Poste Italiane S.P.A. – Spedizione in abbonamento postale – Aut. N° CN-NE/0058/03.2025 PERIODICO ROC, Tassa Pagata/Taxe Perçue/Economy/Compatto. Italien: Euro 14,- (inkl. MwSt.) • Ausland: Euro 15,50,-
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INHALT Herausgeber: Athesia Druck GmbH, Bozen, Eintrag LG Bozen Nr. 1/2025, am 30.01.2025
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ARCHITEKTUR IM DATENZEITALTER
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GASTBEITR AG: ARCHITEKTUR IST BESTAND – ARCH. ACHIM REIFER
GASTBEITRAG: BAUKULTUR VERSUS FAKE – ARCH. LUKAS MAYR
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MICRO-ARCHITECTURE: KLEIN UND CLEVER
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SLOW ARCHITECTURE: HIER BIN ICH MENSCH
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DIE STILLE MACHT DER ARCHITEKTUR
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GASTBEITR AG: INDUSTRIE CAMPUS 4.0 – WO LFGANG MICHL
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ARCHITEKTUR GANZ OHNE MASKE
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WELEDA CAMPUS: BAUEN IM EINKL ANG
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GASTBEITR AG: FÜHRUNG IM WANDEL – ARCH. JAN MARC C ASTLUNGER
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Chefredakteur: Elmar Pichler Rolle Projektleiterin: Magdalena Pöder Verkaufsleitung: Patrick Zöschg Redaktion: Dr. Nicole D. Steiner, Florian Mair Werbung/Verkauf: Michael Gartner, Oliver Klammsteiner, Markus Hatzis, Isaak Lechner Verwaltung: Weinbergweg 7 | 39100 Bozen Tel. 0471 081 561 anzeigen.zeitschriften@athesia.it
Projekte 8
KINDERGARTEN UND KINDERTAGESSTÄT TE KLOSTERWIESE, BRIXEN
Fotos: Shutterstock, verschiedene Privat-, Firmen- und Online-Archive sowie Verkaufsunterlagen
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TR AUBENWIRT, BRIXEN
Art Director: Elisa Wierer
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KINDERGARTEN KIENS
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VEREINSHAUS PFAL ZEN
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MEHRFAMILIENHAUS, TAUFERS IN MÜNSTERTAL
Coverfoto: Florian Jänicke
Layout: Verena Daum Grafik: Helmut Mangott Lektorat: Benedikta Heiss Produktion: Athesia Druck Bozen www.athesiadruck.com Vertrieb: Italien jährlich: 54 €, Ausland (inkl. Portogebühren) jährlich: 58 € Die Redaktion übernimmt keinerlei Haftung für die Inhalte der Werbeseiten, PR-Seiten und der angeführten Webseiten. Athesia Druck GbmH hat gemäß Art. 37 der EU-Verordnung 2016/679 (GDPR) den Datenschutzbeauftragten (Data Protection Officer, DPO) ernannt. Die Kontaktaufnahme für jedes Thema in Bezug auf die Verarbeitung der personenbezogenen Daten ist über dpo@athesia.it möglich.
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RCHITEK
IM DATENZEITALT Zaha Hadid Architects (ZHA) stehen seit Jahrzehnten für radikale Gestaltungslust. Die Architektur des Londoner Büros scheint zu fließen, zu falten, sich ineinanderzuschieben – eine räumliche Grammatik aus Kurven, Kanten und Bewegung. Hinter dieser Formensprache steckt eine Haltung, die Zaha Hadid selbst ge4
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prägt hat: Experimentieren ist Pflicht, Stillstand keine Option. Diese Lust am Ausloten neuer Werkzeuge ist geblieben – nur hat sich die Werkzeugkiste verändert. Wo früher Skizzenpapier und Modelle dominierten, arbeiten ZHA Teams heute mit Daten, Simulationen und künstlicher Intelligenz an der Architektur von morgen.
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m Kern steht eine Frage, die das Büro seit Jahren antreibt: Wie verändern digitale Methoden – von Bewegungsanalysen bis zu generativen Modellen – unser Verständnis von Raum? Es geht nicht um Effekte oder Bildwelten, sondern um neue Wege des Denkens und Entwerfens.
V O M AT E L I E R Z U M F O R S C H U N G S Ö KO S Y S T E M Der Hauptsitz von ZHA liegt unspektakulär in einer ehemaligen Textilfabrik im Norden Londons. Doch innen herrscht ein anderer Takt: offene Studios, interdisziplinäre Projektteams und ein Klima des forschenden Arbeitens. Über 500 Mitarbeitende entwickeln dort Entwürfe für Gebäude, Stadträume und virtuelle Umgebungen – unterstützt von 5 spezialisierten Forschungsgruppen: Analytics & Insights, CODE, Virtual Reality, AgentBased Modelling und Sustainability. Diese Einheiten verbinden architektonisches Know-how mit datenbasierter Analyse. Sie vermessen räumliche Leistungsfähigkeit, simulieren Bewegung, experimentieren mit 3-D-Druckverfahren oder entwickeln Tools für Game Engines und digitale Welten. KI ist dabei kein isoliertes Thema, sondern der unsichtbare Kitt zwischen den Disziplinen. „Wir nutzen KI so, wie das Büro immer neue Werkzeuge genutzt hat“, sagt Forschungsleiter Lindner.
TUR Foto © Zaha Hadid Architects, Computational Design Research Group, Clemens Lindner. (2023, May).
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R ÄUME LESEN – UND IN ZAHLEN ÜBERSETZEN Ein Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung realer Arbeits- und Aufenthaltsräume. Im Londoner Hauptstudio hat ZHA über Monate anonymisierte Bewegungsdaten erhoben, um herauszufinden, wie Räume tatsächlich funktionieren. Sensoren, Buchungssysteme und Simulationen machten sichtbar, wie Menschen sich bewegen, wo Teams zusammenkommen und welche Wege sie intuitiv wählen. „Uns interessierte die Beziehung zwischen räumlicher Nähe und sozialer Interaktion“, erklärt Lindner. Aus den Ergebnissen entstand ein Analyse-Tool, das Grundrisse in Echtzeit bewertet – von Tageslicht über WegeA RCH I T E K T U R I M DAT E N Z E I TA LT ER
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führung bis hin zu Sicht- und Kommuni kationsbeziehungen. Methoden aus der Space-Syntax-Forschung fließen direkt in Entwürfe ein: für Büros, Hochschulen oder Museen. Ziel ist nie reine Effizienz, sondern Erkenntnis. „Wir wollen verstehen, wie Raum Verhalten prägt – und wie Verhalten Raum beeinflusst“, sagt Lindner. KI schärft dabei die Intuition, statt sie zu ersetzen.
G E N E R AT I V E M O D E L L E – VOM GRUNDRISS ZUR IDEE
Illustration © Zaha Hadid Architects
Parallel untersuchen ZHA Forscher*innen, wie generative Modelle den kreativen Prozess erweitern können. Statt auf Standard-Tools zu setzen, trainiert das Büro eigene Diffusionsmodelle – gespeist aus dem umfangreichen Archiv des Büros: Tausende Zeichnungen, Grundrisse, Renderings. „Wir möchten, dass KI unsere tektonische Logik begreift“, so Lindner. Die
Modelle lernen also nicht nur ästhetische Muster, sondern räumliche Prinzipien: wie Licht geführt wird, wie Bewegung entsteht, wie Struktur trägt. Über ein eigens entwickeltes Rhino-Plugin können Architekt*innen Geometrien direkt ins Modell schicken und Visualisierungen generieren lassen. So wird der KIbasierte Prozess Teil des alltäglichen Entwerfens – ein Pingpong zwischen Skizze, Bild, Kritik und Weiterentwicklung.
E F F I Z I E N Z T R I F F T H A LT U N G Für ZHA ist KI ein Beschleuniger – aber kein Automat für Entscheidungen. „Wir können mehr Varianten in kürzerer Zeit prüfen“, sagt Lindner, „das verbessert die Qualität unserer Urteile.“ Gleichzeitig warnt er vor dem Schein präziser KI-Bilder: „Ein Rendering wirkt abgeschlossen, ist es aber nicht.“ Das Büro entscheidet daher bewusst, wann KI-Bilder in den Dialog mit Kunden gehen. Geschwindigkeit allein ist kein Qualitätskriterium. Gerade in einem Markt, der Konzepte oft innerhalb weniger Tage fordert, helfen KI-Tools, das Tempo zu halten – ohne den Anspruch aufzugeben. „Das Risiko ist, dass Prozesse zu schnell werden“, sagt Lindner, „daher brauchen wir Zeitfenster für Reflexion.“
ARCHITEKTUR ALS OFFENES SYSTEM
LEARNINGS AUS ZHA KI-FORSCHUNG
Architects, Analytics&Insights Group. (2022). Floorplan Generation based on fitness values through Machine Learning.
KI als Assistenz, nicht als Autor: Ideengeber, Beschleuniger, aber kein Entscheider Iteration als Motor: Mehr Varianten führen zu größerer gestalterischer Tiefe. Eigene Daten nutzen: Kontrolle entsteht nur durch Verständnis der Datenbasis. Tempo ≠ Qualität: Effizienz braucht Urteilskraft. Forschung als Routine: Innovation ist keine Ausnahme, sondern tägliche Praxis. 6
ARC HITEK TU R I M DAT E NZE I TALT E R
ZHA testet nicht nur neue Visualisierungen, sondern auch neue Interaktionsformen. Gemeinsam mit Epic Games entwickelte das Büro ein Stadtbau-Spiel in Fortnite, das urbanistische Szenarien spielerisch erlebbar macht. In VirtualReality-Umgebungen experimentieren Forscher*innen mit KI-Agenten, die lernen, auf räumliche Konfigurationen zu reagieren. An diesen Schnittstellen von Architektur, Spiel und Simulation verschieben sich die Grenzen der Disziplin. „Wir untersuchen, wie virtuelle Räume künftig als Labor für reale Entwürfe dienen können“, sagt Lindner. So entstehen nicht nur neue Bilder, sondern neues Wissen – und eine wachsende Rolle für Architekt*innen, die zunehmend zwischen Gestaltung, Forschung und Datenanalyse vermitteln.
Foto © Christopher Kröll
Fotos © Zaha Hadid Architects, Computational Design Research Group, Clemens Lindner. (2023, May).
al Design Research Group, Clemens Lindner. (2023, May). Close up of office tower - ZHA Envision
F O R S C H U N G M I T H A LT U N G Bei aller technologischen Offenheit bleibt das architektonische Ethos des Büros bestehen. „Kritisches Denken ist zentral“, betont Lindner. Zaha Hadids Erbe – der Mut zur Vision, zum radikalen Experiment – bildet weiterhin den Kompass. Nur die Werkzeuge haben sich verändert: Aus Pinselstrichen wurden neuronale Netze, aus Papier digitale Parametrik. Die Herausforderung ist klar: KI so einzusetzen, dass sie nicht bloß Stil reproduziert, sondern Haltung weiterdenkt. Dass sie nicht ersetzt, sondern inspiriert. „Architektur ist und bleibt ein menschlicher Akt“, sagt Lindner, „KI erweitert unseren Blick – aber entscheiden müssen wir selbst.“ Zaha Hadid Architects zeigen, dass künstliche Intelligenz weder Ersatz noch Vereinheitlichung bedeutet – sondern Erweiterung. KI wird zum Werkzeug, das neue Fragen aufwirft: Wie formt sich Raum, wenn Daten zum Material werden? Wie bleibt Architektur menschlich, wenn Maschinen mitentwerfen? Die Antwort liegt im Selbstverständnis des Büros: im Mut auszuprobieren, im Forschen, im unermüdlichen Hinterfragen.
Clemens Lindner Architectural Designer und AI Researcher, Zaha Hadid Architects, London Clemens Lindner verbindet klassisches Entwerfen mit digitaler Innovation. Seit 2021 entwickelt er bei Zaha Hadid Architects KI-gestützte Tools und datenbasierte Prozesse, die neue Wege im architektonischen Denken eröffnen. Sein Fokus liegt darauf, Gestaltung durch intelligente Systeme zu erweitern – nicht schneller, sondern tiefgründiger und reaktionsfähiger zu machen. Neben seiner Arbeit im Büro prägt Clemens die Fachdebatte rund um KI in der Architektur, unter anderem als Organisator des „AI Round Table“ sowie durch Vorträge und Demonstrationen. In seinem aktuellen Vortrag gibt er Einblick in den Einsatz generativer, evaluativer und semantischer KI-Modelle bei ZHA und zeigt, wie sie Kreativität, Präzision und Entscheidungsprozesse im Entwurf nachhaltig verändern.
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MÖGLICHKEITEN Mit der „Klosterwiese“ ist in Brixen ein Ort entstanden, der Kindergarten und Kindertagesstätte unter einem Dach vereint – zeitgemäß, nachhaltig und ganz auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten. Die moderne Bildungseinrichtung setzt neue Maßstäbe in der frühkindlichen Betreuung und bietet Raum zum Entdecken, Lernen und Wohlfühlen.
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chon in der Planungsphase des Projekts setzte die Stadt Brixen auf eine intensive Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren. In einer interdisziplinären Arbeitsgruppe mit den Schulischen und Technischen Diensten der Gemeinde Brixen als Auftraggeber, dem Kindergartensprengel Brixen und der Planungsgruppe wurde das Konzept gemeinsam entwickelt. Im Fokus stand der Wunsch nach einem Gebäude, das funktional, nach-
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haltig und pädagogisch durchdacht ist – für Kinder im Kitaund Kindergartenalter gleichermaßen. Entworfen wurde das zweigeschossige Gebäude von einer temporären Arbeitsgemeinschaft unter dem Vorsitz des Studios feld72, die Bauleitung lag beim Baubüro Paul Psenner. Durchgeführt wurden die Arbeiten vom Unternehmen Unionbau gemeinsam mit Elektro Plaickner und Tip Top Fenster. Die Aushub- und
KINDERG ART E N UND KINDE RTAGE SSTÄT T E KLOST E RW I E SE I N BR I X E N
Bodenräumungsarbeiten übernahm die Firma Goller Bögel. Die Bauarbeiten begannen im Juni 2023 und dauerten circa ein Jahr. Da in dem Gebäude auch erstmals für die Gemeinde eine Kindertagesstätte geplant wurde, erfolgten die entsprechenden Planungsarbeiten im Rahmen eines landesweiten Pilotprojekts zur sogenannten „Co-progettazione“, bei dem Sozialträger frühzeitig in Planung und Umsetzung eingebunden wurden.
Fotos © Hertha Hurnaus
EIN H US VOLLER
Mit einem Investitionsvolumen von knapp 5,9 Millionen Euro wurde ein Meilenstein für die frühkindliche Bildung in Brixen gesetzt. Der Großteil der Finanzierung, über 4,1 Millionen Euro, stammt aus dem Wiederaufbau- und Resilienzplan (PNRR), der verbleibende Betrag wurde von der Gemeinde Brixen getragen. Das Projekt wurde nach dem europäischen DNSH-Prinzip (Do No Significant Harm) umgesetzt, das sicherstellt, dass keine wesentlichen Umweltschäden verursacht werden. Gebaut wurde in energieeffizienter KlimaHaus-AStandard-Bauweise mit Stahlbeton, 20 cm Mineralwolldämmung, Lärchenholzfenstern mit Dreifachverglasung sowie zentraler Lüftung, Bodenheizung und Fernwärmeanschluss. Regenwasser wird zur Bewässerung des Gartens wiederverwendet, und für den Innenausbau kamen zertifizierte, umweltfreundliche Materialien zum Einsatz. Auch energetisch überzeugt das Gebäude mit hoher Effizienz, gesundem Raumklima und nachhaltiger Wirkung. Ein weiterer Vorteil liegt in der durchdachten Erweiterungsmöglichkeit. Sollte der Bedarf steigen, kann die vorhandene Dachterrasse als zusätzlicher Ausbaubereich genutzt werden.
R ÄUME, DIE BEWEGEN – INNEN WIE AUSSEN Innen wie außen zeigt sich das Gebäude kindgerecht, hell und offen. Großzügige, lichtdurchflutete Räume fördern Konzentration und Bewegung zugleich. Verschiedene Themenräume wie Malraum, Bauraum, Kinderküche oder ruhige Rückzugsorte ermöglichen es den Kindern, eigene Interessen zu entdecken und in ihrem Tempo zu lernen. Im Außenbereich erwartet die Kinder ein weitläu figer Garten mit Sinnespfad, abwechslungsreichen Spielbereichen und viel Platz für Bewegung und Naturerfahrung. Ein echtes Highlight ist die Go-Kart-Bahn auf der Dachterrasse – sie verbindet Spiel, Sport und Spaß auf kreative Weise.
Foto © Vilma Pflaum Photography
ARCHITEKTUR TRIFFT ZUKUNFT
feld72 Die Arbeit von feld72 bewegt sich an der Schnittstelle von Architektur, angewandtem Urbanismus und Kunst. feld72 hat zahlreiche Projekte diverser Größenordnung im nationalen und internationalen Kontext umgesetzt, die von Masterplänen über Gebäude, städtebaulichen Studien, Raum- und Ausstellungsgestaltungen bis hin zu urbanen Strategien und großflächigen Interventionen im öffentlichen Raum reichen. Die vielfach ausgezeichneten Arbeiten zeichnen sich durch einen sozial verantwortlichen, innovativen und nachhaltigen Zugang zu Themen der Architektur und des Urbanismus aus. Potentiale von Orten und (sozialen) Räumen aufzuspüren und zu verstärken ist ein Grundelement der Projekte von feld72. www.feld72.at
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GAST
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ARCHITEKTUR IST BEST ND
Der spannendste Aspekt von Architektur zeigt sich immer dann, wenn sie den Dialog mit dem Bestand sucht – wenn sie sich nicht als kontextloses Objekt versteht, sondern als Baustein des öffentlichen Raums.
D
ie europäische Stadt nimmt in der Weltgeschichte eine einzigartige Stellung ein. Sie ist ein Sammelwerk unterschiedlichster kultureller Einflüsse – ein lebendiges Archiv. Die älteste Stadt Europas, Plovdiv im heutigen Bulgarien, ist über 8000 Jahre alt. Noch heute verfügt sie über ein römisches Amphitheater, das in den 1970er-Jahren wiederentdeckt, behutsam restauriert und seiner ursprünglichen Funktion als Bühne für Konzerte und Auffüh-
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rungen zurückgegeben wurde. Diese Wiederverwendung ist kein Zufall: Sie beruht auf einem typologischen Denken, das es ermöglicht, Gebäude über Jahrtausende hinweg weiterzunutzen. Antike Baukunst zeichnete sich durch präzise Vorstellungen über die Funktion und Form von Architektur aus. Es gab klare Typologien – Tempel, Theater, Wohnhäuser, Thermen, Monumente. Bemerkenswert ist, dass diese Bauten, obwohl längst nicht mehr „zeit-
VON ARCH. ACHIM REIFER gemäß“, nichts von ihrer kultu rellen und ästhetischen Kraft verloren haben. Selbst als Ruinen wirken sie harmonisch und schön. Sie prägen weiterhin den Stadtraum durch ihre topografische und räumliche Präsenz. Der britische Architekt John Soane ließ 1830 sein Gebäude für die Bank of England bewusst als Ruine darstellen – aus Bewunderung für die Ästhetik der Antike und einer wohl romantischen Vision von Vergänglichkeit. Ein Beispiel für dieses Denken findet sich im römischen Theater von Verona (San Pietro): Der Zuschauerraum lehnt sich in den Hang, die Bühne öffnet sich zur Stadt, und die Etsch bildet die natürliche Grenze zum neueren Stadtteil. Hier wird Topografie zu Architektur. Diese starken typologischen Überzeugungen erlaubten es, mit denselben Prinzipien an verschiedenen Orten zu bauen – jenseits des Genius Loci, also dem genialen Ort. So entstand die europäische Stadt, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert wurde: im Mittelalter, in der Renaissance, im Klassizismus, aber auch im Faschismus, dessen autoritäre Wurzeln sich jedoch auch in der Architektur nicht verbergen ließen.
WA S H AT D A S M I T SÜDTIROL ZU TUN? Auch unsere Provinz ist reich an historischen Schichten, entstanden aus ihrer Rolle als Durchzugsgebiet und kultureller Kreuzungspunkt. Wenn wir heute über Bauen im Bestand in Südtirol sprechen, müssen wir dies mit einem Bewusstsein für die Geschichte tun: Welche Spuren
haben Römer, Mittelalter, Barock und Moderne hinterlassen? Und wie prägen sie unsere Identität? Nur durch dieses kritische Geschichtsbewusstsein können wir aktuelle Entwicklungen in Städtebau, Baukultur und Raumentwicklung angemessen beurteilen. Es geht darum, das Bewusstsein für den öffentlichen Raum zu stärken – für seine ausgleichende, gemeinschaftsstiftende und kulturelle Bedeutung. Erst dann gelingt es, Architektur jenseits oberflächlicher Kategorien wie „schön“ oder „nicht schön“ zu verstehen. Denn: Ist ein formal schönes Gebäude am falschen Ort wirklich ein wertvoller Beitrag zur Gesellschaft? Nach welchen Kriterien bemessen wir die Qualität von Architektur?
W I E B A U T M A N I M B E S TA N D ? Der Schweizer Architekt Peter Zumthor sagte einmal, die wichtigste Aufgabe unserer Zeit sei es, im Bestand zu bauen und ihn in Folge weiterzuentwickeln. Das hat er vorbildlich in seinem Kolumba-Museum in Köln bewiesen, wo er auf den Resten einer im Zweiten Weltkrieg zerstörten
erhalten? Was dürfen wir neu interpretieren? Wie können wir Geschichte spannend und zeitgemäß erzählen? Gleichzeitig sollten wir uns der ökologischen und sozialen Verantwortung bewusst sein. Und das gilt vor allem für unser schönes Land, dem wir viel zumuten. Wenn wir weiterhin unreflektiert Flächen verbauen, zerstören wir die Schönheit unserer Landschaft – und mit ihr das soziale Gefüge. Architektur darf keine Ansammlung privater Rückzugsorte werden. Sie muss das Zentrum des kollektiven Lebens stärken: unsere Dörfer, unsere kleinen Städte, unsere öffentlichen Räume. Nur wenn diese Orte lebenswert, offen und kulturell durchdrungen bleiben, kann der öffentliche Raum auch künftig das sein, was er immer war – ein sozialer und identitätsstiftender Anker unserer Gesellschaft.
SCHLUSSGEDANKE Architektur im Bestand bedeutet, das Alte nicht zu bewahren, weil es alt ist, sondern weil es Träger von Bedeutung ist. Es geht nicht um Nostalgie – sondern um Verantwortung gegenüber der Zeit. Und Kreativität blüht dort auf, wo Vielfalt und kritische Reflexion einen Platz haben.
ACHIM REIFER Architekt, * 1986. Studium der Architektur an der TU Wien und an der Universität der Künste in Tokio. Diplom mit Auszeichnung bei Professor Will Alsop. 2016 Staatsprüfung an der IUAV in Venedig und eingeschrieben in der Kammer der Architekten von Bozen. Eigenes Studio „zerododici architecture“ in Brixen und Mailand.
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Foto © Jürgen Eheim
„Architektur sollte mit ihrem Umfeld in Beziehung treten und ein sprichwörtlicher Inkubator neuer Ideen und neuer Bewohnergruppen sein.“
spätgotischen Kirche ein neues Kunstmuseum errichtete. Die Reste der Kirche sind noch zu sehen, wurden aber sensibel in den neuen Baukörper integriert. Entstanden ist ein Bauwerk, dass die Geschichte der Zeit erzählt, ohne sie zu idealisieren. Man kann die Schichten sehen, jedoch ist die Funktion eine neue. Ein ähn licher Gedankenansatz wurde vor einigen Jahren auf der Biennale in Venedig aufgegriffen (14. Edition, Italienischer Pavillon). Das Thema waren sogenannte urbane Pfropfen, womit der Kurator und Architekt Cino Zucchi die neuen, modernen Bestandteile der alten Stadt bezeichnete. Gute Architektur im Bestand ist also der interessante Mix aus Alt und Neu, vereint in einem Tanz der Zeit. Ein Beispiel dafür ist die Torre Velasca des Architekturstudios BBPR, erbaut in den Jahren 1955 bis 1958. Kein Beispiel klassischer Schönheit, aber definitiv ein mutiges Konzept der Nachkriegsepoche. Die unteren Geschosse waren für Büronutzung gedacht, während die oberen Stockwerke des wie ein Pilz aussehenden Gebäudes private Wohnungen beherbergten. Gerade erst dieses Jahr wurde das Gebäude komplett erneuert und die Nutzung ist sehr ähnlich wie in der Vergangenheit. Das bedeutet also, dass das Konzept der Zeit standgehalten hat und eine Adaption in die Gegenwart relativ einfach möglich war. Wir müssen es also schaffen, das kulturelle Erbe der Vergangenheit in die Zukunft zu tragen. Ohne Nostalgie (die oftmals nur verfälscht und idealisiert) und ohne blinden Zukunftsglauben, der uns die feine Klinge nimmt, die gerade bei Bauten im Bestand nötig ist. Weil sonst verlieren wir die Geschichten, die in diesen Gebäuden eingeschrieben sind – und damit die Orte, die uns erzählen, woher wir kommen. Im Umgang mit dem Bestand geht es daher nicht darum, Altes zu konservieren oder Neues zu imitieren, sondern um das Wei tererzählen. Wir müssen uns als Architekt:innen fragen: Was können wir
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LEISER EINGRIFF GROSSE WIRKUNG
Alle Fotos © Jürgen Eheim
Im Herzen der Altstadt von Brixen wurde ein traditionsreiches Restaurant um einen kleinen, angrenzenden Raum erweitert – ein Eingriff von großer Zurückhaltung und handwerklicher Präzision. Das ursprüngliche Gebäude entstand 1444 nach einem verheerenden Brand.
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DIE ERWEITE RUNG DE S T RAUB E NWI RTS IN B R I X E N
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er Bauherr erwarb 2023 ein benachbartes Ladengeschäft unter den Kleinen Lauben an der Ecke zur Domgasse, um dieses in das bestehende Restaurant zu integrieren. Der neue Raum schließt unmittelbar an die historische Stube an. Ziel war es, die Typologie der traditionellen Stube zeitgenössisch zu interpretieren – ihre Atmosphäre von Wärme und Geborgenheit zu bewahren und zugleich eine neue Offenheit zu schaffen. Der Anschluss erforderte den behutsamen Durchbruch einer nahezu einen Meter starken, tragenden Mauer. Um eine angemessene Raumhöhe zu erzielen, wurde das Bodenniveau im neuen Bereich um etwa 50 Zentimeter abgesenkt. Der Übergang zwischen Alt und Neu wird sowohl formal als auch materiell präzise artikuliert: Eine massive Messingschwelle mit 4 Stufen fungiert als „metallischer Gürtel“, der die Passage markiert und die architektonische Intervention betont.
P R Ä Z I S I O N I M D E TA I L , AT M O S P H Ä R E I M R A U M Im neuen Raum finden 8 Tische Platz, entlang der umlaufenden Wände angeordnet und flexibel kombinierbar. Maßgefertigte Messingpendelleuchten, deren Position sich frei justieren lässt, bilden jeweils einen „gravitationalen“ Mittelpunkt über jeder Anordnung. Sie verbinden Funktion und Atmosphäre, schaffen Intimität und ermöglichen gleichzeitig variable Nutzungsszenarien. Eine getäfelte Wandverkleidung aus Nussbaumholz führt die Sprache der historischen Stube fort, rahmt die bestehenden Gewölbe ein und verbessert die Raumakustik. Eine große Fixverglasung öffnet den Raum zur Straße und wird zugleich zur Bühne für wechselnde zeitgenössische Kunst werke – ein bewusster Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart. Die Erweiterung zeigt, wie auf engstem Raum durch sorgfältige Detaillierung, hochwertige Materialien und räumliche Sensibilität eine starke architektonische Erfahrung entstehen kann. Ein Projekt, das die Kontinuität des Ortes wahrt – und seine Geschichte leise weiterschreibt.
Zerododici architecture (OXII) Zerododici architecture wurde 2012 in Tokio gegründet und betreibt heute Studios in Mailand und Brixen. Das Studio entstand aus der Idee, eine Architektursprache zu entwickeln, die westliche und asiatische Einflüsse miteinander verbindet. Der Grundstein dafür wurde während eines Studienjahres an der University of the Arts in Tokio gelegt – eine prägende Zeit, die Einblicke in unterschiedliche architektonische Herangehensweisen ermöglichte. Das Ziel war dabei nicht nur, neue formale Einflüsse aufzunehmen, sondern auch verbindende Werte zu entdecken. Dazu zählen der Fokus auf den menschlichen Maßstab, die Bedeutung natürlicher Materialien und des Lichts sowie eine tiefe Wertschätzung für Handwerkskunst und Detailgenauigkeit.
ERWEITERUNG TR AUBENWIRT Design: zerododici architecture, Arch. Achim Reifer Fertigstellung: 2024 Ort: Brixen, Italy Größe: ca. 55 m²
Architektur sollte in diesem Sinne nicht auf das Sichtbare reduziert werden. Sie kann eine tiefere Bedeutung tragen – eine, die verbindet und bindet. Welche Räume wollen wir bewohnen, und wie möchten wir uns in ihnen fühlen? Wie können wir Gebäude schaffen, die Bestand haben und von mehreren Generationen gelebt werden? Wie kann Architektur dazu beitragen, ein kollektives Wir neu zu denken?
Tischlerei.
REIF ER
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CUSTOM D I E E RW E I T E RU N G D E S T RAU BE N W I RTS I N BR I X EN
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HIER BIN ICH MENSCH Alltag heute: schnell, dicht, getaktet. Akustische digitale und visuelle Reizüberflutung, ständiger Blick auf die Uhr. Zu Hause ankommen, tief einatmen und entschleunigen. In einer Zeit, in der Geschwindigkeit zur Grundhaltung geworden ist, wächst das Bedürfnis nach Orten, die uns beruhigen. Slow Architecture schafft sie.
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ie Bewegung der Slow Architecture ist in Italien entstanden, beeinflusst von Slow Food. Langsamkeit im Sinne von Balance und Gleichgewicht. Zeit bewusst leben und bewusst einsetzen, Raum schaffen, der im Einklang steht mit dem Nutzer, mit Landschaft und Klima, langlebig und funktional, lokal und nachhaltig. Eine solche
Architektur entsteht aus Dialog. Sich gemeinsam klar darüber werden, welche tatsächlichen Bedürfnisse bestehen, welche Vorstellungen von Harmonie und Ästhetik. Verstehen, wie sich diese im Lauf der Zeit ändern können und im Vorhinein Änderungen mitbedenken. Dialog mit dem Ort. Lichtverhältnisse, Ensemble, Platz. Respektvolle
Wiederverwertung und Einbeziehung von Bestehendem. Dialog mit den Materialien. Holz, Naturstein, Ziegel. Materialien, die authentisch sind, und nachhaltig, die mit dem Altern weder an Funktion noch an Ästhetik verlieren, recycelte Materialien. Einbindung lokaler Handwerkskunst und -traditionen. Aber auch eine verantwortliche
Alle Fotos © Max Rommel
Holz, Landschaft, Leichtigkeit: Michele De Lucchis „Paradies der Weite“ fügt sich mit Holzschindeln, klaren Formen und aus Vaja-Sturmschäden gewonnenem Holz behutsam in die Wiesen des Zirmerhofs in Radein ein.
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SLOW ARC HI T ECT UR E
Nutzung neuer Technologien für eine effiziente Haustechnik im Interesse der Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion. All das braucht Zeit. Die Projektplanung wie eine Schwangerschaft, eine Zeit des Entstehens, des Wachsens, im Dialog: zwischen Architekt und Nutzer, mit Tradition und Natur, mit innovativen Technologien.
LEBENS-R ÄUME S TAT T W O W- E F F E K T Südtirol ist die ideale Bühne für eine solche Architektur, die langsam wächst, sich einfügt und keine Primadonna-Allüren hat. Es geht nicht um das Schaffen von Wow-Effekten, sondern von Lebensraum. Es geht nicht um die spektakuläre Geste oder den modischen (und vergänglichen) Trend, sondern um den Einklang, um das Einbetten in Natur, in Ensemble, in Ambiente. Um das Neubeleben und Ergänzen bestehender Strukturen, die ihre Geschichte tragen. Um das Schaffen von Strukturen, die selbst zu Geschichte werden, die mit uns wachsen und sich verändern. Das Äußere bedingt das Innere. In der Einrichtung setzt sich das Slow-Konzept fort. Wer im Alltag überreizt ist – und wer ist das heute nicht, braucht Räume zum Atmen. Das trifft in erster Linie natürlich auf den eigenen Wohnraum zu, aber auch auf Arbeitsräume ebenso wie auf Gast-Räume. Einrichtung und Gestaltung sind heute nicht mehr dem Zufall überlassen. Architektur und Innenarchitektur werden zum aktiven Beitrag für mentale Gesundheit. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Farben, Stoffe, Lichtverhältnisse. Raumaufteilung. Schaffung von Nischen für unterschiedliche Nutzung: Homeoffice, Meeting, Rendezvous, Feiern ... Es gilt, bewusst die Sinne anzusprechen und je nach Anlass auf sie einzuwirken. Im Prinzip bringt der neu geschöpfte Begriff Neuroarchitektur – Architektur, die die
„Wer im Alltag überreizt ist – und wer ist das heute nicht, braucht Räume zum Atmen.“
Sinne anspricht – nur das auf den Punkt, was unsere Vorfahren intuitiv angewendet haben. Reduzierung auf das Essenzielle. Weniger ist mehr. Klöster waren im Mittelalter ein Ort der stillen und gelebten Einfachheit, die Zellen schlicht, um Ablenkung zu vermeiden. Auch heute brauchen wir Schlichtheit, um uns innerlich zur Ruhe zu bringen. Das gilt für ein Hotelzimmer ebenso wie für mein Zuhause. Weniger ist mehr heißt dabei nicht Leere, wohl aber Frei-Raum. Heißt nicht Monotonie, aber wohltuendes Zurücknehmen, In-Einklang-Bringen. Nicht Reizüberflutung, sondern gezieltes Ansprechen der Sinne.
WENIGER IST MEHR HEISST NICHT LEERE Hierbei kommen Elemente wie Lampen, Stoffe und Materialien, Farben und Formen ins Spiel. Ein beruhigender Raum muss auch das Auge beruhigen. Alle Dinge an ihrem Platz, keine
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Foto © Max Rommel
„Weniger ist mehr, aber das Wenige entspricht uns. Und spricht zu uns.“
Unordnung, kein „Zu-Viel“. Interior Designer empfehlen 5 bis 7 Lichtquellen in einem Raum. Indirektes Licht, warmes oder funktionelles Licht. Angepasst an den Gebrauch. Leseecke, Wohnzimmer, Küche, Schlafzimmer … Die Verwendung von Materialien, die die Akustik verbessern. Haptik. Teppiche, Vorhänge, Kissenbezüge aus Samt statt aus Kunststoff oder Seide. Oberflächen, die zum Berühren einladen. Warm und matt statt Hochglanz. Bequeme Sitzmöbel, Multifunktionsmöbel wie Regale, die als Bank dienen können, mobile Raumteiler. Platz zum „Snoezelen“ (Kuscheln), für Yoga, Meditation, zum Spielen, Arbeiten und zum Sichbegegnen. Das müssen nicht eigene Räume sein, in einem „Frei-Raum“ können Ecken neu interpretiert werden, solche Orte auch spontan entstehen. Eine Bank, ein paar Kissen, Platz für eine Matte. Es braucht nicht viel, um dieses Konzept auch im eigenen Heim umzusetzen, keine Extra-Räume, keine teuren Designermöbel. Slow Architecture heißt, auch 16
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bestehenden Dingen neues Leben geben. Einen alten Schrank, Leinen- und Lodenstoffe der Großmutter, altes Holz. Sorgsam die Farben auswählen. Blau beruhigt, Rot-Orange-Töne beleben, Grün vereint mit der Natur. Naturfarben entspannen. Individuelle Gestaltung mit ausgesuchten Gegenständen, die sich nicht aufdrängen. Weniger ist mehr, aber das Wenige entspricht uns. Und spricht zu uns.
NEUES LEBEN NACH DEM STURM Die Verwendung von Materialien, die zu uns sprechen, die eine Verbindung zum Draußen, zur Tradition, zum Umfeld darstellen, ist ein wichtiger Teil des Konzepts Slow. In Südtirol ist das vor allem Holz. Der Stararchitekt Michele De Lucchi hat 2019/20 vor dem historischen Zirmerhof in Radein zwei Häuser in die Wiese gebaut – so auch der Name dieses Projekts, die dieses Konzept zur Gänze wider-
spiegeln. Paradies der Weite hat er sie genannt. Sie sind nicht nur perfekt an das Ambiente angepasst, unaufdringlich, aus Holz, mit Holzschindeln, Fenstern, die die Landschaft ebenso wie das Licht aufnehmen. Errichtet wurden sie aus dem Bruch-Holz des Sturmtiefs Vaia, dem 2018 auch am Zirmerhof unzählige Bäume zum Opfer gefallen sind. Ein neues Leben nach dem Sturm und Innenräume, die atmen lassen und verlangsamen. Was die äußere Architektur anreißt, setzt sich im Inneren fort. Alles aus Holz, Decke, Wände, Böden, auch die Möbel, gewölbte Balkendecken, Open Space mit Rückzugsräumen, ein ebenso ästhetischer wie einfacher und gemütlicher Minimalismus aus klaren Linien mit dezenten Dekoelementen, der den Geist beruhigt. Und das ist vielleicht der wichtigste Anspruch, dem Architektur und Interior Design in einer so frenetischen Welt in normalen Lebensumständen gerecht werden müssen. Frei-Räume schaffen.
Bergmeister-Ingenieure – Ingenieurskunst mit Vision Das Ingenieur- und Planungsbüro Bergmeister hat sich seit seiner Gründung zu einem führenden Akteur in den Bereichen Bauingenieurwesen, Infrastrukturplanung, Energietechnik und Innovation entwickelt – ein Erfolg, der nun mit einem großen Jubiläumsfest gefeiert wurde.
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Foto © Bea Hinteregger
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as Büro Bergmeister feierte am 2. Oktober im H1 Eventspace der Messe Bozen sein 35-jähriges Bestehen. Rund 500 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nahmen an der festlichen Veranstaltung teil, die mit Podiumsdiskussionen, einem Festvortrag und vielfältigen Möglichkeiten zum Netzwerken ein abwechslungsreiches Programm bot. Seit 1990 hat Bergmeister über 4.000 Projekte realisiert – von regionalen Infrastrukturmaßnahmen bis zu internationalen Großprojekten. Heute ist das Unternehmen an 7 Standorten vertreten: Vahrn, Bozen, Bruneck, München, Rosenheim, Wien und Zürich. Mit 17 Partnern und einem interdisziplinären Team aus 140 Mitarbeitenden deckt Bergmeister das gesamte Leistungsspektrum des Bauwesens ab. Die Expertise ist in Kompetenzzentren gebündelt, die gezielt auf die Herausforderungen moderner Bau- und Infrastrukturprojekte eingehen:
Gesellschafter der Bergmeister GmbH Hintere Reihe (v. l.): Walter Weis, Manfred Brugger, Hermann Leitner, Hansjörg Jocher, Josef Taferner, Hannes Fischnaller; vordere Reihe (v. l.): Marco Battisti, Michael Bergmeister, Konrad Bergmeister, Rudi Moroder, Matthias Gander
S T R AT E G I E 2 0 3 0 : D I G I TA L I S I E R U N G U N D N A C H H A LT I G K E I T Bergmeister setzt auf Digitalisierung, Nachhaltigkeit und internationale Vernetzung. Themen wie Building Information Modeling (BIM), Leichtbau und digitale Infrastruktur prägen die Zukunft des Bauwesens. Damit leistet das Unternehmen nicht nur einen Beitrag zur technischen Entwicklung, sondern auch zur Stärkung des Wirtschafts standorts Südtirol: Hoch qualifizierte Fachkräfte finden hier attraktive Perspektiven, ohne ins Ausland abwandern zu müssen.
E I N U N T E R N E H M E N M I T H A LT U N G
Foto © Oskar Da Riz
Bergmeister versteht sich als Schnittstelle zwischen akademischer Exzellenz und angewandter Ingenieurskunst. Mit intelligenten Lösungen, die Technik und Gestaltung vereinen, schafft das Büro Bauwerke, die nicht nur funktional, sondern auch architektonisch anspruchsvoll sind. Das Jubiläum war ein starkes Signal: 35 Jahre sind erst der Anfang – die Zukunft des Bauens beginnt jetzt.
Überdachung H1 Eventspace Messe Bozen Bergmeister war beim Bau der Überdachung verantwortlich für Tragwerksplanung, Planung der technischen Gebäudeausrüstung, Brandschutzplanung, Sicherheitskoordination.
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Fotos © Oskar da Riz
GEB UTE KINDER(T)RÄUME Der neue Kindergarten in Kiens setzt einen wichtigen baulichen Impuls für die Gemeinde. Der zweigeschossige Neubau ersetzt den alten Kindergarten, bietet Platz für zwei Gruppen und eine Kindertagesstätte für 20 Kinder – ergänzt durch ein integriertes Kinderrestaurant, das auch die benachbarte Grundschule versorgt. Der in warmen Rotbrauntönen gehaltene Holzbau fügt sich stimmig in den Ortskern ein und schafft eine sichere, freundliche Umgebung für die Jüngsten.
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er Kindergarten entstand auf dem Gelände des Vorgängerbaus – eingebettet zwischen Grundschule, Musikprobelokal und Vereinshaus. Durch die zentrale Lage ist er eng mit dem Dorfleben verbunden. Eine zickzackförmige Rampe gleicht den Höhenunterschied zwischen Schulhof und Obergeschoss aus und schafft einen barrierefreien Zugang, der zugleich eine wichtige Verbindung zur oberen Dorfhälfte bildet.
D U R C H D A C H T E S R A U M KO N Z E P T Die Räume sind klar strukturiert und konsequent auf kindgerechte Abläufe ausgelegt. Im Erdgeschoss befinden sich Garderobe, Bewegungsraum sowie eine großzügige Eingangshalle als flexibler Treffpunkt. Das Kinderrestaurant ist separat zugänglich, sodass der Schulbetrieb ungestört bleibt; ein kleiner Kiosk verbindet Küche und Außenbereich. Im Obergeschoss öffnen sich Gruppenräume, Ateliers und die Kindertagesstätte zum Garten hin. Viel Tageslicht, 18
KINDER (T)RÄUME : VO N DE R I DE E Z UR R EAL I TÄT
kurze Wege und direkte Zugänge zu geschützten Außenflächen schaffen ein lernfreundl iches Umfeld.
ARCHITEKTUR MIT CHAR AKTER Das Erdgeschoss in Beton bildet das ro buste Fundament, darüber erhebt sich ein leicht wirkendes Obergeschoss in Holzbauweise mit Gründach. Große Fenster, ein interner Lichthof und natürliche
Materialien – Birke im Innenraum, geölte Böden, Massivholzmöbel – erzeugen eine warme, helle Atmosphäre. Die Fassadenfarbe knüpft an den Kirchturm und das benachbarte Vereinshaus an und verankert den Bau im Ortsbild.
wie Photovoltaik am Dach. Als PNRR-Projekt erfüllt er strenge Nachhaltigkeitskriterien. Besonderer Fokus lag auf dem Schutz vor Radon: Eine Kombination aus massiver Bodenplatte, Schaumglas und Radondichtungsbahn gewährleistet sicheren Betrieb.
N A C H H A LT I G K E I T UND SICHERHEIT
ARCHITEKTUR, DIE WIRKT
Der Neubau erfüllt Klimahausstandard A, wird über eine LuftWasser-Wärmepumpe beheizt und nutzt kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung so
Der Kindergarten Kiens verbindet Funktionalität, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden – ein Ort, der sich harmonisch ins Dorf einfügt und Kindern Raum zum Spielen, Lernen und Aufwachsen gibt.
Roland Baldi Architects Schon während des Studiums in Innsbruck, Österreich, war Roland Baldi als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros tätig und gründete 1994, nach Ablegen der Staatsprüfung in Venedig im selben Jahr, sein eigenes Büro Roland Baldi Architects in Bozen. Roland Baldi setzt sich nicht nur mit dem eigenen Büro für gute Architektur ein, sondern engagiert sich in diversen Arbeitsgruppen und Kommissionen. Roland Baldi überträgt den kulturellen Mix Südtirols auch auf sein Büro, wo er gerne mit Architekt:innen verschiedener Herkunft und Ausbildung in Projektteams zusammenarbeitet.
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GAST
INDUSTRIE CAMPUS 4.0
VON WOLFGANG MICHEL
Industrie 4.0 bezeichnet die Verschmelzung der realen mit der virtuellen Welt durch die Vernetzung von Maschinen, Produktionsprozessen und Informationssystemen. Disziplinen wie Maschinenbau, Logistik und Dienstleistungen kommunizieren auf eine neue, intelligente Weise miteinander.
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as Internet der Dinge (IoT) ist ein zentrales Element dieser Entwicklung und führt zu erheblichen Verbesserungen im industriellen Sektor: Produktionszyklen werden verkürzt, Kundenbedürfnisse fließen in Echtzeit in die Produktion ein und Wartungsarbeiten werden weitgehend automatisiert durchgeführt. Aufträge werden automatisch in der richtigen Reihenfolge abgewickelt, wodurch die Smart Factory entsteht. (DIN_Forschung & Innovation)
T R A N S F O R M AT I O N
Alle Fotos © Marcus Hassler
Die Industriearchitektur durchläuft eine stille, aber tiefgreifende Transforma tion. Produktionsstätten, Logistikzentren und Bürolandschaften sind längst keine voneinander isolierten Funktionsinseln mehr. Unternehmen gestalten heute integrierte Lösungen, die operative Effizienz mit Markenidentität verbinden – Orte, welche die Voraussetzungen für Höchstleistungen schaffen und
zugleich die Werte eines Unternehmens sichtbar machen. Andererseits, als Reaktion auf Industrie 4.0, rücken Unternehmenskultur und „Soft-Facts“ wieder verstärkt in den Fokus neuer Bauaufgaben, ins besonders die soziale Nachhaltigkeit wird zum zentralen Leistungsmerkmal. Durch den demografischen Wandel, die Globalisierung und den hohen Bedarf an Spezialisten in unserer Wissensgesellschaft stehen Unternehmen heute im globalen Wettkampf „Fight for the Talent“. Der Industrie Campus 4.0 schafft zum einen hocheffiziente Orte für Arbeit, Produktion und Logistik und zum anderen Orte, welche die emotionale Ebene ansprechen. Orte, bei denen, als Gegenpol zur Digitalisierung und Robotisierung, der Mensch wieder eine zentrale Rolle einnimmt. Orte mit Seele und Sinnhaftigkeit. Zwei aktuelle Projekte der Michelgroup – der Mädler Campus und der Weleda Cradle Campus – stehen exemplarisch für die Transformation der Industriearchitektur.
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INDUSTR IE CAMP US 4 .0
„Ein Industrie-Campus muss heute weit mehr sein als Infrastruktur. Er ist Arbeitsplatz, Bühne für Menschen und Produkte und Markenbotschafter.“
Solarenergie sichern den Betrieb, und Zertifizierungen wie DGNB-Platin oder KfW 40/55 belegen die klimafreundliche Performance. Höhere initiale Investitionen für einen ganzheitlich innovativen Ansatz werden durch wirtschaftlich sinnvolle Amortisationszeiten möglich und schaffen einen Leuchtturm, der die Kultur der Marke Weleda sichtbar macht. Der Mädler Campus folgt einem anderen Ansatz: Eine kompakte Gebäudestruktur, mit gestapelten Funktionen, organisiert um grüne Höfe. Ein innovatives Konzept für die technische Gebäudeausrüstung garantiert einen Energie neutralen Gebäudebetrieb.
FA ZIT
Das Projekt Mädler Campus, als auch der Weleda Cradle Campus standen vor einer ähnlichen Aufgabe: Produktion, Logistik und Administration an einem Standort zu vereinen. Die Nähe der Funktionen erspart Transportwege und somit Emissionen, steigert die Effizienz und reduziert langfristig Kosten. Gleichzeitig verlangt dies eine präzise räumliche Choreografie: lärmintensive Logistik neben Büros, sichere und dennoch einladende Besucherwege, und ein innovatives Nachhaltigkeitskonzept, das nicht nur einzelnen Bereichen, sondern dem gesamten Campus dient. Beim Mädler Campus sind Logistik, Fertigung und Büroflächen um grüne Innenhöfe organisiert, welche die Natur des angrenzenden Grünraums ins Gebäude holen. Ein grünes Band vom Aussenraum, über das Forum, bis in die Höfe ist die Basis für Arbeitsplatz- und Aufenthaltsqualität. Der Weleda Cradle Campus trennt diese Funktionen in einzelne Baukörper, welche dann durch Brücken oder unter der Erde wieder verbunden werden. Dabei bleiben rund 80 % der Fläche als Grünraum erhalten.
UNSICHTBARE PROZESSE SICHTBAR MACHEN Transparenz als Grundlage für eine neue Arbeitswelt – architektonisch, operativ und ökologisch. Besucher erleben in beiden Campusprojekten Einblicke in Produktions- und Logistikabläufe über verglaste Fassaden, kontrollierte Wegeführungen und kuratierte Ausstellungsbereiche. Fertigung und Logistik wird so nicht länger als „Black Box“ empfunden, sondern als gelebte Demonstration technologischer Kompetenz und unternehmerischer Werte. Für Mitarbeitende entstehen Arbeitsumgebungen, die Tageslicht und Blickbezüge mit dem Kontakt zur Natur kombinieren – ein klarer Kontrast zu klassischen Industriegebäuden. Für Kunden, Partner oder die Öffentlichkeit werden Rundgänge zu einem Markenerlebnis.
INNOVATION AL S FUNDAMENT Der Weleda Cradle Campus zeigt, wie Innovation zum strukturellen Leitprinzip wird. Neben Beton und Stahl prägen Stampflehm und Holz die Konstruktion der Gebäude. Geothermie und
Ein Industrie-Campus muss heute weit mehr sein als Infrastruktur. Er ist Arbeitsplatz, Bühne für Menschen und Produkte und Markenbotschafter. Die Projekte Mädler und Weleda zeigen, wie ein moderner Campus wirtschaftliche Voraussetzungen und Markenauftritt verbindet – effizient, nachhaltig und unverwechselbar.
WOLFGANG MICHEL MICHELGROUP Seit der Gründung im Jahr 1969 hat sich die MICHELGROUP konstant weiterentwickelt und ihr Tätigkeitsfeld inhaltlich und geographisch erweitert. Unter der Leitung von Wolfgang Michel wurde ein höchst kompetentes und diverses Team aufgebaut, welches interdisziplinär denkt und handelt und auf die Herausforderungen unserer Zeit Antworten liefert. Die Weiterentwicklung dieses Teams und der MICHELGROUP haben für Wolfgang Michel oberste Priorität.
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Foto © MICHELGROUP
INTELLIGENT ORCHESTRIERT
Foto © Florian Jänicke
WO N TUR UND RCHITEKTUR VERSCHMELZEN Architektin Ulla Hell hat mit ihrem international tätigen Architekturbüro Plasma Studio der ehemaligen Seilbahnstation am Helm in Sexten neues Leben eingehaucht. Im Juni 2025 wurde das UpcyclingProjekt nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase fertiggestellt und dient heute als Bildungsund Begegnungsstätte. Benannt nach dem Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner, vermittelt das Gebäude Messners Visionen und bietet zugleich weitläufige Ausblicke auf die Dolomiten.
Foto © Florian Jänicke
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n rund 2.000 Metern Höhe verbindet das von Plasma Studio entworfene Reinhold Messner Haus kreative Architektur mit nachhaltigen Konzepten. Bei der Planung stand deshalb die Optimierung und Neu interpretation bestehender Bauteile im Vordergrund und jeder zusätzliche Eingriff wurde sorgfältig abgewogen. So blieb der historische und materielle Wert des ehemaligen Nutzbaus erhalten, der sich nun harmonisch in die natürliche Umgebung einfügt.
WENN MATERIALIEN MIT GESCHICHTE BEREICHERN Als Regenerationsprojekt verfolgte die Umgestaltung das Ziel, Ressourcen zu schonen und den infrastrukturellen Charakter zu bewahren. Beim Abriss zurückgewonnene Materialien kamen also erneut zum Einsatz: Das bestehende Tragwerk wurde lediglich verstärkt, das innen sichtbare Trapezblech ist noch die Originaleindeckung, die Außenhülle wurde gedämmt und ergänzt. Kratzer und Gebrauchsspuren im massiven Beton zeugen dabei von der früheren Nutzung.
AUSSICHT FÜR ALLE GESTALTEN Durch die Entfernung zahlreicher kleinerer Anbauten am Hauptvolumen der alten Station wurde im Rahmen der Neugestaltung Platz für ein großes, begehbares Dach geschaffen. Diese künstliche Landschaft beruhigt die Situation am Berghang und steht allen Wanderinnen und Wanderern als offene Ausblickplattform zur Verfügung. Im Gebäudeinneren sorgt ein Aufzug im Spannschacht dafür, dass sämtliche Stock werke des Reinhold Messner Hauses barrierefrei erreichbar sind. Um außerdem zuvor schwer erreichbare Ausstellungsräume im unteren Bereich des Hauses zugänglich zu machen, wurde durch Abbruchreste aus Ziegel und Beton eine inklusive Bodenlandschaft
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„Die umgestaltete Bergstation ist Reinhold Messners Interpretation der Bergwelt gew idmet und thematisiert Bergnatur, Kultur, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. “ geformt. Auf diese Weise wurde der Material transport auf ein Minimum reduziert, während notwendige Neuerungen energieeffizient und bedacht umgesetzt werden konnten.
LEHRREICHE ENTDECKUNGSREISE Besucherinnen und Besucher betreten das Reinhold Messner Haus durch eine in den Beton geformte Öffnung im Landschaftsdach, die in das darunterliegende Foyer führt. Von hier beginnt der Rundgang im 17 Meter hohen Gegengewichtsschacht, wo sich noch mechanische
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Foto © Florian Jänicke
Ulla Hell
Foto © Florian Jänicke
Nach dem Architekturstudium in Innsbruck und den Niederlanden schloss sich Ulla Hell im Jahr 2001 mit der Argentinierin Eva Castro und dem Deutschen Holger Kehne zum Architekturnetzwerk Plasma Studio zusammen. Seit mehr als 20 Jahren leitet Ulla Hell das Südtiroler Büro des Studios und realisiert Projekte im In- und Ausland. Aktuell bereichern zwei Bauvorhaben in Marokko das umfangreiche Portfolio des Netzwerks.
Originalelemente wie Rollen, Kabel und Zahnräder befinden, die an die frühere Funktion der Seilbahn station erinnern. Unter der früheren Kabinenplattform gelangt man im Anschluss über eine fließende Oberfläche aus Abrissmaterial zu einem Panoramabalkon. Den Höhepunkt stellt aber der ehemalige Ankunftsbereich der Seilbahnkabinen dar, der von einer trapezförmigen Glasfassade geprägt wird. Das geneigte Panoramafenster greift die ursprüngliche Stahlstruktur auf und gewährt gleichzeitig einen 180-Grad-Blick auf die Berge. Die Route setzt sich danach durch die Werkstätten und Lagerräume fort und mündet in einen Kinosaal, der ebenfalls für Vorträge genutzt wird. Über technische Räume werden Besuchende schließlich zurück zum Foyer geführt, womit sich der Rundgang abschließt.
EIN ORT FÜR ACHTSAMKEIT UND REFLEXION Die umgestaltete Bergstation ist Reinhold Messners Interpretation der Bergwelt gewidmet und Gewerbepark Business Zukunft J.-G.-Mahl StraßeBergnatur, 40 - 39031 Bruneck thematisiert Kultur, Nachhaltigkeit und 0474 555 169 Umweltschutz. Die einst für extreme Bedingungen info@kronlift.com ausgelegte Konstruktion soll besonders das Gleichgewicht zwischen menschlicher Präsenz und Natur unterstreichen und gleichzeitig neue Perspektiven auf den Alpentourismus eröffnen. Risiko, Langsamkeit, Stille und Nachhaltigkeit bilden zentrale Grundwerte, die das gesamte Ausstellungsnarrativ lenken. Begleitet von bunten Komponenten der Mechanik und in Szene gesetzten Aussichten tritt Messners Vermächtnis in Dialog mit der Natur und lädt zum Innehalten ein.
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B UEN IM EINKLANG
Foto © Elias Hassos
Wer den neuen Weleda Cradle Campus in Schwäbisch Gmünd im Osten BadenWürttembergs betritt, spürt sofort, dass auf den rund 72.000 Quadratmeter Fläche mehr als nur ein modernes Logistikzentrum entstanden ist. Das in der Herstellung von zertifizierter Naturkosmetik und anthroposophischen Arzneimitteln weltweit führende Unternehmen hat einen Ort geschaffen, an dem Wirtschaften, Natur und Architektur neu zusammengedacht werden.
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WEL EDA C RADL E CAMP US
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EIN CAMPUS, DER L A N D S C H A F T Z U R Ü C KG I B T Das gesamte Weleda-Gelände umfasst etwa 72.000 Quadratmeter, von denen aber nur rund 14.000 überbaut wurden. Die übrigen Flächen ließ man konsequent renaturieren – ein Kernelement der Cradle-to-Cradle-Philosophie. Die Außenanlagen sind zugleich ein Symbol für den ökologischen Anspruch des Projekts und ein echtes Highlight für Biodiversität: Streuobstwiesen, Wildfrüchte, blühende Felder, heimische Hecken, Kräuterstreifen und weitläufige Staudenbänder schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel und sorgen dafür, dass der Wasserverbrauch so gering wie möglich bleibt. Dieser landschaftliche Rahmen prägt den Campus ebenso stark wie seine Architektur. Das Ensemble besteht aus 3 Gebäuden: einem modernen Verwaltungsbau (780 Quadratmeter), einem umfangreichen Funktionsgebäude (11.000 Quadratmeter) sowie dem innovativen, vollautomatisierten Hochregallager (3.200 Quadratmeter/96.000 Kubikmeter), das heute als logistisches Herzstück fungiert.
BAUSTOFFE AUS DER ERDE – U N D A U S D E M WA L D Der Cradle Campus zeigt, wie konsequent Materialkreisläufe schon im Bauprozess gestaltet werden können. Die bis zu 8 Meter hohen Stampflehmwände des Hochregallagers bestehen aus
Foto © MICHELGROUP
er im September 2024 eröffnete Campus, realisiert nach den Plänen der MICHELGROUP, markiert einen zentralen Schritt, die Weleda-Strategie „Wachstum im Einklang mit Mensch und Natur“ auch baulich zu verankern. Die Entscheidung für den Neubau hat eine klare Vorgeschichte: Durch das stete, organische Wachstum der Weleda AG war in Schwäbisch Gmünd über die Jahre hinweg ein dezentrales Logistiknetzwerk gewachsen, das zunehmend komplexer wurde. Um Prozesse effizienter, transparenter und zugleich nachhaltiger zu gestalten, entschied sich das Unternehmen für einen neuen Standort im Industriegebiet Gügling Nord IV. Hier werden nun nationale und internationale Logistikströme gebündelt – in einem Ensemble, das Funktionalität, ökologische Verantwortung und architektonische Qualität miteinander verbindet. Dass der Cradle Campus bereits kurz nach Fertigstellung zu einem viel beachteten Vorzeigeprojekt wurde, belegen zahlreiche Auszeichnungen: der Polis Award 2024 für „Ökologische Wirksamkeit“, die Iconic Awards 2024 – Best of Best, der Lehmbaupreis Baden-Württemberg 2024 sowie das DGNB-PlatinVorzertifikat. Zudem erhielt das Projekt den renommierten International Architecture Award in der Kategorie „Industrial“ und zuletzt den Projektentwicklerpreis „Building Future Award“ sowie den Heinze-Architektur-Award für das „beste Projekt“ im Bereich Industrie- und Gewerbebauten.
W E L E DA CRA D L E CA M P US
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Foto © Elias Hassos
dem Aushub des eigenen Baugrundes – ein regionaler Baustoff mit außergewöhnlichen bauphysikalischen Vorteilen. Lehm speichert Feuchtigkeit, stabilisiert die Temperatur und wirkt wie ein natürlicher Klimapuffer. So lassen sich selbst temperatursensible Arzneimittel weitgehend ohne energieintensive Klimatechnik lagern. Das zweite zentrale Material ist Holz: Fichte und Weißtanne aus süddeutschen Wäldern bilden das Tragwerk, die Fassaden und die insgesamt 17.200 Palettenplätze des Hochregallagers. Allein die Konstruktion des Regals aus Holz bindet dauerhaft mehr als 2.500 Tonnen Kohlenstoffdioxid, kurz CO2. Ergänzt wird dies in der Fassadenkonstruktion durch Holzfaserdämmplatten („Gutex Pyroresist wall“, 60 Millimeter), die hohen Anforderungen an Wärme-, Feuchtigkeits- und Brandschutz gerecht werden.
ENERGIE, DIE DER CAMPUS SELBST ER ZEUGT
Foto © Marcus Hassler
Die Konstruktion des Regals aus Holz bindet dauerhaft mehr als 2.500 Tonnen Kohlenstoffdioxid.
Auch energetisch setzt der Cradle Campus neue Standards. 10.000 Quadratmeter Photovoltaik flächen auf Dächern und Fassaden erzeugen den benötigten Strom vollständig regenerativ. Geothermie stabilisiert das Temperaturniveau zusätzlich. Ein ausgeklügeltes Monitoring- und Lüftungs system nutzt die thermische Masse des Lehms, natürliche Luftströmungen und die Bewegungsenergie im Lager, sodass das gesamte Gebäude ohne konventionelle Klimatechnik auskommt – ein Meilenstein für industrielle Logistikbauten.
Foto © Marcus Hassler
W I R T S C H A F T L I C H U N D Z U K U N F T S FÄ H I G Mit einem Investitionsvolumen von 90 Millionen Euro handelt es sich um die größte bauliche Einzelinvestition in der Geschichte von Weleda. Die höheren Initialkosten von 20 bis 30 Prozent gegenüber konventionellen Industriegebäuden zahlen sich langfristig aus: durch geringere Energiekosten, höhere Materialbeständigkeit, Kreislauffähigkeit und durch eine deutlich reduzierte Umweltbelastung. Der Campus ist damit ein Beispiel dafür, wie sich unternehmerische Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft gegenseitig stärken.
ARCHITEKTUR, DIE MENSCHEN EINBEZIEHT
10.000 Quadratmeter Photovoltaikflächen auf Dächern und Fassaden erzeugen den benötigten Strom.
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WELEDA C RA DL E CAMP US
Weleda hat den Campus nicht als reines Funktionsareal gedacht. Mitarbeitende wurden frühzeitig eingebunden und haben aktiv an der Gestaltung ihrer künftigen Arbeitsumgebung mitgewirkt. So entstanden Räume, die sowohl funktional als auch atmosphärisch wirken: helle Arbeitsplätze, klare Wegeführungen, viele Blickbeziehungen in die
Foto © MICHELGROUP
„Mit dem Weleda Cradle Campus leisten wir einen konkreten Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und Klimaneutralität. Stampflehm, Holz und Photovoltaik bilden eine neue Form ehrlicher, langlebiger Architektur.“ N I CO SA N T UA R I O Architekturbüro MICHELGROUP
renaturierten Außenflächen sowie Orte der Ruhe und des Austauschs. Der Campus schafft eine Umgebung, in der moderne Arbeits- und Wohlfühlkultur eng zusammenwirken.
S TA M P F L E H M – D A S M AT E R I A L D E R Z U K U N F T ? Die größte Innovation – architektonisch gesehen – sind laut Santuario zweifelsohne die Stampflehmwände der Lagerhalle. „Bei uns ist er völlig in Vergessenheit geraten, dabei ist Lehm einer der ältesten Baustoffe. Und ein Drittel der Menschheit lebt immer noch in Häusern aus Lehm“, betont der Architekt und schwärmt von den bauphysikalischen Eigenschaften dieses natürlichen Baustoffs, „Lehm wirkt feuchtigkeitsregulierend, gleicht Temperaturschwankungen aus, ist stabil und vielfach mit vor Ort vorhandenen Rohstoffen herzustellen.“ Er selbst habe das erste Mal mit diesem Material gearbeitet und sei dann auf Anhieb erfolgreich gewesen: „Jeder Boden ist anders, also war die größte Herausforderung, die richtige Mischung zu finden, sodass die Lehmwand stabil wird und die Eigenschaften bekommt, die sie so besonders machen.“ Beim Projektieren und Errichten des Hochregal lagers lag „die größte Herausforderung in der
Nico Santuario Architekt Nico Santuario leitet den Bereich Architektur am Standort Ulm der MICHELGROUP. Er verantwortet die erfolgreiche Umsetzung von Projekten von der Entwicklung bis zur Realisierung und unterstützt zudem die New-Business-Aktivitäten im Architektursektor. Durch Zuhören, Flexibilität und langjährige Erfahrung schafft er Vertrauen bei Kunden und Partnern. Im Büro fördert er Mitarbeitende, strukturiert Teams und steuert die Kommunikation zwischen Auftraggebern, Investoren und weiteren Beteiligten. Mit knapp 30 Jahren Erfahrung als Generalplaner und Architekt verfügt er über eine umfassende Expertise in verschiedensten Bauprojekten, einschließlich Nachhaltigkeitszertifizierungen. Er studierte Architektur in Weimar und Mailand.
Materialkombination von Beton, Lehm und Holz, da alle Materialien ihre eigenen besonderen Eigenschaften besitzen und dennoch zusammen mit dem Holzregal ein statisch zusammenhängendes Bauwerk bilden“, erklärt Nico Santuario, „der Schwerpunkt lag aber sicherlich in der Herstellung der tragenden Stampflehmwand, in einer noch nie gebauten Dimension und Kombination“.
EIN MODELL FÜR DIE INDUSTRIE VON MORGEN Die MICHELGROUP zeigt mit dem Weleda Cradle Campus, wie moderne Industriearchitektur aussehen kann, wenn ökologische und ökonomische Ziele nicht gegeneinander ausgespielt werden. Der Campus ist ein Ort, an dem Produktion, Logistik, Landschaft und Mensch nicht getrennt voneinander existieren, sondern als zusammenhängendes System funktionieren. Diese Industrieanlage ist ein Bauwerk, das nicht nur ausgezeichnet wurde – sondern richtungsweisend bleibt. „Das Grundstück hat nach der Bebauung eine viel größere Biodiversität als vorher. Früher war es ein Acker – und nun ist es ein schöner Lebensraum für alle möglichen Tierarten und die Menschen“, betont der Experte. W E L E DA CRA D L E CA M P U S
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Foto © Jürgen Eheim
RCHITEKTUR, DIE WERTE SICHTBAR MACHT Mitten im Gewerbegebiet Bruneck West befindet sich der Firmensitz eines Unternehmens, das seit über drei Jahrzehnten für Sicherheit, Präzision und Innovation steht: Fireservice. Mit der jüngsten Erweiterung hat sich die Firma den aktuellen Anforderungen angepasst und ihr Leistungsspektrum modernisiert.
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PAG INA
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eit fast 25 Jahren ist Fireservice im Gewerbegebiet Bruneck West beheimatet: Das Unternehmen bietet ein breites Spektrum an Sicherheitslösungen: Brandschutztüren, Feuerlöscher, Sicherheitskleidung und eine Vielzahl von Zubehörartikeln. Gleichzeitig nimmt der Wartungs- und Servicebereich eine Schlüsselrolle ein. Regelmäßige Inspektionen, Reparaturen und innovative Sicherheitslösungen sind nicht nur Routine – sie sind ein Versprechen an die Kunden, immer einen Schritt voraus zu sein. Ein jüngstes Highlight ist eine massive Betontür, die nun in Serie produziert werden soll – und damit die Notwendigkeit einer architektonischen Erweiterung auslöste.
KEIN NEUBAU In Südtirol ist Gewerbefläche bekanntlich knapp, deshalb entschied man sich, nicht neu zu bauen, sondern die bestehende Fireservice-Betriebshalle zu erweitern: und zwar in die Höhe. Eine zusätzliche Ebene entstand, das Gebäude wuchs eben in die Höhe, und auf diese Weise konnten zusätzliche Betriebsflächen geschaffen werden, ohne neue Flächenressourcen beanspruchen zu müssen. Parallel dazu wurde ein hochmodernes, vollautomatisches Lager verwirklicht – ein sichtbares Zeichen für die Innovationskraft von Fireservice. Das Gebäude erzählt also seine eigene Geschichte:
Hier trifft Alt auf Neu, Tradition auf Fortschritt. Die ursprüngliche Halle ist sichtbar geblieben, nichts wird versteckt. Im Gegenteil: Der alte Baukörper bildet die solide Basis, auf der sich neue Ideen entfalten können. Das Prinzip „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ wird hier buchstäblich erlebbar.
B E I T R A G Z U M U M W E LT S C H U T Z Nachhaltigkeit ist ein bedeutender Teil der Unternehmens-DNA von Fireservice: Deshalb wurde das neue Dach extensiv begrünt, und zuvor versiegelte Flächen hat man in kleine grüne Oasen verwandelt. Zudem liefert eine Photovoltaikanlage an der Südfassade des Firmensitzes sauberen Strom. Und Dämmmaßnahmen reduzieren Energieverluste – ein bewusster Beitrag zur CO2-Reduktion. Selbst die neue Architektur von Lukas Mayr ist hybrid: Denn die bestehenden Betonstützen tragen nun moderne Hohldielendecken, während die Fassade in leichter Holzrahmenbauweise ausgeführt und mit hinterlüfteten Aluminiumpaneelen verkleidet ist, die Licht und Farbe der Umgebung aufnehmen und reflektieren. Die Wirkung ist unmittelbar spürbar: Wer vom begrünten Dach in die Landschaft blickt, fühlt sich mitten in der Natur, obwohl er sich inmitten eines Gewerbegebiets befindet. Die Fassade changiert mit den Jahreszeiten, fängt das Sonnenlicht ein, spielt mit Schatten und Spiegelungen.
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Fotos © Jürgen Eheim
1 1 Die neue Halle mit dem automatischen Regal (im Hintergrund ist die Kontur der bestehenden Halle sichtbar) 2 Der Dachgarten: im Gewerbegebiet doch fast wie mitten in der Natur 3 Bonus: ein gemütlicher Auf enthaltsraum 4 Die neue Erweiterung im Kontext
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H A I D A C H E R Wir möchten uns ganz herzlich bei der Firma Fireservice für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken und wünschen Ihnen für die Zukunft viel Erfolg.
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Das Gebäude wird so selbst zu einem Erlebnis, zu einem Statement für die Werte von Fireservice: Dynamik, Sicherheit, Fortschritt und eben Nachhaltigkeit.
B E S TÄ N D I G K E I T U N D I N N O VAT I O N Die Erweiterung zeigt, dass Fireservice nicht stehen bleibt, sondern sich den heutigen Anforderungen aktiv stellt: steigende Produktionsmengen, moderne Logistiklösungen und innovative Technologien. Das automatische Lager ist nicht nur funktional, es ist ein Symbol für die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Gleichzeitig wird die Geschichte des Standorts sichtbar: Die Verbindung von Alt und Neu sowie von Beständigkeit und Innovation macht das Gebäude zu einem lebendigen Ausdruck der Unternehmensidentität von Fireservice. Fireservice zeigt mit diesem Umbau, dass wirtschaft licher Erfolg, architektonische Qualität und ökologische Verantwortung kein Widerspruch sind. Das Gebäude ist nun mehr als nur ein Firmensitz: Es ist ein Sinnbild für die Philosophie des Pusterer Unternehmens, das sich konsequent weiterentwickelt und gleichzeitig fest auf seinen Werten steht – sicher, stabil und bereit für die Zukunft.
Foto © Katharina Bohm
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Lukas Mayr Geboren 1973 in Bruneck, Archi tekturstudium mit Auszeichnung an der Universität Innsbruck. Lebt und arbeitet in Percha und Innsbruck. Ausgezeichnet mit dem Euregio-Baukulturpreis 2025. Seine Architektur zeichnet sich durch einen eigenständigen Zugang zu jeder Aufgabe aus. Jedes Projekt beginnt „befreit“ und sucht nach einer zeitgemäßen Zeitlosigkeit mit unkonventionellen Ansätzen. Im Mittelpunkt stehen das Erleben von Raum, atmosphärischer Dichte, Materialkraft und Licht sowie die Berücksichtigung gesellschaftlicher Zusammenhänge.
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VON ARCH. L U K A S M AY R
Foto © Lukas Mayr
Foto © René Riller
BAUKULTUR VERSUS F KE
In einer Zeit, in der Trends immer schneller wechseln, orientiert sich das Bauen zunehmend an der Frage, was gerade „modern“ erscheint. Bilder bestimmen, was als gelungen gilt – Bilder, die von der Bauindustrie, trendbewussten Influencern und manchmal auch von Architekt:innen produziert und unkritisch reproduziert werden.
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abei gerät leicht in Vergessenheit, dass Gebäude nicht für eine Saison entstehen, sondern für Generationen. Sie prägen Landschaften, Straßenräume und Orte weit über den Moment hinaus, in dem ein Trend schon wieder durch den nächsten ersetzt wurde.
Ü B E R A L L FA K E S : FA L S C H E H O L Z S T R E B E N , KÜNSTLICHES MAUERWERK, FLIESEN IN HOL ZOPTIK Über Jahrhunderte folgte die Baukultur in Südtirol klaren, gelebten Selbstverständlichkeiten. Sie ergaben sich aus 34
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der täglichen Arbeit der Bauern, den klimatischen Bedingungen, der Topografie und den verfügbaren Ressourcen. Gebäude wurden ohne große Erdbewegungen in das Gelände gesetzt. Materialien erfüllten reale Funktionen: Ein Stadel war aus Holz, weil es tragfähig, reparierbar und atmungsaktiv ist; diagonale Streben waren dort, wo sie statisch notwendig waren. Heute hingegen begegnen uns zunehmend Konstruktionen, die nur so tun, als wären sie welche. In Hotelbauten finden sich dekorative Holzstreben, die keine Last tragen – reine Kulisse. Fassaden werden mit dünnen Platten verkleidet, die echten Stein imitieren sollen, jedoch weder dessen Anmutung noch dessen Tiefe besitzen. Solche Elemente
R E S P E K T V O R D E M B E S TA N D. E H R L I C H E M AT E R I A L I E N . REDUKTION AUF DAS WESENTLICHE. Baukultur entsteht dort, wo der Bestand nicht als Last, sondern als Ressource verstanden wird. Nicht das Löschen der Vergangenheit schafft Qualität, sondern ihr Weiterdenken. Gerade im
Weiterbauen alltäglicher, unscheinbarer Strukturen liegt enormes Potenzial – vorausgesetzt, man nähert sich ihnen mit Respekt statt mit dekorativem Aktionismus. In unserem Architekturbüro setzen wir daher bewusst auf Transformation statt Abriss. Wir analysieren, was ein Gebäude kann, was es erzählt, und wie man es durch präzise Eingriffe bereichern kann: räumlich, funktional und atmosphärisch. Es entsteht eine qualitative Entwicklung, die vom Dialog zwischen Bauherrschaft, Handwerk und Planung getragen wird. Weniger kurzlebiger Dekor und mehr Auseinandersetzung mit Materialehrlichkeit, Innovation und Handwerkskultur könnten ein Weg zurück zu echter Qualität sein. Holz darf Holz bleiben, Beton Beton – und eine Fliese muss sich nicht als etwas anderes verkleiden. Ein Hotel darf Hotel sein, ein Bauernhaus Bauernhaus. Identität entsteht nicht durch Imitation, sondern durch Klarheit. Echte Baukultur entsteht nicht durch das Kopieren von Bildern, sondern durch Haltung.
LUK A S M AY R 1973 in Bruneck geboren. Architekturstudium mit Auszeichnung an der Universität Innsbruck. Lebt und arbeitet in Percha und Innsbruck. Ausgezeichnet mit dem Euregio-Baukulturpreis 2025.Seine Architektur zeichnet sich durch einen eigenständigen Zugang zu jeder Aufgabe aus. Jedes Projekt beginnt „befreit“ und sucht nach einer zeitgemäßen Zeitlosigkeit mit unkonventionellen Ansätzen. Im Mittelpunkt stehen das Erleben von Raum, atmosphärischer Dichte, Materialkraft und Licht sowie die Berücksichtigung gesellschaftlicher Zusammenhänge. Mayr interessieren architektonische Elemente, das Konstruieren, das Komponieren, die Kraft des Materials und das Licht. Seine Haltung zur Baukultur ist geprägt von Respekt gegenüber dem Bestehenden.
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Foto © Katharina Bohm
folgen keinen logischen, handwerklichen oder konstruktiven Notwendigkeiten mehr. Sie folgen dem Dekor, nicht der Aufgabe. Besonders offensichtlich wird dieser Verlust an Echtheit bei Materialien wie Fliesen in Holzoptik. Sie sollen Wärme und Natürlichkeit ausstrahlen, doch sie bleiben kalte, hart reflektierende Oberflächen. Das Auge erkennt den Widerspruch, der Körper spürt ihn – und trotzdem gilt diese Art von Fake vielerorts als Standard. Es ist der Versuch, Atmosphäre zu erzeugen, ohne sich auf die Eigenschaften des Materials einzulassen.
Foto © Marion Lafogler
„In unseren Projekten setzen wir auf Transformation statt Abriss: Bestehende Strukturen werden analysiert, wertgeschätzt und durch präzise, zukunftsgerichtete Eingriffe funktional und atmosphärisch neu interpretiert.“
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Foto © Shutterstock
TITEL VARIABEL In Nordeuropa und im DACH-Raum haben Fassaden- und Dachbegrünungen lange Tradition. Während sie dort zur Wärmedämmung eingesetzt werden, sind sie in Südtirol vor allem für die Kühlung und das Regenwassermanagement interessant. Eines steht fest: Wer ökologisch (um)-bauen will, kommt an Gebäudebegrünungen nicht vorbei.
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KLEIN CLEVER MICRO-ARCHITECTURE
Wohnraum wird immer knapper – nicht nur in den Städten. Quadratmeterpreise steigen, Single-Haushalte nehmen zu, auch in Südtirol. Urbanisierung und Digitalisierung mit veränderten Arbeitsgewohnheiten sowie der demografische Wandel wirken sich auf die Wohnkultur aus. Klein ist fein – aus Not oder aus dem Wunsch, sich von Ballast zu befreien. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich im Hotelsektor: nicht wohnen, sondern nur schlafen; oder „back to nature“ und einfach leben. In diese Lücke stößt der Trend der Micro-Architecture.
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egonnen hat er in Japan und Amerika. In Japan mit den sogenannten Kapselhotels und den „one-room mansions“, Micro-Apartments in den dicht gedrängten Großstädten. In den USA mit den Tiny Houses auf Rädern – Ausdruck eines Freiheitsideals, des Wildwestgedankens oder einfach des Mangels an Geld. Tiny Houses, Cabins, MicroApartments oder Micro-Hotels: All diese Formate zeigen, dass eine kleine Grundfläche große Lebensqualität bieten kann. Je kleiner der Raum, desto intelligenter muss er geplant sein. „Small Living“ hat nicht unbedingt mit Verzicht zu tun. Es geht um räumliche Effizienz, ästhetische Verdichtung und ein neues Wohnerlebnis, das sich bewusst auf das Wesentliche konzentriert. Besonders für Menschen, die viel unterwegs sind oder temporäre Wohnformen suchen – Studierende, Pendler, junge Paare, Alleinlebende, gewinnt dieses Format an Attrak-
tivität. Aber auch für jene, die sich bewusst dem Konsum entziehen und aus ökologischem Bewusstsein nachhaltige Lebensformen anstreben.
KLEINE R ÄUME GANZ GROSS Wohn- und Architekturzeitschriften greifen das Thema „Tiny“ gern auf. Die Einrichtung eines Micro-Apartments oder eines Tiny House ist ebenso herausfordernd wie reizvoll. Kleine Räume brauchen nicht nur professionelle Planung für ein stimmiges Wohnkonzept, sondern auch maßgeschneiderte Lösungen, damit sie ganz groß rauskommen. Stichwort Multifunktionalität: modulare Systeme, eingebaute Stauraumelemente, bei hohen Decken auch vertikale Lösungen. Viele Möbelhersteller haben diese Nische erschlossen, und Tischler spezialisieren sich zunehmend auf Tiny-Einrichtungen. Der Arbeitsplatz verschwindet im
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Foto © Shutterstock
Tiny Houses entwickeln sich vom Trendobjekt zur echten Wohnform, kompakt, klug geplant und längst mehr als nur Rückzugsorte für Abenteuerlustige.
Schrank, das Bett in der Wand. Minimalismus fordert Disziplin; Ordnung ist oberstes Gebot, ebenso wie der Verzicht auf alles, was nicht notwendig ist. Spiegel verleihen Räumen Tiefe, Farben und Licht unterstützen die Raumwirkung. Tiny Houses sind längst nicht mehr nur Ferienhäuser oder Wohnalter nativen für Abenteurer, sondern zunehmend dauerhafte Wohnlösungen. In vielen Städten bieten sie die Möglichkeit, brachliegende Flächen oder Baulücken zu nutzen. Mancherorts entstehen Tiny Wohncluster, und eine stetig wachsende digitale Tiny Community zeigt das breite Interesse. Universitäten und Forschungsinstitute befassen sich intensiv mit der Frage, wie klimafreundlich und nachhaltig solche Wohnformen tatsächlich sind. Tiny ist Ausdruck einer Gesellschaft im Wandel, eines veränderten Bewusstseins – und einer Notwendigkeit. Klar ist: Es geht nicht um ein „Entweder-oder“ gegenüber traditionellem Wohnen, sondern um ein ergänzendes Modell. Gut geplante Mikroarchitektur kann verdichten,
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ohne zu erdrücken, und sowohl urbane als auch ländliche Räume beleben, statt sie weiter auszudehnen.
EIN NEUER HORIZONT IM TOURISMUS Auch der Tourismus hat Tiny entdeckt – als Versprechen eines reduz ierten und, je nach Standort, naturnahen Urlaubserlebnisses. Micro-Hotels, Tiny Suites oder Outdoor-Cabins ermöglichen in sensiblen Landschaften eine sanftere touristische Entwicklung. Architektinnen und Interior Designer müssen hier jeden Quadratzentimeter optimal nutzen und auf kleinstem Raum ein kleines Wunder an innovativer Effizienz, Ästhetik und Gemütlichkeit vollbringen – im Einklang mit dem Umfeld und unter Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien. Luxus ist keine Frage der Quadratmeter. Viele Urlauber suchen heute nicht mehr das „Wohnzimmer“, sondern tatsächlich nur einen Schlafraum –
Foto © Shutterstock
Kompakt, clever, komfortabel: Micro-Hotels mit Schlafkabinen zeigen, wie wenig Raum es braucht, um Reisenden maximale Ruhe und Privatsphäre zu bieten.
aber einen besonderen. Entsprechend sorgfältig müssen die Gemeinschaftsräume geplant sein, um Platz für unterschiedliche Bedürfnisse zu schaffen: Begegnung, Rückzug, Arbeit, Spiel und Leben. In einer digitalisierten, technikaffinen Welt wächst zugleich die Sehnsucht nach Einfachheit. Cabins bieten den Reiz individueller Rückzugsorte: alleinstehend, am Waldrand, auf einer Bergwiese oder in einem nicht urbanisierten Kontext. Minimalistisch eingerichtet, auf kleinstem Raum mit allem Wesentlichen ausgestattet, ermöglichen sie ein intensives Naturerlebnis. Entschleunigung stellt sich dort ganz selbstverständlich ein.
M I C R O -A R C H I T E C T U R E ALS HER AUSFORDERUNG Weniger Fläche braucht mehr architektonische Intelligenz: präzise Grundrisse, flexible Module, kluge Stauraumlösungen, hochwertige
Materialien – und all das im Einklang mit verschiedensten Vorschriften, vom Brandschutz über Energieauflagen bis hin zu barrierefreien Zugängen. Südtirols Rahmenbedingungen – strenge Landschaftsbildvorgaben, Denkmal- und Ensembleschutz, topografische Engstellen – verschärfen diese Anforderungen zusätzlich. Micro-Architecture muss hier nicht nur kompakt, sondern auch kontextspezifisch und einfühlsam sein. Genau darin liegt jedoch ihre Stärke: Sie zwingt zu Präzision und Sorgfalt, zu kreativen und innovativen Lösungen, die nicht auf Masse, sondern auf Qualität setzen. Micro-Architecture ist kein Nischenphänomen mehr, sondern eine reale Antwort auf steigende Wohnkosten, knappe Ressourcen und veränderte Lebensmodelle. Sie fordert Architektinnen und Architekten sowie Designerinnen und Designer heraus, Minimalismus nicht als Einschränkung, sondern als neues kreatives Spielfeld zu verstehen. Groß wird Wohnen dort, wo das Kleine meisterhaft geplant ist.
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EIN ZUHAUSE, D S DIE L NDSCH FT UM RMT Alle Fotos © Modunita architects SA
Wer das Münstertal kennt, weiß um seine stille Kraft – das Spiel aus Licht, Höhen und bäuerlicher Bautradition. Genau hier, in Taufers, steht das Haus Spiess: ein Neubau, der aus dem Geist des Ursprünglichen entstanden ist, ohne sich aufzudrängen. Es ist ein Einfamilienhaus, das Geschichte aufnimmt, indem es sie neu schreibt – modern, reduziert und doch tief verwurzelt in seiner Landschaft.
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uf dem Grundstück befanden sich einst ein Wohnhaus und ein landwirtschaftliches Gebäude. Doch ihr Zustand ließ keinen Erhalt mehr zu. Der komplette Abbruch war unumgänglich. Umso größer war anschließend der Anspruch, dass der Neubau an den alten Bestand erinnert, sich selbstverständlich in die Umgebung einfügt und zugleich ein zeitgemäßes Zuhause werden sollte. Die klare Ausrichtung der Hauptfassade – parallel zum Straßenzug und geöffnet nach Südosten – greift die historische Setzung auf. Das entscheidende Merkmal des neuen Baukörpers sind die Lärchenlatten, welche die Außenfassade strukturieren. Sie decken, schützen und öffnen zugleich. Holz, Form und Farbe lassen das Gebäude im Ortsgefüge fast selbstverständlich wirken. Während sie von außen blickdicht erscheinen, erlauben sie im Inneren einen nahezu freien Panoramablick über Taufers und das Tal. Auch energetisch ist die Fassade klug gestaltet: Im Winter dringt die Sonne tief in die Räume ein und wärmt sie, während im Sommer der Sonnenstand wie ein natürlicher Filter wirkt.
K L A R E S KO N Z E P T Der dreistöckige Bau folgt einem klaren Konzept – nämlich der Verbindung von Offenheit und Privatsphäre. Erschlossen wird das Haus über die bestehende Straße und das Erdgeschoss. Dort liegen Garderobe, Garage mit zwei Abstellplätzen, Technik-, Lager- und Abstellräume sowie eine Toilette; draußen ergänzen drei weitere Parkplätze das Ensemble. Eine geradlinige Treppe führt ins Obergeschoss – den privaten Rückzugsbereich mit drei Schlafzimmern, zwei Bädern und einem Balkon. Von hier aus gelangt man weiter ins Dachgeschoss, das unbestrittene Herz des Hauses. Offen, lichtdurchflutet und dennoch wohnlich bildet es den zentralen Lebensraum. Küche, Wohnzimmer, Toilette und eine großzügige Terrasse fügen sich 40
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hier zu einem atmosphärischen Ganzen. Die elegante Küche, ausgestattet mit allen technischen Feinheiten, wird durch eine integrierte „Speis“ ergänzt – zur Lagerung von Lebensmitteln und Küchengeräten. Und der große, rustikale Esstisch aus Massivholz lädt zum Zusammensein ein. Durch die Hanglage öffnet sich der Wohnbereich nach Norden ebenerdig ins Freie, während eine überdachte Westterrasse und ein Südbalkon zusätzliche Außenräume gestalten.
R E G I O N A L E M AT E R I A L I E N Für den Bau kamen ausschließlich hochwertige, natürliche Materialien zum Einsatz: massives Lärchen-, Fichten- und Zirbenholz, Marmor und Natursteinplatten aus Plima-Granit. Die Wohnräume erhielten naturbelassene Holzböden, die Außenbereiche Holzdielen aus Zirbenholz. Glatt verputzte Gipsflächen wechseln sich mit Sichtbeton ab, in dem die Struktur der Holzschalung weiterlebt und ein Spiel aus Licht und Haptik erzeugt. Alle Bedachungs- und Spenglerarbeiten wurden in Kupfer ausgeführt. Die Umsetzung lag in den Händen lokaler Unternehmen aus dem Vinschgau und dem Münstertal.
Martin Pinggera (l.) und Linard Andri
Modunita architects SA Seit 2019 steht das Architekturbüro MODUNITA architects SA aus Müstair/Schweiz für eine Architektur, die Tradition und Moderne vereint. Gegründet von Linard Andri, Martin Pinggera und Ivan Zangerle, wird das Büro seit 2023 von Andri und Pinggera weitergeführt. Mit starkem Bezug zur alpinen Baukultur entwerfen die Experten Wohnhäuser, Umbauten und Neubauten, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen. Linard Andri (* 1971), gebürtig aus Müstair, bringt handwerkliche Erfahrung und regionale Verwurzelung ein. Martin Pinggera (* 1988), ausgebildet an der Universität Innsbruck, ergänzt das Team mit analytischer Klarheit und zeitgenössischem Stil. Ihr Fokus liegt auf Nachhaltigkeit, Materialehrlichkeit und der behutsamen Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Mit Projekten wie dem Umbau historischer Ställe, modernen Einfamilienhäusern aus Lärchenholz, gemeinschaftlich genutzten Bauten prägt MODUNITA das architektonische Bild des Münstertals – dezent, aber kraftvoll.
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Alle Fotos © Oskar Da Riz
BEDÜRFNISORIENTIERT SCHÖNER WERKEN Das Sozialzentrum Trayah besteht aus 3 Baukörpern (Wohnhaus, Werkstatt und Bildungspark), die durch einen Laubengang zu einem zusammenhängenden Gebäudekomplex verbunden sind.
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n der geschützten Werkstatt werden Menschen mit Beeinträchtigung in 7 Arbeitsgruppen und einer Gruppe für Menschen mit schweren Beeinträchtigungen betreut. Im Sozialzentrum Trayah befinden sich eine Wäscherei, eine Kreativgruppe, eine Weberei, die Näherei, die Stickerei, eine Kerzengruppe und die sogenannte Projektgruppe. Die in den verschiedenen Arbeitsgruppen hergestellten Produkte werden ganzjährig im eigenen Laden verkauft.
DIE ERWEITERUNG DES SOZIALZENTRUMS IN BRUNECK Das Projekt für die Erweiterung und den Umbau des Werkstättentraktes des Sozialzentrums in Bruneck geht auf einen gewonnenen Wettbewerb zurück. Ziel war die Erweiterung des zu klein gewordenen Werkstattgebäudes und gleichzeitig die Lösung des Problems der Überhitzung der oberen Räume durch die bestehenden Oberlichter. Das bestehende Gebäude wurde bis zur Oberkante der Erdgeschossdecke abgebrochen und um 2 neue Geschosse erweitert. 42
Das Untergeschoss blieb unverändert, das Erdgeschoss wurde in seiner Aufteilung nur gering fügig verändert. Die vertikale Erschließung (Treppe und Aufzug) des Erdgeschosses blieb in ihrer Position erhalten und wurde somit bis in das neue zweite Obergeschoss geführt. Lage und Position der Sanitäranlagen des Erdgeschosses wurden nicht verändert, sondern umstrukturiert, saniert und bis in das zweite Obergeschoss übernommen. Diese Maßnahmen ermöglichten eine schnelle und kostengünstige Umsetzung der Bauarbeiten.
EIN NEUES ENSEMBLE-STÜCK : DIE PR Ä ZISE AUFSTOCKUNG DES WERKSTAT TGEBÄUDES Die Hauptaufgabe bestand darin, das neue Volumen so in den Bestand zu integrieren, dass die bestehende Abfolge der aneinandergereihten Gebäude des Ensembles des Sozialzentrums nicht unterbrochen wird. Daher wurde ein einfacher, von außen ablesbarer und verständlicher Baukörper in die „Baulücke“ eingefügt. Das leicht modifizierte und verdrehte Walmdach greift die Sprache
ERWEITERUN G DE S SOZIAL Z E NT RUMS I N B RU N ECK
des Bestandes auf, verbindet ihn und verleiht dem Gebäude einen eigenen Charakter, der durch die unterschiedlichen Fassadenflächen für die Betrachter sichtund wahrnehmbar ist. Um die statische Struktur des Bestandes nicht unnötig zu belasten und die Bauzeit so kurz wie möglich zu halten, wurde die Aufstockung in Leichtbauweise bzw. in Holzbauweise ausgeführt und der bestehende Raster des Erdgeschosses übernommen. Dementsprechend wurde auch die sichtbare Außenfassade in Holz ausgeführt, sodass die Wahl der Konstruktion und des Materials vor allem für die Nutzer ersichtlich ist. Umlaufende, teilweise übereck verlaufende Fensterbänder gliedern das Gebäude horizontal, reduzieren so optisch die Gebäudehöhe und lassen von außen die handwerklich genutzten Haupträume des „Werkstattgebäudes“ erkennen. Die Fenster im Bereich des Treppenhauses und der Sanitärräume werden durch jede zweite Lattung der Holzfassade überdeckt, sodass auch die sekundär genutzten Räume ausreichend Tageslicht erhalten. Die einheitliche äußere Textur der Fassade verleiht dem Objekt eine von Weitem ablesbare
Identität. Die Lage und Anordnung der Innenräume und Freiflächen wurde bewusst übersichtlich und für alle in den Werkstätten Tätigen ablesbar gestaltet. Den zentralen Bereich der einzelnen Geschosse des Gebäudes bildet jeweils ein großzügiger Freiraum, von dem aus alle anderen Nutzungen einsehbar sind. Das zweite Obergeschoss unterscheidet sich vom ersten Obergeschoss vor allem durch die Dachform, die auch im Inneren des Gebäudes ablesbar ist. Die außen liegende, minimalistische Fluchttreppe aus Stahl wurde bewusst als eigenständiges Objekt an den neuen Baukörper bzw. an jedes einzelne Geschoss angeschlossen. Das Gebäude wurde im KlimaHaus-Standard A ausgeführt. Da in den Arbeits- und Therapieräumen vielfältige Tätigkeiten ausgeführt werden, und die Nutzer:innen besondere Bedürfnisse haben, wurde auf die Innenausstattung besonderer Wert gelegt: ergonomische Arbeitstische und Eckbänke für geselliges Beisammensein, gemütliche Sofaecken, benutzerfreundliche Hebelifter, elektrische Liegesessel und Pflegebetten sowie eine multisensorische Snoezelen-Ausstattung. Auf diese Weise ist eine attraktive und moderne Arbeitsstätte entstanden, in der Menschen mit Beeinträchtigung ab sofort bedürfnisorientiert schöner werken.
Roland Baldi Architects Schon während des Studiums in Innsbruck, Österreich, war Roland Baldi als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros tätig und gründete 1994, nach Ablegen der Staatsprüfung in Venedig im selben Jahr, sein eigenes Büro Roland Baldi Architects in Bozen. Roland Baldi setzt sich nicht nur mit dem eigenen Büro für gute Architektur ein, sondern engagiert sich in diversen Arbeitsgruppen und Kommissionen. Roland Baldi überträgt den kulturellen Mix Südtirols auch auf sein Büro, wo er gerne mit Architekt:innen verschiedener Herkunft und Ausbildung in Projektteams zusammenarbeitet.
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Die Freiberuflersozietät WN ARCHITECTS – Martin Willeit & Johannes Niederstätter wurde im Jahre 2012 von den Architekten Dr. Arch. Martin Willeit und Dr. Arch. Johannes Niederstätter gegründet. Leistungen wie Projektierung und Bauleitung für öffentliche und private Bauherren im Bereich Hochbau werden abgedeckt. Die Projektvielfalt reicht von urbanistischen über territoriale Aufgaben bis hin zur Ausstattung und Planung von Einrichtungen sowie zur energetischen Beratung und Sicherheitskoordination auf Baustellen.
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Foto © Lorenz Pritz
DIE STILLE MACHT DER RCHITEKTUR
Hoteliers im Alpenraum stehen heute zweifelsohne vor einer neuen Generation von Entscheidungen. Denn es geht nicht mehr um die Frage, wie groß ein Hotel wird, sondern wie stimmig, wirtschaftlich tragfähig und langfristig entwickelbar es ist. Architektur übernimmt dabei eine Schlüsselrolle – als Grundlage für Angebot, Betrieb, Markenidentität und Nachhaltigkeit.
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in zentrales Qualitäts merkmal zeitgemäßer Hotelarchitektur liegt in der betrieblichen Logik und Arbeitseffizienz“, betont Philipp Schafflinger, Mitgründer und Geschäftsführer von „ecoTECTURA“ Hotelarchitektur in Flachau (Salzburg). „Architektur wird zum stillen Organisator des Alltags: kurze Wege, klare Funktionszuordnungen, intelligente Servicebereiche und logisch aufgebaute Abläufe. Gute Planung erhöht nicht nur die Aufenthaltsqualität für Urlaubsgäste, sondern reduziert zugleich den täglichen Arbeitsaufwand – ein entscheidender Wettbewerbsfaktor in Zeiten von Fachkräftemangel und steigenden Betriebskosten.“ Und er ergänzt: „Zeitgemäße Hotel architektur entsteht aus dem Ort heraus. Geländeformen, Ausblicke, Sonnenläufe und bestehende Strukturen sind der Ausgangspunkt jeder Planung. Architektur folgt diesen Gegebenheiten, statt sie zu überformen. So entstehen klare Raum-
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HOTEL BAU IM AL P E NRAUM IM WANDE L
folgen, starke Blickbeziehungen und ein intensives Zusammenspiel von Innen- und Außenraum.“ Der Baukörper werde Teil der Landschaft und nicht deren Gegenpol.
EIN L ANGFRISTIGER PROZESS Parallel dazu verändere sich das Verständnis von Entwicklung grundlegend. „Hotelarchitektur wird zunehmend als langfristiger Prozess gedacht“, sagt Schafflinger. „Hotels entstehen als strukturierte Grundsysteme, die sich über Jahre flexibel erweitern lassen.“ Angebot, Zimmeranzahl sowie Wellness- oder Gastronomieflächen passe man gezielt an den Markt und an die wirtschaftlichen Möglichkeiten an. Das reduziere Fehlentscheidungen und vermeide unnötige Um- und Rückbauten. Zunehmend rücke auch das Thema Marke in den Mittelpunkt. „Architektur wird zur räumlichen Manifestation der Marken identität. Sie macht Haltung sichtbar,
Foto © ecoTECTURA
schafft Wiedererkennbarkeit und zieht jene Urlaubsgäste an, für die das Angebot gedacht ist“, erklärt Philipp Schafflinger aus Erfahrung. Im Zusammenspiel von Architektur, Marke, Mitarbeiterkultur und visuellem Auftritt entstehe ein stimmiger Gesamtauftritt, der Urlaubsgäste binde und zu Stammgästen mache.
GL AUBWÜRDIGE ARCHITEKTUR
„Architektur wirkt dann besonders glaubwürdig, wenn sie regionale Baukultur und Materialien, einheimisches Hand werk und lokale Wertschöpfung sichtbar macht“ P H I L I P P SC H A FFL I N G E R Geschäftsführer ecoTECTURA
Foto © Katharina Toger
„Eng damit verbunden sind Authentizität und regionale Verankerung. Architektur wirkt dann besonders glaubwürdig, wenn sie regionale Baukultur und Materialien, einheimisches Handwerk und lokale Wertschöpfung sichtbar macht“, ist Philipp Schafflinger überzeugt. „Hotels werden als Teil ihres Umfelds wahrgenommen. Gäste suchen heute nicht nur Komfort, sondern Echtheit, Herkunft und Identität – ein wesentlicher Schlüssel für emotionale Bindung, Akzeptanz in der Region und langfristigen Erfolg.“ Design präge dabei nicht nur das Erscheinungsbild, sondern das gesamte Erleben. „Wenn Räume über Licht, Akustik, Materialien, Proportionen und Haptik alle Sinne ansprechen, entsteht jene Qualität, die ein Hotel von Mitbewerbern unterscheidet“, fasst er zusammen. „Architektur im alpinen Tourismusraum wird damit zum langfristigen Investitionspartner: Sie begleitet Entwicklung, stärkt Wirtschaftlichkeit, schärft die Marke und schafft Strukturen mit Zukunft.“
Kraftalm, Itter (Kitzbüheler Alpen)
H OT E L BAU I M A L P E N RAU M I M WA N D EL
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Foto © Architekten Marx/Ladurner
Hotel Engel „Ayurpura“ in Welschnofen: Bei diesem Bauprojekt war die Einbindung in die Landschaft ein wesentliches Thema.
AUS SÜDTIROLER SICHT Und was sagt der Vinschger Architekt Stephan Marx dazu? „Vor Jahrzehnten war das Verhältnis zwischen Architekten und Hoteliers ja nicht gerade gut“, erinnert er. Um 1900 seien zahlreiche Hotelbauten nach Plänen renommierter Architekten entstanden. „Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann seltener unter der Führung von Architekten gebaut“, blickt Stephan Marx zurück. Viele Beherbergungsbauten – nicht alle – seien deshalb übertrieben traditionell, fast schon kitschig gewesen. Um das Jahr 2000 habe es dann eine Wende gegeben. „Plötzlich haben sich Hoteliers wieder vermehrt an Architekten gewandt; davor waren es nur wenige, die ihre Liebe zur Architektur mit dem Tourismus verbunden haben“, sagt Stephan Marx. „Die Hotellerie hat verstanden, dass auch moderne Architektur bei den Urlaubsgästen gut ankommt. Moderne Architektur 46
bedeutet auch keineswegs automatisch Flachdächer, wie häufig angenommen wird. Im Gegenteil: Viele aktuelle Planungen orientieren sich heute verstärkt wieder an traditionellen Schrägdachformen.“
WICHTIGE AUFTR AGGEBERIN In erster Linie gehe es heute um das Symbolische des Hotels nach außen hin und um den Wohnfühleffekt innen – eingebunden in Nachhaltigkeit und gut in die Landschaft integriert. „Seit etwa 15 Jahren ist die Hotellerie eine wichtige Auftraggeberin für Architekten; seit dem Bettenstopp ist aber eine gewisse Reduktion da“, sagt er. „Und Südtirol ist in der Tourismusarchitektur ja schon so weit, dass man ein Vorzeigebeispiel ist, sodass unser Können sogar exportiert wird.“ Südtiroler Hotelarchitektur sei eine Marke geworden – sozusagen ein Exportschlager. „Im
HOTELBAU IM AL P E NRAUM IM WANDE L
Ausland ist man der Meinung, dass Südtirol in Sachen Tourismusarchitektur sogar einen Schritt voraus sei“, betont Architekt Marx. Und er fügt hinzu: Es habe sich mittlerweile klar herauskristallisiert, dass die Vergabe eines Projektierungsauftrags über einen Architekturwettbewerb eine sinnvolle Lösung darstelle: Der Bauherr könne zwischen mehreren Vorschlägen wählen bzw. könne sich bei der Entscheidung auf die Expertise eines kompetenten Preisgerichts stützen. Damit aber ein hochwertiges Ergebnis entstehen könne, bedürfe es einer sorgfältigen Vorbereitung – und eines Bauherrn, der klar formuliere, was er wolle. „Gerade in diesem Prozess wäre es wünschenswert, dass Nachhaltigkeit und Umweltschutz stärker berücksichtigt werden“, sagt Stephan Marx. „Zwar sind diese Aspekte bei Ideenwettbewerben in Südtirol feste Bestandteile der Ausschreibung, doch in der Praxis werden sie nicht immer mit der gleichen Konsequenz umgesetzt. Zwar vertrauen viele Hoteliers auf die Expertise der Fachleute, doch immer wieder werden nachhaltige Empfehlungen zugunsten individueller Vorstellungen zurückgedrängt.“
U N D WA S S A G E N DIE HOTELIERS? „Für uns war bei der Weiterentwicklung unseres Betriebs entscheidend, die einzigartige Terrassenlage auf 1.500 Metern so zu gestalten, dass Landschaft und Panorama überall spürbar werden – durch eine Architektur, die sich ruhig in den Südhang einbettet sowie Licht, Sonne und Weite bewusst ins Haus holt“, sagt Evelyn Gruber vom „Tratterhof“ Mountain Sky Hotel in Meransen/Mühlbach. „Gleichzeitig wollten wir den alpinen Charakter und die Herzlichkeit bewahren, sie aber mit klaren,
E I N H E I M I S C H E M AT E R I A L I E N
„Die Hotellerie hat verstanden, dass auch moderne Architektur bei den Urlaubsgästen gut ankommt.“ ST E P H A N M A RX Architekt
zu bauen – mit einheimischen Materialien wie Holz und Stein.
BETRIEB IN SENSIBLER UMGEBUNG „Beim Umbau unseres Hauses war uns wichtig, dass die Architektur nicht im Vordergrund steht, sondern dass sie die Landschaft sprechen lässt“, sagt Sebastian Kuen vom Hotel „Niedermair Nature Retreat“ in Partschins. „Unser Betrieb liegt in einer sensiblen Umgebung, und deshalb haben wir bewusst auf eine klare, ruhige Formsprache gesetzt, die sich in Hang, Klima und Vegetation einfügt. Ein zentraler Punkt war für mich das nachhaltige Bauen: Wir arbeiteten fast ausschließlich mit Handwerkern aus der Nähe zusammen und verwendeten unbehandelte, regionale Materialien, die ehrlich altern und eine natürliche Atmosphäre schaffen.“ Ein nachhaltiges Energiekonzept, kurze Lieferwege sowie robuste, langlebige Bauweisen gehören laut Kuen untrennbar zusammen. „Design verstehen wir nicht als Show, sondern als Rahmen für echte Erholung – Räume, die den Gästen das Gefühl geben, anzukommen, durchzuatmen und die Natur unmittelbar zu erleben“, betont der Hotelier.
Foto © Foto Atelier Wolkersdorfer
Klare Worte findet auch Manfred Oberrauch vom Hotel „Tirolensis“ in Prissian: „Design hat für uns eine große Rolle gespielt, wir wollten das Alte mit dem Neuen harmonisch verbinden; es sollte nicht ein kompletter Stilbruch entstehen. Die Bar soll das Herz des Hotels sein, wo sich jeder Gast gerne aufhält. Im Wellnessbereich sind wir ganz auf die Bedürfnisse des Gastes eingegangen: Er soll luxuriös, großzügig und gemütlich wirken – mit kurzen Wegen von einer Sauna in die andere sowie mit genügend Ruheräumen.“ Man habe natürlich auch versucht, so nachhaltig wie möglich
Foto © Architekten Marx/Ladurner
zeitgemäßen Linien sowie großzügigen Aufenthalts- und Terrassenbereichen für die heutigen Gästewünsche verbinden.“ Nachhaltigkeit sei dabei selbstverständlich mitgelaufen – in Materialien, Technik und in der täglichen Betriebsführung. „Design ist für uns der Rahmen für Erlebnis und Wohlbefinden – es soll Wärme und Ruhe ausstrahlen, die Nähe zur Natur stärken und auch unter den klimatischen Bedingungen der Berge langfristig Bestand haben“, betont Gruber.
Hotel Tirolensis, Prissian
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Alle Fotos: © Oskar Da Riz
PF LZEN VORHANG AUF! Neues Programm für Pfalzen im Pustertal: Kürzlich wurde mitten im Dorf ein neues Vereinshaus errichtet. Roland Baldi Architects wurden mit der Planung der Innenarchitektur des Gebäudes beauftragt.
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DER RAUM ALS KL ANGKÖ R P E R
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erzstück des Hauses für die dörfliche Gemeinschaft und ihre Vereine ist der große Theatersaal samt zugehörigem Foyer. Parkett und Galerie bieten bis zu 280 Besucher:innen Platz, die den variablen Zuschauerraum bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten erleben können: Theateraufführungen, Konzerte, Feste, andere größere Veranstaltungen und vieles andere mehr.
D E R R A U M A L S K L A N G KÖ R P E R : EIN SA AL, DER ARCHITEKTUR UND AKUSTIK VERBINDET Die große Bühne im vorderen Bereich des Saales ist ganz in schwarz gehalten und mit verschiedenen Beleuchtungskörpern und Schallreflektoren ausgestattet. Neben der ansprechenden optischen Gestaltung war vor
allem auch die Akustik des Raumes von großer Bedeutung. Das Klangkonzept sowie die Innenverkleidung des Saales wurden in Zusammenarbeit mit einem Akustiker ent worfen. Entlang der Wände wurden verschiedene leicht schräg gestellte, hölzerne Seitenwandelemente angebracht. Diese verhindern störende Schallreflexionen und ermöglichen je nach Bedarf Reflexion, Diffusion oder Absorption. So konnte eine von den Musikern und Zuhörer:innen geschätzte Saalakustik mit dem bestmöglichen Klang erreicht werden. Der gesamte Hauptsaal wurde, einem Klangkörper gleich, mit Eichenholz verkleidet. An der in Schwarz gehaltenen Decke sorgen abgehängte Reflektoren für den optimalen Klang und Schallversorgung der Zuhörer: innen. Um die Nutzungsvariabilität so flexibel wie möglich zu gestalten, wurde der Fußboden des Saales eben gehalten. So kann im Raum, je nach Event,
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Alle Fotos: © Oskar Da Riz
Entlang der Wände wurden verschiedene leicht schräg gestellte, hölzerne Seitenwandelemente angebracht. Diese verhindern störende Schallreflexionen und ermöglichen je nach Bedarf Reflexion, Diffusion oder Absorption
Um die einzelnen Bereiche bei Bedarf abzutrennen sowie unterschiedliche technische und räumliche Anforderungen zu erfüllen haben Roland Baldi Architects ein innenarchitektonisches Schauspiel mit Vorhängen inszeniert
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DER RAUM ALS KL ANGKÖ R P E R
eine Reihen- oder Tischbestuhlung disponiert werden. Dank einer mobilen Trennwand kann der Saal mit dem Foyer zusammengeschlossen werden, beispielsweise bei Festveranstaltungen mit Bewirtung.
V O R H A N G A U F I M F OY E R : EINE BÜHNE AUS BAR, GARDEROBE U N D R A U M D R A M AT U R G I E Dem Saal vorgelagert ist ein Eingangsbereich mit Garderobe und Kassenbereich und ein längliches, großzügiges Foyer mit Bar. Da diese Vorbereiche auch als Zugang zu kleineren Gruppenräumen und Sitzungssälen dienen, sollten die Garderobe und die Bar nicht immer sichtbar sein. Um die einzelnen Bereiche bei Bedarf abzutrennen sowie unterschiedliche technische und räumliche Anforderungen zu erfüllen haben Roland Baldi Architects ein innenarchitektonisches Schauspiel mit Vorhängen inszeniert: Die großen Bühnenvorhänge, Vorhänge, um die Fenster zu verdunkeln, jene an der Bar sowie der Garderobe. So werden bei den Aufführungen nicht nur der große Bühnenvorhang geöffnet, sondern auch Bar und Garderobe theatralisch geöffnet. Bei Nichtverwendung werden diese Bereiche elegant. ausgeblendet. So entstehen unterschiedliche Szenarien, die das Vereinshaus von Pfalzen in Zukunft als Veranstaltungsort und Treffpunkt bereichern.
Roland Baldi Architects Schon während des Studiums in Innsbruck, Österreich, war Roland Baldi als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros tätig und gründete 1994, nach Ablegen der Staatsprüfung in Venedig im selben Jahr, sein eigenes Büro Roland Baldi Architects in Bozen. Roland Baldi setzt sich nicht nur mit dem eigenen Büro für gute Architektur ein, sondern engagiert sich in diversen Arbeitsgruppen und Kommissionen. Roland Baldi überträgt den kulturellen Mix Südtirols auch auf sein Büro, wo er gerne mit Architekt:innen verschiedener Herkunft und Ausbildung in Projektteams zusammenarbeitet.
Koordiniertes Bauen mit arcFACTORY Danke allen Partnern für die gute Zusammenarbeit! arcFACTORY · Bahnhofstraße 4 · 39040 Tramin info@arcfactory.it · www.arcfactory.it
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Dr. Arch. Raimund Thaler
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Foto © Shutterstock
ARCHITEKTUR G NZ OHNE M SKE Jahrzehntelang galt die perfekte Oberfläche als Ziel einer jeden Architektur. Glatt, beschichtet und glänzend – erst dann schien ein Gebäude vollendet. Heute erlebt das Gegenteil eine stille Wiederkehr. In Europa rücken langsam, aber sicher rohe, unverfälschte Materialien wieder ins Zentrum der Gestaltung. Der Rohbau wird zur Haltung, er erlebt im wahrsten Sinne des Wortes eine Renaissance.
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aterialehrlichkeit heißt, ein Bauwerk aus sich selbst heraus sprechen zu lassen. Ein Stein darf Stein bleiben, ein Balken Holz, ein Dach Kupfer. Die Materialien werden nicht verkleidet, sondern in ihrer Struktur und Herkunft ernst genommen. Damit zeigt sich eine neue Ethik des Bauens: Weg von der Illusion, hin zur Lesbarkeit. Überall in Europa entstehen Bauten, die dieses Prinzip aufgreifen. Bauherren und Bauherrinnen verzichten auf künstliche Beschichtungen und setzen auf Stoffe, die altern dürfen. Sichtbare Schalungsspuren im Beton, die Maserung des Holzes und das matte Grün gealterten Metalls – Unregelmäßigkeiten, die früher verdeckt wurden, gelten heute als Zeichen von Charakter. Das Unperfekte wird damit ein Teil der Ästhetik.
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M ATER IALEH R L IC H KE IT
SCHÖNHEIT DES U N V O L L KO M M E N E N Risse, Flecken, Farbverläufe – sie erzählen vom Werden und vom Gebrauch. Das Material selbst wird zum Chronisten seiner Zeit. Statt das Ideal der makellosen Oberfläche anzustreben, zeigt sich eine neue Ehrlichkeit: Architektur darf atmen, darf Fehler haben, darf alt werden. Diese Offenheit erzeugt eine besondere Sinnlichkeit. Man spürt die Kühle oder Wärme des Materials und nimmt zugleich seinen Geruch wahr. In einer zunehmend digitalen Welt entsteht so ein Gegengewicht – eine Rückkehr zur Haptik, zum Physischen und zum Greifbaren. Das Gebäude wird wieder als Körper erlebt, nicht als Bild.
N A C H H A LT I G D U R C H S U B S TA N Z Materialehrlichkeit ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern auch der Vernunft. Wer das Material atmen lässt, schont Ressourcen – spart Schichten, Lacke und wertvolle Energie. Eine Wand darf roh bleiben, ein Balken unbehandelt. Nachhaltigkeit beginnt dort, wo man etwas weglässt. Weniger ist mehr – und manchmal genug. Der Stoff, aus dem gebaut wird, bestimmt zugleich die Lebensdauer. Viele Baumaterialien altern, ohne aber zu verfallen. Sie verändern sich, aber sie bleiben. Ihr Wandel im Laufe der Jahre ist kein Zeichen des Verfalls, sondern ein Teil der Gestaltung. Ein Haus, das mit seiner Umgebung und seiner Zeit lebt, muss nicht ständig erneuert werden – es wird besser, je länger es steht. In Nordund Mitteleuropa wächst das Interesse an regionalen Baustoffen: Kalk, Granit, Fichte und Eiche. Im Süden kehren traditionelle Techniken wie Lehmstampfwände oder Kalkputz zurück. Überall zeigt sich dasselbe Prinzip: Dauerhaftigkeit entsteht nicht durch Beschichtung, sondern durch Ehrlichkeit im Material.
Fertigung oder computergesteuerte Fräsen ermöglichen heute eine Genauigkeit, die traditionellen Stoffen neue Ausdruckskraft verleiht. Handwerk und Hightech ergänzen sich also – sie verschmelzen ineinander. So entsteht eine Architektur, die weder nostalgisch noch futuristisch ist, sondern bewusst zeitlos wirkt. Sie nutzt moderne Mittel, um alte Prinzipien zu verfeinern: Maß, Struktur, Gewicht und Licht. Die Materialien sprechen für sich, und die Technik tritt in den Hintergrund.
DER SINN DES GREIFBAREN Warum übt diese Rückkehr zur Stofflichkeit eine so große Faszination aus? Vielleicht, weil sie dem Bedürfnis nach Echtheit entspricht. In einer Welt der Bilder und Bildschirme wächst die Sehnsucht nach Berührung, nach Temperatur und nach Geruch. Man möchte wieder spüren, woraus etwas besteht. Ein Gebäude, das ehrlich und einfach gebaut ist, wirkt vertrauenswürdig. Es täuscht nichts vor. Man erkennt, wie es trägt, wo es ruht und wo es altert. Diese Transparenz schafft Nähe – zwischen Mensch, Material und Raum.
W E L C H E R O L L E S P I E LT S I C H T B E T O N ? Auch Sichtbeton zeigt, dass Architektur ohne Maskerade auskommt. Die Struktur der Schalung, feine Linien und unregelmäßige Nuancen machen jede Fläche einzigartig. Anstatt eine Oberfläche zu verstecken, wird der Baustoff selbst zum Ausdruck von Authentizität und Charakter. Unvollkommenheiten, Spuren des Entstehungsprozesses und die natürliche Alterung des Betons erzählen von Zeit und Nutzung. Sichtbeton verbindet Substanz mit Sinnlichkeit, schafft Vertrauen und macht Gebäude greifbar – eine Architektur, die sich nicht verstellt, sondern aus sich selbst heraus spricht. Gerade bei öffentlichen Bauten ist Sichtbeton beliebter denn je – auch wenn man dafür tiefer in die Tasche greifen muss als für normalen Beton.
Z WISCHEN HANDWERK UND PR Ä ZISION Die neue Einfachheit, die sogenannte Materialehrlichkeit, schließt moderne Technologie jedoch nicht aus. Ganz im Gegenteil! Digitale Planung, modulare
WA R U M K E H R T M A N Z U R M AT E R I A L R O H H E I T Z U R Ü C K? Diese Veränderung ist gewiss nicht allein deshalb eingetreten, um das Material in seiner ursprünglichen, unverfälschten Form zu zeigen, sondern um hinter dieser Schicht etwas Tieferes sichtbar zu machen: den Menschen selbst. In einer Zeit, in der digitale Präzision und maschineller Perfektionismus in den meisten Fällen und in fast allen Bereichen die Oberhand gewinnen, erinnert uns das Rohe, das Unbearbeitete an das Menschliche – an Spuren von Hand, Zeit und Ausdruck. Es ist eine Rückkehr zu Echtheit, zu Unvollkommenheit als Qualität, zu einer Wahrheit, die sich nicht in makellosen Oberflächen, sondern in der lebendigen Imperfektion zeigt. Das Unverkleidete wird so zum Symbol einer neuen Aufrichtigkeit. Diese Haltung ist leise, aber konsequent. Sie verzichtet auf Dekor, nicht auf Schönheit. Sie sucht Qualität in der Substanz, nicht in der Oberfläche. Das Sichtbare wird zum Wahrhaftigen. Materialehrlichkeit ist also kein Stil und auch kein Trend, sondern eine Haltung. Denn sie sagt ganz klar: Was echt ist, braucht keine Maske. M AT E R I A L E H R L I CH KE IT
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Fotos © Assista Projects
v.l.: Martin Brunner, Christian Leiter und Fabian Kössler
DIE BAU-REGISSEURE Ein Hochhaus, das Klarheit verlangt – und ein Projektteam, das sie liefert: Beim Interior Tower II sorgt Assista Projects von Beginn an für Struktur, Transparenz und präzise Steuerung. So wird aus einer architektonischen Vision ein Bauvorhaben, das Kosten, Termine und Qualität konsequent im Gleichgewicht hält.
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it dem Interior Tower II entsteht in Vahrn ein markantes achtgeschossiges Gebäude nach dem Entwurf des Architekten Stefan Klement. Die Bauherren Kurt Steurer und Johann Hopfgartner realisieren damit ein weiteres anspruchsvolles Projekt, das sowohl architektonisch als auch organisatorisch höchste Anforderungen stellt. Um Kosten, Termine und Qualität durch gängig zu sichern, begleitet Assista Projects das Vorhaben ab der ersten Projektphase – als zentrale Schnittstelle zwischen Planung und Ausführung.
STRUKTUR UND STEUERUNG AB PROJEKTBEGINN Bereits in der frühen Entwicklungsphase übernahm Assista Projects die Aufgabe, die wirtschaftlichen und terminlichen Grundlagen zu definieren. Dazu gehörten: Erstellung detaillierter Kostenschätzungen und Budgetrahmen technische Variantenanalysen Definition eines belastbaren Meilensteinund Terminplans 54
INTER IOR TOWE R II I N VAH R N
Ziel war es, dem Bauherrn eine klare, fundierte Entscheidungsbasis zu geben und ein realistisches Fundament für die weitere Projektbearbeitung zu schaffen.
VON DER PL ANUNG IN DIE AUSSCHREIBUNGSPHASE Nach Abschluss der Entwurfs- und Ausführungsplanung erstellte Assista Projects sämtliche Ausschreibungsunterlagen. Dazu zählten: vollständige Baubeschreibung, auch für die spätere Vermarktung einzelner Einheiten Erstellung der Leistungsverzeichnisse sowie der Massenberechnungen für alle Gewerke Koordination und Abstimmung mit den Fachplanungen für Elektro, Heizung, Sanitär und Lüftung Angebotsprüfungen, Angebotsvergleiche und Vorbereitung der Vergabeentscheidungen Damit war bereits vor Baubeginn gewähr leistet, dass technische Inhalte eindeutig beschrieben, Schnittstellen sauber definiert und Kosten strukturiert erfasst sind.
Während der Realisierung fungiert Assista Projects als organisatorischer Knotenpunkt. Das Unternehmen koordiniert die gesamte Kommunikation zwischen Bauherrschaft, Architektur, Fachplanern und ausführenden Unternehmen. Entscheidungen werden effizient gebündelt, Anfragen strukturiert weitergegeben und Abläufe so gesteuert, dass Gewerke optimal aufeinander abgestimmt arbeiten. Diese zentrale Steuerung minimiert Reibungsverluste und stellt sicher, dass die Planung präzise in die bauliche Umsetzung überführt wird.
Rendering © Arch. Stefan Klement
BAU MANAGEMENT AL S OPER ATIVE SCHALTZENTR ALE
Ein neues Wahrzeichen für Vahrn: Der Interior Tower II (links) wächst als achtgeschossiger Entwurf von Architekt Stefan Klement in die Höhe und prägt das Ortsbild mit klarer Haltung. Foto © ATHESIA Medien
KOSTEN- UND TERMINMANAGEMENT Die wirtschaftliche und terminliche Kontrolle bildet eines der zentralen Elemente des Projektmanagements. Assista Projects: überwacht die Kostenentwicklung prüft Angebote und Rechnungen bewertet Planungsänderungen hinsichtlich ihrer Budgetauswirkungen steuert den Baufortschritt anhand laufender Terminüberwachung optimiert Abläufe durch regelmäßige Fortschrittskontrollen So bleibt der Interior Tower II sowohl budgettreu als auch termingerecht.
QUALITÄT DURCH PROZESSE, KON TROLLE UND PR ÄSENZ Bauqualität entsteht durch konsequente Prozessführung. Durch strukturierte Abläufe, regelmäßige Baustellenbegehungen, wöchentliche Vor-Ort-Baubesprechungen und klar definierte Entscheidungswege stellt Assista Projects sicher, dass die Ausführung den architektonischen Vorgaben entspricht und den qualitativen Anspruch der Bauherren erfüllt.
ZEITGEMÄSSES BAUMANAGEMENT
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Danke Danke Danke
Der Interior Tower II verdeutlicht exemplarisch, wie essenziell professionelles Projektund Baumanagement für moderne Bauvorhaben geworden ist. Bauherren profitieren von Kosten- und Termintransparenz, Planer von klaren Strukturen – und die Baustelle von reibungslosen, gut koordinierten Abläufen. Assista Projects übernimmt dabei eine Rolle, die im Hintergrund bleibt, aber im gesamten Projekt sichtbare Wirkung entfaltet: die Rolle eines echten Bau-Regisseurs. I N T E R I OR TOW E R I I I N VA H RN
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GAST
FÜHRUNG IM W NDEL
VON ARCH. JAN MARC CASTLUNGER
Wenn ein Architekturbüro an die nächste Generation übergeht, ist das weit mehr als ein organisatorischer Schritt. Es ist ein Moment, in dem Werte, Visionen und Verantwortung neu verhandelt werden. Das Beispiel von Castlunger Tolpeit Architecture zeigt, wie 2 junge Südtiroler Architekten den Übergang nutzen, um ein Büro modern zu führen, strategisch auszurichten und zugleich das Erbe weiterzuführen.
Alle Fotos © Alex Moling
eigene Werte, Strukturen und Strategien aufgebaut werden. „Die ersten Jahre müssen in den Aufbau investiert werden“, so der Rat des Architekten Daniel Schneider von Monoplan (Zürich). Für Jan Marc Castlunger und Daniel Tolpeit bedeutete das zuallererst: Führen lernen. In dieser frühen Phase sind junge Führungskräfte gezwungen, eine Vielzahl neuer Rollen gleichzeitig einzunehmen: Visionär, Koordinator, Unternehmer, Motivator. Besonders wichtig ist dabei die Vorbildfunktion. Nur wer Haltung zeigt, Verantwortung übernimmt und transparent kommuniziert, kann Ver trauen schaffen – sowohl gegenüber langjährigen Auftraggebern des Unternehmens als auch gegenüber neuen Mitarbeitenden.
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enn in Südtirol ein Architekturbüro an die nächste Generation übergeht, geschieht das meist leise, schrittweise und über Jahre hinweg. Bei Castlunger Tolpeit architecture war dieser Übergang dagegen ein bewusster Neustart: die Übergabe des Traditionsbüros von Arch. Karl Heinz Castlunger an seinen Sohn Arch. Jan Marc Castlunger, kombiniert mit einer strategischen Fusion mit dem jungen Studio von Arch. Daniel Tolpeit aus Wengen. Aus 2 einzelnen Büros wurde eine neue Einheit – und aus 2 Mitarbeitenden ein siebenköpfiges Team. Dieser Schritt steht exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen viele junge Führungskräfte stehen. Einerseits gilt es, ein bestehendes Erbe weiterzuführen, andererseits müssen
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CASTLUNG ER TO L P E I T ARC H IT ECT UR E
G E M E I N S A M S TÄ R K E R : WIE CASTLUNGER TOLPEIT ARCHITECTURE DEN G E N E R AT I O N E NW E C H S E L NEU DEFINIERT Die Fusion der beiden Studios war ein strategischer Kraftakt, aber auch eine Chance: Die komplementären Kompetenzen der beiden Partner stärken das gemeinsame Profil. Während Castlunger das gewachsene Wissen des Familien büros einbringt, ergänzt Tolpeit dieses mit einer jüngeren, experimentierfreudigeren Herangehensweise. Genau diese Mischung macht kleinere Architektur büros in Südtirol resilient: Sie sind nah am Ort, flexibel und können dennoch ein breites Spektrum abdecken.
„Junge Führungsk räfte arbeiten nicht mehr hierarchisch, sondern kollaborativ – sie setzen auf Wertschätzung statt Autorität.“ Mit einem wachsenden Team rückt ein weiteres Thema ins Zentrum: Mitarbeiterentwicklung. Fördernde und fordernde Führung bedeutet, Verantwortung zu übertragen, Talente zu erkennen und Weiterbildung bewusst zu unterstützen. Junge Führungskräfte arbeiten nicht mehr hierarchisch, sondern kollaborativ – sie setzen auf Wertschätzung statt Autorität. Diese Kultur schafft Bindung und formt ein Büro, das nicht nur baut, sondern sich gemeinsam weiterentwickelt. Das Beispiel von Castlunger Tolpeit Architecture zeigt, wie ein Generationenwechsel heute gelingen kann: indem man das Erbe ehrt, aber den Mut hat, eigene Wege zu gehen. Indem man Bündnisse schmiedet, statt im Wettbewerb zu denken. Und indem man Führung nicht als Titel versteht, sondern als tägliche Verantwortung.
JAN MARC CASTLUNGER Architekt und Mitbegründer von Castlunger Tolpeit Architecture (CTA). Geboren in Südtirol, studierte er Architektur an der ETH Zürich. Mit CTA entwickelt er Projekte im Tourismus und Wohnbau. Sein Schwerpunkt liegt auf Architektur, die Identität sichtbar macht und Familienbetriebe dabei unterstützt, im Wandel eigenständig zu bleiben.
Casa Feroze
CA ST LU N G E R TOL P E I T A RCH I T ECT U RE
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FRISCH GEDACHT IM LTEN R HMEN Foto © Modunita architects SA
Mitten in Taufers im Münstertal, dort wo die Hauptstraße durchs Ortsbild schneidet, stand ein unscheinbares Gebäudeensemble jahrelang leer. Viele sahen darin nur ein Problem – zu laut, zu verwinkelt, zu verbaut. Doch was andere mieden, wurde für ein junges Geschwisterpaar und das Büroteam von „Modunita architects“ zum Startpunkt für einen Neubeginn im historischen Kern.
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interlassen wurde ein altes Wohnhaus samt Stadel, äußerlich patiniert, im Inneren jedoch von Umbauten der 1970er-Jahre stark verfremdet. Gefordert war die Schaffung zweier leistbarer Wohnungen, die zeitgemäße Bedürfnisse erfüllen und gleichzeitig den Charakter des Ortes bewahren. Schnell zeigte sich jedoch, dass vom Innenraum kaum etwas zu retten war. Die alten Umfassungsmauern erzählten noch von der Herkunft des Hauses – alles andere musste hinterfragt werden. Genau hier setzten die beiden Architekten Martin Pinggera und Andri Linard an: Sie entfernten den kompletten Innenbau und ließen die historischen Steinhüllen bestehen. In diese fassten sie einen neuen, massiv gemauerten Baukörper ein – ein zeitgenössisches Haus im Haus, das die Geschichte respektiert, ohne sich ihr unterzuordnen. Der frühere Stadel verwandelte sich in einen geschützten Innenhof, der den Verkehrslärm filtert und als private Oase dient. Der alte Giebel wich, um Licht und Luft ins Erdgeschoss zu holen – ein Verlust, der dem Gesamten neues Leben schenkt.
M E H R FA M I L I E N H A U S A U F D R E I E B E N E N Heute präsentiert sich das Ensemble als modernes Mehrfamilienhaus auf drei Ebenen, organisiert entlang der ursprünglichen Erschließungswege. Die Erdgeschosswohnung bietet zwei Zimmer, Bad, Waschküche und einen offenen Wohnbereich, der großzügig zum Hof hin aufklappt. Die obere Wohnung spannt sich über zwei Geschosse und öffnet sich unter dem Dach zu einem lichten Wohnraum, der sich bewusst der stillen Hofseite zuwendet. Für Pinggera und Linard beweist das Projekt, „dass selbst schwierige Lagen Potenzial bergen, wenn man den Bestand wertschätzt und zugleich klare architektonische Entscheidungen trifft“. Es zeigt, wie Ortskerne wachsen können, ohne sich zu verlieren – und wie aus einem vergessenen Gebäude ein Impuls für neues Leben entsteht. 58
M EHR FAMIL I E NH AUS IN TAUF E R S IM MÜNST E RTA L
Modunita architects SA Seit 2019 steht das Architekturbüro MODUNITA architects SA aus Müstair/Schweiz für eine Architektur, die Tradition und Moderne vereint. Ihr Fokus liegt auf Nachhaltigkeit, Materialehrlichkeit und der behutsamen Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Mit Projekten wie dem Umbau historischer Ställe, modernen Einfamilienhäusern aus Lärchenholz, gemeinschaftlich genutzten Bauten prägt MODUNITA das architektonische Bild des Münstertals – dezent, aber kraftvoll.
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