Kirche hat Zukunft
Weil sie Jesus gehört
Ulrich Parzany
1 Vom Ziel her leben! S. 15 2 Mit Abraham fing es an S. 21 3 Gott hat keine Einzelkinder S. 29 4 Wir fangen nicht bei null an S. 37
10 Mitarbeit am Bau des Hauses Gottes S. 93 11 Die Kirche nimmt teil an Gottes Mission S. 107 12 Die Evangeli sation der Welt ist unsere Aufgabe S. 117
5 Kirche vor Ort und weltweit S. 47
13 Unsere Sün den sind keine Privatsache S. 135
6 Wir sind aufein ander angewiesen S. 53
14 Wölfe im Schafspelz S. 145
7 Werkzeuge, keine Spielzeuge S. 57
15 Das Weizen korn-Prinzip S. 151
8 Warum unser Körper so wichtig ist S. 69
16 Können Kirchen sterben? S. 171
9 Einheit ist Geschenk und Aufgabe S. 75
17 Stimmt in das neue Lied ein! S. 177
2
Ulrich Parzany
Kirche hat Zukunft Weil sie Jesus gehört
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über dnb.de abrufbar. Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme. Der Verlag behält sich die Verwertung der urheberrechtlich geschützten Inhalte dieses Werkes für Zwecke des Text- und Data-Minings nach § 44b UrhG ausdrücklich vor. Jegliche unbefugte Nutzung ist hiermit ausgeschlossen. Bei Fragen zur Produktsicherheit wende dich bitte postalisch oder per E-Mail über die angegebenen Kontaktdaten an uns. Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart © 2026 Verbum Medien gGmbH, Kleines Lohfeld 6 D-32549 Bad Oeynhausen verbum-medien.de info@verbum-medien.de
Lektorat Henry Berg Buchgestaltung Sebastian Hoffmann Satz Satz & Medien Wieser Druck und Bindung Finidr, Tschechien 1. Auflage 2026 Best.-Nr. 8652 528 ISBN 978-3-98665-528-0 E-Book 978-3-98665-529-7 Hörbuch 978-3-98665-530-3 DOI 10.54291/s575457524
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Inhalt Vorwort
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Der Weg zu diesem Buch
11
Vom Ziel her leben!
15
1 2
Mit Abraham fing es an
21
3
Gott hat keine Einzelkinder
29
4
Wir fangen nicht bei null an
37
5
Kirche vor Ort und weltweit
47
6
Wir sind aufeinander angewiesen
53
7
Werkzeuge, keine Spielzeuge
57
8
Warum unser Körper so wichtig ist
69
9
Einheit ist Geschenk und Aufgabe
75
10 Mitarbeit am Bau des Hauses Gottes
93
11
Die Kirche nimmt teil an Gottes Mission
107
12 Die Evangelisation der Welt ist unsere Aufgabe
117
13 Unsere Sünden sind keine Privatsache
135
14 Wölfe im Schafspelz
145
15 Das Weizenkorn-Prinzip
151
16 Können Kirchen sterben? 17
Stimmt in das neue Lied ein!
Endnoten
171 177 187
6
Vorwort
Ulrich Parzany ist ein Phänomen: Der 85-Jährige evangelisiert seit fast 60 Jahren (ab 1967), ist seit knapp 60 Jahren mit derselben Frau glücklich verheiratet und wirkt so fit, als ob er noch nicht 60 wäre. Wie wenig andere hat er Erfahrung in vielen Bereichen, war er doch unter anderem Vikar im Heiligen Land, Jugendpfarrer in Essen, Generalsekretär des CVJM und bis 2013 Hauptredner der größten Evangelisationsbewegung, die Deutschland je erlebt hat: ProChrist. Bedauerlicherweise hat man ihn offensichtlich nicht genug ermutigt, weiterzumachen. Denn ohne ihn hat diese Form der Verkündigung (vor allem über Satellit) stark an Bedeutung verloren. Seit 2016 engagiert sich Parzany auch als Vorsitzender des Netzwerks Bibel und Bekenntnis. Parzany ist der letzte noch aktive Evangelist aus einer Generation, die noch viele auf Bekehrung zielende Prediger hatte: die 60er- bis 90er-Jahre des letzten 7
Kirche hat Zukunft
ahrhunderts. Darunter zählten in der DDR bzw. den J jetzigen östlichen Bundesländern Theo Lehmann (Jahrgang 1934) und Jörg Swoboda (1947) und im Westen Gerhard Bergmann (1914–1981), Anton Schulte (1925–2010), Johannes Hansen (1930–2010), Klaus Vollmer (1930– 2011), Klaus Teschner (1931–2020) und Klaus Eickhoff (1936–2022). Eickhoff, Hansen und Teschner sind Leiter volksmissionarischer Ämter gewesen. So etwas leisteten sich viele Landeskirchen noch bis vor rund 25 Jahren, weil man das Volk eben zu Christus führen wollte. Seitdem ist Evangelisation vielfach zu einem Tabu geworden – auch zunehmend in Freikirchen. Und unter Mission (dem umfassenderen Begriff) läuft heute zu vieles: von der Entwicklungshilfe bis zum Kampf gegen rechts. Untergegangen ist als Ziel, Menschen dafür zu gewinnen, Jesus nachzufolgen. Viele Kirchen gelten als theologisch liberal und politisch einseitig links orientiert. Wenn Bischöfe beispielsweise in Grußworten zum islamischen Fastenmonat Ramadan Jesus verschweigen, wird deutlich, wie wenig selbst Verantwortliche noch wissen, dass sie letztlich allein dem »Herrn der Kirche« verantwortlich sind. Insofern ist das neue Buch von Ulrich Parzany Kirche hat Zukunft nicht nur brandaktuell, sondern auch von grundlegender Bedeutung, legt es doch dar, wie Gott sich Kirche gedacht hat. Es erscheint in einer Zeit, in der sich die einstigen Volkskirchen und auch einige Freikirchen in einer dramatischen Identitätskrise befinden. Gibt es 8
Vorwort
weder Umkehr noch Reformen, dürften manche Kirchen dem Untergang geweiht sein. Die Fakten: Gehörten nach 12 Jahren nationalsozialistischer Diktatur 1946 noch über 90 Prozent der Deutschen einer Kirche an, so sind es jetzt nur noch 45 Prozent. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schrumpfte von knapp 42 Millionen 1950 auf jetzt weniger als 18 Millionen, die römisch-katholische Seite von 25 Millionen auf unter 20 Millionen. Besuchten 1950 noch über 50 Prozent der Deutschen regelmäßig den Sonntagsgottesdienst, sind es gegenwärtig ganze zwei Prozent. In immer mehr Regionen im Westen Deutschlands gehen am Freitag mehr Muslime in die Moschee als Christen am Sonntag in einen Gottesdienst. Laut »Welt online« (21.9.2025) ergeben Studien, dass es im Mutterland der Reformation 2050 – also in nur 24 Jahren – bei gleichbleibender Entwicklung aufgrund der Massenmigration und des Kinderreichtums afrikanischer und asiatischer Zuwanderer »eine islamische Mehrheit geben wird«. Übertrieben? Die deutsche Hauptstadt verzeichnet bereits genauso viele Muslime wie Protestanten, nämlich knapp 11 Prozent. Zum Vergleich: 1950 sind in Berlin 72 Prozent evangelisch gewesen (katholisch 11 Prozent, heute 6,5 Prozent). Laut der jüngsten (2023) Kirchenmitgliedschaftsstudie der EKD halten sich nur noch 13 Prozent der Deutschen für kirchlich-religiös – also selbst viele Kirchenmitglieder nicht mehr. 9
Kirche hat Zukunft
Gleichzeitig zum immer selbstbewusster agierenden Islam fordert ein anderer Trend heraus: Apatheismus. Wenn man apathisch ist, ist einem alles egal. Während der Atheist leugnet, dass es Gott gibt, ist es einem Apatheisten völlig egal. Ein brisantes Buch des katholischen Theologen Jan Loffeld (Utrecht) bringt die Entwicklung schon im Titel auf den Punkt: »Wenn nichts fehlt, wo Gott fehlt« (Herder 2024). Stattdessen triumphieren Ersatz religionen. Das Magazin »Der Spiegel« (13.7.2025) konstatierte: »Hätten 13- bis 28-Jährige einen Gott, würden sie zum Geld beten.« Es geht heute um nichts weniger als um die Zukunft des Christentums überhaupt. Um bei alldem nicht depressiv zu werden, sondern hoffnungsvoll nach vorn zu blicken, zeigt Parzanys neues Buch beispielhaft, konkret und verständlich auf, wie Kirche nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes Zukunft hat – aber auch nur so! Parzany programmatisch: »Die Kirche mit Zukunft ist missionarisch, oder sie ist nicht die Kirche des Jesus Christus.« Ich wünsche deshalb diesem Buch eine weite Verbreitung. Helmut Matthies (Brandenburg an der Havel), Ehrenvorsitzender der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA
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Der Weg zu diesem Buch
Im Jahr 2016 habe ich ein Buch mit dem Titel Was nun, Kirche? Ein großes Schiff in Gefahr veröffentlicht. Es ging darin vor allem um die Lage der evangelischen Landeskirchen. Was damals als Gefahrensituation erkennbar war, hat inzwischen in mancher Hinsicht zum Schiffbruch geführt. Aber keine Panik auf der kirchlichen Titanic. Die Mitgliederzahlen und das Geld der Landeskirchen schmelzen zwar dahin, aber grundsätzliche Fragen über den Kurs werden kaum gestellt. Im Gegenteil, die Leitungen der Kirchen scheinen überzeugt zu sein, dass sie inhaltlich alles richtig machen. Die Kirche steht und fällt aber mit der Voraussetzung, dass die Bibel Gottes Wort und darum Maßstab für Glauben und Leben der Christen und für die Lehre der Kirchen ist. Das scheint auf den Leitungsebenen kaum noch einer zu glauben, obwohl alle 11
Kirche hat Zukunft
Pfarrer nach dem Wortlaut ihres Ordinationsgelübdes genau darauf verpflichtet wurden und werden. Wir haben in den letzten Jahren erlebt, dass sowohl landeskirchliche Gemeinschaften und ihre Verbände als auch freikirchliche Gemeinden und ihre Gemeindebünde von zerstörerischen Kontroversen nicht verschont werden. Theologische Konflikte, die in extrem unterschiedlichen Bibelverständnissen wurzeln, haben bereits weltweit zu Spaltungen von Ortsgemeinden und Kirchenbünden geführt. Ich habe mein Buch 2016 mit dem Kapitel »Kirche voller Hoffnung« geschlossen. Diese Hoffnung habe ich nicht verloren. Im Gegenteil, sie ist stärker als je zuvor. Das zeige ich in diesem Buch. Für Organisationsformen wie die Landeskirchen habe ich allerdings keine Hoffnung. Aber es gilt in der Kirche, was in der Fußballwelt mit dem lockeren Spruch ausgedrückt wurde: »Entscheidend is‹ auf’m Platz!« Entscheidend ist der Bau von Gemeinden vor Ort, die dann mit anderen Gemeinden vernetzt leben, wenn Jesus bei ihnen im Zentrum steht. Welche Organisationsformen diese Netzwerke in Zukunft haben werden, ist offen. Dass die Organisationsform der Landeskirche, die sich aus den Staatskirchen entwickelt hat, Bestand haben wird, halte ich für unwahrscheinlich. Unsere Hoffnung für die Kirche gründet in der Zusage des Herrn Jesus Christus. Die Kirche dieses Herrn hat Zukunft, weil Jesus die Zukunft ist. 12
Der Weg zu diesem Buch
Die Frage ist: Sind wir dabei? Ich schreibe dieses Buch zur Ermutigung und Orientierung für Christen, die sich fragen, wie sie in dieser Zeit und Welt Jesus nachfolgen sollen. Weil der Individualismus uns in unserem Kulturkreis sehr stark bestimmt, ist es nicht selbstverständlich, dass Christen in eine Gemeinde eingebunden leben. Und wo sie es sind, werden sie mit vielen Nöten und Fragen konfrontiert, wie das gemeinschaftliche Leben gestaltet werden kann und soll. Ich schreibe dieses Buch auch für Christen, die in ihren Gemeinden und Kirchen Verantwortung tragen. Viele ermüden unter dieser Last und sind in der Versuchung, aufzugeben. Ich hoffe, dass dieses Buch ihnen Mut macht und sie mit Paulus sagen können: »Darum, weil wir dieses Amt haben nach der Barmherzigkeit, die uns widerfahren ist, werden wir nicht müde« (2 Kor 4,1).
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Vom Ziel her leben!
Wo soll man anfangen, wenn es um die Kirche geht? Ich beginne am Ziel. Ja, wir wissen, wie es am Ende mit der Kirche stehen wird. Besser gesagt, wir wissen, wo sie am Ende stehen wird: vor dem Thron Gottes. Der Herr Jesus hat seinem Apostel Johannes in Zeiten schwerer Bedrängnis der Christengemeinden den Blick in Gottes Herrlichkeit geöffnet. Er sieht das vollendete Volk Gottes aus dem Alten und Neuen Bund vor Gottes Thron stehen. So lesen wir es in der Offenbarung des Johannes, Kapitel 7,9–17: 15
Kirche hat Zukunft
»Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei unserm Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Wesen und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Und einer der Ältesten antwortete und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind sie gekommen? Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind’s, die aus der großen Trübsal kommen und haben ihre Kleider gewaschen und haben sie hell gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern noch dürsten; es wird auch nicht auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; denn das Lamm mitten auf dem Thron wird sie weiden und leiten zu den Quellen lebendi16
1 Vom Ziel her leben!
gen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.«
Das ist das Ziel. Der gekreuzigte und auferstandene Jesus wird hier als das Lamm auf dem Thron Gottes beschrieben. Durch sein Blut, das heißt durch die Hingabe seines Lebens am Kreuz, sind die Jesus-Nachfolger von Sünden gereinigt und mit Gott versöhnt. Sie mussten schwere Trübsal und Verfolgung erleiden, aber jetzt huldigen sie dem lebendigen Gott und beten ihn an. Gott wird alle ihre Tränen abwischen. Sie werden in der Gemeinschaft mit ihm das Leben in Fülle genießen. Keine Not kann die Freude mehr beeinträchtigen. Diese Offenbarung schenkt der auferstandene und erhöhte Herr Jesus Christus seiner Gemeinde durch den Apostel Johannes in einer Zeit schwerer Verfolgung und Anfechtung. Sie soll wissen, dass Jesus der Herr aller Herren und König aller Könige ist. Der Auferstandene hat es seinen Jüngern schon auf dem Berg in Galiläa gesagt: »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden« (Mt 28,18). Alle Kniee werden sich vor ihm beugen und ihn als Herrn anerkennen müssen (vgl. Phil 2,10). Auf dieses Ziel schauen wir als Jesus-Nachfolger. Der Blick auf dieses Ziel bestimmt unser Denken und Handeln. Das deutsche Wort »Kirche« ist von dem altgriechischen Wort kyriakē abgeleitet. Das ist ein Eigenschaftswort und bedeutet »zum Herrn gehörig«. Die Kirche ist die Gemeinschaft der Menschen, die zu dem Herrn Je17
Kirche hat Zukunft
sus Christus gehören. Das sollten wir uns merken. In unserem Sprachgebrauch verstehen wir unter Kirche meistens ein Gebäude oder eine größere Organisation. Im Neuen Testament ist immer von der »Ekklesia«, also der Gemeinde oder der Versammlung der Jesus-Nachfolger, die Rede. Am Ziel steht die vollendete Gemeinde anbetend vor dem Thron Gottes. Und vor diesem Thron Gottes betet sie ausdrücklich Jesus, das Lamm Gottes, an. Von diesem Ziel her erkennen wir das wichtigste Erkennungszeichen der Kirche schon heute: Kirche ist nur da, wo Jesus Christus als der Herr und Retter bekannt und gepriesen wird. Zu dieser Kirche gehören alle Menschen, die durch den stellvertretenden Sühnetod Jesu reingewaschen und gerecht geworden sind. Darum tragen sie die weißen Kleider der Gerechten. Außer der geschenkten Gerechtigkeit kennzeichnet sie ein zweites Merkmal: Hinter ihnen liegt die große Trübsal der Verfolgung. Jetzt aber schwingen sie die Palmenzweige und huldigen dem Sieger Jesus. In Westeuropa erscheint uns die Verfolgung der Christen fern und als Ausnahmesituation. Wir sind gewohnt, in Freiheit zu leben. Jesus aber hat gesagt, dass er seine Jünger wie Schafe unter die Wölfe sendet (vgl. Mt 10,16). Er hat ihnen angekündigt: »Ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen« (Mt 10,22). Er hat vorausgesagt, dass es seinen Nachfolgern wie ihm er gehen wird: 18
1 Vom Ziel her leben!
»Der Jünger steht nicht über dem Meister und der Knecht nicht über seinem Herrn. Es ist für den Jünger genug, dass er werde wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausherrn Beelzebul genannt, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen so nennen! Darum fürchtet euch nicht vor ihnen.« (Mt 10,24–26)
Das klingt nicht nach Ausnahme, sondern nach Normalität. Wir sollten also zur Kenntnis nehmen, dass Feindschaft gegen Christen und ihre Verfolgung typische Kennzeichen der Kirche mit Zukunft sind. Vom Ziel her erkennen wir wichtige Kennzeichen der Kirche mit Zukunft. Sie betet Gott und das Lamm Gottes, den gekreuzigten Jesus, als den Retter und Versöhner an. »Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber« (2 Kor 5,19). Dem stellvertretenden Sühnetod Jesu am Kreuz verdanken die Jesus-Bekenner ihre Gerechtigkeit. Darum ist Anbetung Gottes immer zugleich die Anbetung des Lammes Gottes, Jesus Christus. So wird es am Ziel sein. So ist es in der Kirche mit Zukunft schon heute. Umgekehrt gilt: Eine Kirche, die Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, vergisst und verdrängt, hat keine Zukunft. Weil der gekreuzigte Jesus entscheidend für die Zukunft der Kirche ist, gehört die Verfolgung der Christen laut Jesus ganz normal zu ihrem Leben. Die siegreiche Gemeinde vor dem Thron Gottes in Herrlichkeit kommt 19
Kirche hat Zukunft
aus der schweren Not der Verfolgung. Zeiten ohne Verfolgung sind für Christen eher Ausnahmen als die Regel. Umso wunderbarer ist, was Johannes zu sehen bekommt: »Eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen« (Offb 7,9). Gerhard Maier schreibt in seiner Auslegung zu dieser Stelle: »Für damalige wie für heutige Leser liegt darin ein großer Trost: Gottes Volk ist immer größer als wir denken (vgl. 1 Kön 19,10.14–18).«1 Wer sich zu Jesus bekennt und zu seiner Kirche gehört, ist unterwegs zu diesem Ziel. Aber wann und wo fing die Geschichte der Kirche an?
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