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Mittwoch, 9. September 2026

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SONDERSEITEN: HOLZBAUWEISE

Tragfähig und vielseitig: Moderne Holzkonstruktionen ermöglichen vielfältige Lösungen – vom klassischen Dachtragwerk bis zum mehrgeschossigen Holzbau.

Moderne Holzbauweise Wie Kreislaufwirtschaft das Bauen mit Holz verändert Ein Haus wird über Jahrzehnte genutzt, saniert und immer wieder an neue Bedürfnisse angepasst. Doch was geschieht mit seinen Bauteilen und Materialien, wenn sie eines Tages nicht mehr gebraucht werden? Diese Frage gewinnt beim nachhaltigen Bauen an Bedeutung. Gerade die Holzbauweise bietet dafür interessante Möglichkeiten: Balken, Stützen, Wand- oder Deckenelemente können so geplant und verbunden werden, dass sie sich später leichter demontieren und möglicherweise erneut verwenden lassen. Das Gebäude wird damit auch zum Materiallager für die Zukunft.

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achhaltiges Bauen wird häufig mit Energieeffizienz, guter Dämmung und erneuerbarer Energie verbunden. Doch zunehmend rückt eine weitere Frage in den Fokus: Wie lassen sich Gebäude und ihre Materialien möglichst lange nutzen? Genau hier setzt die Idee des kreislauffähigen Bauens an. Gebäude sollen sich an

veränderte Bedürfnisse anpassen lassen, Bauteile möglichst lange genutzt und Materialien nach Möglichkeit wiederverwendet werden. Dafür muss schon bei der Planung berücksichtigt werden, was später verändert, ausgetauscht oder demontiert werden könnte. Die moderne Holzbauweise bietet dafür gute Voraussetzungen. Viele Wand-, Decken- und Dachelemente werden präzise geplant und im Werk vorgefertigt. Konstruktionen können so geplant und Bauteile so miteinander verbunden werden, dass spätere Veränderungen, ein Austausch oder eine Demontage erleichtert werden. Damit erhält eine bekannte Stärke des Holzbaus – das Bauen mit klar definierten und vorgefertigten Elementen – im Zeichen der Kreislaufwirtschaft eine neue Bedeutung.

Vom Gebäude zum Materiallager Der Begriff klingt zunächst ungewöhnlich: ein Gebäude als

Materiallager. Dahinter steckt die Idee, Bauteile und Materialien nicht nur für ihre erste Nutzung zu betrachten. Was heute in Wänden, Decken oder Tragwerken verbaut wird, kann auch nach Jahrzehnten noch einen Wert besitzen und möglicherweise erneut genutzt werden. Entscheidend ist allerdings, wie ein Gebäude konstruiert wurde. Sind unterschiedliche Materialien dauerhaft verklebt oder so miteinander verbunden, dass sie sich kaum voneinander lösen lassen, wird eine spätere Wiederverwendung erschwert. Genau hier setzt das sogenannte „Design for Disassembly“ an, also das Planen für eine spätere Demontage. Schon beim Entwurf wird darauf geachtet, dass Bauteile möglichst gut zugänglich, Verbindungen lösbar und unterschiedliche Materialien voneinander trennbar bleiben. Ebenso wichtig ist eine genaue Dokumentation: Welche

Materialien und Bauteile wurden wo und wie verbaut? Sind diese Informationen auch nach Jahrzehnten noch verfügbar, erleichtert das einen späteren Umbau oder Rückbau und kann dazu beitragen, geeignete Bauteile erneut zu verwenden.

Wiederverwendung vor Recycling Wiederverwendung und Recycling sind nicht dasselbe. Wird ein alter Holzbalken zerkleinert und zu einem neuen Holzwerkstoff verarbeitet, bleibt der Rohstoff zwar weiterhin in Nutzung. Noch besser wäre es, wenn der Balken als Ganzes weiterverwendet werden könnte. Dahinter steckt das Prinzip der sogenannten Kaskadennutzung: Holz soll möglichst lange und hochwertig genutzt werden. Ein Balken kann zunächst Teil eines Tragwerks sein und später an anderer Stelle wieder zum Einsatz kommen. Erst wenn eine direkte Wiederverwendung nicht mehr möglich oder sinnvoll ist, wird das Holz


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Das digitale Gedächtnis des Hauses Wer einen Holzbalken nach Jahrzehnten wiederverwenden möchte, muss wissen, womit er es zu tun hat. Welche

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zu anderen Produkten weiterverarbeitet. Die energetische Verwertung steht idealerweise erst am Ende dieser Nutzungskette. Das schont Ressourcen und hat einen weiteren Vorteil: Je länger Holz als Material genutzt wird, desto länger bleibt auch der darin gespeicherte Kohlenstoff gebunden. Allerdings eignet sich nicht jeder gebrauchte Balken für einen zweiten Einsatz. Zustand und Qualität müssen ebenso geprüft werden wie mögliche Schäden oder frühere Behandlungen. Auch technische Anforderungen sowie der Aufwand für Ausbau, Transport, Lagerung und erneuten Einbau spielen eine Rolle. Wie sich gebrauchte Holzbauteile sicher und wirtschaftlich wiederverwenden lassen, ist deshalb auch Gegenstand aktueller Forschung.

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SONDERSEITEN: HOLZBAUWEISE

Ein hoher Grad an Vorfertigung ist eine Stärke der modernen Holzbauweise: Wand-, Decken- und Dachelemente werden unter kontrollierten Bedingungen im Werk präzise gefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert. Holzart ist es? Welche Abmessungen hat der Träger? Wurde das Holz behandelt? Wo war das Bauteil eingesetzt und wie wurde es mit anderen Materialien verbunden? Genau hier kommt die Digitalisierung ins

Spiel. Digitale Gebäudemodelle können zu einer Art Gedächtnis des Hauses werden. Mit BIM, kurz für Building Information Modeling, lassen sich wichtige Daten zu Materialien, Bauteilen und Konst-

ruktion erfassen und über den Lebenszyklus eines Gebäudes verfügbar halten. Für den Holzbau ist das besonders interessant, weil Planung und Fertigung heute vielfach digital miteinander

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Holz muss sich nicht verstecken: Sichtbare Dachkonstruktionen können zum prägenden Gestaltungselement moderner Innenräume werden.

Holz lässt sich gut mit Glas und Metall kombinieren und eröffnet damit großen Spielraum für die architektonische Gestaltung. verknüpft sind. Daten, die bereits für die Herstellung benötigt werden, können später auch bei Umbau, Demontage oder Wiederverwendung hilfreich sein. So lässt sich im besten Fall auch nach vielen Jahren nachvollziehen, was in einem Gebäude verbaut wurde und wie. Das erleichtert die Beurteilung, welche Bauteile für eine weitere Nutzung infrage kommen.

Vom Prinzip zur Praxis Kreislaufwirtschaft im Bau ist längst auch Gegenstand konkreter Forschung und Planung. Nach Angaben des Bozner Forschungszentrums Eurac Research entstehen in der Region Trentino-Südtirol jährlich mehr als drei Millionen Tonnen Bauund Abbruchabfälle. Ein Teil der darin enthaltenen Materialien könnte wiederverwendet oder recycelt werden. Die Autonome Provinz Bozen hat Eurac Research mit der Entwick-

Leicht und zugleich tragfähig lässt sich der Baustoff Holz präzise für moderne Konstruktionen verarbeiten.

lung einer Landesstrategie für Kreislaufwirtschaft beauftragt. Untersucht wurden dabei unter anderem Materialflüsse im Bauwesen sowie in der Landund Forstwirtschaft. Ziel ist ein möglichst effizienter Umgang mit Ressourcen und Materialien. Auch bei der Planung von Gebäuden setzt die Forschung an. Im Projekt PROSUST arbeitet Eurac Research an einem Instrument, mit dem nachhaltige Lösungen bereits vor Baubeginn bewertet werden können. Dabei wird der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt. Für den Holzbau bedeutet das, seine konstruktiven Möglichkeiten noch stärker mit Fragen der Langlebigkeit und Anpassungsfähigkeit zu verbinden.

Vielseitig bauen mit Holz Die moderne Holzbauweise zeichnet sich dabei durch eine große Bandbreite an Bauweisen aus. Beim Holzrahmenund Holztafelbau bildet eine tragende Holzkonstruktion ge-

meinsam mit der Beplankung Wand- und Deckenelemente. Im Holzmassivbau kommen großformatige Elemente zum Einsatz, etwa aus Brettsperrholz. Brettschichtholz ermöglicht tragfähige Konstruktionen und große Spannweiten. Die verschiedenen Bauweisen können untereinander oder mit Materialien wie Beton, Stahl und Glas kombiniert werden. Holz ist damit längst nicht auf das klassische Einfamilienhaus beschränkt. Der Baustoff kommt im mehrgeschossigen Wohnbau ebenso zum Einsatz wie bei Schulen, Büros und öffentlichen Gebäuden. Auch beim Weiterbauen im Bestand bietet das vergleichsweise geringe Gewicht Vorteile: Bei Anbauten und Aufstockungen wird die vorhandene Tragstruktur weniger zusätzlich belastet als bei schwereren Bauweisen. So kann zusätzlicher Raum entstehen, ohne ein bestehendes Gebäude ersetzen zu müssen. Eine weitere Stärke liegt in der Vorfertigung. Wand-, Decken- und Dachelemente können unter kontrollierten Bedingungen im Werk hergestellt und anschließend auf der Baustelle montiert werden. Je nach Bauweise können bereits Fenster, Dämmung oder Teile der Haustechnik integriert sein. Das ermöglicht eine hohe Fertigungsgenauigkeit

und kann die Arbeiten vor Ort deutlich verkürzen. Gleichzeitig erfordert ein hoher Vorfertigungsgrad eine entsprechend genaue Planung. Ein weiterer Vorteil ist die weitgehend trockene Bauweise. Vorgefertigte Holzelemente können direkt montiert werden, lange Trocknungszeiten für die Holzkonstruktion entfallen. Das kann den Bauablauf beschleunigen und ist besonders beim Bauen im Bestand von Vorteil. Auch der Baustoff selbst bringt interessante Eigenschaften mit. Holz ist vergleichsweise leicht und dennoch tragfähig. Seine geringe Wärmeleitfähigkeit ist von Vorteil für gut gedämmte Konstruktionen. In Holzrahmenwänden kann die Wärmedämmung zwischen den tragenden Elementen liegen, sodass leistungsfähige Wandaufbauten mit vergleichsweise schlanken Querschnitten möglich sind. Holz kann außerdem Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben. Sichtbar eingesetzt, kann Holz zugleich Teil der architektonischen Gestaltung sein. Tragwerke, Decken oder Wandoberflächen müssen nicht zwangsläufig hinter anderen Materialien verschwinden. Konstruktion und Gestaltung können so unmittelbar zusammenspielen. © Alle Rechte vorbehalten


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