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Donnerstag, 24. September 2026 -
Das Wappen von Marling geht auf die Herren von Marling zurück und zeigt einen roten, aufsteigenden Löwen auf einem blauen Balken in einem silbernen Feld. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichteten die Adligen die Burg Lebenberg (Gemeinde Tscherms) und führten danach deren Namen. Das Geschlecht erlosch 1426. ©
Marling: Wo Landschaft auf Geschichte trifft UNTERWEGS: Vom historischen Waalweg über alte Kirchen bis zu Höfen gibt es viel zu entdecken MARLING. Historische Mauern, antike Heilquellen, Weinberge und Obstwiesen – in Marling begegnet man nicht nur Natur, sondern auch einem Stück Südtiroler Kulturgeschichte. Wer Marling entdecken möchte, sollte sich Zeit für den Marlinger Waalweg nehmen. Er gehört zu den bekanntesten Besonderheiten des Dorfes und ist mit seinen zwölf Kilometern der längste Waalweg Südtirols. Besonders spannend ist die Geschichte des Waals. Er wurde im 18. Jahrhundert, zwischen 1737 und 1756, angelegt. Die Initiative ging von den Kartäusermönchen des Klosters Allerengelberg im Schnalstal aus, die in Marling einen Weinhof besaßen und für dessen Bewässerung Wasser benötigten. Der Bau war aufwendig, weil der Waal teilweise durch steiles und felsiges Gelände geführt werden musste. Bis heute hat der Waal eine praktische Funktion: Zwischen Töll und Lana sichert er die Bewässerung von rund 300 Hektar Wiesen und Äckern. Damit ist er ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie eine historische Infrastruktur über Jahrhunderte erhalten geblieben ist und noch immer genutzt wird. Was einst der Bewässerung der Weinberge und Felder diente, ist heute zugleich beliebter Spazier- und Wanderweg. Er ist über weite Strecken nahezu eben und überwindet auf der gesamten Strecke nur wenig Höhenunterschied. Dadurch eignet er sich auch für gemütliche Wanderungen. Der Weg zieht sich entlang der Hänge über dem Dorf und eröffnet immer wieder weite Blicke über das Meraner Land. Wer Marling nicht nur auf dem Waalweg erkunden möchte, kann auf dem Marlinger Höhenweg höher hinaufsteigen. Der Weg führt am Hang des Marlinger Berges von Hof zu Hof, durch Mischwald, Wiesen und Obstgärten und vorbei an mächtigen Kastanienbäumen. Immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meraner Becken und die umliegenden Berge. Am Senn am Egg bietet sich eine Einkehr an, bevor es wieder hin-
Eine entspannte Runde am Marlinger Waalweg. Der Weg führt durch die Landschaft rund um Marling und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf die Umgebung. Perfekt, um ein bisschen unterwegs zu sein, frische Luft zu schnappen und einfach eine ruhige Zeit draußen zu verbringen. Shutterstock
unter Richtung Marling oder über den Josefsberg zum Waalweg geht. Der Höhenweg zeigt damit die bäuerlich geprägte Seite des Dorfes – und macht deutlich, wie eng Marlings Landschaft mit seinen Höfen und der Landwirtschaft verbunden ist. Die Tour wird als mittelschwer eingestuft. Neben dem Waal- und dem Marlinger Höhenweg gibt es auch den Eichhörnchenweg, ein Ausflugsziel für die ganze Familie. Der rund ein Kilometer lange Weg liegt am Marlinger Waalweg und führt durch Wald und Natur. An den verschiedenen Stationen können Kinder spielerisch die Welt des Waldes kennenlernen. Mal geht es ums Balancieren und Klettern, mal um Holz, Tiere und Pflanzen. Zu den Besonderheiten zählen ein AbenteuerSeilparcours und eine Wald-Aula. Dazwischen gibt es Plätze zum Ausruhen und Verweilen. Die leichte Strecke lässt sich in etwa 30 Minuten bewältigen.
Eingebettet in die idyllische Berglandschaft des Vigiljochs liegt die „Schwarze Lacke“, ein faszinierendes Naturjuwel oberhalb von Marling. Der stille Weiher begeistert mit seiner ursprünglichen Schönheit und einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Fische, Frösche, Molche und zahlreiche Libellen finden hier einen wertvollen Lebensraum. Am besten erreicht man den kleinen Bergsee zu Fuß über die Wanderwege des Vigiljochs. Wer Marling und seine Umgebung erkundet, findet zahlreiche Einkehrmöglichkeiten – vom rustikalen Hofbetrieb und Buschenschank über die traditionelle Gaststube bis hin zum Feinschmecker-Restaurant.
Marling und sein Glockenklang Am Kirchplatz in Marling treffen Vergangenheit und Gegenwart unmittelbar aufeinander.
Er ist zum einen Treffpunkt und alltäglicher Lebensraum (siehe nebenstehendes Interview). Zum anderen wird er von der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt überragt. Der markante neugotische Bau prägt das Ortsbild. Die heutige Kirche wurde Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und 1901 geweiht. Der Kirchturm und eine Seitenkapelle gehen jedoch auf das 13. Jahrhundert zurück. Eine Besonderheit ist die Wirkungsgeschichte der Kirche: Samuel Stephens Marling (1810–1883) aus Gloucestershire, Unternehmer, Politiker und später Baronet, besuchte in den 1860er-Jahren als Kurgast das Meraner Land und war von der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt mit ihrem markanten Turm so sehr beeindruckt, dass sie zum Vorbild für die All Saints Church in Selsley in Gloucestershire wurde. Auch Franz Liszt hat seine Spuren in Marling hinterlassen –
wenn auch nicht persönlich. Das Geläut der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt inspirierte den Komponisten zu seiner Komposition „Ihr Glocken von Marling“. 1874 schrieb Liszt das Werk in der Villa d’Este bei Rom nach einem Gedicht von Emil Kuh. Die Glocken, deren Klang Liszt faszinierte, gehören noch heute zur Marlinger Kirche. Die größte unter ihnen, die „Anna Maria“, stammt aus dem Jahr 1847 und wiegt mehr als drei Tonnen. Klein, unscheinbar und doch voller Geschichte ist die Kirche St. Felix in der Nörder oberhalb von Marling. Die romanische Kirche wurde 1251 dem heiligen Felix von Nola geweiht, Teile der ursprünglichen Mauern sind bis
heute erhalten. Um 1500 erhielt das Gotteshaus einen gotischen Chor, später kamen barocke Ausstattung und weitere Veränderungen hinzu. Besonders geheimnisvoll ist das Quellheiligtum im Inneren. Dieses lässt vermuten, dass der Ort bereits vor der Christianisierung eine religiöse Bedeutung gehabt haben könnte. Möglicherweise befand sich hier eine römische Kultstätte. Über Jahrhunderte wurden dem Wasser heilende Kräfte zugeschrieben. Menschen kamen etwa bei Kopfleiden hierher, um sich mit dem Quellwasser zu waschen. Die Kirche ist nur bei einigen Dorfführungen zugänglich. © Alle Rechte vorbehalten
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Zu Besuch in Marling 11
Nicht größer, sondern besser werden MARLING IM FOKUS: Bürgermeister Felix Lanpacher über Gemeinschaft, Wohnen, Wirtschaft, Jugend und Senioren – und darüber, was sein Dorf besonders macht ling sind das wichtige Voraussetzungen.
MARLING (sh). Bürgernähe, Gemeinschaft und ein klares Ziel für die Zukunft: Marlings Bürgermeister Felix Lanpacher spricht über ein Dorf, in dem rund 40 Vereine den Zusammenhalt prägen, Obstanbau und Weinbau die Landschaft bestimmen und der Waal bis heute seinen Dienst tut. „Dolomiten“: Herr Lanpacher, Sie sind seit 2020 Bürgermeister von Marling. Was motiviert Sie an dieser Aufgabe?
Marling setzt auf Lebensqualität statt Wachstum um jeden Preis.
Felix Lanpacher (Foto: ehr): Ich sehe das Bürgermeisteramt als eine sehr verantwortungsvolle und gleichzeitig herausfordernde Aufgabe. Es bietet die Möglichkeit, gemeinsam mit der Dorfgemeinschaft, den politischen Gremien und der Verwaltung Entscheidungen zu treffen und etwas zu bewegen. Besonders wichtig ist mir, die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aufzunehmen und mit bestem Gewissen darauf einzugehen. Dabei geht es nicht immer um politische Probleme, manchmal auch um sehr persönliche Anliegen. Meine Mitbürger wissen, wo sie mich finden: entweder an der Kasse meines Lebensmittelgeschäfts oder in der Gemeinde. Ich bin praktisch immer mitten im Dorf und für die Menschen erreichbar. Oft bin ich zunächst einfach Zuhörer. Wenn jemand danach etwas gestärkt wieder hinausgeht und sich für das Gespräch bedankt, dann ist auch das ein Teil der Arbeit eines Bürgermeisters. Man muss für die Menschen da sein – manchmal geht es schlicht um menschliche oder moralische Unterstützung. „D“: Wie funktioniert das auch politisch? Lanpacher: In Marling gibt es keine großen politischen Differenzen. Die Gremien und der Gemeinderat schauen gemeinsam
darauf, was für die Gemeinde und die Bürger wichtig ist. Natürlich vertreten wir unterschiedliche Parteien. Aber im Gemeinderat sollte es nicht darum gehen, sich ständig gegenüberzustehen. Wir sind gewählt worden, um gemeinsam etwas für Marling zu schaffen. „D“: Was macht Marling besonders? Lanpacher: Eine der größten Stärken ist zweifellos unser Vereinsleben. Wir haben knapp 40 aktive Vereine. Sie sind eine ganz wichtige Säule unserer Dorfgemeinschaft. Wenn das Vereinsleben funktioniert, treffen sich Menschen, verfolgen gemeinsame Ziele und arbeiten miteinander. Genau daraus entsteht Zusammenhalt. In einem Verein fragt man nicht zuerst, welcher politischen Richtung jemand angehört. Man schaut gemeinsam, was man erreichen kann. Unsere Vereine sind außerdem sehr gut integriert und leisten unglaublich viel für das Dorf. Bei Großveranstaltungen helfen sie zusammen. Wenn wir beispielsweise das Wiesenfest veranstalten, kommen viele Menschen und helfen mit. Ein schönes Beispiel ist auch die Marlinger Apfelkrone, einer der ältesten Festwagen des Meraner Traubenfestes. Das Besondere daran: Sie wird jedes Jahr von engagierten Menschen aus Marling liebevoll zusammengeschraubt, hergerichtet und geschmückt. Dahinter steht kein
einzelner Verein. Es ist eine Gruppe von Menschen, die sagt: Wenn die Apfelkrone wieder ansteht, helfen wir zusammen. Darauf sind wir stolz – und wir zeigen uns damit natürlich auch gerne in der Stadt. „D“: Was sollte man in Marling unbedingt gesehen haben? Lanpacher: Unser größtes Aushängeschild ist der Marlinger Waalweg, der längste Waalweg Südtirols. Er ist weit mehr als ein Wanderweg: Bis heute bewässert er rund 300 Hektar Kulturgrund und erfüllt damit seine ursprüngliche Funktion. Der Waal funktioniert tatsächlich noch. In der Nähe befindet sich auch der Eichhörnchenweg mit rund 25 Spiel- und Ruhestationen. „D“: Welcher ist Ihr Lieblingsplatz? Lanpacher: Ganz klar der Kirchplatz. Wenn ich mich dort um 360 Grad umschaue, sehe ich Schule, Gemeinde, Tourismusverein, Geschäfte, Bäckerei, Bank, Gasthäuser, Arzneimittelausgabe, Arztpraxis, Hauspflegedienst und Kindergarten. Das ist für mich eine besondere Qualität von Marling: Vieles befindet sich mitten im Dorf und ist zu Fuß erreichbar. „D“: Welche weiteren Besonderheiten zeichnen Marling aus? Lanpacher: Eine ganz wesentliche ist unsere Landwirtschaft. Sie ist zugleich Landschaftspflege. Wer durch Marling geht, sieht ge-
Gemeinde Marling
pflegte Weinberge, Obstwiesen und Hofstellen. Dahinter steckt viel Arbeit und Leidenschaft. Zur Identität unseres Dorfes gehört vor allem der Weinbau. Wir haben zahlreiche größere und kleinere Produzenten. Hinzu kommt die Kellerei Meran mit Sitz in Marling. Außerdem gibt es vier Sektproduzenten. Deshalb nennen wir uns auch das „prickelnde Dorf“. „D“: Stichwort Wirtschaftsstandort Marling: Wie hat er sich entwickelt? Lanpacher: Unsere Gewerbezone ist noch relativ jung und funktioniert sehr gut. Viele Betriebe sind Familienunternehmen und stehen bereits vor dem Generationenwechsel. Eine Herausforderung ist, junge Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Einige Unternehmen überlegen deshalb, ihre jungen Arbeitskräfte mit Betriebswohnungen zu unterstützen. Für die Betriebe ist es heute enorm wichtig, junge Mitarbeiter langfristig zu halten. Auch bei der Digitalisierung waren wir früh dran. Marling war eine der ersten Gemeinden, die Glasfaser verlegt und auch die Betriebe erschlossen hat. Gerade für Hotellerie und Unternehmen ist das heute von großer Bedeutung. Wir haben damals ein Stück weit Pionierarbeit geleistet – und das hat sich ausgezahlt. „D“: Touristisch ist Marling breit aufgestellt. Wie gelingt die Ba-
lance? Lanpacher: Wir haben Angebote von der privaten Zimmervermietung bis zum Fünf-Sterne-Haus und traditionsreiche Familienbetriebe. Diese Mischung gefällt mir. Marling ist touristisch vielfältig, ohne seinen dörflichen Charakter zu verlieren. „D“: Wo drückt in Marling der Schuh? Lanpacher: Beim Wohnen liegt sicher eine Herausforderung. Durch die Nähe zu Meran könnte Marling noch stärker als Wohnort für Menschen interessant werden, die in der Stadt arbeiten. Unser Ziel ist aber nicht, quantitativ zu wachsen, sondern qualitativ. Vor allem unsere jungen Marlingerinnen und Marlinger sollen weiterhin im Dorf Lebensraum finden. Wir haben eine große Wohnbauzone, die wir schrittweise entwickeln können. Dabei denken wir langfristig. Entscheidend ist, dass Wohnraum entsteht, der unseren jungen Menschen zugutekommt. „D“: Wie wichtig ist dabei der Faktor Mobilität? Lanpacher: Wir haben einen Bahnhof, gute Busverbindungen und Anbindungen an die Radwege Richtung Meran, Lana und Etschtal. Die Ringlinie soll die Busverbindungen künftig verbessern. Mit der neuen Spirale an der Marlinger Brücke wird auch die Verbindung Richtung Ebene verbessert. Für ein Dorf wie Mar-
„D“: Was tut die Gemeinde für ältere Menschen? Lanpacher: Die Gemeinde arbeitet mit großem Einsatz an der Verwirklichung eines Seniorenheimes im Zentrum von Marling. Zudem sind im Gebäude im Dorfzentrum sechs Wohnungen für begleitetes Wohnen entstanden, die in Kürze vergeben werden. Dazu gibt es eine wöchentliche Seniorenrunde, das Nikolausessen und weitere Angebote, die vielfach von engagierten Bürgern organisiert und durch Sponsoren finanziert werden. Wichtig ist uns auch die Beratungsstelle für Senioren und Angehörige. Wenn plötzlich Pflege notwendig wird, sind Familien oft zunächst überfordert. Dann ist es wichtig, jemanden zu haben, der zeigt, welche Möglichkeiten und Hilfen es gibt. Wenn ältere Menschen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, versuchen wir schnell und unbürokratisch zu helfen. Über einen Unterstützungsfonds können wir in Notfällen beispielsweise bei Miet- oder Stromkosten unterstützen. Außerdem stellt die Gemeinde Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten oder Rollatoren kostenlos zur Verfügung. Dafür stehen jährlich rund 3.000 Euro zur Verfügung. „D“: Und was bietet Marling der Jugend? Lanpacher: Wir haben den Jugendtreff RealX, der pädagogisch vom Jugenddienst begleitet wird. Die Jugendlichen finden dort Ansprechpartner und Unterstützung. Gleichzeitig arbeiten wir an einem Jugendgemeinderat. Sie sollen ihre Ideen einbringen und erfahren, wie Gemeindearbeit funktioniert. Ich finde es wichtig, dass Jugendliche nicht nur über die Gemeinde reden, sondern selbst mitgestalten können. Auch unsere Sportzone am unteren Dorfeingang ist ein wichtiger Treffpunkt. Dort gibt es Fußball, Tennis, Karate, Volleyball, Badminton und weitere Angebote. Jugendliche können sich bewegen, andere treffen und sind ein Stück weit weg von Handy und Computer. Deshalb investiert die Gemeinde laufend in diese Infrastruktur. © Alle Rechte vorbehalten