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Inhaltsverzeichnis Vorwort........................................................................... 9 Einführung – Das kostbare Blut Jesu.............................. 11 Kapitel 1: Erlösung......................................................... 15 Kapitel 2: Das Blut Jesu ist vor Gott................................ 23 Kapitel 3: Gerechtfertigt durch sein Blut....................... 31 Kapitel 4: Glauben an das Blut........................................ 39 Kapitel 5: Den Verkläger überwinden............................. 47 Kapitel 6: Heilung – von Gott gewollt............................. 53 Kapitel 7: Durch seine Striemen ... ................................ 61 Kapitel 8: Ein Volk, das Gott gehört............................... 69 Kapitel 9: Das Mahl des Herrn........................................ 77


Vorwort Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gelesen hätte, könnte ich es kaum glauben. Eine ältere Dame war seit Monaten nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu bezahlen und musste deshalb aus ihrer schäbigen Wohnung in einem Asozialenviertel Chicagos ausziehen. Nachdem sie fort war und man ihre verwohnten Möbel zur Müllhalde brachte, fand ein Möbelpacker unter einer Matratze die Summe von umgerechnet 150.000,– € – unter einer Matratze! Als ich das in der Braunschweiger Zeitung las, dachte ich an die vielen Christen, die geistlich reich sind und dennoch in Armut leben. Weshalb? – Weil sie weder den Reichtum in Christus kennen noch wissen, wie sie ihn für sich in Anspruch nehmen können. Es gibt zwei grundlegende Voraussetzungen für wahres geistliches Wachstum: erstens, die Wahrheit zu wissen und zu verstehen, und zweitens, sich in seinem moralischen Handeln von Herzen der Wahrheit unterzuordnen. Paulus betont in seinen Briefen besonders die großen Zusagen des Glaubens. Erst nachdem er diese geistlichen Tatsachen dargelegt hat, spricht er über Glauben und Hingabe. Mein Leben ist durch das Studium des Römerbriefes sehr bereichert worden, weil Paulus darin Reichtümer vor mir ausbreitete und aufdeckte, die meinem geistlichen Auge vorher verborgen geblieben waren. Über viele Jahre hinweg habe ich diese Wahrheiten in der Bibelschule „Glaubenszentrum“ gelehrt. Dadurch ist in meinem Herzen jedoch das Verlangen gewachsen, sie in einem größeren Rahmen mitteilen zu können. Ein Verständnis des teuren Blutes Jesu kann unser Leben so verändern, dass wir von geistlich schwachen Feiglingen zu Menschen werden, die 9


„sich stark erweisen und entsprechend handeln“ (Dan 11,32). Mit dem tiefen Wunsch, dass Ihr Leben in jeder Hinsicht bereichert werden möge, gebe ich dieses Studium über das kostbare Blut Jesu heraus.

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Einführung – Das kostbare Blut Jesu Im Alten Testament richtete Gott unter dem mosaischen Gesetz ein Opfersystem ein, das uns die Bedeutung des Blutes verständlich machen sollte. Er nahm sich viel Zeit, um sein auserwähltes Volk darauf vorzubereiten, das Leiden Jesu mit seinen Auswirkungen für unsere Erlösung verstehen zu können. Obwohl es stimmt, dass viele nicht gern über das Blut sprechen, bleibt doch die Tatsache bestehen, dass es in den Augen Gottes ein sehr wichtiges Thema ist. In der Stiftshütte, die Mose nach der Anordnung Gottes baute, gab es drei Teile: den Vorhof, das Heiligtum und das Allerheiligste. Das, was im Vorhof geschah, war keineswegs angenehm. Dort wurden unschuldige Tiere geschlachtet und unschuldiges Blut vergossen. Nach Gottes Willen sollte das kein schöner Anblick sein, denn er wollte die Hässlichkeit der Sünde und den hohen Preis, der zu ihrer Sühnung bezahlt werden musste, sichtbar machen. Sünde hat einen hohen Preis. Das hielt der erschreckende Anblick des Vorhofs den Menschen ständig vor Augen. Am Brandopferaltar gab es nichts Anziehendes, und es sollte auch gar nicht anders sein. Das Heiligtum dagegen war wunderschön anzusehen. Wie majestätisch muss es gewesen sein! Die Wände waren mit Gold überzogen und alle Geräte aus reinem Gold gearbeitet. Darin spiegelte sich das Licht des Leuchters in herrlicher Intensität. Im Allerheiligsten erhellte dann das übernatürliche Licht Gottes nicht nur die Wände, sondern auch die Cherubim und den Gnadenstuhl. Doch die Herrlichkeit im Heiligtum wie im Allerheiligsten war mit Blut befleckt. Das wunderbare Gold galt Gott als Symbol seiner Herrlichkeit, und dennoch wollte er, dass alles mit Blut besprengt würde, weil das Blut in seinen Augen das 11


Kostbarste ist, was es gibt. „Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, ...“ (3.Mo 17,11). Wenn wir das Neue Testament betrachten, begegnet uns das Gleiche. Vom fünften bis zum zweiundzwanzigsten Kapitel der Offenbarung ist das Lamm die zentrale Figur. Das fünfte Kapitel zeigt den Thron Gottes und ein Buch in der Mitte des Thrones, das von den Absichten des Herrn für die Menschheit spricht. Niemand ist würdig, das Buch zu nehmen und Gottes Ziele mit den Menschen wiederherzustellen. Der Ruf erschallt im Himmel, aber keiner wird für würdig befunden. Auch auf der Erde beantwortet niemand den Ruf. Selbst in der Hölle kann man die Stimme hören: „Wer ist würdig ...?“ – und auch von dort kommt keine Antwort. Der Apostel Johannes beginnt zu weinen, bis ihn einer der Ältesten unterbricht und mit lauter Stimme verkündigt: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids ...“ Dann wendet sich Johannes um, den Löwen zu sehen – und sieht ein Lamm! Die Bedeutung ist offensichtlich: Die Löwenkraft Gottes steht uns im Lamm zur Verfügung. Im gleichen Kapitel finden wir Anbeter, die niederfallen und sagen: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist ...“ (Offb 5,12). Das griechische Wort für geschlachtet bedeutet, dass es gerade geschlachtet worden ist. Die Wunden sind frisch. Als Jesus von den Toten auferstand, erschien er seinen Jüngern in seinem neuen Leib. Gott weckte seinen Leib aus den Toten auf, heilte aber nicht – und das ist sehr interessant – die Wunden in der Seite, an den Füßen und an den Händen. Bis in alle Ewigkeit wird der Herr Jesus Christus die besonderen Zeichen seines Leidens tragen. Gott wird seine Narben niemals heilen. Die Engel, die in seiner Gegenwart sind, sehen ihn als das Lamm, das gerade geschlachtet worden ist. Seit Golgatha ist Jesus das Lamm. In der Tat wird von ihm als dem Lamm, „das 12


geschlachtet worden ist, von Grundlegung der Welt an“, gesprochen (Offb 13,8 – Schlachter), und dies wird sein Name in alle Ewigkeit sein. Im allerletzten Kapitel der Offenbarung, das von dem neuen Himmel und der neuen Erde handelt, ist unsere Aufmerksamkeit immer noch auf das Lamm Gottes gerichtet. Der Himmel ist ein wunderschöner Ort mit unbeschreiblicher Herrlichkeit und Majestät, aber der kostbarste Schatz in den Augen des Vaters ist das Blut seines lieben Sohnes.

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Kapitel 1: Erlösung Im Römerbrief, Kapitel drei, lesen wir die Worte: „... denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“ (Röm 3,23-24). In diesem Kapitel wollen wir uns mit dem Thema der Erlösung beschäftigen. In seinem Bemühen, das Werk Christi zu erklären, bezog sich Paulus auf die griechische Kultur und verwendete Begriffe, die seinen Empfängern vertraut waren. In seinen Ausführungen gebrauchte der Apostel, dem die größte Offenbarung über Erlösung zuteil geworden ist, ein zusammengesetztes griechisches Wort: apolutrosis. Obwohl es sich für manchen wie eine unheilbare Krankheit anhören mag, war dieser Ausdruck doch ein anschauliches Wort zur Beschreibung dessen, was Jesus getan hat. In der griechischen Sprache gibt es eigentlich drei Wörter, die für unsere Erlösung im Sinn von erkaufen gebraucht werden: agorazo, exagorazo und lutroo. Das Wort agorazo enthält das Wort agora, was Markt bedeutet, besonders aber Sklavenmarkt. Wenn wir das griechische Präfix ex davorsetzen, erhalten wir das nächste Wort exagorazo; das heißt aus dem Sklavenmarkt loskaufen. Das dritte griechische Wort ist lutroo. Es bedeutet durch das Bezahlen eines Preises befreien. Wie wir jedoch bereits bemerkt haben, verwendet Paulus für Erlösung ein Wort, das aus lutron (Hauptwort von lutroo) = Lösegeld und apoluo = befreien (in Markus 15,6 und an anderen Stellen für das Freigeben eines Gefangenen gebraucht) zusammengesetzt ist. Wenn man beide Wörter zusammennimmt, versteht man die Bedeutung: Befreiung durch das Zahlen eines Lösegeldes. Der Gedanke, den der Apostel zum Ausdruck bringt, ist, dass Gefangene freigelassen werden, weil jemand einen Preis bezahlt hat. 15


Im Licht dieser Aussagen wollen wir drei Fragen stellen: 1) Wer sind die Gefangenen oder Sklaven? 2) Wer hat den Preis bezahlt, und was war der Preis? 3) Wem wurde der Preis bezahlt? Die erste Antwort ist sicherlich leicht – wir waren die Sklaven; wir waren die Gefangenen. 1. Korinther 6,20 stellt fest: „Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden.“ Die zweite Antwort ist auch eindeutig, denn immer wieder wird uns gesagt: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, ...“ (Eph 1,7; s. auch 1.Petr 1,18-19; Mt 20,28). Das Lösegeld, das bezahlt wurde, ist das kostbare Blut Jesu Christi. Die dritte Frage enthält möglicherweise eine gewisse Schwierigkeit. Wem wurde das Lösegeld bezahlt? Manche werden antworten: dem Teufel. Dazu habe ich mehrmals eine Geschichte gehört, die illustrieren soll, wie Jesus uns vom Feind erlöst hat: Eines Tages ging ein netter junger Mann spazieren und traf unterwegs einen kleinen Jungen, der mit einem verwundeten Vogel spielte. Er hatte ihn auf dem Boden gefunden, und nachdem er bemerkt hatte, dass das Tier lahm war, rupfte er ihm mit großem Vergnügen eine Feder nach der anderen aus. Voller Mitleid fragte ihn der Mann: „Für wie viel Geld würdest du mir den Vogel verkaufen?“ Der Junge wunderte sich, dass der Fremde diese elende Kreatur kaufen wollte, und nannte einen unmöglich hohen Preis. Zu seinem Erstaunen bezahlte ihn der Mann tatsächlich. Obwohl es wahr ist, dass wir verwundet waren und Satan unsere elende Situation ausgenutzt hat, habe ich Schwierigkeiten, mir vorzustellen oder anzunehmen, dass Jesus den 16


Preis für unsere Erlösung dem Teufel gegeben haben soll. Vielleicht findet das jemand übergenau, doch um die Erlösung zu verstehen, ist es notwendig zu wissen, wem der Preis bezahlt wurde. Abgesehen von der Tatsache, dass die Bibel kein einziges Mal erwähnt, dass das Lösegeld für unsere Befreiung dem Teufel gegeben worden sei, ist es völlig unlogisch anzunehmen, dass Jesus sein so unsagbar kostbares eigenes Blut Satan dargebracht haben könnte. Der Herr selbst hat uns gelehrt, Perlen nicht vor die Säue zu werfen; doch wenn er sein sühnendes Blut Satan gegeben hätte, wäre das geradezu ein Paradebeispiel dafür, was er uns gelehrt hat, nicht zu tun. Die oben beschriebene Vorstellung ist nicht nur unlogisch, sondern auch theologisch unhaltbar. Der Schreiber des Hebräerbriefes bringt deutlich zum Ausdruck, wem der Sohn Gottes sein kostbares Blut dargebracht hat: „Christus aber ist gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch das größere und vollkommenere Zelt – das nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist – und nicht mit Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat uns eine ewige Erlösung erworben“ (Hebr 9,11-12). So brachte Jesus sein Blut nicht in die Hölle, sondern in den Himmel. Es wurde nicht dem Teufel, sondern Gott, dem Vater, gegeben. Das wird natürlich auch am Beispiel der Stiftshütte deutlich. Dort wurde das Blut von Böcken und Kälbern nicht dem Teufel gegeben, sondern dem heiligen Gott. Ebenso galt bei der Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens – ein generelles Bild für Befreiung aus den Banden Satans – das Lösegeld nicht dem Teufel. Gott war es, der sagte: „... wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen: ...“ (2.Mo 12,13). Wenn es auch zunächst für manchen schwer verständlich sein mag, wird es, glaube ich, doch noch ganz klar werden, wem 17


der Preis für die Erlösung gegeben worden ist: nicht dem Teufel, sondern Gott. Vielleicht kann man diesen wichtigen Sachverhalt leichter verstehen, wenn wir uns die Gebundenheit, in der wir uns selbst befanden, näher anschauen. Offenbarung 1,5 stellt fest, dass wir in der Gebundenheit unserer Sünden lebten, denn dort heißt es: „... der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut ...“ (Schlachter; mehrere gute Handschriften sagen „erlöst“). Ebenso wurde von dem Erlöser gesagt: „... du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden.“ Der Apostel Paulus schreibt, dass wir „unter die Sünde verkauft“ waren, doch Dank sei Gott! Jesus kam, um uns aus den Banden der Sünde zu befreien, indem er sein Blut als Lösegeld bezahlte (Mt 1,21 bzw. Röm 7,14). Im Brief an die Korinther macht Paulus eine interessante Aussage bezüglich der Macht der Sünde: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber das Gesetz“ (1.Kor 15,56). Dies ist zum Verständnis der Macht und der Wirkung des Blutes Jesu äußerst wichtig. Wir sind verdammt, weil wir Gottes gute Gesetze gebrochen haben. Gott ist ein gerechter Gott. Er kann seine Augen nicht vor meinen Sünden verschließen, gleichgültig, wie sehr er mich auch liebt. Manchmal sagen Leute: „Gott ist Liebe, aber er ist auch gerecht.“ Solches Denken stellt mich sofort vor das Problem: Ist Gerechtigkeit das Gegenteil von Liebe und umgekehrt? Können wir etwa darauf bestehen, dass Gott gut, zugleich aber auch heilig ist? Güte und Heiligkeit sind nicht nur miteinander vereinbar, sondern sogar für ihre wechselseitige Existenz absolut notwendig. Gott ist Liebe. Wir können Gott nicht an unserem begrenzten Verständnis von Liebe messen. Wir müssen vielmehr umgekehrt Liebe definieren, indem wir Gott anschauen. Liebe ist gerecht, und Liebe ist barmherzig. Liebe ist beides. Gott kann, anders 18


gesagt, nicht einen Aspekt von Liebe auf Kosten eines anderen betonen. Wahre Liebe kann nicht Gerechtigkeit vernachlässigen, um jemandem Freundlichkeit zu erweisen. Sie muss immer gerecht sein, sonst ist es keine Liebe. Gottes Problem (menschlich ausgedrückt) bei der Vergebung war niemals persönlicher Art, sondern herrschaftsbezogen. Mit anderen Worten: Es bestand nicht darin, dass er nicht genug Barmherzigkeit besaß, um sich zum Vergeben durchzuringen. Lassen Sie uns festhalten, dass Gott grenzenlos reich und überströmend an Barmherzigkeit, Gnade und Freundlichkeit ist. Das Gesetz fordert jedoch Gerechtigkeit, und Gott würde niemals das Gesetz brechen. Paulus sagte: „... der Lohn der Sünde ist der Tod, ...“ (Röm 6,23). Deshalb wurden wir durch das gerechte Gesetz zum Tode verurteilt. Das verstehen wir unter der Aussage, dass „die Kraft der Sünde ... das Gesetz“ ist. Wir waren Gefangene, die auf der Todesliste standen; unsere gerechte Strafe bestand in hoffnungsloser Verdammnis. Der Hebräerbrief zeigt deutlich, dass der Teufel die Macht des Todes besaß (Hebr 2,14). Doch wie hat er sie bekommen? Was ist seine Macht? – Die Antwort ist einfach: Die Macht, die der Feind über uns ausübte, war das Gesetz. Durch das Gesetz, das wir gebrochen haben, gewann der Teufel die legale Basis zu unserer Verurteilung – einem Staatsanwalt vergleichbar, dessen Ziel es ist, für ein Verbrechen genügend Beweismaterial zu finden, um die Schuld des Täters nachzuweisen. Er bringt sein Beweismaterial vor den Richter, und der Richter ist seinerseits zur Gerechtigkeit verpflichtet. Der Teufel kennt die Gerechtigkeit Gottes sehr gut, dementsprechend klagt er uns an. Gott muss uns nun als gerechter Richter wegen unserer Unfähigkeit, das Gesetz Gottes zu halten, verurteilen. Er kann nicht gemäß der Barmherzigkeit richten, die in seinem Herzen ist, sondern er muss der Wahrheit entsprechend rich19


ten. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie der Feind mit der Liste von Übertretungen, die wir begangen haben, vor Gott steht. Unser Gott weiß alles und kann nicht so tun, als ob wir nicht schuldig wären. Es ist schließlich sein vollkommenes Gesetz, das uns unter Strafe gebracht hat. Gottes Gesetz ist es, das uns verurteilt. Es ist so wichtig, dies zu verstehen. Der Feind erfindet nicht Anklagen gegen uns. Sie sind von der „gegen uns gerichtete(n) Schuldschrift ausgelöscht, die durch Satzungen uns entgegenstand, ...“ (Kol 2,14 – Schlachter) abgeleitet. Die gerechten Forderungen des Gesetzes müssen erfüllt werden. Was tat Gott? Dank sei Gott! Wir kennen die Antwort. Gott warf die Satzungen nicht weg, weil sie, wie gesagt, die rechtmäßigen Erwartungen seines Gesetzes sind. Das Wort Gottes erklärt: Er „... hat sie aus dem Weg geschafft, indem er sie ans Kreuz heftete.“ (Kol 2,14 – Schlachter). Durch das Opfer Jesu am Kreuz wurde das Gesetz erfüllt. Das vergossene Blut des Lammes Gottes beweist, dass Gott gerecht ist, und es erlaubt ihm gleichzeitig, denen zu vergeben, die in einfachem Glauben zu ihm kommen. Wir waren durch die gerechten Forderungen des Gesetzes verflucht. Der Vater hat das Gesetz nicht verändert (das konnte er nicht tun, weil das Gesetz ein Ausdruck seiner Selbst ist), sondern er hat den gerechten Zorn, der uns aufgrund des Gesetzes hätte treffen müssen, am Kreuz auf sich selbst genommen. Paulus sagte zu den Galatern: „Christus hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, indem er ein Fluch für uns geworden ist ...“ (Gal 3,13). Nun wird es noch deutlicher, wem das Blut als Lösegeld bezahlt wurde. Hier sehen wir Erlösung als ein „Rechtsgeschäft“ innerhalb der Gottheit. Die Gerechtigkeit Gottes sagte: „Er ist schuldig.“ Aber das Erbarmen Gottes suchte nach einem Weg zur Vergebung. Das Gesetz Gottes hatte uns verflucht, doch der Sohn Gottes ist für uns zum Fluch geworden, 20


um uns vom Fluch des Gesetzes zu erlösen. Wir können nun besser verstehen, warum Paulus sagte: „... und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist“ (Röm 3,24). Diese Erlösung hat ein für alle Mal gezeigt, „dass er [Gott] gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist“ (Röm 3,26). Kein Wunder, dass Paulus sich des Evangeliums von Christus nicht schämte, „... ist es doch Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden ... Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin geoffenbart aus Glauben zu Glauben ...“ (Röm 1,16-17). Gnade allein hätte uns niemals retten können; es war nötig, dass das Blut vergossen wurde, um die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen. In Galater 4,1-6 beschreibt der Apostel, wie wir bis zur Zeit Jesu Christi unter der Knechtschaft des Gesetzes standen. „... als aber die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau, geboren unter dem Gesetz, damit er die loskaufte, die unter dem Gesetz waren, damit wir die Sohnschaft empfingen“ (Gal 4,4-5). Die gerechten Forderungen des Gesetzes hielten uns gefangen, doch Gott sandte uns seinen Sohn, um uns zu erlösen und uns zu seinen Söhnen zu machen. Er hat uns aus der Todeszelle erlöst, als wir zu ewigem Tod verurteilt waren, und hat uns den Geist des Lebens gegeben durch das Blut Jesu. Wegen des erlösenden Blutes Jesu hat der Teufel keinen rechtmäßigen Anspruch mehr auf uns; denn als Jesus den uns entgegenstehenden Schuldbrief mit ans Kreuz nahm, entwaffnete „er ... die Gewalten und die Mächte völlig ...“ und stellte „... sie öffentlich zur Schau ... In ihm hat er den Triumph über sie gehalten“ (Kol 2,15). Wie bereits gesagt, bestanden Satans Waffen aus den Anklagen, die rechtmäßig gegen uns gerichtet waren. Mit anderen Worten: Er hatte eine legale Basis, um uns zu verklagen; doch weil Jesus das Blut seines unschuldigen Lebens als Lösegeld gab, sind unsere Sünden vergeben, und wir sind von 21


dem Rächer erlöst. Das ist nicht deshalb so, weil er dem Teufel bezahlt hat, sondern weil er das Gesetz Gottes erfüllt hat, dem gegenüber wir rechenschaftspflichtig und durch das wir verurteilt waren. Gerade darauf kam es Paulus in seinem Brief an die Epheser gewiss an: „In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen ...“ (Eph 1,7). Damit will er nicht sagen, dass Erlösung allein in der Vergebung der Sünden besteht. Ich verwende dieses Wort ganz entschieden nicht in einer einschränkenden Bedeutung; denn es ist beim Lesen des Neuen Testaments ganz offensichtlich, dass unsere Erlösung viel mehr umfasst als die Vergebung der Sünden. Es scheint mir so, als ob Paulus sagen wollte, dass das Blut Jesu Vergebung ermöglicht und damit die Tür zur Erlösung geöffnet hat. Preis sei Gott für seine unausforschliche Weisheit, die den Plan der Erlösung und die aufopfernde Liebe ersann, die seinen Sohn dazu bewegte, ans Kreuz zu gehen! Unser Widersacher, der Teufel, ist seiner Waffen der Verdammnis beraubt. Wir sind erlöst. Jesus hat „Frieden gemacht ... durch das Blut seines Kreuzes“, und „euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart nach der Gesinnung in den bösen Werken, hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und tadellos und unsträflich vor sich hinzustellen ...“ (Kol 1,20-22).

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