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Fredy Joss

ZU DEN Hร CHSTEN

WANDERGIPFELN DER SCHWEIZ

Leichte Wege auf die schรถnsten 3000er


Umschlagbilder: Vorderseite: Auf dem Weg zum Munt Pers. Im Hintergrund Piz Palü (links) und Bellavista. Rückseite (von oben nach unten): Gipfelgrat des Sasseneire, Üssers Barrhorn und Blick vom Mettelhorn Richtung Matterhorn. © 2019 AT Verlag, Aarau und München Lektorat: Karin Steinbach Tarnutzer, St. Gallen Fotos: Fredy Joss Kartenausschnitte: Atelier Guido Köhler & Co., Binningen Grafische Gestaltung und Satz: AT Verlag Druck und Bindearbeiten: Printer Trento, Trento Printed in Italy ISBN 978-3-03800-950-4 www.at-verlag.ch Der AT Verlag, AZ Fachverlage AG, wird vom Bundesamt für Kultur mit einem Strukturbeitrag für die Jahre 2016 bis 2020 unterstützt.


INHALT

7

Vorwort

8

Ein paar Tipps und Gedanken mit auf den Weg

13

Liste der Gipfel nach Höhe

13

Liste der Gipfel nach Schwierigkeit

15

WALLISER ALPEN

16

Mont Rogneux 3084 m

22

Mont de l’Étoile 3370 m

28

Sasseneire 3254 m

34

Bella Tola 3025 m

40

Dreizehntenhorn 3052 m

46

Üssers Barrhorn 3610 m

52

Mettelhorn 3405 m

58

Oberrothorn 3413 m

64

Pfulwe 3313 m

70

Mittaghorn (Saas-Fee) 3142 m

76

Jegihorn 3206 m

82

Mattwaldhorn 3246 m

89

BERNER ALPEN

90

Oldenhorn 3123 m

96

Arpelistock 3036 m

102

Wildstrubel 3244 m

108

Hockenhorn 3293 m

114

Sparrhorn 3021 m

120

TESSIN, ZENTRALSCHWEIZ, GLARNER ALPEN

122

Bättelmatthorn 3044 m

128

Klein Furkahorn 3026 m

134

Piz Cazarauls 3061 m

140

BÜNDNER ALPEN

142

Fanellhorn 3123 m

148

Tschima da Flix 3301 m

154

Piz Blaisun 3199 m

160

Munt Pers 3206 m

166

Piz Languard 3263 m

172

Piz la Stretta 3103 m

178

Flüela Schwarzhorn 3145 m

184

Piz Minschun 3067 m

190

Piz Cristanas 3091 m

196

Muttler 3296 m


VORWORT

Um ein hohes Ziel zu erreichen, ist oft eine

den Wandel des Lichts von der harten Mittags-

gewisse Anstrengung nötig. Das gilt in vielen

sonne zum warmen Abendglühen, die Farben

Lebenssituationen, besonders aber, wenn

der Dämmerung, das Leuchten der Milchstrasse

das Ziel einer der höchsten Wandergipfel der

am tiefschwarzen Nachthimmel und die ersten

Schweizer Alpen ist. Für die Auswahl der

goldenen Sonnenstrahlen auf den Gipfeln.

Wanderungen in diesem Buch war die Höhe der

Eine Nacht in den stillen, sternenhellen

Gipfel aber nicht das alleinige Mass. Die Berge

Bergen ist ein tief berührendes Erlebnis. Doch

sollten auch attraktiv sein und die Routen

wenn Sie eine komfortable Unterkunft den

einfach. So ist es nicht nur anstrengend, sondern

einfachen Berghütten vorziehen, können Sie sich

eben auch eine Freude, durch die Bergnatur

ebenfalls freuen: Die meisten Gipfel in diesem

zu streifen und einen hohen Gipfel zu besteigen –

Buch sind als Tagestouren machbar. Postautos

mit leichtem Rucksack und lediglich mit

und Seilbahnen ermöglichen die Wahl des

Wanderausrüstung.

Startpunkts bereits in grösserer Höhe.

Lassen Sie sich Zeit. Die Natur soll nicht

Der Aufbau der Schweizer Alpen bietet einen

bloss Kulisse für eine sportliche Betätigung sein,

weiteren Vorteil: Oft liegen mehrere hohe Wan-

um schnell noch einen Gipfel mitzunehmen.

derberge nahe beieinander. Die meisten befinden

Sonst unterwerfen wir uns wieder dem Maximie-

sich im Wallis und im Engadin. So können in

rungstrend unserer Zeit, von dem wir schon

einem Urlaub gleich mehrere Gipfel der Region

in zu vielen Lebensbereichen verfolgt und oft

bestiegen werden, ohne dass dazwischen lange

auch verführt werden.

Reisen nötig sind.

Die hier vorgeschlagenen Gipfeltouren sollen

Ich danke meiner Frau Sabine und meinen

vielmehr ein Gesamterlebnis für alle Sinne sein.

Kollegen, die mich auf vielen Wanderungen

Dafür braucht es Zeit. Dann aber nehmen wir

begleitet und sich immer wieder als Fotomodell

den Übergang von satten Weiden über mageren

zur Verfügung gestellt haben. Vielen Dank auch

Rasen bis zu den kargen Höhen mit vielfarbigem

an Karin Steinbach Tarnutzer für ihr sorgfältiges

Gestein, formenreichen Felswänden, Gletschern

Lektorat sowie dem AT Verlag für seine gute

und Firn in allen Facetten wahr. Wir hören die

Unterstützung und die Bereitschaft, ein solch

Geräusche der Berge, vom Rauschen der Berg-

aufwendiges Werk herauszugeben.

bäche über das Gluckern von Rinnsalen bis zum

Ich wünsche Ihnen wunderbare Erlebnisse

Im Gipfelaufstieg zum

entfernten Krachen im Gletschereis. Im Abstieg

auf den höchsten Wandergipfeln der Schweiz –

Wildstrubel mit Blick

vom nahezu geruchlosen Hochgebirge werden

unterwegs durch die Schönheit und Vielfalt der

zum Glacier de la

wir überrascht von den starken Aromen der

Gebirgslandschaften dieses kleinen Landes.

Plaine Morte und

Alpenkräuter und den intensiven Düften des Lärchenwaldes. Vielleicht verbringen Sie auch

zum Gletscherhorn Fredy Joss

(rechts).

einmal eine Nacht in den Bergen und erleben

7


BÜNDNER ALPEN


Piz Cambrena, Piz Palü, Bellavista und Crast’Agüzza (von links), Sicht vom Weg zum Munt Pers.


PIZ 3199 m BLAISUN p Unterwegs zum

Wer denkt beim Oberengadin nicht als Erstes an mondäne Tourismusdörfer, kalte

Piz Blaisun (hinten).

Betten, Wohnungspreise, welche die einheimische Bevölkerung kaum mehr bezah-

u Sicht vom

len kann, an das viel zitierte Champagnerklima. Letzteres hat einigen Oberenga-

Piz Blaisun zum

diner Orten ein Image verliehen, das heute besonders auf die Prominenz aus den

Piz Üertsch. Rechts

Klatschspalten anziehend wirkt, während früher vor allem Künstler das Engadin

hinten der Piz Ela.

entdeckten, hier Stille, Einsamkeit und das berühmte Licht fanden, das sie zum Malen und Dichten inspirierte. Nicht weit vom Trubel entfernt liegen Dörfer wie Madulain und La PuntChamues-ch, die ihren ursprünglichen Charakter bewahrt haben. Der Dichter und Philosoph Friedrich Nietzsche (1844–1900), der das Engadin über alles liebte, würde heute wohl nicht mehr nach Sils Maria reisen, sondern eher in eines dieser Dörfer. Hier könnte er, der gern wanderte, noch heute schreiben: «Hier ist gut leben, in dieser starken, hellen Luft, hier, wo die Natur auf wunderliche Weise zugleich

Eine Landschaft und ihre Schönheit lassen sich nie angemessen beschreiben – man muss sie selbst erleben.

mild, feierlich und geheimnisvoll ist.» Startpunkt der Gipfelwanderung ist ein Parkplatz an der Albulapassstrasse, wohin ein Bus alpin von La Punt-Chamuesch fährt. Gleich darüber erhebt sich der Piz Blaisun, der aus dieser Perspektive allerdings eher wie ein langer Grat mit ein paar Erhebungen erscheint. Doch das

wird sich bald ändern. Der Bergweg in Richtung Chamanna d’Es-cha führt von der Albulastrasse zur Fuorcla Gualdauna, ins Val d’Es-cha und zur Ova Pischa. Spätestens nach der Brücke über die Ova Pischa muss man nach oben schauen.

154


pt Die Chamanna

Zum ersten Mal tritt der Piz Blaisun in seiner ganzen Pracht in Erscheinung. Wie

d’Es-cha mit dem

schön kann Schiefer sein! Der Piz Blaisun ist ein wunderbarer Schutthaufen, eine

Piz Kesch.

nahezu perfekte Pyramide, relativ isoliert stehend und daher mit grandioser Aus-

pu Im Schlussauf-

sicht.

stieg zum Piz Blaisun.

Der Bergweg zieht vorerst noch ein Stück in die andere Richtung, der Cha-

u Die Pyramide des

manna d’Es-cha entgegen. Erst nach einer Geländerippe zweigt der Weg nach

Piz Blaisun spiegelt

oben ab und führt über Wiesen und immer mehr Gestein zur Fuorcla Pischa. Die

sich in einem kleinen

Wegspur ist nicht immer deutlich zu sehen, aber Farbmarkierungen und Stein-

Weiher.

männer leiten zuverlässig durch das Gelände aus kleinen Hügeln und Mulden. Mitten im Tal ragt wie der Stachelrücken eines Dinosauriers ein Felsgebilde aus Dolomitgestein aus dem Moränenschutt. Bis zur Fuorcla Pischa sind die Steigungen moderat, aber nun heisst es die Bergschuhe schnüren. Etwas mehr als 300 steile Höhenmeter trennen uns vom Gipfel. Die Wegspur ist nicht mehr markiert, aber gut zu finden. In unzähligen Schlaufen schraubt sie sich himmelwärts. Manchmal rutscht der Schutt unter den Sohlen weg, manchmal bietet er erstaunlich guten Halt. Dieser Gipfel will wirklich verdient werden, aber welch eine Überraschung, wenn man auf den luftigen Gipfelgrat tritt und von einer Sekunde auf die andere das ganze Panorama von Piz Bernina über Piz Ela bis Piz Kesch vor Augen hat! Interessant ist der Blick zum Piz Üertsch gegenüber. Sein Gipfel besteht aus hellem Dolomit, während der Piz Blaisun aus dunklem Kalkschiefer aufgebaut ist. Zwischen den beiden Bergen schimmern zwei petrolgrüne Seen aus einer bräunlich grauen Schuttlandschaft. Die Schönheit von Stein und Wasser: Wie oft versuchen Autoren, Landschaften zu beschreiben, ihre Schönheit in Worte zu fassen. Nicht selten sind diese Versuche ein

156


157


Keschhütte

Tuors Chants

Piz Viluoch Bergün Alp digl Chants

Va

Kesch Pitschen

l l P

Piz Val Müra

bi az

Vadret da Porchabella

Alp Plazbi

Piz Kesch

Piz Viroula

Aguoglia d’Es-cha Piz As-cha Piz Murtel da Fier

Pizzet

Chamanna d’Es-cha

Piz Cotschen

Piz Belvair Fuorcla Pischa

Piz Blaisun Piz Üertsch

Val d’Es -cha Alp Es-cha Dadains Fuorcla Gualdauna

Muntischè Parkplatz Es-cha

Igl Compass Albulapass

V a l

Zuoz Alp Es-cha Dadour Madulain

d ’ A l v r a

AUSGANGSPUNKT La Punt, Parkplatz Es-cha (2252 m). Vom Bahnhof La Punt-Chamues-ch mit dem Bus alpin bis La Punt, Parkplatz Es-cha. Reservierung obligatorisch. Fahrplan und Telefonnummer unter www.busalpin.ch. ENDPUNKT Bahnhof Madulain (1696 m) WANDERZEIT 6¾ Std. Parkplatz Es-cha–Piz Blaisun 3½ Std. Piz Blaisun–Madulain 3¼ Std. STRECKE UND HÖHENDIFFERENZ 16,7 km, 1070 m Aufstieg, 1630 m Abstieg SCHWIERIGKEIT T3+, bis Fuorcla Pischa weiss-rot-weiss markiert und ausgeschildert. Bergwanderweg mit teilweise undeutlicher Wegspur bis Fuorcla Pischa. Sehr steile, nicht markierte, aber meist deutliche Wegspur zum Gipfel. Die letzten Meter auf dem Grat leicht exponiert. ROUTE Vom Parkplatz Es-cha auf Bergwanderweg in Richtung Chamanna d’Es-cha. Wenige Minuten vor der Hütte bei P. 2547 aufwärts abbiegen und westwärts durch das Tal hinauf zur Fuorcla Pischa (2867 m). Über den Nordrücken des Piz Blaisun bis zum höchsten Punkt. Abstieg über dieselbe Route bis zur Verzweigung bei P. 2547.

158

1 km

Piz Porchabella

Weiter zur Hütte und den Wegweisern folgend durch das Val d’Es-cha hinunter nach Madulain. VARIANTE Von der Fuorcla Pischa Abstieg nach Westen (die ersten Meter lockeres Geröll) auf markiertem Bergweg ins Val Plazbi (teils undeutliche Wegspur) und im Talgrund auf Alpstrasse bis Tuors Chants (1823 m). Mit Bus alpin zum Bahnhof Bergün (Reservierung obligatorisch, Fahrplan und Telefonnummer unter www.busalpin.ch). Alternativ mit Alpentaxi: www.alpentaxi.ch. Schwache Mobilfunkverbindung. Piz Blaisun–Tuors Chants 3 Std., 7,8 km, 1360 m Abstieg, T3+. Zu Fuss bis Bergün zusätzlich 1¾ Std. EINKEHREN UND ÜBERNACHTEN Chamanna d’Es-cha CAS, www.es-cha.ch, Telefon +41 81 854 17 55 Berghaus Piz Kesch, Tuors Chants, www.val-tuors.ch, Telefon +41 81 407 11 93 KARTEN Landeskarte 1:25 000, 1237 Albulapass Wanderkarte 1:50 000, 258 T Bergün/Bravuogn INFORMATIONEN Engadin St. Moritz Tourist Information, La Punt, www.engadin.stmoritz.ch/lapunt, Telefon +41 81 854 24 77 Bergün Filisur Tourismus, https://berguen-filisur. graubuenden.ch, Telefon +41 81 407 11 52


blosses Stammeln im Vergleich zum unmittelbaren Erlebnis in der Natur. Manch-

Unterwegs im

mal ist das Beste, zu schweigen und zu geniessen. Eine Landschaft und ihre

Val Plazbi (Variante).

Schönheit lassen sich nie angemessen beschreiben – man muss sie selbst erleben. Statt genau dieselbe Route zurückzuwandern, lohnt sich der Abstecher zur Chamanna d’Es-cha, von deren Terrasse aus sich bei bewirteter Rast nochmals zum Piz Blaisun zurückblicken lässt. Der weitere Abstieg führt über die ausgedehnten Weiden des Val d’Es-cha und durch lichten Lärchenwald nach Madulain. Eine interessante Variante führt durch ein anderes Tal nach Chants. Von der Fuorcla Pischa steigt man gegen Westen auf den ersten Metern etwas mühsam in lockerem Geröll hinunter, danach in einigen Schlenkern, die von imposanten Geröllströmen erzwungen werden, ins Val Plazbi hinab und auf Alpwegen nach Tuors Chants. Von hier fährt ein Bus alpin nach Bergün, allerdings mit sehr spärlichem Fahrplan und nur auf Anmeldung. Die Mobilfunkverbindung ist hier eher Glückssache. Die Wirtin des Berghauses Piz Kesch zeigt gern, von welchem Platz aus die Verbindung klappt.

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ÜBER DEN AUTOR

Fredy Joss holte nach einer Berufslehre als Elektroniker die Matura nach und studierte Deutsche Literatur, Sprache und Philosophie. Nach mehreren Anstellungen als Redaktor und Korrektor ist er heute selbstständiger Autor, Fotograf und Lektor. Seine Schwerpunkte sind Natur, Umwelt, Wandern und damit verwandte Themen. Dabei interessieren ihn auch philosophische Sichtweisen und gedankliche Hintergründe. Er arbeitet für Buchverlage, Magazine, Zeitungen, Bildagenturen und andere Unternehmen. Mitarbeit bei mehreren Büchern im AT Verlag. www.fredyjoss.ch

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