DIE SIEBEN SENDSCHREIBEN
1. Auflage 2026 Entnommen aus: Offenbarung-Kommentar Originaltitel: Revelation © 2016 by Joel R. Beeke Veröffentlicht von Reformation Heritage Books Grand Rapids, MI 49512, U.S.A. Diese Ausgabe wurde nach Vereinbarung mit Reformation Heritage Books veröffentlicht. Alle Rechte vorbehalten. © der deutschen Ausgabe 2026 by Verlag Voice of Hope – VOH® Eckenhagener Str. 43 51580 Reichshof-Mittelagger www.voh-shop.de verlag@voiceofhope.de Übersetzung: Christian Beese Lektorat und Design: VOH Bestell-Nr. 875.336 ISBN 978-3-941456-36-5 ISBN 978-3-98967-259-8 – eBook Soweit nicht anders vermerkt, wurden die Bibelzitate der Schlachter-Bibel 2000 entnommen.
INHALT Vorwort
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I Ephesus Christi Botschaft an eine Gemeinde, deren Liebe erloschen ist
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II Smyrna Christi Botschaft an eine leidende Gemeinde
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III Pergamus Christi Botschaft an eine weltliche Gemeinde
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IV Thyatira Christi Botschaft an eine übermäßig tolerante Gemeinde
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V Sardes Christi Botschaft an eine sterbende Gemeinde
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VI Philadelphia Christi Botschaft an eine Gemeinde, die in Gottes Gunst steht
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VII Laodizea Christi Botschaft an eine laue Gemeinde
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Vorwort Es ist mir eine besondere Freude, euch dieses wichtige Buch über die Sendschreiben an die sieben Gemeinden in der Offenbarung des Johannes vorstellen zu dürfen. Diese Briefe, die der Herr Jesus Christus durch den Apostel Johannes an die Gemeinden in Ephesus, Smyrna, Pergamus, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea gerichtet hat, sind von zeitloser Bedeutung und Relevanz für die Gemeinde aller Zeitalter. In einer Zeit, in der viele Gemeinden mit Herausforderungen wie Verfolgung, Irrlehren, geistlicher Lauheit und Selbstzufriedenheit konfrontiert sind, bieten diese Sendschreiben wertvolle Einsichten und Ermahnungen. Sie vermitteln uns tiefe Erkenntnisse darüber, wie Christus Seine Gemeinde sieht, was Er von ihr erwartet und wie Er sie in ihren Schwierigkeiten tröstet und ermutigt. Joel R. Beeke hat es hervorragend verstanden, die Botschaft dieser Briefe in unsere Zeit zu übertragen. Mit außergewöhnlich tiefem theologischem Verständnis und seelsorgerlicher Weisheit führt er uns durch die Sendschreiben und zeigt 7
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uns, wie wir diese Lehren und Ermahnungen auf unser persönliches Leben und das Leben unserer Gemeinden anwenden können. Ich lade euch ein zu dieser segensreichen Studienreise durch die sieben Briefe unseres Herrn. Lasst euch von den Worten Jesu Christi herausfordern, ermahnen und ermutigen! Dieses Buch wird euch helfen, als Einzelne und als Gemeinde in der Gnade und Liebe Christi zu wachsen, eure erste Liebe zu erneuern und in der Heiligkeit und Treue zu unserem Herrn und Erlöser auszuharren. Ich bete und hoffe, dass der Herr in Seiner Gnade dieses Buch für viele zu einer Quelle des Segens machen möge. Niko Derksen Prediger und Lehrer der Reformierten Baptistengemeinde Reichshof
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I EPHESUS Christi Botschaft an eine Gemeinde, deren Liebe erloschen ist
OFFENBARUNG 2,1-7 »Dem Engel der Gemeinde von Ephesus schreibe: Das sagt, der die sieben Sterne in Seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: Ich kenne deine Werke und deine Bemühung und dein standhaftes Ausharren, und dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die behaupten, sie seien Apostel und sind es nicht, und hast sie als Lügner erkannt; und du hast [Schweres] ertragen und hast standhaftes Ausharren, und um Meines Namens willen hast du gearbeitet und bist nicht müde geworden. Aber Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme Ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch Ich hasse. Wer ein Ohr hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will Ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der in der Mitte des Paradieses Gottes ist.«
Ephesus
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äre es nicht wunderbar, wenn Jesus Selbst einen persönlichen Brief an dich und deine Gemeinde schreiben würde, in dem Er deinen geistlichen Fortschritt bewertet, dir in Seiner großen Liebe sowohl deine Stärken als auch deine Schwächen mitteilt und dich dann zu bestimmten Schritten auffordert? Wärst du nicht fasziniert, einen solchen Brief in deiner Gemeinde vorgelesen zu bekommen? Nun, genau das haben wir in Offenbarung 2 und 3 vor uns. Tatsächlich stellt uns Jesus hier sieben solcher Briefe an verschiedene Gemeinden in Asien vor, von denen jeder in besonderer Weise auch auf unser eigenes Leben und das Leben unserer Gemeinden heute zutrifft. Jeder dieser faszinierenden Briefe ist daher für jeden von uns äußerst wichtig. Hören wir also dem Herrn Jesus aufmerksam zu, nehmen wir uns Seine Briefe zu Herzen, und lassen wir uns durch Seine Gnade dazu bewegen, einige sehr wichtige und notwendige Änderungen in unserem Leben vorzunehmen. Die sieben Gemeinden Asiens, die im Buch der Offenbarung genannt werden, waren damals reale Gemeinden an realen Orten. Sie werden in den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung in geografischer Reihenfolge genannt, entsprechend einem Rundwanderweg, dem ein Reisender folgt. 13
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Wenn du ein Postbote wärst, der Briefe an diese Gemeinden zustellt, würdest du eine Route wählen, die in Ephesus beginnt. Als Nächstes würdest du nach Smyrna gehen, dann weiter zu den anderen Gemeinden in der angegebenen Reihenfolge, und schließlich in Laodizea ankommen. Diese sieben Gemeinden waren auch Zentren, von denen aus in jener Zeit die Briefe an andere Gemeinden in Asien weitergeleitet werden konnten. Diese sieben Briefe oder Sendschreiben in der Offenbarung befassten sich also mit realen Situationen und Gegebenheiten in jenen Gemeinden und wurden geschrieben, um die verfolgten Christen der damaligen Zeit zu ermutigen. Außerdem stehen die sieben Gemeinden für die universelle Gemeinde Jesu in allen Zeitaltern. Die Bedingungen, die in diesen Gemeinden beschrieben werden, finden sich in den Gemeinden überall und zu allen Zeiten. Das Neue Testament selbst ist ja an Christen aller Zeitalter gerichtet. Wenn wir den Römerbrief lesen, dann denken wir nicht: »Das hat nichts mit uns zu tun, sondern nur mit der Gemeinde zu Rom, die vor zweitausend Jahren existierte.« Ja, der Römerbrief wurde an die Gemeinde zu Rom geschrieben, aber er gilt auch für die Gläubigen von heute. Das betrifft die 14
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gesamte Heilige Schrift, auch die Sendschreiben an die sieben Gemeinden der Offenbarung. Alles, was in diesen Briefen steht, gilt also für uns alle, für alle Zeiten. Betrachten wir nun das erste Sendschreiben, den Brief an die Gemeinde zu Ephesus, und schauen wir uns insbesondere das an, was unser Herr im Blick auf diese Gemeinde wahrnimmt, was Er ihr verordnet und wie Er sie dazu ermutigt, Seine Verordnung anzunehmen.
CHRISTI SICHT AUF DIE GEMEINDE ZU EPHESUS Ephesus war eine bedeutende Stadt mit rund 200 000 Einwohnern. Sie lag an einer wichtigen Handelsroute, etwa achtzig Kilometer von Patmos entfernt, und war damit die nächstgelegene der sieben Gemeinden, an die Johannes seine Sendschreiben verfasste. Ephesus war das Zentrum der Verehrung der Artemis (der römischen Diana, vgl. Apg. 19,24-35), der Zwillingsschwester des Apollo; in Asien war ihre Identität mit der phönizischen Fruchtbarkeitsgöttin Astarte verschmolzen, die im Alten Testament erwähnt 15
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wird (1.Sam. 31,10; 1.Kö. 11,5.33; 2.Kö. 23,13). Der prächtige Artemis-Tempel in Ephesus war eines der sieben Weltwunder der Antike. Die Stadt war in der ganzen Welt für ihren Reichtum, ihre Macht, ihren Ruhm, ihren Aberglauben und ihre Abgötterei bekannt. Doch mitten in dieser Stadt war eine der bedeutendsten Gemeinden der damaligen Zeit gegründet worden. Gott sandte viele großartige Diener, um diese Gemeinde zu leiten, darunter den Apostel Paulus, der dreimal dort diente, einmal sogar für mehr als drei Jahre. Priscilla, Aquila und Apollos wirkten ebenfalls dort. Das Gleiche gilt für Tychikus, Timotheus und den Apostel Johannes, den Verfasser unseres Textes. Hieronymus zufolge kehrte Johannes, als er sehr alt war, nach Ephesus zurück. Er wurde in die Versammlung getragen, wo er die Gemeinde mit den Worten ermahnte: »Ihr Kindlein, liebet einander.« 1 Wahrscheinlich hatte keine neutestamentliche Gemeinde außerhalb Jerusalems so viele herausragende Pastoren wie Ephesus. Die Früchte ihrer vielen Arbeit waren offensichtlich. In Offenbarung 2,2-3
1 Jerome, »Commentary on Galations«, zitiert in Joseph Cullen Ayer, Jr., »A Source Book for Ancient Church History«.
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werden drei wunderbare Wahrheiten über die Gemeinde von Ephesus berichtet: 1. Der Herr Jesus lobt die Gemeinde für ihren Fleiß Christus sagt in Vers 2: »Ich kenne deine Werke und deine Bemühung und dein standhaftes Ausharren.« In Vers 3 erwähnt Er erneut die Bemühungen der Gemeinde. Ephesus arbeitete hart für den Herrn. Aus Gnade strebten die Menschen danach, eine Gemeinde zu sein, die sagen kann: »Wir sind Seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen« (Eph. 2,10). 2. Der Herr Jesus lobt die Gemeinde für ihre Urteilskraft »… und dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die behaupten, sie seien Apostel und sind es nicht, und hast sie als Lügner erkannt« (V. 2). Und: »Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch Ich hasse« (V. 6). Die Gemeinde konnte den Unterschied zwischen wahren und falschen Propheten und zwischen Wahrheit und 17
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Irrtum erkennen. Sie duldete keine Häretiker und übte mit Entschiedenheit christliche Zucht ihnen gegenüber aus. Wie ihr Herr, so war auch die Gemeinde in Ephesus intolerant gegenüber dem Bösen. Ohne sich auf eine ständige »Hexenjagd« oder endlose Polemik einzulassen, handelten die Ältesten in Ephesus fest und entschlossen, wenn die Wahrheit auf dem Spiel stand. Im Gegensatz zu vielen heutigen Gemeinden, die fast alles tolerieren, ließ die Gemeinde in Ephesus nicht zu, dass ihr Glaube oder ihre Moral durch häretische Lehren oder unmoralisches Verhalten verfälscht wurde. Sie weigerte sich, Kompromisse bezüglich der biblischen Überzeugungen einzugehen, die unser Herr ihr durch das Wort, wie es von den Aposteln ausgelegt wurde, vermittelt hatte. 3. Der Herr Jesus lobt die Gemeinde für ihre Entschlossenheit Diese Gemeinde ertrug geduldig die Verfolgung um ihrer Überzeugungen willen; sie hielt mit Entschlossenheit daran fest. In Vers 3 heißt es: »Du hast [Schweres] ertragen und hast standhaftes Ausharren, 18
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und um Meines Namens willen hast du gearbeitet und bist nicht müde geworden.« Die Gemeinde führte das Werk des Herrn unter allen Schwierigkeiten und Verfolgungen um Seines Namens willen standhaft weiter. So lobt sie der Herr Jesus für ihren Fleiß, ihre Urteilskraft und ihre Entschlossenheit. Genauso weiß Christus, was in deiner Gemeinde von Sonntag zu Sonntag vor sich geht. Er weiß, was sich in deinem Herzen, in deinem Geist und in deinem Leben abspielt. Er liebt jede Gemeinde und ist um sie besorgt. Manchmal haben wir eine falsche Vorstellung von Christus. Wir stellen uns unseren Herrn so vor, als wandle Er zwischen den Leuchtern der Gemeinden als eine Art Polizist, dessen Blaulicht dir signalisiert, dass du an den Straßenrand fahren sollst. Wenn der Polizist um dein Auto herumgeht, beeindruckt ihn nicht, dass du es morgens poliert oder neue Scheinwerfer eingebaut hast. Er sucht nach Fehlern, nach Verstößen gegen das Gesetz. Das ist sein Job. Doch unser Herr ist nicht wie dieser Polizist. Er ist ein Gärtner, der um die Blumenbeete herumgeht, die Er gepflanzt hat, um ihre Farbenpracht, ihre Beschaffenheit und ihr Wachstum zu begutachten. 19
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Wenn du ein Gärtner bist, ist es für dich wunderbar, die Früchte deiner Arbeit zu genießen. Aber gelegentlich entdeckt man etwas – Schimmel, Insekten oder welke Blätter –, das auf ein Problem hinweist, welches gelöst werden muss. So sollten wir uns Christus inmitten Seiner Gemeinden vorstellen. Er wandelt unter ihnen nicht als Polizist oder Fehlersucher, sondern als Gärtner, der sich an den Früchten Seiner Arbeit erfreut. Er kommt als der Erlöser, der Sein Leben für Seine Braut hingegeben hat. Er geht unter den Gemeinden umher, um zu bewundern, zu schätzen und zu genießen, was Er durch Sein vergossenes Blut und durch Sein Wort und Seinen Geist erreicht hat. Und Er sagt in Kapitel 2 sinngemäß: »Ich kenne eure Stärken, und Ich schätze eure Bemühungen um Liebe, Geduld, Ausdauer, Solidität, Gemeindezucht, Reinheit und Aktivität. Ich freue mich über diese Dinge. Aber Mein Herz schmerzt, weil Ich inmitten all des schönen Laubes und der Farbenpracht eine Krankheit sehe, die euch zerstören wird, wenn sie nicht behandelt wird.« Die Krankheit, die er in Ephesus entdeckt, ist, dass die Gemeinde ihre »erste Liebe verlassen« hat (V. 4). Wir können hier etwas darüber lernen, wie wir in der Gemeinde miteinander umgehen sollten. Christus sieht, dass in der Gemeinde in Ephesus 20
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etwas nicht in Ordnung ist, aber Er nimmt nicht einfach den Spaten in die Hand, um dies auszugraben und auf gewaltsame oder zerstörerische Weise wegzuwerfen. Er nimmt sich zunächst Zeit, die positiven Eigenschaften der Gemeinde zu bewerten und zu bestätigen, und geht erst dann daran, sich mit dem zu befassen, was falsch ist. Ebenso sollten wir nicht mit dem Messer der Kritik oder des Tadels auf jemanden einstechen, ohne uns vorher die Zeit zu nehmen, seine oder ihre vielen positiven Eigenschaften zu würdigen. Manche sagen: »Wenn ich darüber nichts Gutes sagen kann, dann sage ich gar nichts.« Darin liegt eine gewisse Weisheit. Aber wenn du in einer anderen Person nichts von Gottes Gnade erkennen kannst, dann hast du vielleicht die falsche Einstellung. Wir müssen lernen, uns gegenseitig im Herrn wertzuschätzen. In diesem Sinne könnten wir sagen: »Ich liebe dich als einen Bruder in Christus. Ich kann die Gnade Gottes in deinem Leben erkennen. Ich war neulich so gesegnet, als du dies oder jenes getan oder gesagt hast; doch ich bin besorgt über etwas Bestimmtes, worüber ich gern mit dir sprechen würde.« In dieser Haltung kommt Christus zu der Gemeinde in Ephesus. Selbst nachher, als Er der Gemeinde gegenüber 21
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eine strengere Warnung ausspricht, verbindet Er sie mit einem abschließenden Wort des Lobes. Er sagt: »Sonst komme Ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! Aber dieses hast du, dass du die Werke der Nikolaiten hasst, die auch Ich hasse« (V. 5b-6). Wir sollten uns an dieses Vorbild Christi erinnern, wenn wir mit anderen in der Gemeinde sprechen. Die wichtige Lektion hier ist jedoch, dass die Gemeinde in Ephesus trotz ihres äußerlichen Eifers ihre erste Liebe verloren hatte, das heißt die Liebe zu Jesus Christus, die sie anfangs hatte, als sie das Wort des Herrn Jesus hörte, das der Apostel Paulus verkündete (Apg. 19). Sie war nicht mehr von der Liebe Christi ergriffen und dazu motiviert, sich Ihm hinzugeben und Seinen Namen zu verherrlichen. Längst war sie in die schlechte geistliche Gewohnheit verfallen, das Gemeindeleben einfach nur zu absolvieren und alle richtigen Dinge zu tun, aber nicht aus den richtigen Motiven. Die »erste Liebe« ist das, wonach wir uns am meisten sehnen, dass es unser Herz erobert und die Ziele unseres Lebens bestimmt. Gott nannte sie durch Jeremia »deine bräutliche Liebe« (Jer. 2,2), das heißt die Liebe einer Frau, die nur Augen für 22
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ihren frisch angetrauten Ehemann hat. In unserem Text bezieht sich die »erste Liebe« auf die Liebe, die entsteht, wenn unsere Seele zum ersten Mal von der Schönheit, der Fülle und der Lieblichkeit des Herrn Jesus Christus ergriffen wird und sich deshalb, was das Heil betrifft, auf Ihn verlässt. Die erste Liebe entsteht, wenn wir alle unsere Sünden am Fuß des Kreuzes von Golgatha ablegen und die Gerechtigkeit Christi durch den Glauben und den Heiligen Geist annehmen. Die erste Liebe gewinnt mein Herz für den Herrn Jesus Christus. Er wird mir so liebenswert, dass ich für immer mit Ihm vereint sein möchte. Durch Seine Gnade bin ich dann durch den rettenden Glauben an Ihn gebunden. Durch Seine Gnade werde ich alles ertragen, um Ihn in der Herrlichkeit zu erlangen. Wie Samuel Rutherford schreibt, haben Gläubige in diesem Zustand eine solche Liebe zu Christus, dass »du, wenn du Ihn sehen würdest, wie Er am Ufer steht und Seine Arme ausstreckt, um dich an Land zu empfangen, du nicht nur ein Meer von Unrecht, sondern die Hölle selbst durchwaten würdest, um zu Ihm zu gelangen.«2
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»Letters of Samuel Rutherford«, Banner of Truth.
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Die ganze Bibel spricht zu uns von dieser ersten Liebe zu Jesus Christus und zum Heilsweg. Die erste Liebe bringt uns dazu, zu sagen: »Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein« (Hl. 6,3). Bei dieser Art von Liebe können wir nicht von Ihm schweigen, sondern sind gezwungen, mit anderen darüber zu sprechen, dass sie Christus brauchen, und wie kostbar Er ist. Mit dieser Liebe ist es leicht, zu beten. In der Zeit der ersten Liebe können wir es nicht erwarten, an einen verborgenen Ort zu gelangen, an dem wir mit Gott als unserem geliebten Freund sprechen können. Unsere Herzen sind erfüllt von Jesus Christus. Wir sprechen mit innerer Gewissheit: »Herr, Du weißt alle Dinge; Du weißt, dass ich Dich lieb habe« (Joh. 21,17). Doch unser Herr sagt der Gemeinde in Ephesus: »Aber Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast« (Off. 2,4). Dieser Tadel ist aus vier Gründen ernst zu nehmen: 1. Christus ist Derjenige, der den Tadel ausspricht Derjenige, der vor allen anderen würdig ist, geliebt zu werden, sagt gleichsam: »Ich bin dein liebender Bräutigam. Ich habe Mein Leben für dich 24
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gegeben, dich an Meine Seite gezogen, dich von der Sünde errettet, dich aus dem Sumpf geholt und dir alles geschenkt – und du hast deine erste Liebe verlassen.« Ich bete darum, dass wir Männer, die wir verheiratet sind, unsere Frauen wirklich lieben. Wie traurig wäre es, wenn unsere Ehefrauen zu uns kämen und sagten: »Ich spüre, dass deine Liebe zu mir verblasst ist.« Nichts, was sie sagen könnten, würde unsere Aufmerksamkeit so sehr erregen wie das! Und doch scheinen wir wie selbstverständlich zu akzeptieren, dass unsere Liebe zu Gott erkaltet. Jesus sagt somit auch zu uns: »Ich habe etwas gegen euch. Verdiene Ich denn nicht eure Liebe? Seht ihr etwas Liebensunwertes in Mir? Bin Ich euch in irgendeiner Weise untreu gewesen? Ich habe euch mit Meinem Blut erkauft, aber jetzt habe Ich etwas gegen euch – ihr habt eure erste Liebe verlassen.« 2. Deine schwindende Liebe kann vor Christus nicht verborgen bleiben Du bist dir dessen vielleicht nicht bewusst, und andere sehen es dir vielleicht nicht an. Die Macht der Gewohnheit kann dafür sorgen, dass du lange Zeit ohne deine erste Liebe die Abläufe des Lebens 25