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Watchman Nee Das normale Christenleben

Watchman Nee

Das normale Christenleben

›Der Strom‹


Inhalt

ISBN 3-88083-996-4 Übersetzt aus dem Englischen Originaltitel: The Normal Christian Life Copyright Kingsway Publications, Ltd. Copyright der deutschsprachigen Gesamtausgabe 1995 Verlag ›Der Strom‹ GmbH, D-70599 Stuttgart

Vorwort

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1.

Das Blut Christi

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2.

Das Kreuz Christi

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3.

Der erste Schritt: die Tatsachen erkennen

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4.

Der zweite Schritt: sich einschätzen

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5.

Die große Scheidung durch das Kreuz

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6.

Der dritte Schritt: unsere Hingabe an Gott 88

7.

Der ewige Vorsatz

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8.

Der Heilige Geist

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9.

Die Bedeutung von Römer 7

133

10.

Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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11.

Ein Leib in Christus

178

12.

Das Kreuz und das Seelenleben

197

13.

Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

217

14.

Das Ziel des Evangeliums

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Vorwort

Vorwort

Der Dienst W. Nees war im englischen Sprachraum bis zur Veröffentlichung des ,,Normalen Christenlebens“ 1957 in Bombay nur durch Mitschriften seiner gesprochenen Botschaften bekannt, die in Traktaten und Zeitschriften veröffentlicht worden waren. Dieses erste Buch nun in englischer Sprache wurde damals sofort allerorten willkommen geheißen. Es enthält eine Sammlung von Ansprachen, die W. Nee während und kurz nach seiner Reise nach Europa in den Jahren 1938 und 1939 gehalten hat. Die Herausgabe erfolgte aufgrund von persönlichen Mitschriften in Abwesenheit des Autors. Im Jahre 1920, als der Student Nee To-sheng anläßlich des Besuchs eines chinesischen Evangelisten in seiner Heimatstadt Fuchow den Herrn Jesus Christus als seinen Retter fand, gab er sich Gott sogleich vorbehaltlos zum Werk unter seinen Landsleuten hin. Im Laufe der Jahre wurde er als ein begabter Evangelist und ausgezeichneter Ausleger der Heiligen Schrift in China bekannt, dessen Dienst beachtliche Frucht in einzelnen Christen und ebenso in vielen Gruppen von Christen trug. Dieses Buch zeigt W. Nees persönliches Verständnis des Christenlebens gegen Ende der ersten Jahre seines hingebungsvollen Dienstes für seinen Herrn. In den darauf folgenden zwanzig Jahren ging die Gemeinde Gottes in China wiederholt durch Zeiten allerschwerster Prüfungen mit nur kurzen Zeiten des Aufatmens hindurch. Gemeinsam mit vielen seiner Mitarbeiter und Mitzeugen erhielt er bis zum 7

heutigen Tag vollen Anteil an diesen Erfahrungen der Gemeinden. Daher überrascht es nicht, daß sein Dienst uns heute immer noch voller Frische und Kraft erreicht. Viele Leser haben bereits von den Veränderungen berichtet, die in ihrem Leben durch die erneute Entdeckung der Größe Christi und seines am Kreuz vollbrachten Werkes gewirkt wurden. Der Ruf nach einer Neuauflage ermöglichte nun eine weitere sorgfältige Überarbeitung des Textes. Der Leser sei noch einmal daran erinnert, daß es sich um eine Sammlung gesprochener Botschaften und nicht, wie es bei oberflächlicher Betrachtung scheint, eine systematische Abhandlung christlicher Lehren handelt. Bei der Lektüre sollte nicht die intellektuelle Bereicherung im Vordergrund stehen, sondern die Botschaft Gottes an das Herz. Auf diese Weise wird der Geist Gottes selbst in seiner herausfordernden Kraft durch dieses Buch zu uns sprechen können. Angus I. Kinnear London 1961

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Das Blut Christi

Kapitel 1

Das Blut Christi

zweifachen Stellvertretung sprechen: sein stellvertretender Tod am Kreuz, der uns Vergebung erwirkt, und sein stellvertretendes Leben in uns, das uns den Sieg verschafft. Es wird uns eine große Hilfe sein und uns vor mancher Verirrung bewahren, wenn wir uns beständig vor Augen halten, daß Gott alle unsere Fragen nur auf eine einzige Art und Weise beantwortet, nämlich, indem er uns mehr von seinem Sohn zeigt.

Unser zweifaches Problem: die Sünden und die Sünde Was ist das: ein normales Christenleben? Es ist gut, sich gleich von vornherein diese Frage zu stellen. In der folgenden Betrachtung wollen wir zeigen, daß es sich durchaus von dem Leben des durchschnittlichen Christen unterscheidet. Tatsächlich drängt sich uns beim Lesen des geschriebenen Wortes Gottes – wie etwa der Bergpredigt – die Frage auf, ob ein solches Leben überhaupt je auf Erden gelebt wurde außer von dem Sohn Gottes selbst. Aber gerade diese Einschränkung enthält bereits die Antwort auf unsere Frage. In Galater 2:20 gibt uns der Apostel Paulus seine Definition eines Christenlebens: ,,Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Er beschreibt damit nichts Außergewöhnliches oder Eigenartiges im Sinne eines besonders hochentwickelten Christenlebens, sondern vielmehr Gottes Norm für den Christen schlechthin, die kurz gefaßt so lautet: Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt sein Leben in mir. Gott macht es in seinem Wort ganz klar, daß er auf jedes menschliche Problem nur eine Antwort hat: seinen Sohn Jesus Christus. All sein Handeln an uns besteht darin, daß er uns beseitigt und Christus an unsere Stelle setzt. Der Sohn Gottes starb an unserer Statt, damit wir Vergebung erlangten. Er lebt an unserer Statt, damit wir befreit werden. So können wir von einer

Wir gehen bei unserer Betrachtung von der umfassenden Darstellung des normalen Christenlebens aus, die wir in den ersten acht Kapiteln des Römerbriefes finden, und werden sie von der praktischen Erfahrung her beleuchten. Die Kapitel 1 bis 8 des Römerbriefes bilden eine in sich geschlossene Einheit und lassen sich in zwei Abschnitte gliedern, deren beider Themen völlig Unterschiedliches behandeln. Der erste Abschnitt reicht bis Kapitel 5:11 und der zweite von Kapitel 5:12 bis 8:39. Im ersten Teil wird vorzugsweise das Mehrzahlwort ,,Sünden“ gebraucht, wohingegen im zweiten immer wieder von der ,,Sünde“ in der Einzahl, aber kaum einmal von den ,,Sünden“ die Rede ist. Warum? Der erste Teil handelt von den zahlreichen und aufzählbaren Sünden, die ich vor Gott begangen habe, während im zweiten Teil die Sünde als ein Prinzip, das in mir wirkt, beschrieben wird. Gleichgültig, wie viele Sünden ich begehe, es ist immer dieses eine Prinzip der Sünde, das mich dazu treibt. Für meine Sünden brauche ich Vergebung, aber um der Macht der Sünde zu entrinnen, brauche ich Befreiung. Das erstere betrifft mein Gewissen, das letztere mein Leben. Es mag sein, daß mir alle meine Sünden vergeben sind, daß ich aber wegen meiner Sünde trotzdem den bleibenden Frieden in meiner Seele nicht finde.

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Das Blut Christi

Das Blut Christi

Wenn Gottes Licht zum ersten Mal in mein Herz hineinscheint und ich erkenne, daß ich vor ihm gesündigt habe, so flehe ich um Vergebung. Habe ich aber einmal Vergebung der Sünden erlangt, mache ich eine neue Entdeckung: die der Sünde. Ich werde gewahr, daß ich nicht nur gegen Gott gesündigt habe, sondern daß auch tief in mir etwas verkehrt ist. Ich trage die Natur eines Sünders in mir, eine Neigung zur Sünde, eine innere Macht, die mich zur Sünde hinzieht. Wenn diese Macht wirksam wird, begehe ich Sünden. Ich mag vielleicht Vergebung der Sünden erbitten und auch erlangen, doch dann sündige ich erneut. So drehe ich mich nur im Kreis von Sündigen, Vergebung, und wieder Sündigen. Zwar erfasse ich dankbar die kostbare Tatsache der göttlichen Vergebung, doch brauche ich mehr: ich brauche Befreiung. Ich bedarf der Vergebung für das, was ich getan habe, aber ich brauche zusätzlich die Befreiung von dem, was ich bin.

es hauptsächlich um den Aspekt seines Werkes, der durch das Kreuz dargestellt wird, d. h. durch unsere Einheit mit dem Herrn in seinem Tod, seinem Begrabensein und seiner Auferstehung. Diese Unterscheidung ist wesentlich. Sie zeigt, daß das Blut unsere Taten behandelt, während das Kreuz das behandelt, was wir sind. Das Blut nimmt unsere Sünden hinweg, während durch das Kreuz Hand an die Wurzel unserer Fähigkeit zur Sünde gelegt wird. Auf das letztere werden wir in späteren Kapiteln noch zurückkommen.

Das Problem unserer Sünden

In den ersten acht Kapiteln des Römerbriefes werden uns also zwei Aspekte der Errettung gezeigt: erstens die Vergebung unserer Sünden und zweitens die Befreiung von der Sünde. Darüber hinaus müssen wir aber nun einen weiteren Unterschied erkennen. Im ersten Teil des genannten Abschnittes wird das Blut des Herrn Jesus zweimal erwähnt (Kapitel 3:25 und 5:9). Im zweiten Teil wird in Kapitel 6:6 ein neuer Gedanke entwickelt, nämlich, daß wir mit Christus gekreuzigt wurden. Zunächst wird also der Aspekt des Werkes des Herrn beleuchtet, der durch das Blut dargestellt wird, das für unsere Rechtfertigung zur Vergebung der Sünden vergossen wurde. Diese Wendungen werden im zweiten Teil jedoch nicht mehr wieder aufgegriffen. Dort geht

Anhand der folgenden Schriftstellen wollen wir nun zuerst das kostbare Blut des Herrn Jesus Christus betrachten und dessen Wert für uns bei der Behandlung unserer Sünden und unserer Rechtfertigung vor Gott. Dies wird uns in den folgenden Versen gezeigt: ,,Alle haben gesündigt“ (Röm. 3:23). ,,Gott aber erweist seine Liebe gegen uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr nun werden wir durch ihn vom Zorn errettet werden, nachdem wir jetzt in seinem Blut gerechtfertigt worden sind!“ (Röm. 5: 8-9). ,,Und werden ohne Verdienst gerechtfertigt aus seiner Gnade durch die Erlösung in Christus Jesus: Ihn hat Gott hingestellt als Sühnedeckel durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit – weil die vorher geschehenen Sünden durch Gottes Nachsicht ungestraft geblieben waren –, zum Erweis seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, damit er allein gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens Jesu ist“ (Röm. 3:24-26). In späteren Kapiteln werden wir die wahre Natur des Falles und seine Wiederherstellung genauer betrachten. An dieser Stelle wollen wir uns nur vor Augen führen, daß die Sünde sich

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Gottes zweifache Antwort: das Blut und das Kreuz


Das Blut Christi

Das Blut Christi

bei ihrem ersten Auftreten im Ungehorsam Gott gegenüber äußerte (Röm. 5:19). Vergeßt nicht, daß unmittelbar auf ein solches Ereignis immer Schuldbewußtsein folgt. Die Sünde tritt als Ungehorsam auf und verursacht zunächst eine Trennung zwischen Gott und dem Menschen, wobei der Mensch von Gott abgeschnitten wird. Gott kann aufgrund des Hindernisses, das in der ganzen Schrift als ,,Sünde“ bezeichnet wird, keine Gemeinschaft mehr mit dem Menschen haben. So ist es also zunächst Gott, der sagen muß, ,,daß sie alle unter der Sünde sind“ (Röm. 3:9). Erst an zweiter Stelle verursacht die Sünde, die von diesem Zeitpunkt an ein Hindernis für die Gemeinschaft des Menschen mit Gott darstellt, in ihm ein Schuldgefühl, eine Entfremdung Gott gegenüber. Nun ist sich der Mensch durch sein erwachtes Gewissen selbst bewußt: ,,Ich habe gesündigt“ (Luk. 15:18). Dies ist aber noch nicht alles, denn die Sünde gibt auch Satan Grund zur Anklage vor Gott, während unser Schuldgefühl ihm Grund zur Anklage in unserem Herzen gibt. Drittens kommt also der ,,Verkläger unserer Brüder“ (Offb. 12:10) mit ins Spiel, der nun spricht: ,,Du hast gesündigt.“ Um uns zu erlösen und uns zum Vorsatz Gottes zurückzubringen, mußte der Herr Jesus diese drei Probleme – das der Sünde, das des Schuldgefühls und das der Anklage Satans gegen uns – lösen. Zunächst mußten unsere Sünden beseitigt werden – dies geschah durch das kostbare Blut Christi. Unser Schuldgefühl mußte beseitigt, d. h. unser schuldbeladenes Gewissen beruhigt werden, und dies konnte erst geschehen, als wir die Kraft des Blutes erkannten. Schließlich begegnet das Blut Christi auch den Angriffen und Anklagen Satans. Wir sehen in der Schrift, daß das Blut des Herrn auf allen drei Gebieten wirksam ist – gegenüber Gott, gegenüber dem Menschen und gegenüber Satan. Die Kostbarkeit des Blutes muß uns deshalb stets bewußt sein, wenn wir vorangehen wollen. Dies ist außerordentlich wichtig. Wir müssen unbedingt erkennen, daß der Tod unseres

Herrn Jesus am Kreuz ein stellvertretender Tod war, und wir müssen ebenso die Wirksamkeit seines Blutes für unsere Sünden begreifen. Ohne diese Grundlage können wir als Christen unseren Lauf nicht beginnen. Laßt uns im folgenden diese drei Aspekte genauer betrachten.

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Das Blut stellt zuallererst Gott zufrieden Das Blut bewirkt Versöhnung und betrifft zunächst unseren Stand vor Gott. Wir brauchen Vergebung für die von uns begangenen Sünden, damit wir nicht gerichtet werden. Und sie werden uns tatsächlich vergeben, nicht weil Gott unsere Übertretungen großzügig übersieht, sondern weil er das Blut ansieht. Daher ist die Wirkung des Blutes nicht hauptsächlich auf uns gerichtet, sondern auf Gott. Wenn ich den Wert des Blutes begreifen will, muß ich Gottes Wertschätzung dafür kennen. Wenn ich mir nämlich des Wertes, den Gott dem Blut beimißt, nicht bewußt bin, kann ich auch niemals seinen Wert für mich erfassen. Erst wenn mir durch seinen Heiligen Geist Gottes Wertschätzung für das Blut Christi offenbart wird, nützt es auch mir selbst und ich erkenne, wie kostbar das Blut auch für mich ist. Das Blut wirkt also zunächst einmal Gott gegenüber. Im ganzen Alten und Neuen Testament wird das Wort ,,Blut“ immer in Verbindung mit der Sühnung verwendet, ich glaube über hundert mal, und jedesmal wirkt es Gott gegenüber. Im alttestamentlichen Kalender gibt es einen Tag, der eine große Auswirkung auf die Sünden hatte, nämlich der Versöhnungstag. Das Problem unserer Sünden wird nirgends so klar dargestellt wie in der Beschreibung dieses Tages. In 3.Mose 16 sehen wir, daß das Blut des Sündopfers am Versöhnungstag ins Allerheiligste gebracht und dort siebenmal vor dem Herrn gesprengt wurde. Über die Bedeutung dieser Tatsache müssen wir uns im klaren sein. An jenem Tag wurde das Sündopfer öffent-


Das Blut Christi

Das Blut Christi

lich im Vorhof der Stiftshütte geschlachtet. Jedermann konnte dabeisein und zuschauen. Der Herr befahl jedoch, daß in die Stiftshütte selbst kein Mensch außer dem Hohenpriester eintreten sollte. Einzig der Hohepriester durfte das Blut ins Allerheiligste bringen und es dort zur Versöhnung vor dem Herrn sprengen. Warum? Weil der Hohepriester ein Bild auf den Herrn Jesus in seinem Erlösungswerk ist (Hebr. 9:11-12), der diese Arbeit tat. Er war der einzige, der hineingehen durfte. Das Blut, das er zu Gott hineintrug, hatte Gott angenommen als etwas, das ihn zufriedenstellen konnte. Dieses Ereignis fand einzig und allein zwischen dem Hohenpriester und Gott im Allerheiligsten statt und war den Augen der Menschen, die doch den Nutzen davon haben sollten, verborgen. So wollte es Gott. Aus diesem Grund ist das Blut zunächst einmal nicht für uns, sondern für Gott. Schon vor jener Anordnung Gottes finden wir bereits in 2.Mose 12:13 die Beschreibung, wie das Blut des Passahlamms zur Erlösung der Kinder Israel in Ägypten vergossen wurde. Dies ist wohl eines der deutlichsten Sinnbilder im Alten Testament für unsere Erlösung. Mit dem Blut wurden die Oberschwelle und die Türpfosten bestrichen, während das Fleisch des Lammes im Hause gegessen wurde. ,,Und wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen“ (2.Mose 12:13), sprach Gott. Hier sehen wir abermals, daß das Blut für Gott geopfert werden mußte und nicht für die Menschen, die im Hause feierten und das Blut an der Oberschwelle und an den Türpfosten gar nicht wahrnahmen.

Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit erfordern ein sündloses Leben als Sühneopfer für den Menschen. Im Blut ist Leben, und Blut muß für mich, für meine Sünden vergossen werden. Dies ist die Anordnung Gottes. Er ist es, der verlangt, daß Blut vergossen

wird, damit seiner Gerechtigkeit Genüge getan ist; er ist es, der sagt: ,,Wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen.“ Das Blut Christi leistet Gott volle Genüge. Hier möchte ich ein Wort an meine jüngeren Geschwister im Herrn richten, weil wir an dieser Stelle sehr oft in Schwierigkeiten geraten. Als Ungläubige mögen wir von unserem Gewissen völlig in Ruhe gelassen worden sein, bis das Wort Gottes begann, uns aufzuwecken. Unser Gewissen war tot, und in diesem Zustand ist jeder Mensch gewiß völlig unbrauchbar für Gott. Später nun, nachdem wir gläubig geworden sind, kann es sein, daß unser erwachtes Gewissen äußerst empfindsam ist und uns schwer zu schaffen macht. Das Bewußtsein unserer Sünde und Schuld kann so stark, so erschreckend werden, daß wir davon nahezu gelähmt sind, weil wir den klaren Blick für die Wirksamkeit des Blutes verloren haben. Vielleicht sind wir uns ständig unserer Sünden bewußt und gelangen gar an einen Punkt, wo uns eine bestimmte Sünde sogar mächtiger erscheint als das Blut Christi. Unser Problem rührt daher, daß wir den Wert des Blutes und seine Wirksamkeit subjektiv empfinden wollen. Das ist aber nicht möglich. Die Wirksamkeit des Blutes ist nicht zu fühlen, denn das Blut hat eine andere Wirkung. Zuallererst sieht Gott das Blut an, und wir Menschen sollen es akzeptieren, daß Gott das Blut schätzt. Nur so können wir Errettung erfahren. Wenn wir statt dessen jedoch die Bedeutung des Blutes mit unserem Gefühl ermessen wollen, gehen wir leer aus und bleiben in Finsternis. Nein, nun gilt es, dem Wort Gottes zu glauben! Wir müssen glauben, daß das Blut in Gottes Augen kostbar ist, weil er es gesagt hat (1.Petr. 1:18-19). Wenn Gott das Blut als Sühne für unsere Sünden und als Preis unserer Erlösung annehmen kann, dürfen wir absolut sicher und beruhigt sein, daß die Schuld bezahlt ist. Wenn Gott das Blut zu seiner Zufriedenstellung annimmt, muß es ausreichend sein. Unsere Bewertung ist gänzlich von der seinen abhängig. Sie kann nicht höher, darf aber auch

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Gott ist Genüge getan


Das Blut Christi

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nicht geringer sein. Haltet euch vor Augen, daß er heilig und gerecht ist und daß es ihm zusteht zu sagen, daß das Blut in seinen Augen wohlangenehm ist und ihm volle Genüge tut.

Ist das Blut für Gott ausreichend, sollte es auch uns genügen. Die zweite Wirkung des Blutes ist also auf den Menschen gerichtet. Im Hebräerbrief sehen wir, daß das Blut unser Gewissen reinigt. Wir sollen ,,besprengt in unseren Herzen und los vom bösen Gewissen“ (Hebr. 10:22) vorwärtskommen. Es ist wichtig, daß wir den Sinn dieser Worte genau erfassen. Der Schreiber des Hebräerbriefes sagt nicht, daß das Blut des Herrn Jesus unsere Herzen reinigt. Wir dürfen das Blut nicht auf diese Weise mit dem Herzen in Zusammenhang bringen. Das Gebet: ,,Herr, reinige durch dein Blut mein Herz von der Sünde“ zeigt möglicherweise ein falsches Verständnis dessen, was das Blut in uns vollbringt. Gott sagt, daß das Herz ,,unheilbar“ ist (Jer. 17: 9). Darum muß viel mehr mit unserem Herzen geschehen als nur eine Reinigung: Gott muß uns ein neues Herz geben. Kleider, die wir wegwerfen wollen, waschen und bügeln wir nicht mehr. Wie wir im folgenden sehen werden, ist das Fleisch zu verdorben, als daß es noch gereinigt werden könnte – es muß gekreuzigt werden. Gott muß etwas völlig Neues in uns wirken. ,,Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben“ (Hes. 36:26). Nirgends in der Schrift finden wir ausgedrückt, daß das Blut unsere Herzen reinigt. Seine Wirkung ist nicht subjektiv, sondern gänzlich objektiv vor Gott. Zwar wird schon von der reinigenden Kraft des Blutes in Hebräer 10 als einer Auswirkung auf unser Herz gesprochen, doch geht sie über unser Gewissen: ,,Besprengt in unseren Herzen und los vom bösen Gewissen.“ Was bedeutet dieser Vers?

Wir können es so erklären, daß etwas zwischen mir und Gott stand, und ich deshalb immer ein schlechtes Gewissen hatte, wenn ich mich ihm nähern wollte. Ständig wurde ich an die Schranke zwischen mir und ihm erinnert. Nun aber ist durch die Wirkung des kostbaren Blutes etwas vor Gott geschehen, wodurch diese Schranke beseitigt wurde. Gott hat mich in seinem Wort von dieser Tatsache unterrichtet, und sobald ich sie im Glauben annehme, ist mein Gewissen gereinigt und ich bin frei von meinem Schuldgefühl, so daß ich Gott gegenüber kein schlechtes Gewissen mehr verspüre. Wir alle wissen, wie köstlich es ist, in unserem Umgang mit Gott ein Gewissen zu haben, das frei von Anklage ist. Ein gläubiges Herz und ein Gewissen, das von jeder Anklage frei ist, haben für uns eine gleich wichtige Bedeutung, denn sie bedingen einander. Sobald uns unser Gewissen bedrückt, schwindet auch unser Glaube und wir scheuen uns, Gott gegenüberzutreten. Um daher mit Gott weiter vorangehen zu können, müssen wir den immer gültigen Wert des Blutes erkennen. Gott läßt unsere Schuld nicht lange anstehen. Täglich, stündlich, ja jede Minute haben wir durch das Blut Zugang zu Gott. Nie verliert es seine Wirkung als Grundlage für unseren Zugang, solange wir es nur in Anspruch nehmen. Welche andere Grundlage als allein das Blut haben wir denn, um in das Allerheiligste hineingehen zu dürfen? Wir müssen uns jedoch prüfen, ob wir tatsächlich einzig und allein aufgrund des Blutes Gottes Gegenwart suchen, oder ob unsere Grundlage eine andere ist. Was meine ich, wenn ich sage, ,,aufgrund des Blutes“? Ich meine ganz einfach, daß ich meine Sünden zugebe, daß ich bekenne, ich bedarf der Reinigung und der Sühnung, und daß ich aufgrund des vollbrachten Werkes des Herrn Jesus zu Gott komme. Immer ist es Gott zuzuschreiben, daß ich mich ihm nahen darf, niemals meiner eigenen Leistung. Daß ich heute besonders freundlich oder geduldig war oder

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Der Zugang der Gläubigen zu Gott


Das Blut Christi

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etwas für den Herrn getan habe, kann dazu nichts beitragen. Jedesmal muß ich den Zugang erneut durch das Blut nehmen. Wenn Gott uns schon bis zu einem gewissen Grad behandelt hat, uns schon weiter in ihn hineingebracht und uns bereits tiefere Lektionen in bezug auf das Kreuz gelehrt hat, so besteht für viele von uns die Versuchung, zu glauben, daß er damit neue Maßstäbe an uns anlege und wir nur in Erfüllung dieser Maßstäbe ein reines Gewissen vor ihm haben könnten. Nein! Grundlage für ein reines Gewissen können niemals unsere Leistungen sein, sondern einzig und allein das vergossene Blut des Herrn Jesus. Ich fürchte, manche unter uns neigen dazu zu denken: ,,Heute war ich ein wenig mehr auf der Hut, heute war ich ein wenig besser. Heute morgen habe ich das Wort Gottes mit mehr Inbrunst gelesen, darum kann ich heute besser beten.“ Oder um gekehrt: ,,Heute hatte ich einige Schwierigkeiten in der Familie. Schon am Morgen war ich schlechter Laune und niedergedrückt. Und auch jetzt geht es mir noch nicht viel besser. Irgend etwas kann da nicht stimmen. So kann ich nicht zu Gott kommen.“ Was ist denn die Basis für unseren Zugang zu Gott? Kommen wir auf der schwankenden Grundlage unseres Gefühls zu ihm, daß wir heute etwas für ihn geleistet haben? Oder kommen wir auf der viel sichereren Grundlage der Tatsache, daß das Blut vergossen wurde und daß Gott das Blut ansieht und damit zufrieden ist? Natürlich wäre die Basis unseres Zugangs zu Gott in Frage gestellt, wenn die Kraft des Blutes irgendeiner Veränderung unterläge. Das Blut hat aber seine Kraft niemals eingebüßt und wird dies auch nicht tun. Wir dürfen uns Gott beständig mit Freimut nahen – Freimut, den uns das Blut und niemals unser eigener Verdienst verschafft. Was immer ihr auch in der Vergangenheit erreicht haben mögt, spielt keine Rolle, wenn ihr euch bewußt ins Allerheiligste begebt. Dies kann einzig und allein auf der sicheren Grundlage des vergossenen Blutes geschehen. Ob ihr einen guten oder einen schlechten Tag hattet, ob

ihr bewußt gesündigt habt oder nicht, das Blut des Herrn ist die unveränderliche Basis für euren Zugang zu Gott. Die Tatsache, daß Gott dieses Blut angenommen hat, ist die einzige Grundlage, auf der ihr hineingehen könnt. Eine andere Grundlage gibt es nicht. Wie vieles in unserem Glaubensleben besteht auch unser Zugang zu Gott aus einer einmaligen anfänglichen Erfahrung und einer ständigen Praxis. Den ersten Aspekt finden wir in Epheser 2, den zweiten in Hebräer 10 beschrieben. Am Anfang war es das Blut, das uns einen Stand vor Gott sicherte, denn wir sind ,,nahe geworden in dem Blut Christi“ (Eph. 2:13). Auch danach ist die Grundlage für unseren beständigen Zugang zu Gott immer noch das Blut, denn der Apostel ermahnt uns: ,,Weil wir denn nun, Brüder, durch das Blut Jesu den Freimut haben zum Eingang in das Heiligste, ... so laßt uns vorwärtskommen“ (Hebr. 10:19, 22). Zu Beginn bin ich nahe geworden durch das Blut, und um weiter in dieser neu geschaffenen Beziehung stehen zu können, komme ich jedesmal durch das Blut zu ihm. Es ist also nicht so, daß meine Errettung auf einer und meine Gemeinschaft mit Gott auf einer anderen Grundlage beruht. Ihr mögt vielleicht einwenden, daß dies doch das ABC des Evangeliums sei. Gewiß, aber der Haken liegt bei vielen von uns darin, daß wir uns vom Elementarsten entfernt haben. Wir glauben, daß wir bereits Fortgeschrittene seien und das ABC nicht mehr brauchten, doch das ist falsch. Mein anfänglicher Zugang zu Gott geschah auf der Grundlage des Blutes, und auch weiterhin muß mein Zugang zu Gott auf dieser Grundlage beruhen. Bis zum Ende werden wir einzig und allein auf der Grundlage des kostbaren Blutes zu ihm kommen können. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir oberflächlich sein dürfen. Wir werden bald anhand einer anderen Seite des Todes Christi sehen, daß das Gegenteil der Fall ist. Vorerst aber wollen wir festhalten, daß das Blut für uns da ist und völlig ausreicht.

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Das Blut Christi

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Mag sein, daß wir schwach sind, doch dadurch, daß wir auf unsere Schwachheit schauen, werden wir auch nicht stärker. Alles Bemühen um Selbstzerknirschung und Buße macht uns keinen Deut heiliger. Darum laßt uns aufgrund des Blutes kühn vorwärtskommen und sagen: ,,Herr, ich kann den Wert des Blutes nicht völlig erfassen, aber ich weiß, daß es dir genügt. Darum ist es auch für mich genug, es ist das einzige, was ich dir bringen kann. Ich erkenne jetzt, daß es keine Rolle spielt, ob ich im Glauben fortgeschritten bin und etwas erreicht habe. Ich komme vor dich einzig und allein aufgrund des kostbaren Blutes.“ Auf diese Weise können wir ein reines Gewissen vor Gott haben. Ohne das Blut kann kein Mensch ein reines Gewissen haben. Einzig das Blut gibt uns den Freimut. ,,Kein Bewußtsein von Sünde mehr“ – dies sind die gewalti gen Worte von Hebräer 10:2. Wir sind von jeder Sünde gereinigt, und mit Paulus können wir aus vollem Herzen die Worte Davids nachsprechen: ,,Selig der Mann, welchem der Herr die Sünde gewiß nicht zurechnet“ (Röm. 4:8).

Angesichts dieser Tatsachen können wir nun auch dem Feind gegenübertreten. Eine weitere Wirkung des Blutes richtet sich gegen Satan. Satan tritt in unserer Zeit vor allem als ,,der Verkläger unserer Brüder“ auf (Offb. 12:10), und als solchem begegnet ihm unser Herr, der Hohepriester, ,,durch sein eigenes Blut“ (Hebr. 9:12). Wie sieht denn nun die Wirkung des Blutes gegen Satan aus? Das Blut bringt Gott gegen Satan auf die Seite des Menschen. Durch den Sündenfall gewann Satan Boden im Menschen, so daß Gott sich notwendigerweise zurückziehen mußte. Der Mensch befand sich infolgedessen außerhalb des Gartens und

hatte Mangel an der Herrlichkeit Gottes (Röm. 3:23), da er sich innerlich von Gott entfremdet hatte. Durch sein eigenes Verschulden kam etwas in den Menschen hinein, was es Gott unmöglich machte, sich auf seine Seite zu stellen. Das Blut aber beseitigte das Hindernis und brachte den Menschen zu Gott und Gott zum Menschen zurück. Der Mensch ist ihm nun wieder angenehm. Da Gott auf seiner Seite steht, kann der Mensch Satan furchtlos gegenübertreten. Die folgende Übersetzung des Verses im ersten Johannesbrief gefällt mir am besten: ,,Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde“ (1.Joh. 1:7). Eigentlich heißt es nicht ,,von aller Sünde“ im allgemeinen, sondern von jeder einzelnen Sünde. Welch eine wunderbare Tatsache! Gott ist im Licht, und wenn wir mit ihm im Licht wandeln, werden wir von diesem Licht bloßgestellt, so daß Gott alles sehen kann. Und dennoch kann uns das Blut von jeder Sünde reinigen. Welch eine Reinigung! Nicht, daß ich mich nicht genügend erkenne oder Gott mich nicht durch und durch kennt. Ich versuche auch nicht, etwas zu verbergen, und Gott will auch nichts übersehen. Nein, Gott ist im Licht, ich bin im Licht, und dort reinigt mich das kostbare Blut von jeder Sünde. So wirksam ist das Blut! Manche von uns sind angesichts ihrer bedrückenden Schwachheit gelegentlich versucht, zu glauben, daß es Sünden gibt, die vielleicht nicht vergeben werden können. Es heißt jedoch: ,,Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.“ Große Sünden, kleine Sünden, Sünden, die ganz dunkel und solche, die nicht ganz so schlimm zu sein scheinen, Sünden, die ich für vergebbar und andere, die ich für unvergebbar halte, ob bewußte oder unbewußte, erinnerliche und vergessene Sünden, alle Sünden sind in diesen Worten ,,jede Sünde“ eingeschlossen. ,,Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde.“ Dies ist so, weil es zuallererst Gott Genüge tut.

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Der Verkläger wird überwunden


Das Blut Christi

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Worauf will Satan seine Anklage noch stützen, wenn Gott, der alle unsere Sünden im Licht sieht, diese aufgrund des Blutes vergeben kann? Vielleicht klagt Satan uns an, doch ,,ist Gott für uns, wer will gegen uns sein?“ (Röm. 8:31). Gott verweist Satan auf das Blut seines lieben Sohnes. Dies ist eine Antwort, die Satan zum Schweigen bringt. ,,Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist es, der rechtfertigt. Wer will verdammen? Christus Jesus ist es, der gestorben ist, ja vielmehr, der auferweckt wurde, der sogar zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt“ (Röm. 8:33-34). Auf diese Weise begegnet Gott allen Anklagen Satans. Wir müssen also unbedingt erkennen, daß das kostbare Blut vollkommen ausreicht. ,,Christus aber, der erschienen ist als ein Hoherpriester ..., ist durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligste eingegangen und hat eine ewige Erlösung erworben“ (Hebr. 9:11-12). Einst war er der Erlöser, seit fast zweitausend Jahren nun ist er unser Hoherpriester und Fürsprecher. Er steht vor Gott und ist ,,die Sühnung für unsere Sünden“ (1.Joh. 2:2). In Hebräer 9:14 heißt es: ,,Wieviel mehr wird das Blut Christi ... unser Gewissen reinigen.“ Diese Worte machen vollkommen klar, daß sein Dienst Gott ganz und gar zufriedengestellt hat. Wie sollte nun unsere Haltung Satan gegenüber sein? Diese Frage ist wichtig, da er uns nicht nur vor Gott, sondern auch in unserem eigenen Gewissen anklagt. ,,Du hast gesündigt und sündigst immer wieder. Du bist schwach, und Gott will nichts mehr mit dir zu tun haben“, lauten seine Anschuldigungen. Wir sind dann versucht, auf uns selbst zu schauen und zu unserer Verteidigung in unserem Gefühl oder Verhalten den Beweis zu finden, daß Satan im Unrecht ist. Oder wir neigen zum anderen Extrem, unsere Hilflosigkeit einzugestehen und in Depression und Verzweiflung zu fallen. So wird die Anklage zu einer der stärksten und wirksamsten Waffe Satans. Er legt uns unsere

Sünden vor Gott zur Last, und sobald wir auf seine Anschuldigungen eingehen, verlieren wir den Boden unter den Füßen. Der Grund für unsere Bereitschaft, auf Satan zu hören, liegt darin, daß wir immer noch die Hoffnung hegen, in uns sei doch noch Gerechtigkeit zu finden. Diese Hoffnung ist jedoch grundfalsch, denn auf diese Weise gelingt es Satan, unseren Blick in die falsche Richtung zu lenken. Damit erreicht er, was er wollte: wir sind lahmgelegt. Wenn wir jedoch gelernt haben, nicht auf Fleisch zu vertrauen, wundern wir uns nicht darüber, wenn wir sündigen, denn es ist das Wesen des Fleisches zu sündigen. Versteht ihr, was ich meine? Nur solange wir unsere wahre Natur und unsere Hilflosigkeit noch nicht erkannt haben, setzen wir noch Hoffnung auf uns selbst und liegen darnieder, sobald Satan kommt und uns verklagt. Gott ist sehr wohl in der Lage, mit unseren Sünden fertig zu werden. Einen Menschen, der die Anklage Satans annimmt, kann Gott jedoch nicht behandeln, weil ein solcher dem Blut nicht vertraut. Das Blut spricht für ihn, doch er glaubt statt dessen dem Feind. Christus ist unser Anwalt, aber wir, die Angeklagten, stellen uns auf die Seite des Verklägers. Wir haben noch nicht erkannt, daß wir nichts anderes als den Tod verdient haben, daß wir, wie wir im folgenden sehen werden, sowieso nur dazu taugen, gekreuzigt zu werden. Wir haben noch nicht erkannt, daß einzig und allein Gott dem Verkläger gegenübertreten kann und daß er dies in dem kostbaren Blut bereits getan hat. Unsere Rettung besteht darin, daß wir auf den Herrn Jesus schauen und sehen, daß das Blut des Lammes der ganzen Not, die durch unsere Sünden verursacht wurde, bereits begegnet ist. Auf dieser sicheren Grundlage stehen wir. Versucht niemals, Satan euer gutes Verhalten entgegenzuhalten, sondern immer nur das Blut. Ja, es ist richtig, daß wir sündig sind, aber – Gott sei gelobt! – das Blut reinigt uns von jeder Sünde. Gott sieht das Blut an, womit sein Sohn bezahlt hat, und so wird Satan jegliche

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Das Blut Christi Grundlage für seine Angriffe entzogen. Einzig unser Glaube an das kostbare Blut und unsere Weigerung, auf irgend etwas anderes zu schauen, können Satan zum Schweigen bringen und ihn in die Flucht schlagen (Röm. 8:33-34), und dies wird auch bis zum Ende so bleiben (Offb. 12:11). Welch eine Befreiung wäre es doch, wenn wir erkennten, welchen Wert das kostbare Blut seines lieben Sohnes für Gott hat!

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Das Kreuz Christi

Wie wir gesehen haben, lassen sich die Kapitel 1 bis 8 des Römerbriefes in zwei Teile gliedern. Im ersten wird uns gezeigt, daß das Blut für unsere Taten vergossen wurde, während wir im zweiten erfahren, daß das Kreuz unser Wesen behandelt. Das Blut brauchen wir zur Vergebung, und ebenso brauchen wir das Kreuz zur Befreiung. Im vorigen Kapitel haben wir uns bereits kurz mit dem Blut beschäftigt, und nun werden wir uns eingehender mit dem Kreuz befassen. Zuvor jedoch wollen wir einige weitere Merkmale betrachten, die den auffallenden Unterschied zwischen dem Inhalt der beiden Teile verdeutlichen. In den Kapiteln 1 bis 8 werden zwei Aspekte der Auferstehung beleuchtet: einer in Kapitel 4 und der andere in Kapitel 6. In Römer 4:25 wird die Auferstehung des Herrn Jesus im Zusammenhang mit unserer Rechtfertigung genannt: ,,... welcher um unserer Übertretungen willen dahingegeben und um unserer Rechtfertigung willen auferweckt wurde.“ Inhalt dieses Verses ist unser Stand vor Gott. In Römer 6:4 jedoch wird gezeigt, daß uns die Auferstehung neues Leben austeilt, um uns einen heiligen Wandel zu ermöglichen: ,,... damit, wie Christus aus den Toten auferweckt wurde ..., ebenso auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln sollen.“ Dieser Vers spricht über unser Verhalten. Auch der Friede ist ein Thema, um das es in beiden Abschnitten geht, nämlich in den Kapiteln 5 und 8. Römer 5 spricht vom

Frieden mit Gott als einer Auswirkung der Rechtfertigung durch den Glauben an sein Blut: ,,Da wir nun durch Glauben gerechtfertigt sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Röm. 5:1). Dies bedeutet, daß Gott nun, da ich Vergebung der Sünden empfangen habe, kein Anlaß zur Furcht mehr für mich sein muß. Ich, der ich ein Feind Gottes war, wurde ,,versöhnt ... durch den Tod seines Sohnes“ (Röm. 5:10). Sehr rasch stelle ich jedoch fest, daß ich mir selbst die allergrößten Schwierigkeiten bereite. Die Unruhe in mir ist noch nicht gewichen, denn etwas in mir treibt mich zu sündigen. Ich habe Frieden mit Gott, doch den Frieden mit mir selbst habe ich noch nicht gefunden. Vielmehr ist mein Herz der Schauplatz eines regelrechten Bürgerkrieges. Dieser Zustand wird in Römer 7 sehr trefflich beschrieben, wo sich das Fleisch und der Geist in mir in tödlicher Feindschaft gegenüberstehen. Davon ausgehend jedoch wird uns in Kapitel 8 der innere Friede eines Wandels im Geist gezeigt. ,,Die Gesinnung des Fleisches ist Tod“, da sie ,,Feindschaft gegen Gott“ bedeutet, aber ,,die Gesinnung des Geistes ist Leben und Friede“ (Röm. 8:6, 7). Zusammenfassend kann man sagen, daß es in der ersten Hälfte im großen und ganzen um die Rechtfertigung geht (Röm. 3:2426; 4:5, 25), während die zweite Hälfte die daraus folgende Heiligung zum Thema hat (Röm. 6:19, 22). Wenn wir die kostbare Wahrheit der Rechtfertigung durch den Glauben erfassen, haben wir aber immer erst die Hälfte der Wahrheit erkannt. Durch diese Tatsache ist lediglich das Problem unseres Standes vor Gott gelöst. Wenn wir vorangehen, hat Gott mehr für uns bereit, nämlich die Lösung für das Problem unseres Wandels – eine Tatsache, die durch den Gedankengang in diesen Kapiteln betont werden soll. Der zweite Schritt folgt immer auf den ersten. Kennen wir aber nur den ersten, führen wir immer noch kein normales Christenleben. Wie aber können wir ein normales Christenleben verwirklichen? Wie ist dies möglich? Zunächst

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Kapitel 2

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einmal müssen wir Vergebung der Sünden, Rechtfertigung und Frieden mit Gott haben. Dies ist unser unbedingt notwendiges Fundament. Ist dieses Fundament durch unseren anfänglichen Schritt des Glaubens an Christus einmal gelegt, wird aus den genannten Versen deutlich, daß wir weiter vorangehen müssen. Das Blut hat objektiv unsere Sünden beseitigt. Der Herr Jesus hat sie für uns als unser Stellvertreter am Kreuz getragen und uns dadurch Vergebung, Rechtfertigung und Versöhnung erworben. Nun aber müssen wir nach Gottes Plan einen Schritt weitergehen und erkennen, wie er mit dem Prinzip der Sünde in uns verfährt. Das Blut kann wohl meine Sünden, nicht aber meinen alten Menschen abwaschen. Dieser muß gekreuzigt werden, und dazu brauche ich das Kreuz. Das Blut beseitigt die Sünden, das Kreuz jedoch muß den Sünder beseitigen. In den ersten vier Kapiteln des Römerbriefes taucht das Wort ,,Sünder“ kaum auf, da es nicht in erster Linie um den Sünder selbst, sondern vielmehr um die von ihm begangenen Sünden geht. Der Begriff ,,Sünder“ taucht erst in Kapitel 5 auf, wobei es aufschlußreich ist, was bei seiner ersten Erwähnung über den Sünder ausgesagt wird. In diesem Kapitel wird deutlich, daß ein Mensch ein Sünder genannt wird, weil er als Sünder geboren wurde und nicht, weil er Sünden begangen hat. Dieser Unterschied ist sehr wichtig. Zwar benutzen Evangelisten, wenn sie einen Menschen auf der Straße davon überzeugen wollen, daß er ein Sünder ist, den sehr bekannten Vers in Römer 3:23, wo es heißt, daß ,,alle gesündigt haben“ . Diesen Vers so zu verwenden, ist jedoch nach der Schrift nicht ganz zu rechtfertigen, da die Gefahr besteht, das Pferd von hinten aufzuzäumen: Der Römerbrief lehrt nicht, daß wir Sünder sind, weil wir Sünden begehen, sondern daß wir sündigen, weil wir Sünder sind. Durch unser Wesen, nicht durch unser Handeln, sind wir Sünder. In Römer 5:19 heißt es: ,,Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind ...“

Wodurch wurden wir zu Sündern gemacht? Durch Adams Ungehorsam. Nicht durch unsere Taten wurden wir zu Sündern, sondern durch das, was Adam tat und wurde. Ich spreche Englisch, aber dadurch bin ich noch lange kein Engländer, ich bin Chinese. In Römer Kapitel 3 wird zwar tatsächlich auf unsere sündigen Taten hingewiesen – ,,alle haben gesündigt“ –, dennoch sind wir nicht dadurch zu Sündern geworden. Einmal stellte ich einer Schulklasse die Frage: ,,Wer ist ein Sünder?“ Die Antwort kam prompt: ,,Jemand, der sündigt.“ Ja, jemand, der sündigt, ist ein Sünder, doch die Tatsache, daß jemand sündigt, ist lediglich der Beweis dafür, daß er schon vorher ein Sünder war, und nicht der Grund dafür, daß er ein Sünder ist. Zwar ist jemand, der sündigt, ein Sünder, doch ist jemand, der nicht sündigt, aber von Adam abstammt, genauso ein Sünder und braucht die Erlösung. Könnt ihr dies verstehen? Es gibt schlechte Sünder und gute Sünder, moralische und verdorbene Sünder, doch Sünder sind sie alle gleichermaßen. Wir glauben manchmal, daß alles in Ordnung wäre, hätten wir nur eine ganz bestimmte Sache nicht getan. Das Problem liegt jedoch weitaus tiefer: Nicht was wir tun, ist das Problem, sondern was wir sind. Ein Chinese mag in Amerika geboren sein und kein Wort Chinesisch sprechen, und dennoch ist er ein Chinese, weil er als Chinese geboren wurde. Auf die Geburt kommt es an. Ich bin darum ein Sünder, weil ich in Adam geboren bin. Entscheidend ist nicht mein Verhalten, sondern mein Erbe, meine Abstammung. Nicht weil ich sündige, bin ich ein Sünder, sondern ich sündige, weil ich vom falschen Geschlecht abstamme. Ich sündige, weil ich ein Sünder bin. Oft meinen wir, daß wir zwar eine böse Tat begangen haben, daß wir jedoch so schlimm gar nicht seien. Es kostet Gott die allergrößte Mühe, uns zu zeigen, daß wir in uns selbst verwerflich, ja von Grund auf verwerflich sind. Die Wurzel des Übels ist der Sünder, also muß dieser behandelt werden. Unsere Sünden

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Das Kreuz Christi

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werden durch das Blut behandelt, doch wir selbst müssen durch das Kreuz behandelt werden. Das Blut bringt uns Vergebung für alle unsere Taten, das Kreuz hingegen verschafft uns Befreiung von dem, was wir sind.

Laßt uns nun zu Römer 5:12-21 kommen. In diesem bedeutenden Abschnitt wird die Gnade der Sünde gegenübergestellt und der Gehorsam Christi dem Ungehorsam Adams. Dieser Vergleich steht am Anfang des zweiten Teiles (Röm. 5:12 bis 8:39), mit dem wir uns im folgenden ausführlich beschäftigen wollen. Aus der Beweisführung in den genannten Versen wird eine Schlußfolgerung abgeleitet, um die es in unseren weiteren Betrachtungen geht. Welche Schlußfolgerung? Sie steht in dem bereits zitierten Vers 19: ,,Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht.“ An dieser Stelle möchte uns der Geist Gottes zunächst einmal zeigen, was wir sind, um dann zu erklären, wie es dazu kam. Am Anfang unseres Christenlebens achten wir mehr auf unser Handeln als auf unser Sein. Was wir getan haben, betrübt uns weit mehr als das, was wir sind. Wir glauben, wenn wir nur einige Dinge korrigieren könnten, wären wir sicherlich gute Christen, und so beginnen wir, unser Verhalten zu ändern. Das Ergebnis jedoch entspricht nicht unseren Erwartungen. Sehr zu unserem Entsetzen stellen wir fest, daß es hier um weit mehr als nur um äußerliche Schwierigkeiten geht, daß nämlich die Not in unserem Inneren viel schwerwiegender ist. Wir versuchen, dem Herrn zu gefallen und entdecken in uns etwas, das ihm gar nicht gefallen will. Wir versuchen, demütig zu sein, doch in unserem Innersten gibt es etwas, das sich weigert, demütig zu sein. Wir

versuchen zu lieben, doch entdecken wir in unserem Inneren völlige Lieblosigkeit. Wir lächeln und versuchen, sehr freundlich auszusehen, doch innerlich sind wir das ausgesprochene Gegenteil. Je mehr wir versuchen, die Dinge äußerlich zu korrigieren, desto mehr spüren wir, wie tief das Problem sitzt. Dann ist es soweit, daß wir zum Herrn kommen und bekennen: ,,Herr, jetzt erkenne ich es! Nicht nur, was ich getan habe, ist verdorben, ich bin verdorben.“ Die Tragweite der Schlußfolgerung aus Römer 5:19 beginnt uns zu dämmern. Wir sind Sünder. Wir gehören einem Geschlecht an, das von seinem Wesen her anders ist, als Gott es vorgesehen hatte. Durch den Sündenfall trat eine grundlegende Veränderung im Wesen Adams ein, durch die er zum Sünder wurde, zu einem Menschen, der wesensmäßig nicht in der Lage ist, Gott zu gefallen. Die alle Menschen verbindende Ähnlichkeit betrifft nicht nur das Äußerliche, sondern vielmehr ihr innerstes Wesen. Wir sind ,,zu Sündern gemacht worden“. Wie aber kam es dazu? ,,Durch den Ungehorsam des einen“ , lautet die Begründung des Apostels. Laßt mich euch dies durch ein einfaches Beispiel veranschaulichen. Ich heiße Nee, ein recht häufiger Name in China. Wie kam ich zu diesem Namen? Es war nicht so, daß ich mir eine Liste mit allen möglichen chinesischen Namen vorgenommen und darunter diesen ausgesucht habe. Meinen Namen Nee habe ich im Grunde gänzlich ohne mein Zutun erhalten, und darüber hinaus kann ich auch nichts tun, um diesen Namen zu ändern. Ich bin ein Nee, weil mein Vater ein Nee war, und mein Vater war ein Nee, weil mein Großvater ein Nee war. Handle ich wie ein Nee, bin ich ein Nee, und handle ich nicht wie ein Nee, bleibe ich trotzdem ein Nee. Werde ich zum Präsidenten der Republik China gewählt, bin ich ein Nee, und werde ich zum Bettler auf der Straße, bin ich immer noch ein Nee. Durch nichts, was ich tue oder lasse, kann ich etwas anderes als ein Nee sein.

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Der natürliche Zustand des Menschen


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Wir sind nicht von uns aus Sünder, sondern von Adam her. Ich bin nicht ein Sünder, weil ich als Individuum gesündigt habe, sondern weil ich in Adam war, als dieser sündigte. Da ich von Geburt aus von Adam stamme, bin ich ein Teil von ihm und kann auch nichts tun, diese Tatsache zu ändern. Selbst indem ich mein Verhalten verbessere, kann ich mich nicht zu etwas anderem machen, als was ich bin: ein Teil Adams und damit ein Sünder. Als ich einmal in China von diesen Dingen sprach und sagte: ,,In Adam haben wir alle gesündigt“, erwiderte mir ein Zuhörer: ,,Das verstehe ich nicht“. Ich versuchte also, es ihm folgender maßen zu veranschaulichen: ,,Alle Chinesen leiten ihre Herkunft von Huang-ti ab“, sagte ich. ,,Vor über viertausend Jahren führte er Krieg gegen Si-iu. Sein Feind war sehr mächtig, doch Huangti überwältigte und erschlug ihn. Daraufhin begründete Huang-ti die chinesische Nation. Vor viertausend Jahren also wurde unsere Nation durch Huang-ti gegründet. Was wäre nun geschehen, wenn Huang-ti seinen Feind nicht erschlagen hätte, sondern statt dessen von ihm erschlagen worden wäre? Wo wären Sie dann heute?“ ,,Es gäbe mich überhaupt nicht“, lautete seine Antwort. ,,Aber nein! Huang-ti hätte doch seinen Tod sterben, Sie aber Ihr Leben leben können.“ – ,,Unmöglich!“, ereiferte er sich, ,,wäre er gestorben, hätte ich niemals leben können, denn mein Leben stammt von ihm ab.“ Könnt ihr nun erkennen, daß das Leben der Menschheit eine in sich geschlossene Einheit bildet? Unser Leben stammt von Adam ab. Wäre euer Großvater im Alter von drei Jahren gestorben, wo wärt ihr heute? Ihr wärt in ihm gestorben! Eure Erfahrung hängt von der seinen ab, und genauso hängt auch die Erfahrung eines jeden von uns von der Erfahrung Adams ab. Keiner kann sagen: ,,Ich bin in Eden nicht dabeigewesen“, denn potentiell waren wir alle dort, als Adam in den Vorschlag der Schlange einwilligte. Wir sind also alle in Adams Sünde eingeschlossen, und durch unsere Geburt ,,in Adam“ empfangen wir

von ihm alles, was er aufgrund seiner Sünde geworden ist, d. h. die Adamsnatur, die Natur eines Sünders. Da wir von ihm abstammen und sein Leben zu einem sündigen Leben wurde, zu einer sündigen Natur, ist die Natur, die wir von ihm bekommen haben, auch sündig. Wie wir also bereits festgestellt haben, liegt das Problem nicht in unserem Verhalten, sondern in unserer Abstammung. Ohne die Änderung unserer Abstammung gibt es keine Befreiung für uns. Und genau hier ist auch die Lösung für unser Problem zu finden. Genau diesen Weg hat Gott beschritten.

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Wie in Adam, so in Christus In den Versen in Römer 5:12-21 wird nicht nur etwas über Adam gesagt, sondern auch etwas über den Herrn Jesus. ,,Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern gemacht worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht.“ In Adam empfangen wir alles, was von Adam ist, und in Christus alles, was von Christus ist. Die Begriffe ,,in Adam“ und ,,in Christus“ werden von vielen Christen nicht verstanden. Ich will daher, auch wenn ich mich wiederholen sollte, noch einmal die Bedeutung von Abstammung und Vererbung, die in dem Begriff ,,in Christus“ enthalten sind, an einem Beispiel verdeutlichen. Das Beispiel stammt aus dem Hebräerbrief. Ihr erinnert euch sicherlich, daß der Schreiber des Briefes uns im ersten Teil verdeutlichen will, daß Melchisedek größer ist als Levi. Ihr erinnert euch auch, daß der Beweis erbracht werden sollte, daß die Priesterschaft Christi größer ist als die Priesterschaft Aarons, der aus dem Stamm Levi kam. Um dies nun zu beweisen, mußte der Schreiber zunächst einmal zeigen, daß die Priesterschaft Melchisedeks aus dem einfachen Grund größer war als die Priesterschaft Levis, daß die


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Priesterschaft Christi ,,nach der Ordnung Melchisedeks“ (Hebr. 7:14-17), diejenige Aarons aber nach der Ordnung Levis war. Wenn es dem Schreiber gelingt, uns zu zeigen, daß Melchisedek in den Augen Gottes größer war als Levi, ist der ganze Beweis erbracht. Um diesen bemerkenswerten Beweis geht es in jenem Abschnitt im Hebräerbrief. Der Schreiber führt in Hebräer Kapitel 7 an, daß Abraham eines Tages, als er von der Schlacht der Könige zurückkehrte, Melchisedek den Zehnten seiner Beute gab und von ihm gesegnet wurde (1.Mose 14). Weil Abraham Melchisedek den Zehnten gab, wurde er größer geachtet als Levi. Warum ist dies so? Weil Isaak ,,in Abraham“ Melchisedek den Zehnten gab, als Abraham dem Priester den Zehnten darbrachte. Und wenn dies gilt, dann brachte auch Jakob ,,in Abraham“ Melchisedek den Zehnten, und auch Levi gab ,,in Abraham“ Melchisedek den Zehnten. Es ist unumstritten, daß ,,das Geringere von dem Größeren gesegnet wird“ (Hebr. 7:7). Levi hat also einen niedrigeren Stand als Melchisedek, und aus diesem Grund ist Aarons Priesterdienst geringer als der des Herrn Jesus. An Levi dachte man zur Zeit der Schlacht der Könige noch nicht einmal, und doch war er ,,in der Lende seines Vaters“ Abraham und brachte ,,sozusagen durch Abraham“ den Zehnten dar (Hebr. 7:10, 9). Genau dies ist die Bedeutung von ,,in Christus“. Als das Haupt der Glaubensfamilie schließt Abraham die ganze Familie in sich selbst ein. Als er Melchisedek den Zehnten darbrachte, gaben in ihm alle Glieder der Familie den Zehnten. Sie opferten zwar nicht als Individuen, aber sie waren in ihm, und aus diesem Grund schloß er seinen ganzen Samen mit ein, als er den Zehnten darbrachte. Hier wird uns also eine neue Möglichkeit gezeigt. In Adam war alles verloren. Durch den Ungehorsam des einen Menschen sind wir alle zu Sündern geworden. Durch ihn kam die Sünde in den Menschen und durch die Sünde der Tod, so daß von jenem Tage

an die Sünde im ganzen Menschengeschlecht zum Tode herrschte. Nun aber fällt ein Lichtstrahl in die Finsternis. Durch den Gehorsam eines anderen können wir gerecht gemacht werden. Wo die Sünde größer wurde, wurde die Gnade noch viel überströmender, und so, wie die Sünde zum Tode herrschte, so kann nun auch die Gnade herrschen durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn (Röm. 5:19-21). In Adam mußten wir verzweifeln, in Christus können wir wieder hoffen.

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Der göttliche Weg der Befreiung Es ist Gottes eindeutige Absicht, daß die in diesen Versen ausgedrückten Gedanken uns zur praktischen Befreiung von der Sünde führen. Paulus macht dies sehr klar, indem er das sechste Kapitel seines Briefes mit der folgenden Frage beginnt: ,,Sollen wir in der Sünde verharren?“ Sein ganzes Sein schaudert vor diesem Gedanken buchstäblich zurück: ,,Das sei ferne!“, ruft er aus. Wie könnte ein heiliger Gott mit unheiligen und durch die Sünde gebundenen Kindern zufrieden sein! Daher sagt er: ,,Wie sollten wir ... noch in ihr leben?“ (Röm. 6:1-2). Gott hat zweifellos die beste Vorkehrung getroffen, daß wir von der Herrschaft der Sünde befreit werden können. Doch genau darin liegt unser Problem. Wir wurden als Sünder geboren. Wie können wir nun unser Erbe der Sünde abstreifen? Wie sieht der Ausweg aus dieser Natur aus, nachdem wir erkannt haben, daß wir in Adam geboren wurden? Laßt mich euch gleich versichern, daß das Blut uns nicht aus Adam herausbringen kann. Es gibt nur einen Weg heraus: Da wir durch Geburt hineinkamen, müssen wir auch durch Tod wieder herausgebracht werden. Um unsere sündhafte Natur zu beseitigen, müssen wir erst unser Leben beenden. Die Bindung an die Sünde geschah durch Geburt, die Befreiung von der Sünde geschieht durch den Tod – und dies ist genau der von Gott bereitete


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Ausweg. Tod ist das Geheimnis der Befreiung. Römer 6:2 sagt, daß wir der Sünde gestorben sind. Wie ist es jedoch möglich, daß wir sterben? Manche unter uns haben verzweifelt versucht, dieses sündhafte Leben loszuwerden, mußten aber feststellen, daß es sehr hartnäckig ist. Wie sieht dann also der Ausweg aus? Der Ausweg besteht nicht in dem Versuch, uns selbst zu töten, sondern darin, anzuerkennen, daß Gott uns bereits in Christus getötet hat. Diese Tatsache faßt Paulus in seiner folgenden Aussage zusammen: ,,... daß alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft wurden, in seinen Tod hineingetauft sind“ (Röm. 6:3). Wenn Gott uns aber ,,in Christus Jesus“ beseitigt hat, müssen wir in ihm sein, damit diese Tatsache auf uns angewendet werden kann. Dies wiederum scheint ein genauso unlösbares Problem zu sein. Wie kommen wir in Christus hinein? Auch an dieser Stelle kommt uns Gott zu Hilfe. Tatsächlich haben wir selbst keine Möglichkeit, in ihn hineinzukommen, doch was noch viel wichtiger ist, wir brauchen es auch gar nicht zu versuchen, denn wir sind bereits in ihm. Was wir selbst für uns nicht vollbringen konnten, hat Gott für uns getan: Er hat uns in Christus hineinversetzt. Ich möchte euch an 1.Korinther 1:30 erinnern. Ich glaube, daß dies einer der schönsten Verse im ganzen Neuen Testament ist. ,,Aus ihm (d. h. aus Gott) aber seid ihr in Christus Jesus.“ Gott sei gelobt! Nicht uns überließ er es, uns einen Weg in ihn hinein auszudenken oder zu bereiten. Nicht wir müssen uns darüber den Kopf zerbrechen, wie wir in ihn hineinkommen, Gott plante alles. Und er plante nicht nur, er führte seinen Plan auch selbst aus. ,,Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus.“ Wir sind bereits in ihm. Daher müssen wir uns nicht mehr bemühen, in ihn hineinzukommen. Gott hat gehandelt, es ist bereits vollbracht. Wenn das wahr ist, hat es einige Konsequenzen. In dem Beispiel aus Hebräer 7, welches wir weiter oben betrachtet

haben, sahen wir, daß in Abraham ganz Israel – und daher auch Levi, der noch nicht geboren war – Melchisedek den Zehnten darbrachte. Die Israeliten brachten Melchisedek nicht einzeln den Zehnten, aber sie waren in Abraham, als dieser den Zehnten darbrachte, so daß sein Darbringen seinen ganzen Samen mit einschloß. Dieses Beispiel ist daher ein wunderbares Bild dafür, daß wir in Christus sind. Als der Herr Jesus am Kreuz starb, starben wir alle – zwar nicht individuell, da wir ja noch nicht geboren waren –, aber, da wir in ihm eingeschlossen waren, starben wir in ihm. ,,... daß einer für alle gestorben ist und deshalb alle gestorben sind“ (2.Kor. 5:14). Als er gekreuzigt wurde, wurden wir alle mit ihm gekreuzigt. Beim Predigen in den Dörfern Chinas mußten wir oftmals sehr einfache Veranschaulichungen wählen, um tiefe göttliche Wahrheiten zu verdeutlichen. Ich erinnere mich, daß ich einmal ein Stück Papier in ein kleines Büchlein hineinlegte. Ich erklärte den einfachen Zuhörern: ,,Schaut genau zu. Ich nehme ein Stück Papier, ein eigenständiges Ding, das nichts mit dem Buch zu tun hat. Da es sonst gerade keine andere Verwendung hat, lege ich es in das Buch. Nun nehme ich das Buch und schicke es nach Schanghai. Eigentlich versende ich nicht das Papier, doch das Papier wurde in das Buch hineingelegt, und so wird es mit dem Buch nach Schanghai versandt. Kann das Papier ein anderes Schicksal erleiden als das Buch? Nein! Wohin das Buch versandt wird, dorthin wird auch das Papier versandt. Werfe ich das Buch in den Fluß, wird auch das Papier in den Fluß geworfen, und wenn ich es rasch wieder herausfische, wird auch das Papier aus dem Wasser gezogen. Alle Erfahrungen, die das Buch durchmacht, muß das Papier mitmachen, denn das Papier befindet sich in dem Buch.“ ,,Aus ihm aber seid ihr in Christus Jesus.“ Der Herr, unser Gott selbst, hat uns in Christus hineinversetzt, und die Erfahrungen, die er Christus zuteil werden ließ, sind somit auch dem

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ganzen Menschengeschlecht zuteil geworden. Unser Schicksal ist mit dem seinen auf das engste verknüpft. Was er durchmachte, haben auch wir durchgemacht, da ,,in Christus“ zu sein für uns bedeutet, mit ihm sowohl in seinem Tod als auch in seiner Auferstehung eins gemacht zu sein. Er wurde gekreuzigt, wie aber steht es mit uns? Müssen wir Gott erst bitten, uns zu kreuzigen? Niemals! Als Christus gekreuzigt wurde, wurden wir mit ihm gekreuzigt. Da seine Kreuzigung der Vergangenheit angehört, kann unsere Kreuzigung nicht in der Zukunft liegen. Bitte zeigt mir eine Stelle im Neuen Testament, die besagt, daß unsere Kreuzigung in der Zukunft stattfinden wird. Alle Stellen über unsere Kreuzigung stehen im Griechischen in der Zeitform des Aorist, in der ,,ein-für-allemal“-Zeitform, die für ewig ver gangene Dinge verwendet wird (siehe Röm. 6:6; Gal. 2:20; 5:24; 6:14). Wie ein Mensch niemals Selbstmord durch Kreuzigung begehen kann, weil dies praktisch undurchführbar ist, so verlangt Gott auch geistlich gesehen nicht, daß wir uns selbst kreuzigen. Wir wurden gekreuzigt, als Christus gekreuzigt wurde, denn Gott hat uns am Kreuz mit eingeschlossen. Die Tatsache, daß wir in Christus gestorben sind, bezeichnet nicht nur lehrmäßig unseren Stand, sondern ist eine ewige und unbestreitbare Realität.

Als der Herr Jesus am Kreuz starb, vergoß er sein Blut und gab sein sündloses Leben zur Sühnung für unsere Sünde und erfüllte die Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes. Dazu war einzig und allein der Sohn Gottes in der Lage. Kein Mensch hat Anteil an diesem Werk. Die Schrift sagt an keiner Stelle, daß wir unser Blut zusammen mit Christus vergossen haben. Sein Versöhnungswerk vor Gott vollbrachte er allein, kein anderer konnte daran teilhaben. Der Herr starb jedoch nicht nur, um sein Blut

zu vergießen, er starb, damit auch wir getötet würden. Er starb als unser Stellvertreter. In seinem Tod waren wir, ihr und ich, eingeschlossen. Häufig verwenden wir die Wörter ,,Stellvertretung“ und ,,Identifikation“, um diese zwei Aspekte des Todes Christi zu beschreiben. Oft paßt das Wort ,,Identifikation“ gut, jedoch vermittelt es auch den Eindruck, daß wir den Anfang gemacht hätten: ich versuche, mich mit dem Herrn zu identifizieren. Dies Wort ist in der Tat angebracht, doch sollte es erst in einem späteren Zusammenhang verwendet werden. Ich soll mit der Tatsache beginnen, daß der Herr mich in seinen Tod einschloß. Erst der uns einschließende Tod des Herrn versetzt mich in die Lage, mich mit ihm zu identifizieren, nicht daß ich mich mit ihm identifiziere, um in ihm eingeschlossen zu sein. Was zählt, ist einzig die Tatsache, daß Gott mich in Christus eingeschlossen hat. Gott handelte, nicht ich. Aus diesem Grund ist mir dieser neutestamentliche Begriff ,,in Christus“ so lieb und wert. Der Tod des Herrn Jesus schloß uns alle mit ein, so wie uns auch die Auferstehung alle mit einschloß. Im ersten Kapitel des 1.Korintherbriefes lasen wir, daß wir ,,in Christus Jesus“ sind. Nun entdecken wir am Ende desselben Briefes eine weitere Bedeutung dieser Tatsache. In 1.Korinther 15:45 und 47 werden zwei bedeutsame Namen oder Titel des Herrn Jesus verwendet. Dort wird er ,,der letzte Adam“ und ,,der zweite Mensch“ genannt. Die Schrift nennt ihn nicht den ,,zweiten Adam“, sondern den ,,letzten Adam“; sie bezeichnet ihn nicht als den ,,letzten Men schen“, sondern als den ,,zweiten Menschen“. Bitte beachtet diesen Unterschied, denn er birgt eine Wahrheit von großem Wert. Als der letzte Adam ist Christus die Zusammenfassung der gesamten Menschheit. Als der zweite Mensch ist er das Haupt eines neuen Geschlechtes. Wir finden hier also eine zweifache Einheit mit uns Menschen: die erste hat mit seinem Tod und die zweite mit seiner Auferstehung zu tun. Zunächst einmal begann

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Sein Tod und seine Auferstehung – stellvertretend und uns einschließend


Das Kreuz Christi seine Einheit mit dem Menschengeschlecht historisch bei seiner Geburt in Bethlehem und endete am Kreuz und im Grab. In dieser Einheit schloß er als der ,,letzte Adam“ alles in sich selbst mit ein, was sich in Adam befand, und brachte es unter das Gericht und in den Tod. Dann begann unsere zweite Einheit mit ihm als dem ,,zweiten Menschen“ mit der Auferstehung und endet in der Ewigkeit (d. h. sie endet niemals). In seinem Tod beseitigte er den ersten Menschen, der die Ausführung von Gottes Vorsatz vereitelt hatte; er auferstand als das Haupt eines neuen Menschengeschlechts, mit dem dieser Vorsatz schließlich vollständig ausgeführt werden wird. Als daher der Herr Jesus gekreuzigt wurde, wurde er als der letzte Adam gekreuzigt. Alles, was sich im ersten Adam befand, wurde zusammengefaßt und in ihm beseitigt. Wir waren am Kreuz in ihn eingeschlossen. Als der letzte Adam vernichtete er das alte Menschengeschlecht, als der zweite Mensch schuf er das neue Geschlecht. In seiner Auferstehung kam er als der zweite Mensch hervor, und dort waren wir ebenfalls mit eingeschlossen. ,,Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind in der Gleichheit seines Todes, werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein“ (Röm. 6:5). In ihm als dem letzten Adam sind wir gestorben, und in ihm als dem zweiten Menschen leben wir nun. Das Kreuz ist also die gewaltige Tat Gottes, durch die er uns aus Adam in Christus hineinversetzte.

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Die große Scheidung durch das Kreuz

Auf diese Weise ist die erste Schöpfung in Satans Hand zur alten Schöpfung geworden, und Gottes Hauptaugenmerk gilt nun nicht mehr dieser, sondern einer neuen zweiten Schöpfung. Er brachte eine neue Schöpfung, ein neues Reich und eine neue Welt hervor, in die nichts aus der alten Schöpfung, dem alten Reich oder der alten Welt hinübergenommen werden kann. Fortan gibt es diese zwei miteinander rivalisierenden Bereiche, und die Frage ist nun, zu welchem Bereich wir gehören. Der Apostel Paulus läßt nicht den leisesten Zweifel daran, zu welchem dieser zwei Bereiche wir gehören. Er verkündigt uns, daß Gott uns durch die Erlösung ,,errettet hat aus der Gewalt

der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe“ (Kol. 1:13). Wir sind nun Bürger seines Reiches. Um uns aber in sein neues Reich hineinbringen zu können, muß Gott etwas Neues in uns schaffen. Er muß aus uns neue Geschöpfe machen. Ohne daß wir neu geschaffen werden, passen wir nicht in den neuen Bereich hinein. ,,Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch“, und ,,Fleisch und Blut können das Reich Gottes nicht erben; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit“ (Joh. 3:6; 1.Kor. 15:50). Mag das Fleisch auch noch so aufgebessert, gebildet oder kultiviert sein – es ist und bleibt Fleisch. Unsere Tauglichkeit für das neue Reich hängt von der Schöpfung ab, zu der wir gehören. Gehören wir der alten oder der neuen Schöpfung an? Sind wir vom Fleisch oder vom Geist geboren? Letztlich hängt unsere Tauglichkeit für diesen neuen Bereich von unserer Herkunft ab. Es geht nicht um gut oder böse, sondern um Fleisch oder Geist. ,,Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch“ und wird auch niemals etwas anderes werden. Was von der alten Schöpfung abstammt, kann niemals in die neue Schöpfung hineingelangen. Wenn wir wirklich verstanden haben, was Gott erreichen will, daß er nämlich für sich etwas völlig Neues schaffen möchte, dann verstehen wir auch, daß wir mit nichts aus dem Alten zum Neuen etwas beitragen können. Gott plante uns für sich selbst, konnte uns aber so, wie wir waren, nicht an dem, was er vorhatte, teilhaben lassen. Daher beseitigte er uns zuerst durch das Kreuz Christi und gab uns durch die Auferstehung neues Leben: ,,Ist jemand in Christus, so ist eine neue Schöpfung da; das Alte ist vergangen, siehe, es ist neu geworden“ (2.Kor. 5:17). Da wir nun neue Geschöpfe mit einer neuen Natur und neuen Fähigkeiten geworden sind, können wir in dieses neue Reich, diese neue Welt, eintreten. Das Kreuz benutzte Gott, um das Alte zu beseitigen, indem er unseren alten Menschen beendete. Die Auferstehung benutzte

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Kapitel 5

Die große Scheidung durch das Kreuz

Das Reich dieser Welt ist nicht das Reich Gottes. Gott liebte das Universum, das er geschaffen hatte. Er hatte eine Welt geplant, die in Christus, seinem Sohn, aufgehauptet werden sollte (Kol. 1:16-17). Satan jedoch, der im Fleisch des Menschen wirkte, errichtete statt dessen ein Konkurrenz-System, das die Bibel ,,diese Welt“ nennt. Der Mensch ist Teil dieses Weltsystems, in dem Satan herrscht. Satan wurde in der Tat zum ,,Fürst dieser Welt“ (Joh. 12:31).

Zwei Schöpfungen


Die große Scheidung durch das Kreuz

Die große Scheidung durch das Kreuz

er dazu, alles in uns hineinzubringen, was wir zum Leben in dieser neuen Welt brauchen. ,,Wir sind also mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, ebenso auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln sollen“ (Röm. 6:4). Das größte Minus im ganzen Universum ist das Kreuz, da Gott mit ihm alles, was nicht von ihm selbst stammte, auslöschte. Das größte Plus hingegen in diesem Universum ist die Auferstehung, denn durch sie brachte Gott die Dinge des neuen Bereiches hervor. Die Auferstehung steht also an der Schwelle zur neuen Schöpfung. Gesegnet ist, wer sieht, daß das Kreuz alle Dinge des ersten Herrschaftsbereiches beendet und die Auferstehung alles hervorgebracht hat, was für den zweiten Herrschaftsbereich notwendig war. Alles, was vor der Auferstehung begann, mußte ausgelöscht werden. Die Auferstehung ist Gottes Neubeginn. Wir haben es daher mit zwei Welten zu tun: mit einer alten und einer neuen. In der alten besitzt Satan die Herrschaft. Ihr mögt zwar gute Menschen in der alten Schöpfung sein – solange ihr jedoch zur alten Schöpfung gehört, steht ihr unter dem Todesurteil, da aus der alten Schöpfung gar nichts in die neue übernommen werden kann. Durch das Kreuz hat Gott verkündigt, daß alles, was zur alten Schöpfung gehört, zum Tode verurteilt ist. Nichts vom alten Adam kommt am Kreuz vorbei, alles wird dort beendet. Je eher wir dies erkennen, desto besser, denn Gott hat durch das Kreuz für uns einen Ausweg aus der alten Schöpfung geschaffen. Gott faßte alles, was zu Adam gehörte, in seinem Sohn zusammen und ließ ihn kreuzigen, so daß in ihm alles Adamitische beseitigt wurde. Daraufhin verkündigte Gott sozusagen dem ganzen Universum: ,,Durch das Kreuz habe ich alles aus dem Weg geräumt, was nicht von mir stammt. Dies schließt euch alle, die ihr der alten Schöpfung angehört, mit ein. Auch ihr seid mit Christus gekreuzigt worden!“ Keiner von uns kann diesem Urteil entrinnen.

Damit sind wir beim Thema der Taufe. ,,Oder wißt ihr nicht, daß alle, die wir in Christus Jesus hineingetauft wurden, in seinen Tod hineingetauft sind? Wir sind also mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus aus den Toten auferweckt wurde durch die Herrlichkeit des Vaters, ebenso auch wir in der Neuheit des Lebens wandeln sollen“ (Röm. 6:3-4). Laßt uns einmal darüber nachdenken, was diese Verse bedeuten. In der Schrift wird die Taufe mit der Errettung in Verbindung gebracht. ,,Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden“ (Mk. 16:16). Nach der Bibel dürfen wir zwar nicht von ,,Wiedergeburt durch die Taufe“ sprechen, wohl aber von ,,Errettung durch die Taufe“. Was ist denn Errettung? Sie hat nichts mit unseren Sünden oder der Macht der Sünde zu tun, sondern mit dem Kosmos oder System dieser Welt. Wir sind Teil von Satans Weltsystem, und errettet zu werden bedeutet, aus dem Weltsystem Satans heraus- und in das Reich Gottes hineinzukommen. Paulus rühmt sich des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, ,,durch welchen mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal. 6:14). Dieser Vers entspricht auch dem von Petrus beschriebenen Bild, in dem er von acht Seelen sprach, die ,,sicher durch Wasser hindurchgebracht wurden“ (1.Petr. 3:20). Noah und die Seinen gingen in die Arche hinein und taten so im Glauben den Schritt aus der alten Schöpfung hinein in eine neue. Es ging dabei nicht so sehr darum, daß sie nicht ertranken, sondern daß sie aus diesem verdorbenen System herauskamen. Dies ist die Bedeutung der Errettung. Petrus fährt fort: ,,Das Gegenbild davon, die Taufe, rettet jetzt auch euch“ (1.Petr. 3:21). Mit anderen Worten werden wir durch den Aspekt des Kreuzes, der in der Taufe versinnbildlicht wird, aus diesem gegenwärtigen bösen Zeitalter herausgerettet und bestätigen dies durch die Taufe im Wasser. Die Taufe ist einerseits eine Taufe in seinen Tod, wodurch die eine Schöpfung beendet wird, andererseits ist sie aber auch eine Taufe in Christus

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Jesus, wodurch wir in die neue Schöpfung hineingebracht werden (Röm. 6:3). Wer im Wasser untertaucht, dessen Welt geht bildlich gesprochen mit ihm unter. Er kommt in Christus wieder empor, seine alte Welt jedoch ist ertrunken. ,,Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus gerettet“, sagte Paulus in Philippi und brachte dem Kerkermeister und seinem ganzen Haus das Wort des Herrn. Dieser ,,ließ sich ohne Aufschub taufen, er und alle die Seinen“. Mit ihrer Taufe bezeugten sie vor Gott, seinem Volk und allen geistlichen Mächten, daß sie aus einer Welt, die unter dem Gericht Gottes steht, errettet worden waren. Weiter lesen wir: ,,Er jubelte darüber, daß er mit seinem ganzen Haus an Gott gläubig geworden war“ (Apg. 16:31-34). Somit wird klar, daß es bei der Taufe um weit mehr als nur um eine Handvoll Wasser oder ein Taufbecken geht. Die Taufe ist etwas Gewaltiges, da sie mit dem Tod und der Auferstehung unseres Herrn zusammenhängt und zwei verschiedene Welten betrifft. Jeder, der schon einmal miterlebt hat, wie sich in heidnischen Ländern Menschen zum Herrn bekehren, weiß, was für ungeheuerliche Auswirkungen mit der Taufe verbunden sein können.

Petrus führt diesen Abschnitt weiter fort und beschreibt die Taufe als ,,die Bitte an Gott, uns ein gutes Gewissen zu geben“ (1.Petr. 3:21). Unsere Bitte hat eine Grundlage, nämlich das, was Gott zuvor gesagt hatte. Gott sprach durch das Kreuz. Durch das Kreuz verkündete er uns sein Gericht über uns, über die Welt, die alte Schöpfung und das alte Reich. Das Kreuz ist nicht nur das persönliche Kreuz Christi, ein individuelles Kreuz, sondern es ist ein allumfassendes, ein korporatives Kreuz, das mich und dich mit einschließt. Gott versetzte uns alle in seinen Sohn und

kreuzigte uns mit ihm. Im letzten Adam löschte er alles aus, was dem ersten Adam angehörte. Wie lautet nun meine Antwort auf Gottes Urteil über die alte Schöpfung? Ich antworte mit der Bitte um Taufe. Warum? In Römer 6:4 erklärt Paulus, daß die Taufe ein Begräbnis ist: ,,Wir sind also mit ihm begraben durch die Taufe.“ Es ist klar, daß die Taufe sowohl mit dem Tod als auch mit der Auferstehung zusammenhängt. Taufe an sich bedeutet jedoch keines von beiden, sondern sie bedeutet Begräbnis. Und wer wird begraben? Nur ein Toter! Wenn ich also um die Taufe bitte, erkläre ich mich für tot und tauglich nur für das Grab. Leider wurden viele von uns gelehrt, die Taufe als ein Mittel zum Tod anzusehen. Sie versuchen nun zu sterben, indem sie sich begraben lassen. Ich muß dem mit allem Nachdruck entgegenhalten: Wir haben nicht das Recht, uns taufen zu lassen, bevor Gott uns nicht die Augen dafür geöffnet hat, daß wir in Christus gestorben und begraben sind. Der Grund, warum wir ins Wasser hinabsteigen, ist, daß wir erkannt haben, daß wir in Gottes Augen bereits gestorben sind, und dies bezeugen wir mit der Taufe. Gottes Frage an uns ist denkbar einfach: ,,Christus ist gestorben, und ich habe dich in seinen Tod eingeschlossen. Was sagst du nun zu dieser Tatsache?“ Und wie antworte ich darauf? ,,Herr, ich glaube, daß du das Kreuzigungswerk bereits vollbracht hast. Ich sage ja zu meinem Tod und Begräbnis, zu denen du mich bestimmt hast.“ Er übergab mich bereits dem Tod und dem Grab, und durch meine Taufe gebe ich öffentlich meine Zustimmung dazu bekannt. In China gab es einmal eine Frau, die über dem Tod ihres Mannes so wirr wurde, daß sie sich weigerte, ihn begraben zu lassen. Vierzehn Tage lang lag er in ihrem Hause. ,,Nein, er ist nicht tot“, sagte sie, ,,ich spreche jede Nacht mit ihm.“ Die Ärmste konnte nicht glauben, daß er tot war, und wollte ihn deshalb nicht begraben lassen. Wann sind wir bereit, unsere

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Begräbnis bedeutet Beendigung


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Toten zu begraben? Nur wenn wir absolut sicher sind, daß sie wirklich verschieden sind. Solange auch nur die geringste Hoffnung besteht, daß sie leben, denken wir nicht daran, sie zu begraben. Wann werde ich mich also taufen lassen? Erst wenn ich erkenne, daß Gottes Handeln vollkommen ist und ich den Tod verdient habe, erst wenn ich tatsächlich glaube, daß Gott mich bereits gekreuzigt hat. Wenn mir mein Tod in Gottes Augen zur Gewißheit geworden ist, kann ich mich taufen lassen. Denn dann kann ich sagen: ,,Gott Lob und Preis, ich bin tot! Herr, du hast mich hingerichtet. Nun begrabe mich auch!“ Es gibt zwei Notdienste in China, das ,,Rote Kreuz“ und das ,,Blaue Kreuz“. Das Rote Kreuz kümmert sich um die im Kampf verwundeten Lebenden, leistet ihnen Beistand und gewährt medizinische Versorgung. Das Blaue Kreuz kümmert sich um die Toten, die in Hungersnöten, Hochwassern oder Kriegen umgekommen sind, und begräbt sie. Gott behandelt uns durch das Kreuz Christi viel gründlicher, als es die Versorgung durch das Rote Kreuz vermag. Gott versucht nicht, die alte Schöpfung auszubessern. Er hat sogar die noch Lebenden zum Tode und Begrabenwerden verurteilt, allerdings mit dem Ziel, sie zu neuem Leben aufzuerwecken. Gott hat das Kreuzigungswerk bereits vollbracht, so daß wir nun zu den Toten zählen. Wir müssen diese Tatsache anerkennen, das Werk des Blauen Kreuzes an uns geschehen lassen und unseren Tod mit einem ,,Begräbnis“ besiegeln. Es gibt eine alte und eine neue Welt, und zwischen beiden liegt ein Grab. Gott hat mich zwar bereits gekreuzigt, aber ich muß zustimmen, dem Grab übergeben zu werden. Meine Taufe bekräftigt Gottes Urteil über mich, das am Kreuz seines Sohnes verkündigt wurde. Sie bestätigt, daß ich aus der alten Welt herausgenommen bin und nun der neuen Welt angehöre. Die Taufe hat also eine gewaltige Bedeutung. Sie bedeutet nämlich den bewußten Bruch mit meiner alten Lebensweise, wie es in Römer 6:2 heißt: ,,Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben

sind, noch in ihr leben?“ Paulus fragt mit anderen Worten: ,,Wenn ihr in der alten Welt weiterleben wollt, warum laßt ihr euch dann taufen? Ihr hättet euch nicht taufen lassen sollen, wenn ihr noch eure alte Lebensweise weiter beibehalten wollt.“ Haben wir einmal die Kraft dieser Aussage erkannt, sind wir bereit, der neuen Schöpfung Platz zu machen und dem Begräbnis der alten zuzustimmen. In Römer 6:5, wo Paulus sich immer noch an die ,,in Christus Jesus“ Hineingetauften (V. 3) wendet, spricht er davon, daß ,,wir mit ihm zusammengewachsen sind in der Gleichheit seines Todes“. Denn durch die Taufe erkennen wir sinnbildlich an, daß Gott uns im Tod und in der Auferstehung mit Christus unauflösbar vereinigt hat. Eines Tages wollte ich einem Bruder die Unwiderruflichkeit dieser Einheit erklären, als wir gerade zusammen Tee tranken. Ich nahm ein Stück Zucker und ließ es in meinem Tee zergehen. Einige Minuten später fragte ich ihn, ob er mir nun sagen könne, wo der Zucker und wo der Tee sei. ,,Nein“, sagte er mir, ,,denn eins ist im anderen aufgegangen, so daß sie nicht mehr getrennt werden können.“ Einfach wie das Beispiel war, half es ihm, die Unwiderruflichkeit und Endgültigkeit unserer Einheit mit Christus in seinem Tod zu erkennen. Gott brachte uns in diese Einheit hinein, und Gottes Handeln ist unwiderruflich. Was beinhaltet nun diese Einheit? Die eigentliche Bedeutung der Taufe besteht darin, daß wir am Kreuz in den historischen Tod Christi hineingetauft wurden, so daß sein Tod zu unserem wurde. Sein Tod und der unsrige wurden so unauflöslich miteinander verbunden, daß sie nicht mehr getrennt werden können. Durch unser Hinabsteigen ins Wasser geben wir unsere Zustimmung zu dieser historischen ,,Taufe“ – zu dieser gottgewirkten Einheit mit ihm. Das öffentliche Zeugnis unserer Taufe ist unser Bekenntnis, daß der Tod Christi vor zweitausend Jahren ein gewaltiger und allumfassender Tod war, so gewaltig und

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allumfassend, daß er alles in uns, was nicht von Gott stammt, auslöscht und beseitigt.

edelt seien. ,,Glauben Sie, ich würde mein Land an nicht veredelte Bäume verschwenden?“, entgegnete er. ,,Von den wilden Bäumen ist nichts zu erwarten.“ Ich bat ihn, mir den Vorgang des Einpfropfens zu erklären, was er gerne tat. ,,Wenn ein Baum eine bestimmte Höhe erreicht hat“, sagte er, ,,schneide ich die Krone ab und pfropfe den neuen Trieb auf. Sehen Sie jenen Baum dort? Das ist mein Mutterbaum, denn alle Triebe für die anderen Bäume kommen von ihm. Blieben die anderen Bäume ihrem natürlichen Wachstum überlassen, würden die Früchte etwa die Größe von Himbeeren haben und nur aus einer dicken Haut und einem Stein bestehen. Dieser Baum aber hat saftige, pflaumengroße Früchte mit ganz dünner Haut und einem winzigen Stein. Alle veredelten Bäume tragen dann natürlich solche Früchte.“ – ,,Wie geschieht denn das“, fragte ich. ,,Ich nehme einfach ein wenig von der Natur des einen Baumes und verpflanze sie in einen anderen“, erklärte er. ,,Ich mache einen Keil in den wilden Baum, stecke das Edelreis hinein, verbinde die Stelle und lasse es wachsen.“ – ,,Aber wie kann das denn wachsen?“ fragte ich. ,,Ich weiß es auch nicht, aber es wächst“, war die Antwort. Dann zeigte er mir einen Baum, der unterhalb des veredelten Stammes kümmerliche, oberhalb jedoch dicke, saftige Früchte trug. ,,Die alten Triebe mit ihren unbrauchbaren Früchten habe ich gelassen, um den Unterschied zeigen zu können“, sagte er. ,,Daran erkennen Sie die Bedeutung des Einpfropfens. Nun sehen Sie selbst, warum ich nur veredelte Bäume besitze.“ Wie kann ein Baum die Früchte eines anderen tragen? Wie kann ein schlechter Baum gute Früchte hervorbringen? Nur durch den Veredelungsprozeß, nur indem das Leben eines guten Baumes in ihn eingepflanzt wird. Wenn aber ein Mensch schon das Reis eines Baumes einem anderen einpfropfen kann, sollte Gott dann nicht in der Lage sein, das Leben seines Sohnes uns ,,einzupfropfen“?

Die Auferstehung zu neuem Leben ,,Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind in der Gleichheit seines Todes, werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein“ (Röm. 6:5). Ich wurde ,,in seinen Tod hineingetauft“ , doch in seine Auferstehung gelange ich auf eine andere Art und Weise, denn – der Herr sei dafür gelobt – seine Auferstehung kommt in mich hinein und gibt mir ein neues Leben. Aus diesem Grund verhält es sich mit der Auferstehung anders als mit dem Tod, denn es kommt noch ein neues Element hinzu. Beim Tod des Herrn liegt der Schwerpunkt einzig und allein darauf, daß ich in Christus bin. Obwohl dasselbe auch für die Auferstehung gilt, liegt der Schwerpunkt doch eher auf Christus in mir. Wie konnte Christus mir sein Auferstehungsleben zuteil werden lassen, und wie kann ich dieses neue Leben empfangen? Paulus verwendet einen sehr anschaulichen Begriff, wenn er sagt, daß wir ,,mit ihm zusammengewachsen“ sind. Denn das Wort ,,zusammengewachsen“ hat im Griechischen auch die Bedeutung von ,,eingepfropft“, was uns ein wunderschönes Bild davon vermittelt, wie das Leben Christi durch die Auferstehung in uns hinein übertragen wird. In Fukien besuchte ich einmal einen Chinesen, der eine dreibis vierhundert Morgen große Plantage mit etwa dreihundert Longien-Bäumen* besaß. Ich fragte ihn, ob seine Bäume ver*

Long-ien (Euphoria longana) ist in China heimisch. Seine Früchte gleichen in Größe der Aprikose mit rundem Stein, trockener, hellbrauner, papierähnlicher Schale und köstlichem weißen, traubenähnlichen Fruchtfleisch. Sie werden frisch oder getrocknet gegessen und sind bei Chinesen wegen ihres Geschmacks und Nährwertes sehr geschätzt (engl. Hrsg.)

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Einmal erlitt eine Chinesin schwere Verbrennungen an ihrem Arm und mußte im Krankenhaus behandelt werden. Um zu verhindern, daß sich die vernarbte Haut zusammenzieht, beschloß man, ein Stück andere Haut an die verbrannte Stelle zu verpflanzen. Der Versuch mit einem Stück eigener Haut der Patientin blieb jedoch erfolglos, da die Patientin bereits älter war und an Unterernährung litt. Eine ausländische Krankenschwester bot daraufhin ein Stück ihrer Haut für das Transplantat an, und die Operation konnte erfolgreich ausgeführt werden. Das neue Stück Haut wuchs an, und die Patientin verließ das Krankenhaus mit einem gut verheilten Arm. Nur das helle Stück Haut auf ihrem gelben Arm erinnerte sie noch an den Unfall. Wie diese fremde Haut auf dem Arm der Chinesin anwuchs? Das weiß ich auch nicht, aber ich weiß, daß es anwuchs. Wenn ein irdischer Chirurg schon ein Stück Haut von einem menschlichen Körper nehmen und es auf einen anderen Menschen verpflanzen kann, sollte dann der göttliche Chirurg nicht das Leben seines Sohnes in mich einpflanzen können? Wie das vor sich geht, weiß ich nicht. ,,Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh. 3:8). Wir wissen nicht, wie Gottes Werk in uns getan wird, aber es wird getan. Wir können und brauchen nichts dazu tun, denn durch die Auferstehung hat Gott alles getan. Gott hat alles getan. Es gibt nur ein einziges Leben auf der Welt, das gute Frucht bringt, und dieses Leben wurde Millionen von anderen Leben eingepfropft. Diesen Vorgang nennen wir Wiedergeburt. Durch sie empfangen wir ein Leben, welches wir vorher nicht besaßen. Nicht mein natürliches Leben wurde verändert, sondern ein anderes, völlig neues, göttliches Leben wurde zu meinem Leben. Durch das Kreuz seines Sohnes hat Gott die alte Schöpfung beseitigt, um in Christus durch die Auferstehung eine neue

Schöpfung hervorzubringen. Er verschloß die Tür zum alten Reich der Finsternis und versetzte mich in das Reich seines lieben Sohnes. Ich rühme mich nun der Tatsache, daß alles vollbracht ist, daß durch das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus mir die alte Welt ,,gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal. 6:14). Die Taufe ist mein öffentliches Bekenntnis dieses Geschehens. Durch sie, wie auch durch mein mündliches Zeugnis, bekenne ich ,,zur Errettung“ (Röm. 10:10).

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Kapitel 7

hingegen, daß wir wieder für Gottes Herrlichkeit brauchbar werden. Gottes Vorsatz bei der Erlösung ist nichts anderes als Herrlichkeit, Herrlichkeit und wiederum Herrlichkeit.

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Der Erstgeborene unter vielen Brüdern

Wir sprachen davon, daß wir für ein normales Christenleben Offenbarung, Glauben und Hingabe brauchen. Wenn wir jedoch nicht erkennen, welches Ziel Gott verfolgt, werden wir niemals ganz verstehen können, warum die vorgenannten Schritte notwendig sind. Bevor wir nun also die innere Erfahrung weiter betrachten, wollen wir zunächst einmal auf das große göttliche Ziel vor uns eingehen. Welches war Gottes Vorsatz bei der Schöpfung, welches sein Vorsatz bei der Erlösung? Beides kann in zwei Begriffen zusammengefaßt werden, die jeweils im ersten und zweiten Teil des Römerbriefes zu finden sind: die ,,Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3:23) und die ,,Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm. 8:21). In Römer 3:23 heißt es: ,,Denn alle haben gesündigt und haben Mangel an der Herrlichkeit Gottes.“ Gottes Ziel mit dem Menschen war seine Herrlichkeit, doch durch die Sünde wurde dieser Plan vereitelt, und der Mensch hatte nun Mangel an der Herrlichkeit Gottes. Wenn wir das Wort Sünde hören, denken wir automatisch an das darauffolgende Gericht und verbinden sie jedesmal mit Verdammnis und Hölle. Der Mensch denkt immer an die Strafe, die ihn für die Sünde erwartet, doch Gott denkt immer an die Herrlichkeit, welche dem Menschen verlorengeht, wenn er sündigt. Die Folge der Sünde ist, daß wir Mangel an der Herrlichkeit Gottes haben, die Folge der Erlösung

Dieser Gedanke führt uns weiter zu Römer 8, wo dieses Thema in den Versen 17 bis 18 und 29 bis 30 entwickelt wird. Paulus sagt dort: ,,Wenn aber Kinder, so auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir wirklich mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm verherrlicht werden. Denn ich bin überzeugt, daß die Leiden der jetzigen Zeit in keinem Vergleich stehen zu der kommenden Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll“ (Röm. 8:17-18), und: ,,Denn welche er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleichgestaltet werden sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern; und welche er vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; und welche er berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt; und welche er gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht“ (Röm. 8:29-30). Gottes Ziel war es, seinen Sohn zum Erstgeborenen unter vielen Brüdern zu machen, die alle seinem Bilde gleichgestaltet werden sollten. Wie hat Gott nun sein Ziel erreicht? ,,Welche er gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Es war also Gottes Vorsatz bei der Schöpfung und der Erlösung, Christus zum Erstgeborenen unter vielen verherrlichten Söhnen zu machen. Dies mag vielen von euch zunächst vielleicht wenig bedeuten, doch laßt uns diese Aussagen etwas genauer anschauen. In Johannes 1:14 heißt es, daß der Herr Jesus Gottes einziggeborener Sohn war: ,,Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater.“ Daß er Gottes einziggeborener Sohn war, bedeutet, daß Gott außer ihm keinen weiteren

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Sohn hatte. Er war beim Vater von Ewigkeit her. Doch in der Bibel wird uns gesagt, daß Gott nicht damit zufrieden war, daß Christus auch der einziggeborene Sohn blieb. Er wollte ihn zum Erstgeborenen machen. Wie kann aber der Einziggeborene zum Erstgeborenen werden? Die Antwort ist einfach: indem der Vater weitere Kinder bekommt. Wenn ein Vater nur einen Sohn hat, ist dieser der Einziggeborene. Wenn derselbe Vater daraufhin noch weitere Kinder bekommt, wird der Einziggeborene zum Erstgeborenen. Es war Gottes Vorsatz mit der Schöpfung und der Erlösung, viele Kinder zu bekommen. Er wollte uns haben und war ohne uns nicht zufrieden. Vor einiger Zeit besuchte ich George Cutting, den Verfasser des bekannten Traktates ,,Sicherheit, Gewißheit und Genuß“. Als ich zu dem dreiundneunzigjährigen Bruder ins Zimmer trat, nahm er meine Hand und sagte mit ruhigen und überlegten Worten: ,,Bruder, weißt du, daß ich ihn brauche? Und weißt du auch, daß er mich braucht?“ Obwohl ich eine Stunde lang bei ihm blieb, war eine längere Unterhaltung wegen seines hohen Alters und seiner Gebrechlichkeit nicht möglich. Was mir jedoch von diesem Besuch in Erinnerung blieb, war die häufige Wiederholung dieser zwei Fragen: ,,Bruder, weißt du, daß ich ihn brauche? Und weißt du auch, daß er mich braucht?“ Was die meisten Menschen am Gleichnis vom verlorenen Sohn beeindruckt, ist die Not, in die der verlorene Sohn gerät. Das eigentliche Anliegen des Gleichnisses ist jedoch nicht die Not des Sohnes, sondern: ,,Dieser mein Sohn ... war verloren und ist wiedergefunden“ (Luk. 15:24). Dies ist der Kernsatz. Es geht nicht um das Leiden des Sohnes, sondern um den Verlust, den der Vater erleidet. Er ist der Leidtragende. Wen betraf der Verlust des Schafes? Den Hirten. Wen betraf der Verlust der Münze? Die Frau. Wen betraf der Verlust des Sohnes? Den Vater. Dies ist die Lektion, die wir aus Lukas 15 lernen sollen.

Der Herr Jesus war der einziggeborene Sohn, und als solcher hatte er keine Brüder. Der Vater aber sandte den Sohn, damit der Einziggeborene zum Erstgeborenen würde und sein geliebter Sohn viele Brüder bekäme. Dies ist der eigentliche Sinn der Fleischwerdung und des Kreuzes, und es ist schließlich auch der Vorsatz Gottes, den er erfüllte, indem er ,,viele Söhne zur Herrlichkeit führte“ (Hebr. 2:10). In Römer 8:29 lesen wir von ,,vielen Brüdern“ , in Hebräer 2:10 von ,,vielen Söhnen“ . Aus der Sicht des Herrn Jesus sind wir Brüder, aus der Sicht Gottes des Vaters sind wir Söhne. Beide Bezeichnungen beinhalten in diesem Zusammenhang den Gedanken der Reife. Gott sehnt sich nach Söhnen, die die volle Reife erlangt haben. Doch selbst damit ist er noch nicht zufrieden, denn seine Söhne sollen nicht in einer Scheune oder Garage oder auf dem Feld wohnen. Er möchte sie bei sich in seinem Hause haben und mit ihnen seine Herrlichkeit teilen. Das ist auch die Erklärung für Römer 8:30: ,,... welche er gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht.“ Gottes Ziel mit seinen vielen Söhnen ist die Sohnschaft – der volle Ausdruck seines Sohnes. Wie erreicht er dieses Ziel? Indem er seine Söhne rechtfertigt und dann verherrlicht. Gott wird nicht eher ruhen, bis er dieses Ziel erreicht hat. Er beschloß, Söhne zu haben und diese gereiften und verantwortungsbewußten Söhne in seine Herrlichkeit hineinzubringen. Den ganzen Himmel bereitete er als Wohnung für seine verherrlichten Söhne. Dies war sein Vorsatz bei der Erlösung der Menschheit.

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Das Weizenkorn Wie konnte Gottes einziggeborener Sohn zu seinem erstgeborenen werden? Die Erklärung dafür finden wir in Johannes 12:24: ,,Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt,


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so bringt es viel Frucht.“ Wer war dieses Weizenkorn? Der Herr Jesus. Im ganzen Universum hatte Gott nur dieses eine Korn, und er ließ es in die Erde fallen und sterben. In der Auferstehung wurde das einziggeborene Korn zum erstgeborenen Korn, und dieses Korn brachte viele weitere hervor. In bezug auf seine Göttlichkeit bleibt der Herr Jesus immer der einziggeborene Sohn Gottes. Andererseits jedoch ist er von der Auferstehung an bis in alle Ewigkeit der Erstgeborene, dessen Leben sich von nun an in vielen Brüdern findet. Wir sind vom Geist geboren und sind ,,Teilhaber der göttlichen Natur“ geworden (2.Petr. 1:4). Dies alles haben wir aber nicht aus uns selbst – und es ist wichtig, dies zu sehen –, sondern in Abhängigkeit von Gott und weil wir in Christus sind, wie wir im folgenden noch sehen werden. Wir haben nun den ,,Geist der Sohnschaft empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, daß wir Gottes Kinder sind“ (Röm. 8:15-16). Durch seine Fleischwerdung und seinen Kreuzestod machte der Herr Jesus dies möglich. Durch seinen Gehorsam bis zum Tod stillte der Sohn die Sehnsucht im Herzen des Vaters, weil dieser nun seine vielen Söhne bekam. Das erste und das zwanzigste Kapitel des Johannesevangeliums zeigen uns diesen Zusammenhang in wunderbarer Weise. Zu Beginn seines Evangeliums erklärt Johannes, daß Jesus der ,,Einziggeborene vom Vater“ war. Am Ende seines Evangeliums berichtet er, wie Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung zu Maria Magdalena sagte: ,,Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh. 20:17). Im Johannesevangelium hatte der Herr bis dorthin häufig von ,,dem Vater“ und ,,meinem Vater“ gesprochen. Nun in der Auferstehung fügt er ,,... und eurem Vater“ hinzu und spricht somit als ältester Sohn, als Erstgeborener. Durch seinen Tod und seine Auferstehung wurden viele Brüder in Gottes Familie hineingebracht. Aus

diesem Grund nennt er sie nun in diesem Vers ,,meine Brüder“ und bestätigt dadurch, daß er sich nicht schämt, ,,sie Brüder zu nennen“ (Hebr. 2:11).

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Adams Entscheidung Gott pflanzte allerlei Bäume im Garten Eden, aber ,,in der Mitte des Gartens“ – d. h. an einer besonderen Stelle – pflanzte er zwei Bäume: den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Adam war unschuldig erschaffen worden, ohne ein Unterscheidungsvermögen zwischen gut und böse. Stellt euch einen Mann von etwa 30 Jahren vor, der nicht fähig ist, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden! Würdet ihr solch einen Menschen nicht als unterentwickelt bezeichnen? Auf genau dieser Stufe aber stand Adam. Gott führte ihn in den Garten und erklärte ihm sinngemäß: ,,Der Garten ist voller Bäume mit Früchten. Von jeder Frucht darfst du nach Belieben essen. Nur in der Mitte des Gartens steht ein Baum, ,der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen‘ genannt, von dem darfst du nicht essen, denn an dem Tag, an dem du von ihm ißt, wirst du des Todes sterben. Aber der Baum gleich daneben heißt ,der Baum des Lebens‘.“ – Was bedeuten nun diese beiden Bäume? Adam wurde sozusagen moralisch neutral geschaffen; er war weder sündig noch heilig, sondern einfach unschuldig. Gott stellte ihm diese beiden Bäume vor, damit er frei wählen sollte. Er konnte den Baum des Lebens oder den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen wählen. Die Erkenntnis von gut und böse, obgleich sie Adam verboten war, ist an sich nichts Schlechtes. Ohne sie war Adam gewissermaßen begrenzt, da er selbst keine moralische Entscheidung zu treffen vermochte. Das Urteil über gut und böse stand nicht ihm zu, sondern Gott. Wenn Adam sich einer moralischen Entscheidung gegenübersah, konnte er sie nur an Jehova Gott


Der ewige Vorsatz

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weitergeben. Er lebte so in völliger Abhängigkeit von Gott. Diese beiden Bäume symbolisieren zwei Prinzipien, zwei Ebenen des Lebens: die göttliche und die menschliche Ebene. Der Baum des Lebens stellt Gott selbst dar, denn Gott ist Leben. Er ist die höchste Form des Lebens, er ist auch der Ursprung und das Ziel allen Lebens. Und was ist die Frucht? Unser Herr Jesus Christus. Nur die Frucht eines Baumes, nicht aber den Baum selbst kann man essen. Niemand kann Gott als Gott empfangen, aber den Herrn Jesus können wir empfangen. Die Frucht ist der eßbare Teil des Baumes. Wenn ich es so sagen darf, ist also der Herr Jesus Gott in seiner aufnehmbaren Form. Wir können Gott in Christus empfangen. Adam stand vor einer Entscheidung: Nähme er vom Baum des Lebens, würde er des Lebens Gottes teilhaftig werden. Auf diese Weise würde er ein Sohn Gottes werden, der das göttliche Leben in sich trägt. Gottes Leben würde eine Vereinigung mit dem Menschen eingehen, und ein Menschengeschlecht mit göttlichem Leben in ständiger Abhängigkeit von Gott würde entstehen. Wählte Adam aber den anderen Weg und äße vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, würde er damit sein natürliches Menschsein getrennt von Gott entwickeln. Als ein unabhängiges Wesen hätte er damit die Fähigkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden, würde aber nicht das Leben Gottes in sich tragen. Dies waren die Alternativen, vor denen Adam stand: der Weg des Geistes, der Weg des Gehorsams, der ihn zu einem Sohn Gottes in Abhängigkeit von seinem Schöpfer machen würde, oder der natürliche Weg, der ihn auf den Höhepunkt seiner Entwicklung als ein von Gott unabhängiges Wesen bringen würde. Die ganze Menschheitsgeschichte ist das Ergebnis dieser Entscheidung Adams.

Adams Entscheidung machte das Kreuz notwendig

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Adam wählte den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, wurde unabhängig von Gott und damit zu dem ,,hochentwickelten“ Menschen, als den sich der Mensch heute sieht. Er wurde wissend, konnte selbst entscheiden und sein Handeln bestimmen. Von da an war er ,,klug“ (1.Mose 3:6). Aber die Folge für Adam war Tod statt Leben, denn er war bei seiner Entscheidung einem Rat Satans gefolgt, und dies brachte ihm das Gericht Gottes. Darum mußte ihm auch der Zugang zum Baum des Lebens verwehrt werden. Zwei Ebenen des Lebens wurden Adam vorgelegt: die des göttlichen Lebens in Abhängigkeit von Gott und die des menschlichen Lebens mit seinen von Gott unabhängigen Versorgungsquellen. Adams Entscheidung für den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen war Sünde, da er sich dadurch mit Satan verband und auf diese Weise Gottes ewigen Vorsatz vereitelte. Er entschied sich dafür, sein Menschsein zu entwickeln, ein vielleicht sehr guter, in seinen Augen sogar ,,vollkommener“ Mensch zu werden – doch getrennt von Gott. Das Ergebnis war Tod, da er Gottes Leben nicht in sich trug, das für die Erfüllung von Gottes Vorsatz mit ihm notwendig war. Statt dessen entschied sich Adam dafür, ein von Gott unabhängiges Instrument in der Hand des Feindes zu werden. So wurden wir in Adam alle zu Sündern, die gleich ihm von Satan beherrscht werden, dem Gesetz der Sünde und des Todes unterliegen und den Zorn Gottes verdienen. Hieraus können wir die Notwendigkeit für den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus aus Gottes Sicht verstehen. Auch verstehen wir die Notwendigkeit für die wirkliche Hingabe – dafür, daß wir uns so einschätzen sollen, daß wir der Sünde gestorben sind, aber Gott in Christus leben und uns selbst als die, 103


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die aus den Toten auferstanden sind, ihm hingeben. Wir müssen alle ans Kreuz, denn von Natur aus leben wir nur das Leben unseres Ich, und dieses unterliegt dem Gesetz der Sünde. Adam entschied sich, statt des göttlichen Lebens sein eigenes Leben auszuleben. Aus diesem Grund mußte Gott alles, was in Adam war, zusammenfassen und beenden. Unser alter Mensch ist gekreuzigt worden. Gott schloß uns alle in Christus ein und ließ ihn als den letzten Adam kreuzigen. Alles, was von Adam stammt, wurde damit beendet. Danach aber ist Christus in neuer Gestalt auferstanden. Er besaß immer noch einen Leib, aber er war im Geist und nicht mehr im Fleisch. ,,Der letzte Adam“ wurde ,,zum Geist, der das Leben gibt“ (1.Kor. 15:45). Der Herr Jesus hat nun einen Auferstehungsleib, einen geistlichen, verherrlichten Leib, und da er nun nicht mehr im Fleisch ist, kann er von allen Menschen aufgenommen werden. ,,So wird auch, wer mich ißt, um meinetwillen leben“, sagte Jesus in Johannes 6:57. Die Juden waren von dem Gedanken, sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken, zutiefst abgestoßen, aber sie konnten Jesus im wörtlichen Sinn auch nicht aufnehmen, da er damals noch im Fleisch war. Nun aber, da er im Geist ist, können wir ihn alle aufnehmen und an seinem Auferstehungsleben teilhaben. Dadurch werden wir zu Kindern Gottes: ,,Wieviele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die ... aus Gott geboren sind“ (Joh. 1:12-13). Gott hat keine Absicht, unser natürliches Leben zu reformieren oder es zu einem gewissen Standard hochzuzüchten, denn das wäre die falsche Ebene, auf welcher der Mensch nicht verherrlicht werden kann. Gott braucht einen neuen Menschen, einen wiedergeborenen, d. h. von Gott geborenen Menschen. Wiedergeburt und Rechtfertigung gehören zusammen.

Wer den Sohn hat, der hat das Leben

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Es gibt verschiedene Ebenen des Lebens. Das menschliche Leben befindet sich zwischen dem Leben der Tiere und dem Leben Gottes. Niemand kann die Kluft überbrücken, die uns von der höheren oder tieferen Ebene trennt. Die Entfernung zum göttlichen Leben ist aber weitaus größer als die zum Leben der Tiere. In China besuchte ich einmal einen in der christlichen Arbeit führenden Mann, der krank im Bett lag. Ich nenne ihn hier Herrn Wong. Er war ein sehr gelehrter Mann, ein Doktor der Philosophie, der aufgrund seines hohen moralischen Standards in ganz China sehr angesehen war. Schon lange war er in der christlichen Arbeit tätig gewesen, glaubte aber nicht an die Notwendigkeit der Wiedergeburt. Was er den Menschen verkündigte, war ein soziales Evangelium von Liebe und guten Werken. Als ich Herrn Wong besuchte, lag sein Hund neben seinem Bett. Nachdem ich mit ihm eine Weile über die Dinge Gottes und die Natur des göttlichen Wirkens in uns gesprochen hatte, fragte ich ihn nach dem Namen seines Hundes. Herr Wong sagte mir, sein Hund hieße Fido, worauf ich fragte, ob Fido sein Voroder Nachname sei. ,,So heißt er einfach“, war die Antwort. ,,Wenn es sein Vorname ist, kann ich ihn dann Fido Wong nennen?“, fragte ich weiter. ,,Nein, auf gar keinen Fall!“, kam die Antwort mit Nachdruck. ,,Aber er lebt doch in Ihrer Familie“, warf ich ein, ,,warum nennen Sie ihn dann nicht Fido Wong?“ Ich deutete auf seine beiden Töchter und wollte von ihm wissen: ,,Heißen nicht ihre beiden Töchter Wong?“ – ,,Ja.“ – ,,Also, warum kann ich dann Ihren Hund nicht auch Meister Wong nennen?“ Dr. Wong lachte, worauf ich fortfuhr: ,,Merken Sie, worauf ich hinaus will? Ihre Töchter wurden in Ihre Familie hineingeboren und tragen Ihren Namen, weil sie auch Ihr Leben besitzen. Ihr Hund mag zwar ein intelligentes, wohlerzogenes 105


Die Bedeutung von Römer 7

Kapitel 9

Die Bedeutung von Römer 7

Laßt uns nun mit unserer Betrachtung des Römerbriefs fortfahren, die wir am Ende von Kapitel 6 unterbrachen, um zwei daraus erwachsende Themen zu betrachten: erstens Gottes ewigen Vorsatz, welcher der Beweggrund und das Ziel unseres Wandels mit Christus ist, und zweitens den Heiligen Geist, die Quelle und Kraft, durch die wir dieses Ziel erreichen. Nun kommen wir zu Römer 7, einem Kapitel, das viele als beinahe überflüssig ansehen. Vielleicht wäre es in der Tat überflüssig, wenn die Christen wirklich eine innere Sicht davon hätten, daß die alte Schöpfung durch das Kreuz Christi abgetan wurde und eine völlig neue Schöpfung durch seine Auferstehung entstanden ist. Wenn wir dahin kommen, daß wir es wirklich wissen, uns dafür halten und aufgrund dessen uns ihm hingeben, dann bräuchten wir vielleicht tatsächlich Römer 7 nicht. Andere sind der Meinung, daß dieses Kapitel an der falschen Stelle im Römerbrief steht, und sähen es lieber zwischen Kapitel 5 und 6. Nach Kapitel 6 sei alles vollendet und eindeutig, doch darauf folge dieser überraschende Zusammenbruch mit dem Aufschrei: ,,Ich elender Mensch!“ Welch ein Abstieg nach diesem Höhepunkt! Manche kamen daraufhin zu der Behauptung, Paulus spreche in diesem Kapitel von seiner Erfahrung vor der Wiedergeburt und davon, daß er es als Jude nicht schaffte, das Gesetz zu halten. Wir müssen wohl zugeben, daß manches von dem, 133

was er beschreibt, nicht die eigentliche christliche Erfahrung darstellt, aber nichtsdestoweniger machen viele Christen solche Erfahrungen. Was will uns dieses Kapitel nun also wirklich lehren? Römer 6 spricht über die Freiheit von der Sünde, Römer 7 über die Freiheit vom Gesetz. Kapitel 6 handelt davon, wie wir von der Sünde befreit werden können, und wir kamen zu dem Schluß, daß wir mehr nicht brauchen. In Kapitel 7 nun erfahren wir, daß die Befreiung von der Sünde nicht ausreicht und daß wir auch vom Gesetz befreit werden müssen. Ohne völlige Befreiung vom Gesetz können wir auch nicht völlige Befreiung von der Sünde erfahren. Was ist aber der Unterschied zwischen Befreiung von der Sünde und Befreiung vom Gesetz? Die Bedeutung der Befreiung von der Sünde ist leicht einzusehen, doch wozu Befreiung vom Gesetz? Als Antwort auf diese Frage müssen wir zunächst die Bedeutung des Gesetzes und seinen besonderen Wert für uns genauer anschauen.

Das Fleisch und der Zusammenbruch des Menschen Römer 7 lehrt uns etwas Neues, nämlich, daß ich ,,im Fleisch“ bin (Röm. 7:5), daß ich ,,fleischlich“ bin (Röm. 7:14) und ,,in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Röm. 7:18). Die Entdeckung dieser Tatsache reicht weit über das Problem der Sünde hinaus, denn hier kommt unser Verlangen, Gott zu gefallen, auch noch ins Spiel. In Römer 7 geht es nicht um die Sünde in all ihren Erscheinungsformen, sondern um den Menschen in seinem fleischlichen Zustand. Das letztere schließt zwar das erste mit ein, geht aber noch einen Schritt weiter, da wir die Entdeckung machen, daß wir auch in diesem Bereich völlig unfähig sind und daß solche, ,,die im Fleisch sind, ... Gott nicht gefallen“ können (Röm. 8:8). Diese Entdeckung machen wir mit Hilfe des Gesetzes. 134


Die Bedeutung von Römer 7

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Laßt uns nun kurz beschreiben, was wahrscheinlich die Erfahrung vieler Christen ist. Manch ein Christ ist wahrhaft wiedergeboren, und doch übt die Sünde immer noch einen gewissen Einfluß auf ihn aus. Nicht daß er ständig unter der Herrschaft der Sünde lebt, doch es gibt gewisse Sünden, über die er immer wieder stolpert und die er nicht lassen kann. Eines Tages nun hört er die Botschaft des vollen Evangeliums, nämlich, daß der Herr Jesus nicht nur starb, um unsere Sünden wegzuwaschen, sondern daß er in seinem Tod auch uns Sünder einschloß. Er beseitigte also nicht nur das Problem unserer Sünden, sondern auch uns selbst. Dieser Christ hat nun geöffnete Augen, und er weiß, daß er mit Christus gekreuzigt worden ist. Auf diese Offenbarung hin schätzt er sich nun so ein, daß er mit seinem Herrn gestorben und auferstanden ist, und zweitens erkennt er an, daß Gott ein Anrecht auf ihn und er selbst alle Gewalt über sein Leben verloren hat, und gibt sich selbst Gott als von den Toten auferstanden. Dies ist der Anfang eines herrlichen Christenlebens voller Lob für den Herrn. Doch dann beginnt er wie folgt zu überlegen: ,,Ich bin mit Christus gestorben und auferstanden und habe mich ihm für immer übergeben. Da er so viel für mich getan hat, muß ich nun auch etwas für ihn tun. Ich möchte ihm gefallen und seinen Willen tun.“ Nach dem Schritt der Hingabe also versucht er, den Willen Gottes herauszufinden und nimmt sich vor, ihn zu tun. Daraufhin jedoch macht er eine merkwürdige Entdeckung: Er meinte, er könne mit Freuden Gottes Willen erfüllen, merkt aber, daß er dazu manchmal überhaupt nicht bereit ist. Zuweilen empfindet er sogar eine ausgesprochene Abneigung, Gottes Willen zu tun, und oft versucht er es, kann es aber nicht. Dann beginnt er, seine Erfahrung in Frage zu stellen: ,,Kann ich wirklich sagen: ,ich weiß‘? Ja! Halte ich mich wirklich für gestorben? Ja! Habe ich mich ihm wirklich übergeben? Ja! Habe ich meine Übergabe widerrufen? Nein! Was ist denn dann los

mit mir?“ Je mehr sich dieser Christ abmüht, Gottes Willen zu tun, desto häufiger versagt er. Schließlich kommt er zu dem Schluß, daß er Gottes Willen überhaupt nie gern erfüllt hat, und bittet darum, daß Gott ihm das Verlangen und die Kraft gebe, seinen Willen zu tun. Er bekennt seinen Ungehorsam und verspricht, nie wieder ungehorsam zu sein. Aber kaum hat er sich von seinen Knien erhoben, versagt er wieder. Ehe er den Sieg erringen kann, hat er schon die nächste Niederlage erfahren. Daraufhin sagt er sich: ,,Vielleicht war mein letzter Entschluß nicht stark genug. Diesmal will ich ihn von ganzem Herzen fassen.“ Er nimmt also all seine Willenskraft zusammen, nur um bei der nächsten Entscheidung eine noch größere Niederlage als je zuvor einstecken zu müssen. Zuletzt kommt er an den Punkt, wo er – der Verzweiflung nahe – Paulus zustimmen muß, der sagt: ,,Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; denn das Wollen ist bei mir vorhanden, nicht aber das Vollbringen des Guten“ (Röm. 7:18-19).

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Was das Gesetz lehrt Viele Christen, die sich plötzlich der Situation von Römer 7 ausgesetzt sehen, verstehen nicht, was ihnen geschieht. Sie denken, Römer 6 sei schon ausreichend, und meinen, nachdem sie dieses Kapitel begriffen haben, seien sie gegen jede Niederlage gefeit. Zu ihrer größten Überraschung finden sie sich jedoch in der Erfahrung von Römer 7 wieder. Wie ist das zu erklären? Zunächst müssen wir noch einmal betonen, daß der in Römer 6 beschriebene Tod mit Christus in jeder Situation vollkommen ausreicht. Aber die Erklärung dieses Todes mit all seinen in Kapitel 6 angeführten Konsequenzen ist noch nicht vollständig, da uns die in Kapitel 7 dargestellte Wahrheit noch nicht bekannt ist. In Römer 7 nämlich wird uns die Aussage aus Römer 6:14 erklärt, in der es heißt: ,,Denn die Sünde wird nicht


Die Bedeutung von Römer 7

Die Bedeutung von Römer 7

über euch herrschen, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“ Unser Problem liegt darin, daß wir die Befreiung vom Gesetz noch nicht erkannt haben. Was aber bedeutet das Gesetz? Gnade bedeutet, daß Gott etwas für mich tut. Gesetz bedeutet, daß ich etwas für Gott tue. Gott erlegt mir gewisse heilige und gerechte Forderungen auf: das ist das Gesetz. Wenn nun Gesetz bedeutet, daß Gott zu seiner Erfüllung etwas von mir verlangt, dann bedeutet die Befreiung vom Gesetz, daß er fortan nichts mehr von mir verlangt, sondern selbst alles erfüllt. Das Gesetz beinhaltet, daß Gott an mich Forderungen stellt; die Befreiung vom Gesetz bedeutet, daß ich nichts mehr erfüllen muß und daß er in Gnade selbst alles erfüllt. Ich (wobei ,,ich“ den fleischlichen Menschen aus Röm. 7:14 meint) brauche nichts für Gott zu tun! Das ist Befreiung vom Gesetz. Das Verhängnis von Römer 7 besteht darin, daß der Mensch im Fleisch etwas für Gott tun will. Sobald er Gott in dieser Weise zu gefallen sucht, stellt er sich unter das Gesetz, und Römer 7 wird zu seiner Erfahrung. Beim Verständnis dieser Zusammenhänge müssen wir von vornherein festhalten, daß die Schuld nicht beim Gesetz zu suchen ist. Paulus sagt: ,,So ist also das Gesetz heilig, und das Gebot ist heilig und gerecht und gut“ (Röm. 7:12). Nein, am Gesetz ist nichts auszusetzen, sehr wohl aber an mir. Die Forderungen des Gesetzes sind gerecht, doch der Mensch, an den die Forderungen gestellt werden, ist ungerecht. Die Forderungen des Gesetzes sind nicht ungerecht, aber ich bin unfähig, sie zu erfüllen. Das ist das ganze Problem. Es mag völlig gerechtfertigt sein, wenn der Staat mir eine Zahlung von hundert Pfund auferlegt, wenn ich aber nur zehn Schillinge besitze, ist das problematisch! Ich bin ein Mensch ,,unter die Sünde verkauft“ (Röm. 7:14). Die Sünde herrscht über mich. Natürlich scheine ich ein ganz annehmbarer Mensch zu sein, solange man mich in Ruhe läßt.

Erst wenn man mich bittet, etwas zu tun, kommt meine Sündhaftigkeit ans Licht. Es ist ähnlich, wenn man einen tolpatschigen Knecht im Hause hat. Solange er den ganzen Tag nur herumsitzt und nichts tut, fällt seine Ungeschicklichkeit nicht auf. Natürlich ist er auch nicht von großem Nutzen, aber er richtet wenigstens keinen Schaden an. Sobald man ihm jedoch sagt: ,,Komm, trödle nicht so herum, steh auf und tu etwas!“, beginnt der Ärger. Beim Aufstehen stößt er den Stuhl um, stolpert nach ein paar Schritten über einen Hocker und zerschlägt ein wertvolles Stück Porzellan, sobald er es in die Hand nimmt. Werden an diesen Knecht keine Anforderungen gestellt, bleibt seine Ungeschicklichkeit unbemerkt. Sobald man ihn jedoch bittet, etwas zu tun, wird sie sofort offenbar. Die Anforderungen sind in Ordnung, es ist der Mann, der nicht in Ordnung ist. Sowohl wenn er still sitzt als auch wenn er arbeitet ist er ein Tolpatsch, doch erst durch die Anforderungen wird seine Ungeschicklichkeit offenbar, die in aktivem wie passivem Zustand in seinem Wesen liegt. Wir alle sind von Natur aus Sünder. Solange Gott nichts von uns verlangt, scheint alles gutzugehen, aber sobald Gott seine Forderungen stellt, kommt unsere ganze Sündhaftigkeit ans Licht. Das Gesetz macht unsere Schwachheit offenbar. Sitze ich nur still auf meinem Stuhl, scheine ich in Ordnung zu sein; bittet man mich aber, etwas zu tun, werde ich gewiß nur Schaden anrichten, und jede weitere Aufgabe, die man mir anvertraut, werde ich nicht bewältigen. Wird ein sündiger Mensch an einem heiligen Gesetz gemessen, dann kommt seine ganze Sündhaftigkeit ans Licht. Gott weiß, wer ich bin. Er weiß, daß ich von Kopf bis Fuß voller Sünde und der Inbegriff der Schwachheit selbst bin und nichts tun kann. Nur ich selbst weiß es nicht. Ich gebe zwar zu, daß alle Menschen Sünder sind und ich deshalb auch einer sein muß, denke aber bei mir selbst, daß es mit mir nicht so hoff-

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Die Bedeutung von Römer 7

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nungslos steht wie mit manchen anderen. Gott muß uns alle dahin bringen, daß wir erkennen, wie schwach und völlig hilflos wir sind. Selbst wenn wir es sagen, glauben wir es noch nicht ganz, und Gott muß darum etwas unternehmen, um uns davon zu überzeugen. Ohne das Gesetz wüßten wir nie, wie schwach wir wirklich sind. Paulus kam an diesen Punkt und erklärt in Römer 7:7: ,,Ich hätte die Sünde nicht erkannt außer durch das Gesetz; denn ich hätte die Begierde nicht gekannt, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: du sollst nicht begehren.“ Was immer seine Erfahrung mit den anderen Geboten gewesen war, insbesondere mit den letzten beiden, die wörtlich übersetzt heißen: ,,Du sollst nicht begehren“, zeigten ihm, wie es um ihn stand. Hier schlug ihm sein ganzes Versagen entgegen! Je mehr wir das Gesetz zu halten versuchen, desto deutlicher zeigt sich unsere Schwachheit und desto tiefer geraten wir in die Misere von Römer 7, bis uns endlich klar wird, daß wir hoffnungslos schwach sind. Gott wußte dies schon immer, aber wir wußten es noch nicht, und er mußte uns daher durch schmerzliche Erfahrungen zu dieser Erkenntnis führen. Unsere Schwachheit muß uns selbst unwiderlegbar bewiesen werden. Aus diesem Grund gab uns Gott das Gesetz. In aller Ehrfurcht können wir also sagen, daß Gott uns das Gesetz nicht gab, damit wir es halten, sondern, damit wir es brechen! Er wußte nur zu gut, daß wir es nicht halten können und so verdorben sind, daß er nichts von uns verlangen kann. Noch nie konnte ein Mensch mit Hilfe des Gesetzes Gott gefallen. Nirgends wird den Gläubigen im Neuen Testament befohlen, das Gesetz zu halten. Es wird aber sehr wohl gesagt, daß das Gesetz gegeben wurde, damit die Übertretung offenbar würde: ,,Das Gesetz aber ist daneben hereingekommen, damit die Übertretung größer werden sollte“ (Röm. 5:20). Das Gesetz wurde also gegeben, damit wir dadurch zu Übertretern werden! Zweifellos bin ich ein Sünder von Adam her, ,,aber ich hätte die Sünde

nicht erkannt außer durch das Gesetz; ... denn ohne Gesetz ist die Sünde tot ...; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde wieder lebendig, und ich starb“ (Röm. 7:7-9). Erst durch das Gesetz wird unsere wahre Natur bloßgestellt. Leider sind wir sehr von uns selbst überzeugt und wähnen uns so stark, daß Gott uns einen Beweis unserer Schwäche liefern muß. Schließlich sehen wir es ein und bekennen: ,,Ich bin durch und durch ein Sünder und kann von mir aus nichts tun, um dem heiligen Gott zu gefallen.“ Nein, Gott hat uns das Gesetz nicht mit der Erwartung gegeben, daß wir es halten sollten, sondern war sich dabei voll bewußt, daß wir es brechen würden. Wenn wir es so gründlich gebrochen haben, daß wir von unserer Unfähigkeit überzeugt sind, dann hat das Gesetz seinen Zweck erfüllt. Es sollte lediglich unser Kinderbetreuer auf Christus hin sein, damit er es selbst in uns erfülle (Gal. 3:24).

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Christus – das Ende des Gesetzes In Römer 6 haben wir gesehen, wie Gott uns von der Sünde befreit hat. In Römer 7 nun sehen wir, wie er uns vom Gesetz befreit. In Kapitel 6 benützt Paulus das Bild von einem Herrn und seinem Sklaven, um die Befreiung von der Sünde zu veranschaulichen, in Kapitel 7 zeigt er anhand zweier Ehemänner und einer Ehefrau die Befreiung vom Gesetz. Das Verhältnis der Sünde zum Sünder gleicht dem Verhältnis von einem Herrn zu seinem Sklaven, und das Verhältnis zwischen dem Gesetz und dem Sünder gleicht dem Verhältnis zwischen Mann und Frau. Zunächst einmal fällt auf, daß in dem Bild in Römer 7:1-4, mit dem Paulus unsere Befreiung vom Gesetz verdeutlicht, eine Frau zwei Männern gegenübersteht. Die Frau befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage, denn sie kann nur mit einem der beiden Männer verheiratet sein, und unglücklicherweise ist


Die Bedeutung von Römer 7

Die Bedeutung von Römer 7

gerade der weniger angenehme von beiden ihr Ehemann. Damit kein Mißverständnis entsteht: der Mann, mit dem sie verheiratet ist, ist ein guter Mensch. Das Problem der beiden besteht nur darin, daß beide absolut nicht zueinander passen. Er ist ein korrekter, bis ins Letzte genauer Mensch. Sie dagegen ist bewußt großzügig. Bei ihm ist alles präzise und genau, während es bei ihr lässig zugeht und vieles dem Zufall überlassen bleibt. Bei ihm muß alles seine ganz bestimmte Ordnung haben, während sie die Dinge nimmt, wie sie kommen. Wie kann in einem solchen Hause Glück und Zufriedenheit herrschen? Außerdem ist dieser Ehemann sehr anspruchsvoll! Dauernd stellt er Anforderungen an seine Frau, was man ihm nicht einmal übelnehmen kann, da er ja ihr Mann ist, und seine Erwartungen sind sogar berechtigt. Die Schwierigkeit liegt weder bei dem Mann noch bei seinen Anforderungen, sondern einfach an der Tatsache, daß sie nicht die Frau ist, die seinen Erwartungen entsprechen kann. Es sind zwei völlig verschiedene Naturen, die einfach nicht miteinander auskommen können. Die arme Frau ist daher in großer Not. Sie ist sich wohl bewußt, daß sie vieles falsch macht, aber im Zusammenleben mit solch einem Mann scheint es, als ob schlechthin alles, was sie sagt und tut, falsch ist. Besteht denn überhaupt noch Hoffnung für sie? Wäre sie nur mit jenem anderen Mann verheiratet, wäre alles gut! Er ist zwar nicht weniger anspruchsvoll als ihr Mann, aber er hilft zugleich mit. Sie würde ihn auf der Stelle heiraten, aber ihr Mann lebt ja noch. Was soll sie also tun? Sie ist ,,durch das Gesetz an den Mann gebunden“ , und solange er lebt, kann sie rechtmäßigerweise jenen anderen Mann nicht heiraten. Dieses Bild stammt nicht von mir, sondern von dem Apostel Paulus. Der erste Ehemann ist das Gesetz, der zweite ist Christus, und du bist die Frau. Das Gesetz fordert sehr viel, tut aber nichts, um bei der Erfüllung der Forderungen zu helfen. Der Herr Jesus verlangt ebensoviel, ja sogar noch mehr (Mt. 5:21-48), doch was

er von uns verlangt, erfüllt er selbst in uns. Das Gesetz stellt Anforderungen an uns, läßt uns aber bei deren Erfüllung allein. Christus stellt ebenso Anforderungen an uns, erfüllt aber selbst die an uns gestellten Anforderungen in uns. So ist es also kein Wunder, daß die Frau von ihrem ersten Mann loskommen möchte, um den zweiten heiraten zu können. Die einzige Möglichkeit für sie, frei zu werden, wäre der Tod ihres ersten Ehemannes, doch dieser hält zäh an seinem Leben fest. Es besteht nicht die geringste Aussicht auf sein Ableben: ,,Bis der Himmel und die Erde vergehen, wird gewiß kein Jota oder Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschieht“ (Mt. 5:18). Das Gesetz wird bis in alle Ewigkeit bestehen. Wenn nun das Gesetz aber niemals vergehen wird, wie kann ich dann jemals Christus angehören? Wie kann ich einen zweiten Mann heiraten, wenn mein erster Mann sich beharrlich weigert zu sterben? Es gibt nur einen Ausweg aus dieser Lage: Wenn er nicht stirbt, muß ich sterben, denn auch in diesem Fall ist die eheliche Beziehung gelöst. Und genau das ist der Weg Gottes, uns vom Gesetz zu befreien. Die wichtigste Stelle in diesem Abschnitt von Römer 7 ist der Übergang von Vers 3 zu Vers 4. In den Versen 1 bis 3 wird gezeigt, daß der Ehemann sterben müßte, doch in Vers 4 heißt es, daß in Wirklichkeit die Frau stirbt. Das Gesetz wird nie vergehen, aber ich vergehe, und durch meinen Tod bin ich frei vom Gesetz. Wir müssen uns im klaren darüber sein, daß das Gesetz nie vergehen kann. Gottes gerechte Forderungen bleiben für immer bestehen, und solange ich lebe, muß ich sie erfüllen. Erst wenn ich sterbe, kann das Gesetz nichts mehr von mir fordern. Über das Grab hinaus kann es mir nicht folgen. Dasselbe Prinzip, das für die Befreiung von der Sünde gilt, gilt also auch für die Befreiung vom Gesetz. Wenn ich sterbe, lebt mein alter Herr, die Sünde, zwar noch weiter, aber seine Herrschaft über mich, seinen Sklaven, reicht nicht weiter als bis zum Grab. Als ich noch lebte, konnte er mir tausend Dinge

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befehlen, aber wenn ich tot bin, sind seine Befehle umsonst und ich bin befreit von seiner Tyrannenherrschaft. Für das Gesetz gilt das gleiche. Solange die Frau noch lebt, ist sie an ihren Mann gebunden, doch mit ihrem Tod ist das Band der Ehe gelöst, und sie ist ,,von dem Gesetz des Mannes erlöst“. Das Gesetz mag nach wie vor fordern, aber über mich hat es seine Gewalt verloren. Hier nun erhebt sich die entscheidende Frage: ,,Wie sterbe ich?“ Die Antwort ist in dem kostbaren Werk unseres Herrn zu finden: ,,Also seid auch ihr, meine Brüder, getötet dem Gesetz durch den Leib des Christus“ (Röm. 7:4). Als Christus starb, wurde sein Leib gebrochen, und da Gott mich in ihn hineinversetzte (1.Kor. 1:30), wurde auch ich gebrochen. Als er am Kreuz starb, wurde ich mit ihm gekreuzigt. In Gottes Augen schließt sein Tod meinen mit ein. Auf dem Hügel von Golgatha ist dies ein für allemal vollbracht worden. ,,Also seid auch ihr, meine Brüder, getötet dem Gesetz.“ Der Mann dieser Frau mag noch sehr gesund und stark sein, doch wenn die Frau stirbt, kann er so viel fordern wie er nur will, es betrifft sie nicht mehr im geringsten. Der Tod befreite sie von all seinen Ansprüchen an sie. Der allumfassende Tod Jesu Christi hat uns für immer vom Gesetz befreit. Doch dies ist noch nicht alles. Vergeßt nicht, daß unser Herr nicht im Grab blieb. Am dritten Tag ist er auferstanden, und da wir alle in ihn eingeschlossen waren, sind wir mit ihm auferstanden. Der Leib des Herrn zeugt nicht nur von seinem Tod, sondern ebenfalls von seiner Auferstehung, da er mit seinem Leib auferstand. ,,Durch den Leib des Christus“ sind wir also nicht nur dem Gesetz getötet, sondern leben auch ,,Gott in Christus“ (Röm. 6:10-11). Gott hatte nicht nur ein negatives, sondern auch ein herrliches positives Ziel, als er uns in Christus einschloß: ,,damit ihr einem anderen zu eigen werdet“ (Röm. 7:4). Durch den Tod ist das alte

Ehebündnis gelöst, und die Frau, die durch die ständigen Forderungen ihres früheren Ehemannes zur Verzweiflung getrieben wurde, weil er nie auch nur einen Finger krumm machte, um ihr zu helfen, ist nun frei, den anderen Mann zu heiraten, der mit jeder Anforderung, die er stellt, auch gleichzeitig in ihr die Kraft für deren Erfüllung ist. Das Ergebnis dieser neuen Verbindung ist, daß ,,wir Gott Frucht bringen“ (Röm. 7:4). Durch den Leib Christi ist die törichte, sündhafte Frau gestorben und auferstanden, und durch die Kraft der Auferstehung kann sie nun ein fruchtbares Leben führen. Das Leben des auferstandenen Herrn in ihr macht es ihr möglich, alle Forderungen von Gottes Heiligkeit zu erfüllen. Das Gesetz Gottes wird nicht aufgehoben, sondern vollkommen erfüllt, denn der auferstandene Herr Jesus lebt nun sein Leben in ihr, und an seinem Leben hat der Vater immer Wohlgefallen. Welches ist die offensichtlichste Veränderung, die eine Frau erfährt, wenn sie heiratet? Sie ändert ihren Namen. Sie trägt nun nicht mehr ihren eigenen Namen, sondern den ihres Mannes. Sie nimmt nicht nur seinen Namen an, sondern gewinnt gleichzeitig auch Anteil an seinem gesamten Besitz. Alles, was er besitzt, gehört nun auch ihr, und damit ist sie um vieles reicher als vorher. Dasselbe geschieht, wenn wir mit Christus vereinigt werden. Alles, was sein ist, wird auch unser, und mit seinen unerschöpflichen Möglichkeiten brauchen wir nie mehr zu fürchten, seinen Anforderungen nicht gerecht werden zu können.

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Unser Ende ist Gottes Anfang Nach der lehrmäßigen Behandlung der Frage kommen wir nun zur praktischen Anwendung. Wir werden etwas länger bei dem negativen Aspekt verweilen und den positiven im nächsten Kapitel betrachten. Was bedeutet es praktisch im täglichen Leben, vom Gesetz befreit zu sein? Meine Antwort lautet, auch


Die Bedeutung von Römer 7

Die Bedeutung von Römer 7

wenn es ein wenig übertrieben klingen mag: Es bedeutet, daß ich von nun an absolut nichts mehr für Gott tue und nie mehr versuche, ihm zu gefallen. ,,Was für eine Lehre ist denn das?“, mögen einige von euch einwenden. ,,Was für eine unmögliche, ketzerische Behauptung! Das ist doch wohl nicht ernst gemeint!“ Vergeßt aber nicht, daß ich mich automatisch unter das Gesetz begebe, wenn ich versuche, im Fleisch Gott zu gefallen. Ich habe das Gesetz übertreten, das Todesurteil wurde über mir ausgesprochen und vollstreckt, und nun bin ich – das fleischliche ,,Ich“ (Röm. 7:14) – durch den Tod allen seinen Ansprüchen enthoben. Das Gesetz Gottes besteht immer noch, ja, es gibt sogar ein ,,neues Gebot“, das unendlich viel mehr verlangt als das alte, aber – Gott sei Dank! – seine Anforderungen werden nun alle durch Christus erfüllt, denn es ist Christus, der in mir wirkt, was Gott wohlgefällig ist. ,,Ich bin ... gekommen, ... (das Gesetz) zu erfüllen“ (Mt. 5:17). Auf der Grundlage der Auferstehung kann Paulus daher sagen: ,,Bewirkt eure eigene Errettung mit Furcht und Zittern ..., denn Gott ist es, der in euch beides wirkt, das Wollen und das Wirken, für sein Wohlgefallen“ (Phil. 2:12-13). Gott ist es, der in euch wirkt. Freiheit vom Gesetz bedeutet nicht, daß wir davon befreit sind, Gottes Willen zu tun. Es bedeutet keinesfalls, daß wir nun gesetzlos sein können. Ganz im Gegenteil! Wir sind davon befreit, seinen Willen aus uns selbst heraus tun zu müssen. Völlig überzeugt davon, daß wir es nie schaffen, hören wir auf, Gott im alten Menschen gefallen zu wollen. Erst wenn wir einmal vollkommen an uns selbst verzweifelt sind und nicht einmal mehr versuchen, ihm zu gefallen, setzen wir unser ganzes Vertrauen auf den Herrn, daß er sein Auferstehungsleben in uns offenbar mache. Laßt es mich euch an einem Beispiel aus meinem Heimatland veranschaulichen. Die meisten Träger in China können eine Salzladung von ungefähr 120 Kilo Gewicht tragen. Manche

schaffen sogar 250 Kilo. Wenn nun einer, der nur 120 Kilo tragen kann, eine Ladung von 250 Kilo sieht, wird er, wenn er klug und sich seiner tatsächlichen Kraft bewußt ist, sagen: ,,Ich versuche es gar nicht erst.“ Aber in der menschlichen Natur steckt der Hang zum Ausprobieren, und so versucht er es doch, obwohl er genau weiß, daß er es nicht schaffen wird. Als Junge war es mir immer ein besonderes Vergnügen, zehn oder zwanzig solcher Burschen zu beobachten, wie sie daherkamen und einer nach dem anderen eine Ladung zu heben versuchten, obwohl sie von vornherein wußten, daß sie es nicht schaffen würden. Alle mußten schließlich aufgeben und dem Platz machen, der dazu in der Lage war. Je früher wir aufgeben, desto besser, denn wenn wir uns darauf versteifen, Gott gefallen zu wollen, bleibt für den Heiligen Geist kein Raum mehr. Wenn wir hingegen sagen: ,,Ich kann es nicht, vertraue dir aber, daß du es für mich tust“, werden wir entdecken, daß uns eine Kraft trägt, die stärker ist als wir. 1923 traf ich mit einem bekannten kanadischen Evangelisten zusammen. Wir waren auf dem Heimweg nach einem Vortrag, in dem ich über diese Dinge gesprochen hatte, als er bemerkte: ,,Das Thema von Römer 7 wird heutzutage nur noch selten behandelt. Es ist gut, wieder etwas darüber zu hören. Der Tag, an dem ich vom Gesetz frei wurde, war für mich der Himmel auf Erden. Ich war schon jahrelang Christ und versuchte immer noch mein Bestes, Gott zu gefallen, aber je mehr ich mich mühte, desto kläglicher versagte ich. Gott wurde für mich zum größten Fronherrn im ganzen Universum, aber ich sah mich unfähig, auch nur eines seiner geringsten Gebote zu erfüllen. Plötzlich, als ich eines Tages Römer 7 las, gingen mir die Augen auf und ich erkannte, daß ich nicht nur von der Sünde, sondern auch vom Gesetz befreit worden war. In meinem Erstaunen sprang ich auf und sagte: ,Herr, so stellst du wirklich keine Forderungen mehr an mich? Dann brauche ich ja nichts mehr für dich zu tun!‘“

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Die Bedeutung von Römer 7

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Gottes Anforderungen haben sich nicht geändert, aber nicht wir müssen sie erfüllen. Gott sei gelobt, er sitzt auf dem Thron und gibt das Gesetz, aber zugleich wohnt er auch in meinem Herzen und erfüllt es. Er selbst, der Gesetzgeber, erfüllt es. Er stellt die Anforderungen an uns, aber er selbst erfüllt sie auch. Mein Freund hatte allen Grund, aufzuspringen und zu jubeln, als er entdeckte, daß er nichts zu tun brauchte, und jeder, der diese Entdeckung macht, darf dasselbe tun. Solange wir selbst versuchen, etwas zu tun, kann Gott nichts tun. Weil wir es immer wieder versuchen, erleben wir eine Niederlage nach der anderen. Gott möchte uns eindeutig vor Augen führen, daß wir überhaupt nichts für ihn tun können, aber solange wir dies nicht völlig begriffen haben, werden wir immer wieder Verzweiflung und Enttäuschung erleben. Ein Bruder, der sich mit aller Gewalt den Sieg zu erkämpfen suchte, klagte mir eines Tages sein Leid: ,,Ich weiß nicht, warum ich so schwach bin.“ – ,,Dein Problem ist“, sagte ich, ,,daß du zwar zu schwach bist, um Gottes Willen zu erfüllen, daß du aber nicht schwach genug bist, es gar nicht zu versuchen. Du bist eigentlich noch nicht schwach genug. Erst wenn du so schwach bist, daß du einsiehst, du vermagst überhaupt nichts zu tun, dann wird Gott alles tun.“ Wir alle müssen dahin kommen, daß wir bekennen: ,,Herr, ich bin unfähig, auch nur irgend etwas für dich zu tun, aber ich glaube dir, daß du alles in mir tun wirst.“ In meiner Heimat China wohnte ich einmal mit etwa zwanzig anderen Brüdern in einem Haus, in dem es keine ausreichende Waschgelegenheit gab, so daß wir täglich zum Fluß gingen und dort badeten. Einmal bekam ein Bruder im Wasser einen Wadenkrampf, und ich sah, wie er plötzlich zu sinken begann. Ich machte schnell einen anderen Bruder, der ein ausgezeichneter Schwimmer war, darauf aufmerksam, damit er ihm zu Hilfe komme. Zu meinem allergrößten Erstaunen jedoch rührte sich dieser überhaupt nicht vom Fleck. Ich rief ihm in höchster

Aufregung zu: ,,Siehst du nicht, daß der Mann ertrinkt?“, und auch die anderen Brüder, genauso aufgeregt wie ich, versuchten in der gleichen Lautstärke, ihm dasselbe klarzumachen. Und immer noch bewegte sich unser Schwimmer nicht von der Stelle, als ob er die unangenehme Pflicht aufschieben wollte. In der Zwischenzeit wurden Stimme und Bewegungen des armen Ertrinkenden immer schwächer. Bei mir selbst dachte ich: ,,Ich hasse diesen Menschen! Wie kann er nur einen Bruder vor seinen Augen ertrinken lassen und ihm nicht zu Hilfe eilen?“ Als der Bruder dann tatsächlich unterzugehen begann, war der Schwimmer mit ein paar kräftigen Zügen bei ihm, und in kurzer Zeit waren beide sicher am Ufer. Sobald ich die Gelegenheit fand, machte ich meinem Unmut Luft: ,,Ich habe noch nie einen Christen gesehen, der sein Leben so liebhat wie du“, sagte ich. ,,Wieviel Angst hättest du dem Bruder erspart, wenn du ein bißchen weniger an dich und ein bißchen mehr an ihn gedacht hättest!“ Aber der Schwimmer, wie mir dann klar wurde, kannte sich beim Rettungsschwimmen besser aus als ich. ,,Wäre ich früher zu ihm gekommen“, antwortete er, ,,hätte er mich so fest umklammert, daß wir beide miteinander untergegangen wären. Einen Ertrinkenden kann man erst retten, wenn er völlig erschöpft ist und keine Anstrengungen mehr macht, sich selbst zu retten.“ Versteht ihr, was ich meine? Wenn wir aufgeben, wird Gott zu handeln beginnen. Er wartet, bis wir am Ende unserer Möglichkeiten angelangt sind und selbst nichts mehr tun können. Alles, was zur alten Schöpfung gehört, hat Gott verurteilt und ans Kreuz genagelt. Das Fleisch ist nichts nütze! Nach Gottes Urteil taugt es lediglich dazu, beendet zu werden. Wenn wir dies wirklich glauben, bekräftigen wir Gottes Urteil, indem wir alle fleischlichen Bemühungen, ihm zu gefallen, aufgeben. Jeglicher Versuch unsererseits, seinen Willen zu erfüllen, würde sein Urteil am Kreuz, daß wir absolut untauglich sind, verleugnen

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und nur zeigen, daß wir erstens Gottes Forderungen falsch verstanden haben und zweitens die Versorgungsquelle nicht kennen. Wir sehen uns dem Gesetz gegenübergestellt und denken, daß wir seine Forderungen erfüllen müßten. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, daß das Gesetz, obwohl es an sich gut ist, sich ins Gegenteil verkehrt, wenn es sich an die falsche Person richtet. Die ganze Schwierigkeit des elenden Menschen in Römer 7 bestand darin, daß er versuchte, die Forderungen von Gottes Gesetz selbst zu erfüllen. Das häufig wiederkehrende ,,ich“ in diesem Kapitel gibt uns den Schlüssel zum Verständnis dieses Versagens. ,,Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht will, das führe ich aus“ (Röm. 7:19). Das Denken dieses Menschen beruhte auf einem Mißverständnis: Er dachte, Gott verlange von ihm, daß er das Gesetz halte. Er versuchte es natürlich daraufhin, obwohl Gott so etwas nie von ihm verlangt hatte. Die Folge davon war, daß er, weit entfernt davon, Gott zu gefallen, das tat, was ihm mißfiel. In seinem Bemühen, den Willen Gottes zu tun, tat er das genaue Gegenteil dessen, was er als Gottes Willen erkannt hatte.

In Römer 6 ist vom ,,Leib der Sünde“ , in Römer 7 vom ,,Leib dieses Todes“ die Rede (Röm. 6:6; 7:24). In Kapitel 6 geht es im wesentlichen um die Sünde, während es in Kapitel 7 im wesentlichen um den Tod geht. Was ist nun aber der Unterschied zwischen dem Leib der Sünde und dem Leib des Todes? In bezug auf die Sünde (d. h. auf alles, was Gott mißfällt) habe ich einen Leib der Sünde, einen Leib, der sich sozusagen aktiv der Sünde zuwendet. In bezug auf das Gesetz Gottes hingegen (d. h. darauf, was den Willen Gottes verkörpert) besitze ich einen Leib des Todes. Meine Aktivität in bezug auf die Sünde macht meinen

Leib zu einem Leib der Sünde. Mein Versagen, Gottes Willen zu tun, macht meinen Leib zu einem Leib des Todes. Meiner Natur nach neige ich zu allem Bösen, Weltlichen und Satanischen, doch allem Heiligen, Göttlichen und Himmlischen bin ich gänzlich abgeneigt. Hast du diese Wahrheit in deinem Leben erkannt? Sie nur in Römer 6 und 7 zu sehen, nützt wenig. Hast du begriffen, daß du die Last eines Leibes, der in bezug auf Gottes Willen tot ist, mit dir herumschleppst? Es bereitet dir keinerlei Schwierigkeiten, über weltliche Dinge zu sprechen, doch sobald du über den Herrn sprechen willst, ist deine Zunge wie gelähmt. Wenn du beten willst, wirst du plötzlich müde, und wenn du etwas für den Herrn tun willst, fühlst du dich nicht wohl. Für alles hast du Kraft, sofern es nicht mit dem Willen Gottes zu tun hat. Es gibt etwas in unserem Leib, das nicht mit Gottes Willen übereinstimmt. Was ist denn eigentlich der Tod? Laßt es uns anhand eines bekannten Verses aus dem ersten Korintherbrief erklären: ,,Darum sind auch viele Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil sind entschlafen“ (1.Kor. 11:30). Tod ist das letzte Stadium der Schwachheit – zuerst kommt Schwachheit, dann Krankheit und schließlich Tod. Tod bedeutet äußerste Schwachheit – wer tot ist, kann schwächer nicht mehr werden. Wenn ich in bezug auf Gottes Willen einen Leib des Todes habe, bedeutet es, daß ich ganz schwach bin, wenn ich Gott dienen will, so vollkommen schwach, daß ich absolut hilflos bin. ,,Ich elender Mensch!“, rief Paulus aus, ,,wer wird mich befreien von dem Leib dieses Todes?“ Solch ein Hilfeschrei ist gut. Es gibt keinen menschlichen Aufschrei, den Gott lieber hört als diesen. Er ist der geistlichste und biblischste Aufschrei. So kann nur einer rufen, der keinen Ausweg mehr sieht und jegliche eigene Anstrengung aufgibt. Vorher faßte er nach jeder Niederlage einen neuen Entschluß und verdoppelte seine Willenskraft. Aber nun

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Gott sei Dank!


Die Bedeutung von Römer 7

Die Bedeutung von Römer 7

endlich erkennt er, daß all seine Entschlüsse nichts fruchten und ruft verzweifelt aus: ,,Ich elender Mensch!“ Er gleicht einem Menschen, der plötzlich mitten in einem brennenden Haus erwacht und nur noch um Hilfe rufen kann, da er alle Hoffnung, selbst zu entkommen, aufgeben muß. Bist du schon an dir selbst verzweifelt, oder hoffst du immer noch, daß du durch vermehrtes Beten und Lesen in der Schrift ein besserer Christ werden kannst? Bibellesen und Beten sind nicht falsch – Gott verhüte, daß wir diesen Eindruck erwecken! – doch falsch ist es, darauf eure Hoffnung auf ein siegreicheres Leben zu gründen. Unsere Hilfe steht bei ihm, dem unser Lesen und Beten gilt. Einzig und allein Christus dürfen wir glauben. Glücklicherweise beklagt dieser ,,elende Mensch“ nicht nur seinen Zustand, sondern stellt zudem noch eine gute Frage: ,,Wer wird mich befreien?“ – ,,Wer?“ Bisher hat er immer nach etwas Ausschau gehalten. Nun gründet sich seine Hoffnung auf eine Person. Bisher suchte er eine Lösung des Problems in sich selbst, nun aber schaut er von sich selbst hinweg auf seinen Retter. Nun strengt er sich nicht mehr selbst an, sondern erwartet alles von einem anderen. Wie erlangten wir Vergebung der Sünden? Etwa durch Bibellesen, Beten, Almosengeben oder etwas dergleichen? Nein, sondern dadurch, daß wir auf das Kreuz blickten und dem glaubten, was der Herr Jesus dort getan hat. Auch unsere Befreiung von der Sünde beruht auf demselben Prinzip, und das gleiche gilt für die Erfüllung von Gottes Willen. Für die Vergebung unserer Sünden schauen wir auf Christus am Kreuz. Für die Befreiung von der Sünde und die Erfüllung des Willens Gottes schauen wir auf Christus in unserem Herzen. Für das erstere vertrauen wir dem, was er getan hat, für das letztere dem, was er noch in uns tun wird. Für beides jedoch gründet sich unser Vertrauen einzig und allein auf ihn. Von Anfang bis Ende ist er derjenige, der alles vollbringt.

Zur Zeit, als der Römerbrief geschrieben wurde, bestrafte man einen Mörder auf eine eigenartige und schreckliche Art und Weise: Der tote Körper des Ermordeten wurde an den lebenden Körper des Mörders gebunden, Kopf an Kopf, Hand an Hand, Fuß an Fuß, bis der Mörder starb. Der Mörder konnte hingehen, wohin er wollte, doch er mußte den Leichnam seines Opfers überall mit sich herumschleppen. Kann man sich eine entsetzlichere Strafe vorstellen? Das ist aber das Bild, welches Paulus hier verwendet. Es scheint ihm, er sei an einen toten Körper gebunden – seinen eigenen ,,Leib des Todes“ – und wird ihn nicht mehr los. Bei jedem Schritt hindert ihn diese grauenhafte Last. Schließlich hält er es nicht mehr länger aus und schreit: ,,Ich elender Mensch! Wer wird mich befreien ...?“ Plötzlich fällt Licht in sein Herz, und seine Verzweiflung verwandelt sich in Lobgesang, er hat die Antwort auf seine verzweifelte Frage gefunden: ,,Gott sei Dank durch Jesus Christus, unseren Herrn“ (Röm. 7:25). Wir wissen, daß wir durch das Werk des Herrn Jesus gerechtfertigt wurden und selbst nichts dazu tun konnten, glauben aber, daß die Heiligung nun von unserem Bemühen abhängt. Die Vergebung, das wissen wir, hängt völlig von unserem Glauben an den Herrn Jesus ab, doch meinen wir, daß wir die Befreiung nun durch unsere eigene Anstrengung bewirken könnten. Wir befürchten, daß nichts geschieht, wenn wir nichts tun. Nach der Errettung regt sich der alte Tätigkeitstrieb in uns, und wir beginnen wieder mit unseren eigenen Anstrengungen. Dann kommt Gottes Wort von neuem zu uns: ,,Es ist vollbracht!“ (Joh. 19:30). Er hat am Kreuz alles für die Vergebung unserer Sünden getan und wird nun auch in uns alles für unsere Befreiung tun. Beide Male tut er es. ,,Gott ist es, der in euch ... wirkt.“ Die ersten Worte des befreiten Menschen sind sehr kostbar: ,,Gott sei Dank!“ Wenn jemand uns einen Becher Wasser gibt, so danken wir dem Geber, nicht einem anderen. Warum sagte

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Die Bedeutung von Römer 7 Paulus also ,,Gott sei Dank“ ? Weil es Gott war, der alles getan hat. Hätte Paulus alles getan, hätte er wahrscheinlich ,,Paulus sei Dank!“ gesagt. Er erkannte jedoch, daß Paulus ein elender Mensch war und daß allein Gott ihm zu Hilfe kommen konnte. Aus diesem Grund sagte er: ,,Gott sei Dank“ . Gott will alles tun, denn ihm gebührt alle Ehre. Hätten wir etwas dazu beigetragen, bekämen auch wir einen Teil der Ehre. Alle Ehre aber gebührt ihm allein, denn von Anfang bis Ende war es sein Werk. Würden wir an diesem Punkt aufhören, erschiene alles, was in diesem Kapitel gesagt wurde, negativ und unpraktisch, so als bestünde das Christenleben lediglich darin, sich niederzusetzen und zu warten, daß etwas geschieht. Dies ist natürlich überhaupt nicht der Fall. Alle, die ihr Christenleben praktisch ausleben, wissen, daß es dabei um einen sehr positiven und aktiven Glauben an Christus und an ein neues Lebensprinzip geht – nämlich das Gesetz des Geistes des Lebens. Im folgenden Kapitel wollen wir nun sehen, was dieses neue Lebensprinzip in uns vollbringt.

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Das Fleisch und der Geist

Kapitel 10

Wir kommen nun zu Römer 8, wollen aber zunächst einmal den zweiten Teil des Römerbriefes, Kapitel 5:12 bis 8:39, in zwei Sätzen zusammenfassen, die jeweils einen Gegensatz beinhalten und einen Aspekt der christlichen Erfahrung verdeutlichen: Römer 5:12 bis 6:23: ,,In Adam“ und ,,in Christus“ . Römer 7:1 bis 8:39: ,,Im Fleisch“ und ,,im Geist“ . Wir müssen die Beziehung dieser vier Zustände zueinander erkennen. Das erste Gegensatzpaar ist ,,objektiv“ und bezieht sich auf unseren Stand, das heißt erstens auf das, was wir von Natur aus waren, und zweitens auf das, was wir durch den Glauben an das Erlösungswerk Christi geworden sind. Das zweite Gegensatzpaar ist ,,subjektiv“ und bezieht sich auf unseren Wandel, die praktische Erfahrung. Die Schrift läßt keinen Zweifel darüber, daß uns das erste Gegensatzpaar nur eine Seite zeigt und daß wir das zweite zur Vervollständigung brauchen. Wir meinen, es sei ausreichend, in Christus zu sein, doch in diesem Kapitel erfahren wir, daß wir auch im Geist wandeln müssen (Röm. 8:9). Die häufige Erwähnung des Geistes im ersten Teil des achten Kapitels zeigt uns die Wichtigkeit dieser weiteren Lektion des Christenlebens.

Das Fleisch und Adam gehören zusammen, so wie Christus und der Geist zusammengehören. Die Frage, ob wir in Adam oder in Christus sind, haben wir bereits erörtert, und nun müssen wir uns fragen: Leben wir im Fleisch oder im Geist? Im Fleisch zu leben bedeutet, Dinge aus mir selbst, aus meiner Adamsnatur heraus zu tun und meine Kraft aus der alten natürlichen Quelle, die ich von Adam geerbt habe, zu beziehen. Dadurch erfahre ich die von Adam überkommene Fähigkeit zur Sünde, deren Wirkung wir alle nur zu gut kennen. Dasselbe gilt auch für meinen Stand in Christus. Um der Erfahrung nach in den Genuß der Wahrheit meines Standes in Christus zu kommen, muß ich lernen, im Geist zu wandeln. Es ist eine historische Tatsache, daß mein alter Mensch in Christus gekreuzigt wurde, und es ist eine jetzt gültige Tatsache, daß ich gesegnet wurde ,,mit jedem geistlichen Segen in den Himmeln in Christus“ (Eph. 1:3). Wenn ich aber nicht im Geist lebe, kann mein Leben sehr wohl im Widerspruch zu der Tatsache stehen, daß ich in Christus bin, denn die Wahrheit, daß ich in ihm bin, findet in meinem Leben keinen Ausdruck. Ich mag zwar anerkennen, daß ich in Christus bin, aber dennoch erfahren, wie sich z. B. mein altes launisches Wesen behauptet. Woran liegt das? Es liegt daran, daß ich die Wahrheit nur objektiv erkenne, während ich alle objektive Wahrheit mir auch subjektiv zu eigen machen muß. Dies geschieht durch ein Leben im Geist. Nicht nur bin ich in Christus, sondern Christus ist auch in mir. Wie ein Mensch nicht im Wasser, sondern nur in der Luft leben und arbeiten kann, so kann geistlich gesprochen Christus in mir nicht im Fleisch wohnen und zum Ausdruck kommen, sondern nur im Geist. Wenn ich daher nach dem Fleisch lebe, entdecke ich, daß der Zustrom aller Reichtümer, die mir in Christus

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln


Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Der vierte Schritt: im Geist wandeln

gehören, unterbrochen wurde. Obwohl ich tatsächlich in Christus bin, beobachte ich zu meinem großen Schrecken in meiner Erfahrung, daß in meinem praktischen Leben die Adamsnatur zutage tritt, sobald ich im Fleisch – d. h. aus meiner eigenen Kraft und nach meinem eigenen Willen – lebe. Will ich auch praktisch alle Reichtümer, die in Christus sind, erfahren, muß ich lernen, im Geist zu leben. Im Geist zu leben bedeutet, ich vertraue dem Heiligen Geist, daß er in mir das vollbringt, was ich selbst nicht tun kann. Solch ein Leben ist völlig anders als das Leben, das ich natürlicherweise führen würde. Jedesmal, wenn der Herr etwas von mir verlangt, wende ich mich an ihn, damit er in mir tut, was er von mir fordert. Wir sollen es nicht selbst versuchen, sondern ihm vertrauen, nicht kämpfen, sondern in ihm ruhen. Ich sollte nicht erst versuchen, meinen Jähzorn, unreine Gedanken, meine scharfe Zunge oder Kritiksucht durch eigene Anstrengung in den Griff zu bekommen, sondern mich statt dessen in Christus diesen Dingen für gestorben halten und dem Geist Gottes vertrauen, daß er in mir die nötige Reinheit, Demut oder Sanftmut bewirkt. Das ist mit 2.Mose 14:13 gemeint, wo es heißt: ,,Steht und seht die Rettung des Herrn, die er euch heute bringen wird!“ Du hast vielleicht schon einmal folgende Erfahrung gemacht: Man hat dich gebeten, jemand zu besuchen, der als schwieriger Mensch bekannt war. Du vertrautest dem Herrn, daß er dir durch diese Situation hindurchhelfen würde, bekanntest vorher, daß du in dir selbst hoffnungslos versagen würdest und batest ihn um die notwendige Kraft dafür. Zu deiner großen Überraschung kam dann tatsächlich kein Ärger in dir auf, obwohl der Besuchte beileibe nicht freundlich war. Auf dem Heimweg dachtest du über diese Erfahrung nach, wundertest dich, daß du so ruhig geblieben warst und fragtest dich, ob du auch das nächste Mal so gefaßt bleiben könntest. Du warst erstaunt über dich selbst und suchtest nach einer Erklärung. Die Erklärung ist: der Heilige Geist half dir durch.

Es ist bedauerlich, daß wir solche Erfahrungen nur gelegentlich machen, denn sie sollten zu unserem täglichen Leben gehören. Wenn der Heilige Geist eine Sache übernimmt, bedarf es keiner Anstrengung unsererseits. Wir brauchen nicht unsere Zähne zusammenzubeißen, uns zusammenzunehmen und dabei zu denken, daß wir uns sehr gut selbst beherrschen und auf diese Weise den Sieg bereits erringen könnten. Nein, zum wahren Sieg verhilft uns nicht unsere fleischliche Anstrengung, sondern der Herr. Die Versuchung besteht immer darin, daß wir selbst etwas tun wollen. Während der ersten drei Monate des Krieges mit Japan verlor China eine große Anzahl Panzer und konnte gegen die japanischen Panzer nichts ausrichten, bis die folgende Strategie entwickelt wurde: Ein Scharfschütze feuerte aus dem Hinterhalt lediglich einen einzigen Schuß auf einen japanischen Panzer ab. Nach längerer Zeit wurde ein zweiter Schuß abgegeben und nach einer weiteren längeren Pause ein dritter. Auf diese Weise wurde der feindliche Panzerfahrer dazu bewegt, seinen Kopf aus dem Panzer zu strecken und sich umzuschauen, um den Gegner ausfindig zu machen. Der nächste, scharf gezielte Schuß war dann sein Ende. Solange der Panzerfahrer in Deckung blieb, war er vollkommen sicher. Die ganze Strategie jedoch zielte darauf ab, ihn aus seiner Deckung herauszulocken. Genauso zielen Satans Versuchungen nicht in erster Linie darauf ab, uns zur Sünde zu verleiten, sondern uns lediglich aus unserer eigenen Kraft handeln zu lassen. Sobald wir aus unserem Versteck herauskommen und aus eigener Kraft handeln, hat er gewonnen. Weigern wir uns aber, uns aus dem Schutz Christi in den Bereich des Fleisches locken zu lassen, kann er uns nichts anhaben. Der göttliche Weg zum Sieg erlaubt uns daher keine auch noch so kleine Anstrengung unsererseits, d. h. außerhalb von Christus. Sobald wir nämlich handeln, laufen wir Gefahr, daß

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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uns unsere natürlichen Neigungen in die falsche Richtung leiten. Wo sollen wir Hilfe suchen? Lesen wir Galater 5:17: ,,Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch.“ Hier wird uns gesagt, wo der wirkliche Kampf stattfindet. Nicht wir kämpfen gegen das Fleisch, sondern der Heilige Geist, denn ,,diese liegen miteinander im Streit“. Nicht wir, sondern er widersteht dem Fleisch und bekämpft es. Das Ergebnis dieses Kampfes ist, ,,daß ihr nicht tut, was ihr wollt“. Ich glaube, daß wir diesen letzten Teil des Verses oft falsch verstanden haben. Wir wollen ihn deshalb ein wenig genauer betrachten. Was ,,wollten“ wir denn natürlicherweise ,,tun“ ? Wir würden uns von unseren Instinkten dazu verleiten lassen, Dinge außerhalb des Willens Gottes zu tun. Die Folge unserer Weigerung, uns aus der Deckung herauszuwagen und aus uns selbst zu handeln, ist, daß der Heilige Geist frei sein Werk in uns vollbringen und das Fleisch behandeln kann, so daß wir nicht tun, was wir natürlicherweise tun würden. Statt unserem eigenen Plan und Weg zu folgen, ergeben wir uns froh und dankbar seinem vollkommenen Plan. Aus diesem Grund steht hier die positive Aufforderung: ,,Wandelt durch den Geist, so werdet ihr die Begierde des Fleisches gewiß nicht vollbringen“ (Gal. 5:16). Wenn wir im Geist leben und im Glauben an den auferstandenen Christus wandeln, können wir selbst tatsächlich abtreten und zusehen, wie der Geist jeden Tag neue Siege über das Fleisch erringt. Denn genau dafür wurde uns der Geist gegeben. Unser Sieg liegt darin, daß wir uns in Christus bergen und in schlichtem Glauben seinem Heiligen Geist in uns zutrauen, sein neues Verlangen in uns einzuwirken und so die fleischlichen Begierden zu überwinden. Das Kreuz erwirkte die Errettung f ü r uns; der Geist erwirkt nun die Errettung i n uns. Der auferstandene und aufgefahrene Christus ist die Grundlage für unsere Errettung; der Christus in unseren Herzen durch den Geist ist die Kraft für unsere Errettung.

Christus – unser Leben ,,Gott sei Dank durch Jesus Christus!“ Dieser Ausruf des Paulus hat die gleiche Tragweite wie seine Worte in Galater 2:20, die wir zum Schlüsselvers dieses Buches gemacht haben: ,,Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Wir haben gesehen, wie auffallend häufig das Wörtchen ,,ich“ in Römer 7 verwendet wird, bis dieses Kapitel schließlich seinen Höhepunkt in dem gequälten Aufschrei findet: ,,Ich elender Mensch!“ Darauf folgt jedoch der Ruf der Befreiung: ,,Gott sei Dank durch Jesus Christus!“, und es wird klar: Paulus hat die Entdeckung gemacht, daß das Leben, welches wir führen, einzig und allein Christus ist. Wir denken manchmal, Christsein sei ein verändertes Leben. Es handelt sich jedoch nicht um ein verändertes Leben, sondern Gott schenkt uns ein ,,Austausch“ -Leben, ein ,,Ersatz“ -Leben. Dieser Ersatz in uns ist Christus. ,,Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir.“ Solch ein Leben müssen wir nicht aus uns selbst hervorbringen, sondern Christus reproduziert sein Leben in uns. Wie viele Christen gibt es, die an die ,,Reproduktion“ des Lebens Christi glauben, welche weit über die Wiedergeburt hinausgeht? Wiedergeburt bedeutet, daß das Leben Christi bei unserer neuen Geburt durch den Heiligen Geist in uns hineingepflanzt wurde. ,,Reproduktion“ hingegen geht viel weiter und bedeutet, daß das neue Leben in uns wächst und sich allmählich in uns offenbart, bis das Ebenbild Christi in unserem Leben ,,reproduziert“ wird. Darum spricht Paulus in Galater 4:19 auch von seinen Geburtsschmerzen, die er für die Galater leidet, ,,bis daß Christus in euch Gestalt gewinne“. Laßt es mich an einer Begebenheit veranschaulichen. In Amerika kam ich einmal in das Haus eines gläubigen Ehepaars. Schon bald nach meiner Ankunft baten sie mich, für sie zu beten. Ich fragte nach dem Grund, und sie erklärten mir: ,,Ach, Herr

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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Nee, mit uns steht es seit einiger Zeit ziemlich schlecht. Unsere Kinder bringen uns so oft an die Grenzen unserer Geduld. In den letzten Wochen haben wir beide mehrmals am Tag die Beherrschung verloren. Wir sind wirklich eine Schande für den Herrn. Würden Sie ihn bitten, uns Geduld zu schenken?“ – ,,Das ist mir absolut unmöglich“ , antwortete ich. ,,Was meinen Sie damit?“ , fragten mich die beiden. ,,Ich meine damit“ , war meine Antwort, ,,daß Gott Ihr Gebet mit Sicherheit nicht beantworten wird.“ Sie erwiderten daraufhin entsetzt: ,,Sind wir denn schon so weit gegangen, daß Gott uns nicht mehr erhören wird, wenn wir ihn um Geduld bitten?“ – ,,Nein, das meine ich eigentlich nicht“ , antwortete ich, ,,aber sagen Sie mir: Haben Sie schon einmal in dieser Weise gebetet? Ja? Und hat Gott Sie erhört? Nein? Wissen Sie auch, warum nicht? Weil Sie gar keine Geduld brauchen.“ Die Frau durchbohrte mich mit ihren Augen, als es aus ihr herausbrach: ,,Was sagen Sie da? Wir brauchen keine Geduld, obwohl wir den ganzen Tag immer wieder aus der Fassung geraten? Ich verstehe Sie nicht. Was wollen Sie damit sagen?“ – ,,Was Sie brauchen“ , antwortete ich ruhig, ,,ist nicht Geduld, sondern Christus.“ Und das ist die Wahrheit. Gott gibt uns nicht Demut, Geduld, Heiligkeit oder Liebe als einzelne Gaben seiner Gnade. Er ist kein Verkäufer, der die Gnade in Paketen austeilt und den Ungeduldigen ein wenig Geduld, den Lieblosen ein wenig Liebe und den Stolzen ein wenig Demut liefert, damit sie mit diesem Kapital wieder eine Weile arbeiten können. Gott hat uns nur eine Gabe gegeben, die allen unseren Mangel ausfüllt: seinen Sohn Christus Jesus. Wenn ich ihm vertraue, daß er sein Leben in mir auslebt, wird er an meiner Statt demütig, geduldig, liebend und alles andere sein, woran ich Mangel habe. Im ersten Johannesbrief heißt es: ,,Und dies ist das Zeugnis, daß Gott uns das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat,

der hat das Leben nicht“ (1.Joh. 5:11-12). Das Leben Gottes wird uns nicht als Einzelgabe geschenkt, sondern es wird uns in seinem Sohn zuteil. Es heißt: ,,ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Röm. 6:23). Unsere Beziehung zum Sohn ist unsere Beziehung zum Leben. Wir sind gesegnet, wenn wir den Unterschied zwischen christlichen Tugenden und Christus selbst entdecken: den Unterschied zwischen Demut und Christus, zwischen Geduld und Christus, zwischen Liebe und Christus. Ihr kennt sicherlich 1.Korinther 1:30: ,,Christus Jesus, der uns zur Weisheit geworden ist von Gott: zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.“ Das übliche Verständnis von Heiligung ist, daß jeder Aspekt unseres Lebens heilig sein muß. Dies ist jedoch nur die Frucht der Heiligkeit, nicht aber Heiligkeit selbst. Heiligkeit ist Christus, sie ist der Herr, der uns dazu gemacht wurde. Hier kann man nun alle christlichen Tugenden einsetzen: Liebe, Demut, Kraft, Selbstbeherrschung. Heute braucht ihr Geduld: hier ist eure Geduld! Morgen braucht ihr Reinheit: hier ist eure Reinheit! Er ist derjenige, der allen Mangel ausfüllt. Aus diesem Grund spricht Paulus von der ,,Frucht des Geistes“ in der Einzahl (Gal. 5:22) und nicht von einzelnen Früchten. Gott gab uns seinen Heiligen Geist, und wenn wir Liebe brauchen, ist die Frucht des Geistes Liebe; wenn wir Freude brauchen, ist die Frucht des Geistes Freude. Dies gilt immer. Es spielt keine Rolle, welches unser persönlicher Mangel ist oder ob wir hunderterlei verschiedene Bedürfnisse haben – Gott hat nur eine einzige Antwort darauf: sein Sohn Jesus Christus. Er ist die Antwort für jeden menschlichen Bedarf. Wie können wir Christus mehr in dieser Weise erfahren? Nur indem wir uns mehr unseres Mangels bewußt werden. Manche Christen haben Angst davor, ihre Unzulänglichkeit zu entdecken, und darum wachsen sie nicht. Allein in der Gnade können wir wachsen, und Gnade bedeutet, wie wir bereits gesehen haben,

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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daß Gott etwas für uns tut. In uns allen wohnt derselbe Christus, und die Offenbarung eines weiteren Mangels bringt uns automatisch dahin, ihm zu glauben, daß er sein Leben eben darin in uns auslebt. Ein größeres Fassungsvermögen für geistliche Dinge bekommen wir im Grunde genommen durch vermehrten Genuß an Gottes Versorgung. Erneut müssen wir loslassen, abermals auf Christus vertrauen – und wieder hat Christus ein weiteres Stück Land in uns eingenommen. ,,Christus – mein Leben“ , dies ist das eigentliche Geheimnis des Wachstums. Wir sprachen vom Bemühen, vom Vertrauen und vom Unterschied zwischen beiden. Glaubt mir, es ist der Unterschied zwischen Himmel und Hölle. Es geht hier nicht um irgendeinen schönen Gedanken, sondern um die Realität. ,,Herr, ich kann es nicht, deshalb höre ich auf, es zu versuchen.“ Hier liegt ein großer Mangel bei den meisten von uns. ,,Herr, ich schaffe es nicht. Ich lasse also die Finger davon und glaube statt dessen von nun an dir, daß du es tun wirst.“ Wir weigern uns, noch irgend etwas zu tun, warten darauf, daß er es tut und lassen uns dann freudig und von ganzem Herzen in sein Handeln einbeziehen. Dies hat nichts mit Passivität zu tun. So dem Herrn zu vertrauen beinhaltet vielmehr ein sehr aktives Leben. Wir nehmen ihn als unser Leben und beziehen unsere Lebenskraft von ihm. Er verwirklicht sein Leben in uns, die wir in seinem Namen vorangehen.

,,So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes ... die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“ (Röm. 8:1-2, 4b). In Römer 8 beschreibt Paulus ausführlich die positive Seite eines Lebens im Geist. Der Anfang, ,,so gibt es nun keine

Verdammnis“ , mag zunächst einmal fehl am Platz erscheinen. Die Verdammnis wurde doch durch das Blut abgewendet, durch welches wir nun Frieden mit Gott und Errettung von seinem Zorn gefunden haben (Röm. 5:1, 9). Es gibt jedoch zwei Arten der Verdammnis, nämlich die eine vor Gott und die andere vor uns selbst (ebenso wie es, wie wir sahen, zwei Arten des Friedens gibt), und zuweilen kann uns die zweite mehr quälen als die erste. Wenn ich erkenne, daß das Blut Christi Gott Genüge getan hat, weiß ich, daß meine Sünden vergeben sind und daß es in Gottes Augen keine Verdammnis mehr für mich gibt. Vielleicht versage ich aber wieder und fühle mich aufgrund dessen, wie in Römer 7 beschrieben, innerlich immer noch verdammt. Habe ich hingegen gelernt, durch Christus als mein Leben zu leben, kenne ich auch das Geheimnis des Sieges und, Gott sei gelobt, auch innerlich gibt es nun ,,keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind.“ – ,,Die Gesinnung des Geistes ist Leben und Friede“ (Röm. 8:6). Dieser Vers wird zu meiner Erfahrung, während ich es lerne, im Geist zu wandeln. Habe ich Frieden im Herzen, bleibt kein Raum mehr für das Gefühl von Verdammnis, sondern nur Lob für den, der mich von Sieg zu Sieg führt, füllt meinen Mund. Was war der Grund für das innere Gefühl der Verdammnis? War es nicht die Erfahrung der Niederlage und das Empfinden, dagegen machtlos zu sein? Bevor ich erkannte, daß Christus mein Leben ist, mühte ich mich in dem ständigen Bewußtsein der Machtlosigkeit. Immer wieder stieß ich an meine Grenzen und kam mir so hilflos vor. In mir war ein Schrei: ,,Ich kann das nicht! Und das kann ich auch nicht!“ Wieviel Mühe ich mir auch gab, immer mußte ich mir eingestehen, daß ich ,,Gott nicht gefallen“ konnte (Röm. 8:8). In Christus jedoch gibt es kein ,,ich kann nicht“ . Nun heißt es: ,,Alles vermag ich in dem, der mich stark macht“ (Phil. 4:13). Wie kann Paulus so kühn sein? Mit welcher Berechtigung erklärt er, daß er von aller Hilflosigkeit befreit ist und ,,alles

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Das Gesetz des Geistes des Lebens


Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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vermag“ ? Die Antwort lautet: ,,Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm. 8:2). ,,Denn ...“ , sagt Paulus. Es gibt also einen ganz bestimmten Grund für seine Befreiung, nämlich, daß ein Gesetz, welches das ,,Gesetz des Geistes des Lebens“ genannt wird, sich als stärker erwiesen hat als jenes andere ,,Gesetz der Sünde und des Todes“ . Was sind diese beiden Gesetze, und wie wirken sie? Und was ist der Unterschied zwischen der Sünde und dem Gesetz der Sünde, und dem Tod und dem Gesetz des Todes? Laßt uns zuerst die Frage beantworten, was ein Gesetz überhaupt ist. Streng genommen ist ein Gesetz ein allgemeingültiger Grundsatz, für den es keine Ausnahme gibt. Einfacher gesagt, hat ein Gesetz mit Vorgängen zu tun, die sich immer wiederholen. Jeder Vorgang dieser Art läuft gleich ab. Sowohl Naturgesetze als auch menschliche Gesetze können dies veranschaulichen. Wenn ich zum Beispiel in England mit meinem Auto auf der rechten Straßenseite fahre, wird mich die Polizei anhalten, weil ich gegen das Gesetz des Landes verstoße. Wenn ihr dasselbe tut, werdet ihr aus demselben Grund wie ich angehalten werden: es verstößt gegen das Gesetz, und das Gesetz kennt keine Ausnahmen. Was aufgrund eines Gesetzes geschieht, wiederholt sich immer wieder in der gleichen Weise. Ein anderes Beispiel ist die uns allen bekannte Schwerkraft. Lasse ich mein Taschentuch in London fallen, fällt es durch die Wirkung der Schwerkraft zu Boden. Dasselbe geschieht, wenn ich mein Taschentuch in New York oder Hongkong fallenlasse. Ganz gleich, wo ich es fallenlasse, die Schwerkraft wirkt und führt immer zu demselben Ergebnis. Unter denselben Bedingungen tritt dieselbe Wirkung ein. Wir nennen es daher das ,,Gesetz“ der Schwerkraft. Kommen wir nun zum Gesetz der Sünde und des Todes. Wenn jemand eine unfreundliche Bemerkung über mich macht,

ärgere ich mich. Dies ist kein Gesetz, sondern Sünde. Wenn nun aber verschiedene Menschen eine unfreundliche Bemerkung über mich machen und ich mich jedesmal ärgere, wirkt hier ein Gesetz, das Gesetz der Sünde. Wie das Gesetz der Schwerkraft wirkt dieses Gesetz ebenfalls ausnahmslos in derselben Weise. Das gilt genauso für das Gesetz des Todes. Tod, wie wir sahen, ist äußerste Schwachheit. Die Schwachheit spricht: ,,Ich kann nicht.“ Wenn ich Gott in einer bestimmten Sache gefallen will und feststelle: ,,Ich kann nicht“ , und dies sich in einer anderen Sache genauso wiederholt, dann wirkt ein Gesetz in mir. Nicht nur ist Sünde in mir, sondern ein Gesetz der Sünde, und nicht nur finde ich Tod in mir, sondern ein Gesetz des Todes. Das Gesetz der Schwerkraft ist nun nicht nur ein Gesetz, weil es beständig und ausnahmslos wirkt, sondern, anders als das Straßenverkehrsgesetz, handelt es sich bei der Schwerkraft um ein ,,Naturgesetz“ , das nicht auf menschliche Debatten und Entschließungen zurückzuführen ist, sondern ganz einfach nur entdeckt wurde. Das Gesetz existiert, und das Taschentuch fällt ohne meine Hilfe ganz ,,natürlich“ allein zu Boden. Für das von Paulus in Römer 7:23 entdeckte ,,Gesetz“ gilt genau dasselbe. Es ist ein Gesetz der Sünde und des Todes, das allem Guten widerstrebt und den Willen des Menschen, Gutes zu tun, lähmt. Der Mensch sündigt ,,natürlicherweise“ aufgrund des Gesetzes der Sünde und des Todes in seinen Gliedern. Er möchte zwar anders sein, doch das Gesetz in ihm ist unerbittlich, und menschlicher Wille kann ihm nicht widerstehen. Nun stellt sich also die Frage: Wie kann ich befreit werden von diesem Gesetz der Sünde und des Todes? Ich muß von der Sünde und weitaus mehr noch vom Tod befreit werden, doch am allermeisten brauche ich die Befreiung vom Gesetz der Sünde und des Todes. Wie kann ich von meiner ständig wiederkehrenden Schwachheit und Niederlage befreit werden? Als Antwort auf diese Frage wollen wir die zwei vorher erwähnten Arten von Gesetzen weiter betrachten.

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Eine unserer schwersten Lasten in China war die sogenannte Likin-Steuer, die auf die Ch’in-Dynastie zurückgeht und die niemand umgehen konnte. Es handelte sich dabei um einen inländischen Zoll auf den Güterverkehr, der im ganzen Kaiserreich galt und an unzähligen Schranken erhoben wurde. Die dafür zuständigen Beamten besaßen große Macht. Infolge dieser Steuer wurden Güter, die mehrere Provinzen passieren mußten, überaus teuer. Vor einigen Jahren jedoch trat ein zweites Gesetz in Kraft, welches das Likin-Gesetz aufhob. Stellt euch die Erleichterung der Menschen vor, die unter dem alten Gesetz gelitten hatten! Nun war es nicht mehr nötig, nachzudenken, zu hoffen oder zu beten. Das neue Gesetz hat uns vom Tag seines Inkrafttretens an vom alten Gesetz befreit. Nun brauchte sich niemand mehr Gedanken zu machen, wie er einem Likin-Beamten gegenübertreten sollte. Was für das Gesetz eines Landes gilt, gilt auch für die Naturgesetze. Wie kann das Gesetz der Schwerkraft aufgehoben werden? Ganz offensichtlich ist es in Kraft, wie ich an meinem Taschentuch sehen kann. Ich brauche aber nur meine Hand unter das Taschentuch zu halten, und schon fällt es nicht mehr zu Boden. Warum? Das Gesetz der Schwerkraft gilt immer noch. Ich ändere es nicht, kann es ja auch gar nicht ändern. Warum fällt mein Taschentuch also nicht zu Boden? Weil eine Kraft es aufhält. Ein anderes, höheres Gesetz, das Gesetz des Lebens, wirkt dem ersten entgegen und hebt es auf. Die Schwerkraft mag ihr Äußerstes versuchen, aber das Taschentuch wird nicht fallen, weil ein anderes Gesetz der Schwerkraft entgegenwirkt, welches das Taschentuch emporhebt. Wir haben sicherlich alle schon einen Baum gesehen, der als Same in die Fugen zwischen den Pflastersteinen gefallen war und so groß wurde, daß er mit seiner Lebenskraft ganze Steinblöcke heben konnte. Dies meinen wir, wenn wir vom Sieg des einen Gesetzes über das andere sprechen.

In genau derselben Weise befreit uns Gott von einem Gesetz durch ein zweites. Das Gesetz der Sünde und des Todes existiert weiterhin, doch hat Gott ein neues Gesetz in Kraft treten lassen: das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus, welches stark genug ist, uns vom Gesetz der Sünde und des Todes zu befreien. Es ist ein Gesetz des Lebens in Christus – des Auferstehungslebens, das in Christus über den Tod mit allen seinen Begleiterscheinungen gesiegt hat (Eph. 1:19-20). Der Herr Jesus wohnt in der Person des Heiligen Geistes in uns, und wenn wir uns selbst ihm anvertrauen und ihm freie Hand lassen, werden wir sehen, wie sein neues Gesetz des Lebens das alte Gesetz überwindet. Wir werden erfahren, was es heißt, bewahrt zu werden – nicht durch unsere eigene ungenügende Kraft, sondern ,,aus Gottes Kraft“ (1.Petr. 1:5).

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Die Wirkung des Gesetzes des Lebens Was bedeutet das alles praktisch? Wir sprachen bereits darüber, wie unser Wille sich den Dingen Gottes gegenüber verhält. Selbst ältere Christen erkennen oft nicht, welch eine große Rolle die Willenskraft in ihrem Leben spielt. Auch davon spricht Paulus in Römer 7. Sein Wollen war zwar gut, aber all sein Handeln widersprach dem völlig, und je fester er sich vornahm, Gott zu gefallen, desto mehr geriet er in Finsternis. Er wollte das Gute tun –, war aber ,,fleischlich, unter die Sünde verkauft“ . Genau darin liegt die Schwierigkeit. Wie ein Auto ohne Benzin, das geschoben werden muß und stehenbleibt, sobald es sich selbst überlassen wird, versuchen viele Christen, sich durch ihre Willenskraft anzutreiben und kommen dann zu dem Schluß, daß das Christenleben eine furchtbar anstrengende und saure Angelegenheit sei. Manche zwingen sich sogar zu christlichen Verhaltensweisen, die sie bei anderen beobachtet haben, müssen aber insgeheim zugeben, daß sie gar keinen Sinn darin sehen.


Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Sie wollen mit Gewalt etwas sein, was sie nicht sind, und dies ist schlimmer, als gegen einen reißenden Strom schwimmen zu müssen. Denn schließlich kann der Mensch durch seinen Willen nicht mehr erreichen, als willig zu sein (Mt. 26:41). Wenn wir uns in unserem Christenleben sehr anstrengen müssen, beweist dies, daß wir eben nicht wirklich das sind, was wir vorgeben. Wir brauchen uns ja auch nicht zu zwingen, unsere Muttersprache zu sprechen. Unsere Willenskraft müssen wir eigentlich nur für etwas einsetzen, das wir natürlicherweise nicht tun würden. Eine kleine Weile mag es gutgehen, aber am Ende behält das Gesetz der Sünde und des Todes doch die Oberhand. Wir können vielleicht sagen: ,,Das Wollen ist bei mir vorhanden, und das Vollbringen des Guten schaffe ich zwei Wochen lang“ , doch dann müssen wir schließlich zugeben: ,,Das Vollbringen des Guten ist bei mir nicht vorhanden.“ Nein, was ich bereits bin, danach sehne ich mich nicht mehr. Wenn bei mir das ,,Wollen“ für etwas vorhanden ist, dann nur, weil es noch nicht mein ist. Ihr fragt vielleicht, warum denn Menschen ihre Willenskraft einsetzen, um Gott zu gefallen? Dafür kann es zweierlei Gründe geben. Vielleicht haben sie die Wiedergeburt nicht erfahren und können in diesem Fall auch nicht das neue Leben in Anspruch nehmen; oder sie sind von neuem geboren und haben das Leben empfangen, aber noch nicht gelernt, dem Leben zu vertrauen. Nur weil ihnen die Einsicht fehlt, versagen und sündigen sie immer und immer wieder, bis sie schließlich fast die Hoffnung auf ein besseres Leben aufgeben. Aber daß wir hin und wieder einmal jenes kraftlose Leben erfahren, bedeutet nicht, daß das alles ist, was Gott uns gegeben hat, selbst wenn uns der Glaube an mehr fehlt. In Römer 6:23 heißt es, daß die ,,Gnadengabe Gottes ... ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn“ ist, und nun lesen wir in Römer 8:2, daß ,,das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus“ uns

zu Hilfe kommt. Römer 8:2 spricht also nicht von einer neuen Gabe, sondern von dem in Römer 6:23 bereits erwähnten Leben. Mit anderen Worten handelt es sich hier lediglich um eine neue Offenbarung dessen, was wir bereits empfangen haben. Diese Tatsache kann nicht genug betont werden. Gott gibt uns nichts Neues, sondern zeigt uns nur erneut, was er uns bereits geschenkt hat. Man kann es eine neue Entdeckung des in Christus bereits vollbrachten Werkes nennen, denn die Worte, ,,hat mich frei gemacht“ , stehen in der Vergangenheit. Wenn ich dies wirklich erkenne und ihm glaubend vertraue, brauche ich die Erfahrung von Römer 7 – nämlich Kampf und traurige Niederlage oder vergebliches Aufbieten all meiner Willenskraft – gar nicht zu machen. Wenn wir, statt zu wollen, ihm einfach vertrauen, werden wir nicht abstürzen, sondern unter die Herrschaft eines anderen Gesetzes gelangen, nämlich des Gesetzes des Geistes des Lebens. Denn Gott gab uns nicht nur Leben, sondern ein Gesetz des Lebens. Und genauso wie das Gesetz der Schwerkraft ein Naturgesetz und nicht das Ergebnis menschlicher Gesetzgebung ist, so ist auch das Gesetz des Lebens ein ,,Natur“ -Gesetz, das im Prinzip dem Gesetz gleicht, welches unseren Herzschlag oder die Bewegung unserer Augenlider reguliert. Wir brauchen nicht an unsere Augen zu denken oder zu beschließen, daß wir alle paar Sekunden blinzeln müssen, damit unsere Augen feucht bleiben. Noch viel weniger müssen wir unseren Willen einsetzen, damit unser Herz schlägt. Ganz im Gegenteil würde der Einfluß unseres Willens eher Schaden anrichten als nützen. Nein, solange unser Körper Leben hat, funktioniert dieses Leben spontan. Unser Wille ist lediglich ein Hindernis für das Gesetz des Lebens. Diese Entdeckung machte ich bei folgender Begebenheit: Vor ein paar Jahren litt ich eine Zeitlang unter Schlaflosigkeit. Als ich einmal nach mehreren schlaflosen Nächten viel

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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gebetet und alle meine Kräfte verbraucht hatte, bekannte ich Gott schließlich, daß das Problem wohl bei mir liege, und bat ihn zu zeigen, wo. Ich sagte zu Gott: ,,Ich verlange eine Erklärung.“ Seine Antwort daraufhin lautete: ,,Glaube an die Gesetze der Natur.“ Der Schlaf ist genauso ein Gesetz wie der Hunger. Ich stellte fest, daß ich mir noch nie darüber Gedanken gemacht hatte, ob ich hungrig werde, aber um meinen Schlaf doch sehr besorgt war. Ich versuchte, der Natur nachzuhelfen, und genau darin liegt das Hauptproblem der meisten, die an Schlaflosigkeit leiden. Nach seiner Antwort vertraute ich nicht mehr nur Gott, sondern auch seinen Naturgesetzen, und bald darauf schlief ich wieder gut. Müssen wir nicht die Bibel lesen? Natürlich, sonst leidet unser geistliches Leben. Wir sollten uns aber nicht dazu zwingen müssen, denn das neue Gesetz in uns erweckt den Hunger nach Gottes Wort. Wenn dies der Fall ist, kann eine halbe Stunde gewinnbringender sein als fünf Stunden, zu denen wir uns zwingen. Dasselbe gilt auch für das Geben, das Predigen oder Bezeugen. Wenn wir uns zum Predigen zwingen, ist die Gefahr groß, daß wir eine frohe Botschaft mit unfrohem Herzen verkündigen; und jeder weiß, wie abstoßend freudloses Geben ist. Wenn wir im neuen Gesetz leben, wird das alte allmählich aus unserem Bewußtsein verschwinden. Es existiert zwar immer noch, doch beherrscht und versklavt es uns nicht mehr. Aus diesem Grund sagt der Herr in Matthäus 6: ,,Seht die Vögel des Himmels an ... Betrachtet die Lilien des Feldes.“ Was würden die Vögel antworten, wenn wir sie fragen könnten, ob sie sich nicht vor dem Gesetz der Schwerkraft fürchten? Ihre Antwort wäre sicherlich: ,,Wir haben noch nie etwas von Newton gehört, und sein Gesetz kennen wir nicht. Wir fliegen, weil fliegen zum Gesetz unseres Lebens gehört.“ Sie haben nicht nur ein Leben, das fliegen kann, sondern mit diesem Leben ist auch ein Gesetz verbunden, das diese Lebewesen dazu befähigt, spontan und

ohne Ausnahme das Gesetz der Schwerkraft zu überwinden, obwohl die Schwerkraft immer noch wirksam ist. Steht man jedoch an einem eiskalten und verschneiten Wintermorgen früh auf und findet einen toten Sperling im Hof, wird man sogleich an die Existenz dieses Gesetzes erinnert. Nur solange ein Vogel lebendig ist, kann er die Schwerkraft überwinden. Das Leben in den Vögeln bestimmt ihr Bewußtsein. Gott ist ein barmherziger Gott. Er gab uns dieses neue Gesetz des Geistes, und das ,,Fliegen“ hängt für uns nun nicht mehr von unserem Willen ab, sondern von seinem Leben. Habt ihr schon einmal erlebt, welch aussichtsloses Unterfangen es ist, einem ungeduldigen Christen Geduld beizubringen? Wenn man von ihm auch nur ein wenig Geduld verlangt, wird ihn das völlig entmutigen. Gott verlangt nie, daß wir uns zu etwas zwingen, was wir natürlicherweise nicht sind, oder daß wir unserem geistlichen Wachstum durch Sorgen eine Elle hinzufügen. Seine Sorgen kosten den Mensch allenfalls eine Elle seiner Größe. ,,Sorgt euch nicht“ , sagt Jesus. ,,Schaut nur die Lilien auf dem Felde an, wie sie wachsen.“ Mit diesen Worten verweist uns der Herr auf das neue Gesetz des Lebens in uns. Daß wir doch von neuem erkennen mögen, was für ein Leben uns gegeben ist! Was für eine kostbare Entdeckung! Dieses Gesetz kann wirklich neue Menschen aus uns machen, denn sowohl in den kleinsten wie auch in den größten Dingen erweist es seine Wirksamkeit. Es mahnt uns zum Beispiel, wenn wir gerade in ein Buch hineinschauen wollen, das uns nicht gehört, und erinnert uns daran, daß wir nicht um Erlaubnis gebeten und deshalb kein Recht dazu haben. Der Heilige Geist macht uns klar, daß wir die Rechte anderer respektieren müssen. Ein gläubiger Freund sagte mir einmal: ,,Weißt du, ich glaube, daß ein Mensch, der bereit ist, nach dem Gesetz des Geistes des Lebens zu leben, zu wirklich feinen Umgangsformen erzogen wird.“ – ,,Wie meinst du das?“ , fragte ich. ,,Dieses

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Gesetz“ , antwortete er, ,,hat wirklich die Macht, aus jemand einen echten Gentleman zu machen. Manche sagen verächtlich: ,Diese Leute können nichts dafür, daß sie sich so benehmen, es sind ja nur einfache Leute vom Lande, die keine richtige Ausbildung haben.‘ Die Frage ist aber eigentlich, ob sie das Leben Gottes in sich tragen. Und ich bin überzeugt, dieses Leben kann in ihnen sagen: ,Du redest zu laut‘, oder: ,Dein Lachen war unangebracht‘, oder: ,Deine Haltung bei dieser Bemerkung war nicht in Ordnung.‘ Auf tausenderlei Arten kann der Geist des Lebens Menschen unterweisen, wie sie wandeln sollen, und sie so zu feinen Umgangsformen erziehen. Die beste Erziehung kann das nicht.“ Und das sagte ein Erzieher! Mein Freund hatte recht. Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die gern viel reden. Wenn du mit anderen Menschen zusammen bist, nimmst du dir vielleicht vor: ,,Ich bin ein Christ, und wenn ich dem Namen des Herrn Ehre machen will, darf ich einfach nicht so viel reden. Heute werde ich also besonders darauf achten, meine Zunge im Zaum zu halten.“ Ein oder zwei Stunden lang mag das gutgehen, bis du durch irgendeinen Anlaß die erzwungene Beherrschung verlierst, und ehe du dich versiehst, findest du dich im alten Fahrwasser wieder. Ich kann euch versichern, daß der Wille in solch einem Fall vollkommen machtlos ist. Wollte ich in solch einer Situation an deinen Willen appellieren, würde ich dir nichts anderes als die nichtige Religion der Welt anbieten und nicht das Leben in Christus Jesus. Ein geschwätziger Mensch bleibt, was er ist, auch wenn er den ganzen Tag schweigt, da die Geschwätzigkeit ein ,,Natur“ -Ge setz in ihm ist, das ihn beherrscht. Ein Pfirsichbaum bleibt ein Pfirsichbaum, ob er Früchte trägt oder nicht. Als Christen aber entdecken wir ein neues Gesetz in uns, das Gesetz des Geistes des Lebens, das stärker ist als alle anderen Gesetze und uns bereits vom ,,Gesetz“ unserer Geschwätzigkeit befreit hat. Wenn wir uns im Glauben an das Wort des Herrn diesem neuen

Gesetz ausliefern, wird es uns sagen, wann wir aufhören sollen – oder daß wir gar nicht erst anfangen – zu reden und wird uns auch die Kraft dazu geben. Sind wir so ausgerüstet, können wir ohne Schwierigkeiten zwei oder drei Stunden oder sogar zwei oder drei Tage mit Freunden zusammensein und danken am Ende Gott für das neue Gesetz des Lebens. Das Christenleben ist solch ein spontanes Leben. Es erweist sich in der Liebe für die nicht so Liebenswerten, für den Bruder, den wir natürlicherweise nicht mögen und gewiß nicht lieben könnten. Diese Liebe beruht darauf, daß wir die Sicht des Herrn bekommen und die Möglichkeiten in dem Bruder sehen, die der Herr sieht. ,,Herr, du siehst, daß er liebenswert ist, und du liebst ihn. Liebe ihn nun auch durch mich.“ Dieses Leben erweist sich auch in einem aufrichtigen Charakter. Es gibt zu viel Heuchelei und Theater unter den Christen. Nichts schmälert das Zeugnis eines Christen mehr als das Vortäuschen von etwas, das nicht vorhanden ist, denn die Menschen der Welt durchschauen die Maske und erkennen über kurz oder lang unser wahres Gesicht. Ja, der Schein weicht der Wirklichkeit, wenn wir uns dem Gesetz des Lebens anvertrauen.

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,,... die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“ ,,Denn was dem Gesetz unmöglich war, weil es durch das Fleisch schwach war, das tat Gott: er sandte seinen Sohn in der Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und um der Sünde willen und verdammte die Sünde im Fleisch, damit die gerechte Forderung des Gesetzes in uns erfüllt würde, die wir nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist“ (Röm. 8:3-4). Wer diese zwei Verse sorgfältig gelesen hat, wird festgestellt haben, daß erstens erwähnt wird, was der Herr für uns getan hat und zweitens, was der Heilige Geist in uns tun wird. Das Fleisch


Der vierte Schritt: im Geist wandeln

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ist schwach, folglich kann die Forderung des Gesetzes in uns nach dem Fleisch nicht erfüllt werden. (Ich möchte noch einmal daran erinnern, daß es hier nicht um die ewige Errettung geht, sondern um den Wunsch, Gott zu gefallen.) Wegen unserer Schwachheit unternahm Gott zwei Schritte. Zunächst ging er unserem Hauptproblem an die Wurzel: Er sandte seinen Sohn im Fleisch, der für die Sünde starb und so die Sünde im Fleisch verdammte. Das heißt, er nahm stellvertretend alles, was in uns zur alten Schöpfung gehörte, mit in den Tod, ob wir es nun den ,,alten Menschen“ , ,,das Fleisch“ oder das fleischliche ,,Ich“ nennen. Damit war der eigentliche Grund für unsere Schwachheit beseitigt. Dies war der erste Schritt. Es bestand jedoch immer noch die gerechte Forderung des Gesetzes, die in uns erfüllt werden mußte. Wie konnte das geschehen? Gott mußte uns dazu den innewohnenden Geist schenken, der sich nun von innen her dieser Angelegenheit annimmt, und das kann er tun, wenn wir, wie es heißt, ,,nach dem Geist“ wandeln. Was bedeutet es nun, nach dem Geist zu wandeln? Erstens ist es nicht ein Werk, sondern ein Wandel. Gott sei gelobt, mein beschwerliches und fruchtloses Bemühen, Gott im Fleisch zu gefallen, weicht einer stillen und entspannten Abhängigkeit von ,,seiner Wirkung, die in mir wirkt in Kraft“ (Kol. 1:29). Aus diesem Grund stellt Paulus den ,,Werken“ des Fleisches die ,,Frucht“ des Geistes gegenüber (Gal. 5:19, 22). Zweitens bedeutet ,,nach dem Geist zu wandeln“ Unterord nung. Nach dem Fleisch zu wandeln bedeutet, daß ich den Befehlen des Fleisches gehorche, und die Verse Römer 8:5-8 zeigen, wohin das führt, nämlich in die Feindschaft gegen Gott. Nach dem Geist zu wandeln bedeutet, sich dem Geist unterzuordnen. Es ist völlig undenkbar, daß ein Christ, der nach dem Geist wandelt, unabhängig vom Geist lebt. Ich kann nicht anders, als mich dem Heiligen Geist unterzuordnen, und die Initiative

meines Lebens muß von ihm kommen. Nur wenn ich ihm gehorche, wird das Gesetz des Geistes des Lebens wirksam und die gerechte Forderung des Gesetzes (d. h. alles, was ich tun wollte, um Gott zu gefallen) erfüllt – nun aber nicht mehr v o n mir, sondern i n mir. ,,Denn alle, die durch Gottes Geist geleitet werden, die sind Gottes Söhne“ (Röm. 8:14). Wir alle kennen 2.Korinther 13:14: ,,Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen.“ Die Liebe Gottes ist die Quelle aller geistlichen Segnungen; die Gnade des Herrn Jesus hat es ermöglicht, daß dieser geistliche Schatz unser wurde, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes ist das Mittel, durch welches er uns zuteil wird. Die Liebe ist im Herzen Gottes verborgen; die Gnade ist die Liebe, welche im Sohn zum Ausdruck kommt und verfügbar ist, und die Gemeinschaft ist die Austeilung dieser Gnade durch den Geist. Was der Vater für uns plante, hat der Sohn ausgeführt, und nun haben wir Anteil daran durch den Heiligen Geist. Wenn wir daher etwas Neues im Werk des Herrn am Kreuz entdecken, laßt uns in diese Richtung blicken und durch unseren beständigen Gehorsam dem Heiligen Geist gegenüber den Raum dafür schaffen, daß diese Entdeckung auch zu unserer praktischen Erfahrung wird. Denn das ist sein Dienst an uns. Dazu ist er gesandt, daß er in uns verwirklicht, was Christus für uns vollbracht hat. In China haben wir gelernt, daß wir sehr gründlich vorgehen müssen, wenn wir einen Menschen zu Christus führen, weil man nie weiß, wann er wieder die Hilfe anderer Christen in Anspruch nehmen kann. Nachdem ein Mensch den Herrn gebeten hat, ihm seine Sünden zu vergeben und in sein Herz hineinzukommen, versuchen wir ihm klarzumachen, daß sein Herz nun die Wohnung einer lebendigen Person geworden ist. Der Heilige Geist Gottes lebt nun in ihm, um ihm Christus in der Schrift zu

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Der vierte Schritt: im Geist wandeln

Der vierte Schritt: im Geist wandeln

offenbaren, ihn im Gebet zu leiten und sein Leben zu regieren, damit das Wesen seines Herrn in ihm Gestalt gewinnen kann. Ich erinnere mich an einen Spätsommer, in dem ich für einen längeren Erholungsurlaub einen Bergkurort aufsuchte. Es war schwierig, dort Unterkunft zu finden, und so schlief ich in einem Haus, in einem anderen nahm ich meine Mahlzeiten ein. Dieses gehörte einem Mechaniker und seiner Frau. Abgesehen von meinem Tischgebet bei jeder Mahlzeit sagte ich meinen Gastgebern in den ersten zwei Wochen nichts vom Evangelium. Eines Tages aber kam die Gelegenheit, ihnen vom Herrn Jesus zu erzählen. Sie hörten gern zu und kamen schließlich im Glauben zu ihm, um Vergebung ihrer Sünden zu erlangen. Sie wurden wiedergeboren, und neues Licht und neue Freude kam in ihr Leben. Sie erlebten eine echte Bekehrung. Ich verwandte viel Zeit darauf, ihnen zu erklären, was geschehen war. Doch als es dann kälter wurde, kam der Tag, an dem ich nach Schanghai zurückkehren mußte. In den kalten Wintermonaten hatte der Mann die Gewohnheit, Wein zu seinen Mahlzeiten zu trinken, und er neigte dazu, sein Maß gelegentlich zu überschreiten. Nach meiner Abreise kam mit dem kalten Wetter auch der Wein wieder auf den Tisch. Wie er es nun gewohnt war, schickte er sich auch an jenem Tage wieder an, seinen Kopf zu senken und für das Mahl zu danken, aber es kamen keine Worte über seine Lippen. Nach ein oder zwei vergeblichen Versuchen wandte er sich an seine Frau und fragte: ,,Was ist denn heute los? Warum können wir heute nicht beten? Bring die Bibel und sieh nach, was über den Wein darin steht.“ Ich hatte ihnen eine Bibel zurückgelassen, aber obwohl die Frau lesen konnte, kannte sie sich im Wort nicht aus und blätterte umsonst nach einer Antwort. Sie wußten nicht, wie sie sich aus Gottes Buch Rat holen sollten, und es war nicht möglich, den Boten Gottes zu befragen, denn ich war viele Meilen weit entfernt, und es konnte Monate dauern, bis sie mich wiedersa-

hen. ,,Trink doch einfach“ , riet ihm seine Frau. ,,Wir werden Bruder Nee bei der nächsten Gelegenheit danach fragen.“ Aber der Mann merkte, daß er Gott nicht für den Wein danken konnte. ,,Nimm ihn weg!“ , sagte er schließlich, und als sie ihn wegge räumt hatte, konnten beide ihr Tischgebet sprechen. Als mich der Mann später in Schanghai wiedertraf, erzählte er mir die Geschichte. ,,Bruder Nee, der Boss, der in mir wohnt“ , sagte er und benutzte dabei eine in China gebräuchliche Wendung, ,,ließ es einfach nicht zu, daß ich meinen Wein trinke.“ – ,,Sehr gut, Bruder“ , erwiderte ich ihm, ,,höre du nur immer auf deinen Boss!“ Viele von uns wissen, daß Christus unser Leben ist. Wir glauben, daß der Geist Gottes in uns wohnt, aber diese Tatsache hat wenig Einfluß auf unser Verhalten. Die Frage ist, kennen wir ihn als lebendige Person, kennen wir ihn als den ,,Boss, der in uns wohnt“ ?

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Das Kreuz und das Seelenleben

Kapitel 12

Das Kreuz und das Seelenleben

Mit dem Kreuz Christi hat Gott vollkommen für unsere Erlösung gesorgt, doch das war nicht alles, gleichzeitig hat er auch für die Erfüllung seines ewigen Planes Sorge getragen und jedem Mißlingen vorgebeugt. Paulus sagt von diesem Plan, daß er ,,von Ewigkeit her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat“. Diesen hat er nun verkündigt, ,,damit jetzt durch die Gemeinde den Mächten und den Gewalten in den Himmeln die mannigfaltige Weisheit Gottes bekanntgemacht werde nach dem ewigen Vorsatz, den er gefaßt hat in Christus Jesus, unserem Herrn“ (Eph. 3:9-11). Wie wir bereits gesehen haben, hat das Werk am Kreuz zwei Ergebnisse, die unmittelbar mit der Ausführung dieses Vorsatzes in uns in Zusammenhang stehen. Erstens wurde durch dieses Werk das Leben Gottes befreit, so daß es nun durch den innewohnenden Geist in uns zum Ausdruck kommen kann, und zweitens wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, daß wir das Kreuz tragen können. Damit meinen wir unsere tägliche Zusammenarbeit mit dem inneren Wirken des Todes Jesu Christi, wodurch dieses neue Leben in uns offenbar gemacht wird. Dies geschieht dadurch, daß der natürliche Mensch allmählich seinen richtigen Platz in uns zugewiesen bekommt, nämlich den der Unterordnung unter den Heiligen Geist. Beide Ergebnisse stellen zweifellos die positive und die negative Seite ein und derselben 197

Sache dar. Im folgenden werden wir uns insbesondere damit befassen, wie wir in unserem Leben für Gott vorangehen. Bei unserer bisherigen Betrachtung des Christenlebens haben wir unser Hauptaugenmerk auf den Wendepunkt am Anfang unseres Lebens mit dem Herrn gelegt. Nun werden wir uns mit dem Wandel eines Jüngers beschäftigen und insbesondere auf seine Schulung im Dienst für Gott näher eingehen. Über einen Diener Gottes sagte der Herr Jesus: ,,Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein“ (Luk. 14:27). In den nun folgenden Abschnitten wollen wir also den natürlichen Menschen und das Kreuz anschauen. Zum besseren Verständnis muß ich – auch auf die Gefahr hin, euch zu langweilen – noch einmal auf 1.Mose zurückkommen und die Frage stellen, welches Ziel Gott bei der Erschaffung des Menschen von Anfang an verfolgte und wie sein Vorsatz vereitelt wurde. Auf diese Weise gelangen wir zu einem klareren Verständnis der Prinzipien, die uns helfen, wieder zu einem Leben in Einklang mit diesem Vorsatz zu kommen.

Die Bedeutung des Falles Wenn wir auch nur ein wenig Offenbarung über den Plan Gottes empfangen haben, werden wir das Wort ,,Mensch“ sehr schätzen und mit dem Psalmisten sagen können: ,,Was ist der Mensch, daß du sein gedenkst?“ (Ps. 8:5). In der Bibel wird deutlich, daß Gottes sehnlichstes Verlangen ein Mensch ist, ein Mensch ganz nach seinem Herzen. Daher erschuf Gott den Menschen. Aus 1.Mose 2:7 erfahren wir, daß Adam als lebendige Seele geschaffen wurde. Er besaß außerdem einen Geist in seinem Inneren, durch den er Gemeinschaft mit Gott pflegen konnte, und äußerlich einen Leib, durch den er mit der materiellen Welt in Kontakt trat (Verse im Neuen Testament wie 1.Thess. 5:23 und Hebräer 4:12 belegen diese 198


Das Kreuz und das Seelenleben

Das Kreuz und das Seelenleben

Dreiteilung des Menschen). Über seinen Geist hatte Adam Kontakt zur geistlichen Welt, der Welt Gottes, und über seinen Leib mit der materiellen Welt. So hatte Gott ihn durch seinen Schöpfungsakt ausgestattet, Adam bekam seine Persönlichkeit und wurde zu einem Lebewesen in dieser Welt, das sich bewegen und frei entscheiden konnte, er hatte ein Bewußtsein seiner selbst und die Fähigkeit, seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, kurzum, er war eine ,,lebendige Seele“. Wie wir zuvor gesehen haben, war Adam vollkommen geschaffen worden, d. h. an ihm war nichts Unvollkommenes, da er von Gott erschaffen war. Vollständig war er jedoch noch nicht, ihm fehlte sozusagen noch der letzte Schliff, denn Gott hatte noch nicht alles in Adam getan, was er tun wollte. Gott hatte eine weitere Absicht, die noch auf ihre Erfüllung wartete. Durch die Erschaffung des Menschen kam Gott der Erfüllung seines Vorsatzes einen Schritt näher, eines Vorsatzes, der jedoch weit über den Menschen selbst hinausging. Gottes Plan war es, mit Hilfe des Menschen sein Recht über das Universum geltend zu machen. Wie konnte nun der Mensch Gott bei der Erfüllung seines Plans nützlich sein? Nur durch eine Zusammenarbeit in lebendiger Gemeinschaft mit Gott. Gottes Verlangen war nicht nur ein Menschengeschlecht auf dieser Erde mit Fleisch und Blut, sondern ein Geschlecht, das zusätzlich dazu auch noch das göttliche Leben in sich trug. Solch ein Menschengeschlecht wird schließlich Satans Untergang herbeiführen und den Vorsatz Gottes erfüllen. Dies war Gottes Absicht bei der Erschaffung des Menschen. Wir haben auch festgestellt, daß Adam neutral geschaffen wurde. Er besaß einen Geist, durch den er mit Gott Gemeinschaft haben konnte, doch als Mensch hatte er sozusagen noch keine Ausrichtung erfahren. Er hatte einen freien Willen bekommen und konnte, wenn er wollte, sich von Gott abwenden. Gottes Ziel mit dem Menschen war die Sohnschaft oder mit anderen Worten, der Ausdruck seines göttlichen Lebens in Menschenkindern.

Dieses Leben wurde im Garten Eden durch den Baum des Lebens versinnbildlicht, welcher Früchte trug, die der Mensch essen konnte. Wenn sich der neutral geschaffene Adam freiwillig Gott zuwendet, die Abhängigkeit von ihm wählt und vom Baum des Lebens ißt, der Gottes eigenes Leben versinnbildlicht, kann Gott ein Leben in der Einheit mit dem Menschen leben und damit geistliche Söhne bekommen. Wendet sich Adam statt dessen dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu, ist er infolgedessen ,,frei“ in dem Sinn, daß er sich nun selbst getrennt von Gott entwickeln kann. Diese letzte Möglichkeit macht ihn allerdings zu einem Komplizen Satans, und damit rückt er das Ziel, das Gott mit ihm hatte, außer Reichweite.

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Die Seele des Menschen Wir wissen, wie Adam sich entschied. Zwischen beiden Bäumen stehend gab er Satan nach und nahm von der Frucht des Baumes der Erkenntnis. Seine weitere Entwicklung war somit festgelegt. Von nun an besaß er Erkenntnis, er ,,wußte“. Aber – und das ist der springende Punkt – die Frucht vom Baum der Erkenntnis bewirkte eine Überentwicklung der Seele dieses ersten Menschen. Sein Gefühl wurde angesprochen, weil die Frucht den Augen verlockend erschien, so daß er nach ihr ,,verlangte“. Sein Verstand wurde entwickelt, mit der Fähigkeit zu überlegen, denn nun war er ,,klug“, und sein Wille erstarkte, so daß er in Zukunft immer selbst entscheiden konnte, welchen Weg er einschlagen wollte. Die Frucht trug dazu bei, daß sich die Seele ausbreitete und zur vollen Entfaltung kam, so daß der Mensch von nun an nicht nur eine lebendige Seele war, sondern auch durch die Seele lebte. Von jenem Tage an besaß der Mensch nicht nur eine Seele, sondern die Seele mit ihrer unabhängigen freien Willenskraft übernahm unrechtmäßigerweise den Platz des Geistes und war fortan die treibende Kraft im Menschen.


Das Kreuz und das Seelenleben

Das Kreuz und das Seelenleben

An dieser Stelle ist es außerordentlich wichtig, zwei Dinge zu unterscheiden. Gott verübelt es uns nicht, daß wir wie Adam eine Seele haben, er hat sie uns ja wie diesem auch gegeben. Aber der Mensch besitzt nicht nur eine Seele und gebraucht diese, sondern er lebt voll und ganz durch sie, und dafür ist Satan verantwortlich. Dieser verführte den Menschen dazu, einen Kurs einzuschlagen, der ihm die Entwicklung seiner Seele einbrachte, damit sie von nun an sein Leben bestimmte. Daher hat Gott sich vorgenommen, eine Umkehrung vorzunehmen. Wir dürfen an dieser Stelle aber auch nicht zu weit gehen. Eine Wiederherstellung des Menschen bedeutet nicht, daß seine Seele ganz und gar vernichtet wird. Dies wäre nicht der richtige Weg. Wenn heute das Kreuz tatsächlich in uns wirkt, ist die Folge davon nicht, daß wir träge und stumpf werden und unsere Persönlichkeit verlieren. Nein, wir besitzen immer noch eine Seele, und jedesmal, wenn wir etwas von Gott empfangen, brauchen wir sie als ein Mittel und eine Fähigkeit, jedoch in völliger Unterordnung unter ihn. Die Frage ist also: Bleiben wir mit unserer Seele in den von Gott verordneten Grenzen, d. h. in den von Gott bereits ganz am Anfang im Garten Eden gesetzten Schranken, oder überschreiten wir diese Grenzen? Heute besteht Gottes Werk darin, als der Weingärtner seine Reben zu beschneiden. Unsere Seele ist einer unkontrollierten Entwicklung, einem unangemessenen Wachstum ausgesetzt, das in gewissen Grenzen gehalten werden muß. Er muß allen Wildwuchs beschneiden. Gott muß uns für zwei Dinge die Augen öffnen: Erstens möchte er, daß wir durch das Leben seines Sohnes leben, und zweitens wirkt er direkt in unseren Herzen, um uns von der anderen, der natürlichen Versorgungsquelle abzuschneiden, die sich uns durch die Frucht der Erkenntnis in uns aufgetan hat. Jeden Tag lernen wir, auf die Reaktion des Lebens Gottes in uns zu hören und alles, was dem Seelenleben entspringt, in den Tod zu geben. Beides ist ein nie endender

Prozeß, denn Gott erwartet nichts sehnlicher, als daß das Leben seines Sohnes sich voll und ganz in uns entfaltet und ihn offenbar macht. Zu diesem Zweck bringt er uns mit unserer Seele an den Ausgangspunkt zurück, an dem schon Adam im Garten Eden stand. Paulus sagt: ,,Denn ständig werden wir, die Lebenden, in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleische“ (2.Kor. 4:11). Was bedeutet dieser Vers? Ganz einfach, daß ich nichts unabhängig von Gott unternehme und auch nicht auf meine eigenen Fähigkeiten vertraue. Ich handle nicht einfach, weil ich die Kraft und Fähigkeit dazu besitze. Zwar habe ich von Adam eine gewisse Kraft der Seele mitbekommen, doch diese ist nicht die Grundlage für mein Handeln, denn ich vertraue mir nicht. Als Adam von der Frucht aß, entwickelte sich seine innere Kraft, eine Seelenkraft unabhängig von Gott, die nun Satan direkt in die Hände spielte. Wer den Herrn kennenlernt, verliert diese Kraft zu eigenem Handeln, denn der Herr schneidet sie ab. Als Christen stellen wir fest, daß wir nicht mehr selbst die Initiative für unser Handeln in der Hand haben. Wir können nicht anders, als nun durch das Leben eines anderen zu leben und seine ganze Versorgung von ihm zu beziehen. Oh, Geschwister, zwar kennen wir uns alle wohl bis zu einem gewissen Grad selbst, doch allzuoft zittern wir nicht genügend vor uns selbst. Aus Höflichkeit Gott gegenüber sagen wir manchmal vielleicht: ,,Wenn der Herr nicht will, kann ich auch nicht“, doch insgeheim denken wir tatsächlich, daß wir selbst sehr wohl zu etwas fähig sind, auch wenn Gott es uns nicht befohlen oder uns die Kraft dazu gegeben hat. Haben wir nicht häufig auf eigene Faust gehandelt, gedacht, entschieden und Kraft entwickelt? Viele Christen unter uns sind Menschen mit einer überentwickelten Seele, deren Selbst zu viel Raum einnimmt. Wenn dies auf uns zutrifft, kann es sein, daß das Leben des Sohnes Gottes in uns eingesperrt und jeder Handlungsfreiheit beraubt ist.

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Das Kreuz und das Seelenleben

Das Kreuz und das Seelenleben

Natürliche Kraft im Werk Gottes Wir alle besitzen Kraft und Energie in unserer Seele. Diejenigen jedoch, die vom Herrn gelernt haben, weigern sich, durch diese Seelenkraft zu leben und lassen sie nicht zum beherrschenden Prinzip in ihrem Leben werden, machen sie auch nicht zu ihrer Kraftquelle im Werk für Gott. Christen hingegen, die nicht von Gott gelernt haben, verlassen sich auf dieses Lebensprinzip, leben danach und denken, sie hätten die wahre Kraft gefunden. Ich möchte euch dies zunächst an einem Beispiel veranschaulichen. Vielen von uns ist die folgende Betrachtungsweise sehr vertraut: Wir haben einen netten, liebenswerten Menschen vor uns mit einem klaren Verstand, guten Manager-Qualitäten und gesundem Urteilsvermögen. Insgeheim denken wir: ,,Wäre dieser Mensch ein Christ, welch ein Gewinn könnte er für die Gemeinde sein! Wenn dieser dem Herrn gehörte, wäre er gewiß der Sache des Herrn sehr dienlich!“ Denkt jedoch einmal kurz nach. Woher hat dieser Mensch seine Liebenswürdigkeit, seine Manager-Qualitäten und sein gutes Urteilsvermögen? Bestimmt nicht von seiner Wiedergeburt, denn er ist noch nicht wiedergeboren. Wir wissen alle, daß wir vom Fleisch geboren sind und daher die Wiedergeburt brauchen. Deshalb sagte der Herr Jesus in Johannes 3:6: ,,Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch.“ Alles, was wir nicht durch die Wiedergeburt, sondern von unserer natürlichen Geburt her besitzen, ist Fleisch und wird nur dem Menschen, aber niemals Gott zur Ehre gereichen. Diese Feststellung ist traurig aber wahr. Wir sprachen über Seelenkraft und natürliche Energie. Worum handelt es sich bei dieser natürlichen Energie? Es handelt sich um das, was ich tun kann, was ich von mir selbst aus bin und was ich an natürlichen Begabungen und Fähigkeiten mitbekommen habe. Jeder einzelne von uns besitzt diese Kraft der Seele, und zuallererst müssen wir sie als das erkennen, was sie ist.

Nehmt als Beispiel den menschlichen Verstand. Mag sein, ich habe von Natur aus, durch meine natürliche Geburt, einen sehr scharfsinnigen Verstand. Ich besaß ihn längst vor meiner Wiedergeburt, und genau an dieser Stelle liegt jedoch das Problem. Ich bekehre mich, werde wiedergeboren, und in meinem Geist vollzieht sich ein tiefgreifendes Werk, so daß eine lebendige Einheit mit dem Vater meines Geistes entsteht. Daraufhin besitze ich erstens die Einheit mit Gott in meinem Geist, zweitens aber gleichzeitig auch alles, was ich durch meine natürliche Geburt mitbekommen habe. Was ist zu tun? Von Natur aus neigen wir dazu, dasselbe Mittel für andere Ziele zu gebrauchen. Früher benutzte ich meinen Verstand dazu, Themen wie Geschichte, Wirtschaft, Chemie, Literatur, Lyrik oder Weltpolitik zu studieren. Meine Intelligenz setzte ich ein, um aus meinen Studien den besten Nutzen zu ziehen. Jetzt aber haben sich meine Interessen verlagert, und von nun an benutze ich denselben Verstand in derselben Weise für die Dinge Gottes. Mein Interessengebiet hat sich also geändert, nicht aber meine Arbeitsmethode. Und darin liegt genau das Problem. Meine Interessen haben sich vollkommen geändert (der Herr sei dafür gelobt!), doch nun benutze ich dieselbe Kraft, mit der ich vorher Geschichte oder Geographie studiert habe, um den Korintheroder Epheserbrief zu studieren. Aber diese gehört nicht der neuen Schöpfung an, und Gott wird sich niemals mit einer bloßen Verlagerung der Interessen zufriedengeben. Das Problem bei vielen Christen besteht darin, daß sie nach ihrer Wiedergeburt zwar ihre Energie anders einsetzen, sie aber immer noch aus derselben Kraftquelle beziehen. Viele solcher natürlichen Fähigkeiten unserer Seele übernehmen wir auf diese Weise in unseren Dienst für Gott. Ein Beispiel dafür ist die Redebegabung. Es gibt Menschen, die geborene Redner sind und Sachverhalte wirklich überzeugend darstellen können. Solche Menschen werden gläubig, und ohne danach zu

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Das Kreuz und das Seelenleben

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fragen, wie es um ihren geistlichen Zustand wirklich bestellt ist, schicken wir sie auf die Kanzel und machen sie zu Predigern. Wir ermutigen sie, ihre natürliche Begabung zum Predigen einzusetzen, was wiederum nur eine Veränderung des Themengebietes, nicht aber der Kraftquelle bedeutet. Wir vergessen, daß es beim Umgang mit den Dingen Gottes nicht um besser oder schlechter, sondern um die Quelle geht, nämlich darum, aus welcher Quelle die Kraft stammt. Es geht nicht so sehr darum, was wir tun, sondern, welche Kräfte wir dafür gebrauchen und wer diese Kräfte lenkt. Gott kann sehr wohl beredte Menschen gebrauchen, doch ihre Redebegabung muß vom Kreuz gezeichnet sein, dann ist in deren Gebrauch die beherrschende Hand des Geistes Gottes sichtbar. Wir denken zu wenig über die Quelle unserer Kraft nach und zu viel über das Ziel, das wir erreichen wollen, und vergessen dabei, daß bei Gott der Zweck niemals die Mittel heiligt. Um herauszufinden, ob dies wirklich der Wahrheit entspricht, wollen wir einen Fall konstruieren. Herr A. ist ein sehr guter Redner. Über jedes Thema kann er fließend und äußerst überzeugend sprechen, doch die Fähigkeit, praktische Dinge in die Hand zu nehmen, fehlt ihm völlig. Herr B. hingegen ist ein armseliger Redner. Er kann sich nicht klar ausdrücken und trifft nie den Kern der Dinge, über die er eigentlich sprechen will. Er aber ist ein äußerst fähiger Manager und versteht sich auf alle Angelegenheiten der Organisation. Beide Männer nun werden gläubig und entwickeln sich zu ernsthaften Christen. Nehmen wir an, daß ich beide bitte, bei einer Konferenz zu sprechen, und beide sagen zu. Was wird nun passieren? Ich habe beide um genau die gleiche Sache gebeten, aber wer, glaubt ihr, wird verzweifelter beten? Ganz gewiß Bruder B. Warum? Weil er kein guter Redner ist. Auf seine eigene Redegewandtheit kann er sich nicht verlassen und wird daher beten: ,,Herr, wenn du mir nicht die Kraft dafür

gibst, kann ich es nicht!“ Natürlich wird auch Bruder A. beten, jedoch gewiß nicht in derselben Weise wie Bruder B., da er auf eine natürliche Fähigkeit zurückgreifen kann. Stellt euch nun vor, daß ich beide bitte, anstatt die Rede zu halten, sich um die praktischen Angelegenheiten derselben Zusammenkunft zu kümmern. Was wird nun passieren? Genau das Umgekehrte: Nun wird Bruder A. verzweifelt beten, da er ja weiß, daß er kein Organisationstalent besitzt, und Bruder B. wird sicherlich auch beten, jedoch weniger verzweifelt, da er zwar weiß, daß er den Herrn braucht, aber sich nicht annähernd so sehr seines Mangels in Dingen der Organisation bewußt ist wie Bruder A. Erkennt ihr den Unterschied zwischen natürlichen und geistlichen Gaben? Alles was wir ohne Gebet und ohne völlige Abhängigkeit von Gott tun können, stammt in jedem Fall aus der Quelle des natürlichen Lebens, dem der Geruch des Fleisches anhaftet. Dies müssen wir klar erkennen. Das heißt natürlich nicht, daß nur solche für ein bestimmtes Werk taugen, denen die natürliche Begabung dazu fehlt. Es geht vielmehr darum, daß jemand, ob nun natürlich begabt oder nicht (und wir sollten Gott für alle seine Gaben loben), alle seine natürlichen Fähigkeiten vom Kreuz und vom Tod berühren läßt und sich voll und ganz auf den Gott der Auferstehung verläßt. Wie leicht beneiden wir unseren Nächsten, weil er eine herausragende natürliche Gabe besitzt, und bemerken dabei gar nicht, daß eine solche Gabe, wenn sie nicht vom Kreuz behandelt wurde, zum Hindernis für das werden könnte, was Gott in uns offenbar machen will. Kurz nach meiner Bekehrung ging ich in verschiedene Dörfer und predigte das Evangelium. Ich hatte eine gute Ausbildung genossen und war in der Schrift wohlbewandert, so daß ich mich durchaus in der Lage fühlte, die Dorfbewohner zu lehren, unter welchen sich auch nicht wenige Frauen befanden, die nicht lesen und schreiben konnten. Nach mehreren Besuchen dort wurde

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mir jedoch klar, daß diese Frauen trotz ihres Mangels an Bildung den Herrn in inniger Weise kannten. Ich kannte das Buch, das sie nur stockend lesen konnten, sie hingegen kannten den, von dem das Buch sprach. Ich besaß viel in mir selbst, während sie viel in ihrem Geist besaßen. Wie viele christliche Lehrer heute lehren die Menschen so wie ich damals hauptsächlich kraft ihrer fleischlichen Fähigkeiten? Einmal traf ich mit einem jungen Bruder zusammen, der, obwohl jung an Jahren, doch bereits viel vom Herrn gelernt hatte. Gott hatte ihn durch viele Trübsale hindurchgeführt, wodurch er sich selbst sehr gut kennengelernt hatte. Im Gespräch mit ihm fragte ich: ,,Bruder, was hat der Herr dich in diesen Tagen gelehrt?“ Er antwortete: ,,Nur eines: daß ich getrennt von ihm nichts tun kann.“ – ,,Meinst du das wirklich so, daß du nichts tun kannst?“, fragte ich. ,,Nein, eigentlich nicht“, erwiderte er, ,,na türlich kann ich viele Dinge tun, und im Grunde genommen war genau das sogar mein Problem. Ach, weißt du, ich war mir meiner selbst immer so sicher. Ich weiß, daß ich sehr wohl fähig bin, vieles zu tun.“ Ich fragte also: ,,Was meinst du denn, wenn du sagst, du könntest getrennt von ihm nichts tun?“ Seine Ant wort lautete: ,, Der Herr hat mir gezeigt, daß ich vieles tun kann, daß er aber gesagt hat: ,Getrennt von mir könnt ihr nichts tun‘. Also läuft es darauf hinaus, daß alles, was ich getrennt von ihm getan habe und noch tun kann, nichts ist.“ Zu dieser Erkenntnis müssen wir alle kommen. Ich will damit nicht sagen, daß wir nicht fähig sind, vieles zu tun. Natürlich sind wir fähig zu vielem. Wir können sehr wohl Versammlungen abhalten, Gemeinden bauen, bis an das Ende der Erde gehen und Missionswerke gründen. Wir können sogar scheinbar Frucht bringen. Vergeßt aber nicht, daß der Herr sagt: ,,Jede Pflanze, die mein Vater im Himmel nicht gepflanzt hat, wird ausgerissen werden“ (Mt. 15:13). Gott ist der einzige in diesem Universum, der das Recht hat, etwas ins Leben zu rufen (1.Mose 1), und sein

Heiliger Geist ist der einzige, der das Recht hat, in unseren Herzen etwas hervorzubringen. Alles, was wir ohne ihn planen und durchführen, trägt den Geruch des Fleisches und kann niemals in den Bereich des Geistes gelangen, ganz gleich, wie ernsthaft wir um Gottes Segen dafür bitten. Jahrelang mag solch ein Werk Bestand haben, und wir meinen, wir können hier etwas verändern und dort etwas verbessern, um es vielleicht auf eine höhere Ebene zu bringen, doch das ist unmöglich. Der Ursprung ist ausschlaggebend für das Ziel. Was ursprünglich vom Fleisch stammt, wird niemals geistlich werden – auch nicht durch noch so viele Verbesserungsmaßnahmen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch und wird es immer bleiben. Aus diesem Grund sieht Gott alles, was wir durch unsere eigene Fähigkeit tun können, als nichts an, und wir müssen seine Beurteilung akzeptieren und es ebenfalls als nichts betrachten. ,,Das Fleisch ist nichts nütze.“ Nur was von oben kommt, wird Bestand haben. Es nützt uns nichts, wenn man uns dies lediglich erzählt. Gott muß uns lehren, was es bedeutet, indem er seinen Finger auf das in uns legt, das ihm mißfällt, und uns sagt: ,,Das ist natürlich. Was du hier tust, kommt aus der alten Schöpfung, nicht aus mir und wird nicht bleiben.“ Bevor Gott so mit uns umgeht, stimmen wir vielleicht grundsätzlich zu, sehen aber nicht, worum es eigentlich geht. Wir mögen die Lehre gutheißen und uns sogar an ihr erfreuen, werden uns aber nie wirklich selbst verabscheuen. Einmal kommt jedoch der Tag, an dem Gott uns die Augen öffnet. Angesichts einer bestimmten Situation bekommen wir Offenbarung und müssen bekennen: ,,Dies ist unrein und schmutzig. Herr, ich erkenne es!“ Das Wort ,,Reinheit“ ist ein herrliches Wort. Mich erinnert es immer an den Geist. Reinheit bezeichnet etwas, das ganz und gar vom Geist stammt. Unreinheit hat immer mit Vermischung zu tun. Wenn Gott uns die Augen öffnet und wir sehen, daß er das natürliche Leben in

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seinem Werk niemals gebrauchen kann, werden wir feststellen, daß wir uns über diese Lehre nicht mehr freuen können. Vielmehr ekeln wir uns vor uns selber wegen der Unreinheit in unserem Sein. Haben wir jedoch einmal diesen Punkt erreicht, kann Gottes Befreiungswerk in uns beginnen. Wir werden sogleich betrachten, was Gott zu unserer Befreiung vorbereitet hat, doch wollen wir noch etwas bei der Offenbarung verweilen.

Im Wort Gottes heißt es nirgends, daß wir unseren inneren Zustand analysieren sollen, denn das würde unweigerlich zu Unsicherheit, Wankelmut und Verzweiflung führen.* Natürlich brauchen wir Selbsterkenntnis und müssen uns darüber im klaren sein, was sich in uns abspielt, da wir uns ja nicht irgendwelchen Illusionen hingeben wollen. Wenn wir einen falschen Weg eingeschlagen haben oder mit eisernem Willen versuchen, unseren eigenen Weg durchzusetzen, wäre es töricht, dies nicht einmal zu erkennen und zu meinen, wir würden Gottes Willen tun. Selbsterkenntnis bekommen wir jedoch nicht durch Introspektion und nicht dadurch, daß wir unser Inneres, unsere Gefühle und Motive analysieren und dann beurteilen, ob wir im Fleisch wandeln oder im Geist. Es gibt mehrere Verse in den Psalmen, die dieses Thema beleuchten. Die erste Stelle ist Psalm 36:10: ,,In deinem Licht sehen wir das Licht.“ Meiner Ansicht nach ist dies einer der besten Verse im ganzen Alten Testament. Zwei Lichter werden hier erwähnt: einmal ,,dein Licht“, und wenn wir uns diesem Licht ausgesetzt haben, ,,sehen wir das Licht“. Diese beiden Lichter sind unterschiedlich. Man kann sagen, daß das erste ein objektives, das zweite ein subjektives Licht ist. Das erste Licht ist das Licht Gottes, das auf uns fällt. Das zweite stellt die durch das erste Licht gewonnene Erkenntnis dar. ,,In deinem Licht sehen wir das Licht“ : Wir erkennen etwas, es wird uns etwas

Licht von Gott Es ist klar, daß jemand, der sich nicht vorgenommen hat, Gott von ganzem Herzen zu dienen, kein Bedürfnis nach Licht verspürt. Erst wenn er von Gott ergriffen wurde und mit ihm vorangehen will, stellt er fest, wie notwendig sein Licht ist. Wir brauchen unbedingt Licht, wenn wir Gottes Gedanken kennen wollen, wenn wir wissen wollen, was vom Geist und was von der Seele stammt, was göttlich und was menschlich, was himmlisch und was bloß irdisch ist; wir brauchen es, um zwischen geistlich und fleischlich zu unterscheiden, um zu wissen, ob Gott uns leitet oder ob wir lediglich von unseren Gefühlen, Empfindungen oder Phantasien getrieben werden. Erst wenn wir Gott voll und ganz folgen wollen, stellen wir fest, daß sein Licht das Allerwichtigste im Christenleben ist. In meinen Gesprächen mit jüngeren Geschwistern höre ich immer wieder diese eine Frage: ,,Wie kann ich wissen, ob ich im Geist wandle. Wie kann ich unterscheiden, ob die innere Stimme in mir vom Heiligen Geist oder von mir selbst stammt?“ Alle jungen Leute scheinen damit Schwierigkeiten zu haben, und manche unter ihnen versuchen dann, in sich hineinzuhorchen, sich selbst zu analysieren und Empfindungen zu diagnostizieren, was sie nur noch tiefer in die Sklaverei hineintreibt. Solch ein Zustand ist für einen Christen sehr gefährlich, denn Erkenntnis über unser Inneres bekommen wir niemals durch Selbstanalyse. 209

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Zwei scheinbare Ausnahmen finden wir in 1.Korinther 11:28, 31 und 2.Korinther 3:5. Die erste Stelle fordert uns auf, uns zu prüfen, ob wir den Leib des Herrn unterscheiden können oder nicht, und bezieht sich in erster Linie auf den Tisch des Herrn. Sie hat nichts mit Selbsterkenntnis als solcher zu tun. Mit seinem strengen Befehl im zweiten Abschnitt fordert Paulus uns auf, uns zu erproben, ob wir ,,im Glauben“ sind. Hier geht es um die grundsätzliche Frage, ob wir glauben oder nicht, ob wir also Christen sind oder nicht. Dies hat überhaupt nichts mit unserem täglichen Wandel im Geist oder mit Selbsterkenntnis zu tun.

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klar, wir sehen etwas. Keine Selbstanalyse, keine Introspektion kann das bewirken. Nein, erst wenn wir Licht von Gott empfangen, können wir sehen. Ich glaube, das ist nicht schwer. Was tun wir, wenn wir uns vergewissern wollen, ob unser Gesicht auch wirklich sauber ist? Betasten wir es gründlich mit den Händen? Nein, natürlich nicht! Wir suchen einen Spiegel und sorgen für genügend Licht. Im Licht wird alles klar. Niemand hat je durch Fühlen oder Analysieren Sehvermögen erlangt. Sehvermögen empfangen wir einzig und allein, wenn das Licht Gottes in uns hineinscheint. Wenn das Licht einmal da ist, erübrigt sich die Frage nach richtig oder falsch, denn von nun an wissen wir es einfach. David schreibt in Psalm 139:23: ,,Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz.“ Ihr wißt, was ,,erforsche mich“ bedeutet, nich t wahr? Es bedeutet auf keinen Fall, daß ich mich selbst erforschen soll. ,,Erforsche mich“ bedeutet: ,,Du sollst mich erforschen!“. So geschieht Erleuchtung. Gott muß uns erforschen, nicht wir selbst. Das heißt natürlich niemals, daß ich blind vorangehe und mich um meinen wahren Zustand nicht kümmere. Darum geht es überhaupt nicht. Wenn ich durch Selbstanalyse auch noch so viel finde, was der Korrektur bedarf, wird doch solch ein Erforschen immer nur an der Oberfläche kratzen. Wahre Selbsterkenntnis erlange ich nicht dadurch, daß ich mich selbst erforsche, sondern dadurch, daß Gott mich erforscht. Ihr fragt nun vielleicht, was es praktisch für uns bedeutet, ins Licht zu treten. Wie geht das denn? Wie sehen wir in seinem Licht das Licht? Auch hier hilft uns wiederum der Psalmist: ,,Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet, sie gibt Einsicht den Einfältigen“ (Ps. 119:130). In geistlichen Dingen sind wir alle ,,einfältig“. Erkenntnis bekommen wir nur von Gott, insbesondere über unser wahres inneres Wesen, und zwar durch das Wort Gottes. Im Neuen Testament legen die Verse Hebräer 4:12-13 dies äußerst klar dar: ,,Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirk-

sam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark, und vermag die Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor seinen Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen.“ Ja, die Schrift, das durchdringende Wort der Wahrheit, beantwortet alle unsere Fragen. Das Wort Gottes beurteilt unsere Motive und zeigt uns, ob ihre Quelle die Seele oder der Geist ist. Damit können wir nun von der lehrmäßigen zur praktischen Seite unseres Themas kommen. Ich bin überzeugt, daß viele von uns ein aufrichtiges Herz gegenüber Gott haben. Wir machen Fortschritte in unserem Christenleben und wissen eigentlich von nichts Konkretem, das nicht in Ordnung wäre. Eines Tages aber, während wir auf diese Weise vorangehen, erfüllt sich an uns dies Wort: ,,Die Eröffnung deiner Worte erleuchtet.“ Gott benutzt irgendeinen seiner Diener dazu, uns sein lebendiges Wort nahezubringen, und dieses ist uns eröffnet. Oder vielleicht haben wir alleine Zeit vor Gott verbracht und sein Wort – ganz gleich, ob in der gedruckten Form oder aus unserem Gedächtnis – hat uns mit seiner Kraft erreicht. Wir sehen etwas, was wir noch nie zuvor gesehen haben und sind überführt. Wir erkennen, was bei uns nicht stimmt, wenden uns zum Herrn und bekennen: ,,Herr, nun sehe ich, wie unrein diese Sache ist, wie vermischt! Wie blind ich doch war! All die Jahre habe ich gefehlt und es nicht einmal bemerkt!“ Das Licht scheint, und wir sehen Licht. Das Licht Gottes führt dazu, daß wir über uns selbst Licht bekommen, und es ist ein unerschütterliches Prinzip, daß wir Selbsterkenntnis einzig und allein auf diese Art und Weise erlangen. Es muß jedoch nicht immer durch das Wort der Schrift geschehen. Einige von uns haben Christen kennengelernt, die den Herrn gut kannten, und durch gemeinsames Gebet oder Gespräche mit ihnen sahen wir in dem Licht, das von ihnen

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ausging, etwas, das wir vorher nicht gesehen hatten. Ich kannte solch eine Schwester, die inzwischen beim Herrn ist. Wenn immer ich an sie denke, habe ich einen vom Licht durchdrungenen Christen vor Augen. Wenn ich nur das Zimmer betrat, in dem sie sich befand, spürte ich sofort die Gegenwart Gottes. Zu jener Zeit war ich noch sehr jung, erst zwei Jahre gläubig und hatte viele Pläne, viele schöne Gedanken und viele Ideen, die der Herr gutheißen sollte, tausenderlei Absichten, deren Ausführung ich mir wunderbar vorstellte. Damit kam ich zu der Schwester und wollte sie überzeugen, daß dies oder jenes zu tun sei. Bevor ich jedoch meinen Mund öffnen konnte, sagte sie manchmal nur ein paar ganz alltägliche Worte, und das Licht schien! Ich war einfach beschämt. Meine Aktivität und mein Planen waren so natürlich, so menschlich. Eines Tages mußte ich bekennen: ,,Herr, mein Denken dreht sich nur um irdische Aktivitäten. Aber hier ist ein Mensch, der sich um Irdisches überhaupt nicht kümmert. Lehre auch mich, so zu wandeln.“ Diese Schwester hatte nur ein Verlangen: nämlich nach Gott. Auf die erste Seite ihrer Bibel hatte sie geschrieben: ,,Herr, ich möchte nichts für mich selbst.“ Ja, sie lebte allein für Gott. Solche Menschen sind vom Licht durchflutet, und dieses Licht erleuchtet auch andere. Das ist wahres Zeugnis. Es ist eine Gesetzmäßigkeit des Lichtes, daß es überall dort scheint, wo man es hineinläßt. Dies ist die einzige Voraussetzung. Licht wird einzig und allein dadurch gehindert, daß man es aussperrt. Wenn wir uns Gott gegenüber öffnen, wird er aufdecken. Es entstehen erst dann Probleme, wenn wir ihm Bereiche in unserem Herzen vorenthalten und ihm keinen Zugang gewähren, wenn wir voller Stolz denken, daß wir im Recht sind. Unsere Verfehlung besteht dann weniger darin, daß wir im Unrecht sind, als vielmehr darin, daß wir nicht wissen, daß wir im Unrecht sind. Unrecht ist vielleicht eine Frage der natürlichen Kraft, Unwissenheit darüber aber eine Frage des Lichtes. Mag

sein, wir erkennen die natürliche Kraft bei manchen Christen, während sie selbst darüber keinerlei Erkenntnis haben. Wir müssen Gott gegenüber aufrichtig, demütig und ganz offen sein. Offene Christen sind in der Lage zu sehen. Gott ist Licht, und wir können nicht in seinem Licht leben und doch keine Erkenntnis empfangen. Ich möchte noch einmal Worte des Psalmisten zitieren: ,,Sende dein Licht und deine Wahrheit, sie sollen mich leiten“ (Ps. 43:3). Wir loben den Herrn dafür, daß den Christen heutzutage die Sünde schon eher bewußt wird, als dies früher der Fall war. Vielfach wurde den Christen die Augen geöffnet, und sie erkannten, daß der Sieg über die Sünde in unserem Christenleben sehr wichtig ist. Dadurch kamen viele von ihnen dem Herrn in ihrem Wandel näher, da sie nach Befreiung von der Sünde trachteten. Für alles, was uns ihm näherbringt, können wir ihn loben, auch für jede Rückbesinnung auf wahre Heiligung hin zu Gott! Dies allein ist jedoch noch nicht ausreichend. Das Leben eines jeden Christen muß berührt werden, nicht allein seine Sünden. Von entscheidender Bedeutung bleibt immer noch seine Seelenkraft, seine Antriebskraft. Solange wir nur von Sünde oder vom offensichtlicheren Fleisch sprechen, behandeln wir lediglich die Oberfläche des Problems. Wichtig ist jedoch, daß wir bis zur Wurzel vordringen. Es war nicht ein Mord, durch welchen die Sünde Eingang in diese Schöpfung fand. Der Mord ereignete sich erst später. Adam verschaffte der Sünde den Eingang, indem er beschloß, seine Seele bis zu einem Ausmaß zu entwickeln, wo er ohne Gott auch allein zurechtkam. Soll Gott das Menschengeschlecht bekommen, das ihn verherrlicht und für die Erfüllung seines Vorsatzes in diesem Universum geeignet ist, müssen wir ein Volk sein, dessen Leben, ja sogar dessen Atem voll und ganz von ihm abhängt. Er muß der Baum des Lebens für uns sein.

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Ich erkenne immer mehr, daß sowohl ich persönlich als auch alle Kinder Gottes ihn bitten müssen, uns Offenbarung über uns selbst zu schenken. Ich wiederhole noch einmal: Ich meine nicht, daß wir nun ständig in uns forschen und uns fragen sollen: ,,Ist dies nun die Seele oder der Geist?“, denn das hilft uns auch nicht weiter, sondern bringt uns nur mehr in Finsternis. Nein, die Schrift zeigt uns, wie die Gläubigen Selbsterkenntnis erlangten: immer durch Gottes Licht, und Gott ist Licht. Jesaja, Hesekiel, Daniel, Petrus, Paulus und Johannes erkannten sich selbst, weil der Herr selbst als das Licht sie erleuchtete, und diese Erleuchtung offenbarte ihnen ihr Wesen und überführte sie (Jes. 6:5; Hes. 1:28; Dan. 10:8; Luk. 22:61-62; Apg. 9:3-5; Offb. 1:17). Erst durch Gottes Licht erkennen wir, wie verabscheuenswert die Sünde und wie tückisch unser Wesen ist. Mit Licht meine ich nicht ein Gefühl, sondern innere Offenbarung des Herrn selbst durch sein Wort. Bricht das Licht auf diese Weise über uns herein, vollbringt es in uns, was die Lehre allein nie erreichen kann. Christus ist unser Licht. Er ist auch das lebendige Wort. Wenn wir die Schrift lesen, empfangen wir durch das Leben in ihm Offenbarung. ,,Das Leben war das Licht der Menschen“ (Joh. 1:4). Meistens empfangen wir das Licht nicht auf einmal, sondern Stück für Stück. Es wird schließlich immer klarer und durchdringender, bis wir uns ganz im Lichte Gottes sehen und alles Selbstvertrauen dahingeschwunden ist. Denn das Allerreinste, was es gibt, ist Licht. Es reinigt, desinfiziert und tötet, was Schaden anrichtet. Wenn wir Erleuchtung empfangen, wird die ,,Scheidung von Gelenken und Mark“ für uns eine Realität und keine bloße Lehre mehr sein. Uns kommt Furcht und Zittern an, wenn wir erkennen, wie verdorben unser Wesen, wie verabscheuenswürdig unser Selbst ist und welche Gefahr unser Seelenleben und unsere Kraft für das Werk Gottes darstellen, sofern sie nicht vom Geist gezähmt und beherrscht sind. Wie niemals

zuvor erkennen wir nun, wie vieles an uns noch einer gründlichen Behandlung durch Gott bedarf, wenn wir für ihn brauchbar sein wollen, und wir wissen, daß wir als Diener Gottes absolut unbrauchbar sind, wenn wir nicht unter seiner Herrschaft sind. Auch an dieser Stelle kommt uns wiederum das Kreuz in seinem weitesten Sinne zu Hilfe, und wir werden nun einen Aspekt des Kreuzes betrachten, durch den das Problem unserer menschlichen Seele gelöst wird. Denn nur ein tiefgehendes Verständnis des Kreuzes kann uns in jene Abhängigkeit hineinbringen, die der Herr Jesus freiwillig auf sich nahm, als er sagte: ,,Ich kann nichts von mir selber tun. Wie ich höre, so richte ich, und mein Gericht ist gerecht; denn ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh. 5:30).

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Ein wahrer Diener Gottes kann nur sein, wer das Prinzip des Todes und das Prinzip der Auferstehung kennt. Sogar der Dienst des Herrn Jesus selbst beruhte auf dieser Grundlage. In Matthäus 3 sehen wir, daß sich auch unser Herr taufen ließ, bevor er seinen Dienst in der Öffentlichkeit begann. Er wurde nicht getauft, weil ihm Sünde oder irgend etwas anderes anhaftete, wovon er sich hätte reinigen müssen. Nein, wir kennen ja bereits die Bedeutung

der Taufe: Sie ist ein Bild auf den Tod und die Auferstehung. Der Dienst des Herrn begann, im Bild gesprochen, erst als er sich in der Taufe für diesen Weg entschied. Nachdem er getauft worden war und sich freiwillig auf die Grundlage des Todes und der Auferstehung gestellt hatte, kam der Heilige Geist auf ihn, und dann begann sein Dienst. Was können wir daraus lernen? Unser Herr war ein sündloser Mensch. Er war der einzige Mensch auf dieser Erde, der von keiner Sünde wußte. Als Mensch jedoch besaß er eine von seinem Vater getrennte Persönlichkeit. Wir müssen nun sehr sorgfältig vorgehen, wenn wir über unseren Herrn sprechen. Erinnert ihr euch an seine Worte: ,,Ich suche nicht meinen Willen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh. 5:30)? Was bedeutet dieser Vers? Ganz sicher bedeutet er nicht, daß der Herr keinen eigenen Willen hatte. Er hatte sehr wohl einen Willen, wie er hier auch selbst sagt. Als Menschensohn hatte er einen Willen, doch führte er ihn nicht aus, denn er war gekommen, den Willen des Vaters zu tun. Darum geht es. Was ihn vom Vater unterschied, war seine menschliche Seele, die er anzog und durch die er ,,in der Erscheinung als ein Mensch erfunden“ wurde (Phil. 2:8). Als vollkommener Mensch besaß unser Herr eine Seele und natürlich auch einen Leib, so wie du und ich. Er hatte also die Möglichkeit, aus seiner Seele, d. h. aus sich selbst heraus, zu handeln. Ihr erinnert euch sicherlich, daß Satan unmittelbar nach der Taufe des Herrn und vor Beginn seines öffentlichen Auftretens zu ihm kam und ihn versuchte. Er versuchte ihn mit der Befriedigung seiner Grundbedürfnisse, indem er ihm vorschlug, Steine in Brot umzuwandeln, sofortige Anerkennung für seinen Dienst zu erlangen, indem er durch ein Wunder im Tempelhof erscheinen sollte und er versuchte ihn damit, daß er ihm vorschlug, die ohnehin für ihn bestimmte Weltherrschaft auf der Stelle anzutreten. Man fragt sich, warum Satan ihm so merkwürdige Dinge

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Kapitel 13

Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

In den vorigen Kapiteln haben wir mehrmals den Dienst für den Herrn angesprochen. Bevor wir nun die Lösung Gottes für das Problem des menschlichen Seelenlebens betrachten, wird es hilfreich sein, wenn wir zunächst einmal die Prinzipien anschauen, die solch einen Dienst bestimmen. Im Dienst für Gott gelten geistliche, von Gott festgelegte Gesetze, die keiner, der Gott dienen will, außer acht lassen darf. Die Grundlage für unsere Errettung ist, wie wir alle wissen, der Tod und die Auferstehung des Herrn. Die Bedingungen für unseren Dienst sind jedoch nicht weniger fest umrissen. So wie die Tatsache des Todes und der Auferstehung des Herrn die Grundlage dafür ist, daß Gott uns annimmt, so ist auch das Prinzip des Todes und der Auferstehung die Basis für unser Leben und unseren Dienst für ihn.

Die Grundlage des wahren Dienstes


Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

vorschlug. Warum hat er ihn nicht zu gröberen Sünden verleiten können? Dies tat Satan jedoch nicht. Er wußte es besser. Er sagte zum Herrn: ,,Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine zu Broten werden“ (Mt. 4:3). Was meinte er damit? Im Grunde genommen schlug er ihm vor: ,,Wenn du wirklich der Sohn Gottes bist, mußt du dies beweisen. Man wird es sicherlich bezweifeln. Ich fordere dich heraus. Warum begegnest du dem Widerspruch nicht ein für allemal, indem du den Beweis dafür erbringst?“ Satans einzige und raffinierte Absicht bei der Versuchung war, daß der Herr aus sich selbst, d. h. aus seiner Seele heraus, handelte. Doch der Herr lehnte dies strikt ab. In Adam hatte der Mensch aus sich selbst heraus und unabhängig von Gott gehandelt, und dadurch kam es zu der großen Tragödie im Garten Eden. Die Situation in Matthäus 4 war ganz ähnlich, doch der Sohn des Menschen nahm einen ganz anderen Stand ein als Adam. Später beschrieb er es selbst als sein Lebensprinzip (im Griechischen gefällt mir diese Aussage besonders gut): ,,Der Sohn kann nichts aus sich selbst heraus tun“ (Joh. 5:19). Diese absolute Weigerung, dem Seelenleben die Herrschaft zu überlassen, bestimmte seinen ganzen Dienst. Obwohl das eigentliche Ereignis auf Golgatha erst später geschah, können wir mit Fug und Recht behaupten, daß das Werk des Herrn Jesus schon vor seinem eigentlichen Tod am Kreuz auf dem Prinzip von Tod und Auferstehung beruhte. All sein Tun geschah auf dieser Grundlage. Wenn dies jedoch der Fall ist, wenn der Sohn des Menschen für seinen Dienst durch Tod und Auferstehung hindurchgehen mußte (im Bild und prinzipiell gesprochen), wie könnte es dann bei uns anders sein? Es steht vollkommen außer Frage, daß kein Mensch dem Herrn dienen kann, der nicht selbst das Wirken dieses Prinzips in seinem Leben kennt. Jesus machte diese Tatsache seinen Jüngern ganz deutlich, als er sie verließ. Er war gestorben und auferstanden, und nun

befahl er ihnen, in Jerusalem auf die Kraft zu warten, die auf sie kommen sollte. Was schloß diese Kraft des Heiligen Geistes mit ein, diese ,,Kraft aus der Höhe“ (Luk. 24:4a), von der er sprach? Nichts weniger als die Wirkung seines Todes, seiner Auferstehung und seiner Auffahrt. Um ein anderes Bild zu verwenden: Der Heilige Geist war das Gefäß, in das alle Eigenschaften des Todes, der Auferstehung und Auffahrt des Herrn hineingegeben wurden, damit wir sie empfangen können. Der Geist enthält all diese Eigenschaften und übermittelt sie uns Menschen. Aus diesem Grund konnte der Geist nicht ausgegossen werden, bevor Jesus nicht verherrlicht worden war. Erst nach Jesu Verherrlichung konnte er auf Männer und Frauen kommen, damit sie von ihm Zeugnis geben konnten, denn ohne die Eigenschaften des Todes und der Auferstehung Christi fehlt jedem menschlichen Zeugnis der Inhalt. Das Alte Testament zeigt uns dasselbe Prinzip. 4.Mose 17 spricht von einer Begebenheit, die wir sicherlich alle kennen. Dort wurde Aarons Priesterdienst in Frage gestellt. Im Volk kamen Zweifel auf, ob Aaron wirklich der Auserwählte Gottes war. Einige Israeliten wurden mißtrauisch und sagten tatsächlich: ,,Wir wissen nicht, ob dieser Mann von Gott auserwählt ist oder nicht!“, und aus diesem Grunde mußte Gott klarstellen, wer sein Diener war und wer nicht. Wie machte er das? Er ließ zwölf tote Stäbe in das Allerheiligste vor die Lade des Zeugnisses legen, die dort über Nacht liegenblieben. Am folgenden Morgen hatte der Herr deutlich gemacht, wer sein auserwählter Diener war, indem er seinen Stab Knospen, Blüten und Frucht tragen ließ. Wir alle kennen die Bedeutung dieses Wunders. Der sprossende Mandelbaumzweig deutet auf die Auferstehung hin. Ein von Gott anerkannter Dienst ist immer von Tod und Auferstehung gekennzeichnet. Ohne diese gibt es keinen wahren Dienst. Die Tatsache, daß Aarons Stab blühte, bewies, daß Aaron auf

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Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

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der richtigen Grundlage diente, und Gott wird nur solche als seine Diener anerkennen, die durch Tod zur Auferstehung gelangt sind. Wir haben gesehen, daß der Tod Christi auf vielerlei Art und Weise wirkt. Wir wissen, wie er in bezug auf die Vergebung unserer Sünden gewirkt hat und daß es ohne Blutvergießen keine Vergebung gibt. Wir haben weiterhin gesehen, wie sein Tod uns von der Macht der Sünde befreit und daß unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt wurde, damit wir von nun an der Sünde nicht mehr als Sklaven dienen. Dann sprachen wir über den eigenen Willen des Menschen und haben erkannt, daß wir uns dem Herrn hingeben müssen. Wir haben uns damit befaßt, wie der Tod in uns wirkt, bis wir bereit sind, unsere eigenen Vorlieben aufzugeben und ihm zu gehorchen. All dies bildet in der Tat eine gute Grundlage für unseren Dienst, doch der Kern des Problems ist damit noch nicht berührt. Vielleicht haben wir immer noch nicht verstanden, was die Seele eigentlich bedeutet. Eine weitere Etappe des Christenlebens haben wir in Römer 7 betrachtet, wo es um ein heiliges Leben geht, d. h. eine lebendige, persönliche Heiligkeit. Dort bemüht sich ein wahrer Mann Gottes, durch Gerechtigkeit Gott zu gefallen, kommt dadurch aber unter das Gesetz und wird vom Gesetz verdammt. Er versucht, mit aller seiner eigenen fleischlichen Kraft, Gott zu gefallen, und das Kreuz muß ihn an den Punkt bringen, an dem er bekennt: ,,Ich schaffe es nicht. Mit meinen Kräften kann ich Gott nicht genügen. Ich kann einzig und allein dem Heiligen Geist vertrauen, daß er es in mir tut.“ Ich glaube, daß einige von uns durch manche Tiefen hindurchgegangen sind, um dies zu lernen und zu entdecken, wie kostbar es ist, wenn der Tod des Herrn in dieser Weise in uns wirkt. Nun aber ist es wichtig zu erkennen, daß immer noch ein großer Unterschied besteht zwischen dem Fleisch, von dem Römer 7 in bezug auf die Heiligkeit spricht, und dem Wirken

der natürlichen Kräfte des Seelenlebens im Dienst für den Herrn. Selbst wenn wir alle obengenannten Wahrheiten erkannt, ja sogar erfahren haben, bleibt immer noch dieser eine Bereich, in den der Tod des Herrn hineinwirken muß, bevor unser Dienst wahrhaft brauchbar für ihn sein kann. Denn selbst wenn wir all diese genannten Schritte erfahren haben, kann Gott noch nicht sicher sein, daß unser Dienst ihm nützt, wenn nicht auch noch dieses eine in uns gewirkt ist. Wie viele seiner Diener hat Gott nicht schon gebraucht, zwölf Fuß Mauer aufzubauen, wie wir in China zu sagen pflegen, die dann durch ihr eigenes Tun fünfzehn Fuß wieder eingerissen haben! In einem gewissen Sinn werden wir sehr wohl gebraucht, doch gleichzeitig zerstören wir unser eigenes Werk – und manchmal sogar das Werk anderer –, nur weil etwas in uns vom Kreuz noch nicht behandelt wurde. Laßt uns also zuerst fragen, was der Herr tut, um unsere Seele zu behandeln, und anschließend, was dies mit unserem Dienst für ihn zu tun hat.

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Das subjektive Wirken des Kreuzes Vier Abschnitte aus den vier Evangelien sollen uns dabei helfen: Matthäus 10:34-39, Markus 8:32-35, Lukas 17:32-34 und Johannes 12:24-26. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß der Herr selbst zu uns über die Aktivität der menschlichen Seele spricht und jedesmal von einem anderen Aspekt oder einer anderen Ausdrucksform des Seelenlebens. In diesen Versen macht er sehr deutlich, daß es nur eine einzige Möglichkeit für die Behandlung der menschlichen Seele gibt, nämlich die, daß wir täglich unser Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen. Wir haben festgestellt, daß das Seelenleben oder das natürliche Leben des Menschen, um das es hier geht, etwas anderes ist, als der alte Mensch und das Fleisch, mit denen sich andere Schriftstellen befassen. Gott betont immer wieder, daß er ein für


Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

allemal alles getan hat, um unseren alten Menschen zu behandeln, indem er uns mit Christus am Kreuz beendete. Im Galaterbrief wird dreimal das Gekreuzigtsein als vollendete Tatsache genannt. In Römer 6:6 wird ganz klar gesagt, ,,daß unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt worden ist“. Wenn man der gewählten Zeitform im Griechischen irgendeine Bedeutung beimessen darf, könnte man diesen Satz auch so umschreiben: ,,Unser alter Mensch ist endgültig und für immer gekreuzigt worden.“ Es handelt sich um eine vollendete Tatsache, die wir durch göttliche Offenbarung erkennen und dann im Glauben einfach annehmen. Es gibt jedoch noch einen weiteren Aspekt des Kreuzes, der mit den Worten ,,das Kreuz täglich auf sich nehmen“ beschrie ben wird. Mit ihm wollen wir uns nun befassen. Das Kreuz hat mich getragen, und nun muß ich es tragen. Dies ist eine innere Angelegenheit, welche wir ,,das subjektive Wirken des Kreuzes“ nennen. Das Kreuz zu tragen ist ein Prozeß, in dem wir dem Herrn Schritt für Schritt nachfolgen. Er hat sehr viel mit unserer Seele zu tun, und, wie wir gerade festgestellt haben, ist der Schwerpunkt nicht ganz der gleiche wie beim alten Menschen. Es handelt sich hier nicht um eine Kreuzigung der Seele selbst in dem Sinn, daß unsere natürlichen Begabungen und Fähigkeiten, unsere Persönlichkeit und unser individuelles Wesen vollkommen beiseite getan werden. Wäre dies der Fall, würde es in Hebräer 10:39 kaum heißen, daß wir ,,glauben und die Seele gewinnen“ sollen (vgl. 1.Petr. 1:9; Luk. 21:19). Nein, nicht in diesem Sinne verlieren wir unsere Seele, denn dies würde bedeuten, daß wir unsere Existenz als Individuum vollkommen aufgeben. Die Seele mit ihren natürlichen Begabungen existiert weiter, doch wenden wir das Kreuz auf sie an, um die natürlichen Begabungen in den Tod zu geben – um sie sozusagen mit seinem Tod zu zeichnen –, und daraufhin, wenn es Gott gefällt, bekommen wir sie in herrlicher Auferstehung wieder von ihm zurück.

In diesem Sinn ist auch der Vers zu verstehen, in dem Paulus von seinem Verlangen an die Philipper schreibt, ,,ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tode gleichgestaltet werde“ (Phil. 3:10). Das Zeichen des Todes ist beständig auf seiner Seele, damit sie sich dem Geist unterordnet und nicht sich selbst auslebt. Nur das in dieser Weise wirkende Kreuz konnte einen Mann wie Paulus, der mit vielen natürlichen Fähigkeiten ausgestattet war (vgl. Philipper 3), dazu bewegen, seiner natürlichen Stärke zu mißtrauen, so daß er an die Korinther schrieb: ,,Denn ich nahm mir vor, nichts unter euch zu wissen als Jesus Christus, und ihn als den Gekreuzigten. Auch war ich bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und meine Rede und meine Predigt geschah nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern mit Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht auf Menschenweisheit beruhe, sondern auf Gottes Kraft“ (1.Kor. 2:2-5). Die Seele ist der Sitz unserer Neigungen, und wie viele unserer Entscheidungen und Handlungen werden von ihnen bestimmt! Es ist wichtig zu erkennen, daß ihnen an sich nichts Sündiges anhaftet. Ein Problem tritt erst auf, wenn wir einem Menschen natürliche Liebe entgegenbringen und diese dann, da sie nicht vom Geist beherrscht wird, unser weiteres Handeln in eine völlig falsche Richtung lenkt. Aus diesem Grund mußte der Herr in der ersten der vier von uns betrachteten Bibelstellen sagen: ,,Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert“ (Mt. 10:37-38). Der Kreuzespfad ist der normale und einzige Weg, auf dem wir dem Herrn nachfolgen können. Der unmittelbar darauffolgende Vers heißt: ,,Wer sein Seelenleben findet, wird es verlieren; und wer sein Seelenleben verliert um meinetwillen, wird es finden“ (Mt. 10:39).

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Es besteht nun die Gefahr, daß uns unsere Gefühle unmerklich vom Weg Gottes ablenken, und das Problem ist die Seele. Daher muß das Kreuz wirken. Ich muß meine Seele verlieren in dem Sinne, den der Herr gemeint hat und den wir im folgenden zu erklären versuchen. Einige unter uns wissen wohl, was es bedeutet, die Seele zu verlieren. Der ,,Verlust“ der Seele bedeutet, daß wir ihren Be gierden nicht mehr so leicht nachgeben können und nicht mehr tun können, wonach sie verlangt. Wir werden durch einen schmerzlichen Prozeß hindurchgeführt, in dem das Begehren der Seele zum Schweigen gebracht wird. Häufig müssen wir zugeben, daß es nicht eine bestimmte Sünde ist, die uns daran hindert, dem Herrn bis zum Ende nachzufolgen. Oft werden wir von einer geheimen Liebe irgendwo in unserem Herzen zurückgehalten, oder eine vollkommen harmlose natürliche Zuneigung lenkt unsere Schritte in eine falsche Richtung. Ja, die menschlichen Gefühle spielen eine große Rolle in unserem Leben, und das Kreuz muß an ihnen ein gründliches Reinigungswerk vollbringen. Nun kommen wir zu den Versen in Markus 8. Ich glaube, daß diese Stelle von allergrößter Bedeutung ist. Unser Herr hatte gerade seinen Jüngern in Cäsarea Philippi verkündigt, daß er durch die Hand der jüdischen Ältesten dem Tode überantwortet werden würde, als Petrus, getrieben von der Liebe zu seinem Meister, ihn beiseite nahm und begann, ihm Vorhaltungen zu machen: ,,Herr, tue das bloß nicht! Schone dich selbst! Das widerfahre dir nur nicht!“ Aus Liebe zu ihm bat er ihn, sich selbst zu schonen. Der Herr mußte Petrus daraufhin schelten, so wie er Satan schelten würde, weil er nicht die Dinge Gottes, sondern die Dinge des Menschen sann. Im darauffolgenden Vers sprach er zu dem Volk, das ihn umgab, wiederum diese Worte: ,,Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir. Denn wer sein Seelenleben erretten will,

der wird es verlieren; wer aber sein Seelenleben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erretten“ (Mk. 8:34-35). Wiederum geht es um die Seele, genauer gesagt um das Verlangen der Seele, sich selbst zu erhalten. Es gibt eine leise Stimme in uns, die uns sagt: ,,Ich bin zu allem bereit, würde alles tun, wenn ich nur weiterleben darf!“ Dies kann man fast als Hilfeschrei der Seele bezeichnen. ,,Ans Kreuz gehen? Gekreuzigt werden? Das geht wirklich zu weit! Schone dich selbst, sei doch ein wenig barmherzig mit dir selbst! Ist es dein Ernst, daß du dich gegen dich selbst und für Gott entscheidest?“ Manche unter uns wissen wohl, daß es oft notwendig ist, sich gegen die Stimme der Seele – der eigenen oder der anderer Menschen um uns herum – zu entscheiden, um mit Gott vorangehen zu können und durch das Kreuz dieses Flehen der Seele um Selbsterhaltung zum Schweigen zu bringen. Habe ich Angst vor dem Willen Gottes? Die geschätzte Schwester, von deren Einfluß auf mein Leben ich an früherer Stelle sprach, fragte mich häufig: ,,Gefällt dir der Wille Gottes?“ Dies ist eine gewaltige Frage. Sie fragte mich nicht: ,,Tust du den Willen Gottes?“, sondern immer nur: ,,Gefällt dir der Wille Gottes?“ Diese Frage geht an die Substanz. Ich erinnere mich, daß sie einmal mit dem Herrn wegen einer bestimmten Angelegenheit uneins war. Sie wußte wohl, was der Herr von ihr verlangte, und in ihrem Herzen wollte sie es ebenfalls. Ihr fiel der Gehorsam aber äußerst schwer, und so hörte ich sie beten: ,,Herr, ich bekenne dir, daß mir dies überhaupt nicht gefällt. Gib aber bitte nicht nach, sondern warte noch ein wenig, Herr, bis ich nachgebe.“ Sie wollte nicht, daß der Herr nachgab und seine Forderungen zurückzog, sondern sie wollte einzig und allein ihm gefallen. Immer wieder müssen wir an den Punkt gelangen, wo wir ihm Dinge übergeben, die wir für gut und wertvoll halten – ja,

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vielleicht sogar Dinge, die Gott selbst uns gegeben hat –, damit sein Wille geschehen kann. Petrus sorgte sich um seinen Herrn, aber die Quelle war seine natürliche Liebe zu ihm. Vielleicht denken wir, seine Liebe zu seinem Herrn war doch wunderbar – sie war so groß, daß er es wagte, die Worte Jesu in Frage zu stellen. Nur eine starke Liebe konnte einen Menschen so weit bringen! Ja, wir verstehen Petrus. Wenn unser Geist jedoch rein ist, ohne Vermischung mit der Seele, lassen wir uns nicht so leicht zu solchem Fehlverhalten wegtragen. Wir werden schneller erkennen, was Gottes Wille ist, und werden entdecken, daß darin, und nirgends sonst, die wahre Freude unseres Herzens liegt. Auch in Lukas 17 spricht der Herr Jesus über die Seele des Menschen. In diesem Zusammenhang jedoch geht es um seine Wiederkunft. Er spricht von dem Tag, an dem der Sohn des Menschen offenbart wird, und zieht eine Parallele zwischen jenem Tag und dem Tag, ,,da Lot aus Sodom ging“ (Vv. 29-30). Einige Verse weiter spricht er von der Entrückung der Heiligen und wiederholt zweimal: ,,Die eine wird mitgenommen und die andere wird zurückgelassen werden“ (Vv. 34-35). Zwischen seiner Erwähnung vom Auszug Lots aus Sodom und dem Hinweis auf die Entrückung seiner Heiligen zu ihm hin spricht er diese bemerkenswerten Worte: ,,An jenem Tag, wer auf dem Dach ist und seinen Hausrat im Hause hat, der steige nicht herunter, um ihn zu holen; und wer auf dem Feld ist, der wende sich ebenfalls nicht um nach dem, was hinter ihm ist. Denkt an Lots Frau!“ (Vv. 31-32). Denkt an Lots Frau! Warum? Wer nämlich ,,sein Seelenleben zu bewahren sucht, der wird es verlieren, und wer es verlieren wird, der wird es lebendig bewahren“ (V. 33). Wenn ich mich nicht irre, ist dies die einzige Stelle im Neuen Testament, die von unserer Reaktion auf den Ruf des Herrn zur Entrückung spricht. Aufgrund der Verse in 1.Korinther 15:51-52, wo es heißt: ,,Wir werden aber alle verwandelt werden, und zwar

im Nu, in einem Augenblick, bei dem Schall der letzten Posaune“, haben wir vielleicht immer gedacht, daß wir dem Sohn des Menschen sozusagen automatisch entgegenentrückt werden, wenn er kommt. Wie auch immer wir nun die Aussage dieser zwei Bibelstellen miteinander in Einklang bringen, so sollte uns der Abschnitt im Lukasevangelium doch wenigstens zu denken geben, denn diese Verse betonen sehr die Tatsache, daß einer mitgenommen, der andere jedoch zurückgelassen wird. Es geht hier um unsere Reaktion auf den Ruf, ihm entgegenzugehen, und aus diesem Grund werden wir sehr ernstlich ermahnt, bereit zu sein (vgl. Mt. 24:42). Natürlich gibt es einen Grund dafür: Es steht nämlich außer Frage, daß dieser Ruf nicht eine übernatürliche Veränderung unseres Wesens in letzter Minute hervorrufen wird, völlig losgelöst von unserem bisherigen Wandel mit dem Herrn. Nein, in jenem Augenblick werden wir entdecken, an welchem Schatz unser Herz wirklich hing. Wenn es der Herr selbst ist, werden wir nicht mehr zurückschauen. An unserem Zurückschauen entscheidet sich alles. Es ist so einfach, daß unser Herz mehr von den Gaben Gottes als vom Geber (und ich muß hinzufügen: mehr vom Werk Gottes als von Gott selbst) eingenommen wird. Laßt es mich euch veranschaulichen. Ich bin gerade dabei, ein Buch zu schreiben. Acht Kapitel habe ich bereits fertiggestellt, und neun weitere muß ich noch schreiben, wofür ich mit allem Ernst vor dem Herrn stehe. Wenn mich nun der Herr ruft: ,,Komm herauf!“ und meine Reaktion wäre: ,,Was geschieht dann aber mit meinem Buch?“, könnte die Antwort durchaus lauten: ,,Gut, bleib unten und schreib es zu Ende!“ Die uns so wertvolle Aktivität unten ,,im Haus“ kann schon ausreichen, uns festzuhalten und uns sozusagen am Erdboden festzunageln. Alles entscheidet sich an der Frage, ob wir durch unsere Seele oder durch unseren Geist leben. Dieser Abschnitt im Lukasevangelium handelt vom Seelenleben, von seiner Beschäftigung mit

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Irdischem, mit Dingen – und das will ich betonen –, die keineswegs sündig sind. Der Herr zählte in diesen Versen lediglich Heiraten, Pflanzen, Essen und Verkaufen auf – völlig legitime Aktivitäten, an denen eigentlich nichts auszusetzen ist. Die Beschäftigung mit diesen Dingen jedoch, durch die unser Herz eingenommen wird, reicht bereits aus, uns an die Erde zu binden. Einen Ausweg aus dieser Gefahr finden wir, wenn wir unsere Seele verlieren. Ein wunderschönes Beispiel ist die Reaktion des Petrus, als er den auferstandenen Herrn am Ufer des Sees von Tiberias erkannte (Joh. 21). Obwohl er zu jenem Zeitpunkt mit einigen anderen Jüngern seiner ursprünglichen Beschäftigung wieder nachgegangen war, vergaß er in jenem Augenblick sowohl das Schiff als auch sogar das Netz, das doch durch ein Wunder voller Fische war. Sobald er den Ausruf des Johannes hörte: ,,Es ist der Herr!“ , als dieser den Herrn erkannte, warf er sich ins Wasser, um zu Jesus zu gelangen. Diese Begebenheit zeigt wahre Loslösung von dieser Welt. Es geht eigentlich immer um die Frage: Wo ist mein Herz? Das Kreuz muß in uns eine wirkliche Loslösung im Geist von allen Dingen und Personen bewirken, die nicht der Herr selbst sind. Doch auch hier haben wir es immer noch mit den eher äußeren Aspekten unserer Seelenaktivität zu tun. Die Seele, die ihren Neigungen freien Lauf läßt, die Seele mit ihrem Selbstbehauptungswillen und ihren Manipulationsversuchen, die Seele, die völlig in der Sorge um irdische Dinge aufgeht – dies alles sind Kleinigkeiten, die immer noch nicht den Kern der Sache getroffen haben. Es gibt noch einen tieferen Aspekt, den wir im folgenden Abschnitt betrachten wollen.

Laßt uns nun zu Johannes 12:24 und 25 kommen: ,,Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde

fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. Wer sein Leben (griech.: Psyche = seine Seele, wie auch in den oben genannten Stellen) liebt, der verliert es, und wer sein Leben (seine Seele) in dieser Welt haßt, der wird es bewahren zum ewigen Leben.“ An dieser Stelle wird das innere Wirken des Kreuzes, von dem wir gesprochen haben – das Verlieren der Seele –, in Verbindung gebracht und verglichen mit jenem Aspekt des Todes des Herrn Jesus, der durch das Weizenkorn dargestellt wird und die Vermehrung zum Ziel hat. Das Ziel ist die Frucht. Wir haben es hier mit einem Weizenkorn zu tun, das zwar Leben in sich trägt, aber es bleibt allein. Es hat die Kraft, sein Leben anderen mitzuteilen, aber dafür muß es in die Erde fallen und sterben. Wir wissen, welchen Weg der Herr Jesus einschlug. Er ging in den Tod, und wie wir bereits weiter oben gesehen haben, kam sein Leben im Leben vieler anderer wieder zum Vorschein. Der Sohn starb, und als der erste unter vielen Söhnen erstand er vom Tode. Er hat sein Leben gelassen, damit wir es empfangen konnten. Insbesondere aufgrund dieses Aspektes seines Todes sind wir aufgerufen, unser Seelenleben zu verlieren und zu sterben. Hier wird klar, welch eine Kostbarkeit darin liegt, seinem Tode gleichgestaltet zu werden: Wir verlieren dadurch unser eigenes natürliches Leben, damit wir in der Kraft seiner Auferstehung zu Menschen werden, die nach Tod und Auferstehung das neue Leben Gottes, das sie besitzen, auch anderen Menschen austeilen können. Dies ist das Geheimnis des Dienstes, der Weg zu wahrer Fruchtbarkeit für Gott, wie Paulus in 2.Korinther 4:11 und 12 sagte: ,,Denn ständig werden wir, die Lebenden, in den Tod gegeben um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde an unserem sterblichen Fleische. So ist nun der Tod wirksam in uns, aber das Leben in euch.“ Damit kommen wir zu unserem eigentlichen Anliegen. Wir, die wir Christus empfangen haben, besitzen ein neues Leben.

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Das Kreuz und das Fruchttragen


Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen

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Wir haben diesen kostbaren Besitz, diesen Schatz in irdenen Gefäßen, und loben den Herrn für die Wirklichkeit seines Lebens in uns. Warum aber kommt dieses Leben so wenig zum Ausdruck? Warum bleiben wir allein? Warum fließt denn dieses Leben nun nicht über, aus uns heraus und in andere Menschen hinein? Warum wird es selbst in unserem eigenen Leben so wenig sichtbar? Der Grund dafür, daß so wenig von diesem Leben, welches doch in uns wohnt, zu sehen ist, liegt darin, daß unsere Seele dieses Leben umgibt (so wie die Spelze das Weizenkorn) und es derart einschränkt, daß es keinen Ausgang findet. Wir leben in der Seele, wir arbeiten und dienen mit unserer eigenen natürlichen Stärke und schöpfen nicht aus Gott. Es ist die Seele, die dem Herausfließen des Lebens aus uns im Wege steht. Verliert eure Seele, dann habt ihr die Fülle!

Wir kommen nun noch einmal zum Mandelbaumzweig zurück, der während einer langen, dunklen Nacht, in der nichts zu sehen war, im Allerheiligsten lag und am nächsten Morgen Knospen getrieben hatte. An dieser Begebenheit könnt ihr den Tod und die Auferstehung, das in den Tod gegebene und das in Auferstehung wiederempfangene Leben erkennen und den Dienst, den Gott bestätigt. Wie sieht dies aber in der praktischen Erfahrung aus? Wie erkenne ich, daß Gott mich gerade in dieser Weise behandelt? Zunächst müssen wir uns über eines im klaren sein: Unsere Seele mit ihrem Vorrat an natürlicher Energie und Kraft werden wir bis an unser Lebensende behalten. Daher werden wir bis zu unserem Lebensende Tag für Tag das Kreuz an uns wirken lassen müssen, damit die natürliche Quelle gründlich behandelt wird. Dies ist die lebenslange Voraussetzung für den Dienst, wie Jesus es selbst formulierte: ,,Will mir jemand nachfolgen, der verleugne

sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir“ (Mk. 8:34). Diese Erfahrung werden wir niemals umgehen können. Wer es dennoch versucht, ,,ist meiner nicht wert“ (Mt. 10:38) und ,,kann nicht mein Jünger sein“ (Luk. 14:27). Die Erfahrung von Tod und Auferstehung muß ein unabänderliches Prinzip in unserem Leben bleiben, so daß wir tatsächlich unsere Seele verlieren und der Geist des Lebens frei aus uns herausfließen kann. Auch an dieser Stelle kann es zu einem Wendepunkt kommen, von wo aus unser ganzes Leben und all unser Dienst für Gott vollkommen verändert sein werden. Auch dieser Wendepunkt bedeutet für uns wiederum eine enge Pforte, die auf einen völlig neuen Weg führt. Jakob in Pniel ist ein gutes Beispiel dafür. Der natürliche Mensch in Jakob versuchte, Gottes Plan auszuführen. Jakob wußte genau, daß Gott gesagt hatte: ,,Der Ältere soll dem Jüngeren dienen“ , doch versuchte er, diese Prophezeiung mit seinem eigenen klugen Kopf durchzusetzen. Gott mußte daraufhin diese natürliche Stärke in Jakob lähmen, indem er die Sehne an Jakobs Oberschenkel berührte. Jakob konnte nach dieser Erfahrung wohl noch gehen, war aber von jenem Zeitpunkt an gelähmt. Er wurde zu einem anderen Jakob, was auch die Änderung seines Namens zeigt. Er besaß immer noch seine Füße und konnte sie auch weiterhin benutzen, doch seine eigene Stärke war gebrochen worden. So hinkte Jakob aufgrund dieser Verletzung, die ihn für sein weiteres Leben zeichnete. Gott muß uns alle zu solch einer Erfahrung hinführen – wie er das tun wird, kann ich euch nicht sagen, aber er wird es tun. Es ist dies eine Erfahrung der Dunkelheit und Tiefe, und unsere natürliche Kraft wird angerührt und entscheidend geschwächt, so daß wir fortan nicht mehr wagen, uns selbst zu vertrauen. Manche von uns mußte er schon über merkwürdige Wege und durch schwierige und schmerzliche Erfahrungen hindurch dahin bringen. Irgendwann kommt es dann auch soweit, wo es uns

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Eine dunkle Nacht – ein Auferstehungsmorgen


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nicht mehr ,,gefällt“, ein christliches Werk zu tun, ja, wo wir uns sogar fast fürchten, etwas im Namen des Herrn zu tun. Erst dann kann er uns gebrauchen. In dem Jahr nach meiner Bekehrung hatte ich viel Freude daran, das Evangelium zu verkündigen. Es war mir unmöglich zu schweigen. Mir schien es, als ob etwas in mir mich vorwärtstrieb, und so mußte ich hingehen und predigen. Predigen wurde mein Leben. In seiner Gnade erlaubt der Herr uns vielleicht über einen längeren Zeitraum hinweg, auf diese Weise voranzugehen, und schenkt auch ein gewisses Maß an Segen dazu, bis eines Tages diese natürliche Kraft, die uns vorantreibt, gebrochen wird. Von diesem Zeitpunkt an dienen wir dann Gott nicht mehr, weil es u n s Freude macht, sondern weil es i h m Freude macht. Vielleicht hast du das Evangelium verkündigt, weil es dir eine Befriedigung war, Gott auf diese Weise zu dienen, und doch konnte der Herr dich manchmal nicht zu etwas anderem bewegen, was ihm wichtiger gewesen wäre. Du lebtest durch dein natürliches Leben, und dieses ist äußerst wechselhaft, denn es ist ein Sklave deiner Stimmung. Treibt dich dein Gefühl auf Gottes Weg, gehst du mit ganzer Kraft voran, treibt es dich jedoch in die andere Richtung, fällt es dir sehr schwer, dich überhaupt für ihn in Bewegung zu setzen, selbst wenn dich die Pflicht ruft. Du bist nicht formbar in den Händen des Herrn. Aus diesem Grund muß er die Kraft in dir schwächen, die von Vorlieben und Abneigungen geprägt ist, bis du schließlich dein Handeln davon abhängig machst, ob etwas sein Wille ist, und nicht davon, ob es dir gefällt. Selbstverständlich wirst du dann den Willen des Herrn tun, ob es dir gefällt oder nicht. Du predigst oder tust ein anderes Werk für Gott nicht um einer gewissen Befriedigung willen, sondern weil es der Wille Gottes ist, ob es dir Freude macht oder nicht. Die wahre Freude, die wir erfahren, wenn wir Gottes Willen tun, ist viel tiefer als unsere schwankenden Gefühle.

Gott wirkt an dir, bis er nur einen Wunsch äußern muß und du ihn augenblicklich ausführst. So sieht der Geist eines Dieners aus (Ps. 40:8-9). Doch einen solchen Geist hat keiner von uns von Natur aus. Wir bekommen ihn nur, wenn unsere Seele, der Sitz unserer eigenen Kraft, unseres Willens und unserer Gefühle, durch die Berührung mit dem Kreuz unter seine Herrschaft gebracht worden ist. Gott sucht solch einen Geist in denen, die ihm dienen, und wird ihn in uns allen wirken. Der Weg dahin mag für manche lang und beschwerlich sein, andere lähmt Gott mit einem Schlag. Gott hat seine Wege, und wir tun gut daran, auf sie zu achten. Jeder wahre Diener Gottes muß eines Tages diese Erfahrung der Lähmung machen, die ihn für sein weiteres Leben zeichnet und ihn von Grund auf verändert. Gottes Hand muß in euch bewirken, daß ihr euch von nun an wirklich vor euch selbst fürchtet. Ihr werdet euch davor scheuen, dem Impuls eurer Seele zu folgen, da ihr wißt, wie unwohl ihr euch vor dem Herrn in euren Herzen fühlen werdet, wenn ihr eurer Seele gehorcht. Ihr habt dann bereits etwas von der liebevollen Züchtigung durch die Hand unseres Gottes erfahren, der ,,euch als Söhne“ behandelt (Hebr. 12:7). Der Geist selbst gibt Zeugnis mit unserem Geist von unserer Sohnschaft, von unserem Erbe und der Herrlichkeit, die wir empfangen werden, ,,wenn wir wirklich mit ihm leiden“ (Röm. 8:16-17). Eure Antwort an den Vater der Geister lautet dann: ,,Abba, Vater“ . Wenn ihr tatsächlich eine solche Erfahrung durchlebt habt, gelangt ihr in einen neuen Bereich, den Bereich der Auferstehung. Vielleicht mußte Gott euch durch den Tod an einen Wendepunkt in eurem natürlichen Leben führen, doch dann bringt er euch befreit in die Auferstehung hinein. Ihr entdeckt, daß ihr – wenn auch verändert – wiederbekommt, was ihr verloren habt. Das Prinzip des Lebens wirkt nun in euch, leitet und stärkt euch und versorgt euch mit frischem göttlichem Leben. Von jenem Augen-

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blick an werdet ihr wiederbekommen, was ihr verloren habt, aber nun mit neuen Werten und unter der himmlischen Herrschaft. Ich möchte eines noch einmal klarmachen. Wenn wir das Verlangen haben, geistliche Menschen zu sein, brauchen wir nicht unsere Hände und Füße zu amputieren, sondern können unseren Leib ganz behalten. In gleicher Weise können wir auch unsere Seele mit all ihren Fähigkeiten behalten. Und doch ist die Seele nicht mehr die Quelle, aus der wir leben. Wir leben nicht mehr in ihr und durch sie, beziehen unsere Versorgung nicht mehr von ihr, sondern benutzen sie lediglich. Wenn unser Körper unser ganzes Leben ist, leben wir wie die Tiere. Wenn die Seele unser ganzes Leben ist, sind wir Rebellen und Menschen auf der Flucht vor Gott – zwar begabt, kultiviert, wohlerzogen, doch dem Leben Gottes entfremdet. Wenn wir jedoch dahin kommen, daß wir unser Leben im Geist und durch den Geist führen, mögen wir unsere seelischen Fähigkeiten genauso wie unsere körperlichen Fähigkeiten immer noch gebrauchen, doch sind diese nun Diener des Geistes. Erst wenn wir hier angekommen sind, kann Gott uns wirklich gebrauchen. Viele von uns haben jedoch Schwierigkeiten mit jener langen, dunklen Nacht. Einmal hat der Herr in seiner Gnade auch mich für einige Monate auf die Seite gestellt und mich geistlich gesehen in völliger Dunkelheit gelassen. Es schien fast so, als hätte er mich aufgegeben, als würde es nicht mehr weitergehen. Ich war völlig am Ende. Doch schließlich gab er mir Stück für Stück alles wieder zurück. In solchen Situationen stehen wir immer in der Versuchung, Gott nachhelfen zu wollen, indem wir uns Dinge selbst zurückholen. Vergeßt jedoch nicht, daß der Stab eine ganze Nacht lang im Allerheiligsten liegen mußte – eine ganze Nacht in der Dunkelheit. Wir können nichts beschleunigen. Gott weiß, was er tut. Wir hätten gern, daß eine Stunde nach dem Tod bereits die Auferstehung folgt. Wir ertragen nicht den Gedanken, daß Gott

uns eine lange Zeit beiseite stellt und wir lange warten müssen. Ich kann euch natürlich nicht sagen, wie lange eure Erfahrung des Todes dauern wird, doch grundsätzlich kann man wohl davon ausgehen, daß Gott jeden eine gewisse Zeit in einer solchen Erfahrung beläßt. Es wird manchmal so aussehen, als wenn überhaupt nichts passierte, als wenn alles, was du bisher wertgeachtet hattest, deinen Händen entgleitet. Du scheinst einer schwarzen Wand ohne Tür gegenüberzustehen. Alle anderen werden scheinbar gesegnet und gebraucht, nur du wirst übersehen und gehst leer aus. Halte still! Es ist zwar alles dunkel, doch diese Erfahrung wird nur eine Nacht lang dauern. Sie muß tatsächlich so lange dauern, doch irgendwann ist auch diese Nacht vorbei. Danach darfst du entdecken, daß du alles in herrlicher Auferstehung wieder zurückbekommst. Der Unterschied zwischen dem Zustand vor dieser Erfahrung und nachher ist unbeschreiblich! Einmal saß ich mit einem jungen Bruder beim Abendessen. Der Herr hatte gerade zu ihm über das Problem unserer natürlichen Kraft gesprochen. Er sagte zu mir: ,,Wohl dem Christen, den der Herr so tief berührt, daß alle eigene Kraft gelähmt ist.“ Zwischen uns stand eine Schale mit Keksen auf dem Tisch. Ich nahm einen Keks und brach ihn in der Mitte durch. Dann fügte ich die zwei Hälften wieder ganz genau zusammen und sagte: ,,Er sieht jetzt genauso aus wie vorher, nicht wahr? Aber er wird nie mehr so sein wie vorher. Ist einmal unser Rückgrat gebrochen, wird Gott uns nur ganz sachte berühren müssen, damit wir uns ihm beugen.“ Das ist das Entscheidende. Der Herr weiß wohl, was er mit den Seinen tut. Sein Kreuz ließ keinen Aspekt unseres bedürftigen Seins unberücksichtigt, damit die Herrlichkeit des Sohnes in den Söhnen offenbar würde. Jünger des Herrn, die diesen Weg gegangen sind, können sicherlich von Herzen die Worte des Paulus nachsprechen: ,,Denn Gott ist mein Zeuge, welchem ich

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Der fünfte Schritt: das Kreuz tragen diene in meinem Geist am Evangelium seines Sohnes“ (Röm. 1:9). Wie er haben sie das Geheimnis des wahren Dienstes gelernt: ,,die wir durch Gottes Geist dienen und uns Christi Jesu rühmen und nicht auf Fleisch vertrauen“ (Phil. 3:3). Es gab nur wenige Menschen, die ein aktiveres Leben als der Apostel Paulus geführt haben. An die Römer schrieb er, daß er von Jerusalem bis Illyrien das Evangelium voll ausgerichtet habe (Röm. 15:19), nun auch bereit sei, denen in Rom das Evangelium zu verkündigen (Röm. 1:10), und von dort sogar nach Spanien weiterreisen wolle (Röm. 15:24, 28). In all seinem Dienst jedoch, der sich über den ganzen Mittelmeerraum erstreckte, war sein Herz nur auf ein Ziel ausgerichtet: den zu erhöhen, der ihm dies ermöglicht hatte. ,,Darum habe ich Ruhm in Jesus Christus bei dem, was Gott betrifft. Denn ich werde nicht wagen, etwas von dem zu reden, was Christus nicht durch mich vollbracht hat zum Gehorsam der Nationen durch Wort und Werk“ (Röm. 15:1718). Das ist wahrhaft geistlicher Dienst. Möge Gott jeden einzelnen von uns zu solch einem Sklaven Jesu Christi machen, wie es Paulus gewesen ist!

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