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R.C. Sproul Glaube?

Was ist Glaube?

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über dnb.de abrufbar.

Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme.

TITEL DES ENGLISCHEN ORIGINALS

What is Faith?

© 2010 by R.C. Sproul

Published by Reformation Trust Publishing A division of Ligonier Ministries 421 Ligonier Court, Sanford, FL 32771 This edition published by arrangement with Ligonier Ministries. All rights reserved.

Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart

© 2022 Verbum Medien gGmbH, Bad Oeynhausen verbum-medien.de info@verbum-medien.de

ÜBERSETZUNG

Katie Domke

LEKTORAT

Florian Gostner

BUCHGESTALTUNG

UND SATZ

Annika Felder

1. Auflage 2022

Best.-Nr. 8652030

E-Book 978-3-98665-031-5

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Was ist Glaube?

CHRISTLICHEN GLAUBEN

R.C.

Sproul

FRAGEN ZUM

Hoffnung für die Zukunft

Wenn wir über das Christentum sprechen, nennen wir es eher den »christlichen Glauben« als die »christliche Religion«. Das ist auch richtig so, weil der Glaube für das biblische Verständnis der Erlösung zentral und damit für das Christentum von größter Wichtigkeit ist. Der Begriff »Glaube« ist jedoch ein facettenreiches Konzept, sodass auch überzeugte Christen oft nicht genau erklären können, was genau damit gemeint ist.

In diesem Buch wollen wir uns anschauen, wie der Glaube in der Bibel definiert wird. Dabei legen wir den Fokus darauf, wie der Glaube mit unserer Erlösung zusammenhängt und welche Komponenten für den sogenannten »rettenden Glauben« notwendig sind. Außerdem befassen wir uns mit der Frage, wie Glaube und Vernunft zusammenhängen, sowie mit anderen Fragen, die uns in der Bibel rund um den Glauben begegnen.

Glaube ist die Grundlage unserer Hoffnung

Die grundlegendste Definition für Glauben finden wir im Hebräerbrief: »Der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft, ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Denn durch ihn haben die Alten Zeugnis erlangt« (11,1–2 ELB). Interessant ist hier die Unterscheidung zwischen dem Glauben und der Hoffnung. Die zwei Begriffe sind eng miteinander verbunden und doch verschieden. Auf ähnliche Weise schreibt Paulus in 1. Korinther 13 vom Dreiklang der christlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe. Auch hier wird deutlich, dass es einen Unterschied zwischen Glauben und Hoffnung gibt.

Lasst uns zunächst das biblische Konzept der Hoffnung näher betrachten, da das Wort »Hoffnung« im Neuen Testament anders verwendet wird als in unserer westlichen Gesellschaft. Wenn wir heutzutage das Wort »Hoffnung« verwenden, meinen wir damit in der Regel einen Herzenswunsch. Wir sehnen uns danach, dass in der Zukunft etwas Bestimmtes passiert, sind uns aber nicht sicher, ob es tatsächlich eintreffen wird. Wir können auf den Sieg unserer Lieblingsmannschaft beim nächsten Fußball-, Eishockey oder Footballspiel hoffen, doch diese Hoffnung wird vielleicht nie Wirklichkeit werden. Ich bin zum Beispiel ein

Hoffnung für die Zukunft großer Fan der Pittsburgh Steelers und hoffe immer, dass sie das nächste Spiel gewinnen. Diese Hoffnung mag vergeblich sein, denn sie ist alles andere als eine Gewissheit. Es gibt zwar eine Art von Hoffnung, die uns nicht enttäuscht und beschämt (vgl. Röm 5,5), doch ich muss ständig befürchten, dass meine Hoffnungen für diese Mannschaft enttäuscht werden, denn obwohl sie regelmäßig Meisterschaften gewinnen, verlieren sie manche Spiele auch.

Wenn die Bibel von Hoffnung spricht, ist damit jedoch kein Wunsch gemeint, der ein bestimmtes Ergebnis in der ungewissen Zukunft erträumt. Vielmehr meint Hoffnung in der Bibel die Sehnsucht nach einem zukünftigen Ergebnis, das mit absoluter Sicherheit eintreffen wird. Auf der Grundlage unseres Vertrauens auf Gottes Verheißungen können wir uns des Ausgangs völlig sicher sein. Wenn Gott seinem Volk ein Versprechen für die Zukunft gibt und die Kirche daran festhält, ist diese Hoffnung der »Anker unserer Seele« (Hebräer 6,19). Ein Anker bewahrt ein Schiff vor dem ziellosen Herumtreiben im Meer, und die Verheißungen Gottes für die Zukunft funktionieren für Gläubige in der Gegenwart wie ein solcher Anker.

Wenn die Bibel sagt, »der Glaube aber ist eine Wirklichkeit dessen, was man hofft« (Heb 11,1 ELB, Hervorhebung hinzugefügt), ist von einer Realität die Rede — nicht von Wunschdenken. Im Glauben wird die Hoffnung Wirklichkeit.

Hoffnung ist sozusagen ein Glaube, der in die Zukunft schaut. Das Wort »Glaube« hat einen starken Beigeschmack von Vertrauen. Wenn meine Hoffnung auf Gottes Aussagen über die Zukunft gegründet ist, setze ich mein Vertrauen auf Gott. Dadurch wird meine Hoffnung Wirklichkeit. Hoffnung entsteht durch das Vertrauen auf Gott. Weil ich auf Gottes Versprechen für die Zukunft vertrauen kann, hat meine Hoffnung Gewicht, sie ist nicht nur Einbildung oder Wunschdenken, sondern basiert auf einer Wirklichkeit.

Ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht

Die Definition lautet weiter: »Der Glaube aber ist … ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.« Der Autor des Hebräerbriefes nimmt hier Bezug auf den Sehsinn, durch den wir Dinge wahrnehmen und erkennen können. Heutzutage hört man oft den Satz: »Das glaube ich erst, wenn ich es mit eigenen Augen gesehen habe.« Diese Einstellung ist dem biblischen Verständnis von Glauben nicht entgegengesetzt, denn wir werden im Neuen Testament nicht dazu aufgerufen, dem Evangelium blind zu vertrauen. Wir sollen nicht einfach den Sprung ins kalte Wasser wagen, sondern der Schrift auf Grundlage von Augenzeugenberichten vertrauen.

Man sieht das etwa am Zeugnis des Apostels Petrus: »Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen« (2 Petr 1,16). Lukas beginnt sein Evangelium, das er an Theophilus adressiert, auf ähnliche Weise: »[So] habe auch ich’s für gut gehalten, nachdem ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe, es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter Ordnung aufzuschreiben« (Lk 1,3). Er spricht hier von Dingen, die aufgrund von Augenzeugenberichten belegt sind. Auch Paulus bezieht sich auf Augenzeugen, als er in 1. Korinther 15 seinen Glauben an die Auferstehung verteidigt: »Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden« (V. 3–8). Paulus sagt damit im Grunde: »Ich glaube an die Auferstehung, weil viele Augenzeugen den auferstandenen Christus gesehen haben, und weil auch ich selbst ihn gesehen habe.«

Also gibt es im Neuen Testament einen Zusammenhang zwischen Glauben und Sehen — und dennoch beschreibt der Verfasser des Hebräerbriefes den Glauben als ein Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Vielleicht sind deshalb einige der Meinung, es gebe eine biblische Rechtfertigung dafür, blinden Glauben als etwas Erstrebenswertes zu betrachten. Immerhin bezeichnet man jemanden, der nicht sehen kann, als blind. Wenn der Glaube nun das Überzeugtsein von Dingen ist, die man nicht sieht, müsste hier doch blinder Glaube gemeint sein.

Ich denke aber, dass Hebräer 11,1–2 mit blindem Glauben rein gar nichts zu tun hat. Jene, die blinden Glauben befürworten, sagen damit: »Wir glauben, ohne die geringste Begründung dafür zu haben. Wir glauben grundlos.« Sie meinen, es sei eine besondere Tugend, die Augen zuzukneifen, tief einzuatmen und sich mit aller Kraft zu wünschen, dass etwas wahr ist — und dann zu sagen: »Es ist wahr.« Das ist kein Glaube, sondern Leichtgläubigkeit.

Die Bibel fordert uns jedoch an keiner Stelle auf, einen Sprung in die Finsternis zu wagen. Ganz im Gegenteil sollen Menschen vielmehr aus der Finsternis ins Licht kommen (vgl. Joh 3,19). Der Glaube ist nicht blind in dem Sinne, dass er willkürlich, ungreifbar oder reines Wunschdenken wäre. Wenn er das wäre, warum spricht der Autor des Hebräerbriefes dann von einem »Überzeugtsein« und von einer »Wirklichkeit«?

Hoffnung für die Zukunft

Wenn der Glaube mit der Hoffnung verbunden ist, wird er in den zeitlichen Rahmen der Zukunft gestellt — und etwas, das ich überhaupt nicht sehen kann, ist das Zukünftige. Keiner von uns hat die Zukunft schon erlebt. Wie ich schon sagte, hoffe ich auf das Aufsteigen der Pittsburgh Steelers. Ich kann aber nicht im Voraus wissen, ob sie aufsteigen werden oder nicht.

Im Hebräerbrief hingegen lesen wir, der Glaube ist das Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht. Ein Überzeugtsein ist sicher und greifbar. Es kommt nicht aus dem Nichts. Es basiert auf handfesten Beweisen. Und Beweise sind das, was Polizeibeamte an einem Tatort sammeln und untersuchen — Fingerabdrücke, Schmauchspuren, zurückgelassene Kleidungsstücke usw. All diese Dinge sind sichtbar und weisen über sich selbst hinaus auf eine wichtige Wahrheit hin. Deshalb analysieren die Menschen die Beweise.

Die Überlegung lautet also: Ich weiß nicht, was morgen sein wird, aber ich weiß, dass Gott es weiß. Wenn Gott also für morgen etwas verspricht und ich Gott vertraue, glaube ich an etwas, das ich noch nicht gesehen habe. Der Glaube ist ein Überzeugtsein, weil er auf Gott gerichtet ist. Ich kenne ihn: Er ist unfehlbar, er hat noch nie versagt und er lügt nie. Gott weiß alles und seine Offenbarung ist vollkommen. Wenn Gott mir also sagt, was morgen sein wird, glaube ich ihm, obwohl ich es noch nicht selbst gesehen habe. Das ist nicht naiv oder unvernünftig. Im Gegenteil, es ist unvernünftig, etwas nicht zu glauben, was Gott über die Zukunft sagt.

Was sagt Gott nun über die Zukunft? Er offenbart uns nicht nur zukünftige Ereignisse, die wir noch nicht gesehen haben, sondern auch übernatürliche Dinge, die für unsere Augen nicht erkennbar sind. Noch können wir keine Engel sehen. Noch können wir den Himmel nicht sehen. Aber Gott offenbart uns die Existenz dieser Dinge und durch den Glauben wissen wir, dass sie Wirklichkeit sind, weil Gott glaubwürdig ist.

Glaube bedeutet, Gott zu glauben

Als Gott Abraham erschien, der als Vater aller Gläubigen bezeichnet wird (vgl. Röm 4,16), sprach er zu ihm über die Zukunft: »Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden« (1 Mose 12,1–3).

Abraham glaubte Gott. Er machte sich auf den Weg, ohne das Ziel zu kennen. Er begab sich auf eine Reise in ein unbekanntes Land und in eine unbekannte Zukunft. Im Neuen Testament lesen wir: »Er wartete auf die Stadt, die

Hoffnung für die Zukunft einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist« (Hebr 11,10).

Abraham war nicht auf abenteuerlicher Schatzsuche, getrieben von der Legende einer Piratenbande, die angeblich in einer Höhle mitten im Nirgendwo Gold versteckte. Abraham suchte einen Ort, weil Gott ihm gesagt hatte, er würde ihm den Ort zeigen. Er vertraute Gott in dem, was er noch nicht gesehen hatte, und wurde damit zum Vater aller Gläubigen.

Wie Abraham sind auch wir Pilger und Fremdlinge in dieser Welt und suchen nach der himmlischen Stadt, dessen Baumeister und Schöpfer Gott ist. Wir haben diese Stadt noch nicht gesehen, doch wir wissen, dass sie existiert. Damit vertrauen wir dem, der versprochen hat, uns dorthin zu bringen.

Das ist das Wesen des Glaubens. Glaube bedeutet nicht, an Gott zu glauben, sondern Gott zu glauben. Und im christlichen Leben dreht sich alles darum, Gott zu glauben: Es geht darum, von allem, was aus dem Mund des Herrn geht, zu leben (vgl. 5 Mose 8,3; Mt 4,4). Es geht darum, ihm an Orte zu folgen, an denen wir noch nie waren, in Situationen, die wir noch nie erlebt haben, in Länder, die wir noch nie gesehen haben — weil wir wissen, wer er ist.

Das ist der Glaube, den die Bibel kindlich nennt — nicht kindisch, sondern kindlich. Als wir noch Kleinkinder waren,

wussten wir noch nicht, was sicher und was gefährlich ist. Wenn wir also mit unseren Eltern unterwegs waren, nahmen sie uns an die Hand. Wir kannten den Unterschied zwischen einer roten und einer grünen Ampel noch nicht. Doch unsere Eltern halfen uns. Wenn sie stehen blieben, blieben wir auch stehen. Wenn sie die Straße überquerten, überquerten auch wir die Straße. Wir vertrauten unseren Eltern, weil wir unter ihrer Obhut standen.

Traurigerweise gibt es Eltern, die das Vertrauen ihrer Kinder missbrauchen. Sie schlagen oder misshandeln sie. Dennoch ist das Vertrauen eines Kindes in seine Mutter und seinen Vater in den meisten Fällen nicht unvernünftig. Auf gleiche Weise sind wir dazu berufen, Gott zu vertrauen und zu wissen, dass er auf uns achtgibt. Er wird uns nicht ins Verderben stürzen. Der kindliche Glaube hat Vertrauen in den Charakter von Gott, der uns als seine Kinder ansieht.

Die Pilgerreise des christlichen Lebens ist eine des Glaubens. Sie beginnt dort, wo Gott den Glauben in unseren Herzen erweckt. Zu Beginn unseres Christseins werfen wir uns auf Christus und vertrauen darauf, dass er uns rettet. Doch auch das gesamte christliche Leben danach basiert und baut auf diesem Vertrauen und dieser Zuversicht. Der ganze Weg ist durch das Leben im Glauben gekennzeichnet (vgl. Kol 2,6). Deshalb sagt Gott dem Propheten Habakuk: »Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben.«

Hoffnung für die Zukunft

Habakuk war fassungslos, als Gott zuließ, dass sein auserwähltes Volk von einer heidnischen Nation besiegt und unterdrückt wurde. Er beschloss, auf seinen Wachturm zu steigen und auf Gottes Erklärung zu warten:

»Auf meiner Warte will ich stehen und mich auf meinen Turm stellen und Ausschau halten und sehen, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe. Der HERR aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du schaust, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüberläuft! Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben. Siehe, wer halsstarrig ist, der wird keine Ruhe in seinem Herzen haben, der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben.« (Hab 2,1–4)

Diese vermeintlich unscheinbare Aussage, »der Gerechte wird durch seinen Glauben leben«, wird im Neuen Testament dreimal zitiert (in Röm 1,17; Gal 3,11; Hebr 10,38) und ist ein zentrales Thema in den Paulusbriefen. Das bedeutet, dass es Gott gefällt, wenn Menschen im Vertrauen auf ihn leben.

Gott sagt Habakuk im Grunde: »Ich werde deine Frage beantworten, aber nicht sofort. Du musst warten. Doch während du wartest, denk daran, dass du ganz gewiss eine Antwort erhalten wirst.« Gott stellt dem dann einen

hochmütigen Menschen gegenüber, der nicht aufrichtig ist: Er lebt auf Sicht und gemäß den Dingen, die unmittelbar vor ihm sind. Er hat keine Zeit, auf Gottes unsichtbare Versprechen zu vertrauen. Im starken Gegensatz dazu lebt der Mensch des Glaubens. Auch wenn die Verheißungen Gottes auf sich warten lassen, werden sie doch mit Sicherheit in Erfüllung gehen. Und der Gerechte in Gottes Augen ist derjenige, der aus dem Glauben lebt.

Dass der Gerechte durch seinen Glauben leben wird, kommt auch in Jesu Auseinandersetzung mit Satan in der Wüste zum Ausdruck. Dort macht Jesus dem Teufel klar, »der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht« (Mt 4,4). Zu sagen, man lebt von einem jeden Wort, das Gott spricht, ist das gleiche, wie zu sagen, man lebt durch Glauben. Wir nehmen Gott beim Wort. Wir vertrauen ihm unser Leben, unseren Körper und unsere Seele an. Wir leben nach seinen Werten, seinen Plänen und seinem Wort.

Glaube und Beweise

In seiner weiteren Erklärung des Glaubens lenkt der Verfasser des Hebräerbriefes die Aufmerksamkeit der Leser auf eine der erstaunlichsten Dinge, die wir mit den Augen wahrnehmen können: das Universum, in dem wir leben. Er sagt: »Durch den Glauben erkennen wir, dass

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