 198 Allermannsharnisch 52 Alliaria 126 Alliaria petiolata 126 Allium 46 Allium angulosum 52
650
Register
Allium carinatum 52 Allium nigrum 52 Allium oleraceum 48 Allium paradoxum 48 Allium schoenoprasum 49 Allium scorodoprasum 52 Allium senescens 50 Allium sphaerocephalon 52 Allium strictum 52 Allium suaveolens 52 Allium ursinum 51 Allium victorialis 52 Allium vineale 51 Alnus 259 Alnus alnobetula 260 Alnus glutinosa 260 Alnus incana 260 Alopecurus 647 Alpenmaßliebchen 100 Alpenrebe 411 Alpenrosen-Arten 630 Alpenrose, Bewimperte 631 Alpenrose, Rostblättrige 631 Alpenscharte 568 Alpenveilchen, Wildes 603 Altasbeerbaum 307 Althaea 128 Althaea hirsuta 128 Althaea officinalis 128 Althaea rosea 128 Alyssum 317 Alyssum alyssoides 317 Alyssum montanum 317 Amaranthus 261 Amaranthus albus 262 Amaranthus blitoides 263 Amaranthus blitum 265 Amaranthus bouchonii → A. hybridus (Artengruppe) 263 Amaranthus graecizans 265 Amaranthus hybridus (Artengruppe) 263 Amaranthus retroflexus 265 Amelanchier 265 Amelanchier lamarckii 265 Amelanchier ovalis 265 Amelanchier spicata 266 Ammophila 647 Ampfer 101 Ampfer, Alpen- 106 Ampfer, Blut- 107 Ampfer, Fluss- 108 Ampfer, Garten- 108 Ampfer, Gemüse- 108
Ampfer, Hain- 107 Ampfer, Hoher 108 Ampfer, Knäuel- 108 Ampfer, Krauser 105 Ampfer, Langblättriger 108 Ampfer, Nordischer 108 Ampfer, Schild- 108 Ampfer, Schmalblättriger 108 Ampfer, Schnee- 108 Ampfer, Schöner 108 Ampfer, Strand- 108 Ampfer, Straußblütiger Sauer- 108 Ampfer, Stumpfblättriger 106 Ampfer, Sumpf- 108 Ampfer, Teich- 108 Ampfer, Wasser- 108 Anacamptis 558 Anagallis 516 Anagallis arvensis 517 Anagallis foemina 517 Anagallis minima 517 Anchusa 156 Anchusa arvensis 157 Anchusa officinalis 156 Andorn 551 Andorn, Gewöhnlicher 551 Andromeda polifolia 592 Anemone narcissiflora 592 Anemone nemorosa 592 Angelica 497 Angelica archangelica 498 Angelica sylvestris 499 Angelika 498 Anis 456 Anthemis 517 Anthemis tinctoria 517 Anthoxanthum 647 Anthriscus 509 Anthriscus caucalis 511 Anthriscus cerefolium 511 Anthriscus nitida 510 Anthriscus sylvestris 510 Anthyllis 435 Anthyllis vulneraria 435 Apera 647 Äpfel 285 Apfel, Garten- 286 Apfel, Holz- 286 Apfel, Paradies- 286 Apfel, Wild- 286 Apfel, Zwerg- 286 Apfelbaum, Wilder 286 Aphanes 373 Aphanes arvensis 373
Apium 517 Apium graveolens 518 Apium nodiflorum 518 Apium repens 518 Aposeris 518 Aposeris foetida 518 Aquilegia vularis 593 Arabidopsis 519 Arabidopsis suecica 519 Arabidopsis thaliana 519 Arabis 317 Arabis alpina (Artengruppe) 318 Arabis auriculata 319 Arabis bellidifolia 318 Arabis caerulea 318 Arabis ciliata 318 Arabis glabra 319 Arabis hirsuta (Artengruppe) 318 Arabis pauciflora 319 Arabis soyeri 319 Arabis turrita 319 Arbe 65 Arctium 199 Arctium lappa 200 Arctium minus 200 Arctium nemorosum 201 Arctium tomentosum 201 Arctostaphylos 519 Arctostaphylos alpinus 519 Arctostaphylos uva-ursi 519 Arenaria 266 Arenaria serpyllifolia (Artengruppe) 266 Armeria 519 Armeria arenaria 519 Armeria maritima 519 Armoracia 158 Armoracia rusticana 158 Arnica 520 Arnica montana 520 Arnika 520 Aronstab, Gefleckter 595 Aronstab, Südöstlicher 595 Arrhenatherum 647 Artemisia 435 Artemisia absinthium 435 Artemisia annua 438 Artemisia austriaca 439 Artemisia campestris 436 Artemisia genipi 439 Artemisia maritima 438 Artemisia pontica 439 Artemisia rupestris 439 Artemisia tournefortiana 439
Register
Artemisia umbelliformis 439 Artemisia vulgaris (Artengruppe) 437 Arum cylindraceum 595 Arum maculatum (Artengruppe) 595 Aruncus 500 Aruncus dioicus 500 Arve 65 Asarum europaeum 595 Aschlauch 52 Asclepias syriaca 628 Asparagus 53 Asparagus officinalis 53 Aspe 232 Asperugo 520 Asperugo procumbens 520 Asplenium 520 Asplenium ruta-muraria 520 Asplenium scolopendrium 521 Aster 97 Aster alpinus 100 Aster amellus 100 Aster bellidiastrum 100 Aster laevis (Artengruppe) 100 Aster lanceolatus (Artengruppe) 100 Aster linosyris 100 Aster novae-angliae 99 Aster novi-belgii (Artengruppe) 99 Aster tripolium 100 Aster × salignus 99 Aster, Alpen- 100 Aster, Berg- 100 Aster, Glatte 100 Aster, Goldhaar- 100 Aster, Herbst- 100 Aster, Kalk- 100 Aster, Lanzettblättrige 100 Aster, Neubelgische 99 Aster, Neu-England- 99 Aster, Neuenglische 99 Aster, Salz- 100 Aster, Strand- 100 Aster, Weiden- 99 Astern 97 Astragalus 439 Astragalus alpinus 440 Astragalus arenarius 440 Astragalus australis 440 Astragalus cicer 440 Astragalus danicus 440 Astragalus exscapus 440 Astragalus frigidus 440
Astragalus glycyphyllos 439 Astragalus onobrychis 440 Astragalus penduliflorus 440 Athamanta 521 Athamanta cretensis 521 Athyrium 493 Athyrium filix-femina 493 Atriplex 369 Atriplex hortensis 370 Atriplex laciniata 371 Atriplex littoralis 371 Atriplex micrantha 371 Atriplex oblongifolia 371 Atriplex patula 370 Atriplex portulacoides 371 Atriplex prostrata (Artengruppe) 371 Atriplex rosea 371 Atriplex sagittata 371 Atriplex tatarica 371 Atropa bella-donna 596 Attich 621 Augenwurz 521 Augenwurz, Alpen- 521 Aurikel 566 Avena 647 B Bachbunge 250 Baldrian-Arten 464 Baldrian, Berg- 467 Baldrian, Dreiblättriger 467 Baldrian, Echter 465 Baldrian, Felsen- 467 Baldrian, Sumpf- 464 Balsamkraut 463 Barbarakraut, Gewöhnliches 485 Barbarakraut, Steifes 485 Barbarakräuter 483 Barbarea 483 Barbarea intermedia 484 Barbarea stricta 485 Barbarea verna 485 Barbarea vulgaris 485 Barbenkraut, Frühlings- 485 Barbenkraut, Mittleres 484 Barbenkraut, Steifes 485 Barbenkräuter 483 Bärenfenchel 512 Bärenklau-Arten 412 Bärenklau, Gewöhnlicher 412 Bärenklau, Österreichischer 414 Bärenklau, Riesen- 630 Bärenklau, Wiesen- 413 Bärenschote 439
Bärentraube, Alpen- 519 Bärentraube, Gewöhnliche 519 Bärentrauben 519 Bärenwurz 512 Bärlauch 51 Bärwurz 512 Bärwurzen 512 Basilienkraut 557 Basilienkräuter 557 Basilikum 557 Bassia 521 Bassia hirsuta 521 Bassia laniflora 521 Bassia scoparia 521 Bauernsenf 578 Baumnuss 445 Becherglocke 516 Beersträucher 310 Beifuß-Arten 435 Beifuß, Armenischer 439 Beifuß, Einjähriger 438 Beifuß, Feld- 436 Beifuß, Felsen- 439 Beifuß, Gewöhnlicher 437 Beifuß, Österreichischer 439 Beifuß, Pontischer 439 Beifuß, Salz- 438 Beifuß, Strand- 438 Beinwell-Arten 196 Beinwell, Gewöhnlicher 196 Beinwell, Knolliger 197 Beinwell, Knotiger 197 Beinwell, Rauer 197 Bellis 319 Bellis perennis 319 Benediktenkraut 468 Berberis 320 Berberis vulgaris 320 Berberitze, Gewöhnliche 320 Berberitzen 320 Bergminze, Kleinblütige 204 Bergminze, Kleine 204 Bergminzen 204 Bergnymphe 533 Bergscharte, Alpen- 568 Bergscharten 568 Bergwohlverleih 520 Berteroa 522 Berteroa incana 522 Berufkraut, Kanadisches 161 Berufkraut, Weißliches 162 Besenginster 628 Besenginster, Gewöhnlicher 630 Besenheide 111
651