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Kapitel 1

Mit Gott zusammenarbeiten Gott hat Sich Selbst den Wünschen Seines Volkes gegenüber verletzbar gemacht

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ie Jünger lebten in Ehrfurcht vor diesem Einen, der sie gerufen hatte, alles zu verlassen und Ihm nachzufolgen. Es war eine leichte Wahl. Wenn Er sprach, wurde etwas in ihnen lebendig, von dem sie noch nie gewusst hatten, dass es überhaupt existierte. Es war etwas in Seiner Stimme, wofür es sich zu leben lohnte – etwas, das es wert war, dass man sein Leben dafür hingab. Jeder Tag mit Jesus war angefüllt mit einem Sperrfeuer von Dingen, die sie nicht verstehen konnten; ob es ein von Dämonen Besessener war, der anbetend Jesus zu Füßen fiel, oder die überheblichen religiösen Führer, die in seiner Gegenwart still wurden; es war alles überwältigend. Ihr Leben hatte eine Bedeutung und eine Bestimmung angenommen, die alles Übrige bestenfalls zur Enttäuschung werden ließ. O ja, sie hatten ihre persönlichen Probleme, gewiss, aber sie waren von Gott ergriffen worden, und nun spielte alles andere keine Rolle mehr. Die Dynamik des Lebensstils, die sie erlebten, ist für uns schwer nachvollziehbar. Jedes Wort, jede Handlung schien eine ewige Bedeutung zu haben. Am Hofe dieses Königs zu dienen, wird ihnen weit besser vorgekommen sein, als in ihren eigenen Palästen zu wohnen. Sie erlebten aus erster Hand, was David empfand, als er mit Gottes Gegenwart als Priorität lebte. Der endgültige Übergang Gegen Ende seines Erdenlebens verlieh Jesus seinen Jüngern die höchste Beförderung. Er sagte den Zwölfen, dass Er sie nicht mehr länger Knechte, sondern Freunde nennen würde. Im selben Raum mit Ihm sein zu dürfen, Ihn nur schon aus der Distanz zu verehren, 19


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war mehr, als sie je hätten verlangen können. Doch Jesus brachte sie in Sein Leben hinein. Sie hatten sich für die größte Beförderung als würdig erwiesen, welche die Menschheit je erlebt hat – von Knechten zu engen Freunden. Vielleicht hätte nur Esther einst wirklich verstehen können, wie sich diese Erhöhung anfühlte, als sie, ein Sklavenmädchen, das von Gefangenen abstammte, zur Königin befördert wurde. »Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles verkündet habe, was ich von meinem Vater gehört habe« (Joh. 15,15). Mit dieser Beförderung würde sich die Aufmerksamkeit der Jünger nun verschieben – weg von der vordringlichen Aufgabe, hinüber zu Dem, der in ihrer Reichweite stand. Es wurde ihnen Zugang gewährt zu den Geheimnissen im Herzen Gottes. Als Jesus Seinen Jüngern diese Beförderung zuteil werden ließ, tat Er dies, indem Er den Unterschied zwischen diesen zwei Positionen beschrieb. Knechte wissen nicht, was ihr Meister tut. Sie haben keinen Zugang zum persönlichen, intimen Bereich ihres Meisters. Sie sind aufgabenorientiert. Gehorsam ist ihr vorrangiger Fokus – und das mit Recht, denn ihr Leben hängt vom Erfolg in diesem Bereich ab. Doch Freunde konzentrieren sich auf etwas anderes. Es klingt fast lästerlich zu sagen, dass Gehorsam für einen Freund nicht die erste Sorge ist, aber es ist wahr. Gehorsam wird immer wichtig sein, wie der vorausgehende Vers betont: »Ihr seid meine Freunde, sofern ihr das ausführt, wozu Ich euch anweise« (Joh. 15,14; Haller). Doch Freunde sind kaum darum besorgt, dass sie ungehorsam sein, viel eher jedoch, dass sie enttäuschen könnten. Der Schwerpunkt der Jünger verschob sich von den Geboten zur Gegenwart, von der Anweisung zu der Beziehung, weg von dem, »was ich für Ihn tue«, hin zu dem, »wie meine Entscheidungen auf Ihn wirken«. Diese Verleihung von Freundschaft machte die Revolution, die wir heute immer noch erleben, erst möglich. Verwandelt durch Beförderung Mehrere Paradigmenwechsel vollziehen sich in unserem Herzen, wenn wir diese Beförderung annehmen. Zuerst ändert sich das, 20


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was wir wissen, in dem Maße, wie wir Zugang zum Herzen des Vaters gewinnen. Sein Herz ist die größte Informationsquelle, die wir benötigen, um in unserem ganzen Leben Erfolg zu haben. Jesus bezahlte den Preis für unseren Zugang zum Vater und hat uns dadurch die Freiheit gewährt, die von der Wahrheit kommt, die wir durch diese unbegrenzte Kenntnis Seines Herzens gewinnen. Wir finden die Freiheit in dieser Phase der Beförderung. Zweitens ändert sich auch unsere Erfahrung. Begegnungen mit Gott als vertrauter Freund unterscheiden sich sehr von denen eines Knechtes. Sein Herzschlag wird zu unserem Herzschlag, wenn wir den Wandel in unseren eigenen Wünschen feiern. Der Bereich Seiner Gegenwart wird zu unserem größten Erbe und göttliche Begegnungen zu unseren großartigsten Erinnerungen. Das einzig mögliche Resultat dieser übernatürlichen Erfahrungen ist, dass wir persönlich verwandelt werden. Drittens verändert sich auch unsere Funktion im Leben radikal. Statt für Ihn zu arbeiten, arbeiten wir jetzt mit Ihm. Wir arbeiten nicht für Sein Wohlgefallen, sondern ausgehend von Seinem Wohlgefallen. In dieser Position vertraut Er uns mehr von Seiner Kraft an und wir werden auf ganz natürliche Weise mehr und mehr in Sein Bild verwandelt. Viertens wird auch unsere Identität radikal verwandelt. Unsere Identität legt die Grundrichtung fest für alles, was wir tun und werden. Christen, die aus dem leben, was sie wirklich sind, lassen sich nicht durch die Meinung anderer lähmen. Sie bemühen sich nicht, den Erwartungen anderer Leute zu entsprechen, sondern brennen in dem Bewusstsein dessen, was der Vater sagt, wer sie seien. Eine Verschiebung des Fokus Das klassische Beispiel vom Unterschied zwischen Knechten und Freunden finden wir in der Geschichte von Maria und Martha. Maria zog es vor, zu Jesu Füßen zu sitzen, während Martha es für wichtiger hielt, in der Küche zu arbeiten (vgl. Lk. 10,38-42). Maria versuchte, Ihm zu gefallen, indem sie einfach bei Ihm war, während Martha versuchte, Ihm durch ihren Dienst zu gefallen. 21


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Als Martha dann eifersüchtig wurde, bat sie Jesus, Er möge Maria sagen, sie solle ihr in der Küche helfen. Die meisten Knechte wollen die Rolle des Freundes verkleinern, um sich das Gefühl zu geben, dass sie in ihrem leistungsorientierten Zugang zu Gott gerechtfertigt seien. Es ist wichtig, die Antwort Jesu im Gedächtnis zu behalten: »Maria hat das bessere Teil erwählt«. Martha richtete Sandwiches her, die Jesus nie verlangt hatte. Mehr für Gott zu tun ist die Methode, die Knechte anwenden, um ihre Gunst bei ihrem Herrn zu vergrößern. Ein Freund hat ein ganz anderes Ziel. Er genießt die Gunst, die er bereits hat, und benutzt diese, um Zeit mit seinem Freund zu verbringen. Zu behaupten, wir brauchten beides, Marias und Marthas, heißt, die Sache völlig falsch zu verstehen. Zudem ist es einfach nicht wahr. Ich habe gehört, wie gesagt wurde, es würde gar nichts geschehen, wenn wir keine Marthas hätten. Auch das ist eine Lüge. Diese Lehre stammt zumeist von Knechten, die sich durch den Lebensstil von Freunden eingeschüchtert fühlen. Maria war nicht jemand, der nichts tat; sie hatte einfach gelernt, von Seiner Gegenwart her zu dienen und nur Sandwiches zu machen, wenn Jesus danach verlangte. Von Seiner Gegenwart her zu arbeiten ist besser als für Seine Gegenwart zu arbeiten. Pastor Mike Bickle brachte es auf den Punkt, als er sagte: Es gibt eben Liebende und solche, die arbeiten. Und Liebende bringen mehr zustande als Arbeiter! Ein leidenschaftlich Liebender wird einen guten Diener stets darin übertreffen, wenn es darum geht, Ihm zu gefallen. Der Wille Gottes Gewöhnlich denken wir, der Wille Gottes sei etwas Statisches – fest und unveränderlich. Wir verbinden ihn vorwiegend mit besonderen Ereignissen zu bestimmten Zeiten. Das Element, das bei unserem Verständnis dieses Themas jedoch fehlt, ist unsere Rolle beim Ausführen Seines Willens. Als Gott drauf und dran war, Israel zu vernichten, sagte Er Mose, er solle aus dem Weg gehen, weil Er im Sinn habe, das Volk zu töten, das Mose aus Ägypten in die Wüste geführt hatte. Mose 22


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erinnerte dann Gott daran, dass dies ja nicht sein Volk sei, sondern das Volk Gottes, und nicht nur das: nicht er habe das Volk aus Ägypten geführt, sondern Gott! Gott reagierte, indem Er grundsätzlich Mose Recht gab, und versprach ihm dann, es nicht zu töten. Das Erstaunliche daran ist nicht so sehr, dass Gott Seinen Sinn änderte und Israel verschonte, sondern vielmehr, dass Er erwartete, dass Mose in den Ratschluss seines Willens eintreten würde, und Mose verstand das. Abraham war ein weiterer, der dies begriff. Alle diese Bundesfreunde Gottes schienen durch die ganze Geschichte hindurch ein allgemeines Bewusstsein von Gottes Erwartung gehabt zu haben, nämlich, dass sie an der Demonstration Seines Willens beteiligt seien, um das Ergebnis einer Angelegenheit zu beeinflussen. Sie verstanden, dass die Verantwortung auf ihren Schultern ruhte und dass sie vor Gott handeln mussten, um zu bekommen, was die Leute benötigten. Die priesterliche Rolle eines Fürbitters wurde nie klarer veranschaulicht. Der vorrangige Zweck Seines Willens war nicht, Israel zu vernichten oder eben auch nicht, sondern, Mose in den Prozess der Verwirklichung Seines Willens hereinzubekommen. Sein Wille konzentriert sich nicht immer auf Ereignisse; er konzentriert sich vielmehr auf Seine Freunde, die sich in Seine Nähe begeben und ihre Rolle als Gottes Delegierte erfüllen. Der Wille Gottes ist ebenso Prozess wie Ergebnis – oft fließend, nicht statisch. Der Blankoscheck Als Kinder träumten viele von uns davon, einen bestimmten Wunsch gewährt zu bekommen. Salomo bekam den »einen Wunsch«. Als Gott Salomo erschien und ihm diese Gelegenheit gab, hob Er für immer die Latte unserer Erwartungen im Gebet an. Den Jüngern wurde derselbe »Wunsch« gewährt, nur auf bessere Weise. Statt eines einzelnen Blankoschecks erhielten sie eine unbegrenzte Versorgung mit Blankoschecks. Und diese Gabe wurde speziell im Kontext ihrer Freundschaft mit Gott gewährt. Hinsichtlich ihrer Beförderung zur Freundschaft gab Jesus Seinen Jüngern diese erstaunliche Liste von Verheißungen. Jede Ver23


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heißung war ein Blankoscheck, durch den sie leben sollten und den sie ihr ganzes Leben hindurch zur Ausbreitung des Reiches Gottes verwenden sollten. Es sind folgende: Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden. (Joh. 15,7) Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit der Vater euch gibt, was auch immer ihr ihn bitten werdet in meinem Namen. (Joh. 15,16) Sooft ihr um (irgend) etwas bitten werdet und euch dabei auf Mich beruft, werde Ich es tun. (Joh. 14,14; Haller) Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was auch immer ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, er wird es euch geben! Bis jetzt habt ihr nichts in meinem Namen gebeten; bittet, so werdet ihr empfangen, damit eure Freude völlig wird! (Joh. 16,23-24) Damit wir angemessen bekommen, was Jesus uns in diesen Versen anbietet, muss sich jedes roboterhafte Verständnis dessen, was es bedeutet, ein Nachfolger Gottes zu sein, ändern. Gott hatte nie die Absicht, dass der Gläubige eine Marionette an Seinen Fäden sein soll. Genau genommen macht Gott Sich verletzlich gegenüber den Wünschen Seines Volkes. Tatsächlich ist es so, als ob Gott zu dir sagen würde: »Wenn es für dich wichtig ist, dann ist es auch für Mich wichtig«. Während viele in der Gemeinde auf das nächste Wort von Gott warten, wartet Er darauf, den Traum Seines Volkes zu hören. Er sehnt Sich danach, dass wir unsere Position einnehmen, nicht weil Er uns braucht, sondern weil Er uns liebt.

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Ein Familientreffen Meine Familie mütterlicherseits hatte in den frühen 90er Jahren ein Familientreffen. Etwa 160 Leute kamen aus der ganzen Welt herbei zu dem Lagerplatz, den wir im nördlichen Kalifornien gemietet hatten. Erstaunlicherweise repräsentierten sie 48 verschiedene Pastoren und Missionare. Es sollte eines der bislang ungewöhnlichsten Treffen werden, und zwar wegen der außerordentlichen Anzahl von Dienern Gottes, die dabei waren. Aber es war sogar noch einzigartiger, weil es so ganz wie eine formelle Konferenz ablief. Es gab Versammlungen, Podiumsdiskussionen und dergleichen. Ich wurde sogar gebeten, ein Lied für dieses Ereignis zu schreiben, das aus dem alttestamentlichen Buch Zephanja stammte. Es war eine große Zeit des Feierns der Gnade Gottes über unserer Familie. An einem der Abende hatte jemand einen Volkstanz geplant als erholsame Aktivität. Nun, ich tanze normalerweise nicht, es sei denn während der Anbetung. Es spielt für mich keine Rolle, ob es sich um einen Volkstanz handelt oder um das Tanzen in irgendeinem Nachtclub; ich tanze ganz einfach nicht. Ich finde es eine peinliche Aktivität. An der Junior Highschool nahm ich deshalb nicht am Volkstanz teil, weil ich dem Lehrer sagte, meine Gemeinde glaube nicht daran (was zum Teil stimmte). Und hier, bei diesem Familientreffen, war dieses peinliche Verhalten als eine Familienaktivität geplant. Wunderbar! Als Beni, meine Frau, mich fragte, was ich nun tun würde, sagte ich ihr mit Nachdruck: »Ich tanze nicht!« Sie kannte bereits meine Gedanken und auf weise Art versuchte sie nicht das Unmögliche, also mich mit Zureden von einer solchen Idee abzubringen, so dass ich am Spaß der Familie würde teilnehmen können. (Eine der Stärken meiner Persönlichkeit ist es, dass ich meinen Sinn nicht leicht ändere. Es spielt keine Rolle, wer meine Position herausfordert. Ich gebe einfach nicht nach. Eine der Schwachheiten meiner Persönlichkeit ist es, dass ich meinen Sinn nicht leicht ändere …) Wir gingen in die Halle, wo die Party schon in vollem Gange war, indem ganze Familien versuchten, miteinander zu tanzen. Es 25


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war lustig anzuschauen. Es war auch offensichtlich, welche Familien tatsächlichen wussten, was sie taten, und welche es nicht wussten. Wir lachten und sahen zu, wie die Leute einander auf die Füße traten, während sie ungeschickt versuchten, solch schwierige Bewegungen so rasch zu erlernen. Dann geschah das Unerwartete. Meine Tochter Leah, damals ungefähr 10 Jahre alt, fragte mich, ob ich mit ihr tanzen würde. Ich bin dafür bekannt, dass ich unbeweglich bin. Einige Familienmitglieder nennen es dickköpfig; ich nenne es Entschiedenheit. Doch in diesem Augenblick hatte ich das Gefühl, aus dem Hinterhalt heraus überfallen worden zu sein. Meine Füße waren solide, mein Entschluss stand fest, und mein Argument war absolut unbeweglich. Doch Töchter, und besonders zehnjährige Töchter, haben eine Art, so etwas einfach dennoch hinzukriegen. Zu meinem Entsetzen hörte ich mich – ohne dass ich es wollte – sagen: »Ja«. Wo war meine Zähigkeit geblieben? Wie stand es um meine Entschlossenheit? Wo war meine Gabe der Sturheit, als ich sie am meisten brauchte? Ich weiß es bis heute nicht. Ich war von einem kleinen Mädchen in die Knie gezwungen worden. Wenige Augenblicke später befand ich mich auf der Tanzfläche und versuchte das, wovon ich wusste, es besser nicht zu versuchen. Doch der Blick in den Augen meines kleinen Mädchens sagte mir, dass alles gut war. Ihr Vergnügen verdrängte meine Verlegenheit bei weitem. Und ich verstand einmal mehr, wie Väter sich bereitwillig verletzlich machen für die Wünsche ihrer Kinder – und wie Gott Sich Selbst freudig verletzlich macht für die Wünsche Seines Volkes. Gottes Souveränität Es steht außer Frage, dass die Zeit, die wir mit Gott verbringen, unsere Wünsche verändert. Wir werden immer wie das, was wir anbeten. Doch das ist nicht etwa deshalb so, weil wir programmiert worden wären, nach den Dingen zu verlangen, von denen Er möchte, dass wir sie uns wünschen; nein, sondern weil wir aus Freundschaft die Dinge entdecken, die Ihm gefallen – die geheimen Dinge Seines Herzens. Es ist der Instinkt des wahren Gläubigen, 26


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das zu suchen und herauszufinden, was dem Vater Vergnügen bereitet. Unsere Natur verändert sich wirklich bei der Bekehrung. Es ist unsere neue Natur, danach zu trachten, Gott zu erkennen und Ihm mit unseren Gedanken, Ambitionen und Wünschen zu gefallen. Diejenigen, die mit solchen Gedanken die größten Schwierigkeiten haben, sind die, die es für einen Angriff auf die Lehre von der Souveränität Gottes halten. Es besteht keine Frage: Gott ist souverän. Doch Seine Stellung der Herrschaft wird durch unseren Auftrag, mit Christus zusammenzuarbeiten, nicht in Frage gestellt. Eines meiner Lieblingszitate zu diesem Thema stammt von meinem lieben Freund Jack Taylor. Er sagt: »Gott ist sich so sicher in Seiner Souveränität, dass er keine Angst davor hat, nicht souverän auszusehen«. Jedes Verlangen hat einen Vater Eine gute Art, sich den Inhalt des Wortes Verlangen (engl. desire) zu merken, ist die, es in Silben aufzubrechen: »De« bedeutet »von«. Und »sire« bedeutet »Vater«. Alles Verlangen bedeutet demnach »von dem Vater«. Die Frage sollte nicht lauten: »Stammen meine Wünsche von Gott?«. Die Frage sollte lauten: »Mit was oder mit wem hatte ich Gemeinschaft?« Ich kann mit Gott oder mit dem Feind Gemeinschaft haben. Wenn ich mir Zeit nehme, über eine Beleidigung nachzudenken, die ich vor einigen Jahren erlebt habe, dann fange ich an, mich zu fragen, ob Gott je die Person gerichtet hat, und das Verlangen nach Rechtfertigung und Vergeltung wird sich in meinem Herzen rühren. Warum? Weil ich Gemeinschaft hatte mit dem Vater der Bitterkeit, und diese Wünsche sind Kinder, die in meinem Herzen gebildet wurden. Wenn die Gemeinschaft mit dem Bösen ein böses Verlangen in uns hervorbringen kann, wieviel mehr sollte man dann nicht sagen können, dass Zeit mit Gott in uns Wünsche hervorruft, welche die Ewigkeit im Sinn haben und Ihm letztlich Ehre einbringen? Was man sich merken muss, ist folgendes: Diese Wünsche sind nicht auf Befehl dort; sie sind in unserem Herzen wegen unserer Gemeinschaft mit Gott. Sie sind die Sprösslinge unserer Beziehung mit Ihm. 27


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Der Hauptzweck dieses Buches besteht darin, Gläubige zu lehren und zu ermutigen, von den Wünschen zu leben, die durch ihre intime Gemeinschaft mit dem Herrn geboren werden. Viele Gläubige halten wenig von ihren Gefühlen, indem sie automatisch versuchen, sich all dessen zu entledigen, was sie sich wünschen, um dadurch ihre Hingabe an den Herrn unter Beweis zu stellen. Ihr selbstloses Vorgehen schießt über den Willen Gottes hinaus und verleugnet im Grunde die Tatsache, dass Gott der Vater von Träumen und Fähigkeiten in ihrem Innersten ist. Das hört sich äußerlich betrachtet gut an, weil es ein selbstloser religiöser Anreiz zu sein scheint, aber es arbeitet innerlich gegen Gottes Absichten. Die meisten sehen noch immer nicht den Unterschied zwischen dem Eintreten hinein in Gottes Königreich und dem Leben im Königreich. Wir betreten es auf einem geraden und schmalen Weg, indem wir sagen: »Nicht mein, sondern dein Wille geschehe«. Das einzige Tor ist Christus Jesus. Der einzige Weg, Leben in Christus zu finden, ist der, in eine vollständige Hingabe an Ihn zu gelangen. Doch Leben im Königreich, das nach dem engen Eingang zur Errettung kommt, ist völlig anders. Es ist im Innern größer als außen. Hier hören wir, wie der Herr sagt, wir seien nicht mehr Knechte, sondern Freunde. In diesem Zusammenhang sagt Er, der Vater werde uns geben, was immer wir uns wünschen. Die Betonung liegt auf »was ihr wünscht«. Es ist wichtig, dass wir den Zusammenhang nicht vergessen, sonst werden wir nur noch mehr selbstsüchtige Leute hervorbringen, die Christus bekennen. Genauso wie das Kreuz der Auferstehung vorausgeht, so geht unsere Hingabe an Seinen Willen dem, dass Gott sich auch für unseren interessiert, voraus. Doch hat auch die gegenteilige Betonung ihre Gefahren – wenn wir nie Menschen eines Verlangens werden, werden wir nie Christus auf Erden angemessen und wirksam repräsentieren können. Der Baum des Lebens »… ein erfüllter Wunsch aber ist ein Baum des Lebens« (Spr. 13,12). Salomo machte diese erstaunliche Aussage. Wenn irgendjemand 28


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qualifiziert war, über erfüllte persönliche Wünsche zu sprechen, dann war das Salomo. In 2. Chronik 7,11 heißt es: »… und alles, was Salomo im Sinn gehabt hatte … das war ihm gelungen«. Wir dürfen nicht zulassen, dass sein Ungehorsam im späteren Leben uns von den tiefgründigen Lektionen ablenkt, die er durch seinen Gehorsam in seinem früheren Leben gelernt hat. Er erlebte die Kraft, dass seine im Herzen hingebungsvoll empfundenen Wünsche erfüllt wurden. Salomos Worte führen uns zum Thema vom Baum des Lebens in der Paradieserzählung von 1. Mose zurück. Salomo verband Adam und Eva mit der Ewigkeit. (Nachdem sie von der verbotenen Frucht gegessen hatten, bewachte der Engel des Herrn den Zugang zum Baum des Lebens, sodass Adam und Eva nicht mehr von seiner Frucht essen konnten; der Baum machte alles ewig, was ihn berührte. Es hätte auch ihren sündigen Zustand fortdauernd gemacht – ein ewiger, unverbesserlicher Zustand). Hier wird uns gesagt, ein Gläubiger werde den Baum des Lebens erleben, wenn seine Wünsche erfüllt würden. Das beinhaltet, dass diejenigen, die das Wunder erfüllter Wünsche in Christus kosten, durch diese Erfüllung eine ewige Perspektive und Identität geschenkt bekommen werden. Der Prozess der Hingabe, der persönlichen Umwandlung und erfüllter Wünsche ist die Schulungsgrundlage dafür, um ewig mit Christus zu herrschen. In Johannes 16,24 heißt es, dass Gott unsere Wünsche (Gebete) erhören möchte, »… damit eure Freude völlig wird!« bzw. »Eure Freude soll (dadurch) ihr größtmögliches Ausmaß erreichen« (Joh. 16,24; Haller). Kein Wunder, dass es in der Gemeinde so wenig Freude gegeben hat. Freude ist das Ergebnis unseres erlösten Herzens, welches in der Teilnahme an Gottes sich durch Gebet entfaltendem Plan für die Erde schwelgt. Um es noch spezifischer auszudrücken: Die Freude kommt dadurch zustande, dass unsere Gebete erhört worden sind. Erhörte Gebete, besonders diejenigen, die ein übernatürliches Eingreifen erfordern, machen uns glücklich! Und es macht Spaß, mit glücklichen Leuten zusammen zu sein. Vielleicht wurde Jesus deshalb »Freund der Sünder« genannt (vgl. Lk. 7,34). Seine Freude 29


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übertraf alle, die um Ihn herumstanden. Augenblick für Augenblick, Tag für Tag erlebte Er, wie Seine Gebete durch Seinen himmlischen Vater erhört wurden. Seine Freude war das, was viele als extrem bezeichnen würden. In Lukas 10,21 heißt es: »Jesus jubelte im Geist«. Das Wort »jubelte« in diesem Kontext meint, »jauchzen und hüpfen vor Freude«. Selbst die Nähe von Jesus brachte Freude. Johannes der Täufer hüpfte im Leib seiner Mutter, weil Maria, die mit Jesus schwanger war, den Raum betrat. Jesu Freude ist ansteckend und sollte wieder das Merkmal wahrer Gläubiger werden. David setzt eine neue Hochwasser-Marke Ein außergewöhnliches Beispiel für erfüllte Träume wird durch Salomos Bau eines Tempels illustriert, den sein Vater David geplant hatte. Der Bau und die Einweihung des Tempels Salomos ist eines der bedeutendsten Ereignisse in der Bibel. Und doch sagte Salomo bei der Einweihung des Tempels: »Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, der zu meinem Vater David durch seinen Mund geredet und es auch durch seine Hand erfüllt hat, indem er sagte: »Seit dem Tag, da ich mein Volk Israel aus Ägypten herausführte, habe ich unter allen Stämmen Israels niemals eine Stadt erwählt, dass mir dort ein Haus gebaut würde, damit mein Name dort wäre; aber ich habe David erwählt, dass er über mein Volk Israel herrsche«. Nun lag es zwar meinem Vater David am Herzen, dem Namen des Herrn, des Gottes Israels, ein Haus zu bauen.« (1. Kön. 8,15-17) Gott sagte, Er habe keine Stadt erwählt, sondern Er habe einen Mann erwählt, und die Idee für einen Tempel sei im Herzen eines Menschen entstanden. Gott sagte grundsätzlich: Der Tempel war nicht meine Idee. David war meine Idee. Unglaublich! Davids Kreativität und seine Wünsche halfen Geschichte zu schreiben, weil Gott sie guthieß. David gab uns viele Königreichsprinzipien, welche die Richtung anzeigen, in der wir leben sollen. Es ist, als wollte er sagen: »Träumer! Kommt! Lasst uns zusammen träumen und 30


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den Bericht von der menschlichen Geschichte schreiben«. Du bist Gottes Idee und Er sehnt sich danach, den Schatz zu sehen, der in deinem Herzen ist. Wenn wir lernen, mit Gott zu träumen, werden wir Mitarbeiter mit Ihm. Adam – der erste Mitarbeiter Gott übertrug Adam die Aufgabe, allen Tieren einen Namen zu geben (vgl. 1. Mose 2,19). Namen hatten in jenen Tagen eine viel größere Bedeutung, weil sie das Wesen von etwas darstellten. Ich glaube, dass Adam im Grunde jedem Tier sein wahres Wesen zuwies, seinen Bereich von Autorität und seine Dimension der Herrlichkeit, die es genießen sollte. In Wirklichkeit sollte Adams Aufgabe mithelfen, die Natur der Welt zu definieren, in der er leben sollte. Diese Mitarbeiterrolle war eine kreative, eine schöpferische Rolle, eine Ergänzung zu Gott, dem Schöpfer. Gott bringt uns nicht deshalb in diese Situationen hinein, weil Er es nicht selbst tun könnte. Es entzückt ihn einfach zu sehen, wie alles, was Er machte, in seine Identität in Ihm hineinfindet, indem es Seinen göttlichen Vorsatz empfängt. Wenn wir das Vorrecht wahrnehmen, einen schöpferischen Ausdruck anzunehmen, entsprechen wir der Tatsache, dass wir im Ebenbild unseres Schöpfers gemacht wurden. Das Werkzeug, das Geschichte schreibt Die King-James-Bibel stellt in der Weise, in der sie Markus 11,24 übersetzt, die Rolle unserer Wünsche heraus: »Darum sage ich euch: Alles, was ihr auch immer im Gebet ersehnt, glaubt, dass ihr es empfangt, so wird es euch zuteil werden«. Wir sollen unseren Gefühlen Aufmerksamkeit schenken, während wir die Gegenwart Gottes im Gebet genießen: Etwas geschieht in unserer Zeit der Gemeinschaft mit Ihm, was unsere Fähigkeit belebt, zu träumen, zu ersehnen und zu wünschen. Unser Denken wird durch die göttliche Begegnung erneuert und wird zu einer perfekten Leinwand, auf der Er malen kann. Wir werden Mitarbeiter mit ihm im Meisterplan für den Planeten Erde. Unsere Träume sind nicht von Gott 31


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unabhängig, sondern – im Gegenteil – existieren gerade wegen Gott. Er stellt die Agenda auf – wie im Himmel so auch auf Erden – und dann setzt Er uns frei, um mit ihr zu laufen und sie zu verwirklichen! Während wir in der Intimität zu Ihm wachsen, ist das, was in unserem Leben geschieht, mehr das Ergebnis unserer Wünsche, als einfach dies, dass wir besondere Befehle vom Himmel empfangen und ihnen gehorchen. Gott liebt es, auf unseren Wünschen und unserem Verlangen aufzubauen, so wie Er Davids Wunsch nach einem Tempel annahm. Diese Wahrheit ist von unserer Perspektive aus riskant, weil wir diejenigen sehen, die unabhängig von Gott leben und die nur möchten, dass Er ihre Wünsche verwirklichen soll. Doch wahre Gnade schafft immer einen Platz für diejenigen, die Böses in ihrem Herzen haben, damit es durch vermehrte Gelegenheiten an die Oberfläche kommt. Doch der Reichtum dieser Wahrheit ist es wert, ihr nachzuspüren, trotz der wahrgenommenen Gefahr, weil nur diese Wahrheit die Gemeinde befähigt, durch das Mitarbeiten mit dem Herrn in ihre volle Bestimmung zu gelangen. Diese göttliche Bestimmung wurde durch den Psalmisten angekündigt, lange bevor das Blut Jesu sie zu einem möglichen Lebensstil machte: »Habe deine Lust am Herrn, so wird er dir geben, was dein Herz begehrt!« (Ps. 37,4). Träumer sind hier willkommen Wir wurden geboren, um zu erschaffen, zu bauen und voranzukommen. Um Erfolg zu haben, bedarf es einer fortwährenden Darlegung übernatürlicher Weisheit. Weisheit, sowie ihr einzigartiger Ausdruck, ist der Schwerpunkt im nächsten Kapitel.

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