DEUTSCH
Y O U C AT Jugendkatechismus der Katholischen Kirche
deutsch
J U G E ND K AT E C HI S MU S DE R K AT H O L I S C HE N K IR C HE
Mit einem Vorwort von Papst Benedikt XVI.
Herausgegeben von der Österreichischen Bischofskonferenz mit Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz (29. November 2010) und der Schweizer Bischofskonferenz (6. Dezember 2010). Die Österreichische Bischofskonferenz erteilte dem Werk am 3. März 2010 das Nihil obstat. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
inhalt VORWOR T
Brief von Papst Benedikt XVI. an die Jugendlichen ER S T ER T E IL
Hinweise zum Gebrauch
Warum wir glauben können 14 | Wir Menschen sind offen für Gott 14 Gott geht auf uns Menschen zu 16 | Menschen antworten Gott 25 Das christliche Glaubensbekenntnis 28 | Ich glaube an Gott, den Vater 31 Ich glaube an Jesus Christus 51 | Ich glaube an den Heiligen Geist 73 ZWE I T ER T E IL
Wie wir die christlichen Mysterien feiern 101 Gott handelt an uns in heiligen Zeichen 102 | Gott und die heilige Liturgie 104 Wie wir die Geheimnisse Christi feiern 108 | Die Sakramente der Initiation (Taufe, Firmung und Eucharistie) 116 | Die Sakramente der Heilung (Buße und Krankensalbung) 133 | Die Sakramente der Gemeinschaft und Sendung (Weihe und Ehe) 143 | Andere liturgische Feiern 156 DR I T T ER T E IL
Die Zeichen und ihre Bedeutung: Zitat aus der Heiligen Schrift Zitat eines Heiligen oder eines Autors Definition Hinweis auf weiterführende Texte im YOUCAT © 2014 YOUCAT Foundation gemeinnützige GmbH, Königstein/Ts. 12., aktualisierte Auflage 2015 Das Werk erschien ursprünglich 2011 in der Pattloch Verlag GmbH & Co. KG, München Verlegerische Koordination und Redaktion: Bernhard Meuser, Augsburg Umschlaggestaltung, Layout, Illustration und Satz: Alexander von Lengerke, Köln Druck und Bindung: FINIDR, s.r.o. Tschechien Produktionskoordination: Druckmedien Speyer GmbH, Speyer ISBN: 978-3-945148-15-0 Printed in Czech Republic Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Die Verwendung der Marke YOUCAT erfolgt mit Zustimmung der YOUCAT Foundation. YOUCAT ® ist eine international geschützte Wort-und Bildmarke. Eingetragen unter GM: 011929131. Besuchen Sie uns im Internet unter www.youcat.org
Wie wir in Christus das Leben haben 161 Wozu wir auf der Erde sind, was wir tun sollen und wie uns dabei Gottes Heiliger Geist hilft 162 | Die Würde des Menschen 162 | Die menschliche Gemeinschaft 180 | Die Kirche 190 | Die Zehn Gebote 192 | Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken 194 | Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst 202 V IER T ER T E IL
Wie wir beten sollen 257 Das Gebet im christlichen Leben 258 | Beten: Wie Gott uns seine Nähe schenkt 258 | Die Quellen des Gebets 270 | Der Weg des Betens 274 Das Gebet des Herrn: Das „Vaterunser“ 280 REGI S T ER
Stichwortverzeichnis 288 | Definitionen 298 | Abkürzungen 299 Register aller Bibelstellen im YOUCAT 300 Danksagung 304 | Bildnachweis 304
INHALT
Der Jugendkatechismus behandelt in jugendgemäßer Sprache das Ganze des katholischen Glaubens, wie er im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (KKK von 1997) vorgelegt wurde, ohne die dort gegebene Vollständigkeit anzustreben. Das Werk ist in Frage-und-Antwort-Form aufgebaut und verweist in den Zahlen im Anschluss an die jeweilige Antwort auf die weiterführenden und vertiefenden Darlegungen im KKK. Ein sich daran anschließender Kommentar soll eine zusätzliche Hilfe zum Verständnis und zur existenziellen Bedeutung der behandelten Fragen geben. Überdies bietet der Jugendkatechismus in einer durchlaufenden Randspalte ergänzende Elemente wie Bilder, zusammenfassende Definitionen (Verzeichnis auf S. 298), Zitate aus der Heiligen Schrift, Zitate von Heiligen und Lehrern des Glaubens, aber auch von Schriftstellern, die nicht gläubig sind. Am Ende des Werkes findet sich ein Sachverzeichnis, mit Hilfe dessen sich konkrete Punkte leicht auffinden lassen.
Was wir glauben 13
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VORWORT PA P S T BE NE DI K T X V I .
Liebe junge Freunde! Heute empfehle ich Euch ein ungewöhnliches Buch zur Lektüre. Ungewöhnlich ist es von seinem Inhalt und auch von der Weise seiner Entstehung her. Von dieser seiner Entstehung möchte ich ein wenig erzählen, weil dann zugleich deutlich wird, worin das Besondere dieses Buches liegt.
6 7 PA P S T B E N E D I K T X V I .
Papst Johannes Paul II. hat damals einen kühnen Entschluss gefasst. Er entschied, dass Bischöfe aus aller Welt zusammen ein Buch schreiben sollten, in dem sie auf diese Fragen Antwort geben würden. Er vertraute mir die Aufgabe an, die Arbeit der Bischöfe zu koordinieren und dafür Sorge zu tragen, dass aus den Beiträgen der Bischöfe ein Buch würde – ein richtiges Buch, nicht eine Zusammenstellung von vielerlei Texten. Dieses Buch sollte den altmodischen Titel Katechismus der Katholischen Kirche tragen, aber durchaus etwas Aufregendes und Neues sein. Es sollte zeigen, was die Katholische Kirche heute glaubt und wie man vernünftigerweise glauben kann.
VORWORT
Es ist sozusagen aus einem anderen Werk heraus entstanden, dessen Werden in die 80er Jahre zurückreicht. Es war eine für die Kirche wie für die Weltgesellschaft schwierige Zeit, in der neue Orientierungen nötig wurden, um den Weg in die Zukunft zu finden. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) und in der veränderten kulturellen Situation wussten viele Leute nicht mehr recht, was nun die Christen eigentlich glauben, was die Kirche lehrt und ob sie überhaupt etwas lehren kann und wie sich das Ganze in die von Grund auf veränderte Kultur einfügt. Hat sich nicht das Christentum als solches überholt? Kann man vernünftigerweise heute noch gläubig sein? Das waren die Fragen, die sich auch gute Christen stellten.
Ich war erschrocken über diesen Auftrag. Ich muss gestehen, ich zweifelte, ob so etwas gelingen könne. Denn wie sollte das zugehen, dass Autoren, die über die ganze Welt verstreut sind, gemeinsam ein lesbares Buch zustande bringen? Wie sollten Menschen, die nicht nur geographisch, sondern auch intellektuell und spirituell auf verschiedenen Kontinenten leben, zusammen einen Text schaffen, der eine innere Einheit bilden sollte und auch über alle Kontinente hin verstehbar ist? Dazu kam, dass ja auch diese Bischöfe nicht einfach als individuelle Autoren schreiben sollten, sondern im Kontakt mit ihren Mitbrüdern, mit ihren Ortskirchen. Ich muss gestehen, dass es mir auch heute noch als ein Wunder erscheint, dass dieser Plan schließlich gelungen ist.
Manche Leute sagen mir: Junge Menschen von heute interessiert das nicht. Ich bestreite das und bin sicher, recht zu behalten. Junge Menschen von heute sind nicht so oberflächlich, wie man ihnen unterstellt. Sie wollen wissen, worum es im Leben wirklich geht. Ein Kriminalroman ist spannend, weil er uns in das Schicksal anderer Menschen hineinzieht, das auch das uns-
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In den Weltjugendtagen seither – Rom, Toronto, Köln, Sydney – sind sich die jungen Menschen aus aller Welt begegnet, die glauben wollen, die nach Gott suchen, die Christus lieben und Weggemeinschaft wollen. In diesem Kontext ist der Gedanke entstanden: Sollten wir nicht versuchen, den Katechismus der Katholischen Kirche in die Sprache der Jugend zu übersetzen? Seine großen Aussagen in die Welt der jungen Menschen von heute hineinzuholen? Natürlich gibt es auch in der Jugend der Welt von heute wieder viele Unterschiede. So ist nun unter der bewährten Stabführung des Erzbischofs von Wien, Christoph Schönborn, ein YOUCAT für die jungen Menschen entstanden. Ich hoffe, dass viele junge Menschen sich von dem Buch faszinieren lassen.
VORWORT
Wir trafen uns etwa drei- oder viermal im Jahr eine Woche lang und diskutierten leidenschaftlich über die einzelnen Stücke, die in der Zwischenzeit gewachsen waren. Zunächst freilich war der Aufbau des Buches festzulegen. Er musste einfach sein, damit die einzelnen Autorengruppen, die wir festlegten, einen klaren Auftrag erhalten konnten und ihre Aussagen nicht in ein kompliziertes System einzwängen mussten. Es ist der gleiche Aufbau, den Ihr in diesem jetzigen Buch findet. Er ist einfach aus der katechetischen Erfahrung der Jahrhunderte genommen: Was wir glauben – Wie wir die christlichen Mysterien feiern – Wie wir in Christus das Leben haben – Wie wir beten sollen. Ich will jetzt nicht erzählen, wie wir uns dann langsam durch die Fülle von Fragen durchgekämpft haben, bis schließlich wirklich ein Buch daraus wurde. Man kann natürlich manches oder auch vieles an einem solchen Werk kritisieren: Alles, was Menschen machen, ist unzulänglich und kann verbessert werden. Trotzdem ist es ein großes Buch: ein Zeugnis der Einheit in der Verschiedenheit. Aus vielen Stimmen konnte sich ein gemeinsamer Chor bilden, weil wir die gemeinsame Partitur des Glaubens hatten, der von den Aposteln her die Kirche durch die Jahrhunderte getragen hat.
Warum erzähle ich das alles? Wir hatten schon damals bei der Komposition des Buches feststellen müssen, dass nicht nur die Kontinente und die Kulturen ihrer Völker verschieden sind, sondern dass auch innerhalb der einzelnen Gesellschaften noch einmal verschiedene „Kontinente“ existieren: Der Arbeiter denkt anders als der Bauer, ein Physiker anders als ein Philologe, ein Unternehmer anders als ein Journalist, ein junger Mensch anders als ein alter. So mussten wir uns in Sprache und Denken etwas oberhalb all dieser Unterschiede ansiedeln, sozusagen den Raum der Gemeinsamkeit zwischen den verschiedenen Denkwelten suchen. Dabei wurden wir uns immer mehr bewusst, dass der Text „Übersetzungen“ braucht in die verschiedenen Lebenswelten hinein, um dort die Menschen in ihrem eigenen Denken und Fragen anzurühren.
rige sein könnte. Dieses Buch ist spannend, weil es von unserem eigenen Schicksal redet und darum einen jeden von uns zutiefst angeht. So lade ich Euch ein: Studiert den Katechismus! Das ist mein Herzenswunsch. Dieser Katechismus redet Euch nicht nach dem Mund. Er macht es Euch nicht leicht. Er fordert nämlich ein neues Leben von Euch. Er legt Euch die Botschaft des Evangeliums vor wie die „kostbare Perle“ (Mt 13,46), für die man alles geben muss. So bitte ich Euch: Studiert den Katechismus mit Leidenschaft und Ausdauer! Opfert Lebenszeit dafür! Studiert ihn in der Stille Eurer Zimmer, lest ihn zu zweit, wenn Ihr befreundet seid, bildet Lerngruppen und Netzwerke, tauscht Euch im Internet aus. Bleibt auf jede Weise über Euren Glauben im Gespräch!
Ich segne Euch und bete jeden Tag für Euch alle.
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Benedictus pp XVI.
11 PA P S T B E N E D I K T X V I .
Wenn Ihr Euch nun voll Eifer dem Studium des Katechismus zuwendet, möchte ich Euch ein Letztes mit auf den Weg geben: Ihr wisst alle, wie tief die Gemeinschaft der Glaubenden in letzter Zeit verwundet wurde durch Attacken des Bösen, durch das Eindringen der Sünde selbst in das Innere, ja das Herz der Kirche.
Als Israel am tiefsten Punkt seiner Geschichte war, rief Gott nicht die Großen und Angesehenen, sondern einen Jugendlichen namens Jeremias zu Hilfe. Jeremias fühlte sich überfordert: „Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung“ (Jer 1,6). Doch Gott ließ sich nicht beirren: „Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden“ (Jer 1,7). VORWORT
Ihr müsst wissen, was Ihr glaubt. Ihr müsst Euren Glauben so präzise kennen wie ein IT-Spezialist das Betriebssystem eines Computers. Ihr müsst ihn verstehen wie ein guter Musiker sein Stück. Ja, Ihr müsst im Glauben noch viel tiefer verwurzelt sein als die Generation Eurer Eltern, um den Herausforderungen und Versuchungen dieser Zeit mit Kraft und Entschiedenheit entgegentreten zu können. Ihr braucht göttliche Hilfe, wenn Euer Glaube nicht austrocknen soll wie ein Tautropfen in der Sonne, wenn Ihr den Verlockungen des Konsumismus nicht erliegen wollt, wenn Eure Liebe nicht in Pornographie ertrinken soll, wenn Ihr die Schwachen nicht verraten und die Opfer nicht im Stich lassen wollt.
Nehmt es nicht zum Vorwand, Gottes Angesicht zu fliehen! Ihr selbst seid der Leib Christi, die Kirche! Bringt das unverbrauchte Feuer Eurer Liebe in diese Kirche ein, sooft Menschen ihr Antlitz auch entstellt haben! „Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!“ (Röm 12,11).
Was wir glauben rage
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erster teil
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Warum wir glauben kĂśnnen 14 Wir Menschen sind offen fĂźr Gott 14 Gott geht auf uns Menschen zu 16 Menschen antworten Gott 25 Das christliche Glaubensbekenntnis 28 Ich glaube an Gott, den Vater 31 Ich glaube an Jesus Christus 51 Ich glaube an den Heiligen Geist 73
Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. 1 Tim 2,4
BL A ISE PASC AL (1623–1662, französischer Mathematiker und Philosoph)
Gott ist die Liebe. 1 Joh 4,16b
1
Mensch sein heißt: von Gott kommen und zu Gott gehen. Wir kommen von weiter her als von unseren Eltern. Wir kommen von Gott, in dem alles Glück des Himmels und der Erde zu Hause ist, und wir werden in seiner ewigen, grenzenlosen Seligkeit erwartet. Dazwischen leben wir auf dieser Erde. Manchmal spüren wir die Nähe unseres Schöpfers, oft spüren wir gar nichts. Damit wir den Weg nach Hause finden, hat Gott uns seinen Sohn geschickt, der uns von der Sünde befreit hat, uns erlöst von allem Bösen und uns unfehlbar ins wahre Leben führt. Er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). 285
Die Liebe ist Freude am Guten; das Gute ist der einzige Grund der Liebe. Lieben heißt: jemandem Gutes tun wollen. HL. THOMAS VON AQUIN (1225–1274, wegweisende geistige Gestalt des Mittelalters, Kirchenlehrer und größter Theologe der Kirche)
Die Quelle der christlichen Freude ist diese Gewissheit, von Gott geliebt zu sein, persönlich von unserem Schöpfer geliebt zu sein …, mit leidenschaftlicher und treuer Liebe, einer Liebe, die größer ist als unsere Treulosigkeit und unsere Sünden, mit verzeihender Liebe.
Warum schuf uns Gott?
Gott schuf uns aus freier und uneigennütziger Liebe. [1–3]
Wenn ein Mensch liebt, fließt ihm das Herz über. Er möchte seine Freude mit anderen teilen. Das hat er von seinem Schöpfer. Obwohl Gott ein Geheimnis ist, dürfen wir doch menschlich von ihm denken und sagen: Aus dem „Überschuss“ seiner Liebe heraus hat er uns geschaffen. Er wollte seine endlose Freude mit uns, die wir Geschöpfe seiner Liebe sind, teilen.
BENEDIK T X V I., 01.06.2006
Es ist natürlich für einen Menschen, dass er nach Gott sucht. Sein ganzes Streben nach Wahrheit und Glück ist zuletzt eine Suche nach dem, was ihn absolut trägt, absolut befriedigt, absolut in Dienst nimmt. Ein Mensch ist erst dann ganz bei sich, wenn er Gott gefunden hat. „Wer die Wahrheit sucht, der sucht Gott, ob es ihm klar ist oder nicht“ (hl. Edith Stein). 5, 281–285
ER S T E S K API T EL
Wir Menschen sind offen für Gott 3
Warum suchen wir nach Gott?
Gott hat in unser Herz ein Verlangen gelegt, ihn zu suchen und zu finden. Der hl. Augustinus sagt: „Du hast uns auf dich hin geschaffen, und ruhelos ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.“ Dieses Verlangen nach Gott nennen wir Religion. [27–30]
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Können wir die Existenz Gottes mit unserer
Vernunft erkennen?
Ja. Die menschliche Vernunft kann Gott mit Sicherheit erkennen. [31–36, 44–47] Die Welt kann ihren Ursprung und ihr Ziel nicht in sich selber haben. In allem, was es gibt, ist mehr, als man sieht. Die Ordnung, die Schönheit und die Entwicklung
Sie (die Menschen) sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Apg 17,27–28a
14 15 [I] 1. K A P I T E L – W I R ME N S C HE N S I ND O F F E N F ÜR G O T T
HL. FR ANZ VON SALES (1567–1622, bedeutender Bischof, genialer Seelsorger, Ordensgründer und Kirchenlehrer)
Wozu sind wir auf der Erde?
Wir sind auf der Erde, um Gott zu erkennen und zu lieben, nach seinem Willen das Gute zu tun und eines Tages in den Himmel zu kommen. [1–3, 358]
2 Das Maß der Liebe ist die Liebe ohne Maß.
Unter Religion kann man allgemein eine Beziehung zum Göttlichen verstehen. Ein religiöser Mensch erkennt etwas Göttliches als die Macht an, die ihn und die Welt geschaffen hat, von der er abhängig und auf die er hingeordnet ist. Er will dem Göttlichen durch seinen Lebensstil gefallen und es verehren.
Warum wir glauben können
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Menschen und menschliche Dinge muss man kennen, um sie zu lieben. Gott und göttliche Dinge muss man lieben, um sie zu kennen.
RELIGION
ER S T ER ABSCHNI T T
Die vornehmste Kraft des Menschen ist die Vernunft. Das höchste Ziel der Vernunft ist die Erkenntnis Gottes. HL. ALBERT DER GROSSE (um 1200–1280, Dominikaner, Universalgelehrter, Kirchenlehrer und einer der größten Theologen der Kirche)
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mit ihrer Vernunft erkennen können?
Den unsichtbaren Gott zu erkennen ist eine große Herausforderung für den menschlichen Geist. Viele schrecken davor zurück. Manche wollen auch deshalb Gott nicht erkennen, weil sie dann ihr Leben ändern müssten. Wer sagt, die Frage nach Gott sei sinnlos, weil unlösbar, macht es sich zu einfach. [37–38] 357
PIUS X I I, Humani Generis
6
BL A ISE PASC AL
Zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf kann man keine so große Ähnlichkeit feststellen, dass zwischen ihnen nicht eine noch größere Unähnlichkeit festzustellen wäre. Viertes Laterankonzil, 1215
Kann man Gott überhaupt in Begriffe fassen?
Kann man sinnvoll von ihm sprechen?
Obwohl wir Menschen begrenzt sind und die unendliche Größe Gottes niemals in endliche menschliche Begriffe passt, können wir dennoch richtig von Gott sprechen. [39–43, 48] Um etwas von Gott auszusagen, benutzen wir unvollkommene Bilder und begrenzte Vorstellungen. Jedes Wort über Gott steht also unter dem Vorbehalt, dass unsere Sprache der Größe Gottes nicht gewachsen ist. Deshalb müssen wir unser Sprechen von Gott immer wieder reinigen und verbessern. ZWE I T E S K API T EL
Gott geht auf uns Menschen zu 7
Warum musste Gott sich zeigen, damit wir wissen,
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Wie offenbart sich Gott im Alten Testament?
Gott zeigt sich im Alten Testament als Gott, der die Welt aus Liebe geschaffen hat und den Menschen auch dann noch treu bleibt, wenn sie in der Sünde von ihm abfallen. [54–64, 70–72] Gott macht sich in der Geschichte erfahrbar: Mit Noach schließt er einen Bund zur Rettung aller Lebewesen. Den Abraham ruft er, um ihn zum „Stammvater einer Menge von Völkern“ (Gen 17,5b) zu machen und in ihm „alle Geschlechter der Erde“ (Gen 12,3b) zu segnen. Das aus Abraham hervorgegangene Volk Israel wird sein besonderes Eigentum. Dem Mose stellt er sich namentlich vor. Sein geheimnisvoller Name , Jhwh,ausgeschrieben meist Jahwe, bedeutet „Ich-bin-da“ (Ex 3,14). Er befreit Israel aus der Sklaverei in Ägypten, schließt am Sinai einen Bund und gibt ihm durch Mose das Gesetz. Immer wieder schickt Gott seinem Volk Propheten, um es zur Umkehr und zur Erneuerung des Bundes aufzurufen. Die Propheten verkünden, dass Gott einen neuen und ewigen Bund schließen wird, der eine radikale Erneuerung und endgültige Erlösung bewirken wird. Dieser Bund wird allen Menschen offen stehen.
wie er ist?
Der Mensch kann mit der Vernunft erkennen, dass es Gott gibt, nicht aber, wie Gott wirklich ist. Weil aber Gott gerne erkannt werden möchte, hat er sich geoffenbart. [50–53, 68–69] Gott musste sich uns nicht offenbaren. Er hat es getan – aus Liebe. Wie man in der menschlichen Liebe nur dann
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Was zeigt Gott von sich, wenn er seinen Sohn
zu uns schickt?
Gott zeigt uns in Jesus Christus die ganze Tiefe seiner barmherzigen Liebe. [65–66, 73] Durch Jesus Christus wird der unsichtbare Gott sichtbar. Er wird Mensch wie wir. Das zeigt uns, wie weit die Liebe
Es hat Gott in seiner Güte und Weisheit gefallen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens bekannt zu machen, dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und der göttlichen Natur teilhaftig werden. Zweites Vatikanisches Konzil, Dei Verbum (DV)
OFFENBARUNG Offenbarung bedeutet: Gott öffnet sich, zeigt sich und spricht zur Welt aus freien Stücken.
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Das Glück, das Ihr sucht, das Glück, auf das Ihr ein Anrecht habt, hat einen Namen, ein Gesicht: Es ist Jesus von Nazareth. BENEDIK T X V I., 18.08.2005
INK ARNAT ION (von lat. caro, carnis = Fleisch, Fleischwerdung): Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Sie ist die Grundlage christlichen Glaubens und der Hoffnung auf Erlösung des Menschen.
17 [I] 2. K A P I T E L – G O T T GE H T AUF U N S ME N S C HE N Z U
Was unbegreiflich ist, ist darum nicht weniger wirklich.
Warum leugnen Menschen Gott, wenn sie ihn doch
etwas von einem geliebten Menschen wissen kann, wenn er uns sein Herz öffnet, so wissen wir nur darum etwas von den innersten Gedanken Gottes, weil der ewige und geheimnisvolle Gott sich aus Liebe zu uns geöffnet hat. Von der Schöpfung an über die Väter und Propheten bis hin zur endgültigen Offenbarung in seinem Sohn Jesus Christus hat Gott immer wieder zu den Menschen gesprochen. In ihm hat er uns sein Herz ausgeschüttet und sein innerstes Wesen auf immer für uns anschaulich gemacht.
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Darum reden sich Menschen in diesen Dingen gerne ein, es sei das falsch oder zweifelhaft, was sie nicht wahrhaben möchten.
der Welt weisen über sich selbst hinaus und auf Gott hin. Jeder Mensch ist offen für das Wahre, das Gute und das Schöne. Er hört in sich die Stimme des Gewissens, die ihn zum Guten hindrängt und vor dem Bösen warnt. Wer dieser Spur vernünftig nachgeht, findet Gott.
In Jesus Christus hat Gott ein menschliches Antlitz angenommen und ist unser Freund und Bruder geworden. BENEDIK T X V I., 06.09.2006
Gottes geht: Er trägt unsere ganze Last. Er geht alle Wege mit uns. Er ist in unserer Verlassenheit, unseren Leiden, unserer Angst vor dem Tod. Er ist dort, wo wir nicht mehr weiterkönnen, um uns die Tür ins Leben aufzumachen. 314 10
Hebr 1,1–2
Außerhalb von Jesus Christus wissen wir nicht, was Gott, das Leben, der Tod und wir selbst sind.
MISSION (lat. missio = Sendung): Mission ist das Wesen der Kirche und der Auftrag Jesu an alle Christen, in Wort und Tat das Evangelium zu verkünden, so dass alle Menschen sich in Freiheit für Christus entscheiden können.
Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich Euch dann überliefert habe … Paulus in 1 Kor 11,23
Ist mit Jesus Christus alles gesagt, oder wird nach
ihm die Offenbarung noch fortgesetzt?
In Jesus Christus ist Gott selbst zur Welt gekommen. Er ist Gottes letztes Wort. Im Hören auf ihn können alle Menschen aller Zeiten wissen, wer Gott ist und was zu ihrem Heil notwendig ist. [66–67] Mit dem Evangelium Jesu Christi ist die Offenbarung Gottes vollkommen und vollständig da. Damit sie uns einleuchtet, führt uns der Heilige Geist immer tiefer in die Wahrheit ein. In das Leben mancher Menschen bricht das Licht Gottes so stark ein, dass sie „den Himmel offen“ sehen (Apg 7,56). So sind auch die großen Wallfahrtsorte wie Guadeloupe in Mexiko oder Lourdes in Frankreich entstanden. Die „Privatoffenbarungen“ der Seher können das Evangelium Jesu Christi nicht verbessern. Sie sind nicht allgemein verbindlich. Sie können uns aber helfen, es besser zu verstehen. Ihre Wahrheit wird von der Kirche geprüft. 11
BENEDIK T X V I., 22.02.2006
Wisst ihr, welches das beste Mittel ist, um die Jugendlichen zu evangelisieren? Ein anderer Jugendlicher. Das ist der Weg, den jeder von euch gehen muss! PAPST FR ANZ ISKUS 2013 beim WJT in Rio
Strom durch uns hindurchfließen zu lassen und so das Licht der Welt zu erzeugen: JESUS – oder uns zu weigern, gebraucht zu werden und damit der Dunkelheit zu erlauben, sich auszubreiten.“ 123
Warum geben wir den Glauben weiter?
Wir geben den Glauben weiter, weil Jesus uns aufträgt: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19). [91] Kein echter Christ überlässt die Weitergabe des Glaubens allein den Spezialisten (Lehrern, Pfarrern, Missionaren). Christ ist man für andere. Das heißt: Jeder echte Christ möchte, dass Gott auch zu den anderen kommt. Er sagt sich: Der Herr braucht mich! Ich bin getauft, gefirmt und dafür verantwortlich, dass die Menschen in meinem Umfeld von Gott erfahren und „zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,4b). Mutter Teresa hat einen guten Vergleich gebraucht: „Oft kannst du Drähte sehen, die die Straße säumen. Bevor nicht Strom durch sie hindurchfließt, gibt es kein Licht. Der Draht, das sind du und ich! Der Strom ist Gott! Wir haben die Macht, den
12 Woher wissen wir, was zum wahren Glauben gehört?
Den wahren Glauben finden wir in der Heiligen Schrift und in der lebendigen Überlieferung der Kirche (= Tradition). [76, 80–82, 85–87, 97, 100] Das Neue Testament ist aus dem Glauben der Kirche heraus entstanden. Schrift und Tradition gehören zusammen. Die Weitergabe des Glaubens läuft nicht in erster Linie über Texte. In der alten Kirche sagte man, die Heilige Schrift sei „eher in das Herz der Kirche als auf Pergament geschrieben“. Schon die Jünger und Apostel erfuhren das neue Leben vor allem über die lebendige Gemeinschaft mit Jesus. In diese Gemeinschaft, die nach der Auferstehung auf andere Weise weiterbestand, lud die junge Kirche Menschen ein. Die
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Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Zweites Vatikanisches Konzil, DV
[I] 2. K A P I T E L – G O T T GE H T AUF U N S ME N S C HE N Z U
BL A ISE PASC AL
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn.
Es ist dringend notwendig, dass eine neue Generation von Aposteln entsteht, die im Wort Christi verwurzelt sind, in der Lage, eine Antwort zu geben auf die Herausforderungen unserer Zeit, und bereit, überall das Evangelium zu verkünden.
APOSTEL (griech. apostolos = Gesandter, Bote): Im Neuen Testament zunächst die Bezeichnung für jene zwölf Männer, die von Jesus zu seinen engsten Mitarbeitern und Zeugen berufen wurden. Auch Paulus durfte sich als von Christus berufener Apostel verstehen.
Bezeichnung für die Aufgabe der Katholischen Kirche, den Glauben darzulegen, ihn unter dem Beistand des Heiligen Geistes auszulegen und ihn vor Verfälschungen zu schützen.
BENEDIK T X V I., 22.02.2006
Kann sich die Kirche in Glaubensfragen irren?
Die Gesamtheit der Gläubigen kann im Glauben nicht irren, weil Jesus seinen Jüngern zugesagt hat, dass er ihnen den Geist der Wahrheit senden und sie in der Wahrheit halten werde (Joh 14,17). [80–82, 85–87, 92, 100] Wie die Jünger Jesus von ganzem Herzen geglaubt haben, so kann sich ein Christ ganz auf die Kirche verlassen, wenn er nach dem Weg zum Leben fragt. Da Jesus Christus selbst seinen Aposteln den Auftrag zum Lehren erteilt hat, hat die Kirche ein Lehr amt (Amt = Auftrag) und darf nicht schweigen. Zwar können einzelne Glieder der Kirche irren und sogar schlimme Fehler machen, aber als ganze kann die Kirche niemals aus der Wahrheit Gottes herausfallen. Die Kirche trägt eine lebendige Wahrheit durch die Zeit, die größer ist als sie selbst. Man spricht vom depositum fidei, dem zu bewahrenden Gut des Glaubens. Wenn eine solche Wahrheit öffentlich bestritten oder entstellt wird, ist die Kirche aufgefordert, wieder zum Leuchten zu bringen, „was überall, immer und von allen geglaubt worden ist“ (hl. Vinzenz von Lérins, † 450). 143 14
Ist die Heilige Schrift wahr?
Die Heiligen Schriften lehren „sicher, getreu und ohne Irrtum“ die Wahrheit, weil sie inspiriert sind, d.h. auf Eingebung des Heiligen Geistes geschrieben wurden und deshalb „Gott zum Urheber“ haben (Zweites Vatikanisches Konzil, DV 11). [103–107] Die Bibel ist weder fertig vom Himmel gefallen, noch hat Gott sie menschlichen Schreibautomaten diktiert. Vielmehr hat Gott „zur Abfassung Menschen erwählt, die
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Wie kann die Heilige Schrift „Wahrheit“ sein,
wenn nicht alles, was in ihr steht, richtig ist?
Historische Präzision oder naturwissenschaftliche Erkenntnisse will uns die Bibel nicht vermitteln. Auch waren die Autoren Kinder ihrer Zeit. Ihre Formulierungen sind von den manchmal unzulänglichen kulturellen Vorstellungen ihrer Umwelt beeinflusst. Doch die Heilige Schrift enthält mit unfehlbarer Sicherheit, was der Mensch über Gott und den Weg zur Erlösung wissen muss. [106–107, 109] 16
Wie liest man die Bibel richtig?
Die Heilige Schrift liest man richtig, wenn man sie betend, das heißt mit Hilfe des Heiligen Geistes, liest, unter dessen Einfluss sie entstanden ist. Sie ist Wort Gottes und enthält die entscheidende Mitteilung Gottes an uns. [109–119, 137] Die Bibel ist wie ein langer Brief Gottes an jeden Einzelnen von uns. Deshalb muss ich die Heiligen Schriften mit großer Liebe und Ehrfurcht in Empfang nehmen: Zunächst gilt es, den Brief Gottes wirklich zu lesen, d.h. nicht Einzelheiten herauszupicken und das Ganze außer Acht zu lassen. Das Ganze muss ich dann auf sein Herzstück und Geheimnis hin deuten: auf Jesus Christus, von dem die ganze Bibel spricht, auch das Alte Testament. Ich soll also die Heiligen Schriften im gleichen lebendigen Glauben der Kirche lesen, aus dem heraus sie entstanden sind. 491
INSPIRAT ION (lat.: inspiratio = Einhauchung): Der Einfluss Gottes auf die menschlichen Verfasser der Bibel, so dass er selbst als Urheber der Heiligen Schriften anzusehen ist.
K ANON (lat. canon = Messschnur, Richtlinie): Verbindliche Zusammenstellung der Heiligen Schriften in der Bibel des Alten und Neuen Testaments.
BIBEL Als Bibel (lat. biblia = Schriftrollen, Bücher) bezeichnen Juden und Christen eine über 1000 Jahre hinweg entstandene Sammlung von Heiligen Schriften, die für sie die Urkunde ihres Glaubens ist. Die christliche Bibel ist wesentlich umfangreicher als die jüdische, weil sie außer deren Schriften auch die vier Evangelien, die Briefe des Hl. Paulus und weitere Schriften der frühen Kirche enthält.
20 21 [I] 2. K A P I T E L – G O T T GE H T AUF U N S ME N S C HE N Z U
Meditiert oft über das Wort Gottes, und erlaubt dem Heiligen Geist, euer Lehrer zu sein. Dann werdet ihr entdecken, dass Gottes Gedanken nicht die der Menschen sind; ihr werdet dahin geführt werden, den wahren Gott zu betrachten und die Ereignisse der Geschichte mit seinen Augen zu lesen; ihr werdet in Fülle die Freude kosten, die der Wahrheit entspringt.
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ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern“ (Zweites Vatikanisches Konzil, DV 11). Zur Anerkennung bestimmter Texte als Heiliger Schrift gehörte auch die allgemeine Akzeptanz in der Kirche. In den Gemeinden musste es einen Konsens geben: „Ja, durch diesen Text spricht Gott selbst zu uns – das ist vom Heiligen Geist inspiriert!“ Welche der vielen urchristlichen Schriften wirklich vom Heiligen Geist inspiriert sind, ist seit dem 4. Jahrhundert im sogenannten Kanon der Heiligen Schriften festgelegt.
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
LEHRAMT
ersten Christen hielten „an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42). Sie waren untereinander einig und hatten doch Raum für andere. Das macht den Glauben bis heute aus: Christen laden andere Menschen ein, eine Gemeinschaft mit Gott kennenzulernen, die sich seit den Zeiten der Apostel in der Katholischen Kirche unverfälscht erhalten hat.
Die Bibel ist der Liebesbrief Gottes an uns. SØREN K IERKEGA ARD (1813–1855, dänischer Philosoph)
ALTES TESTAMENT
NEUES TESTAMENT
(46 Bücher)
Die Geschichtsbücher Genesis (Gen), Exodus (Ex), Levitikus (Lev), Numeri (Num), Deuteronomium (Dtn), Josua (Jos), Richter (Ri), Rut (Rut), 1 Samuel (1 Sam), 2 Samuel (2 Sam), 1 Könige (1 Kön), 2 Könige (2 Kön), 1 Chronik (1 Chr), 2 Chronik (2 Chr), Esra (Esra), Nehemia (Neh), Tobit (Tob), Judit (Jdt), Ester (Est), 1 Makkabäer (1 Makk), 2 Makkabäer (2 Makk) Die Weisheitsbücher Ijob (Ijob), Psalmen (Ps), Sprichwörter (Spr), Kohelet (Koh), Hohelied (Hld), Weisheit (Weish), Jesus Sirach (Sir) Die Propheten Jesaja (Jes), Jeremia (Jer), Klagelieder (Klgl), Baruch (Bar), Ezechiel (Ez), Daniel (Dan), Hosea (Hos), Joël (Joël), Amos (Am), Obadja (Obd), Jona (Jona), Micha (Mi), Nahum (Nah), Habakuk (Hab), Zefania (Zef), Haggai (Hag), Sacharja (Sach), Maleachi (Mal) NEUE S T E S TAMEN T
(27 Bücher)
Die Evangelien Matthäus (Mt), Markus (Mk), Lukas (Lk), Johannes (Joh)
Die Bibel ist nicht dazu da, dass wir sie kritisieren, sondern dazu, dass sie uns kritisiert. SØREN K IERKEGA ARD
Die Geheime Offenbarung Offenbarung des Johannes (Offb) 17
Welche Bedeutung hat das Alte Testament
für Christen?
Im Alten Testament zeigt sich Gott als Schöpfer und Erhalter der Welt und als Führer und Erzieher der Menschen. Auch die Bücher des Alten Testaments sind Wort Gottes und Heilige Schrift. Ohne das Alte Testament kann man Jesus nicht verstehen. [121–123, 128–130, 140] Im Alten Testament fängt eine große Lerngeschichte des Glaubens an, die im Neuen Testament eine entscheidende Wende nimmt und mit dem Ende der Welt und der Wiederkunft Christi ans Ziel kommt. Dabei ist das Alte Testament weit mehr als ein bloßes Vorspiel für das Neue. Die Gebote und Prophezeiungen für das Volk des Alten Bundes und die Verheißungen, die darin für alle Menschen enthalten sind, wurden nie widerrufen. In den Büchern des Alten Bundes findet sich ein unersetzlicher Schatz an Gebeten und Weisheit; insbesondere die Psalmen gehören zum täglichen Gebet der Kirche.
Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jakobs – nicht der Philosophen und Gelehrten! Gott Jesu Christi. Man findet und bewahrt ihn nur auf den Wegen, die im Evangelium gelehrt werden. Der französische Philosoph BL A ISE PASC AL, nachdem er eine Gotteserfahrung gemacht hatte
Erst wo wir dem lebendigen Gott in Christus begegnen, lernen wir, was Leben ist. Es gibt nichts Schöneres, als vom Evangelium, von Christus gefunden zu werden. BENEDIK T X V I., 24.04.2005
Die Apostelgeschichte (Apg) Die Paulusbriefe Römerbrief (Röm), 1. Korintherbrief (1 Kor), 2. Korintherbrief (2 Kor), Galaterbrief (Gal), Epheserbrief (Eph), Philipperbrief (Phil), Kolosserbrief (Kol), 1. Thessalonicherbrief (1 Thess), 2. Thessalonicherbrief (2 Thess), 1. Timotheusbrief (1 Tim), 2. Timotheusbrief (2 Tim), Titusbrief (Tit), Philemonbrief (Phlm), Hebräerbrief (Hebr)
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Welche Bedeutung hat das Neue Testament
für Christen?
Im Neuen Testament vollendet sich die Offenbarung Gottes. Die vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sind das Herzstück der Heiligen Schrift und der kostbarste Schatz der Kirche. In ihnen zeigt sich der Sohn Gottes, wie er ist und uns begegnet. In der Apostelgeschichte erfahren wir von den Anfängen der Kirche und vom Wirken des Heiligen Geistes. In den Apostolischen Briefen wird das Leben der Menschen mit all seinen Facetten in das Licht Christi gestellt. In der Geheimen Offenbarung sehen wir das Ende der Zeiten voraus. [124–127, 128–130, 140]
Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen. HL. HIERONYMUS (347–419, Kirchenvater, Exeget und Bibelübersetzer)
22 23 [I] 2. K A P I T E L – G O T T GE H T AUF U N S ME N S C HE N Z U
Der zweite Teil der gesamten Bibel. Er beinhaltet die Eigentexte des Christentums, nämlich die vier Evangelien, die Apostelgeschichte, vierzehn Paulusbriefe, sieben katholische Briefe und die Geheime Offenbarung.
ALT E S T E S TAMEN T
Die Katholischen Briefe Jakobusbrief (Jak), 1. Petrusbrief (1 Petr), 2. Petrusbrief (2 Petr), 1. Johannesbrief (1 Joh), 2. Johannesbrief (2 Joh), 3. Johannesbrief (3 Joh), Judasbrief (Jud)
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
(lat. testamentum = Vermächtnis): Der erste Teil der gesamten Bibel und die Heilige Schrift der Juden. Das Alte Testament der Katholischen Kirche umfasst 46 Bücher: Geschichtliche Schriften, Prophetische Schriften und die Weisheitsliteratur mit den Psalmen.
Die Bücher der Bibel ( Kanon)
DR I T T E S K API T EL
Menschen antworten Gott 20 Wie können wir Gott antworten, wenn er uns anspricht?
Gott antworten heißt: ihm glauben. [142–149]
BENEDIK T X V I., 29.03.2006
Die Heilige Schrift lesen heißt von Christus Rat holen. HL. FR ANZ ISKUS VON ASSISI (1182–1226, „der größte Christ nach Christus“, Ordensgründer, Mystiker)
Jesus ist alles, was Gott uns sagen möchte. Das ganze Alte Testament bereitet die Menschwerdung des Sohnes Gottes vor. Alle Verheißungen Gottes finden in Jesus ihre Erfüllung. Christ sein heißt sich immer tiefer mit dem Leben Christi verbinden. Dazu muss man die Evangelien lesen und leben. Madeleine Delbrêl sagt: „Durch sein Wort sagt uns Gott, was er ist und was er will; er sagt es endgültig und sagt es für jeden einzelnen Tag. Wenn wir unser Evangelium in Händen halten, sollten wir bedenken, dass das Wort darin wohnt, das in uns Fleisch werden will, uns ergreifen möchte, damit wir an einem neuen Ort, zu einer neuen Zeit, in einer neuen menschlichen Umgebung sein Leben aufs Neue beginnen.“ 19 Welche Rolle spielt die Heilige Schrift in der Kirche?
Die Kirche schöpft ihr Leben und ihre Kraft aus der Heiligen Schrift. [103–104, 131–133, 141] Außer der Gegenwart Christi in der heiligen Eucharist ie verehrt die Kirche nichts ehrfurchtsvoller als die Gegenwart Christi in der Heiligen Schrift. In der Heiligen Messe empfangen wir das Evangelium stehend, denn in den menschlichen Worten, die wir hören, spricht Gott selbst zu uns. 128
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Glaube – was ist das?
Glaube ist Wissen und Vertrauen. Er hat sieben Merkmale: Der Glaube ist ein reines Geschenk Gottes, das wir erhalten, wenn wir innig darum bitten. Der Glaube ist die übernatürliche Kraft, die wir notwendig brauchen, um unser Heil zu erlangen. Der Glaube erfordert den freien Willen und den klaren Verstand des Menschen, wenn er sich auf die göttliche Einladung einlässt. Der Glaube ist absolut gewiss, weil Jesus dafür bürgt. Der Glaube ist unvollständig, solange er nicht in der Liebe wirksam wird. Der Glaube wächst, wenn wir immer besser auf Gottes Wort hören und durch das Gebet in lebendigem Austausch mit ihm stehen. Der Glaube gibt uns jetzt schon einen Vorgeschmack auf die Freude des Himmels. [153–165, 179–180, 183–184] Viele sagen, glauben sei ihnen zu wenig, sie wollten wissen. Das Wort „glauben“ hat aber zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen: Wenn ein Fallschirmspringer
Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort!, und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein. Mt 17,20
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Glauben heißt: Die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten. K ARL R AHNER (1904–1984, deutscher Theologe)
Ich würde nicht glauben, wenn ich nicht einsehen würde, dass es vernünftig ist zu glauben. THOMAS VON AQUIN
[I] 3. K A P I T E L – ME N S C HE N A N T W O R T E N G O T T
Die Heilige Schrift ist nicht etwas, das der Vergangenheit angehört. Der Herr … spricht in der Gegenwart, er spricht heute mit uns, er schenkt uns Licht, er zeigt uns den Weg des Lebens, er schenkt uns Gemeinschaft und bereitet und öffnet uns so für den Frieden.
SEL. JOHN HENRY NE WMAN (1801–1890, Konvertit, später Kardinal der Katholischen Kirche, englischer Philosoph und Theologe)
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Wer glauben will, braucht ein „hörendes Herz“ (1 Kön 3,9). Gott sucht in vielfacher Weise den Kontakt zu uns. In jeder menschlichen Begegnung, in jeder berührenden Naturerfahrung, in jedem scheinbaren Zufall, in jeder Herausforderung, jedem Leid steckt eine verborgene Botschaft von Gott an uns. Noch deutlicher spricht er zu uns, wenn er sich in seinem Wort oder in der Stimme des Gewissens an uns wendet. Er redet uns an wie Freunde. Darum sollen wir auch wie Freunde antworten und ihm glauben, ihm ganz vertrauen, ihn immer besser verstehen lernen und seinen Willen vorbehaltlos annehmen.
Glauben ist seinem Wesen nach Annahme einer Wahrheit, die unsere Vernunft nicht erreichen kann; einfach und unbedingt auf Zeugnis hin.
An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht getan ist. An einen Gott glauben heißt sehen, dass das Leben einen Sinn hat. LUDW IG W I T TGENSTE IN (1889–1951, österreichischer Philosoph)
BENEDIK T X V I., 28.05.2006
Credo, ut intelligam – Ich glaube, um zu verstehen.
Ich habe keine Phantasie. Ich kann mir Gott den Vater nicht vorstellen. Alles, was ich sehen kann, ist Jesus. SEL. MUT TER TERESA (1910–1997, der „Engel von Kalkutta“, Ordensgründerin, Friedensnobelpreisträgerin)
Glauben – wie geht das?
Wer glaubt, sucht nach einer persönlichen Bindung an Gott und ist bereit, Gott alles zu glauben, was er von sich zeigt (offenbart). [150–152] Am Anfang des Glaubens steht oft eine Erschütterung oder eine Unruhe. Der Mensch spürt, dass die sichtbare Welt und der normale Lauf der Dinge nicht alles sein können. Er fühlt sich von einem Geheimnis angerührt. Er geht den Spuren nach, die ihn auf die Existenz Gottes verweisen, und findet nach und nach das Vertrauen, Gott anzusprechen und sich schließlich in Freiheit an ihn zu binden. Im Johannesevangelium heißt es: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ (Joh 1,18) Deshalb müssen wir Jesus, dem Sohn Gottes, glauben, wenn wir wissen wollen, was Gott uns mitteilen möchte. Glauben heißt darum Jesus zustimmen und das ganze Leben auf seine Karte setzen. 23 Gibt es einen Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft?
Einen unauflöslichen Widerspruch zwischen Glauben und Naturwissenschaft gibt es nicht, weil es keine doppelte Wahrheit geben kann. [159]
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Was hat mein Glaube mit der Kirche zu tun?
Niemand kann für sich allein glauben, so wie auch niemand für sich allein leben kann. Wir empfangen den Glauben von der Kirche und leben ihn in Gemeinschaft mit den Menschen, mit denen wir unseren Glauben teilen. [166–169, 181] Der Glaube ist das Persönlichste eines Menschen, aber er ist dennoch keine Privatsache. Wer glauben will, muss sowohl „ich“ als auch „wir“ sagen können, denn ein Glaube, den man nicht teilen und mitteilen kann, wäre irrational. Der einzelne Gläubige gibt seine freie Zustimmung zum „Wir glauben“ der Kirche. Von ihr hat er den Glauben empfangen. Sie war es, die ihn durch die Jahrhunderte zu ihm herübergetragen, vor Verfälschungen bewahrt und immer wieder zum Leuchten gebracht hat. Glauben ist daher Teilnahme an einer gemeinsamen Überzeugung. Der Glaube der anderen trägt mich, wie auch das Feuer meines Glaubens andere entzündet und bestärkt. Das „Ich“ und das „Wir“ des Glaubens betont die Kirche dadurch, dass sie zwei Glaubensbekenntnisse in ihren Gottesdiensten verwendet: Das Apostolische Glaubensbekenntnis, das mit „Ich glaube“ ( Credo) beginnt, und das Große Glaubensbekenntnis von NizäaKonstantinopel, das in seiner ursprünglichen Form mit „Wir glauben“ (Credimus) eröffnet wurde.
Niemand vermag zur Erkenntnis göttlicher und menschlicher Dinge gelangen, der nicht zuvor die Mathematik gründlich erlernt hat. HL. AUGUST INUS (354–430, Kirchenlehrer, bedeutendster Schriftsteller und Theologe der frühen Kirche)
Zwischen Gott und Naturwissenschaft finden wir nirgends einen Widerspruch. Sie schließen sich nicht aus, wie heute manche glauben und fürchten, sie ergänzen und bedingen einander. MA X PL ANCK (1858–1947, Physiker, Nobelpreisträger, Begründer der Quantentheorie)
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CREDO (lat. credo = Ich glaube): Das erste Wort aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis wurde zum Namen für verschiedene Bekenntnisformeln der Kirche, in denen die wesentlichen Inhalte des Glaubens verbindlich zusammengefasst sind.
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Mt 18,20
27 [I] 3. K A P I T E L – ME N S C HE N A N T W O R T E N G O T T
HL. ANSELM VON C ANTERBURY (1033/34–1109, Kirchenlehrer, bedeutender Theologe des Mittelalters)
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Es gibt nicht eine Wahrheit des Glaubens, die in Konkurrenz stünde zu einer Wahrheit der Wissenschaft. Es gibt nur eine Wahrheit, auf die sich sowohl der Glaube als auch die wissenschaftliche Vernunft beziehen. Gott hat die Vernunft, mit der wir die vernünftigen Strukturen der Welt erkennen können, ebenso gewollt, wie er den Glauben gewollt hat. Deshalb fordert und fördert der christliche Glaube die (Natur-)Wissenschaft. Der Glaube ist dazu da, dass wir Dinge erkennen, die sich zwar der Vernunft nicht verschließen, aber über die Vernunft hinaus real sind. Der Glaube erinnert die Naturwissenschaft daran, sich nicht an die Stelle Gottes zu setzen und der Schöpfung zu dienen. Naturwissenschaft muss die menschliche Würde respektieren, statt sich an ihr zu vergreifen.
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Woran wir glauben, ist wichtig, aber noch wichtiger ist, wem wir glauben.
den Angestellten am Flughafen fragt: „Ist der Fallschirm sicher gepackt?“, und der antwortet beiläufig: „Och, ich glaube ja“, dann wird ihm das nicht reichen; das möchte er schon wissen. Wenn er aber einen Freund gebeten hat, den Fallschirm zu packen, dann wird der ihm auf die gleiche Frage antworten: „Ja, ich habe das persönlich gemacht. Du kannst mir vertrauen!“ Und darauf wird der Fallschirmspringer antworten: „Ja, das glaube ich dir." Dieser Glaube ist viel mehr als Wissen, er bedeutet Gewissheit. Und das ist der Glaube, der Abraham ins Gelobte Land ziehen ließ, das ist der Glaube, der die Märt yrer bis zum Tod ausharren ließ, das ist der Glaube, der noch heute Christen in Verfolgung aufrecht erhält. Ein Glaube, der den ganzen Menschen erfasst.
ZWE I T ER ABSCHNI T T
Das christliche Glaubensbekenntnis 25
Wozu braucht der Glaube Definitionen und
Formeln? Im Glauben geht es nicht um leere Worte, sondern um die Wirklichkeit. In der Kirche verdichteten sich im Lauf der Zeit Glaubensformeln, mit deren Hilfe wir diese Wirklichkeit anschauen, ausdrücken, lernen, weitergeben, feiern und leben. [170–174]
Was sind Glaubensbekenntnisse?
Glaubensbekenntnisse sind Kurzformeln des Glaubens, die ein gemeinsames Bekenntnis aller Gläubigen ermöglichen. [185–188, 192–197] Derartige Kurzformeln finden sich schon in den Paulusbriefen. Das frühchristliche Apostolische Glaubensbekenntnis hat eine besondere Würde, weil es als Zusammenfassung des Glaubens der Apostel gilt. Das Große Glaubensbekenntnis hat hohes Ansehen, weil es aus den großen Konzilien der noch unzerteilten Christenheit (Nizäa 325, Konstantinopel 381) hervorging und bis auf den heutigen Tag die gemeinsame Basis der Christen in Ost und West ist. 27
Wie sind die Glaubensbekenntnisse entstanden?
Die Glaubensbekenntnisse gehen auf Jesus zurück, der seine Jünger aufforderte zu taufen. Dabei sollten sie den Menschen das Bekenntnis zu einem bestimmten
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Wie lautet das Apostolische Glaubensbekenntnis?
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.
HL. IRENÄUS VON LYON (ca. 135– ca. 202, Kirchenvater)
Dein Credo sei für dich wie ein Spiegel! Betrachte dich in ihm, um zu sehen, ob du all das, was du zu glauben erklärst, auch wirklich glaubst. Und erfreue dich jeden Tag in deinem Glauben. AUGUST INUS
Kein Mensch lebt allein, kein Mensch glaubt allein. Gott spricht sein Wort zu uns, und indem er es spricht, ruft er uns zusammen, schafft er eine Gemeinde, sein Volk, seine Kirche. Nach dem Weggang Jesu ist die Kirche das Zeichen seiner Gegenwart in der Welt. BASIL IUS VON SELEUK I A (5. Jh., Bischof)
28 29 [I I] DA S C HR I S T L I C HE GL AUBE N SBE K E N N T N I S
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Die Urzelle aller späteren Glaubensformeln ist das Bekenntnis zu Jesus, dem Herrn, und sein Missionsauftrag. Er lautet: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Alle Glaubensbekenntnisse der Kirche sind Entfaltungen des Glaubens an diesen dreifaltigen Gott. Sie beginnen jeweils mit einem Bekenntnis zum Vater, Schöpfer und Erhalter der Welt, beziehen sich dann auf den Sohn, durch den die Welt und wir selbst Erlösung gefunden haben, und münden im Bekenntnis zum Heiligen Geist, der die Gegenwart Gottes in der Kirche und in der Welt ist.
Die Kirche … bewahrt diesen Glauben, wie sie ihn empfangen hat, als ob sie in einem einzigen Haus wohnte, glaubt so daran, als ob sie nur eine Seele und ein Herz hätte, und verkündet und überliefert ihre Lehre so einstimmig, als ob sie nur einen Mund hätte.
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Ohne feste Formen zerfließt der Inhalt des Glaubens. Deshalb legt die Kirche großen Wert auf bestimmte Sätze, deren genauer Wortlaut meist mühsam errungen wurde, um die Botschaft Christi vor Missverständnissen und Verfälschungen zu schützen. Glaubensformeln sind zumal dann wichtig, wenn der Glaube der Kirche in unterschiedliche Kulturen übersetzt werden und doch in seinem Wesen erhalten bleiben soll. Denn der gemeinsame Glaube ist das Fundament für die Einheit der Kirche. 129
Glauben abverlangen, nämlich dem Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist ( Trinität). [188–191]
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Wie lautet das Große Glaubensbekenntnis von
ER S T E S K API T EL
Ich glaube an Gott, den Vater
Nizäa-Konstantinopel? Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.
Wir glauben an nur einen Gott, weil es nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift nur einen Gott gibt und nach den Gesetzen der Logik auch nur einen geben kann. [200–202, 228] Gäbe es zwei Götter, so wäre der eine Gott die Grenze des anderen; keiner von beiden wäre unendlich, keiner vollkommen; insofern wäre keiner von beiden Gott. Die grundlegende Gotteserfahrung Israels lautet: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig“ (Dtn 6,4). Immer wieder rufen die Propheten dazu auf, von den falschen Göttern zu lassen und sich zu dem einen Gott zu bekehren: „Ich bin Gott, und sonst niemand“ (Jes 45,22). 31
Warum gibt sich Gott einen Namen?
Gott gibt sich einen Namen, weil er ansprechbar sein möchte. [203–213, 230–231] Gott möchte nicht inkognito bleiben. Er will nicht als ein bloß gefühltes oder erahntes „Höheres Wesen“ verehrt werden. Gott möchte bekannt sein und als der Wirkliche und Wirksame angerufen werden können. Im brennenden Dornbusch gibt Gott dem Mose seinen heiligen Namen preis: Jhwh (Ex 3,14). Gott macht sich für sein Volk ansprechbar, aber er bleibt doch der verborgene Gott, das anwesende Geheimnis. Aus Ehrfurcht vor Gott sprach (und spricht) man in Israel den Gottesnamen nicht aus und ersetzt ihn durch die Anrede Adonai (Herr). Eben dieses Wort benutzt das Neue Testament, wenn es Jesus als wahren Gott verherrlicht: „Jesus ist der Herr!“ (Röm 10,9). 32
Was heißt: Gott ist die Wahrheit?
„Gott ist Licht, und keine Finsternis ist in ihm.“ (1 Joh 1,5) Sein Wort ist Wahrheit (Spr 8,7; 2 Sam 7,28), und sein Gesetz ist Wahrheit (Ps 119,142). Jesus selbst verbürgt sich für die Wahrheit Gottes,
Mk 12,29–30
MONOTHEISMUS (von griech. monos = das Einzige und theos = Gott). Die Lehre von Gott als einem einzigen, absoluten und personalen Wesen, das der letzte Grund von allem ist. Monotheistische Religionen sind das Judentum, das Christentum und der Islam.
JHWH/JAHWE ist der wichtigste Name Gottes im Alten Testament (Ex 3,14). Er kann übersetzt werden mit „Ich bin da“. Für Juden wie für Christen bezeichnet er den einzigen Gott der ganzen Welt, ihren Schöpfer, Erhalter, Bundespartner, Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens, Richter und Erretter.
30 31 [ I I ] 1 . K A P I T E L : I C H G L A U B E A N G O T T, D E N V A T E R
Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.
Warum glauben wir an nur einen Gott?
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tag auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
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Der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.
Jesus Christus ist die Person gewordene Wahrheit, die die Welt zu sich hinzieht. Das von Jesus ausstrahlende Licht ist Glanz der Wahrheit. Jede andere Wahrheit ist ein Fragment der Wahrheit, die er ist, und weist auf ihn hin. BENEDIK T X V I., 10.02.2006
Keine andere Religion sagt, was das Christentum sagt: „Gott ist die Liebe“ (1 Joh 4,8.16). Der Glaube hält an diesem Wort fest, obwohl die Erfahrung von Leid und Bosheit in der Welt Menschen daran zweifeln lässt, ob Gott wirklich lieb ist. Schon im Alten Testament teilt Gott durch den Mund des Propheten Jesaja seinem Volk mit: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe, gebe ich für dich ganze Länder … Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ (Jes 43,4–5a), und lässt ihm sagen: „Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde: Ich vergesse dich nicht. Sieh her: Ich habe dich eingezeichnet in meine Hände.“ (Jes 49,15–16a) Dass die Rede von der göttlichen Liebe nicht aus leeren Worten besteht, beweist Jesus am Kreuz, wo er sein Leben hingibt für seine Freunde. 34
indem er vor Pilatus bekennt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ (Joh 18,37) [214–217] Gott kann man keinem Beweisverfahren unterziehen, da ihn die Wissenschaft nicht zum überprüfbaren Objekt machen kann. Und doch unterzieht sich Gott selbst einem Beweisverfahren eigener Art. Dass Gott die Wahrheit ist, wissen wir aufgrund der absoluten Glaubwürdigkeit Jesu. Er ist „der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Das kann jeder herausfinden und erproben, der sich auf ihn einlässt. Wäre Gott nicht „wahr“, so könnten Glaube und Vernunft nicht miteinander ins Gespräch kommen. Eine Verständigung ist aber möglich, weil Gott die Wahrheit und die Wahrheit göttlich ist. 33
Was heißt: Gott ist die Liebe?
Wenn Gott die Liebe ist, gibt es nichts Geschaffenes, das nicht getragen und umfangen ist von endlosem
Was muss man tun, wenn man Gott erkannt hat?
Wenn man Gott erkannt hat, muss man ihn an die erste Stelle in seinem Leben setzen. Damit fängt ein neues Leben an. Christen soll man daran erkennen, dass sie sogar ihre Feinde lieben. [222–227, 229] Gott zu erkennen bedeutet ja: Er, der mich geschaffen und gewollt hat, der mich jede Sekunde mit Liebe anschaut, der mein Leben segnet und es erhält, der die Welt und die Menschen, die ich liebe, in seiner Hand hat, der sehnsüchtig auf mich wartet, der mich erfüllen und vollenden und mich für immer bei sich wohnen lassen möchte – er ist da. Mit dem Kopf dazu nicken, genügt nicht. Christen müssen den Lebensstil Jesu übernehmen. 35
Glauben wir an einen Gott oder an drei Götter?
Wir glauben an einen Gott in drei Personen ( Trinität). „Gott ist nicht Einsamkeit, sondern vollkommene Gemeinschaft.“ (Benedikt XVI., 22.05.05). [232–236, 249–256, 261, 265–266]
Gott ist wahrhaft unsere Mutter, wie er unser Vater ist. SEL. JUL I ANA VON NORW ICH (ca. 1342 – ca. 1413, englische Mystikerin)
Wahre Liebe tut weh. Sie muss immer weh tun. Es muss schmerzlich sein, jemand zu lieben; schmerzhaft, ihn zu verlassen, man möchte für ihn sterben. Wenn Menschen heiraten, müssen sie alles aufgeben, um einander zu lieben. Die Mutter, die einem Kind das Leben schenkt, leidet viel. Das Wort "Liebe" ist so missverstanden und so missbraucht.
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MUT TER TERESA
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Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir. Mein Herr und mein Gott, o nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. HL. NIKL AUS VON DER FLÜE (1417–1487, Schweizer Mystiker und Einsiedler)
[ I I ] 1 . K A P I T E L : I C H G L A U B E A N G O T T, D E N V A T E R
Ex 3,13–15
Wohlwollen. Gott erklärt nicht nur, dass er Liebe ist, sondern er beweist es: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ (Joh 15,13) [218–221]
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der "Ich-bin-da". Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der "Ich-bin-da" hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Jahwe, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.
von Ewigkeit her lieben. Von Jesus erleuchtet, finden wir schon im Alten Testament (z.B. Gen 1,2; 18,2; 2 Sam 23,2), ja sogar in der ganzen Schöpfung Spuren der Dreifaltigkeit Gottes.
Gott kommt an erster Stelle. HL. JE ANNE D'ARC (1412–1431, französische Freiheitskämpferin und Nationalheilige)
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SEL. CHARLES DE FOUC AULD (1858–1916, frz. Priester, Mönch und Eremit)
TRINI TÄT
36 Wo es die Liebe gibt, gibt es eine Dreifaltigkeit: einen Liebenden, einen Geliebten und eine Quelle der Liebe. AUGUST INUS
Kann man logisch erschließen, dass Gott
dreifaltig ist?
Nein. Gottes Dreifaltigkeit( Trinität) ist ein Geheimnis. Wir wissen nur durch Jesus Christus von der Dreifaltigkeit Gottes. [237] Menschen können die Dreifaltigkeit Gottes mit den Mitteln ihrer eigenen Vernunft nicht erschließen. Sie erkennen aber die Vernünftigkeit dieses Geheimnisses, wenn sie die Offenbarung Gottes in Jesus Christus annehmen. Wäre Gott allein und einsam, könnte er nicht
BENEDIK T X V I., 09.07.2006
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Wer ist der „Heilige Geist“?
Der Heilige Geist ist die dritte Person der Heiligen Dreifaltigkeit ( Trinität)und von gleicher göttlicher Größe wie der Vater und der Sohn. [243–248, 263–264] Wenn wir die Realität Gottes in uns entdecken, haben wir es mit dem Wirken des Heiligen Geistes zu tun. Gott sandte „den Geist seines Sohnes in unser Herz“ (Gal 4,6), damit er uns ganz erfülle. Im Heiligen Geist findet ein Christ tiefe Freude, inneren Frieden und Freiheit. „Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15b). Im Heiligen Geist, den wir in Taufe und Firmung empfangen, dürfen wir zu Gott „Vater“ sagen. 113–120, 203–207, 310–311
Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein; die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad. Hymnus „Veni creator spiritus” (HL. HR ABANUS MAURUS, 9. JH.)
34 35 [ I I ] 1 . K A P I T E L : I C H G L A U B E A N G O T T, D E N V A T E R
Christen beten nicht drei verschiedene Götter an, sondern ein einziges Wesen, das sich dreifach entfaltet und doch eins bleibt. Dass Gott dreifaltig ist, wissen wir von Jesus Christus: Er, der Sohn, spricht von seinem Vater im Himmel („Ich und der Vater sind eins“, Joh 10,30). Er betet zu ihm und schenkt uns den Heiligen Geist, der die Liebe des Vaters und des Sohnes ist. Getauft werden wir deshalb „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19).
Verschiedene vorchristliche Religionen kennen schon die Gottesanrede „Vater“. Schon vor Jesus sprach man in Israel Gott als den Vater an (Dtn 32,6; Mal 2,10) und wusste dabei, dass er auch wie eine Mutter ist (Jes 66,13). Vater und Mutter stehen in der menschlichen Erfahrung für Ursprung und Autorität, für das Bergende und Tragende. Wie Gott als Vater wirklich ist, zeigt uns Jesus Christus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9). Im Gleichnis vom verlorenen Sohn spricht Jesus die tiefsten menschlichen Sehnsüchte nach einem barmherzigen Vater an. 511–527
ER S T ER T E IL – WA S W IR GL AUBEN
Gott verehren wir schon allein deshalb als Vater, weil er Schöpfer ist und sich voller Liebe seiner Geschöpfe annimmt. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns darüber hinaus beigebracht, seinen Vater als unseren Vater anzusehen und als „Vater unser“ anzusprechen. [238–240]
Nachdem ich erkannt habe, dass es einen Gott gibt, war es mir unmöglich, nicht für ihn allein zu leben.
(lat. trinitas = Dreiheit): Gott ist nur einer, aber er ist in drei Personen da. Dass wir im Deutschen die zwei Begriffe Dreieinigkeit und Dreifaltigkeit für dieselbe Wirklichkeit haben, von denen einer die Einheit, der andere den Unterschied in Gott betont, ist ein Hinweis auf das unergründliche Geheimnis der Trinität.
Wieso ist Gott „Vater“?
Die Erinnerung an diesen Vater erhellt die tiefere Identität der Menschen: woher wir kommen, wer wir sind und wie groß unsere Würde ist. Natürlich kommen wir von unseren Eltern und sind ihre Kinder; wir kommen aber auch von Gott, der uns nach seinem Abbild geschaffen und uns berufen hat, seine Kinder zu sein. Daher steht am Anfang jedes Menschen nicht der Zufall oder eine Fügung des Schicksals, sondern ein Plan der göttlichen Liebe. Das hat uns Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes und vollkommener Mensch, offenbart. Er wusste, woher er kam und woher wir alle kommen: aus der Liebe seines Vaters und unseres Vaters.