NATUR, KULTUR, GESCHICHTE – MIT 45 WANDERUNGEN
UR T ÜMLICHE BERG TÄLER DER SCHWEIZ
MARCO VOLKEN
NATUR, KULTUR, GESCHICHTE MIT 45 WANDERUNGEN MARCO VOLKEN
UR T ÜMLICHE BERG TÄLER DER SCHWEIZ
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VA L B AVON A «Üppige und doch ungezähmte Anmut»
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BINN TA L Ein Tal schützt sich selbst
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VA L BREGAGL I A Granit, Kunst und Kultur
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VA L C A L A NC A Naturpark statt alpine Brache
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VA L C OL L A Berge in der Stadt
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VA L FERRE T Die kleine weite Welt
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H AU T VA L D’HÉRENS Im Land der Königinnen
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ISEN T H A L Grosse Berge am berühmten See
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JAUN Gruyère auf Deutsch
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K IEN TA L Gletscher, Wildbäche und Wasserfälle
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L Ö T S CHEN TA L Bräuche leben
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VA L L E DI MUGGIO Das Museum ist überall
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VA L L E ONSERNONE Die versteckte Arche
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S A FIEN TA L Bei den Walsern
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S T. A N T ÖNIEN Leben im Lawinental
DIE IDYLLE EINE LÜGE?
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ie seltenen Reisenden, die sich hierher verirrten, konnten sich dem Zauber dieser seltsamen Landschaft kaum entziehen. Viele waren sogar hingerissen, darunter der Brite Douglas Freshfield, einer der damals besten Kenner der Alpen und unermüdlicher Erforscher abgelegener Bergtäler. Wie er in seinem Werk «Italian Alps» von 1875 erzählt, sass er einmal vor einer Kapelle oberhalb von Bignasco und schaute ins Val Bavona. «Die kühnen, dunklen Umrisse der Granitabstürze, die über der üppigen und doch ungezähmten Anmut des Tals hängen, wecken mit ihren starken Gegensätzen unsere Emotionen. Diese Vermählung zwischen der Majestät der Schweizer Alpen und der Schönheit Italiens erregt in uns eine Begeisterung weit über jene ruhige Anerkennung hinaus, die wir den grössten Werken der Romantik zollen, ob in der Kunst oder in der Natur. Wir können gelassen eine reiche Seenlandschaft oder eine umbrische Madonna betrachten; vor einer Figur von Michelangelo oder diesem Anblick im Valle Maggia sind wir geneigt, vor Freude zu schreien.» Im Val Bavona erblickte Freshfield eine Art Garten Eden, wesentlich schöner als nette Romantik, das «hässlich langweilige» Oberengadin, Chamonix oder der Monte Rosa. Und die Einheimischen? Ob auch sie ab und zu innehielten, ihre vertraute, alltägliche Umgebung anschauten und sie als anmutig empfanden? Oder gar als Paradies? Ganz klar nein, fand Plinio Martini (1923–1979), Schriftsteller aus Cavergno. Er räumte rabiat auf mit der heilen Welt der Stammväter der Tessiner Literatur, Francesco Chiesa und Giuseppe Zoppi, diesen «bejubelten Hofnarren, aus deren Federn Schmetterlinge Blümlein Bächlein entstehen, für deren Bewunderung unsere Alten nie die Zeit gehabt haben». «In unserer gebirgigen Abgeschiedenheit ist die Idylle fast immer eine Lüge», so Martini 1969, «leider.» Ein Jahr später veröffentlichte er sein berühmtestes Buch, das unter dem Titel «Nicht Anfang und nicht Ende» auch in der Deutschschweiz Anklang und Beachtung fand. Eigentlich eine schonungslose Geschichte über eine gescheiterte Liebe und ein halbwegs gescheitertes Leben zwischen Unglücken, Unfällen, Hunger und bitterer Not. «Was seinem Bericht eine in der ganzen Tessiner Literatur seltene Kraft und Authentizität gibt, ist die genaue, direkte und von unterdrücktem Zorn vibrierende Schilderung des elenden Lebens, das die armen Bauern des Maggiatals in die Emigration treibt: der ewige Hunger, die gefährliche harte Arbeit, die Frauen, die an ihren vielen Geburten verbluten, die Männer, die beim Wildern abstürzen, die unterernährten Kinder, die von Bäumen und in Schluchten fallen, vom Wasser verbrüht oder vom Feuer verbrannt werden oder an Diphterie und Keuchhusten sterben», urteilte Alice Vollenweider in einem Nachruf auf Martini. Gemäss der Romanistin und Übersetzerin trug das Buch viel dazu bei, «die Klischeevorstellung vom heiteren Ferienkanton Tessin
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Nochmals Sonlerto. So schlicht die Wohnhäuser im Bavonatal auch sind, oft weisen sie bemerkenswerte bauliche Details auf. VA L B AVON A
Sonlerto, eine der zwölf Terre des Val Bavona.
Gleich am Taleingang, keinen Kilometer nach Cavergno, kommt man an der CAPÈL A DL A VARDA vorbei, die sich an einen schützenden Felsblock lehnt. Sie ist eine von vielen Sakralbauten am alten Saumweg und hat ihre ganz eigene Geschichte. An dieser Stelle war der Durchgang zwischen Fels und Bach besonders eng und der Weg damit sowohl den Fluten der Bavona wie dem Steinschlag ausgesetzt. Daher auch der Name: Varda bedeutet im Dialekt so viel wie «schau» oder «pass auf». Neben der nötigen Vorsicht konnte wohl auch etwas Hilfe von oben nicht schaden. Beim zügigen Durchqueren des Wegabschnitts sollen die Passierenden jeweils laut ein Vaterunser, ein Ave Maria und ein Gloria vor sich hergesagt haben, um sich Gottes Schutz zu sichern. Das Hauptfresko der Kapelle zeigt eine blutende Madonna und ihr zu Füssen, kniend und betend, den Stifter, einen gewissen Gio(vanni) Battista Martini. Eine Inschrift mahnt, in Todesgefahr die heilige Maria anzurufen. Im Vergleich zur Skizze von Johann Müller-Wegmann aus dem Jahr 1873 fehlen heute die talseitigen Felsblöcke, sie mussten in den 1950ern der neuen Strasse weichen.
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Calnègia, das hinterste Maiensäss im gleichnamigen Tal. Arnoldo und Maria Dadò, die letzten Älpler des Bavonatals, verbrachten hier jeweils die Zwischensaison.
zu korrigieren, die – wie das Musical ‹Ciao Ticino› vor Kurzem noch peinlichst demonstriert hat – in der Deutschschweiz weit verbreitet ist». Für die Neugierigen: Das Musical von Hans Gmür umfasste Lieder wie «Ticinesi son bravi soldà», «Addio la caserma», «Ich stah uf Fraue wo scho Drissgi gsy sind», «Uf d’Pauke haue», «Risotto-Lied», «Boccalino-Lied», «Alli mit-cho!» (Polonaise), «In Ticino es git au no Ticines!», «Bella bambina» oder «Es isch so schön (vo Züri furt z’sy)». Die drastischen Szenen hatte Martini dem Schicksal seiner Familie abgeschaut. Zum Beispiel jenem seiner Grossmutter: Vier ihrer Brüder starben auf den Alpen, zwei Schwestern blieben bis an ihr Lebensende verkrüppelt, eine weitere Schwester fand den Tod in einem Kessel mit heisser Lauge. Eine Tochter starb in den Fluten der Bavona, ein Sohn in Kalifornien, «wie genau, weiss man nicht». Für die Schönheit des Val Bavona haben die Protagonisten von «Nicht Anfang und nicht Ende» weder Musse noch Augen. Allenfalls freuen sie sich, wenn nach tagelangem Regen endlich wieder die Sonne scheint. Martinis Werk war allerdings ein literarisches, kein historisches. Nahmen die Bavonesi ihre Landschaft tatsächlich so zornig oder bestenfalls regungslos hin, wie er es beschrieb, als eine mühselige Tatsache und basta? Mehrere Zeitgenossen fanden denn auch, Martini hätte es etwas übertrieben, ihr Leben in den 1930ern sei nun doch nicht ganz so schlimm gewesen. Von einer Idylle sprach aber keiner von ihnen. Die war eindeutig eine Erfindung der Touristen.
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NEUE NOMADEN
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m etwa 1900 setzte der Niedergang der Alpwirtschaft ein. Sukzessive gaben die Älpler auf, Nachfolger fanden sich keine. Immer weniger Familien besassen noch das, was man Hausvieh nannte, typischerweise zwei Kühe und ein Dutzend Ziegen. Weshalb sie auch nicht mehr jedem Grashalm nachrennen mussten. Die letzte noch bestossene Alp – von einst zwei Dutzend – war jene von Formazzöö im Calnègia, dem grössten Seitental. Dort sömmerten Arnoldo und Maria Dadò Jahr für Jahr rund 15 Kühe, 100 Ziegen und zehn Schweine auf verschiedenen Stafeln. Auf jenem von Gannaccia verfügten sie nicht einmal über einen Wohnstall, sondern hausten unter den Blöcken eines Felssturzgebiets. 1972 zogen sie sich von der Alp zurück, stiegen mit weniger Tieren aber noch immer bis zum hintersten Maiensäss. Als 1987 ein Hochwasser einen Teil der Ställe mitriss, gaben sie die Stufenwirtschaft endgültig auf. Arnoldo kehrte fortan nur noch für seine privaten Sommerferien ins Tal zurück, wo er oft anzutreffen war – als Original genoss er im Tessin durchaus eine gewisse Bekanntheit. Mit ihm starb 2002 der letzte Zeuge einer tausendjährigen Alpwirtschaft. Die Nachkriegsgeneration hatte der mühseligen Landwirtschaft den Rücken gekehrt, sie verdiente ihr Auskommen nun in der Fabrik, auf dem Bau oder im
GRANIT, KUNST UND KULTUR
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Sciora-Gruppe, Pizzo Cengalo und Pizzo Badile: die berühmte Aussicht von Soglio.
VAL BREGAGLIA
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Am Fuss des Piz Duan thront der Palazzo Castelmur, gemäss Kunstführer ein «einzigartiges Baudenkmal der Bündner RückwandererArchitektur von landschaftsprägender Bedeutung».
DAS TAL DER KUNST
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Gianotti, Giovanoli, Giovannini, Maurizio, Picenoni, Roganti, Salis, Scartazzini, Tam, Walther
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ielleicht liegt es an dieser Offenheit, dass das Bergell einen fruchtbaren Boden für die Kunst bot. Dabei sticht die Familie Giacometti aus Stampa heraus – insbesondere Alberto Giacometti (1901–1966), einer der wichtigsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er lebte vor allem in Paris, wo er mit Intellektuellen wie Sartre, de Beauvoir und Picasso befreundet war. Und doch fühlte er sich stets dem Bergell verbunHÖCHSTER PUNKT den und kehrte immer wieder in sein Tal zurück, Cima di Castello, 3379 m um seine Familie zu besuchen und neue Kraft TIEFSTER PUNKT zu schöpfen. Weltberühmt sind seine schlanMera bei Castasegna, 665 m ken Skulpturen, die menschliche Figuren aufs HAUPTFLÜSSE Maira (Mera), Orlegna, Albigna, Bondasca Wesentliche, Existenzielle reduzieren. Sein Werk HAUPTBAUMARTEN als Bildhauer ist allerdings weit umfassender, Fichte, Lärche, Tanne, Kastanie, Eiche, ebenso seine Tätigkeit als Maler und Grafiker. Esche Zur Familie Giacometti gehörten zudem Albertos Vater Giovanni, auch er Maler und Grafiker, die SCHUTZGEBIETE BLN-Landschaften Val BondascaBrüder Bruno, Architekt, und Diego, MöbeldesiVal da l’Albigna und Oberengadiner gner, sowie Augusto, ein Onkel zweiten Grades Seenlandschaft, Landschaftsschutzgebiet Val Bregaglia Nord-Val da und ebenfalls Maler. Alle ziemlich erfolgreich. la Duana, verschiedene Waldreservate Auch auswärtige Künstler liessen sich vom zwischen Soglio, Castasegna und Bergell verzaubern und zogen ins Bergtal. Der Bondo (Brentan, Plazza, Brägan usw.), wichtigste war Giovanni Segantini (1858–1899), Waldreservat Maloja, Auengebiete einer der bedeutendsten Maler seiner Zeit, nicht Borgonovo-Stampa-Campac, Cavril, Isola/Plan Grand, Vadrec da la Bondasca, bloss in Sachen Landschaften, und Lehrmeister Vadrec del Forno, Aua da Fedoz und von Giovanni Giacometti. Segantini verbrachte Vadrec da Fedoz seinen jungen Lebensabend – er verstarb 41-jähSIEDLUNGEN rig – in Maloja und Soglio und verewigte die Isola, Capolago, Maloja, Casaccia, beiden Dörfer in seinem Hauptwerk, dem monuLöbbia, Roticcio, Vicosoprano, mentalen Alpentriptychon. Borgonovo, Stampa, Coltura, Montaccio, Promontogno, Bondo, Spino, Soglio, Die bildende Kunst zieht sich wie ein roter Castasegna Faden bis in die Gegenwart: Seit gut zehn Jahren gastieren im Bergell Ausstellungen, Biennalen SCHÜTZENSWERTE ORTSBILDER Vicosoprano, Borgonovo, Stampa, und Kunstprojekte mit Teilnehmern wie Roman Coltura, Promontogno, Bondo, Soglio, Signer, Pipilotti Rist, Bob Gramsma oder Jules Castasegna Spinatsch. Und das alles, man darf es nicht ver- DAUERHAFT BESIEDELT BIS ETWA gessen, in einem abgelegenen Bergtal, das weni1840 m ger Einwohner zählt als etwa Attinghausen, T YPISCHE FAMILIENNAMEN Crüzer, Fasciati, Ganzoni, Giacometti, Gunzgen oder Zäziwil.
WO, WIE, WAS? ANREISE Noch beginnt die Postautofahrt ins Isenthal mal in Flüelen, mal in Altdorf. Ende 2021 wird allerdings der neue Kantonsbahnhof in Altdorf in Betrieb gehen, das Busnetz dürfte sich dann neu ausrichten. Die Linie ins Isenthal fährt bis St. Jakob, wo sich die Talstation der Seilbahn nach Gitschenen befindet. Das Chlital wird hingegen nicht bedient. BESONDERE ORTE Der Friedhof mit geschnitzten Kreuzen | Sämtliche Kleinseilbahnen (sie sind nicht nur zum Anschauen da) | Das Hochplateau von Gitschenen | Der Vierwaldstättersee bei Isleten (für Surfer) | Schartihöreli | Uri Rotstock ANL ÄSSE Fasnacht mit Chatzämüsig und Umzug | Alpgottesdienst Musenalp (mit musikalischer Begleitung, Ende Juni) | Handwerksmarkt im Dorf (im September) | Chilbi (am dritten Wochenende im Oktober) BESONDERE UNTERKÜNFTE Hotel Urirotstock und Gasthaus Tourist in Isenthal | Berggasthaus und Kneiwies auf Gitschenen | Bergrestaurant Musenalp | Alpwirtschaft Biwaldalp | Gitschenhörelihütte
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Links: Wildheuplanggen oberhalb Gitschenen.
THEMENWEGE Isenthaler Bärenweg (in Dorfnähe) | Mundartweg (über die Scheidegg) | «Erlebnisweg Urchigs Handwärch» (zwischen Chäppeli und St. Jakob) | Naturlehrpfad (auf Gitschenen) | Sagen- und Skulpturenweg (zwischen Chäppeli und Dorf) EINK AUFEN Dorfladen gleich neben Schulhaus und Gasthaus Tourist LESETIPPS Josef Schuler, «Isenthal: Dorferneuerung – Ein Generationenwerk», Eigenverlag Gemeinde Isenthal, 1999 | Eva-Maria Müller, «Erlebnis Gitschenen», Altdorf 2006
ISEN T H A L
INFORMATIONEN Isenthal Tourismus, im Hotel Urirotstock, Telefon 079 510 49 58, www.isenthal.ch
Noch ein «Heimä»: das Wissigli.
WANDERUNGEN VON ISLETEN NACH ISENTHAL V O M S EE W E G IN S TA L HIN AUF – D IE B E S T E A NN Ä HER UN G A N S I S EN T H A L , ÜB ER W EI T E S T R E C K EN EN T L A N G D E S W E G S AU S D ER Z EI T UM 18 4 0. P R Ä D IK AT: L AU S C HI G.
CHARAKTER Leichte Wanderung, zu Beginn etwas steiler, danach auf breiten Flurwegen (T1/T2 ) WANDERZEIT 1 ½ Std. AUSGANGSPUNKT Isleten (436 m) ENDPUNKT Isenthal (770 m) ROUTE In Isleten führt der markierte Wanderweg sogleich vom Verkehr weg, in einen lärmschluckenden Wald. In steilem Zickzack gewinnt man an Höhe. An zwei Stellen öffnet sich der Blick auf den Urnersee, bei der zweiten kann man auch fast senkrecht auf die Strasse hinunterblicken – eine ziemlich spektakuläre Perspektive. Weiter oben,
ÜBER DIE SCHEIDEGG
CHARAKTER Mittelschwere Bergwanderung mit ein paar steilen Stellen und einer 2 Meter langen, nicht exponierten Leiter (T2/T3 )
D ER G R AT ÜB ER D EM D O R F B IE T E T
EIN PA A R B R O C K EN UR NER M UND A R T.
WANDERZEIT 2 ¼ Std., ohne Seilbahn eine gute Stunde länger AUSGANGSPUNKT Isenthal, Haltestelle Weid-Furggelen (822 m) ENDPUNKT Isenthal (770 m) ROUTE Vom Postautohalt zur nahen Seilbahnstation. Die Fahrt lässt sich dort per Telefon anmelden, sicherer ist eine vorgängige Reservation (Telefon 041 878 10 82). Die offene, dreiplätzige Kiste schwebt ausgesprochen gemütlich und bietet eine ungewohnte Vogelperspektive. Bezahlt wird oben, bei einem
SEELENEN UND SCHWALMIS
CHARAKTER Einfache Bergwanderung auf guten Wegen. Die Markierungen sind nicht üppig, aber ausreichend (T2 ).
W ENI G ER AU S S I C H T A L S ER WA R T E T, D A F ÜR EINE IN T ER E S S A N T E V E G E TAT I O N . Z UD EM FA HR EN W IR L UF T I G S EIL B A HN UND L ER NEN
ÜB ER S O NNI G E W IE S EN , A N EINER K L EINEN S EENP L AT T E V O R B EI , AUF EINE S O P R Ä C H T I G E W IE S T IL L E K A N Z EL Z W I S C HEN V IER WA L D S TÄT T ER S EE UND A L P EN .
WANDERZEIT Aufstieg 2 ¼ Std., Abstieg 1 ½ Std. AUSGANGS-/ENDPUNKT Seilbahnstation Gitschenen (1538 m) ROUTE Gitschenen, von St. Jakob (Postauto-Endstation) per Seilbahn erreichbar, ist Ausgangspunkt zahlreicher Bergwanderwege. Ein besonders lohnender führt zunächst nordwärts zum Chneuwis, einem Hof zwischen Hanglage und Flachmoor. Von dort geht es diagonal anstei-
beim Chäppeli (Postautohalt), überquert man die Strasse und gelangt zum Saum, einem sanft ansteigenden Rücken. Der Weg wird entsprechend breiter, oft wandert man auf altem Pflaster. Etwa 5 Minuten nach dem Abzweiger Richtung Schartihöreli findet man aus dem Wald und betritt Wiesenland. Der «harmonisch in die Landschaft eingefügte Wegverlauf», so das Bundesinventar der historischen Verkehrswege, zieht fast eben ins Tal hinein und an einigen Höfen vorbei zum Ringli, einem jungen, ab den 1990ern entstandenen Dorfquartier. Gleich dahinter wartet schon das Hauptdorf.
der Bauernhöfe auf der Furggelen. Der markierte Weg zweigt zwischen den beiden Höfen nach rechts ab und steigt die Flanke hoch, um dann eine steile Waldpartie zu queren (Fixseile) und den Grat zu erreichen. In leichtem Auf und Ab wandert man an Felsköpfen, Bergföhren und sehenswerter Flora vorbei. Nach einem baumfreien Aussichts- und Rastpunkt geht es weiter, über eine Felsstufe mit kurzer Leiter und allmählich absteigend. Über eine Wiese weglos zu einem Stall und auf breitem Flurweg zum Hof Oberbärchi. Etwas ruppig nach Hinterbärchi. Von dort meidet der Weg die Strasse, kreuzt sie etwas später und führt schliesslich zum Sportplatz und ins Dorf.
gend zur Alp Bolgen – zuerst zum unteren Stafel, dann zum Ober Bolgen. Sie verfügen beide über eine kleine Materialseilbahn. Nächste Station ist die so unerwartete wie bezaubernde Ebene Bei den Seelenen, auch sie mit einem Stafel bestückt. Ein letzter Aufschwung leitet zum Gaden, der obersten Stufe der Alp Bolgen. Von dort zieht der Bergweg in einem links ausholenden Bogen zum Gipfelgrat des Schwalmis und über den langen Rücken zum höchsten Punkt auf 2246 Metern.
JAUN
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Dem Hauptdorf gegenĂźber kommt das Wasser aus dem Berg.
«DER JAUNER IST IN ERSTER LINIE JAUNER» on Bulle, dem Hauptort des Bezirks Gruyère, führen zwei Strassen in die Freiburger Voralpen. Die eine zieht zwischen Moléson und Vanil Noir südwärts bis ins Pays d’Enhaut, das Waadtländer Oberland. Die andere, die uns hier näher interessiert, schlängelt sich nach Osten, dem Berner Oberland zu. Sie kommt zunächst an Châtel-sur-Montsalvens vorbei, dann an Crésuz und Charmey. Es folgt eine wenig besiedelte Strecke, ehe nach einer Engstelle ein Weiler namens Im Fang auftaucht und etwas später Jaun, ein stattliches Dorf. Dann verlässt die Strasse den Talboden, gewinnt an Höhe, überquert die Kantonsgrenze und erreicht über einen Pass hinweg das bernische Simmental. Bereits diese Fahrt lässt den Sonderfall Jaun erahnen. Doch was auf den ersten Blick recht einfach erscheint – eine deutschsprachige Randlage am Oberlauf eines frankophonen Tals –, erweist sich bei näherem Hinsehen als deutlich komplizierter. Der Jauner ist nicht einfach ein Freiburger deutscher Zunge, und schon gar nicht ein im falschen Kanton gestrandeter Berner Oberländer. «Am ehesten sprachlich und konfessionell verbunden sind die Jauner mit dem Sensebezirk. Dieser Nachbar im Norden ist jedoch geografisch am weitesten entfernt, da bis heute keine direkte Verbindungsstrasse besteht. Früher pflegte man die Sensler als ‹Tütsche› zu nennen, und die Beziehungen sollen nicht immer die besten gewesen sein. Am wenigsten Beziehungen unterhält der Jauner heute mit dem östlichen Nachbar, dem ‹Sibetaler› (Simmentaler). Früher bestanden zwischen Jaun und dem Simmental recht enge Beziehungen. Doch die Reformation hatte einen konfessionellen Gegensatz zur Folge und liess auch die Beziehungen abkalten. Auch war der Weg vor dem Bau der Passstrasse weit und beschwerlich. Auch dem westlichen Nachbar, dem ‹Wäutsche›, stand der Jauner gleichgültig gegenüber, obwohl diese Beziehungen, trotz des sprachlichen Gegensatzes, nie getrübt waren. Der südliche Nachbar und zugleich die oberste Siedlung des Jauntales ist das bernische Abländschen (1314 m). Jaun spielt für Abländschen die Rolle einer Metropole im Kleinen. Seit jeher war Jaun die Bezugsquelle für Brot, Salz und Ähnliches, ein Begegnungsort am Jauner Schafscheid (Herbstmarkt) und an der Viehprämierung und die Ausgangsstelle für die Post. Politisch und konfessionell unterhalten die beiden Nachbardörfer noch heute keine Beziehungen. Auf kultureller und Geschäftsebene sind jedoch in den letzten Jahren die Kontakte intensiviert worden. So gehört Abländschen zum Geschäftskreis der Raiffeisenkasse Jaun und zur Viehzuchtgenossenschaft Jaun. Die Abländschler machen auch im Skiklub ‹Edelweiss› Jaun, in der Skischule Jaun und seit den neuen Vereinsgründungen auch im Turnverein und im Landfrauenverein von Jaun mit.
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JAUN
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JAUN
KIENTAL
LÖTSCHENTAL BINNTAL
HAUT VAL D’HÉRENS
VAL FERRET
ST. ANTÖNIEN ISENTHAL
SAFIENTAL
VAL BAVONA
VAL CALANCA
VALLE ONSERNONE VAL COLLA
VALLE DI MUGGIO
VAL BREGAGLIA