Vorwort
Über 2000 Jahre lang haben orthodoxe Juden für die Sammlung der Zerstreuten von den vier Enden der Erde gebetet (5. Mose 30,1-5). Seit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels durch die Römer im Jahre 70 n. J. baten orthodoxe Juden dreimal am Tag für diese Sammlung.1 Für sie ist die Sammlung der Zerstreuten gleichbedeutend mit der nationalen Erlösung. Die Bitten um Erlösung und um das Kommen des Messias sind Teil des Amidah-Gebetes (auch als „Die achtzehn Lobpreisungen“ bekannt). Dieses Gebet wird zusammen mit dem Schma („Höre, Israel“) dreimal täglich von orthodoxen Juden gesprochen und gilt als das wichtigste tägliche Gebet. Das Amidah-Gebet wurde von Rabbi Gamaliel II kurz nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels durch die Römer zusammengestellt. Die zehnte Lobpreisung der Amidah ist ein Gebet für die Sammlung der Zerstreuten.2 Der Text dieses zehnten Teils lautet wie folgt: „Blast das große Schofar für unsere Freiheit und richtet ein Banner auf, unsere Zerstreuten zu sammeln und uns von den vier Enden der Erde zu sammeln. Gepriesen seist du, YHWH, der du die Verbannten deines Volkes Israel sammelst.“ Dies ist ein Gebet für die Sammlung aller 12 Stämme ins Land Israel. Eng verknüpft mit dieser Sammlung der Zerstreuten ist die Sammlung der zehn verlorenen Stämme, die von den Assyrern im Jahre 721 v. J. ins Exil geführt wurden und von denen man glaubt, dass sie jenseits des Flusses Sambatyon wohnen.3 7