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1. FEBRUAR
»Erkennt, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu Seinem Volk und zu Schafen Seiner Weide.« – Psalm 100,3
Das Buch der Psalmen wird als eine Hausapotheke für unsere Seelen bezeichnet. Darin finden wir Klagen für Bedrängte, Hilferufe zu Gott in schwierigen Zeiten sowie Opfer des Lobes und des Dankes. Was auch immer dich plagt, du wirst in den Psalmen Balsam finden. Vor allem die Lobpreispsalmen sind von dieser grundlegenden Wahrheit durchdrungen: Der Herr ist Gott, und wir gehören Ihm. Unsere bloße Existenz als Gottes Volk ist ein Hinweis darauf, wer Er ist. Wir waren einst nicht ein Volk, jetzt aber sind wir Gottes Volk, einst nicht begnadigt, jetzt aber begnadigt (s. 1.Pt. 2,10).
Die Wahrheit ist, dass wir nicht uns selbst gehören. Das war nie der Fall. Wir sind Geschöpfe, die von einem mächtigen Schöpfer nach Seinem Ebenbild geformt wurden. Er ist der Töpfer, der uns geformt hat, als solche, »die Gott gehören«! Außerdem sind wir erlöste Sünder, von einem liebenden Retter »teuer erkauft« (1.Kor. 6,20). Er ist der Hirte, der Sein Leben für uns gegeben hat und sich nun um uns kümmert (Joh. 10,11-15), und »wir sind Sein Volk«. Wir sind doppelt erkauft: Wir gehören Ihm sowohl hinsichtlich der Schöpfung als auch hinsichtlich der Erlösung.
Deshalb ist das, was wir jetzt in dem Herrn Jesus Christus haben, kein Grund zum Stolz, sondern zum Lobgesang. Das Wissen, dass der Herr Gott ist und wir Sein Eigentum sind, veranlasst uns, Ihn zu lobpreisen und Ihm zu danken (Ps. 100,3).
Lobpreis ist die spontane Anerkennung dessen, was wertvoll ist. Menschen loben von Natur aus, was sie schätzen. Gott ist unser Schöpfer und unser Erlöser, und deshalb hat Er Anspruch auf unseren Lobgesang und ist dessen würdig. Nichts und niemand verdient unseren Lobpreis mehr als Er.
Selbst unter nicht gerade idealen Umständen haben wir immer noch Grund, Gott zu preisen, einfach weil Er so ist, wie Er ist. Wenn wir uns von einem geliebten Menschen verabschieden oder einen Arbeitsplatz verlieren, der uns irdischen Komfort bietet, können wir uns immer noch dafür entscheiden, Ihn zu preisen. Wenn unsere Stimmen von Tränen erstickt sind, wenn unsere Herzen versagen, wenn unsere Umstände uns frustrieren, wenn das Leben uns im Stich zu lassen scheint – dann können wir in Gottes unerschütterlicher Liebe, die »ewiglich währt« (Ps. 100,5), immer noch einen Grund für freudige Anbetung und dankbaren Lobpreis finden. Er ist niemals weniger als dein mächtiger Schöpfer und liebevoller Retter. Ein dankbares Herz ist ein charakteristisches Merkmal christlicher Erfahrung. Möge es dich heute auszeichnen.
2. FEBRUAR
»Und es begab sich, dass Er an einem Ort im Gebet war; und als Er aufhörte, sprach einer Seiner Jünger zu Ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte!« – Lukas 11,1
Unsere Gemeinschaft mit Gott durch den Herrn Jesus Christus kommt vor allem durch unsere Gebete zum Ausdruck. Sie sind der Beweis für unsere Beziehung zu Ihm. Er spricht nicht nur durch Sein Wort zu uns, sondern hat uns auch das wunderbare Vorrecht anvertraut, mit Ihm im Gebet in Verbindung zu treten.
Die Heilige Schrift liefert uns zahlreiche Berichte über Jesu eigenes Gebetsleben. Je besser wir mit diesen Berichten vertraut sind, desto mehr erkennen wir, dass Jesus das Gebet als eine heilige Gewohnheit betrachtete. Er betete regelmäßig in den frühen Morgenstunden, um Seinem Vater die Pläne für den Tag vorzulegen. Das Beten an einem ruhigen und einsamen Ort ermöglichte es Jesus, der Stimme Seines Vaters über den Lärm der Menschenmengen und sogar über die Bitten Seiner Jünger hinweg zu folgen. Das Gebet bildete den Kontext oder Rahmen für alle Entscheidungen, die Jesus traf.
Die Gebetspraxis Jesu veranlasste Seine Jünger zu der Bitte: »Herr, lehre uns beten!« Offensichtlich waren sie beeindruckt, wie intensiv und zielgerichtet Seine Gebete waren; und das weckte in ihren Herzen ein Verlangen nach ähnlicher Vertrautheit mit dem Vater. Als Antwort auf ihre Bitte wies Jesus Seine Jünger an, sie sollten »nicht plappern wie die Heiden« und nicht meinen, sie würden erhört »um ihrer vielen Worte willen« (Mt. 6,7). Anders ausgedrückt, wir sollen beim Beten nicht leere Worte machen oder einfach vor uns hinreden. Stattdessen entdecken wir in dem Mustergebet, das Jesus uns dann gab – nämlich im Vaterunser –, dass Gottes geistliche Kinder die Freiheit haben, Gott einfach und direkt als ihren himmlischen Vater anzusprechen.
Und worum sollen wir Ihn bitten? Zunächst einmal sollen wir darum bitten, dass Gottes Name angemessen geehrt wird, dass Er Sein Reich in uns und um uns herum kommen lässt und dass Er für unsere täglichen Bedürfnisse sorgt. Wir sollen uns eingestehen, dass wir täglich Buße tun müssen, dass es notwendig ist, anderen zu vergeben, und dass wir auf Gott angewiesen sind, wenn es darum geht, mit Versuchungen fertig zu werden. In unseren Gebeten, so erklärte Jesus, sollen wir danach streben und darum bitten, Gottes Herrlichkeit und Gnade inmitten des Alltags zu erkennen.
Auf unserer Pilgerreise als Christen gibt es wohl nichts Wichtigeres – und nichts, was schwieriger aufrechtzuerhalten wäre – als ein sinnvolles Gebetsleben. Aber es gibt Hilfe. Wenn Jesus, der Sohn Gottes, beten musste, dann haben wir das umso mehr nötig. Dieser demütigende Gedanke sollte uns auf die Knie zwingen. Und wenn wir dort sind, können wir das Vaterunser als Hilfe für unser eigenes Gebet nutzen. Gott hat dir das große Vorrecht gegeben, dich im Gebet an Ihn zu wenden und Ihn als Vater anzusprechen. Er ist bereit, zuzuhören und zu helfen. Achte darauf, dass du das Gebet als heilige Gewohnheit betrachtest und nie als ein optionales Extra.
3. FEBRUAR
»Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der Du bist im Himmel, geheiligt werde Dein Name!« – Lukas 11,2a
I n dem Moment, in dem ein Kind adoptiert wird, ändert sich sein ganzes Leben; es bekommt einen neuen Namen, eine neue Familie und oft auch eine völlig neue Lebensweise. Doch diese rechtliche Realität kann bestehen, ohne dass das Kind ein echtes Gefühl der Zugehörigkeit zu dieser seiner Familie empfindet. Für ein Kind ist es eine Sache, in ein Zuhause zu kommen und dort zu leben; aber es ist eine andere, tiefere Realität, das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Familie vollständig zu erfahren und auszudrücken – seine neuen Eltern »Mama« und »Papa« zu nennen.
Das Gleiche gilt für unsere geistliche Adoption, wenn wir errettet werden und uns zum Glauben an Jesus Christus bekennen. Unsere Adoption ändert unseren Status völlig, für immer und unumstößlich. Aber Gott gibt sich nicht mit einer einfachen Namensänderung zufrieden. Er möchte, dass wir wissen, was es bedeutet, Seine Söhne und Töchter zu sein. Er sehnt sich danach, dass wir die wunderbare Erfahrung machen, Ihn als unseren himmlischen Vater zu betrachten. Dazu gibt Er uns Seinen Geist, der unseren Charakter formt und uns hilft, unsere Beziehung zu Ihm als die eines Kindes zum Vater zu sehen »Weil ihr nun Söhne seid«, erklärte Paulus der Gemeinde in Galatien, »hat Gott den Geist Seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater!« (Gal. 4,6).
Die christliche Erfahrung sollte nicht einfach wie ein Rechtsgeschäft sein. Sie ist so viel mehr als ein Dogma oder eine Doktrin. Die Errettung beinhaltet nicht nur die Vergebung der Sünden, sondern auch den Empfang einer durch den Geist ermöglichten Veränderung. Das Christentum ist nicht mechanisch, sondern beziehungsorientiert. Was Jesus objektiv und rechtlich am Kreuz vollbracht hat, setzt der Geist subjektiv und erfahrungsmäßig in unseren Herzen fort. Wir sind gerettet, angenommen und geliebt worden. Angesichts dieser Veränderung können wir Hingabe, Leidenschaft, Tränen, Erleuchtung, Engagement und schließlich Lobpreis erleben.
Wenn wir versucht sind, unseren neuen Status als Kinder Gottes zu vergessen, steht der Geist bereit, um zu bezeugen: Nein, du gehörst wirklich Ihm! Du bist um den höchsten Preis erkauft worden. Du bist geliebt und wertgeschätzt. Wenn wir nicht das getan haben, was Gott von uns wollte, und wenn wir uns zerschlagen, gebrochen und entmutigt fühlen, hilft uns der Geist, zu rufen: »Oh Vater, Vater, kannst Du mir bitte helfen?« Solche Bitten sollten uns an das Wunder des vollbrachten Werkes Jesu erinnern – an Sein erlösendes Opfer und die Aussendung des Geistes, um in unseren Herzen zu wohnen. Ohne sie gäbe es keine Beziehung zu Gott als unserem Schöpfer und Richter und damit auch keine Möglichkeit für unsere Herzen, »Abba, Vater!« zu rufen.
Gott besiegelt unsere Adoption als Söhne und Töchter nicht durch ein besonderes Zeichen oder eine besondere Gabe, sondern durch das aussagekräftige Zeugnis Seines Geistes. Wenn wir mit Ihm im Gebet sprechen, von Ihm in Seinem Wort hören und mit Ihm durch das Leben gehen, werden wir uns Seiner Macht und Seines Wirkens in uns immer bewusster. Weil wir vom Fluch der Sünde befreit sind und den Segen der Kindschaft erhalten haben, können wir Gott als unseren Vater anrufen, Ihn verehren und Ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.
Lieber Christ, was auch immer sonst auf dich zutrifft, dies ist die größte Realität: Du bist ein adoptiertes Kind Gottes. Nichts und niemand kann daran etwas ändern. Was auch immer du heute fühlst – lass diese Wahrheit das sein, was dich am meisten tröstet, gründet, ermutigt und motiviert: Du bist ein Kind Gottes.
»Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.« – Lukas 11,2b
Das Reich Gottes unterscheidet sich grundlegend von allen irdischen Reichen, die es je gegeben hat oder geben wird. Irdische Reiche stehen unter der Herrschaft von Regenten, deren Macht begrenzt ist und unweigerlich untergehen wird. Aber Gottes Reich ist weit mehr als ein geopolitisches Gebilde oder ein Stück Geschichte. Es ist ewig, universal und persönlich, und Seine Herrschaft darüber wird alle Generationen überdauern (Ps. 145,13).
Wir müssen uns diese Wahrheiten vor Augen halten, wenn wir beten: »Dein Reich komme!« Wenn wir dem Beispiel Jesu folgen und so beten, bitten wir unter anderem darum, dass Gottes souveräne Herrschaft in unseren Herzen und in unserem Leben immer mehr Fuß fassen möge. Wir beten, dass diejenigen, die Christus kennen, in zunehmender, freudiger Unterordnung unter Seine Herrschaft leben.
Dies ist eine ganz andere Weltanschauung als die, mit der wir täglich konfrontiert werden. Die heutige westliche Kultur rühmt zumeist persönliche Leistung und Eigenständigkeit. Wir werden ermutigt zu glauben, wir hätten alles im Griff. Aber wenn Gottes Reich in unser Leben kommt – wenn wir darum beten, dass Jesus Seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron unseres Herzens einnimmt –, findet eine Revolution statt. Wir sind nicht länger Sklaven der Sünde. Der König der Schöpfung wohnt in unserem Leben und beginnt, uns in das Bild Seines Sohnes umzugestalten (Röm. 8,29). Wenn wir auf diese Weise beten, hilft uns der Heilige Geist, indem Er Gottes königliche Herrschaft über jede Dimension unseres Lebens aufrichtet. Und das ist noch nicht alles. Wenn wir beten: »Dein Reich komme!«, erkennen wir auch an, dass Gott der König der Nationen ist – dass Er über alle Angelegenheiten unserer Zeit regiert. Jesaja beschreibt, wie Gott ein Volk »vom Ende der Erde herbeipfeifen [wird]; und siehe, es wird schnell und eilends kommen« (Jes. 5,26). Der König ruft ein Volk herbei, so wie wir einen Familienhund ins Haus rufen würden. Wenn Er pfeift, laufen sie herbei und tun, was Er will.
Wir brauchen also nicht in Panik zu verfallen oder uns durch eine Veränderung der irdischen Machthaber unter Druck setzen zu lassen. Stattdessen können wir uns über den Herrn, unseren König, freuen, der über all diese Dinge souverän herrscht.
Freut euch! Er schafft ein Reich voll Wahrheit, Recht und Licht, und Sünde, Tod und Hölle herrschen länger nicht. Es kommt sein Reich! Gott ist nicht fern, freut euch im Herrn, ja, freuet euch!*
* Charles Wesley (1707–1788), »Freut euch! Der Herr ist nah«.
5. FEBRUAR
»Gib uns täglich unser nötiges Brot!« – Lukas 11,3
Wenn Brot im Laufe der Geschichte für etwas gestanden hat, dann für die tägliche Nahrung. Andere Lebensmittel sind sicherlich eine angenehme Ergänzung für unsere Existenz; aber bei Brot denken die meisten von uns an die Deckung eines der grundlegendsten Bedürfnisse des Lebens.
Diese Art des Denkens steht im Einklang mit Gottes einzigartiger Versorgung für Sein Volk. Im Alten Testament mussten die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung völlig auf Gott vertrauen, dass Er ihre täglichen Bedürfnisse stillen würde. Eine der greifbarsten Lektionen, die sie dabei lernten, war Gottes Versorgung mit Manna vom Himmel. Gott machte Seinem Volk klar, dass Er jeden Tag genug Manna für einen Tag – und nur für einen Tag – zur Verfügung stellen würde. Sie durften nichts davon bis zum anderen Morgen übrig lassen (2.Mo. 16,19). Mit der Bereitstellung von Brot für jeweils einen Tag wollte Er Sein Volk lehren, auf Seine Versorgung zu vertrauen. Leider zweifelten einige Israeliten daran, dass Gott tun würde, was Er versprochen hatte, und waren ungehorsam, indem sie etwas Manna für den nächsten Tag aufbewahrten (denn Zweifel an Gottes Verheißungen führen immer zu Ungehorsam gegenüber Seinen Geboten). Als sie am Morgen aufwachten, sahen sie sich mit einer stinkenden, von Würmern befallenen Masse von übriggebliebenem Manna konfrontiert (V. 20). Gott lehrte sie, sich darauf zu verlassen, dass Er für sie sorgen würde. Es war eine Lektion, an der sie lange Zeit zu lernen hatten.
Wenn wir dieses alttestamentliche Beispiel nehmen und die Worte betrachten: »Gib uns täglich unser nötiges Brot!«, erkennen wir, dass Jesus mit dieser Zeile des Vaterunsers eine zeitlose Realität unterstreicht: Zu allen Zeiten lehrt Gott Sein Volk, nicht auf die Versorgung an sich zu vertrauen, die unser Verlangen nach mehr weckt, sondern auf den Versorger, der alle unsere Bedürfnisse stillt.
Gott wünscht sich, dass wir aufwachen und Seine tägliche Versorgung neu entdecken. Deshalb wies Er die Israeliten an, eine kleine Menge Manna für die Nachkommenschaft aufzubewahren, indem Er sagte: »Einen Gomer davon sollt ihr aufbewahren für eure Nachkommen, damit sie das Brot sehen, mit dem Ich euch in der Wüste gespeist habe« (2.Mo. 16,32). Indem sie diese Anweisung befolgten, konnte eine Generation der nächsten von der Realität und dem Wunder Seiner ständigen, täglichen Versorgung erzählen.
Der Vater, den wir durch Jesus kennengelernt haben, kümmert sich um unsere persönlichen, praktischen und materiellen Bedürfnisse. Vielleicht bist du heute Morgen aufgewacht und fühlst dich bedrängt von Problemen oder bevorstehenden Ereignissen in deinem Leben, die dich beunruhigen. Denk daran: Du bist Gottes persönliches Anliegen, und du kannst dich vertrauensvoll an Ihn wenden und Ihn bitten, dir alles zu geben, was du für heute brauchst. Und dann kannst du darauf vertrauen, dass Er dir genau das gibt, was du heute brauchst, und dann auch morgen, und immer weiter. Du kannst die ganze Last deiner Ängste auf Ihn werfen, denn Er sorgt für dich und versorgt dich (1.Pt. 5,7).
»Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist!« – Lukas 11,4a
Auf den ersten Blick mag diese Bitte nach einer Gegenleistung klingen – dass wir uns durch unsere Vergebung gegenüber anderen irgendwie das Recht verdienten, Vergebung zu erhalten. Wenn wir jedoch die Heilige Schrift für sich selbst sprechen lassen, werden wir erkennen, dass das Gegenteil der Fall ist. Gott vergibt nur den Bußfertigen – denjenigen, die gottgefällige Betrübnis empfinden und ihre Sünden bereuen. Und was ist einer der Hauptbeweise dafür, dass man bußfertig ist? Eine vergebende Geisteshaltung! Mit anderen Worten: Wenn wir einander vergeben, verdienen wir uns die Vergebung nicht; wir zeigen, dass wir bereits durch Gottes vergebende Gnade verwandelt wurden.
Jesus lehrte, dass es unvorstellbar ist, dass wir, denen so viel vergeben wurde, uns weigern sollten, die Schulden anderer uns gegenüber zu vergeben (Mt. 18,21-35). Und doch sind wir versucht, nachtragend zu sein, wütend zu bleiben, zu »vergeben, aber nicht zu vergessen«. D.L. Moody soll diesen Gedanken mit jemandem verglichen haben, der das Kriegsbeil vergräbt, aber den Stiel herausragen lässt.
Eine unversöhnliche Geisteshaltung ist vielleicht der größte Feind eines echten geistlichen Lebens. Wir sollten nicht behaupten, dass wir Gott suchen, wenn wir in unserem Herzen aktiv Feindschaft gegen unsere Geschwister hegen. Das wird das Feuer der christlichen Freude auslöschen und es fast unmöglich machen, von den Lehren der Bibel zu profitieren. Es ist daher nicht überraschend, dass Jesus im Wesentlichen sagt: »Was Ich über eine vergebende Gesinnung sage, ist ein grundlegendes Element eines glaubensvollen Gebets.«
Überprüfe dein Leben dahingehend: Hegst du Groll, bzw. erinnerst du dich an das Unrecht, das dir jemand angetan hat? Gibt es jemanden, dem du nicht vergeben hast? Denke über die Vergebung nach, die du erhalten hast, und bitte Gott, dich zu lehren und zu befähigen, zu vergeben – denn wenn du die Sünden anderer dir gegenüber vergibst, zeigst du, dass du Seine Gnade verstanden hast und dass dir von Ihm wirklich vergeben wurde.
Wie kann Deine Vergebung ein unversöhnliches Herz erreichen und segnen, das über Unrecht nachgrübelt und die alte Bitterkeit nicht loslassen will? In strahlendem Licht offenbart Dein Kreuz die Wahrheit, die wir nur schwach kannten, wie klein die von Menschen an uns begangene Schuld ist, wie groß dagegen unsere Schuld Dir gegenüber. Herr, reinige die Tiefen unserer Seelen, und lass den Groll vergehen; dann wird unser Leben, versöhnt mit Gott und den Menschen, Deinen Frieden verbreiten.*
* Rosamond E. Herklots (1905–1987), »Forgive Our Sins as We Forgive«.
7. FEBRUAR
»Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!« – Lukas 11,4b
Die Bibel lehrt eindeutig, dass Gott nicht der Urheber von Sünde und Versuchung ist: Er führt niemanden in Versuchung (Jak. 1,13). Warum sollten wir dann also darum beten und Gott bitten, uns nicht in Versuchung zu führen? Um was genau bitten wir hier, was Gott tun oder nicht tun möge?
Die Antwort finden wir in der feinen Unterscheidung zwischen Prüfung und Versuchung. Wenn wir beten: »Herr, führe uns nicht in Versuchung«, dann sagen wir damit: »O Gott, hilf uns, dass die Prüfung, die Du uns auferlegst, nicht zu einer Versuchung Satans wird, Böses zu tun!« Wir bitten Ihn auch darum, dass Er uns nicht ohne Seine Gegenwart und Kraft in Prüfungen führt, damit wir sie im Glauben und in Freude durchstehen können, anstatt in Verzweiflung oder Unglauben zu versinken.
Dieser Satz aus dem Vaterunser ist deshalb so wichtig, weil er uns notwendigerweise an die Realität und die Gegenwart der Versuchung erinnert. In 1. Mose 4,7 warnt Gott Kain: »Die Sünde [lauert] vor der Tür, und ihr Verlangen ist auf dich gerichtet; du aber« – und hier kommt der wichtige Mahnruf – »du aber sollst über sie herrschen!« Leider reagierte Kain nicht darauf, indem er Gott gebeten hätte, ihm alles zu geben, was er brauchte, um über die Sünde zu herrschen, anstatt sich von ihr beherrschen und ruinieren zu lassen. Im Vaterunser lehrt uns Jesus, nicht denselben Fehler zu begehen.
Angesichts der Neigung der Sünde, uns zu verschlingen, können wir Gott nicht einfach bitten, uns nicht in Versuchung zu führen, und dann glauben, das Problem sei damit erledigt. Nein, unsere Taten müssen mit unseren Gebeten übereinstimmen. Wenn wir den Herrn wirklich um Hilfe bitten, Seine heiligen Gebote nicht zu verletzen, dann dürfen wir uns nicht achtlos, unnötig oder mutwillig in die Reichweite der Sünde begeben. Gott ist sowohl willens als auch vollkommen in der Lage, uns im Kampf gegen die Versuchung zu helfen. In Seinem Liebesbund setzt Er sich uneingeschränkt dafür ein, dass keines Seiner Kinder in die Fänge der Sünde gerät. Es wird nie eine Gelegenheit in unserem Leben geben, in der die Versuchung zur Sünde so stark ist, dass Gottes Gnade und Macht uns nicht befähigen könnten, sie zu ertragen; denn die Heilige Schrift erinnert uns daran: »Gott aber ist treu; Er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern Er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, sodass ihr sie ertragen könnt« (1.Kor. 10,13). Es wird auch nie ein Scheitern im Widerstand gegen die Versuchung geben, das nicht durch das Blut Christi zugedeckt werden könnte. Deshalb solltest du in jeder Situation und angesichts jeder Versuchung daran denken: In Christus sind wir auf der Siegerseite. Du kannst widerstehen, denn du hast den Geist, der dich leitet und bewahrt. Welchen ständigen Versuchungen zum Ungehorsam bist du momentan ausgesetzt? An welchen Stellen oder in welchen Augenblicken werden deine Prüfungen zu Versuchungen? Bitte Gott jetzt um Seine Hilfe – du brauchst sie, und Er ist bereit, sie dir zu gewähren.
»Wenn einer von euch einen Freund hätte und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Freund, leihe mir drei Brote, denn mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann! … – Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht. Und Ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben …!« – Lukas 11,5-9
Es ist verführerisch zu denken, dass das Reden von Gott der wichtigste Ausdruck unserer Beziehung zu Ihm sei. Es ist jedoch möglich, dass wir von Gott reden, ohne zu wissen, wer Er wirklich ist. Ein Beweis für unsere persönliche Beziehung zu Gott findet sich oft nicht in unseren öffentlichen Worten, sondern in unseren persönlichen Gebeten – nicht in dem, was wir über Ihn sagen, sondern in dem, was wir zu Ihm sagen. In der Tat soll Robert Murray M’Cheyne beobachtet haben: »Was ein Mensch auf seinen Knien vor Gott ist, das ist er – und nichts weiter.«
Darin liegt eine echte Herausforderung! Denn wenn wir ehrlich sind, spiegeln viele unserer Gebete eine starre oder distanzierte Beziehung wider, nicht die Dynamik, die eine herzliche Freundschaft auszeichnen sollte. Aber wenn das auf uns zutrifft, dann können wir sicher sein, dass wir damit nicht allein sind. Auch die Jünger Jesu wollten in der Vertrautheit mit ihrem himmlischen Vater wachsen, wussten aber, dass sie den Herrn brauchten, um sie zu lehren, wie das geschehen sollte (Lk. 11,1) – und als Antwort darauf erzählte Jesus, nachdem Er sie das sogenannte Vaterunser gelehrt hatte, ein Gleichnis über die kühne Bitte eines Freundes.
Jesus beginnt Seine Illustration, indem Er die Beziehung zwischen den beiden Männern in Seiner Geschichte klarstellt: Sie sind Freunde. Er fährt dann fort zu erklären, wie der eine Mann, der einem durchreisenden Gast Gastfreundschaft erweisen will, um Mitternacht zum Haus des anderen geht, um sich Brot zu leihen. Er riskiert sogar, die gesamte Familie seines Freundes zu wecken, nur um seine Bitte vorzubringen. Aufgrund seiner kühnen Beharrlichkeit steht der zweite Mann auf und gibt dem ersten, was er braucht. Was wir aus der Geschichte Jesu verstehen müssen, ist Folgendes: Wenn eine aufrichtige menschliche Freundschaft eine so großzügige Antwort auslöst, können wir sicher sein, dass Gott uns nie etwas verweigern wird, was wir wirklich brauchen, wenn wir im Gebet zu Ihm kommen. Die Bitte des Mannes ist kühn; aber so anspruchsvoll sie auch erscheinen mag, sie wird von einem Freund erhört und aufgrund ihrer Beharrlichkeit beantwortet. Wie viel mehr können wir dann absolut zuversichtlich sein, dass unser himmlischer Vater bereit ist, uns zu erhören, wenn wir uns Ihm mit einem aufrichtigen, demütigen Herzen nahen.
Zuversicht gegenüber Gott ist nicht unbedingt anmaßend. Vielmehr können wir aufgrund der Freundschaft, die Er durch Jesus mit uns geschlossen hat, mit Zuversicht vor Seinem Thron stehen. Seinetwegen können wir zu unserem Schöpfer mit der »Unverschämtheit« eines engen Freundes sprechen. Welch ein Gedanke! Bei Gott gibt es keine Mitternacht, und es wird auch nie einen Moment geben, in dem es Ihm unangenehm wäre, wenn wir zu Ihm als unserem Freund kommen. Alles, was wir tun müssen, ist anzuklopfen.
9. FEBRUAR
»Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan … Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird der Vater im Himmel [den] Heiligen Geist denen geben, die Ihn bitten!« – Lukas 11,10.13
Wenn eine Teenagerin, die gerade ihren Führerschein gemacht hat, ihre Mutter oder ihren Vater um die Autoschlüssel bittet, ist das normalerweise keine unbestimmte, halbherzige Bitte. Stattdessen ist ihr Denken beschäftigt und ihr Wille zielgerichtet: »Kann ich bitte die Autoschlüssel haben? Ich brauche das Auto. Ich möchte das Auto gern fahren. Ich bitte dich jetzt darum.«
In ähnlicher Weise vermitteln die Verben, mit denen Jesus Seine Jünger lehrt, wie man Gott im Gebet um etwas bittet – bitten, suchen, anklopfen –, Dringlichkeit, Beständigkeit und Klarheit. Es ist, als würde Er sagen: »Ich möchte, dass ihr auf eine Art und Weise betet, die demütige, beharrliche Entschlossenheit beinhaltet. Ich möchte, dass ihr sucht und weiter sucht, und Ich möchte, dass ihr mit einer eindringlichen Aufrichtigkeit anklopft.« Er lädt dich und mich ein, vor unseren himmlischen Vater zu treten und einfach zu bitten. Wir müssen jedoch vorsichtig sein, worum wir Ihn bitten. Wenn wir unsere Bitten vor den Herrn bringen, müssen sie vom Geist durch das gemäßigt werden, was Johannes Calvin den »Zaum des Wortes Gottes«* nennt. Mit anderen Worten: Die Bibel lehrt uns, dass wir voller Vertrauen um die Dinge bitten können, die Gott für gut und richtig hält – etwa um Seine Hilfe dazu, unseren Leib als lebendiges Opfer darzubringen, als Zeugen des Evangeliums zu wachsen oder unseren Wunsch, Ihn anzubeten, zu verstärken. Aber wir dürfen nicht denken, dass wir Gott manipulieren könnten, indem wir von Ihm verlangen, dass Er uns alles gibt, was unser Leben leichter oder reicher macht. Jakobus schreibt: »Ihr bittet und bekommt es nicht, weil ihr in böser Absicht bittet, um es in euren Lüsten zu vergeuden« (Jak. 4,3). Auch das ist möglich.
Wir sollen also freimütig bitten, aber wir sollen auch demütig bitten. Wir sollen Gott bitten, große Dinge zu tun, und dann sollen wir Seine Antwort akzeptieren. Es gibt gute Gründe dafür, dass Gott uns nicht immer das gibt, worum wir bitten, selbst wenn das, worum wir bitten, an sich gut und gottgefällig ist. Unsere Gebete entsprechen nicht immer Seinem guten und souveränen Willen. Wir können nicht immer bestimmen, was gut für uns ist; aber Gott weiß immer, was das Beste für Seine Kinder ist. Wenn wir also unsere Bitten vor Gott bringen, müssen wir auf Sein Wort als unseren Wegweiser schauen und uns daran erinnern, dass Er daran arbeitet, Seine Absichten für unser Leben zu verwirklichen und uns dem Bild Seines Sohnes ähnlicher zu machen.
Tritt also vor Gott und bitte einfach. Deine Bitten können konkret und freimütig und von Gottes Wort geprägt sein – und dann kannst du erwarten und sogar wünschen, dass Gott sie genau so beantwortet, wie Er es für richtig hält.
* Johannes Calvin, »Auslegung der Evangelien-Harmonie«, Neukirchener Verlag.
Kol. 1,9-12
»Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte Er von Seinem ganzen Werk, das Gott schuf, als Er es machte.« – 1. Mose 2,3
Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Wir sind nicht lediglich fortschrittliche Affen, sondern wir sind die einzigen Geschöpfe Gottes, die nach Seinem Bild geschaffen wurden (1.Mo. 1,27). Wir sind Geschöpfe, weil wir von einem Schöpfer geschaffen wurden; aber wir sind auch einzigartig unter allen Geschöpfen, weil wir nach Gottes Ebenbild geschaffen wurden. Der Mensch besitzt eine unveräußerliche Würde, und Gott wünscht, dass wir unseren Schöpfer ehren und in einer Beziehung zu Ihm leben.
Wenn der Mensch die Krone der Schöpfung ist, dann ist die Sabbatruhe das Endziel der Schöpfung. Als Gott Sein Schöpfungswerk vollendet hatte, ruhte Er. Das bedeutet nicht, dass Er aufhörte, in Seiner Welt präsent oder aktiv zu sein, sondern dass Er sich vom Erschaffen ausruhte. Es bestand keine Notwendigkeit für weitere Verbesserungen oder Ergänzungen. Nichts musste herausgenommen und überarbeitet werden. Und Gottes großer Plan – Sein Wunsch für die Menschen – ist, dass auch wir mit Ihm diesen wunderbaren, fortwährenden Ruhetag erleben können.
Der Schöpfungsbericht in 1. Mose 1 wiederholt für jeden der ersten sechs Tage den Satz: »Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der … Tag« (V. 5.8.13.19.23.31). Doch am siebten Tag wird das Muster durchbrochen. Der siebte Tag ist, wenn man so will, ein andauernder Tag, an dem Gott sich ein Volk für sich Selbst erwirbt. Er bringt die Menschen in eine Beziehung zu Ihm, sorgt für sie, beschützt sie, gibt ihnen Gemeinschaft untereinander und gibt ihnen Autorität über Seine Schöpfung.
Ein Teil des Zwecks des Sabbats, wie er in den Zehn Geboten beschrieben ist, bestand darin, den Israeliten ein Verständnis für diesen letzten Plan Gottes für ihr Leben zu vermitteln (2.Mo. 20,8-11). In der Ruhe und der Besinnung sollten sie über all das nachdenken, was es bedeutet, als Volk Gottes unter Seiner Herrschaft und Seinem Segen zu leben.
Als Jesus die Menschen zu sich rief, sagte Er: »Kommt her zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will Ich euch erquicken! … so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen!« (Mt. 11,28-29). Der Schreiber des Hebräerbriefs greift diesen Gedanken auf und erklärt: »Also bleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe vorbehalten« (Hebr. 4,9). Was in der Schönheit Edens vorgesehen war und durch den Sündenfall zerstört wurde, wird eines Tages wiederhergestellt werden, wenn wir in Gottes Gegenwart eintreten. Wir erleben schon jetzt Ruhe, wenn wir unsere Sünden zu Jesus bringen, damit Er sich darum kümmert, und wenn wir unsere Sorgen zu Jesus bringen, damit Er uns hilft. Eines Tages werden wir die vollkommene Ruhe des Auferstehungslebens in einer wiederhergestellten Welt erleben, die von der Heiligkeit unseres vollkommenen Gottes erfüllt ist. Das ist eine Aussicht, die unseren Blick erhebt und unsere Herzen an unseren besten und schlechtesten Tagen in dieser Welt neu ausrichtet. Eines Tages werden wir wirklich in Frieden ruhen.
Auf unserem Weg in diese Zukunft sollten wir das Vorbild Gottes nachahmen. Wie Gott es befohlen hat, sollen wir den Tag des Herrn ehren – und uns Zeit nehmen, um über all das nachzusinnen, was Er sich für uns wünscht, um das Leben in Gemeinschaft mit Ihm zu genießen und uns Ihm anzuschließen, während Er aktiv ein Volk sucht, das Er Sein Eigentum nennt.
11. FEBRUAR
»Wisst ihr denn nicht, dass Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden?« – 1. Korinther 6,9
Nichts definiert Gläubige mehr als unsere Mitgliedschaft im Reich Jesu Christi. Das ist ein Teil dessen, was Christen einzigartig macht. Wir gehören jetzt zu einem ganz neuen Reich. Wir mögen dunkel- oder hellhäutig, reich oder arm, männlich oder weiblich sein, aber was uns eint, ist unsere Ergebenheit gegenüber einem König – nämlich Jesus. Wir marschieren nach Seinen Befehlen, wir freuen uns inmitten Seiner Truppen, und wir führen Seine Aufträge mit Freude aus.
Gottes Reich ist ein gerechtes Reich. Sein Charakter ist vollkommen, Seine Maßstäbe sind hervorragend, und Er kann Sünde nicht ansehen. Deshalb warnt Paulus, dass diejenigen, die Seinen Charakter verleugnen und Seine Maßstäbe ablehnen, »das Reich Gottes nicht erben werden«. Ein Lebensstil, der von Bosheit, Rebellion und Selbstbezogenheit geprägt ist, ist mit der Herrschaft Christi unvereinbar – und daher ist eine Entscheidung, das Leben auf diese Weise zu verbringen, eine Entscheidung, außerhalb der Grenzen Seines Reiches zu leben. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Paulus sich nicht auf vereinzelte Taten der Ungerechtigkeit bezieht. Kein Mitglied des Reiches Christi lebt im Diesseits ein sündloses Leben. Vielmehr bezieht sich Paulus auf jemanden, der beharrlich der Sünde nachgeht oder sie toleriert. Er hat die Art von Leben im Sinn, die erklärt: »Ich möchte nicht, dass Gott sich in meine Entscheidungen einmischt; aber ich möchte mit der Auffassung leben, dass ich tatsächlich zu Seinem Reich gehöre, und ich möchte alle Vorzüge dieses Reiches genießen.« Gott setzt die Grenzen Seines Reiches fest. Es ist einfach nicht so, dass jeder dazugehört, egal wer er ist, was er glaubt oder was er will! Diese Vorstellung mag sehr verlockend klingen, aber es entspricht einfach nicht dem, was Gottes Wort lehrt – Gott und niemand sonst entscheidet, wer in Sein Reich kommt. Gott sagt, dass es einen Tag des Gerichts geben wird. In der Tat wird Jesus in Seiner Herrlichkeit wiederkommen, und »vor Ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und Er wird sie voneinander scheiden«, um entweder das Reich Gottes oder das ewige Verderben zu empfangen (Mt. 25,32). Dieses Reich ist keine Idee, die Jesus im Laufe der Zeit eingeführt hat, um eine Schwachstelle im System zu korrigieren. Es war von Ewigkeit her so geplant. Das kommende Gericht sollte ein Gespür für die Dringlichkeit der Evangelisation schaffen, und es sollte Aufrichtigkeit und Unerbittlichkeit im Umgang mit unserer Sünde hervorrufen. Wir müssen der Welt – und auch uns selbst – einen lebendigen Retter in der Person Jesu vor Augen führen, der genau das tun wird, von dem Er gesagt hat, dass Er es tun werde. Nur wenn wir unsere Sünde und unsere Bedürftigkeit nach einem Retter erkennen, werden wir das ewige Reich Gottes erben.
»… in Ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.« – Epheser 2,22 (ELB)
Wenn jemand durch den Glauben zu Christus kommt, ist die Veränderung seiner Identität umfassend. In der Sprache, die Paulus in Epheser 2 verwendet, ist der einst tote Sünder nun lebendig in Christus; das Kind des Zorns wird zu einem Kind Gottes. Aber die neue Identität ist nicht nur individuell. Wir sind nicht jeder von uns für sich allein in Christus, sondern wir sind mit dem ganzen Volk Gottes zusammen in Ihm. Deshalb geht Paulus in Epheser 2 von unserer individuellen Erfahrung der Gnade zu dem gemeinsamen Werk über, das Gottes Gnade vollbringt. Paulus sagt uns: »So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge ohne Bürgerrecht und Gäste, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen« (V. 19). Der »eine neue Mensch« (V. 15), den Christus schafft, besteht aus herrlich vielen Miterben der Gnade. Das soll nicht heißen, dass unsere individuelle menschliche Identität bedeutungslos wird. Unser Hintergrund und unsere Wesensart – unser Geschlecht, unsere ethnische Zugehörigkeit und unsere persönliche Geschichte – werden in Christus nicht ausgelöscht. Wir sind, wer wir sind, geschaffen nach Gottes Ebenbild, geformt nach Seinen Plänen. Aber das, was uns in Christus verbindet – unsere Vereinigung mit Christus –, übersteigt alles andere. Wir müssen uns vor der Versuchung hüten, den Grund für unsere Einheit zu vergessen. Niemand ist dagegen gefeit, Elemente seiner Identität in Barrieren zu verwandeln – Barrieren des Status, der Hautfarbe, der Klasse, des Persönlichkeitstyps oder der persönlichen Vorlieben. Als Christen müssen wir bereit sein, uns einzugestehen, wie leicht wir diesbezüglich etwas falsch machen können. Wenn wir uns eines solchen Fehlverhaltens schuldig machen, müssen wir bereit sein, über das, was Gott missfällt, Buße zu tun und darüber zu trauern. Der Schlüssel zur christlichen Einheit ist das Evangelium. Paulus erkannte, dass nur Gott harte Herzen erweichen kann, nur Gott kann blinde Augen öffnen, und nur Gott kann grundverschiedene Menschen zusammenbringen und zu einer wahren, herrlichen Einheit verschmelzen. Gott schafft »einen neuen Menschen«, und Er schafft diesen neuen Menschen in Seiner Gemeinde. In Christus baut Gott einen »heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist« (Eph. 2,21-22). Parteilichkeit aufgrund von Rasse, Klasse oder Status hat keinen Platz an dem Ort, an dem Gott durch Seinen Geist wohnt. Eines Tages wirst du die Fülle deiner Vereinigung mit Christus und Seinem Volk für alle Ewigkeit erleben; aber das kann und sollte jetzt beginnen. Du hast das Privileg, diese Einheit heute zu fördern, indem du deine Zeit nutzt und an deine Geschwister in deiner Gemeinde denkst, für sie betest und mit ihnen sprichst.
13. FEBRUAR
»So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schuf und ausspannte und die Erde ausbreitete samt ihrem Gewächs, der dem Volk auf ihr Odem gibt und Geist denen, die darauf wandeln: Ich, der HERR, habe Dich berufen in Gerechtigkeit und ergreife Dich bei Deiner Hand; und Ich will Dich behüten …« – Jesaja 42,5-6
1932 bemerkte Albert Einstein: »Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde. Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen, warum und wozu.«* In der Tat muss man nicht lange hinhören, bis man Leute sagen hört, dass wir in einer Welt des Zufalls leben, in der sich die Geschichte einfach wiederholt und es keinen übergeordneten Zweck im Universum gibt. Wenn das stimmt, ist es schwer, einen Sinn im Leben zu finden. Es gibt nichts anderes zu tun, als zu leben und dann zu sterben. Gott spricht in die Sinnlosigkeit hinein, die sich aus dieser Sicht der Wirklichkeit ergibt. Er verkündet die ultimative Realität, die alles verändert: sich Selbst. Gott stellt sich Selbst vor und offenbart Seine Identität: »Ich bin der HERR, das ist Mein Name« (Jes. 42,8). Gottes Name (hier: der HERR) ist nicht einfach eine Bezeichnung für Ihn, sondern drückt Sein Wesen aus. Die vielen Namen Gottes in der Bibel geben wichtige Informationen darüber, wer Er ist: ewig, selbstexistent, selbstgenugsam, souverän und vieles mehr!
Wenn Gott spricht, offenbart Er auch Seine Macht. Die Himmel sind Sein Werk, und Er ist Derjenige, der die Erde ausbreitet und allem, was aus ihr hervorgeht, Gestalt und Leben verleiht. Die Stabilität und die Produktivität der Schöpfung beruhen auf dem Schöpfer. Wir sind nicht das Produkt irgendeines eigenständigen Evolutionsschubs, sondern das direkte Werk eines Gestalters. Wir können unsere Existenz nicht losgelöst von Gott begreifen. Dazu waren wir auch nie gedacht.
Und was ist nun Gottes Absicht mit allem, was Er geschaffen hat? Er will durch das Heil Gerechtigkeit auf der Erde bewirken. »Ich, der HERR, habe Dich berufen in Gerechtigkeit und ergreife Dich bei Deiner Hand; und Ich will Dich behüten und Dich zum Bund für das Volk setzen, zum Licht für die Heiden« (V. 6). Er spricht hier nicht zu uns, sondern zu Seinem Sohn, dem Knecht, den Jesaja bekannt macht. Wenn wir Rat brauchen, wenn wir Freundschaft brauchen, wenn wir Vergebung brauchen, wenn wir Rettung brauchen, hat Gott gesagt: »Siehe, das ist Mein Knecht, den Ich erhalte« (V. 1).
Wir werden im Leben nie so zufriedengestellt sein, wie wenn wir unsere ultimative Realität in Christus entdecken. Von dieser Realität ausgehend finden wir unseren Lebenssinn: »Gott zu verherrlichen und uns auf ewig an Ihm zu erfreuen.«** Wenn du Sinn und Erfüllung im Leben finden willst, musst du nur den Knecht des Herrn umfassen, dich an Ihm erfreuen und Gott verherrlichen, so wie es Simeon tat: »Meine Augen haben Dein Heil gesehen, das Du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht zur Offenbarung für die Heiden und zur Verherrlichung Deines Volkes Israel« (Lk. 2,30-32).
* Albert Einstein, »Mein Glaubensbekenntnis«.
** Kleiner Westminster Katechismus, Frage 1.
15. FEBRUAR
»Es war aber ein gewisser Jünger in Damaskus mit Namen Ananias; und der Herr sprach zu ihm in einem Gesicht: Ananias! Er aber sprach: Siehe, hier bin ich, Herr!« – Apostelgeschichte 9,10 (ELB)
Jeden Tag prägst du deinen Ruf. Und als Christ prägst du auch täglich den Ruf Christi. Was sagt unser Leben über Christus aus, wenn wir als Seine Jünger umhergehen?
Ananias mag eine weniger bekannte biblische Gestalt sein; aber er hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf das Leben von Paulus und damit auf die gesamte Kirchengeschichte. Dies war das Ergebnis seiner täglichen hingebungsvollen Treue als Jünger Christi. Drei Merkmale seiner Jüngerschaft können uns helfen, unseren eigenen Charakter und unser Engagement für Christus zu formen, während wir danach streben, für Gottes Reich brauchbar zu werden. Erstens war Ananias »ein gewisser Jünger«: das heißt, einer, der speziell ausgewählt wurde. Noch bevor Er Paulus (damals noch als Saulus bekannt) nach Damaskus brachte oder Ananias berief, sorgte Gott souverän dafür, dass sich die Gemeinde nach dem Pfingsttag in Jerusalem ausbreitete, und dass sie mindestens 300 Kilometer nach Norden bis nach Damaskus gelangte, wo sich dann eine Gruppe von Gläubigen, darunter auch Ananias, niederließ. Aus dieser Gruppe wählte Gott dann speziell Ananias aus, um Paulus nach seiner Bekehrung zu erreichen. Diese tiefgründige Darstellung von Gottes Souveränität sollte uns inspirieren und ermutigen, darauf zu vertrauen, dass Gott auf eine Weise wirkt, die vielleicht noch nicht sichtbar ist, um uns vorzubereiten und zu gebrauchen, damit wir Seinen Willen erfüllen. Außerdem war Ananias ein mutiger Jünger. Er bezeichnete sich selbst als Nachfolger des Herrn – er gehörte zu der Gruppe in Damaskus, die Paulus vor seiner Bekehrung verfolgen wollte (Apg. 9,1-2). Ananias’ Treue galt nicht einfach einer örtlichen Gemeinde, einer Konfession oder einer theologischen Ansicht, sondern dem Herrn Jesus Christus Selbst. Wenn Jesus unser Leben in die Hand genommen und uns verändert hat, können wir diese lebensverändernde Tatsache auch nicht für uns behalten. So wie wir Nein zur Sünde sagen, wenn wir die Erlösung in Christus empfangen, müssen wir auch Nein zu einem heimlichen Glaubensleben sagen. Entweder wird unsere Nachfolge unsere Verschwiegenheit zerstören, oder unsere Verschwiegenheit wird unsere Nachfolge zerstören. Schließlich war Ananias ein engagierter Jünger. Später erinnerte sich Paulus an Ananias als an einen »gottesfürchtige[n] Mann nach dem Gesetz, der von allen Juden, die [in Damaskus] wohnen, ein gutes Zeugnis hat« (Apg. 22,12). Einen solch guten Ruf erwirbt man nicht innerhalb von fünf Minuten oder gar fünf Tagen, sondern langsam, in der stetigen Ebbe und Flut des Lebens. Ananias erarbeitete sich einen solchen Ruf, indem er sein ganzes Leben der Nachfolge Gottes und Seines Wortes widmete – eine Hingabe, die er sicherlich durch seine täglichen Geschäfte und seinen Umgang mit anderen Menschen zeigte. Das Leben von Ananias fordert uns heraus, an scheinbar gewöhnlichen Tagen in vermeintlich kleinen Dingen treu zu sein. Vielleicht werden wir eines Tages berufen, etwas Außergewöhnliches für den Herrn zu tun – aber wir sollen nicht bis dahin warten, bevor wir von ganzem Herzen für Ihn leben. Das ist es, was Jünger tun: Sie folgen Gott mutig, hingebungsvoll und demütig nach und vertrauen Ihm vollkommen. Ganz gleich, ob du mitten im Studium bist, Kinder erziehst, eine Karriere anstrebst oder dem Ruhestand und dem Alter entgegensiehst – versuche, alles treu zur Ehre Gottes zu tun. Mach es dir zum Ziel, als ein solcher bekannt zu sein wie Ananias: als ein Jünger Jesu Christi.
»Das Leben des Fleisches ist im Blut, und Ich habe es euch auf den Altar gegeben, um Sühnung zu erwirken für eure Seelen. Denn das Blut ist es, das Sühnung erwirkt für die Seele.« – 3. Mose 17,11
Als Gott die Israeliten aus Ägypten rettete, führte ihre Erlösung zu einer Beziehung mit Ihm. Das Volk lebte unter Gottes Herrschaft und freute sich über Seine Gegenwart in der Stiftshütte. Doch die Israeliten konnten von Anfang an das Gesetz Gottes nicht einhalten. Daraus ergab sich ein Dilemma: Wie konnte ein heiliger Gott mit einem sündigen Volk zusammenleben?
Der Hohepriester Israels wurde von Gott angewiesen, an einem bestimmten Tag im Jahr –dem Versöhnungstag – das Allerheiligste zu betreten, den Ort in der Stiftshütte, an dem Gottes Gegenwart wohnte, um Opfer für die Sünden des Volkes darzubringen. Der Hohepriester sollte zwei makellose Ziegenböcke nehmen. Den ersten opferte er als Sündopfer für das Volk und besprengte dann mit seinem Blut den Sühnedeckel, der auch als Gnadenthron bekannt ist. Die Israeliten hätten für ihre Sünde den Tod verdient; aber Gott war so gnädig, ihnen diesen Bock als Ersatz zu geben, der an ihrer Stelle starb. Das Volk konnte leben, weil das Tier gestorben war. Das Ergebnis dieser Versöhnung zeigte sich darin, was mit dem zweiten Ziegenbock geschah: Der Priester legte ihm die Hände auf den Kopf, bekannte die Sünden des Volkes über ihm und trieb ihn dann weit in die Wüste hinaus. Der Hohepriester konnte dann vor das Volk treten und sagen: »Eure Sünden sind gesühnt. Das Blut ist vergossen worden, und durch das Vergießen von Blut werden die Sünden vergeben. Den anderen Ziegenbock habe ich in die Wüste getrieben, und so braucht ihr euch nicht mehr um eure Sünden zu sorgen und sie nicht mehr als Last auf eurem Rücken zu tragen.« Auf eine ganz bestimmte Weise legte Gott diese grundlegende Wahrheit fest: Er ist bereit, alles zu tun, was nötig ist, um sündige Menschen in Seine Gegenwart zu bringen. Da Sein Volk widerspenstig war (und immer noch ist!), musste Er ein Opfer für dessen Sündhaftigkeit bereitstellen, das es Ihm ermöglichte, sich ihm aufgrund der Taten eines anderen zu nahen. Und jedes Opfer wies über sich selbst hinaus auf das vollkommene Opfer, das Christus durch Seinen Tod am Kreuz darbringen würde, um die Sünde ein für alle Mal zu beseitigen. Infolgedessen können wir vor Gott volles Vertrauen genießen. Aber dieses Vertrauen liegt nicht in uns selbst, sondern »[wir haben] kraft des Blutes Jesu Freimütigkeit … zum Eingang in das Heiligtum, den Er uns eingeweiht hat als neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang hindurch, das heißt, durch Sein Fleisch« (Hebr. 10,19-20). Wenn du versucht bist, zu schwanken, zu zweifeln und auf deine eigenen Werke als Grundlage für deine Gewissheit zu schauen, erinnere dich an diese zwei Böcke, die dich beide auf das Werk Jesu am Kreuz hinweisen. Für deine Sünde wurde bezahlt, und deine Sünde wurde beseitigt. Deine Leistung trägt weder zu deinem Status vor unserem heiligen Gott bei noch schmälert sie ihn. Stattdessen findest du deine Zuversicht so:
Auf ein Leben, das ich nicht gelebt habe, auf einen Tod, den ich nicht gestorben bin, auf das Leben eines anderen, auf den Tod eines anderen, baue ich meine ganze Ewigkeit.*
* Horatius Bonar (1808–1889), »Christ for Us«.
»Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Sohn des Jona; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern Mein Vater im Himmel!« – Matthäus 16,16-17
Wenn wir die Evangelien lesen, wird deutlich, dass die Menschen, die mit Jesus von Nazareth in Berührung kamen, selten mit höflicher Neutralität reagierten. Seine Worte und Taten lösten tiefe Liebe und Hingabe, aber auch Angst und Hass aus. Wie lässt sich eine solche Bandbreite von Reaktionen erklären?
In diesem Gespräch auf der Straße nach Cäsarea Philippi sprach Petrus – wie so oft –nicht nur für sich selbst, als er antwortete: »Du bist der Christus …« Das griechische Wort, mit dem er Jesus bezeichnete, war Christos, was »Messias« oder »Gesalbter« bedeutet. Im ganzen Alten Testament hatte Gott Könige, Richter und Propheten gesalbt; aber sie alle waren Vertreter und Sprecher, die auf den zukünftigen Messias, den Retter, den Gesalbten Gottes Selbst, hinwiesen. Deshalb war das, was Petrus erklärte, besonders bemerkenswert. Er sagte zu Jesus: »Du bist es. Du bist Derjenige, von dem die Propheten gesprochen haben.« Noch verblüffender ist die Erklärung Jesu für die Aussage von Petrus. Petrus kam nicht dadurch zu seiner Schlussfolgerung, weil er besonders klug war oder über eine hochentwickelte Fähigkeit zum logischen und rationalen Denken verfügte, oder weil ein inspirierender Prediger es ihm vor Augen geführt hätte. Seine Aussage war möglich, weil Gott, der Vater, sie ihm tatsächlich geoffenbart hatte.
Das Glaubensbekenntnis von Petrus, wie auch unser eigenes, hätte niemals aus eigener Kraft entstehen können. Der Glaube ist eine Gabe, die uns geschenkt wird. Dieser Austausch zwischen Petrus und Jesus ist ein konkretes Beispiel dafür, wie der Geist Gottes das Wort Gottes nimmt und es so in den Verstand und das Herz eines Menschen hineinbringt, dass er die Messianität Jesu verkündet.
Wie bei Petrus ist auch unsere Fähigkeit, Jesus als Herrn und Messias zu bekennen, nicht unser Verdienst; »Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme« (Eph. 2,8-9). Wenn unser Glaube das Ergebnis unserer eigenen intellektuellen Fähigkeiten, unserer emotionalen Intelligenz oder unserer moralischen Güte wäre, könnten wir Vertrauen auf uns selbst setzen – wir könnten uns rühmen. An guten Tagen macht uns das stolz, aber an schlechten Tagen macht es uns zerbrechlich. Nein: Unser Glaube beruht ganz auf der Gabe Gottes, und so setzen wir unser Vertrauen auf Ihn – und sind demütig an unseren besten Tagen und zuversichtlich an unseren schlechtesten. Freue dich also heute voller Dankbarkeit, denn Gott hat Freude daran, Herzen und Gedanken durch die Wahrheit Seines Wortes zu verändern, sodass wir mit Petrus sagen können: »Du bist der Christus!«
17. FEBRUAR
»Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. ›Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren‹, das ist das erste Gebot mit einer Verheißung: ›damit es dir gut geht und du lange lebst auf Erden‹.« – Epheser 6,1-3
Bei zwei Gelegenheiten, bei denen Paulus seinen Lesern eine lange Liste der hässlichen Früchte der Gottlosigkeit vorlegt, finden wir genau in der Mitte folgende Worte: »den Eltern ungehorsam« (Röm. 1,30; 2.Tim. 3,2). Umgekehrt entdeckt man beim Lesen der Kirchengeschichte, dass in Zeiten geistlicher Aufbrüche auch praktische Gottesfurcht folgte – einschließlich der Unterordnung der Kinder unter die göttliche Autorität der Eltern. Der Gehorsam der Kinder gegenüber ihren Eltern ist nicht nur ein Vorschlag, sondern eine Verpflichtung. Die Heilige Schrift lehrt, dass ein solcher Gehorsam gemäß der natürlichen Schöpfungsordnung Gottes, in Übereinstimmung mit Seinem Gesetz und als Antwort auf das Evangelium recht ist. Eltern sollten sich nicht scheuen, Gehorsam zu fordern und zu würdigen. Aber Paulus sagt nicht nur, dass Gehorsam recht ist, er sagt auch, dass er belohnt wird. In Jesus, dem Herrn, gibt es einen Segen, der damit einhergeht, dass man Gottes Gebote und Verheißungen beachtet. Und wenn die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern von Liebe, Vertrauen und Gehorsam geprägt sind, bringen wir nicht nur gesunde Menschen hervor, sondern auch eine gesunde, zusammenhaltende Gesellschaft. Eltern, die einen solchen Gehorsam erreichen wollen, tun gut daran, sich an fünf wichtige Wahrheiten zu erinnern, die die Bibel über unsere Kinder lehrt:
1. »Kinder sind eine Gabe des HERRN« (Ps. 127,3). Sie sind ein Geschenk und ein Segen. Wenn wir an unsere Kinder denken, sollten wir dem Geber dieser Kinder dankbar sein.
2. Unsere Kinder gehören nicht uns, sondern Gott. Sie sind uns für eine begrenzte Zeit anvertraut.
3. Kinder sind von der Empfängnis an fehlerhaft, sündig und verdienen das ewige Leben nicht – genau wie wir alle (Ps. 58,4; Röm. 3,23).
4. Weil sie sündig sind, brauchen Kinder die Gebote Gottes. Als Eltern sind wir dafür verantwortlich, sie von Anfang an in Gottes Gesetz zu unterweisen.
5. Unsere Kinder können nur aus Gnade errettet werden. Deshalb müssen wir sie lehren, nur auf Jesus zu schauen, um errettet zu werden.
Viele von uns leben in einer Kultur, die diese Wahrheiten ablehnt. Einerseits werden die Kinder als von Natur aus gut angesehen, und ihre Bildung, ihre Gesundheit sowie ihr Glück werden als höchstes Gut betrachtet. Andererseits werden sie oft zum Gegenstand von Witzen oder Beschwerden gemacht. Manchmal fehlt es sogar in der Gemeinde selbst an klaren, biblischen Aussagen zur Kindererziehung. Aber Gott sagt dazu: Während die Kinder zu Hause aufwachsen, sollen sie ihren Eltern gehorchen. Eltern sollen ihre Kinder dazu erziehen, Gottes Gebote und Gottes Gnade zu erkennen. Wenn wir in unseren Häusern und Gemeinden eine Generation heranziehen wollen, die gottesfürchtiger und eifriger ist als die unsere, tun wir gut daran, unsere Kinder im Einklang mit Gottes Wahrheit zu erziehen. Viele von uns sind schon Eltern, die zu Hause Kinder haben. Wir alle sind wahrscheinlich Mitglieder von Gemeinden, die Kinder in ihrer Mitte haben. Wie sollte also dein Beitrag zur geistlichen Gesundheit der nächsten Generation aussehen?
»Du … hast uns für Gott erkauft mit Deinem Blut aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen, und hast uns zu Königen und Priestern gemacht für unseren Gott, und wir werden herrschen auf Erden.« – Offenbarung 5,9-10
Ich besuchte die Bibelschule zusammen mit einer walisischen Missionarskandidatin namens Mary Fisher. Sie studierte die Shona-Sprache, um in Simbabwe Jungen und Mädchen unterrichten zu können. Relativ kurz nach ihrer Ankunft in Simbabwe wurde die Schule, in der sie unterrichtete, von Terroristen überfallen. Zusammen mit vielen anderen Lehrern und Kindern überlebte Mary nicht; ihr Leben wurde bei diesem Angriff ausgelöscht. Doch obwohl ihr Tod tragisch war, hatte ihr Leben von der unübertrefflichen Freude gezeugt, Gott zu dienen, nicht nur hier, sondern auch in der Ewigkeit.
Im Lied der Ältesten, die in der Offenbarung um das Lamm versammelt sind, werden wir daran erinnert, dass der Zweck des Todes Christi darin bestand, dass wir »für Gott erkauft« werden konnten. Wir wurden von der Sünde befreit, die uns gefangen hielt, damit wir, erkauft durch Sein Blut, für Ihn leben können. Unser Lobpreis gebührt Gott. Unser Dienst ist, wie der von Mary Fischer, für Gott.
Als die Gläubigen im ersten Jahrhundert um sich blickten und sahen, wie einige ihrer Freunde wegen ihres Glaubens in Gefangenschaft gerieten, versuchten sie, den Triumph Christi über den Tod, den Sieg Seiner Himmelfahrt und die Realität Seiner Wiederkunft zu begreifen. Angesichts der Bedrängnis, der sie ausgesetzt waren, fanden diese Christen Ermutigung in der Erinnerung daran, dass Jesus, auch als Er für unsere Sünden sühnte, Sein Augenmerk immer auf den Vater gerichtet hatte. Er hat uns für Gott erkauft.
Wie sonst könnten wir uns die Tragödien erklären, die in den Biografien der Missionare erzählt werden, oder das scheinbar ausufernde Chaos, wenn Menschen als Märtyrer sterben? Die letzte Aufnahme von Mary Fisher bietet Klarheit. Sie brachte den Kindern in ihrer Klasse den Text eines Liedes bei, das auf den Worten von Paulus an die Gemeinde in Philippi basiert: »Für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn« (Phil. 1,21). »Sein Wort zu kennen und auf Seinem Weg zu gehen«, so heißt es in dem Lied, »ist der Weg des Friedens und der Freude.«*
Dieses Lied ist nichts als leere Rhetorik, es sei denn, Offenbarung 5 ist absolut wahr, wo es heißt, dass Jesus ans Kreuz ging, um uns für Gott zu erkaufen. Und Offenbarung 5 ist absolut wahr. Selbst wenn uns der Atem in Seinem Dienst ausgepresst würde, selbst wenn unser ganzes Leben um Seines Namens willen zertreten würde, wäre es dennoch gut investierte Zeit, Kraft und Leben. Du bist von Gott freigekauft worden, damit du Ihn heute lobpreisen und dich in alle Ewigkeit an Ihm erfreuen kannst. Was auch immer dein Tag bringt, lebe ihn mit dieser größten Hingabe und diesem höchsten Ziel.
19. FEBRUAR
»Und es geschah, dass das Volk sich sehr beklagte, und das war böse in den Ohren des HERRN; und als der HERR es hörte, da entbrannte Sein Zorn …« – 4. Mose 11,1
I m Christenleben sollte es keinen Platz für Murren geben. Das war eine Lektion, die Israel auf die harte Tour (und nur langsam) lernte. Nachdem Gott sie aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte, empfingen die Israeliten Sein Gesetz, bekamen Seine Gebote und kannten ihr Ziel. Sie machten sich eifrig auf den Weg, um das verheißene Land zu erreichen; aber sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als sie anfingen zu murren. Sie wollten Fleisch statt Manna essen und wünschten sich sogar, wieder in Ägypten zu sein (4.Mo. 11,4-6). Hatten sie früher geglaubt, dass Gottes tägliche Versorgung mit Manna ein wunderbares Zeichen Seiner Liebe zu ihnen ist, so beklagten sie sich jetzt darüber, dass sie immer das Gleiche essen mussten.
Murren scheint eine Bagatelle zu sein; aber es ist ein Zeichen dafür, dass es an Dankbarkeit mangelt. Wann immer Unglaube und mangelnde Dankbarkeit das Leben von Kindern Gottes prägen, sind die Folgen unvermeidlich. Wir werden vielleicht nicht so enden wie die Israeliten, die 40 Jahre lang in der Wüste umherzogen; aber unser Murren hat seinen Preis. Erinnerst du dich noch daran, als du zum ersten Mal die Begeisterung über deinen neu gefundenen Glauben gespürt hast? Vielleicht hast du dein erstes Exemplar des Neuen Testaments gekauft und hast alles, was du darin entdeckt hast, fantastisch gefunden. Du hast es überall gelesen. Dann ist vielleicht irgendetwas passiert; jetzt scheint es nur noch »die immer gleiche alte Bibel« zu sein, und du wünschst dir, Gott würde etwas Dramatischeres, etwas Besseres tun? Erinnerst du dich an eine Zeit, in der das Mitteilen deines Glaubens ein spannendes Privileg zu sein schien – aber jetzt fühlt es sich wie eine Last und eine Pflicht an? Erinnerst du dich an eine Zeit, in der du voller Dankbarkeit für das Kreuz warst; aber jetzt stellst du fest, dass dein Augenmerk eher darauf gerichtet ist, dass Gott dich nicht auf die Wege oder an die Orte geführt hat, die du dir gewünscht hattest?
Als der Apostel Paulus an die Urgemeinde schrieb, erinnerte er sie mit einer Warnung an die Geschichte Israels: »Lasst uns auch nicht Christus versuchen, so wie auch etliche von ihnen Ihn versuchten und von den Schlangen umgebracht wurden. Murrt auch nicht, so wie auch etliche von ihnen murrten und durch den Verderber umgebracht wurden. Alle diese Dinge aber, die jenen widerfuhren, sind Vorbilder, und sie wurden zur Warnung für uns aufgeschrieben« (1.Kor. 10,9-11).
Wenn wir an Christus glauben, sind wir von der Sklaverei der Sünde befreit – sogar von unserem Murren! Wir sind durch ein Opfer befreit worden: das Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde. Und auch wir haben uns auf eine Wanderung begeben – nicht nach Kanaan, sondern in den Himmel. In Anbetracht dessen hat Gott uns sowohl wunderbare Verheißungen als auch notwendige Warnungen gegeben. Sei nicht anmaßend in Bezug auf Seine Versorgung und murre nicht über den Weg, auf dem Er dich führt, sondern lass dich erfüllen von Dankbarkeit für alles, was Er dir materiell und geistlich zur Verfügung gestellt hat. Das Kreuz liegt hinter dir, der Himmel liegt vor dir, und der Geist Gottes wohnt in dir. Es gibt keinen Grund und keine Entschuldigung dafür, zu murren.
* John White, »For Me to Live Is Christ«.
»Sorgt euch um nichts; sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden. Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus!« – Philipper 4,6-7
Wenn ich dich auffordern würde, alles aufzuschreiben, was dir in dieser Woche oder sogar heute Sorgen gemacht hat, würdest du sicher eine umfangreiche Liste erstellen. Ich weiß, dass ich das tun würde. Und doch sagt uns das Wort Gottes: »Sorgt euch um nichts.« Wie sollen wir also reagieren, wenn wir das Gefühl haben, im Kampf gegen die Sorgen erstickt zu werden?
Paulus sagt, dass das Gegenmittel gegen das erdrückende Besorgtsein Gebet und Danksagung ist. Diese Reaktion ist nicht natürlich. Sie widerspricht sogar direkt den Tendenzen unseres sündigen Herzens. Den meisten von uns fällt es wesentlich leichter, sich in eine Ecke zurückzuziehen und zu klagen oder über beunruhigende Umstände nachzugrübeln, um sie in den Griff zu bekommen, als die sorgenauslösenden Dinge im Gebet vor Gott zu bringen. Wie leicht – und wie fruchtlos – ist es, sich zu entscheiden, dazusitzen und zu schmoren und zuzulassen, dass das Sorgenkarussell uns lähmt, anstatt auf die Knie zu gehen und zu Gott zu schreien.
Das Gebet verschlingt die Frage »Wie werde ich damit fertig?«, indem es uns von uns selbst weg und auf Gottes Fürsorge hinweist. Das Gebet lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Gott, der absolut kompetent ist, der unsere Bedürfnisse genau kennt und der uns entweder das geben wird, worum wir bitten, oder etwas Besseres, als wir uns vorstellen können. Und ein dankbares Herz hilft uns, der Frage »Warum ist mir das passiert?« ohne Bitterkeit zu begegnen, indem es uns hilft, uns an Gottes Verheißungen zu erinnern. Er handelt immer zielgerichtet, führt Seinen Plan aus und weiß genau, was Er tut.
Einige von uns hatten Eltern, die als unsere Wecker dienten, als wir noch zu Hause wohnten. Wenn wir morgens zu einer bestimmten Zeit aufwachen mussten, brauchten wir nur unserem Vater oder unserer Mutter Bescheid zu sagen, und wir waren sicher, dass sie uns dann wecken würden. Alles, was wir noch zu tun hatten, war zu schlafen! Das ist die Art von Reaktion, die Paulus von uns angesichts ängstlicher Sorgen erwartet. Wir sollen uns direkt an unseren himmlischen Vater wenden und sagen: »Kümmerst Du Dich für mich darum?« Und Gott antwortet immer: »Ich kümmere Mich darum. Vertrau Mir!«
Wenn wir verstehen, dass Gott Herr über alle Dinge ist, werden wir alle unsere Kämpfe und Herausforderungen zu Ihm bringen. Der Friede, den Er uns schenkt, wird ein Bollwerk für unsere Herzen sein.
Ob Trübsal uns kränkt und Kummer bedrückt, von Feinden bedrängt, kein Freund uns erquickt, so bleibt uns doch eines, mag alles geschehn, wir fürchten doch keines: Der Herr wird’s versehn!
– John Newton (1725–1807)
Warum also nicht diese Liste der Dinge niederschreiben, die dir diese Woche Sorgen machen? Dann bete darüber, bringe diese Situationen vor den Thron des Himmels und lasse sie dort. Und dann kannst du neben jeden Eintrag schreiben, was Gott zu dir sagt: »Ich kümmere Mich darum. Vertrau Mir!«
»Aber Jesus rief sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass diejenigen, welche als Herrscher der Heidenvölker gelten, sie unterdrücken, und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Unter euch aber soll es nicht so sein …« – Markus 10,42-43
Eine der großen Lügen in fast jeder Generation ist, dass die Kinder Gottes ihre ungläubigen Nachbarn besser erreichen, wenn sie so aussehen, so klingen, so handeln und so leben wie sie. Das Neue Testament und auch die Kirchengeschichte bestätigen das nicht. Stattdessen bestätigt die Geschichte, was die Bibel lehrt, nämlich dass Gottes Volk in einer fremden Kultur immer dann am wirkungsvollsten ist, wenn es sich sowohl durch sein Verhalten als auch durch seinen Lebensstil eindeutig von der Kultur abgrenzt (1.Pt. 2,11-12).
Kurz vor diesen Worten Jesu gingen Jakobus und Johannes, die »Donnersöhne«, zu Jesus, um Ihn um einen Gefallen zu bitten: Sie wollten Ehrenplätze in Seinem Reich bekommen (Mk. 10,35-45). Dieser Wunsch war jedoch nicht aus Ergebenheit, sondern aus purem Ehrgeiz geboren, ähnlich wie bei den römischen Herrschern jener Zeit, die sich selbst profilieren wollten.
Jesus nahm in Seiner Antwort kein Blatt vor den Mund. Seine Sprache war radikal. Die Jünger waren Seine Nachfolger, und sie sollten anders sein als die Welt. Sie mussten verstehen, dass in Gottes Reich der Weg nach oben in Wirklichkeit nach unten führt. Ehre findet man, indem man sie gibt – und nicht, indem man sie erhält. Größe zeigt sich im Dienen, nicht im Bedient-Werden. Das beste Beispiel für dieses Prinzip ist Jesus Selbst, »der, als Er in der Gestalt Gottes war, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; sondern Er entäußerte sich Selbst, nahm die Gestalt eines Knechtes an und wurde wie die Menschen; und in Seiner äußeren Erscheinung als ein Mensch erfunden, erniedrigte Er sich Selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz« (Phil. 2,6-8).
Das ist eine Herausforderung, denn wir leben in einer Kultur, die auf Selbstwertgefühl, Selbstverherrlichung und Selbstverwirklichung fixiert ist. Doch wenn wir uns zu den Nachfolgern Jesu bekennen, erinnern uns Seine Worte hier daran, dass wir uns nicht von der Kultur, sondern von Ihm prägen lassen sollen.
Wir neigen dazu, uns auf ungesunde Weise darum zu bemühen, als wichtig, intellektuell und sozial angesehen zu werden. Wann war das jemals eine wirksame Strategie für die Verbreitung des Evangeliums? Die Entscheidung ist klar: Entweder wir tun, was Jesus sagt, oder wir tun, was die Kultur sagt.
Wir dürfen weder die Kraft der Worte Jesu noch das Ausmaß Seiner Herausforderung schmälern. Aber wir müssen auch nicht verzweifeln, denn wir können uns durch die Tatsache ermutigen lassen, dass Johannes es schließlich richtig gemacht hat. Gegen Ende seines Lebens schrieb er: »Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er Sein Leben für uns hingegeben hat; auch wir sind es schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben« (1.Joh. 3,16). Hört dieses Wort der unbequemen Gnade – »Unter euch soll es nicht so sein!« – und lasst euch in das Bild Jesu umgestalten, damit ihr bereit seid, eure Rechte und euren guten Ruf im Dienst und in der Liebe aufzugeben.
22. FEBRUAR
»Und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: ›Erkenne den HERRN!‹ Denn sie werden Mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR.« – Jeremia 31,34
I n den Tagen des Propheten Jeremia weigerte sich Gott, den Bund zu brechen, den Er mit Seinem Volk geschlossen hatte. Doch trotz Seiner unerschütterlichen Liebe sündigte das Volk Gottes weiterhin. Das stellte ein Problem dar: Wie konnte Gott die Verheißungen erfüllen, die Er zum Segen Seines Volkes gegeben hatte, wenn es Ihm gegenüber immer wieder untreu wurde?
Als Teil Seines großen Plans versprach Gott einen neuen Bund – eine innere Neuschöpfung. Der Theologe Alec Motyer schreibt: »Als Sein Volk nicht in der Lage war, Seinen Maßstäben gerecht zu werden, setzte der Herr nicht etwa Seine Maßstäbe herab, um sie ihren Fähigkeiten anzupassen; nein, Er verwandelte Sein Volk.«*
Dieser Neue Bund ist die Absicht und Verheißung Gottes, die Herzen durch das Blut des Herrn Jesus zu erneuern. Er nimmt unsere Herzen und bringt sie in die perfekte Form – wie man ein Teil in ein Puzzle einfügt –, so dass Sein Gesetz für uns zur Freude wird. In der Erklärung Gottes zu diesem Neuen Bund spielt das Verb »erkennen« eine Schlüsselrolle. Im hebräischen Original ist seine Bedeutung von Anfang an in der Genesis klar: Die sehr direkte Aussage, dass Adam seine Frau »erkannte« und sie daraufhin Kinder bekamen (1.Mo. 4,1), zeigt den Grad der Intimität, den es vermittelt. Gott will damit sagen, dass Sein Volk, wenn es zu einem Verständnis Seiner Liebe kommt, nicht einfach nur Bibelstudien auf Distanz betreiben wird, sondern dass es Menschen sein werden, die Ihn wirklich kennen und erkennen. Das, wovon Jeremia in der Zukunftsform sprach, können wir jetzt in der Gegenwart genießen; denn zwischen seiner Prophezeiung und unserer Zeit hielt der Herr Jesus in der Nacht vor Seinem Tod einen Kelch mit Wein in die Höhe und verkündete: »Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut, das für euch vergossen wird« (Lk. 22,20). Durch Gottes Gnade können wir den König der Könige und den Herrn der Herren erkennen. Und nicht nur das: Er kennt auch jeden einzelnen von uns beim Namen (Joh. 10,3); er kennt unsere Bedürfnisse und setzt sich für unser Wohlergehen ein. Jesus trägt unsere Namen vor den Vater – und aufgrund all dessen, was Er ist und was Er getan hat, sind diese Namen im Buch des Lebens eingeschrieben.
Was für ein König ist das? Die Antwort vollständig zu begreifen, übersteigt unsere Fähigkeiten. Eines Tages werden wir Ihn von Angesicht zu Angesicht sehen und Ihn viel besser verstehen, als wir es heute tun. Aber schon heute kannst du deinen Alltag gestalten mit der Zuversicht aus dem Wissen, dass du den Gott kennst, der dich durch Seinen Sohn erlöst hat, der in dir wohnt, durch Seinen Geist in dir wirkt und in dessen Thronsaal du eines Tages stehen wirst.
* »Look to the Rock: An Old Testament Background to Our Understanding of Christ«, Kregel.
24. FEBRUAR
»Denn die Er zuvor ersehen hat, die hat Er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild Seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit Er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.« – Römer 8,29
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Paare, die schon lang miteinander verheiratet sind, manchmal gefragt werden, ob sie Bruder und Schwester seien, weil sie so viele Eigenschaften des anderen übernommen haben. Bis zu einem gewissen Grad macht das auch Sinn, nicht wahr? Wir werden wie die Personen, mit denen wir Umgang pflegen.
Das Gleiche sollte auch für uns in unserem Wandel mit Christus zutreffen. Gottes Ziel für dein Leben ist es, dich Seinem Sohn ähnlich zu machen. Denk darüber nach: Betrachte die menschlichen vollkommenen Eigenschaften Jesu und mache dir bewusst, dass du wie Er werden sollst! Es ist ein Werk, von dem Gott verheißt, dass Er »es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi« (Phil. 1,6). Was tut Gott heute? Wir können es einfach so zusammenfassen: Er macht uns Christus immer ähnlicher.
Viele von uns sind mit der Zusicherung in Römer 8,28 vertraut, »dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind«. Aber der folgende Vers sagt uns, was das »Beste« ist, auf das unser allmächtiger Gott in allen Facetten unseres Lebens hinarbeitet: dass wir »dem Ebenbild Seines Sohnes gleichgestaltet« werden. Gott ist viel mehr an deiner Christusähnlichkeit interessiert als an deinem Komfort. Oft wird durch Enttäuschung und Versagen mehr geistlicher Fortschritt gemacht als durch Erfolg und Fröhlichkeit. Wir sollten zwar nicht nach Schwierigkeiten Ausschau halten; aber wir können erkennen, dass unser Vater es am besten weiß und dass Ihn nichts überraschen kann. Wenn wir erleben, dass unsere Gebete nicht erhört werden, oder wenn unsere Herausforderungen und Schmerzen viel länger andauern, als wir es uns wünschen, können wir Hoffnung darin finden, dass Gottes ewige Absichten in dem Leben und durch das Leben Seiner Kinder zum Tragen kommen.
Wir beide sind nicht die Einzigen, die schon einmal Phasen stiller Verzweiflung oder anhaltender Enttäuschung erlebt haben, in denen wir versucht waren zu fragen: »Was macht Gott denn nur?!« Was tat Er, als Stephanus’ Verfolger ihre Jacken auszogen und mit Steinen nach ihm warfen (Apg. 7,58)? Was tat Er, als Paulus aus Damaskus verjagt und in einem Korb von der Mauer heruntergelassen wurde (9,25)? Was tat Er, als Petrus von König Agrippa eingekerkert wurde (12,3)? So schwer es auch zu erkennen sein mag, Er führte Seinen ewigen Plan aus: Er wollte Seine Nachfolger Jesus ähnlicher machen, während sie auf dem Weg nach Hause zu Jesus waren.
Hier findest du die Quelle deiner Hoffnung, wenn du am Morgen aufstehst: Ob Regen oder Sonnenschein, ob Freude oder Enttäuschung, Gott wird auf jeden Fall Seine Absichten in deinem Leben im Laufe des Tages verwirklichen. Dein himmlischer Vater hat einen Plan und ein Ziel für jeden, den Er Sein Eigen nennt. Vielleicht kannst du in Echtzeit sehen, wie Er es tut, oder ein paar Monate später, oder vielleicht erst, wenn du in der Ewigkeit vor Christus stehst. Aber sei dir gewiss: Heute ist ein weiterer Tag, an dem dein Vater dich Seinem Sohn ähnlicher machen will.
»Siehe, Ich sende Meinen Boten, der vor Mir her den Weg bereiten soll; und plötzlich wird zu Seinem Tempel kommen der Herr, den ihr sucht; und der Bote des Bundes, den ihr begehrt, siehe, Er kommt!, spricht der HERR der Heerscharen.« – Maleachi 3,1
Das Volk Gottes ist ein wartendes Volk. Nachdem das Volk Gottes aus dem babylonischen Exil zurückgekehrt war, brachten die »kleinen Propheten« Haggai, Sacharja und Maleachi Gottes Wort zu ihm. Ihre Botschaft ähnelte dem, was ihre Vorgänger gesagt hatten, bevor das Volk in die Gefangenschaft ging: Ihr Israeliten seid doch absurd! Ihr brecht immer wieder den Bund. Und wenn ihr den Bund weiterhin brecht, wird Gott zum Gericht kommen.
Aber die Botschaft der kleinen Propheten war nicht nur eine Botschaft des Gerichts. Sie enthielt auch Hoffnung.
Zwar waren sie physisch in das Land zurückgekehrt, aber geistlich befand sich das Volk immer noch im Exil. Juda – das war alles, was von Israel übrig geblieben war – hielt an der Hoffnung fest, dass Gott Seine Verheißung erfüllen würde, damit Sein Volk in den Genuss Seiner Segnungen käme. Aber Gottes Reich war immer noch nicht so gekommen, wie die früheren Propheten es angekündigt hatten – weil der göttliche König noch nicht gekommen war. Das Volk wartete also auf die Rückkehr des Herrn und die Erfüllung aller Verheißungen des Heils. Der letzte der alttestamentlichen Propheten, Maleachi, betonte, dass dieser König noch erscheinen würde – aber es folgten 400 Jahre des Schweigens Gottes. Menschen wurden geboren, gingen ihren Geschäften nach, arbeiteten und starben, und der Kreislauf setzte sich weiter fort. Wahrscheinlich fragten sie sich gegenseitig: »Was ist nun mit den Worten: ›Ich sende Meinen Boten, der vor Mir her den Weg bereiten soll‹? Seit jener Verheißung sind Jahrhunderte vergangen.« Schließlich gingen einige dieser Menschen vielleicht gerade zum Markt, als eine merkwürdig aussehende Gestalt in einem seltsamen Gewand und mit einer seltsamen Ernährungsweise auf der Straße erschien und aus dem Alten Testament zitierte: »›Siehe, Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesicht her, der Deinen Weg vor Dir bereiten wird.‹ ›Die Stimme eines Rufenden [ertönt] in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, macht Seine Pfade eben!‹« (Mk. 1,2-3). Mit diesen Worten beendete Johannes der Täufer das seit Generationen währende Gottesschweigen. Nach vielen langen Jahren des Wartens erwies sich Gott als treu in der Einhaltung Seiner Verheißungen, so wie Er es stets ist. Er sandte sowohl Seinen Boten als auch Seinen König, damit alle Menschen Seinen Segen erfahren konnten – nämlich die Erfüllung des Heils durch Jesus Christus.
In unseren Tagen blickt das Volk Gottes immer noch auf die Zukunft. Wir wissen, dass Jesus gekommen ist; wir wissen auch, dass Er wiederkommt. Gottes Reich ist noch nicht in Seiner ganzen glorreichen Fülle angebrochen. Wir sind also ein wartendes Volk in einer Welt, die auf augenblickliche Befriedigung ausgerichtet ist – ein erwartungsvolles Volk in einer Welt schneller Enttäuschungen.
Wenn es scheint, dass Gott zu lange braucht, um Seine Verheißungen in deinem Leben zu erfüllen, verliere nicht die Hoffnung. Von Generation zu Generation hat Er bewiesen, dass Er treu ist – und mit der Sendung Jesu hat Er den Erfüller jeder Verheißung vorgestellt. Du kannst in Seiner Treue ruhen. »Ja«, sagt Jesus, »Ich komme bald!« (Off. 22,20). Er wird alles erfüllen, was Er gesagt hat.
Pt. 3,1-13
25. FEBRUAR
»Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur einer den Preis erlangt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt! Jeder aber, der sich am Wettkampf beteiligt, ist enthaltsam in allem – jene, um einen vergänglichen Siegeskranz zu empfangen, wir aber einen unvergänglichen. So laufe ich nun nicht wie aufs Ungewisse.« – 1. Korinther 9,24-26
Sportliche Wettkämpfe waren ein wichtiger Bestandteil der griechischen Kultur, die zur Zeit des Neuen Testaments im Oströmischen Reich vorherrschte. Ein Kommentator beschreibt Korinth als eine Stadt, in der die Menschen nur zwei Dinge verlangten: Brot und Spiele.* Bei kleineren, lokalen Wettbewerben wurden mehrere Preise vergeben, aber bei großen Veranstaltungen gab es nur einen Preis – oft einen Lorbeer- oder Pinienkranz. Die Wettkämpfer verbrachten Monate ihres Lebens damit, sich von allem fernzuhalten, was sie sonst genießen würden – alle Beziehungen, alle Speisen, alle Freizeitbeschäftigungen, die ihre Siegeschancen beeinträchtigen könnten. Ihr einziger Fokus galt einem Lorbeerkranz. Paulus benutzt dieses Bild, um die Gläubigen zu ermutigen, mit dem Blick auf den ewigen Preis zu leben, nämlich Christus zu verherrlichen und mit Ihm vereinigt zu werden.
Bei Crossläufen in der Schule bilden sich aus einem großen Pulk von Läufern oft schnell drei Gruppen: Eine kleine Gruppe strebt nach Gold, die große Masse der Läufer in der Mitte strebt nach einem Ergebnis, das »ganz okay« ist, und diejenigen, die hinterherhinken, sind in der Regel die zynischen, störenden, desillusionierten, traurigen Gemüter. Das Wort für »laufen«, das Paulus in diesem Vers verwendet, beschreibt das Laufen nicht in der Rolle eines Nachzüglers, nicht in der eines Unentschlossenen, nicht in der eines halbherzigen Teilnehmers, sondern in der Rolle eines Gewinners. Als Christen müssen wir Nein sagen zum ziellosen Laufen. Wir müssen nach Gold streben.
Ein Leben, das auf den Siegespreis ausgerichtet ist, erfordert Opfer – insbesondere das Opfer aller Wünsche, die dem Willen Gottes zuwiderlaufen. Der Ausdruck »sich am Wettkampf beteiligen« in Vers 25 ist die Übersetzung des griechischen Wortes agonizomenos, von dem sich das Wort »Todesqualen« ableitet. Ein am Wettkampf Beteiligter zu sein bedeutet, sich dafür zu entscheiden, auf Komfort zu verzichten. Ein Christ zu sein bedeutet, dasselbe zu tun. Sind wir bereit, für Christus zu leiden und Opfer zu bringen, weil wir wissen, dass wir nur dann die Freude erleben werden, den Siegespreis eines für Ihn gelebten Lebens zu gewinnen? Aber wie sollen wir ein solches Opfer bringen und so zielgerichtet laufen? Es wird niemals das Ergebnis unserer eigenen Kraft oder Selbstgerechtigkeit sein. All das ist der Wesenskern und die Substanz falscher Religion. Nein, nur unsere Vereinigung mit Christus bietet die Kraft und das Potenzial für diese Veränderung. Jesus hat uns das Beispiel eines willigen Opfers mit Blick auf den ewigen Siegespreis gegeben (Hebr. 12,2). Wenn Er unser Herz und unser Leben stärkt, gibt es keine Grenzen dafür, was wir freudig für Ihn tun, wenn wir unseren Lauf für Ihn laufen und Ihm nachfolgen.
Der berühmte schottische Olympiasieger und Missionar Eric Liddell soll auf die Frage nach seiner Laufstrategie, mit der er 1924 die Goldmedaille im 400-Meter-Lauf gewann, geantwortet haben: »Ich laufe die ersten 200 Meter so schnell, wie ich kann. Dann, auf den zweiten 200 Metern, laufe ich mit Gottes Hilfe noch schneller.« Laufe also heute nicht ziellos oder langsam, sondern laufe mit Gottes Hilfe noch energischer, im Blick auf das verheißene Gold, um Seinetwillen und zu Seiner Ehre.
* Erich Sauer, »In der Kampfbahn des Glaubens«, Verlag R. Brockhaus.
»Und die Zunge ist ein Feuer, eine Welt der Ungerechtigkeit. So nimmt die Zunge ihren Platz ein unter unseren Gliedern; sie befleckt den ganzen Leib und steckt den Umkreis des Lebens in Brand und wird selbst von der Hölle in Brand gesteckt … Die Zunge aber kann kein Mensch bezwingen.« – Jakobus 3,6.8
Drei Dinge kommen nie wieder zurück: der abgeschossene Pfeil, das gesprochene Wort und die verpasste Gelegenheit. Was wir sagen, können wir nicht ungeschehen machen. Mehr noch: Am Jüngsten Tag werden wir für jedes Wort, das wir gesagt haben, zur Rechenschaft gezogen – auch für unsere unbedachten Worte (s. Mt. 12,36). König Salomo drückte es so aus: »Wer auf seinen Mund achtgibt, behütet seine Seele, wer aber immer seine Lippen aufsperrt, tut’s zu seinem Unglück« (Spr. 13,3), und: »Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge« (18,21). Unsere Worte können dazu dienen, zu ermutigen, zu erbauen und zu heilen. Aber sie können auch Streit verursachen, Zwietracht säen und Leid zufügen. Salomo gibt uns ein vielschichtiges Bild davon, was solche verletzenden Worte ausmacht. Er beschreibt Worte, die Schaden anrichten, als rücksichtslos, »wie ein durchbohrendes Schwert« (12,18). Unsere Worte sprudeln oft unbedacht hervor, und wir werden zu jemandem, der »antwortet, bevor er gehört hat« (18,13). »Wo viele Worte sind, da geht es ohne Sünde nicht ab« (10,19). Wahrscheinlich hast du schon einmal das Sprichwort gehört: Stöcke und Steine können meine Knochen brechen, aber Worte verletzen mich nie. Doch das ist völlig falsch. Blutergüsse können verblassen, und die Spuren, die sie hinterlassen haben, können vergessen werden. Aber verletzende Worte, die zu uns und über uns gesagt wurden, bleiben uns in der Regel für lange Zeit im Gedächtnis. Diese Zeilen sind zutreffender:
Ein unbedachtes Wort kann Streit entfachen.
Ein grausames Wort kann ein Leben zerstören.
Ein bitteres Wort kann Hass einflößen.
Ein brutales Wort kann schlagen und töten.
Es ist schwer abzuschätzen, wie viele Freundschaften zerbrochen sind, wie oft ein Ruf geschädigt wurde und wie oft der Frieden in einem Haus durch verletzende Worte zerstört wurde. Die Quelle all dieser Feindseligkeiten und Beschimpfungen ist nach Jakobus nichts anderes als die Hölle selbst. Ja, unsere Zunge ist »ein Feuer«, und »die Zunge kann kein Mensch bezwingen« ohne das Werk des Heiligen Geistes Gottes.
Halte inne und denke darüber nach, wie viele Worte du in den letzten 24 Stunden benutzt hast und wie sie verwendet wurden. »Tod und Leben steht in der Gewalt der Zunge« – hat eines deiner Worte vielleicht jemandem Schaden zugefügt, jemanden in irgendeiner Weise herabgesetzt? Das ist eine Sünde, die man bereuen und von der man sich abwenden muss. Ist das etwas, das du tun musst, sowohl vor Gott als auch vor der Person, zu der diese Worte gesprochen wurden?
Denk dann über die Worte nach, die du in den nächsten 24 Stunden sprichst. Wie könnten sie dazu verwendet werden, Leben zu bringen? Wie könntest du Den widerspiegeln, von dem Petrus schreibt: »Er hat keine Sünde getan, es ist auch kein Betrug in Seinem Mund gefunden worden« (1.Pt. 2,22)? Im Gegenteil, »als Er geschmäht wurde, schmähte Er nicht wieder, … Er hat unsere Sünden Selbst an Seinem Leib getragen auf dem Holz, damit wir, den Sünden gestorben, der Gerechtigkeit leben mögen« (1.Pt. 2,23-24).
27. FEBRUAR
»Aus ein und demselben Mund geht Loben und Fluchen hervor. Das soll nicht so sein, meine Brüder! Sprudelt auch eine Quelle aus derselben Öffnung Süßes und Bitteres hervor? Kann auch, meine Brüder, ein Feigenbaum Oliven tragen, oder ein Weinstock Feigen? So kann auch eine Quelle nicht salziges und süßes Wasser geben.« – Jakobus 3,10-12
I m Laufe unseres Lebens werden wir mit Ungerechtigkeit, mit Unfreundlichkeit, mit unangenehmen Umständen und oft auch mit unangenehmen Menschen konfrontiert. Bevor wir in solchen Situationen verbal reagieren, tun wir gut daran, uns an diese Wahrheit zu erinnern, die wir von unserem Herrn gelernt haben: Unsere Worte spiegeln unser Herz wider (Mt. 12,34). Wenn unsere Worte nicht christusgemäß sind, müssen wir nicht zuerst auf unseren Mund achten, sondern auf unser Herz. Ebenso ist es ein Zeichen für das Wirken unseres Herrn in uns, wenn wir auf Konflikte und Herausforderungen mit Worten reagieren, die helfen, statt mit solchen, die schaden.
Unsere Zunge hat immense Macht, und wir können sie einsetzen, um zu helfen, zu ermutigen, zu bekräftigen, zu bereichern, zu versöhnen, zu vergeben, zu vereinen, zu beruhigen und zu segnen. Es ist kein Zufall, dass sich so manches aus dem alttestamentlichen Buch der Sprüche auf die Worte bezieht, die wir sprechen. Salomo sagt: »Der Mund des Gerechten ist eine Quelle des Lebens« (Spr. 10,11). Er vergleicht diesen Gebrauch von Worten mit hübschen Ringen, welche eine schöne Trägerin zieren, und mit herrlichen Ornamenten, die die Schönheit eines Hauses unterstreichen (25,12). Seine vielleicht bekannteste Aussage über die Macht der Sprache ist die Feststellung aus Sprüche 25,11: »Wie goldene Äpfel in silbernen Schalen, so ist ein Wort, gesprochen zur rechten Zeit«.
Was macht eine solche lebensspendende Sprache aus? Wie kann unser Mund so sein, dass er anderen Segen bringt? Worte des Segens sind geprägt von Aufrichtigkeit, davon, dass wir »die Wahrheit reden in Liebe« (Eph. 4,15; ELB). Solche Worte sind durchdacht, gesprochen von jemandem, der »überlegt, was [er] antworten soll« (Spr. 15,28). Ihr Gebrauch ist oft sparsam und von Vernunft geprägt: »Wer seine Worte zurückhält, der besitzt Erkenntnis, und wer kühlen Geistes ist, der ist ein weiser Mann« (17,27).
Und natürlich werden hilfreiche Worte sanfte Worte sein. Auch wenn es in einer schwierigen Situation schwerfällt, sich daran zu erinnern, so gilt doch: »Eine sanfte Antwort wendet den Grimm ab« (Spr. 15,1). In der Tat entspringt eine sanfte Antwort aus moralischer Stärke; es erfordert viel mehr Selbstbeherrschung, sanft zu reagieren, als ungezügelter Leidenschaft und Verärgerung nachzugeben.
Was wird deine Worte prägen? Willst du dich dazu verpflichten, deine Zunge – dieses kleine, aber ungemein mächtige Glied deines Körpers – zu gebrauchen, um zu segnen, statt zu fluchen; um Leben zu schenken, statt es zu zerstören, und um zu helfen, statt zu schaden?
Nimm dir heute vor, deine Worte zum Wohl derer zu gebrauchen, mit denen du zu tun hast, indem du Christus in deinem Herzen ehrst und Seinen lieblichen Wohlgeruch in dein Reden einfließen lässt. Gib dann demütig zu, dass du das nicht aus dir selbst heraus tun kannst (Jak. 3,8), und bitte Ihn, dich mit Seinem Geist zu erfüllen – dem Geist, der Frieden, Sanftmut und Selbstbeherrschung sowohl in deinem Herzen als auch in deinem Reden wachsen lässt (Gal. 5,22-23).
28. FEBRUAR
»Ich aber folgte dem HERRN, meinem Gott, ganz nach. Da schwor mir Mose an jenem Tag und sprach: ›Das Land, auf das du mit deinem Fuß getreten bist, soll dein Erbteil sein und das deiner Kinder auf ewig, denn du bist dem HERRN, meinem Gott, ganz nachgefolgt!‹« – Josua 14,8-9
Viele Menschen haben einen glänzenden Start ins Leben, nur um später das zu verlieren, was sie einst so erfolgreich gemacht hat. Vielleicht waren sie als junge Leute sehr bekannt. Im Alter von 40 Jahren war ihr Leben geprägt von Ansehen, Einfluss und Status. In der Gemeinde können wir solche Menschen – ja, können wir uns selbst – als äußerst nützlich für Gott betrachten. Aber allzu oft sind wir dann versucht, Meister von gestern zu werden, indem wir häufig auf die »guten alten Jahre« zurückblicken und uns darüber beschweren, wie die Dinge sich entwickelt haben.
Obwohl das auf viele zutrifft, war das bei Kaleb ganz und gar nicht der Fall: Er entfloh der drohenden Apathie und hielt im Glauben durch. Seine mittleren Lebensjahre verbrachte er in einer nicht gerade wünschenswerten Umgebung. Ab seinem 40. Lebensjahr wanderte er vier Jahrzehnte lang durch die Wüste, weil die Menschen um ihn herum keinen Glauben an Gott hatten. Doch während dieser Zeit der Frustration und des Umherwanderns fand sich bei Kaleb weder Verbitterung noch Groll.
Tatsächlich wurde die Lage schließlich so schlimm, dass das Volk nach einem Anführer suchte, der es in die »guten alten Zeiten« zurückführen sollte (4.Mo. 14,4). Doch niemand braucht wirklich einen Anführer, um rückwärts gehen zu können; man kann einfach zurückgehen! Wir brauchen Anführer, die uns vorwärts treiben. Es gibt ein Morgen. Es gibt Generationen, die noch kommen werden. Es gibt noch Absichten, die sich in Gottes Plan für unsere Welt entfalten werden.
Kaleb offenbart diesen Geist. Das sichtbare Engagement in seinem frühen Leben wurde durch seine Beständigkeit in den mittleren Jahren noch übertroffen. Er war nicht nur mit 40 Jahren engagiert und beständig, sondern auch mit 50, 60 und 70 Jahren. Über die Jahrzehnte hinweg folgte er dem Herrn ganz nach.
Für viele Menschen gehen eine Hochzeit, die Gründung eines Hausstandes, geschäftliche Belange, gesundheitliche Probleme usw. oft mit einem Verlust an geistlichem Eifer und Effektivität einher. Viele haben große Ressourcen, Energie und Weisheit, die sie einsetzen könnten, beschließen aber stattdessen, sich zurückzuziehen und das Werk des Dienstes der nächsten Generation zu überlassen. Wie die Israeliten in der Wüste geben sie sich mit Desinteresse, Kritik und Zynismus zufrieden, ohne den Zerfall ihres eigenen geistlichen Lebens zu erkennen.
Wie steht es mit deinem Engagement, deinen Gesprächen und deiner geistlichen Kraft? Sind sie noch so, wie sie einmal waren? Wie in der Generation Israels in der Wüste, besteht in der Gemeinde heute ein großer Bedarf an erfahrenen Glaubensmännern und -frauen, die ein Leben führen, das von beständigem Engagement geprägt ist, in guten wie in schlechten Zeiten, in und außerhalb der Blütezeit, während sie durch die Jahre hindurch auf das Erbe zugehen, das der Herr Seinen treuen Nachfolgern verheißen hat. Wie sieht das heute bei dir aus? Und wie wird es in zehn Jahren aussehen?
