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1. Auflage 2017 © 2017 Verlag VOICE OF HOPE Eckenhagener Str. 43 51580 Reichshof-Mittelagger www.voiceofhope-shop.de Übersetzung: Alexandra Marion Der Text wurde geringfügig bearbeitet bei VOH Umschlag und Satz: Voice of Hope Druck: www.degrootdruk.nl Bestell-Nr. 875.424 ISBN 987-3-947102-24-2 © 2003 Peter Masters, Wakeman Trust, London Originaltitel: The Lord‘s Pattern for Prayer Früher erschienen unter dem Titel: »Unser Vater …« beim Schwengeler Verlag, CH Alle Bibelstellen sind gemäß der Schlachter-Bibel 2000


INHALT KAPITEL 1

Das Vaterunser – ein Modellgebet

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KAPITEL 2

Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

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KAPITEL 3

Wie groß ist unser Gott?

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KAPITEL 4

Wie soll ich den ewigen Gott loben?

27

KAPITEL 5

Den Unterschied zwischen Erde und Himmel erkennen

38

KAPITEL 6

Zustimmung und Unterwerfung unter den Willen Gottes

48

KAPITEL 7

Der tägliche Bedarf von Leib und Seele

52

KAPITEL 8

Weg und Bedeutung der Buße

61

KAPITEL 9

Vorbereitung für den Kampf

73

KAPITEL 10

Mitten im Kampfgetümmel

82

KAPITEL 11

Ihm gebührt die Ehre

87

KAPITEL 12

Was ist das Gebet des Glaubens?

97

KAPITEL 13

Haben Sie einen Dienst der Fürbitte?

102

KAPITEL 14

Ausdauer beim Beten

111

KAPITEL 15

Eine Hilfestellung bei Problemen im Gebetsleben

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KAPITEL 1 Christus lehrt uns beten »Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten …«

Das Vaterunser – ein Modellgebet Die Trümmer meiner Seele stell wieder her, und mach aus meinem Herzen ein Haus des Gebets. – Charles Wesley

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er Begriff »das Gebet des Herrn« lässt sich auf Cyprianus von Karthago um etwa das Jahr 250 n. Chr. zurückverfolgen, obwohl das Vaterunser wohl schon davor als rezitiertes Gebet bekannt war. In unserer heutigen Zeit ist es ein bewegender Gedanke, dass Millionen vom Evangelium unerreichte, unbekehrte Menschen zumindest eines über den wahren Glauben wissen: Sie können das Vaterunser sprechen. Woher nehmen wir uns deshalb das Recht, die Zeilen dieses berühmtesten aller Gebete zu durchforschen und auszulegen? Sollte es nicht als sakrosankt betrachtet und so rezitiert werden, wie es ist? 4


Das Vaterunser – ein Modellgebet

Wir müssen dieses Gebet genauer erforschen, weil der Herr es hauptsächlich als Muster, als Stilvorgabe, als Schema oder Gliederung von Gebetsanliegen und Wünschen vorgesehen hat. Unsere Gebete sollten diesem Modell entsprechen. Das Vaterunser ist hauptsächlich eine Agenda für das Gebet. Johannes Calvin sagte bereits vor langer Zeit, dass seine Bedeutung nicht so sehr in den Worten liege, sondern mehr in deren Inhalt, der erklärend ausgelegt werden sollte. Es folgen drei kurze Hinweise, warum das Gebet des Herrn hauptsächlich als Belehrung und Gliederung gemeint ist.

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In diesem Buch werden wir das Gebet des Herrn studieren, wie es in Matthäus 6,9-13 wiedergegeben ist; aber im Lukasevangelium folgt das Vaterunser auf die Bitte der Jünger: »Herr, lehre uns beten!« (11,1). Die natürlichste Erklärung für diese Bitte lautet: Die Jünger wollten mehr als nur eine festgefügte Form des Gebets. Sie baten den Herrn nicht um ein bestimmtes Gebet, sondern sie wollten wissen, wie sie beten sollten.

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Als der Herr bei dieser anderen Gelegenheit dasselbe Gebet lehrte (s. Lk. 11,1-4), drückte Er es ein wenig anders aus, mit fünf kleinen Variationen und einem vollkommen anderen Wort sowie ohne den Lobpreis am Ende. Wenn Er beabsichtigt hätte, nur eine strenge Form des Gebetes zum Rezitieren zu vermitteln, dann hätte Er wohl bei beiden Gelegenheiten genau die gleichen Worte gewählt.

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Es ist auch von großer Bedeutung, dass alle Bitten des Vaterunsers sehr kurz sind und wohl als Überschriften dienen sollten. So enthält die Bitte »Und vergib uns unsere Schulden« (Mt. 6,12) nur fünf Worte, obwohl wir aus anderen 5


KAPITEL 1

Gebeten in der Bibel wissen, dass Bitten um Vergebung ausführlicher sein sollten. Wenn der Gläubige Buße tut, muss er sich seiner Sünden oder wenigstens seiner schlimmsten Verfehlungen bewusst sein. Er muss sich seiner Sünden schämen, sie mit Namen nennen und bereit sein, sich von ihnen abzuwenden. Ein allgemein formuliertes, nur aus fünf Worten bestehendes Bußgebet reicht dafür nicht aus. Gleichermaßen haben alle anderen Bitten des Vaterunsers eine größere Bedeutung als ihr offen zutage liegender Wortsinn. Das gilt schon für die ersten Worte. Wenn wir sagen: »Unser Vater«, dann soll unsere Seele zu Gott gezogen werden, denn sie erinnern uns an Sein väterliches Wesen und Seine Güte. Ähnlich ist es mit den nächsten Worten: »der Du bist im Himmel«. Hier geht es um mehr als nur um den Wohnsitz Gottes. Wir sollen uns mit diesen Worten Seine unendliche Majestät und Macht vergegenwärtigen. Tertullian schrieb im zweiten Jahrhundert nach Christus, dieses Gebet sei »von der Bedeutung her so umfassend, wie es vom Ausdruck her kurz gefasst ist«. Jede Bitte hat ein erhabenes Ziel. Es gibt keine vagen oder nur poetisch gefassten Bitten, und es gibt auch keine Wiederholungen oder Überschneidungen. Hier steht uns eine volle Bandbreite an Themen zur Verfügung; aber unsere persönlichen Gebete sollten dennoch ausführlicher sein.

WIE LANGE SOLLEN WIR BETEN? An dieser Stelle möchte ich eine persönliche Bemerkung einfügen. Zu Beginn meines Christenlebens empfand ich einen Gesichtspunkt des Gebets als äußerst entmutigend. Mir kam es vor, als ob ein Gebet nur dann etwas wert sei, wenn man stundenlang auf den Knien liege. Helden des Gebets 6


Das Vaterunser – ein Modellgebet

– wie zum Beispiel der berühmte John Hyde, der »Apostel des Gebets« – werden in Predigten oder Büchern immer wieder als Vorbilder hingestellt, obwohl nur wenige Menschen an sie heranzureichen scheinen. Im Rückblick muss ich sagen, dass es für mich als Anfänger im Glauben sehr hilfreich gewesen wäre, wenn man mir als Richtwert für das Gebet mindestens fünfzehn Minuten täglich empfohlen hätte (ohne Bibellesen), mit der Möglichkeit, sich auch mehr Zeit zu nehmen, wenn es erforderlich ist. Es ist wichtig, das an dieser Stelle zu erwähnen, weil dieses Buch viele Anregungen enthält, die jedoch nicht alle in einer »Gebetssitzung« zur Anwendung kommen können. Es ist natürlich gut und richtig, mehr Zeit im Gebet zu verbringen. Jeder Christ sollte dieses Ziel anstreben; aber eine einfache und leicht umsetzbare Orientierungshilfe bewahrt uns vor dem anderen Extrem, nämlich ein paar wenigen gestammelten Sätzen pro Tag. Obwohl das Gebet des Herrn idealerweise als Gliederung oder als Aneinanderreihung von Überschriften anzusehen ist, ist es dennoch ziemlich kompakt gestaltet. Auch andere Gebete in der Bibel sind nie übermäßig lang. Andererseits hat unser Erlöser und vollkommenes Vorbild nächtelang gebetet, und so müssen auch unsere Gebete von Zeit zu Zeit ausführlicher sein. Trotzdem wird uns ein Richtwert helfen, Gott nahe zu bleiben und Seine Macht sowie Seinen Segen in unserem Leben zu erfahren. Ob wir nun fünfzehn Minuten täglich beten oder uns mehr Zeit dafür nehmen: Der Inhalt unserer Gebete und die verschiedenen Bitten, die wir vor Gott bringen, werden immer aufs Beste geordnet und angereichert, wenn wir dabei das Gebet des Herrn, in dessen Namen wir beten, im Auge behalten. 7


KAPITEL 2 Wie wir Gott anreden sollen »Unser Vater«

Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet O Du, durch den wir zu Gott kommen, der Du uns Leben bist, Wahrheit und Weg, den Weg des Gebets hast Du für uns betreten. Herr, lehre uns beten! – James Montgomery

O

ft fällt uns das Gebet schwer, weil unsere Herzen kalt und gefühllos sind. Wie können wir wieder jene tiefe Sehnsucht und Herzenswärme spüren, nach der wir uns so sehr sehnen, wenn wir in die Gegenwart Gottes treten wollen? Die beste Antwort gibt uns hier der Beginn des Vaterunsers: »Unser Vater« Schon allein das Wort »Vater« sollte uns zu Gott ziehen, denn in diesem Wort konzentrieren sich viele Gedanken. Natürlich soll Gott für uns ein allmächtiges Wesen oder ein König sein, aber für gläubige Menschen ist 8


Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

Er auch ein Vater. Er zeigt Seinen Kindern immer wieder Seine väterliche Liebe, Seine Zuneigung und Fürsorge. In gewisser Hinsicht ist Er als Schöpfer der Vater aller Menschen, und sie alle werden sich einmal vor Ihm verantworten müssen. Alle sollen Ihn ehren, Ihm dienen und gehorchen. Als Vater hat Er jeden Menschen im Blick, selbst wenn dieser göttliche Blick für viele zum Gericht führen wird. Auf eine besondere und vertraute Art ist Gott jedoch Vater für diejenigen, die eine Wiedergeburt erfahren haben und in die Familie Gottes aufgenommen worden sind. Wenn wir im Gebet Gott mit »Unser Vater« ansprechen können, ist das ein Ausdruck einer gewissen Sicherheit, die man noch weiter erklären kann.

1. DER VATER IST ZUGÄNGLICH Erstens deutet das Wort »Vater« eine Ähnlichkeit und Zugänglichkeit an. Wir sagen das mit Vorsicht und Ehrfurcht, weil Gott von Seinem ganzen Wesen her heilig und unendlich ist – im Gegensatz zu uns. In diesem Punkt gibt es eine gewisse Ähnlichkeit, und deshalb können wir uns an Gott wenden. Unsere irdischen Väter sind für uns keine fremden Wesen wie von einem anderen Planeten, weil wir ihnen ähnlich sind. Sie sind mit uns verwandt und gleichen uns. Genauso verhält es sich mit unserem himmlischen Vater. Wir beten kein Wesen an, das uns völlig unbegreiflich ist, denn wie Gott sind auch wir Persönlichkeiten. Auch uns hat Er einen Verstand gegeben; allerdings ist Sein Denken im Gegensatz zu dem unseren unendlich und herrlich. Wie Gott haben auch wir die Fähigkeit der Sprache und der Kommunikation. Er gibt sich Selbst den Namen »Vater«, um uns unter anderem auch an diese Ähnlichkeit mit Ihm zu erinnern. Das macht uns Mut. 9


KAPITEL 2

Weil wir nach Seinem Bild geschaffen sind, können wir begreifen, dass Er ein Gott mit einem Vaterherzen ist, ein Gott, der uns zuhört. Mit dem Titel »Vater« gibt Gott uns eine Einladung und ein Recht zum Beten. Es ist so, als ob Er sagen würde: »Ihr seid Meine Kinder, und ihr könnt zu Mir kommen. Ich werde euch hören und danach handeln.« In biblischen Zeiten war es einem Sklaven nicht erlaubt, seinen Herrn »Vater« zu nennen. Nur die Kinder des Herrn hatten das Recht dazu. In diesem Licht betrachtet, bekommt die Verwendung des Begriffs »Vater« durch den allmächtigen Gott eine besondere Bedeutung, als ob Er damit sagen wolle: »Ihr dürft Mich Vater nennen, weil ihr nicht Sklaven oder Diener seid, sondern Meine Kinder, und Ich werde euch aufnehmen.«

2. DIE VÄTERLICHE GÜTE GOTTES Zweitens sagt uns das Wort »Vater«, dass wir von Gott väterliche Güte erwarten können. Ob wir nun Kinder oder Erwachsene sind – wenn unser irdischer Vater uns etwas Nettes sagt oder uns etwas schenkt, werden wir bestimmt nicht entgegnen: »Es ist erstaunlich, dass ich als ein Niemand so viel Güte erfahre.« Wenn wir Kinder sind, empfinden wir es nicht als seltsam, wenn unser Vater arbeitet, damit wir ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben. Wir nehmen so etwas als selbstverständlich hin, weil wir von unserem Vater Fürsorge und Güte erwarten. Kein Kind kommt nach der Schule nach Hause und fragt sich, ob sein Vater es überhaupt erkennen oder mit ihm sprechen werde. Beim Herrn ist uns diese väterliche Güte ebenfalls sicher, und diese Tatsache macht uns als Kindern Gottes Mut. Wenn wir beten, brauchen wir keine Angst zu haben, dass Gott uns 10


Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

gegenüber hart und unnachgiebig auftreten könnte. Unser Gott ist schließlich unser Vater. Kinder sind immer wieder ungehorsam und gehen in die Irre; aber ein Vater kann ihnen das nicht ständig vorwerfen. Er muss ihnen vergeben, sonst wird das Familienleben zu einem Alptraum. Wie viel gütiger ist doch der allmächtige Gott, in dem sich alle väterlichen Eigenschaften bis zu einem unendlichen Ausmaß vereinen! Er freut sich an Seinen Kindern, hat Mitleid mit ihnen und versteht sie. Er wendet sich ihnen von ganzem Herzen zu, und Er gibt ihnen trotz ihrer Fehler und Schwächen Seine Gaben und Seinen Segen. Einem Vater würde es nie einfallen, seinen Kindern etwas zu verkaufen. Er schenkt ihnen alles, und auch der Herr ist ähnlich großzügig. Indem Er sich als unser Vater bezeichnet, erklärt uns der Herr Seine väterliche Liebe.

3. DER VATER HAT EIN RECHT AUF UNSER VERTRAUEN Drittens sagt uns der Begriff »Vater«, dass der Herr ein Recht auf unser Vertrauen hat. Ein anschauliches Beispiel sind kleine Kinder, die ihrem Vater immer Respekt entgegenbringen, es sei denn, er muss sie bestrafen. Kinder blicken zu ihrem Vater auf. In der Regel zweifeln sie seine Fähigkeiten nicht an. Wenn der Vater auf einer Urlaubsreise mit der Familie am Steuer sitzt, wird das Kind auf dem Rücksitz sich bestimmt nicht fragen: »Kann er das überhaupt? Ich habe gar nicht gewusst, dass er mit dem Auto so weit fahren und uns sicher ans Ziel bringen kann.« Einem Kind sind solche Zweifel fremd. Für ein Kind ist sein irdischer Vater groß und stark genug, um alles zu können. Deshalb muss Gott es als eine Beleidigung empfinden, wenn gläubige Menschen 11


KAPITEL 2

Seine Macht anzweifeln. Das Wort »Vater« erinnert uns daran, dass wir uns Gott mit Respekt nähern und Ihm voll und ganz vertrauen müssen.

4. DER VATER KENNT SEINE KINDER Viertens bezeichnet das Wort »Vater« den einen Gott, der alles über uns weiß. Deshalb müssen wir Ihm gegenüber offen und bereit zur Reue sein, wenn wir uns Ihm nähern. Ein Vater kennt seine Kinder genau, weil er um ihre Stärken und Schwächen weiß. Auch wenn wir sagen »Unser Vater«, sollten wir uns bewusst machen, dass unser himmlischer Vater unsere Gedanken und Wünsche kennt. In einem einzigen Augenblick überschaut Er unser ganzes Leben. Er hat uns bei unserer Geburt und auch bei unserer Wiedergeburt gesehen. Er weiß, was wir Ihm versprochen haben und wie viel wir Ihm schulden. Dieser Gedanke könnte uns erschrecken, wenn wir nicht wüssten, dass Gott ein Vater ist, der Seinen Kindern niemals einen Schaden zufügt. Er hat auch unsere täglichen Verfehlungen vor Augen, und deshalb sollten wir uns Ihm mit einem bußfertigen Herzen nähern.

5. DER VATER HAT MAẞSTÄBE Fünftens beinhaltet das Wort »Vater« für uns eine Ausrichtung nach Seinen Regeln und Maßstäben. Damit wird ein großer Fehler beim Gebet korrigiert; denn gläubige Menschen neigen dazu, Gott darum zu bitten, dass Er sie mit allem Nötigen versorgt und sie segnet, ohne Seine Regeln und Gesetze einzuhalten. Sie bemühen sich vielleicht gar nicht mehr, Ihm zu gehorchen und Ihm in Wort und Tat zu gefallen. Ein Vater kann jedoch Kindern, die sich Ihm 12


Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

widersetzen und Ihn kränken, keine besonderen Vorrechte einräumen. Wenn mein Gewissen nicht mehr den Wunsch verspürt, Gott zu gefallen, ich aber trotzdem zu Ihm als meinem himmlischen Vater bete, dann meine ich nicht wirklich, was ich sage. Wenn wir nicht ernsthaft die Sünde in unserem Leben in den Griff bekommen und besiegen wollen, wenn wir nicht ernsthaft nach Heiligung streben, dann sollten wir nicht erwarten, dass unsere Gebete erhört werden. Die Hausregel unseres Vaters umfasst zehn grundlegende Gebote, die sich aufteilen in viele weitere kostbare Richtlinien für unser Verhalten und unseren Charakter. Dazu gehört die berühmte »Frucht des Geistes« in Galater 5, aber auch Hinweise, wie Christen anderen Menschen dienen sollen. Diese Regeln müssen beachtet, respektiert und angestrebt werden. Der Name »Vater« erinnert uns an Seine Maßstäbe – die Hausregeln des Himmels.

6. DER VATER HAT NOCH ANDERE KINDER Sechstens weckt der Begriff »Vater« (und natürlich besonders: unser Vater) unser Verantwortungsgefühl für andere Familienmitglieder. In der Familie Gottes gibt es keine Einzelkinder. Wenn wir so beten wollen, dass es Gott gefällt, müssen wir uns als Teil Seiner Familie verstehen. Deshalb müssen wir bereit sein, unsere Geschwister im Glauben in aller Demut zu akzeptieren, die Harmonie in der Familie Gottes aufrechtzuerhalten und dem Vater im »Familienteam« zu dienen. Ein unnahbarer Mensch, der sich von der Gemeinschaft mit anderen Kindern Gottes fernhält und eine eigenwillige, überkritische Haltung an den Tag legt, kann nicht wirklich beten: »Unser Vater«. Ein gleichgültiger, gefühlskalter oder fauler Mensch, der von den Nöten und 13


KAPITEL 2

Schwierigkeiten seiner Brüder und Schwestern nichts wissen will und ihnen bei ihrer Arbeit für den Herrn nicht hilft, kann auch nicht sagen: »Unser Vater«. Wenn er es dennoch tut, ist das Heuchelei. Die von Gott Selbst gewählte Bezeichnung hat auch eine bestimmte Überzeugung und Ausrichtung zur Folge.

7. DER VATER SORGT FÜR UNS UND FÜHRT UNS Siebtens zeigt das Wort »Vater« den Herrn natürlich als denjenigen, der Seine Kinder führt und beschützt. Der ideale Vater hat einen lenkenden und prägenden Einfluss auf das Leben seines Kindes. Er führt seinen Nachwuchs durch Kindheit und Jugend, und er sorgt für sein Kind. Deshalb müssen wir das vorausschauende Planen und Handeln Gottes zu schätzen wissen, wenn wir uns Ihm im Gebet nahen. Manchmal haben es gläubige Menschen sehr eilig, wenn sie sich in die Gegenwart Gottes begeben. Sie bitten Ihn um Hilfe bei Problemen und um alle denkbaren Segnungen. Der Schwerpunkt ihres Gebets liegt auf diesen Bitten: »Hilf mir; rette mich; gib mir!« Manchmal muss es Gott so vorkommen, als ob wir damit sagen wollten (obwohl wir es natürlich nicht wagen, so etwas offen auszusprechen): »Oh Herr, du lässt mich allein in zahllosen Schwierigkeiten, und deshalb muss ich Dich anrufen und um Hilfe bitten. Du weißt wohl nicht, was mit mir passiert. Du kümmerst Dich wohl nicht um meine Probleme. Du hältst wohl nicht Deine Hand über mir. Trotzdem bin ich froh, dass Du in Notfällen für mich da bist.« Eine solche Art von Gebet ist für Gott natürlich eine Beleidigung. Wenn wir im Gebet das Wort »Vater« aussprechen, dann sollten wir dabei denken: »Weil Er ein vollkommener 14


Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

Vater ist, hat Er alles in Seiner Hand. Er weiß immer, was Er tut. Ich glaube an das vorausschauende Handeln Gottes. Wenn in meinem Leben eine Katastrophe geschieht, werde ich nicht in die Opferrolle schlüpfen. Ich werde zu Gott gehen mit der Gewissheit, dass Er weiß, was geschehen ist, dass Er es zugelassen hat und es mir zum Guten dienen lässt. Ich werde Ihn um Seinen Segen und um Kraft bitten, nicht etwa aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, sondern weil ich Ihm vertraue. Diese schwierige Situation wird mir helfen – beim Beten und dabei, meinen Glauben in die Tat umzusetzen. Bestimmt wird diese Notlage für mich zu einem ewigen Vorteil, denn alles ist in Seiner Hand. Ich bin Sein Kind, und Er wird mich niemals aus Seiner väterlichen Obhut entlassen.« Das alles steckt in diesem einen Wort »Vater«.

8. IM HAUS DES VATERS SIND WIR ZU HAUSE Achtens spricht der Begriff »Vater« von jemandem, dessen »Zuhause« wir teilen. Wir dürfen jederzeit Sein Haus betreten und darin umhergehen, als ob es uns gehöre. So ist das ja auch bei irdischen Kindern. Das Wort »Vater« beinhaltet auch das Vorrecht des Dazugehörens. Es ist ziemlich schwierig, einem Kleinkind beizubringen, dass es bestimmte Zimmer im Haus nicht betreten darf. Für das Kind ist es nämlich nicht nur das Haus seiner Eltern, sondern auch sein Haus. Gläubige wissen instinktiv, dass sie vor Gott in Seinem geistlichen Haus, Seiner Gemeinde, wohnen dürfen, weil sie dorthin gehören. Hier sind wir zu Hause. Wir dürfen unsere Beine unter dem Tisch ausstrecken, als ob wir Söhne oder Töchter des Hauses seien. Wir dürfen uns an der Einrichtung freuen und den schönen Ausblick aus den Fenstern bewundern. Wir dürfen uns wohl fühlen in der 15


KAPITEL 2

Hausgemeinschaft des Glaubens, in allen ihren Herrlichkeiten. Hier trinken wir aus den Brunnen des Wortes Gottes, hier erleben wir den göttlichen Segen und können die Worte und Handlungen unseres Gottes genau beobachten. Eines Tages, wenn unser Glaube zum Schauen wird, werden wir in alle Ewigkeit diese Herrlichkeiten in ihrer ganzen Fülle genießen. Wenn wir zur Familie Gottes gehören, dann dürfen wir uns als Christen an unserem erlebten Glauben freuen. Wir hören die Stimme Gottes und sind fröhlich vor Ihm, weil wir Familienmitglieder sind. Wir dürfen uns Ihm nahen, zwar immer voller Ehrfurcht, aber auch auf sehr vertraute Weise, wie Kinder, die rufen: »Abba, Vater!« Wenn wir auch manchmal eigensinnig sind und untreu, wenn wir uns fremd und Gott fern fühlen, kennen wir dennoch den Heimweg. Dann gehen wir in Buße und voller Sehnsucht durch die Vorhalle des Gebets und hinein in den Thronsaal, um »unseren Vater« aufzusuchen. Beim Wort »Vater« geht es auch um das Recht auf freien Zutritt.

9. DIE LIEBE DES VATERS IST DAUERHAFT Neuntens ist in der Bibel wohl kein anderer Begriff wie das Wort »Vater« für uns eine Lehre über unsere ewige Sicherheit. Vielleicht fallen wir vom Glauben ab oder werden kalt und gleichgültig; aber auf lange Sicht zieht Gott uns wieder zu sich, wenn nötig durch Züchtigung, und wir werden niemals verloren gehen. Schließlich hören wir ja auch nie auf, Kinder unseres irdischen Vaters zu sein. Die Leute reden von ihrer »Exfrau« oder ihrem »Exmann«, aber niemand spricht von einem »Exkind«. Auch wenn wir bis ans andere Ende der Welt wegziehen, bleiben wir immer das Kind un16


Das Herz wird auf das Gebet vorbereitet

seres Vaters. Sollten wir vor unserem Vater sterben, bleiben wir sogar nach unserem Tod sein Kind, und er wird uns als solches in Erinnerung behalten. Dass Gott sich Selbst als Vater der Gläubigen bezeichnet, ist das konkreteste Zeichen für unsere ewige Sicherheit, denn es sagt uns, dass wir für immer Seine Kinder bleiben. Diese Sicherheit, die im Wort »Vater« liegt, ist wohl kaum schöner ausgedrückt worden als im alten Londoner Glaubensbekenntnis der Baptisten aus dem Jahr 1689. Dort lesen wir diese dramatischen Zeilen: »Und selbst wenn sich viele Stürme und Fluten erheben und auf sie (die Gläubigen) einstürzen, sind diese doch nicht in der Lage, sie von ihrem Fundament und Felsen zu stürzen, auf dem sie durch den Glauben befestigt sind. Dennoch kann durch Unglauben und die Versuchungen Satans die bewusste Wahrnehmung von Gottes Licht und Liebe eine Zeit lang vor ihnen verdunkelt und verborgen sein, doch bleibt Er derselbe, und sie sollen dessen gewiss sein, dass sie durch die Kraft Gottes zum Heil bewahrt bleiben, wo sie sich ihres erworbenen Eigentums erfreuen dürfen, die sie in Seine Handflächen eingraviert sind und deren Namen von Ewigkeit her im Buch des Lebens geschrieben stehen.«

DIE FÜLLE DER VÄTERLICHEN LIEBE Wenn wir alles, was der Begriff »Vater« beinhaltet, im Gedächtnis behalten könnten, dann würden wir uns dem Herrn mit größerer Dankbarkeit, Liebe und Sicherheit nähern. Dieses Wort sagt uns, dass Gott eine Person ist, die Gemeinschaft mit uns sucht, und wir uns Ihm deshalb nahen dürfen. Es sagt uns, dass wir auf Seine väterliche Güte zählen können, dass wir zu Ihm kommen müssen in respekt17


KAPITEL 2

vollem Glauben, im Vertrauen auf Seine Macht. Es sagt uns, dass Er uns sieht. Wir sind vor Ihm wie ein aufgeschlagenes Buch, und deshalb müssen wir unsere Sünde bereuen. Es sagt uns, dass wir ernsthaft danach streben müssen, Seine Maßstäbe zu den unseren zu machen, um von Ihm gehört zu werden. Es sagt uns, dass wir in Harmonie mit der Familie Gottes leben müssen, um Ihm zu gefallen. Es sagt uns, dass wir Seine weise Voraussicht und Seine Herrschaft über unser Leben respektieren sollen. Dieses Wort ist Ausdruck unserer besonderen Position in Seiner Familie und unserer ewigen Sicherheit. In alle diese Punkte eingeschlossen ist unsere Verpflichtung zur Dankbarkeit. Wenn wir über jeden einzelnen Punkt nachdenken, loben und danken wir Gott als dem Ursprung und Spender aller unserer geistlichen und weltlichen Segnungen. Die Eröffnungsworte des Vaterunsers sagen so viel aus, dass wir bereits Segen empfangen, bevor wir mit unseren Bitten beginnen.

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KAPITEL 3 Wie wir Gott anreden sollen »... der Du bist im Himmel!«

Wie groß ist unser Gott? Jetzt lass‘ unsere Seelen auf erhabenen Flügeln sich erheben von den Eitelkeiten der Zeit. Zieh zurück den trennenden Schleier und schau die Herrlichkeiten der Ewigkeit. – Thomas Gibbons

J

eder Ausdruck dieses großartigen Modellgebets ist eine Anleitung, und in diesen fünf Worten liegt eine bedeutende Lektion über die Anbetung Gottes. Wir verlieren sehr viel, wenn wir über diese Worte zu rasch hinweglesen. Sie sind nämlich mehr als nur eine Angabe über den Wohnsitz des Vaters. Dieser Ausdruck soll in uns eine würdige Haltung oder Einstellung gegenüber dem Herrn bewirken. Wenn das Herz kalt ist und unsere Gefühle wie ausgedörrt zu sein scheinen, dann können diese einfachen Worte, wenn sie richtig verstandenen werden, den Gläubigen zu einer neuen Wertschätzung gegenüber der Herrlichkeit Gottes führen, zu 19


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