sie mich verstanden hatten oder nicht, sie kamen weinend und schluchzend nach vorne und suchten die Berührung mit Gott. Während sie beteten, dachte ich: „Oh Gott, unsere Gemeinden sollten diese Kinder sehen, sie könnten so viel von ihnen lernen.“ Eine Dreijährige betete. Weißt du, was sie durch den Heiligen Geist gewirkt flehte? „Gott, errette Indien!“ Wenn ein dreijähriges bitterarmes Waisenkind Fürbitte für sein Land tut, dann kann das nur durch den Heiligen Geist gewirkt sein. Manchmal bringt uns Gott in Schlamassel, damit wir endlich anfangen zu fragen; nicht um logische Schlussfolgerungen zu ziehen oder um zu zweifeln, nein, wir sollten anfangen, nach der Bestimmung unseres Lebens zu fragen!
27. Oktober
Es ist Zeit, den Besitz zurückzuerobern Richter 7,9–11: Und es geschah in derselben Nacht, da sprach der Herr zu ihm: Steh auf und geh ins Lager hinab; denn ich habe es in deine Hand gegeben! Fürchtest du dich aber hinabzugehen, so lass deinen Burschen Pura mit dir ins Lager hinuntersteigen, damit du hörst, was sie reden. Dann werden deine Hände erstarken, dass du gegen das Lager hinabziehen wirst! Da stieg Gideon mit seinem Burschen Pura hinunter, bis zu den äußersten Vorposten, die zum Lager gehörten. Gideon gehörte zum Stamm Manasse, sein Name bedeutet Großer Kämpfer. Aber Gideon lebte nicht seinem Namen gemäß, er fürchtete sich vor den Midianitern und drosch den Weizen deshalb heimlich in der Kelter. Die Israeliten lebten zu der Zeit auf den Bergen und versteckten sich in Höhlen und Bergfesten (s. Richter 6,2). Wie geht es uns heute, leben nicht auch viele von uns auf den Bergen des Herrn und wir sind dennoch Höhlenbewohner? Wir ziehen uns ganz schnell zurück, sobald Attacken kommen, denn wir wissen nicht, wie wir dem Feind entgegentreten können. Wir beten und leben in den Höhlen unserer Humanität, 54 | Es ist Zeit, den Besitz zurückzuerobern
weil wir nicht die richtige Denkweise bzw. Gesinnung haben. Deshalb sehen wir auch keinen Ausweg und keine Errettung. Als der Engel des Herrn Gideon erschien und ihn ansprach, erwiderte Gideon, Richter 6,14–15: Der Herr aber wandte sich zu ihm und sprach: Geh hin in dieser deiner Kraft; Du sollst Israel aus der Hand der Midianiter erretten! Habe ich dich nicht gesandt? Er aber sprach zu ihm: Ach, mein Herr, womit soll ich Israel erretten? Siehe, meine Sippe ist die geringste in Manasse, und ich bin der Kleinste im Haus meines Vaters! Gideon antwortete auf die Weise, wie er über sich selbst dachte. Manasse war zwar der Erstgeborene Josefs, aber Jakob segnete ihn als den Zweitgeborenen (s. 1. Mose 48,14). Als Manasse und Ephraim vor Jakob standen, kreuzte Israel (Jakob) seine Hände und Josef wurde darüber ärgerlich, denn er kannte das Gesetz und wusste, dass das Erstgeburtsrecht dem Älteren gehört. Jakob gab keinerlei Grund für sein Handeln an, er segnete einfach. Ich fragte den Herrn: „Gott, warum? Ich verstehe Ismael und verstehe Esau, aber das hier verstehe ich nicht.“ Plötzlich begriff ich die Tragweite dieser Segnung. Es geht um den Namen Manasse, er bedeutet Er lässt mich vergessen. Es hatte etwas mit der Denkweise von Josef zu tun; mit der Art, wie er über Manasse dachte. Er hatte damals nach der Geburt seinen kleinen Sohn auf die Arme genommen und ihn liebkost, weil er durch ihn vergessen konnte. Er konnte den Betrug durch seine Brüder, die Sklaverei, die Zurückweisung und all seine Verletzungen vergessen. Als Josef sein zweiter Sohn – Ephraim – geboren wurde, ging es ihm nicht mehr um das Vergessen, er wurde doppelt fruchtbar. Wie können wir doppelt fruchtbar werden? Wenn wir vergessen können, haben wir eine Zukunft, eine Bestimmung. Josef sprach zu seinen Kindern, als sie bei ihm standen, 1. Mose 50,25: Und Joseph nahm einen Eid von den Söhnen Israels und sprach: Gewisslich wird Gott euch heimsuchen, und ihr sollt dann meine Gebeine von hier hinaufbringen! Es gibt eine Bestimmung in der Bestimmung, Joseph wollte nicht in Ägypten begraben bleiben, seine Kinder nahmen seine Gebeine mit in das Verheißene Land. Es ist Zeit, den Besitz zurückzuerobern | 55
Die hebräische Erklärung des Wortes Manasse ist: Zurückerlangung deines Erbe unter schwierigen Umständen in der Abwesenheit von Freunden und deiner Lieben. Wir gewinnen unser Erbe tatsächlich nur dann zurück, wenn wir unsere Denkweise verändern. Das finden wir auch im Hohelied in der Szene, als der Geliebte – ein Sinnbild für Jesus – plötzlich (s. Hohelied 5,6) verschwunden ist. Er möchte das Denken seiner Geliebten verändern und erweitern. Ihre Gesinnung musste sich radikal ändern; sie durfte nicht mehr länger erwarten, dass ihr Geliebter zu ihr kommt, sondern musste begreifen, dass sie ihm folgen muss, ohne Schuhe und ohne sich für ihn schön zu machen. Sie wollte, dass ihr Geliebter sie besucht, denn sie war liebeskrank, und deshalb musste sie sich ändern, ihre Argumente und das „nach einem Grund suchen“ aufgeben und sich aufmachen, um ihm zu folgen. Erst dann konnte Gott tun, was er tun wollte. Gott gab dem Stamm Manasse die Gelegenheit, Besitz wieder zurückzugewinnen. Das bedeutete aber nicht zusätzlichen Landgewinn – Manasse war ohnehin größer als Ephraim –, sondern es ging um ihre Identität, die Weise, wie sie über sich dachten. Das Überkreuzen der Hände Jakobs hatte Einfluss auf ihr Denken. Gideon hatte gesagt: „Meine Sippe ist die geringste“. Das sprach er nicht aus, weil sie nur wenige Menschen oder ein kleines Land hatten, nein, sondern weil sie sich selbst immer noch als die Geringsten betrachteten. Ihr Denken wurde durch einen Mann geprägt, der der Stimme Gottes gehorcht hatte. Doch Gott kannte die Bestimmung und die Aufgabe innerhalb der Bestimmung, er wollte die Stärke in Manasse wieder hervorbringen, damit sie ihr Erbe und ihre Aufgabe wieder zurückerobern konnten.
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28. Oktober
Übernimm die Denkweise Gottes Gideon musste die Furchtsamen aus seiner Armee aussortieren, denn Furcht wirkt ansteckend, sie ist eine Plage. Wir erleben das genauso in der Gemeinde, wenn furchtsame Menschen da sind, kann der Glaube nicht in Aktion treten. Das Glaubensleben ist ein ständiger Prozess; es ist wie ein Baum, nicht nur wie ein einzelner Ast. Wenn der Same bewässert wird, wächst er zum Baum heran und bringt schließlich Frucht. Gott sagte zu Gideon – Richter 7,10: Fürchtest du dich aber hinabzugehen, so lass deinen Burschen Pura mit dir ins Lager hinuntersteigen. Wisst ihr, dass Israel die erste Nation war, die nachts kämpfte? Es gibt Berichte aus dem Ersten Weltkrieg, aus denen hervorgeht, dass nachts nicht gekämpft wurde. Die russischen und deutschen Soldaten saßen nachts in den Schützengräben; sie spielten miteinander Karten, am anderen Tag jedoch brachten sie sich gegenseitig um. Gott gab Israel eine besondere Taktik für den Nachtangriff und sie machten Fortschritte, weil sie die Denkweise Gottes übernahmen. Richter 7,13: Als nun Gideon kam, siehe, da erzählte einer dem anderen einen Traum und sprach: Siehe, ich habe einen Traum gehabt; und siehe, ein Laib Gerstenbrot wälzte sich zum Lager der Midianiter; und als er an die Zelte kam, schlug er sie und warf sie nieder, so dass sie umstürzten; und er kehrte sie um, das Unterste zuoberst, und die Zelte lagen da. Ein Laib Brot war damals grundsätzlich rund – wie ein Rad, und Gerstenbrot war ein Grundnahrungsmittel und die übliche Nahrung für „Normalbürger“. Wenn wir nicht anfangen und das Grundnahrungsmittel „Brot“ genießen lernen, werden wir es nicht bis zum königlichen Leckerbissen schaffen. Unser Geschmackssinn steigert sich allmählich, bis hin zum Feinschmecker. Dieser Level bleibt jedoch unerreichbar, wenn wir uns nicht die grundsätzlichen, Übernimm die Denkweise Gottes | 57
elementaren Dinge aneignen. Das Wichtigste ist unsere Denkweise, wie wir über Gott denken. Sie hatten also einen Traum und sahen einen Gerstenlaib den Hang herunterrollen. Gideon spähte aus seinem Versteck auf die Menge der Midianiter und Amalekiter und hörte, wie sie sich den Traum und zugleich die Auslegung erzählten. Indem er zuhörte, wandelte er sich von einem, der sagte: „Meine Sippe ist die geringste“ zu einem Eroberer seines Erbes. Er erhob sich und forderte seine Leute auf – Richter 7,15: Macht euch auf, denn der Herr hat das Lager der Midianiter in eure Hand gegeben! Er veränderte sein Denken! Das musste geschehen, bevor er in diesen Krieg ziehen konnte; in einen Krieg, den er ohne Schwert oder irgendeine andere Waffe führen musste. Dreihundert Männer, leere Krüge mit brennenden Fackeln und Schopharhörner waren ihre ganze Ausrüstung. Um damit in einen Krieg zu ziehen, braucht es wirklich ein vollständig verändertes Denken! Die meisten von uns wünschen sich, dass Jesus sie „umschließt“, aber die Voraussetzung ist: Wir müssen zuerst Jesus umschließen. Deshalb sollte sich unser ganzes Denken um Jesus drehen; wir sollten stets über ihn nachdenken. Die Gemeinde wird uns als Frau beschrieben, als eine Gehilfin, die die Absichten Gottes erfüllen soll. Weißt du, was es bedeutet, eine Gehilfin zu sein? Viele verstehen unter Gehilfin jemanden, der für sie kocht. Doch das war nicht Gottes Idee. Eva war Adams Gehilfin; doch sie musste weder kochen noch Kleider waschen, ja, sie hatte zunächst auch keine Kinder – 1. Mose 2,18 (Luther): Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. Eva sollte „um Adam herum sein“. Die Gemeinde ist eine Gehilfin, die die Absichten Gottes erfüllen soll. Wir erfüllen diese nicht, indem wir die Gemeinderäume putzen oder sonst was Nützliches tun; auch nicht, wenn wir im Chor singen oder unsere Gaben nutzen, um gut dazustehen. 58 | Übernimm die Denkweise Gottes