Skip to main content

889055

Page 1

Hildegard Schneider Ich sehe einen erwachenden Zweig!


Was siehst du, Jeremia? Und ich sprach: Ich sehe einen Mandelbaum. Und der Herr sprach zu mir: Du hast recht gesehen; denn ich werde Ăźber mein Wort wachen, es auszufĂźhren. Jeremia 1,11-12


Ich sehe einen erwachenden Zweig! Ein prophetischer Gebetsleitfaden fĂźr das Erwachen der Messianischen Gemeinde


© 2007 media!worldwidewings Bücher, Musik und NetTravel Am Eichwald 17 61231 Bad Nauheim www.worldwidewings.de e-mail: media@worldwidewings.de ISBN 978-3-9809297-5-2 Best.-Nr. 889 055 Autorin: Hildegard Schneider h.schneider@worldwidewings.de Bestellungen sind an oben stehende Adresse zu richten. Jede Wiedergabe oder Vervielfältigung des Textes, auch auszugsweise, bedarf der vorherigen schriftlichen Genehmigung durch den Verlag/Autor. Alle Bibelzitate wurden, wenn nicht anderweitig gekennzeichnet, der Lutherbibel Standardausgabe, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart 1985 entnommen. Umschlaggestaltung: Eddy Bonnert, Creativ.Werbe.Design Satz: type & print, Nürnberg Druck: Schönbach Druck, Erzhausen Mein Dank gilt Nicole Pohlmann, die das Manuskript mit viel Liebe und Hingabe überarbeitet hat. Auf die folgende überkonfessionelle Internetseite zu diesem Thema möchten wir Sie hinweisen: www.dem-braeutigam-entgegen.de


Widmung

Ich möchte diesen Gebetsleitfaden meinem himmlischen Bräutigam Jeshua widmen. Im Jahr 2004 spürte ich 12 Tage lang etwas von Seiner leidenschaftlichen Sehnsucht für den jüdischen Teil Seiner Braut während einer Reise in Israel. Dieses „Etwas“ (mehr hätte ich nicht verkraftet) treibt mich immer wieder vorwärts, neue Wege zu finden, wie Juden in Seine Arme kommen können. Ein Gebetsnetz mit der Vision, dass für alle Synagogen weltweit gebetet wird, ein Gebetsleitfaden, Straßenevangelisationen und Konferenzen sind kleine Puzzleteile, um das Bild der Braut Christi aus den Nationen und den Juden an der vorbereiteten Hochzeitstafel fertig zu stellen. Ohne Seine Leidenschaft und Seine Führung könnte ich nichts ausrichten. IHM sei alle Ehre! ER sei gepriesen und verherrlicht!


Inhaltsverzeichnis

Vorwort............................................................................................9 Durch das Gebet zum Herzen der Juden finden.............................13 Zum Buch..........................................................................................17

I. Ziel des Gebetsleitfadens . ...............................................21 II. Einführung........................................................................ 23 1. Geistlicher Sprengstoff.....................................................23 2. Das erste Samenkorn in der Fürbittegruppe vor Ort.......27 3. Prophetische Endzeitbewegung des Heiligen Geistes......30 4. Was will Gott wiederherstellen?.......................................30 5. Persönliche Strategie beim Wiederherstellungsprozess..............................................31 6. Die heutige Bedeutung der Berufung der wiedergeborenen Juden....................................................33 7. Jeshua ein Licht für die Heiden, aber Herrlichkeit für Israel............................................................................34 8. Deutschland......................................................................34 9. I hr Gebetsauftrag..............................................................36 10. Betreuung des Gebetsnetzes............................................36 7


III. Praktischer Teil des Gebetsleitfadens.............................37 1. P riester sein .....................................................................37

◆ Amt der königlichen Priesterschaft Stiftshütte, Jesus Christus, wandeln

◆

Als Priester in der lebendigen

2. Das Gebet..........................................................................46

◆ Wie

sollen wir beten? ◆ Das große Vorbild

3. Gebetseinheiten................................................................48 Erste Gebetseinheit: Danksagung ◆ Zweite Gebetseinheit: Lobpreis Dritte Gebetseinheit: Entscheidung für den Segen ◆ Vierte Gebetseinheit: Wir brauchen Erkenntnis ◆ Fünfte Gebetseinheit: Die Bedeutung der Schuld ◆ Sechste Gebetseinheit: Vergebung ◆ Siebte Gebetseinheit: Erlösung ◆ Achte Gebetseinheit: Heilung ◆ Neunte Gebetseinheit: Wohlstand ◆ Zehnte Gebetseinheit: Rückführung der Zerstreuten ◆ Elfte Gebetseinheit: Wiedereinführung der Gerichtsbarkeit ◆ Zwölfte Gebetseinheit: Autorität in Jesus – Vernichtung der Feinde ◆ Dreizehnte Gebetseinheit: Gebet für messianische Gemeinden ◆ Vierzehnte Gebetseinheit: Segen über Jerusalem ◆ Fünfzehnte Gebetseinheit: Das Evangelium den Juden zuerst ◆ Sechzehnte Gebetseinheit: Zuversicht um Erhörung des Gebets ◆ Siebzehnte Gebetseinheit: Der priesterliche Segen ◆ ◆

8


Vorwort

Als ich mit meiner Frau 1995 nach Deutschland kam, um am Aufbau der messianischen Bewegung im Land teilzunehmen, habe ich gleich eine erstaunliche Überraschung erlebt, nämlich offensichtliche Distanz, ja sogar Ablehnung der Judenevangelisation bei den Christen. Es war besonders enttäuschend für uns, weil wir uns als Juden nichts Besseres wünschen konnten, als mit dem Messias Jesus zu leben. Und obwohl wir mit der Zeit die kulturelle Prägung des Holocaustes in Deutschland gut verstanden haben, staunen wir immer noch von dem Verdrehen der biblischen Warheit, die die Prägung in Christen produziert. Statt das Evangelium als die „Frohe Botschaft“ zu verstehen, sieht man es gegenüber den Juden als die „Störende Nachricht.“ Statt das Leben mit Jesus zu genießen und die Juden dadurch eifersüchtig zu machen, scheut man oft sich als Christ zu identifizieren und ist kaum froh darüber. Statt die Vergebung in Jesus bußfertig und mit Freuden anzunehmen, schwärmt man dauernd in Holocaustschuldgefühlen. Statt das Evangelium als „eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen“ (Röm 1,16) zu betrachten, versucht man, die fast 2000-jährige Auslegungtradition von solchen Bibelstellen um seiner Bequemlichkeit willen zu ändern. Ja, damit vereinfacht man heutzutage natürlich sein Leben in der liberalen und post-modernen Gesellschaft. Aber was ist mit den Juden? Die Bäume in Israel zu pflanzen, Juden nach Israel zu bringen, freundschaftliche Beziehungen und Dialoge mit jüdischen Gemeinden zu suchen, den jüdischen Staat zu unterstützen, Juden zu helfen und ähnliches ist ganz wichtig und gut. Aber die Maßnahmen reichen nicht, um den Juden ewiges Heil 9


und die Quelle der ununterbrochenen Freude zu vermitteln. Nur in Jesus kann man den perfekten Schalom (den Frieden) finden! Und die fast 300 000 Juden in Deutschland, so wie Millionen von Juden weltweit, brauchen Ihn. Dabei ist es der biblische Auftrag der Christen, den Juden den Jesus zurückzubringen, den sie historisch von den Juden weggenommen haben (vgl. Röm 11,11). Hoffentlich werden immer mehr Christen diesen Auftrag wahrnehmen. Ohne Gebet geschieht aber kaum etwas. Das Gebet ist als starkes Mittel den Menschen gegeben, um Gottes Kraft in Einsatz zu bringen. Dabei ist es noch wirksamer, wenn mehrere Menschen für das gleiche Anliegen beten. Und das Gebet für die Erretung der anderen entspricht vollkommen Gottes Wünschen (vgl. 1 Tim 2,4). Trotzdem ist es infolge obengenannter Gründe sehr schwierig, in Deutschland das Beten für die Errettung der Juden zu motivieren. Wenn aber dafür gebetet wird, wird viel Wunderbares geschehen. Als wir unsere Dienste in Berlin 1995 angefangen haben, habe ich eine Gruppe von Christen kennengelernt, die seit einem Jahr für die Juden in der Stadt beteten. Und die Ergebnisse haben ihre Erwartungen übertroffen – in Berlin entstand die erste jüdisch-messianische Gemeinde in der Nachkriegsgeschichte Deutschlands. Hunderte Juden kamen seitdem zum Glauben an Jesus! War es ein Zufall oder Einzelfall? Nein, sondern ein ganz natürliches biblisches Ergebnis des Gebets. In diesem Zusammenhang finde ich die Gebetsinitiative von worldwidewings sowie den Gebetsleitfaden in jeder Hinsicht sehr wichtig und begrüße sie von ganzem Herzen. Es freut mich als Jude, wenn Christen für meine jüdischen Volksangehörigen weltweit und ihre Errettung gemeinsam beten, weil die Juden die Gebete ernsthaft brauchen. Es freut mich als messianischen Leiter und Evangelist, wenn Christen für Judenevangelisation beten, weil ohne Fürbitte unser Dienst unmöglich wäre. Und es freut mich als deutscher Staatsbürger, wenn Christen für die Synagogen und jüdischen Gemeinden in deutschen Städten beten, weil dadurch unsere Städte und unser Land gesegnet werden. 10


Ich hoffe, dass das Buch uns allen hilft, unsere Gebetsreihen zu schließen, um im gemeinsamen Gebet für die Juden zugleich die Welt zu verändern. Gottes Segen und Schalom aus Berlin, Wladimir Pikman Gesamtleiter von Beit Sar Shalom, Leiter des Jüdisch-Messianischen Zentrums und der messianischen Gemeinde in Berlin

11


Durch das Gebet zum Herzen der Juden finden

Im Jahre 2002, nach einer Vorstellung des Passah in unserer Gemeinde, rief mich der Herr zum Dienst als administrative Mitarbeiterin in der Mission „Juden für Jesus CH“. Das war mir völlig neu und fremd. Die Juden aus der Bibel kannte ich wohl, aber ob es Juden gab in meiner Stadt? Es begann im Zug. Ich saß einer älteren Dame gegenüber. Wir sprachen vom Wetter, und dann erwähnte ich Jesus. „Hören Sie auf!“ sagte sie „ich habe den Glauben meiner Mutter!“ Sie wollte mir aber nicht sagen, an wen oder was ihre Mutter glaubte. Später erfuhr ich durch eine Bekannte, dass sie Jüdin ist. Ich musste an ihr Herz herankommen, und das wurde möglich durch Gebet. Eines Tages rief sie mich an, sie habe den Arm gebrochen, ob ich ihr einige Hilfeleistungen geben könne? Nach einigen Kontakten vernahm ich ihre Geschichte. Sie war in Wien aufgewachsen. Ihre Familie kam nach Auschwitz. Ich war fassungslos und bekannte ihr beschämt, dass auch ich schon antisemitische Gefühle gehabt hatte. Ich bat um Verzeihung. Und wie sollte ich ihr Jesus nahe bringen? Da hilft nur das Gebet. Mit Juden für Jesus durfte ich an einigen Evangelisations-Kampagnen in Frankreich teilnehmen. Das muss man selbst erleben! Mit Juden auf die Straße gehen, in auffallenden T-Shirts mit Aufschrift „Jesus ist der Messias!“ Manchmal gab es Konfrontation mit der Polizei, manchmal Demütigungen und gar einige Angriffe von orthodoxen Juden. Aber auch manch gute Gespräche über Jesus und die Hoffnung, dass diese Menschen zum Messias finden. Dafür braucht es viel Gebet. 13


Die Juden haben Angst davor, man wolle sie zu einer anderen Religion bekehren. Doch sie brauchen dringend Jesus, und sie brauchen unser Gebet. So schrieb mir eine Jüdin: „Ich weiß nicht, warum ich Ihnen schreibe, aber ich muss es tun.“ Sie fand das Neue Testament sehr schön, wollte es aber nicht annehmen, dass Jesus der Messias sein könnte. Das kann ändern durch Gebet. Es ist nicht so, dass die Juden das Zeugnis von Christus nur von den messianischen Juden annehmen. Wenn ich sage, ich sei Christin und glaube an Jesus, finden sie das ganz normal. Dafür ist es schwieriger, im Gespräch auf eine Ebene zu kommen, die ihnen die Botschaft auf vertraute Art – und nicht wie eine fremde Religion – nahe bringt. Wenn ein jüdischer Missionar evangelisiert, ist die Ablehnung oft heftig, dafür aber auch die Vertraulichkeit größer, weil ein Jude das Evangelium auf jüdische Weise hört. Bei der Evangelisation unter den Juden steht allem voran das Gebet, denn ohne Gebet sind die Missionare wie Elite-Soldaten an der Front ohne Versorgungstruppe. Wie können wir das Evangelium den Juden nahe bringen? Vor jeder Erweckung steht das Gebet. Und wie soll man beten? Das geht gar nicht so von selbst; sicher haben Sie diese Erfahrung auch gemacht. Es gibt zwar Bücher; ich habe einige davon, aber irgendwie kommt es trotzdem nicht zum Durchbruch. Sicher ist der Feind Gottes im Spiel, denn er kennt die Wirksamkeit des Gebets, aber es ist auch das Problem der Motivation. Wenn ich nicht einen Menschen oder ein Gebetssujet ganz besonders am Herzen habe, flaut alles ab, bevor es richtig angefangen hat. Und dazu kommt, dass es kaum jemandem von uns Christen eingefallen wäre, besonders für die jüdischen Gemeinden zu beten, dass diese zu ihrem Messias finden, oder? Nun, Hildegard hat das ins Herz gelegt bekommen, und es gab bei mir eine Kehrtwendung, als ich den Gebetsleitfaden auf Französisch übersetzte. Es wurde so richtig spannend, ich fühlte mich persönlich angesprochen und hatte den Wunsch, auch andere dafür begeistern zu können. So bin ich von der Sekretärin für „Juden für Jesus“ auch zur Beterin für „Juden für Jesus“ geworden. Ich rief den hiesigen Rabbi an und sagte, ich wolle für die 14


jüdische Gemeinde beten und schickte ihm einige Blätter aus dem Gebetsleitfaden. Auch beschloss ich, ab jetzt am Freitagabend in die Synagoge zu gehen, und so gleich an Ort und Stelle vor Gott in den Riss zu treten. Als ich den Rabbi um ein Gebetsbuch bat, strahlte er über das ganze Gesicht, obwohl ich auf den Blättern bewusst den Satz habe stehen lassen, dass wir dafür beten wollen, dass die Juden zum Messias finden. Dann kam der Wunsch, den Gebetsleitfaden auch meinem Pastor zu schicken und ihn in der kleinen Gebetszelle anzuwenden, die ich besuche. Und jetzt erinnere ich mich noch an andere Geschwister, die sich vielleicht auch dafür einsetzen wollten. Und schon kommt es zu einer Kettenreaktion, weil der Geist Gottes wirkt, und wir können nur noch staunen, wie wir dem Herrn durch das Gebet für die Juden näher kommen. Wenn da kein Segen daraus wird! Adelheid Schoch

15


Zum Buch

Gottes Wirken ist wieder einmal anders als wir erwarten Wenn man nachrechnet, wie viele messianische Juden es unter den Juden in Deutschland gibt, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis: Dieser Prozentsatz ist größer als der der wiedergeborenen Christen in unserem Land. Ganz anders als wir erwartet haben! Sehen Sie das Wunder, das Gott gegenwärtig in unserem Land tut? Eigentlich war Paulus berufen, den Heiden das Heil zu bringen. Trotzdem war er sich der Tatsache bewusst, dass die Juden in ihre Berufung treten, Licht unter den Völkern zu sein, wenn sie den Messias erkennen. So würde die Weltevangelisation enorm vorangetrieben werden! Nehmen Sie die Herausforderung folgender Kurskorrektur an: „den Juden zuerst“! Lassen Sie sich von der himmlischen Vision erobern, dass wir in Europa Beter für jede jüdische Gemeinde finden! Werden Sie selbst ein Beter für die Synagoge Ihrer Stadt und gewinnen Sie weitere Beter! Gemeinsam können wir das geistliche Vakuum, das durch mangelndes Gebet für die Juden in der Diaspora entstanden ist, mit segnenden Gebeten füllen. Ich lade Sie dazu ein, die Juden in unserer Mitte für den Herrn zu erreichen. Der Gebetsleitfaden kann eingesetzt werden, um Geschwister, die im Gebet für Juden eintreten wollen, anzuleiten. Pastoren und Leiter bekommen ein Konzept, um Gebetskreise, die für jüdische Mitbürger beten, ins Leben zu rufen. Die Gemeinde der gläubigen Juden und Christen erwartet, dass der helle Morgenstern aus dem Geschlecht Davids aufgeht. Sie befindet sich auf den letzten Metern vorm Ziel. Poetisch ausge17


drückt ist sie zwischen Nacht und Morgengrauen unterwegs. Auf dem Weg, der nach Hause führt, werden diejenigen, die an den Messias glauben, ihren Brüdern, gläubigen und ungläubigen Juden, begegnen. Jakob hat Geschenke vor sich her gesandt, um Gnade vor den Augen des älteren Bruders zu finden. Denn er dachte: „Ich will ihn versöhnen mit dem Geschenk, das vor mir hergeht.“ (1Mo 32,21) Genauso verhalten sich manche Christen. Sie senden den nichtgläubigen Juden Geschenke entgegen, um Gnade zu finden. Soziale Werke werden unterstützt, Bäume gepflanzt, Treffen mit Juden bis hin in die höchsten politischen Reihen organisiert. Verkehrt ist das nicht. Gott liebt es, wenn wir barmherzig sind, helfen, und auf jede erdenkliche Weise in den Dialog mit Juden eintreten. Doch sollte das alles sein? Menschen, die durch die Gnade Jesu gerettet wurden, haben den Auftrag, diese Gnade anderen zu vermitteln. Jesus und die Jünger haben – als Juden – den Juden zuerst das Evangelium gebracht. Viele haben Angst, den Juden so entgegenzutreten. Werden sich die Juden von ihnen abwenden, sie beschimpfen, ihnen die Freundschaft kündigen, die sie so mühsam aufgebaut haben? Mit diesem Zustand der Schuld und Reue arrangieren sich einige, indem sie Geschenke für den Staat Israel vorschieben. Leider lähmt sie das permanente Schuldbewusstsein in ihrem apostolischen Auftrag. Könnte Jakob in seinem Ringen, in seinem Kampf zwischen Nacht und Morgengrauen, nicht auch ein prophetisches Bild für den priesterlichen Gebetskampf der Gemeinde sein, die für Juden und Christen eintritt? Sie leistet Fürbitte dafür, dass die noch nicht gläubigen Juden ihren Messias erkennen und Christen die Hemmungen verlieren, ihren evangelistischen Auftrag wahrzunehmen: Den Juden zuerst die frohe Botschaft zu bringen. Im Morgengrauen erhält Jakob eine neue Identität. Ebenso wird die Gemeinde eine neue Identität an der Seite des älteren Bruders finden. Nach der Nacht des Kampfes galt für Jakob: „Da ging ihm die Sonne auf!“ (1Mo 32,32) Wir befinden uns – geistlich gesprochen – in einem Geburtspro­ zess mit heftigen Wehen, die ständig zunehmen. Geboren wird 18


die Braut Jesu, die Gemeinde, die Gottes Absicht ausführt, die ihrem Bräutigam entgegengeht und gemeinsam mit ihm auf die Erde zurückkehren wird. Wenn man den Auszug aus Ägypten versteht, als verließe man das Leben auf der Erde, ist das sie Situation, die vorbereitet wird. Das Herz Jesu schlägt dafür, dass so viele Juden wie möglich mitgenommen werden. Lassen Sie uns beten, dass der Schleier von den Augen der Juden weggenommen wird und sie ihren Messias erkennen. Jesus wird nicht eher zurückkehren, bis dass sie gläubig rufen: „Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt! Siehe, euer Haus wird euch wüst gelassen werden. Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: ‚Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!‘“ (Mt 23,37-39)

19


I.

Ziel des Gebetsleitfadens

Dieser Gebetsleitfaden zielt darauf ab, für die Hunderttausenden von Juden zu beten, die in Europa und in der ganzen Welt leben. Das Gebetsziel ist dabei, dass die Juden zum Glauben an ihren Messias kommen. Die meisten Gläubigen, die für Juden beten, konzentrieren sich bei ihrer Fürbitte auf das Land Israel und Jerusalem. So ist ein geistliches Vakuum über den Juden, die in der Diaspora leben, entstanden. Zum einen sollten Geschwister, die eine Vorstellung von Gottes Heilsplänen mit Israel haben, gezielter beten und ihren Focus auf die Juden, die in ihrem Land leben, richten. Zum anderen brauchen Geschwister, die kaum Erfahrungen im Gebet haben und /oder sich nur oberflächlich mit Gottes Plänen bezüglich der Juden beschäftigt haben, Hilfestellung. Das ist die doppelte Strategie dieses Leitfadens. Er kann eingesetzt werden, um Geschwister, die im Gebet für Juden eintreten wollen, anzuleiten. Pastoren und Leiter bekommen ein Konzept, um Gebetskreise, die für jüdische Mitbürger beten, ins Leben zu rufen. Ich bete dafür, dass dieser Gebetsleitfaden zu einem Werkzeug wird, um Reinigung in die Gemeinden zu bringen, die Lügen Satans aufzudecken, die er über den Juden ausgesprochen hat, den verkleideten Geist des Antisemitismus in den eigenen Reihen zu entlarven und viele Gläubige in den Fürbittedienst für die Juden zu rufen, damit die Prophezeiung aus Jesaja 44 erfüllt wird: „So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich erwählt habe! So spricht der HERR, der dich gemacht und bereitet hat 21


und der dir beisteht von Mutterleibe an: Fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, und du, Jeschurun, den ich erwählt habe! Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre: ich will meinen Geist auf deine Kinder gießen und meinen Segen auf deine Nachkommen, dass sie wachsen sollen wie Gras zwischen Wassern, wie die Weiden an den Wasserbächen. Dieser wird sagen ‚Ich bin des HERRN‘, und jener wird genannt werden mit dem Namen ‚Jakob‘. Und wieder ein anderer wird in seine Hand schreiben ‚Dem HERRN eigen‘ und wird mit dem Namen ‚Israel‘ genannt werden.“ (Jes 44,1-5)

22


II.

Einführung

1. Geistlicher Sprengstoff Es gibt einen Sprengstoff, der steinerne Herzen öffnet, als wären sie aus Marzipan, der Mauern niederreißt und Menschen aus der Trennung von Gott in seine Gemeinschaft ruft. Wo finden wir dieses Dynamit? In Gebeten, die in Übereinstimmung mit Gottes Wort gebetet werden. „Und das ist die Zuversicht, die wir haben zu Gott: Wenn wir um etwas bitten nach seinem Willen, so hört er uns. Und wenn wir wissen, dass er uns hört, worum wir auch bitten, so wissen wir, dass wir erhalten, was wir von ihm erbeten haben.“ (1Joh 5,14-15) „Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen.“ (Mt 21,22) „... aber das Gebet der Frommen ist ihm wohlgefällig.“ (Spr 15,8) „... aber der Gerechten Gebet erhört er.“ (Vers 29) Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Alexis Carrel nannte das Gebet einmal die machtvollste Form der Energie, eine Kraft, so wirklich wie die Schwerkraft der Erde. Um zu demonstrieren, welche messbare Kraft im Gebet liegt, sei hier zu unserer Ermutigung der Bericht eines ungewöhnlichen wissenschaftlichen Experiments wiedergegeben. Der amerikanische Gelehrte Dr. N. J. Stowell hat anhand einer wunderbaren Entdeckung diese Kraft des Gebets gemessen. Hier ist die Schilderung mit seinen eigenen Worten: „Ich war ein zynischer Atheist, der glaubte, dass Gott nichts anderes sei, als eine Gedankenvorstellung der Menschen. An ein leben23


diges göttliches Wesen, das uns alle liebt und das über uns Macht besitzt, vermochte ich nicht zu glauben. Eines Tages arbeitete ich in dem großen pathologischen Laboratorium einer Klinik. Ich war mit der Aufgabe beschäftigt, die Wellenlänge und die Stärke der menschlichen Hirnstrahlung zu messen. So einigte ich mich mit meinen Mitarbeitern auf ein heikles Experiment. Wir wollten untersuchen, was bei dem Übergang aus dem Leben in den Tod innerhalb des menschlichen Gehirns vor sich geht. Zu diesem Zweck hatten wir uns eine Frau gewählt, die an Tod bringendem Gehirnkrebs litt. Die Frau war geistig und seelisch völlig normal. Allgemein auffallend trat ihre liebenswürdige Heiterkeit zu Tage. Doch körperlich stand es umso schlimmer mit ihr. Wir wussten, dass sie im Sterben lag und sie wusste es auch. Wir hatten davon Kenntnis genommen, dass es sich um eine Frau handelte, die im Glauben an den persönlichen Erlöser Jesus Christus gelebt hatte. Kurz vor dem Tod stellten wir einen hochempfindlichen Aufnahmeapparat in ihr Zimmer. Dieses Gerät sollte uns anzeigen, was sich in ihrem Gehirn während der letzten Minuten abspielen würde. Über dem Bett brachten wir zusätzlich ein winziges Mikrophon an, damit wir hören konnten, was sie spräche, falls sie überhaupt noch ein Lebenszeichen von sich geben würde. Inzwischen begaben wir uns in den angrenzenden Nebenraum. Wir zählten fünf nüchterne Wissenschaftler, von denen ich wohl der nüchternste und verhärtetste war. Abwartend und von innerer Spannung erfasst, standen wir vor unseren Instrumenten. Der Zeiger stand auf Null und konnte bis zu 500 Grad nach links in negativer Wertung ausschlagen. Einige Zeit vorher hatten wir unter Zuhilfenahme des selben Apparates die Sendung einer Rundfunkstation gemessen, deren Programm mit einer Stärke von 50 Kilowatt in den Äther strahlte. Es handelte sich dabei um eine Botschaft, die rund um den Erdball getragen werden sollte. Bei diesem Versuch stellten wir einen Wert von 9 Grad positiver Messung fest. Der letzte Augenblick der Kranken schien herbeigekommen. Plötzlich hörten wir, wie sie zu beten und Gott zu preisen begann. Sie bat Gott, all den Menschen zu vergeben, die ihr in ihrem Leben Unrecht getan hatten. Dann verlieh sie ihrem festen Glauben an Gott Ausdruck mit den Worten: „Ich weiß, dass du die einzige zuverlässige Kraftquelle aller deiner Geschöpfe bist und bleiben 24


wirst.“ Sie dankte ihm für seine Kraft, mit der er sie ein Leben lang getragen hatte und für die Gewissheit, Jesu Eigentum sein zu dürfen. Sie bekundete ihm, dass ihre Liebe zu ihm trotz allen Leids nicht wankend geworden sei. Und im Hinblick auf die Vergebung ihrer Sünden durch das Blut Jesu klang aus ihren Worten eine unbeschreibliche Wonne. Sie brach schließlich in Freude darüber aus, dass sie bald ihren Erlöser schauen dürfe. Erschüttert standen wir um unser Gerät. Längst hatten wir vergessen, was wir eigentlich hatten untersuchen wollen. Einer schaute den anderen an, ohne dass wir uns unserer Tränen schämten. Ich war derart gepackt von dem Gehörten, dass ich weinen musste, wie seit meiner Kindheit nicht mehr. Plötzlich, während die Frau noch weiter betete, hörten wir einen klickenden Ton an unserem Instrument. Als wir hinüberblickten, sahen wir den Zeiger bei 500 Grad positiv anschlagen und immer wieder gegen die Abgrenzung wippend. Unsere Gedanken jagten sich. Jetzt hatten wir durch technische Messungen erstmals eine ungeheuerliche Entdeckung gemacht: Das Gehirn einer sterbenden Frau, die mit Gott in Verbindung stand, entwickelte eine Kraft, die 55mal stärker war als jene weltweite Ausstrahlung der Rundfunkbotschaft. Um unsere Beobachtungen weiterzuführen, einigten wir uns wenig später auf einen neuen Versuch. Nachdem wir unsere Geräte aufgebaut hatten, baten wir eine Schwester, einen anderen Kranken in irgendeiner Form zu reizen. Der Mann reagierte darauf mit Schimpfen und Fluchen. Ja, nicht genug, er missbrauchte sogar den Namen Gottes auf lästerliche Art. Und wieder klickte es an unserer Apparatur. Wie waren wir bewegt, als wir feststellen mussten, dass sich der Zeiger auf 500 Grad negativ befand und am Abgrenzungspfahl aufgeschlagen war. Damit standen wir am Ziel unserer Entdeckung. Es war gelungen, auf wissenschaftlichem Wege die positive wie auch die negative Kraft des Widerwirkers einwandfrei zu beweisen. In jenem Augenblick begann meine atheistische Weltanschauung abzubrechen und die Lächerlichkeit meines Glaubens wurde mir klar. …“1 1

Entnommen aus dem Buch von Wilhelm Otto Roesermoeller: Hilfe aus dem Jenseits, was das Gebet vermag. Ärztliche Berichte und Zeugnisse über plötzliche Heilungen durch die Kraft des Gebets, Karl Rohm-Verlag, Biertigheim, ISBN 3876830729

25


Wer von uns hätte eine messbare Kraft vermutet, die von unseren Gedanken und Gebeten ausgeht? Wir können also in jedem Augenblick durch unsere Gebete am Schicksal der Welt mitwirken. Gebet geht nicht verloren, seine Kraft kreist um die Erde hin zu Gott und verändert. Unser Gebet ist wie ein kleiner Same, der in den Boden gelegt wird. Aus diesem Grund übt Gebet eine ungeheure Faszination auf mich aus. Jedes Gebet ist ein Same, aus dem eine neue Pflanze wächst und die Frucht hervorbringt. Jede Frucht enthält wiederum Samen für eine neue Pflanze. Ich habe es auch in dieser Form erlebt, dass wer Gebet sät, auch Gebet erntet. Gott berief über die Jahre Fürbitter, die für den Dienst und für mich beteten. Es überraschte mich, dass immer mehr Geschwister für uns beteten, auch solche, die ich gar nicht persönlich kannte. Die Auswirkungen jener Gebete, die innerhalb unserer kleinen Gebetsgruppe „Überkonfessionelle Gebetsinitiative“ voller Glauben gebetet wurden, ermutigten uns. Die Gebetserhörungen, die uns der Vater schenkte, waren so überwältigend, dass wir uns über die Grenzen unserer Stadt hinaus wagten. Das, was wir im Ort, im überschaubaren Rahmen, gelernt hatten, war auf die Landesebene übertragbar. Das Netzwerk „Gebetspatenschaften für die jüdischen Gemeinden“ entstand verblüffend unspektakulär: Die Fürbitte begann im Kleinen, zunächst in unserer Gebetszelle in Bad Nauheim, die für die jüdische Gemeinde in unserer Stadt eintrat. Dann entdeckten wir eine jüdische Gemeinde nach der anderen. Es war nicht unser Anliegen, all diese „aufs Korn zu nehmen“, sondern weitere Personen zu finden, die sich für die jüdische Gemeinde ihrer eigenen Stadt engagierten. Beterin und Beter ließen sich überzeugen und eine Gebetsgruppe nach der anderen, bis sich in ganz Deutschland ein kleines Gebetsnetz gebildet hatte. Gottes Funke sprang über nach Belgien, Ungarn, Bulgarien und in die Schweiz. Bald wird sich das Gebetsnetz auf ganz Europa, so ist unsere Vision, ausgedehnt haben.

26


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
889055 by Fontis-Shop - Issuu