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Steffen Guido Fleischhauer Astrid Süßmuth Roland Spiegelberger Claudia Gassner Viola Nehrbaß
Wildwachsende Heilpflanzen einfach bestimmen Die 50 beliebtesten Arten
Mit n Rezepte en endung und Anw für die otheke Hausap
Inhalt 6
Übersicht der Pflanzen nach Blattform
8
Übersicht der Pflanzen nach Blütenfarben
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Einleitung
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Zum Gebrauch des Buches
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Naturschutz und Grundregeln zum Sammeln von Wildpflanzen
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Die 50 beliebtesten wildwachsenden Heilpflanzen nach ihren Lebensräumen
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Graslandschaften und Heiden Schafgarbe 18 • Frauenmantel 22 • Gänseblümchen 26 • Besenheide 30 • Spitz-Wegerich 34 • Braunelle 38 • Wiesen-Salbei 42 • Großer Wiesenknopf 46 • Löwenzahn 50
55
Äcker, Gärten und Weinberge Acker-Gauchheil 56 • Hirtentäschel 60 • Schachtelhalm 64 • Strahlenlose Kamille 68 • Echte Kamille 72 • Steinklee 76 • AckerVergissmeinnicht 80 • Stiefmütterchen 84
89
Wälder Rosskastanie 90 • Bär-Lauch 94 • Hänge-Birke 98 • Ess-Kastanie 102 • Waldmeister 106 • Fichte 110 • Lungenkraut 114 • Stiel-Eiche 118 • Silber-Weide 122 • Wald-Sanikel 126 • Wald-Ziest 130 • SommerLinde 134
139
Säume, Ufer und Gebüsche Odermennig 140 • Hasel 144 • Weißdorn 148 • Wasserdost 152 • Mädesüß 156 • Stinkender Storchschnabel 160 • Johanniskraut 164 • Klatsch-Mohn 168 • Schlehe 172 • Hunds-Rose 176 • Holunder 180 • Vogelbeere 184 • Beinwell 188 • Brennnessel 192 • Baldrian 196 • März Veilchen 200
205
Wegränder und Schuttplätze Beifuß 206 • Schöllkraut 210 • Wegwarte 214 • Gänse-Fingerkraut 218 • Huflattich 222 • Königskerze 226
231
Verwechslungsgefahr: Giftige Doppelgänger
245
Die Herstellung von Heilmitteln
251
Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen
258
Sammelzeittabelle
262
Glossar der medizinischen Fachausdrücke
266
Glossar der botanischen Fachausdrücke
268
Quellenverzeichnis
280
Register der Indikationen
282
Register der Pflanzennamen
10
Einleitung Die Pflanzenheilkunde ist eines der ältesten Therapieverfahren und in allen Teilen der Erde ein fundamentales Kulturgut. Das Erkennen und Sammeln von Heilpflanzen ist heute immer noch in vielen Gebieten der Welt Teil der lebenswichtigen Selbstversorgung. Und auch bei uns hat die Pflanzenheilkunde in letzter Zeit wieder an Popularität gewonnen und sich einen festen Platz in der angewandten Medizin erobert. Heilpflanzen wachsen überall wild, sie wachsen um uns herum und leben mit uns. Diese Pflanzen bieten natürlich gewachsene Wirkstoffkombinationen, die als Gesamtheit auf unseren Organismus wirken. Sie haben oft ein breites Verwendungsspektrum und meist nur geringe Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten. Durch ihre enormen Vorräte an Mineral- und Vitalstoffen gleichen sie Mangelzustände aus, sie regen Körperfunktionen an und wirken zudem oft antibakteriell bzw. antiviral. Wildwachsende Heilpflanzen stellen so ein enormes Potenzial für unsere Gesundheit dar. Sie stehen uns unentgeltlich zur Verfügung, und es wäre schade, wenn wir diesen Schatz verlieren würden, weil wir das Wissen über die Pflanzen unserer direkten Umgebung nicht pflegen. Das vorliegende Buch soll dazu beitragen, dieses Wildpflanzenwissen lebendig zu erhalten. Die einzelnen Pflanzen werden so anschaulich erklärt, wie dies sonst nur bei einer persönlichen Beschreibung der Pflanze vor Ort möglich ist, um die Pflanzen sicher identifizieren zu können. So bildreich wie möglich stellen wir die Erkennungsmerkmale der 50 beliebtesten wildwachsenden Heilpflanzen vor, dazu die ihrer giftigen Doppelgänger. Wir beschreiben die Anwendungsmöglichkeiten der Pflanzen in der Heilkunde mit ausschließlich nachgewiesenen Heilwirkungen und geben dazu Rezepte, die in der Praxis erprobt sind. Die Natur schenkt uns eine Fülle an Heilmitteln, die zu kennen und zu schätzen sich lohnt. Wir wünschen Ihnen viel Freude an diesem Buch und bei Ihren Entdeckungen draußen in der Natur.
Steffen G. Fleischhauer für das ganze Buchteam
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Zum Gebrauch des Buches Die in diesem Buch aufgeführten Rezepte und Behandlungshinweise ersetzen weder einen Arztbesuch noch eine individuelle Beratung durch einen Heilpraktiker oder eine Heilpraktikerin. Die Einnahme der genannten Heilmittel geschieht stets auf eigene Verantwortung und ist individuell sorgfältig abzuwägen. Suchen Sie im Zweifelsfall Rat bei einem fachkundigen Arzt, einer Ärztin, bei einer Hebamme oder bei Heilpraktikern. Jede heilkundliche Behandlung erfordert diagnostische, medizinische und naturheilkundliche Kenntnisse, so auch die Selbstbehandlung. Beachten Sie, dass kein Heilmittel frei von Nebenwirkungen ist. Eine Heilpflanze ist mehr als ein simpler Haustee. Jede Therapie, ob homöopathisch oder phytotherapeutisch, birgt die Gefahr ungewollter Wirkungen. Spätestens wenn sich eine Erkrankung nicht mehr beherrschen lässt, also Schmerzen oder Fieber zu- statt abnehmen, ist die Grenze der Selbstbehandlung erreicht und zwingend kompetenter therapeutischer Rat einzuholen. Grundsätzlich ausgeschlossen ist eine Selbstbehandlung für Risikogruppen wie Allergiker, Schwangere, Patienten mit fortgeschrittenen Herz-, Nieren-, Leber- oder Stoffwechselerkrankungen, psychisch Kranke und Alkoholkranke. Wird bei den aufgeführten Rezepten kein spezieller Pflanzenteil zur Verwendung genannt, so verwendet man generell das Kraut der Pflanze. Wichtige Fachbegriffe werden im Glossar auf Seite 262 erklärt. Allgemeine Zubereitungsverfahren sind im Kapitel »Die Herstellung von Heilmitteln« auf Seite 245 beschrieben.
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Naturschutz und Grundregeln zum Sammeln von Wildpflanzen Die grundlegenden Voraussetzungen beim Sammeln von Wildpflanzen sind das sichere Bestimmen der Pflanzen und der Respekt vor der Natur. Es bedarf etwas Zeit und Erfahrung, um geeignete und ergiebige Sammelorte zu finden. Die wichtigsten Regeln: • Nur so viel sammeln, wie man unmittelbar verbrauchen kann oder voraussichtlich als Vorrat benötigt. • Nie geschützte Pflanzen sammeln. Regional können unterschiedliche Pflanzen geschützt oder gefährdet sein. Informieren Sie sich bei den örtlichen Naturschutzbehörden. • Nie ganze Bestände abernten. Bei vereinzelt auftretenden Pflanzen dürfen nur wenige Teile geerntet werden. Besonders beim Ausgraben von Wurzeln ist größte Achtsamkeit geboten. Am Fundort müssen immer noch genügend Pflanzen stehen bleiben, um ihren Fortbestand zu sichern. Es soll nur jener Pflanzenteil gepflückt werden, der zur Verarbeitung notwendig ist. • Es ist verboten, in Naturschutzgebieten zu sammeln. Empfohlene Utensilien zum Sammeln der Pflanzen: • Schere, Messer und Spatel zum Ernten • Eventuell eine Lupe, um Bestimmungsdetails besser erkennen zu können • Körbe und Papiertüten zum Transportieren der Pflanzen. (Ein stabiler Korb schützt die Pflanzen beim Transport vor Quetschungen; Papiertüten schützen sie vor Austrocknung. Lässt man die Pflanzen offen liegen, verlieren sie schnell wertvolle Inhaltsstoffe. Plastiktüten eignen sich bei Regenwetter; ansonsten schwitzen die Pflanzen darin und beginnen, sich zu zersetzen.) • Handschuhe für stachelige oder die Haut reizende Pflanzen
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Spitz-Wegerich Die Outdoor-Apotheke Plantago lanceolata
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mehrjährig | 0,5 m | Mai bis September | braun und hellgelb
Standort
Verwendung in der Hausapotheke
Der Spitz-Wegerich wächst in eher mageren bis mäßig nährstoffreichen Wiesen und Weiden sowie an Wegrändern und auf Äckern auf sandigen und lehmigen Böden.
Die stärkste antimikrobielle Wirkung haben wässrige Pflanzenauszüge; die höchste antibiotische Wirksamkeit gegen eine breite Anzahl (Erkältungskrankheiten auslösender) Bakterien hat der Presssaft der Pflanze. Aber auch der klassische Erdkammersirup (siehe unten) hat hervorragende antibiotische Qualitäten und ist als fester Bestandteil der Hausapotheke für Familien unbedingt zu empfehlen.
Inhaltsstoffe
Iridoidglycoside (Aucubin, Catapol), Flavonoide (Apigenin, Luteolin), Cumarine, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Phenolsäuren (Cistanosid, Kaffeesäure), Kieselsäure, Galacturonsäure, Glucose, Mineralstoffe (Zink, Kalium), ätherisches Öl Zu verwendender Pflanzenteil
Sammelzeit
April bis September Heilwirkung
Spitz-Wegerich ist eine stark entzündungshemmende und antibiotisch wirkende Heilpflanze, insbesondere bei Erkrankungen der oberen Atemwege. Er mildert den Hustenschmerz sowie die Intensität und Häufigkeit von Hustenattacken, ist schleimlösend und erleichtert das Abhusten. Zudem regt er die sogenannten »Fresszellen« oder Granulozyten, die einen Teil des Immunsystems bilden, zu gesteigerter Aktivität an. Wässrige Extrakte aus Spitz-Wegerich-Blättern fördern die Blutgerinnung und im Laborversuch das Gewebewachstum (Epithelwachstum). Damit ließ sich die volksmedizinische Verwendung als Wundwaschung oder -kompresse vollständig bestätigen. Frische zerriebene Blätter sind in der Outdoor-Apotheke ein probates Mittel bei Juckreiz nach Insektenstichen. Mundspülungen mit dem Presssaft oder das Kauen frischer Spitz-Wegerich-Blätter haben eine karieshemmende Wirkung.
Rezept: Erdkammersirup für Erkältungen
Bei Husten, Schnupfen, Heiserkeit 1 Einmachglas mit Glasdeckel Honig frische Spitz-Wegerich-Blätter Erdloch in der Größe des Einmachglases, ca. 50 cm tief Frische, leicht angetrocknete Blätter klein schneiden und 1 cm hoch dicht in das Glas füllen, mit einer Honigschicht von ebenfalls 1 cm Höhe bedecken, dann wieder SpitzWegerich, dann Honig, bis das Glas gefüllt ist. Mit Honig abschließen. 4 Stunden ruhen lassen, Honig nachfüllen. Den Glasdeckel lose auflegen, mit einem Tuch bedecken und mit einer Schnur verschließen. Das Glas in das vorbereitete Erdloch stellen und ein kleines Brettchen auflegen. Nun das Loch wieder mit Erde verschließen und die Stelle markieren (das Vergraben im Erdloch gewährleistet die für die Reifung nötige gleichbleibende Temperatur). Nach 3 Monaten ausgraben, die Flüssigkeit abseihen und in Flaschen abfüllen. Gekühlt ist der Sirup etwa 10 Monate haltbar. Quellen
Blaschek 2015, Hänsel et al. 2013c, Ferrazzano et al. 2015, Kováč et al. 2015
Gegenanzeigen
Keine bekannt
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Die vielen hellgelben Staubblätter umkränzen die Ähre.
Der knospige Blütenstand vor der Blüte erscheint durch schwärzliche Schuppen dunkel.
Bei der Frucht handelt es sich um eine eiförmige, bis 4 mm lange, zweisamige Kapsel.
Der Spitz-Wegerich hat eine fein verästelte Wurzel.
36
7
8 3
6
5 4
2 7
3a 1
Junge Blätter sind vor allem auf der Unterseite zart behaart.
Die Blattadern treten deutlich hervor.
1 Der Stängel ist unverzweigt, blattlos und mit mehreren Kanten gefurcht. 2 Alle Blätter wachsen in einer grundständigen Rosette. 3 Die Blätter sind schmal länglich geformt und am Grunde deutlich verjüngt (a), ihre Länge beträgt bis zu 30 cm. 4 Aus der Blattfläche treten deutlich 3–7 Blattadern hervor. 5 Der Blütenstand ist eine vielblütige, eiförmige bis kurz-zylindrische Ähre. 6 Die Blütenkrone ist bis 4 mm lang und von bräunlicher Farbe. 7 Die 4 gelblichen Staubblätter ragen lang aus der Blüte heraus, sie sind zwei- bis dreimal so lang wie die Blütenkrone. 8 Die Frucht ist eine eiförmige, zweisamige Kapsel, die bis 4 mm lang werden kann.
So erscheint der Spitz-Wegerich im Frühjahr.
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Silber-Weide Das älteste Heilmittel der Menschheit Salix alba
122
Holzgewächs | 35 m | April bis Mai | weißlich-gelb
Die Silber-Weide wächst an nährstoffreichen Standorten im Auenwald sowie an See-, Bachund Flussufern.
Auch in der Wundbehandlung spielt Weidenrinde eine wichtige Rolle; wässrige wie alkoholische Pflanzenauszüge sind desinfizierend und fördern die Wundheilung.
Inhaltsstoffe
Gegenanzeigen
Phenolglykoside (Salicin), Gerbstoffe, Flavonoide, Alkohole, Gerbstoffe, Procyanidine (Catechin), Phenolsäuren Die Salicylate der Weidenrinde sind der Acetylsalicylsäure zwar chemisch ähnlich, enthalten jedoch keine Acetyle, die für die Blutverdünnung (Agglutinationshemmung) verantwortlich sind. Weidenrindenextrakte sind daher keine natürliche Alternative zur Gabe von Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung.
Bei bekannten Allergien oder Überempfindlichkeit gegen Salicylate darf Weidenrinde nicht angewendet werden. Die Wirkung von blutzuckerverstärkenden Substanzen kann durch Weidenrinde verstärkt werden.
Standort
Zu verwendender Pflanzenteil
Rinde von kräftigen zwei bis dreijährigen Zweigen (Die Wirkstoffgewinnung ist auch aus anderen Pflanzenteilen möglich, deren Gehalt aber schwankend und wesentlich geringer ist.) Sammelzeit
März bis April. Weide wird traditionell nicht gesammelt, wenn der Mond am Himmel zu sehen ist. Heilwirkung
Abkochungen und Tinkturen der Weidenrinde sind fiebersenkend, entzündungshemmend, fungizid gegenüber Candida-Pilzen, schmerzstillend – und vermutlich das älteste Heilmittel der Menschheit. Die schmerzlindernde (analgetische) Wirkung hilft bei Kopf- und Gliederschmerzen, Menstruationsschmerzen, Schmerzen des Bewegungsapparats (Zerrungen, Muskelschmerzen, Hexenschuss, Verstauchungen) wie auch bei rheumatischen Beschwerden. Zur Migräneprophylaxe hat sich die kombinierte Anwendung von Silberweide und Mutterkraut (Tanacetum parthenium) bewährt, wenn sie mindestens zweimal täglich eingenommen wird. Weidenrinde wirkt stärker, als es dem Salicingehalt entspricht, daher wird eine synergistische Wirkung der Weiden-Flavonoide vermutet. Zudem greift die Silber-Weide die Magenschleimhaut nicht an.
Verwendung in der Hausapotheke
Obwohl der ideale Erntezeitpunkt für Weidenrinde das zeitige Frühjahr ist, kann sie im Bedarfsfall das ganze Jahr über geerntet werden. Als Vorrat für Aufgüsse, Eiswürfel und Wickel kann Weidenrinde getrocknet werden; Tinkturauszüge sind insbesondere für Tropfenmischungen empfehlenswert. Gleichwertig zur Silber-Weide können nach dem Deutschen Arzneibuch (DAB) auch andere Weidearten wie Purpur-Weide (Salix purpurea) oder ReifWeide (Salix daphnoides) verwendet werden, die einen Salicingehalt von mindestens 1 Prozent haben. Rezept: Weiden-Eiswürfel
Bei Mundschleimhautentzündungen und Pilzinfektionen (Kandidosen) 2 EL frische Weidenrinde 1 EL getrocknete Weidenrinde 300 ml kaltes Wasser Frische und getrocknete Weidenrinde mit Wasser ansetzen, erhitzen und 10 Minuten köcheln lassen; dann abseihen, abkühlen lassen und in eine Eiswürfelform gießen. Bei Bedarf mehrmals täglich Weideneiswürfel lutschen. Quellen
Blaschek 2015, Qureshi et al. 2015, Shara/ Stohs 2015, Shrivastava et al. 2006, Vlachojannis et al. 2011
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Die männlichen Blütenstände sind gelblich, schlank und etwa 7 cm lang.
Die Blätter stehen wechselständig am Zweig.
Die Blattoberseite erscheint dunkler als die Unterseite.
Die Blattunterseiten schimmern silbrig.
124
6 10 7
8 9
11
9a
4 5 1 3 2
Der bis 1 m breite Stamm hat eine längs gefurchte Rinde.
Die jungen Zweige haben eine anliegende Behaarung.
1 Bis 35 Meter hoher Laubbaum mit breiter Krone. Die meist überhängenden Äste sind reich verzweigt. 2 Der Stamm kann 1 Meter Durchmesser erreichen. Die dunkelgraue Rinde ist im Alter sehr tief längs gefurcht und schuppenartig. 3 Die jungen Zweige sind dünn, elastisch und gelbgrün bis rotbraun mit anliegender Behaarung. 4 Die am Zweig anliegenden, teils dicht behaarten Knospen sind länglich-eiförmig und werden bis 7 mm lang. 5 Die Blattnarben sind sichelförmig und stehen wechselständig. 6 Die schmal-länglichen, bis 7 cm lang gestielten Blätter werden bis 12 cm lang und bis 2 cm breit. Die größte Breite erreichen sie in der Blattmitte. 7 Die dunkelgrünen Blattoberseiten sind dünn und seidig behaart oder kahl. 8 Die graublauen Blattunterseiten sind dicht und silbrig behaart (Name!). 9 Der Blattrand ist fein gesägt, auf den Blattzähnchen sitzen Drüsen (a). 10 Die Blüten erscheinen früh im Jahr, zusammen mit oder kurz nach den Blättern, in schlanken, gestielten, bis etwa 7 cm langen Kätzchen. Die weiblichen Blütenkätzchen sind grünlich, die männlichen gelblich. 11 Die Samen reifen in bis 6 mm langen Kapselfrüchten und tragen lange weiße Flug-Haare.
Der Blattrand ist fein gesägt.
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Gewöhnliche Wegwarte Der Verdauungsförderer Cichorium intybus
214
mehrjährig | 1,5 m | Juli bis September | blau
Standort
Gegenanzeigen
Die Gewöhnliche Wegwarte ist an nährstoffreichen Standorten an Wegrändern, Schuttplätzen und Mauern sowie auf Äckern und Grasplätzen zu finden.
Keine bekannt
Inhaltsstoffe
Bitterstoffe, Inulin, Sesquiterpenlactone (Lactucopikrin) [Wurzel], Fructose [Wurzel], organische Säuren (Chlorogensäure, Cichoriensäure) [Wurzel], Phenolsäuren (Ferulasäure) Zu verwendender Pflanzenteil
Sammelzeit
September bis Oktober
Verwendung in der Hausapotheke
Die Wegwartenwurzel wird direkt nach der Ernte klein geschnitten und zur Zubereitung von Aufgüssen getrocknet. Ganze getrocknete Wurzeln sind nur schwer zu zerkleinern! Wem Wegwartentee zu bitter ist, kann aus der Wurzel auch den als »Muckefuck« bekannten Zicchorienkaffee herstellen. In Scheiben geschnittene Wurzeln werden dafür in einer beschichteten Pfanne geröstet, mit einer Kaffeemühle gemahlen und zum Verzehr frisch aufgebrüht. Wem dieser immer noch zu bitter ist, der kann auch eine alkoholische Wurzeltinktur herstellen, die jedoch bei bereits vorliegender Leberschädigung aufgrund des Alkoholgehalts verboten ist.
Heilwirkung
Die Wegwarte ist eines der großen Bittermittel (Amara), die appetitanregend und verdauungsfördernd wirken. Sie verbessert dabei nicht nur den Gallenfluss und schützt die Schleimhäute im Verdauungstrakt, sondern ist gleichzeitig die wichtigste Entgiftungspflanze für die Bauchspeicheldrüse; sie ist immer dann indiziert, wenn Fettverdauungsstörungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten. Daneben hat die Pflanze eine große leberheilende Wirkung: Bei einer kurmäßigen Behandlung mit wässrigem Wegwartenwurzel-Auszug zeigt sich eine deutliche Verbesserung der klinischen Leberwerte; selbst Leberentzündungen klingen ab. Darüber hinaus konnte zusätzlich eine antivirale Wirkung in Bezug auf Hepatitis-B-Viren nachgewiesen werden. Prophylaktisch wirkt die Wegwarte stressinduzierten Leberbeschwerden entgegen, senkt die Blutfettwerte und durch Stimulation der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse zusätzlich die Blutzuckerwerte.
Rezept: Entgiftungsmischung
Für die Bauchspeicheldrüse bei Fettunverträglichkeit 20 ml Wegwartenwurzel, Urtinktur 20 ml Brunnenkresse, Urtinktur (Nasturtium officinale, Kräuterladen oder Apotheke) 20 ml Kletten-Labkraut, Urtinktur (Galium aparine, Kräuterladen) 20 ml Chromicum metallicum, Dil. D12 (Apotheke) Kurmäßig zweimal täglich 10 Tropfen der Mischung einnehmen. Quellen
Azay-Milhau et al. 2013, Hoppe 1975, Elgengaihi et al. 2016, Krylova et al. 2015, Saggu et al. 2014, Samarghandian et al. 2013, Zhang et al. 2014
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Alle Blüten sind zungenförmig und meist hellblau.
Die grünen Hüllblätter stehen in zwei Reihen um die Blütenköpfe.
Die Blütenknospe ist länglich und behaart.
Der Blattrand hat unregelmäßig große und kleine Zähne.
216
6
5 7 8a 8
3a
2
3b
4
1
Die Wurzeln sind kräftig und fleischig.
Der Stängel ist borstig behaart.
1 Die Pflanze hat lange und spindelförmige Wurzeln. 2 Die Stängel stehen steif aufrecht und sind vor allem in der oberen Hälfte sparrig verzweigt. 3 Die Blätter sind behaart (a), am Rand stark eingeschnitten (b) und werden bis 25 cm lang. 4 Der Blattrand ist unregelmäßig gezähnt. 5 Zahlreiche, bis 4 cm breite Blütenköpfe bilden den Gesamt-Blütenstand. 6 Die Blütenköpfe werden von zweireihig angeordneten, behaarten Hüllblättern eingerahmt. 7 Alle Blüten sind zungenförmig und meist hellblau. 8 Die Früchte werden bis 2,5 mm lang, sie haben einen krönchenförmigen Kranz an ihrer Spitze (a).
Die braunen Früchte werden bis 2,5 mm lang.
217
230
Verwechslungsgefahr: Giftige Doppelgänger
Giftnotruf
Sie sollten generell nur Pflanzen verzehren oder deren Präparate einnehmen, die Sie sicher bestimmen können. Sollte Ihnen der leiseste Verdacht auf eine Vergiftung kommen, suchen Sie umgehend, lieber einmal zu viel als zu wenig, einen Arzt oder eine Klinik auf, oder wenden Sie sich an den Giftnotruf, zum Beispiel unter folgenden Nummern: Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) Georg-August-Universität Göttingen Zentrum Pharmakologie und Toxikologie Telefon +49 (0)551 19240 Giftnotruf München (Abteilung für Klinische Toxikologie der TU München) Telefon +49 (0)89 19240
Vergiftungsinformationszentrale für Österreich in Wien Telefon +43 (0)1 4064343 Tox Info Suisse Zürich Telefon 145 oder aus dem Ausland Telefon +41 (0)44 2515151 Sichern Sie wesentliche Teile der Pflanze, die Sie eingenommen haben, damit die Pflanze sicher bestimmt werden kann.
Wichtige Sofortmaßnahmen
Viel Wasser trinken, spülen und ausspucken. Keine fetthaltigen Flüssigkeiten (Milch, Rizinusöl) trinken. Medizinalkohle (aus der Apotheke) einnehmen. 231
Die Herstellung von Heilmitteln Infus, Aufguss, »Tee« Die häufigste Art der Heilkräuterzubereitung. Herstellung 1 TL getrocknetes Kraut bzw. 1 EL frisches Kraut wird mit 200 ml kochendem Wasser übergossen. Zugedeckt 3–10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Heilpflanzen mit ätherischen Ölen werden mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser (etwa 90 Grad Celsius) übergossen. Aufgüsse eignen sich für zarte Pflanzenteile sowie für zerkleinerte Wurzeln und Rinden.
Lotion Emulsion mit flüssiger Konsistenz, die einen kurzzeitigen kühlenden Effekt bewirkt und zur oberflächlichen Verbesserung des Hautbildes beiträgt. Selbst gemachte Kräuterlotionen sind oft nur sehr begrenzt haltbar. Herstellung 50 ml Rosenwasser 20 ml Tinktur der entsprechenden Heilpflanze (siehe Seite 249) 80 ml Mandelöl 20 ml Hafersahne Alle Zutaten in einen hohen Rührbecher geben, mit einem Pürierstab verquirlen, in ein Salbendöschen abfüllen und innerhalb von 7 Tagen aufbrauchen.
245
Glossar der medizinischen Fachausdrücke abortiv: eine Fehlgeburt herbeiführend
antimykotisch: gegen Pilze gerichtet
Adaptogene: medizinisch wirksame Substanzen, die bei völliger Ungiftigkeit durch pharmakologisch unspezifische Wirkung die Widerstandskraft des Organismus erhöhen
antiödematös: gegen Gewebswasseransammlungen wirksam
Adjuvans: Hilfsstoff, der die Wirkung eines Arzneimittels verstärkt
antioxidant: gegen die zellschädigende Wirkung freier Radikalen gerichtet antiseptisch: gegen Keime gerichtet, keimbekämpfend
adstringierend: zusammenziehend antiviral: gegen Viren gerichtet akute Erkrankung: plötzlich auftretende Erkrankung mit mehr oder minder klar bestimmbarem Ausgangspunkt, meist von vergleichbar kurzer Zeitdauer
Applikation: Aufbringen oder Auftragung (einer Salbe oder Lotion) Äquilibrikum: ausgleichendes Mittel
Amarum: Bittermittel analgetisch: schmerzlindernd Angina: Mandelentzündung; »Angina pectoris« bezeichnet einen anfallartig auftretenden Herzanfall mit Brustenge Antagonist: Gegenspieler; pharmakologische Substanz, die die Wirkung einer chemischen Verbindung blockiert antiallergisch: gegen Allergien gerichtet antiarrhythmisch: gegen Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) gerichtet antibakteriell: gegen Bakterien gerichtet
Arthrose: Gelenkverschleiß durch langjährige Überbelastung mit schmerzhafter Veränderung der Knorpel- und Knochenstruktur Arteriosklerose: Ablagerung von schädlichen Substanzen wie Fett oder Kalk in den Blutgefäßen atopisches Ekzem: Hautausschlag bei Neurodermitis Bakterientoxine: bakterielle Giftstoffe aus den Bakterienzellen, die erst nach deren Absterben frei werden und bereits in sehr geringer Konzentration den Wirtsorganismus schädigen bakteriostatisch: Bakterien an ihrer Vermehrung hindernd
antibiotisch: Bakterien abtötend bakterizid: Bakterien abtötend Anticoagulans: Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung antiexsudativ: den Austritt von Flüssigkeit aus Gefäßen (meist im Rahmen einer Entzündung) hemmend
Bioverfügbarkeit: Anteil des Wirkstoffs einer Arzneimitteldosis, der vom Körper direkt aufgenommen werden kann Bronchitis: Entzündung der Atemwege mit Husten, Schleim und Fieber
Antikonzeptivum: Empfängnisverhütungsmittel antimikrobiell: gegen Mikroorganismen gerichtet 262
bronchospasmolytisch: Krämpfe in den Bronchien lösend
cardioprotectiv: herzschützend
fungizid: pilztötend
Cholezystektomie: Gallenblasenentfernung
Gallenblasenektomie: Gallenblasenentfernung
chronische Erkrankung: lange andauernde Erkrankung ohne klar bestimmbarem Ausgangspunkt, meist über einen langen Zeitraum bestehend
Gastritis: Entzündung der Magenschleimhaut
Darmperestaltik: Bewegung der Darmmuskulatur Dermatitis: entzündliche Hautreaktion
Gefäßpermeabilität: Ausmaß der Durchlässigkeit der Blutgefäße in Bezug auf flüssige und feste Bestandteile genotoxisch: erbgutschädigend Granulation: Bildung von Bindegewebe im Rahmen der Wundheilung
desinfizierend: keimtötend hepatoprotektiv: leberschützend Diarrhö: Durchfall hepatotoxisch: leberschädigend Diuretikum: harntreibendes Mittel Hypertonie: Bluthochdruck diuretisch: entwässernd Hypotonie: niedriger Blutdruck Effloreszenz: krankhafte Hautveränderung (Hautblüte) Elektrolyte: gelöste Substanzen, vor allem Salze, die als Bestandteile des Wasser-Elektrolyt-Haushalts die Flüssigkeitsverteilung im Organismus bestimmen und damit Grundlage aller Lebensvorgänge sind elektromagnetische Felder: Bereiche, die einer Kraftwirkung durch elektrische Ladungen und Ströme ausgesetzt sind
immunmodulierend: das Immunsystem beeinflussend immunsupressiv: Immunreaktionen abschwächend Indikation: Grund für den Einsatz einer therapeutischen oder diagnostischen Maßnahme
Emphysem: Vorkommen von Luft an ungewohnter Stelle im Körper
ionisierende Strahlung: Teilchen- oder elektromagnetische Strahlung (z. B. radioaktive Strahlung, Röntgenstrahlung), die abhängig von der Intensität der Bestrahlung zu einer erheblichen Schädigung eines Organismus führt
endokrine Achse: Struktur und Zusammenhang der hormonbildenden Organe im Körper
Ischialgie: Schmerzzustände im Einflussbereich des Ischias-Nervs
epithelial: zum Gewebe gehörig bzw. vom Gewebe ausgehend
kallusbildend: den Knochen aufbauend Kandidose: Infektionserkrankung durch Pilze
expektorationsfördernd: das Abhusten fördernd Katarrh: Entzündung von Schleimhäuten Exposition: Kontakt bzw. das Ausgesetztsein gegenüber externen Einflüssen Fatigue-Syndrom: Krankheitsbild mit anhaltender Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit als Folge unterschiedlicher Grunderkrankungen
klimakterisch: die Wechseljahre betreffend Labien: Schamlippen
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