Barbara Hering & Julia Mitt
alltagsnah & himmelweit Gott mitten im Leben begegnen 52 Impulse
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Copyright © 2026 Gerth Medien in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Berliner Ring 62, 35576 Wetzlar Sofern nicht anders angegeben, wurden die Bibelzitate der folgenden Übersetzung entnommen: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen Weitere verwendete Übersetzungen: Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen. (ELB) Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten. (Hfa) Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. (LUT) The Message, copyright © 1993, 2002, 2018 by Eugene H. Peterson. Used by permission of NavPress. All rights reserved. Represented by Tyndale House Publishers, Inc. 1. Auflage 2026 Bestell-Nr. 821206 ISBN 978-3-98695-206-8 Bearbeitung: Saskia Barthelmeß Umschlaggestaltung: Hanni Plato Umschlagmotiv: Unsplash, sies kranen Satz: Uhl + Massopust, Aalen Innenillustrationen unter Verwendung von Shutterstock Druck und Verarbeitung: Dimograf Printed in Poland www.gerth.de
Inhalt Hallo und herzlich willkommen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Schubladen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Zuflucht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Vertrauen im Wandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Gott, der Motiv-Stanzer und ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Fingerprints . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 She is awesome . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 In der Hand des Töpfers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Mindesthaltbarkeit. Oder: Wie lange hält Gottes Wort? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 Die Kaugummi-Predigt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42 Johanna – Gott ist gnädig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Prime Time . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52 Enten und Errettung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Raus aus dem Gefängnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Raum des Friedens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Aus heiterem Himmel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Hörst du das? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 Ein freundlicher Tag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81 Credo . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Die Sache mit dem Essen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 Gib das Geringste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 Sing your song . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99 Salon Mama . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103 Auge im Sturm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109 Die Bully-Tante . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Tochter Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Begegnung mit der Dankbarkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
Von zerknitterten Zetteln und Beinahepanik . . . . . . . . . . . . 125 Wellengebete . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 129 Schönheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 132 Schatzsuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Kirche auf Bågø . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Ein Hoch auf das Nichtstun . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 142 Next Generation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146 Tauben füttern verboten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 150 Lighthouse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154 Kleiner blauer Schmetterling . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 El Chai . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164 Elternabend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169 Himmel auf Erden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173 Nicht genug? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176 Ankommen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 179 Weißt du, wie viel Sternlein stehen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183 Nahrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187 Imitation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190 Was bleibt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193 Ein Fest der Hingabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 Homebase . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Lebenslügen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 Bleib dran! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212 Trotzdem gesiegt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216 I can’t see in the dark . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 220 Das Leben feiern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224 Gedanken zum Schluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228 Eine Jesus-Nachfolgerin werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232 Hilfsangebote zum Thema „Fehlgeburt“ und „Stille Geburt“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 236 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
Hallo und herzlich willkommen! Es freut uns sehr, dass du dich mit uns auf eine kleine Reise begeben möchtest! Bevor du erfährst, was dich unterwegs erwartet und wie die einzelnen Stationen aussehen könnten, möchten wir uns dir kurz vorstellen: Wir sind Julia und Barbara. Im echten Leben könntest du uns leicht unterscheiden, denn die eine von uns ist blond, die andere dunkelhaarig, und uns trennen zehn Jahre Altersunterschied. Damit du uns auch beim Lesen auseinanderhalten kannst, haben wir für jede von uns ein Symbol ausgewählt: für Julia das Segelboot und für Barbara die Taube. Viel wichtiger als das, was uns unterscheidet, sind uns aber unsere Gemeinsamkeiten: Wir sind beide begeistert und abhängig von Jesus, gehören zur Freien evangelischen Gemeinde in Lübeck, haben jeweils einen Mann, drei Kinder und einen Hund und wohnen noch dazu im gleichen Stadtteil. Über die Jahre haben wir uns immer besser kennengelernt, vor allen Dingen während unserer gemeinsamen Zeit in einer Frauen-Kleingruppe. Hier tauschen wir uns zusammen mit anderen Frauen darüber aus, was in unseren Herzen und in unseren Leben passiert, geben uns Anteil an unseren persönlichen Herausforderungen, aber auch an Erfolgen oder Träumen. Das macht verletzlich, verbindet aber auch und hat dazu geführt, dass die Idee und der Mut zu diesem Buch gewachsen sind. 7
Gemeinsam entdecken wir immer wieder, dass Gott uns da begegnet, wo wir sind – und nicht da, wo wir eigentlich sein sollten. Manchmal nutzt er dazu ein völlig alltägliches Setting und macht uns auf sich aufmerksam, während wir gerade die Fingerabdrücke von den Küchenschränken abwischen. Ein anderes Mal trifft er uns im Urlaub und spricht durch die rauen Wellen auf See oder durch einen malerischen Sonnenuntergang zu uns. Es kann sein, dass wir herausgefordert und am Limit sind und uns fragen, ob der Glaube uns wirklich durch das finstere Tal bringen wird. Und dann gibt es Situationen, die uns sprachlos staunen lassen, weil sich Wunder ereignen und unerwartet Türen öffnen. Beim Unterwegssein mit uns wirst du dich vielleicht an manchen Stellen über uns wundern, dich mit uns freuen oder dich gut in uns hineinversetzen können. Ein bisschen wird es so sein, als würdest du in einem unserer Wohnzimmer (also, wir haben natürlich beide jeweils nur eines) auf dem Sofa sitzen und mitten in unser Leben oder sogar unser Herz hineinschauen. Dass du dabei unsere Persönlichkeiten mit Stärken, Schwächen und Macken kennenlernen wirst, ist gewollt und Teil unserer Einladung an dich! Unsere kleinen – und allesamt wahren – Geschichten haben wir aber nicht hauptsächlich deshalb aufgeschrieben. Vielmehr denken wir, dass sich in Kampf und Chaos, aber auch in Freude und Feierlichkeiten noch etwas anderes ereignet als nur das äußerlich Sichtbare. Wir sind überzeugt davon, dass in den gewöhnlichen und den ungewöhnlichen Momenten unseres Lebens ein Größerer gegenwärtig ist. Was wir erleben, benutzt er, um uns zu begegnen, zu formen, zu lieben. Dieser Jemand ist der Gott der Bibel, den wir beide an unterschiedlichen Punkten unseres Lebens kennen- und lieben gelernt haben und der uns seither nicht mehr losgelassen hat. 8
Wir laden dich ein, mit uns auf Entdeckungsreise zu gehen. Was wir von uns erzählen, kann vielleicht auch für dich der Startpunkt sein, um in deinem Leben nach Gott zu forschen, hellhörig für sein Wirken zu werden, ihm ein Fenster in deinem Alltag zu öffnen und dich in seiner Liebe immer mehr zu Hause zu fühlen. Das ist unser tiefster Wunsch für dich und der Grund, warum wir uns in diesem Buch, auch mit unseren wunden Punkten und Verletzungen, öffnen. Hier noch ein Hinweis, wie du dieses Buch nutzen kannst: Exemplarisch für das, was wir mit Gott erlebt haben, haben wir 52 Episoden oder Themen ausgewählt, die uns geprägt haben oder die uns unter die Haut gegangen sind. Wenn du magst, kannst du das Buch also als Begleiter durch das Jahr benutzen und jede Woche einen der Texte lesen. Im Anschluss an jeden Text findest du weiterführende Impulse in Form von Fragen, Bibelversen, Gebeten oder kreativen Anregungen. Diese Impulse haben wir gewählt, um eine Brücke zu deinem Herzen zu bauen. Du kannst sie nutzen, um das Gelesene für dich zu verarbeiten und weiterzuführen. Dazu passt die Idee, sich für jede Woche ein Kapitel vorzunehmen, denn manche Fragen, die aufgeworfen werden, sind es wert, über längere Zeit bewegt zu werden. Selbstverständlich ist es auch möglich, einen ganz anderen Rhythmus zu wählen, die Impulse durcheinander zu lesen, nach Lust und Laune zu blättern, deine Gedanken an den Rand zu schreiben, ein Bild unter den Text zu malen oder mithilfe von kleinen Aktionen für dich zu reflektieren. Dieses Buch gehört dir und darf von dir so individuell und kreativ genutzt werden, wie es am besten zu dir passt! Suche dir aus, welche Anregungen du aufnimmst, welche du auf die Seite legst, und achte dabei auf das, was Gott in deinem Herzen anstoßen möchte. Jesus hat ein Herz für dich und möchte dir nahe sein – 9
in jedem noch so alltäglichen oder außergewöhnlichen Moment. Wenn dich diese Botschaft zwischen den Zeilen erreicht, dann hat sich jede Sekunde des Schreibens für uns gelohnt! Viel Freude und Gottesbegegnung beim Lesen wünschen dir
Barbara
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&
Julia
Schubladen Ich liebe Ordnung. Am liebsten wäre es mir, unser Haus sähe jeden Tag sauber und ordentlich aus, es stünden möglichst wenig Spielsachen auf dem Boden und ich müsste nicht gefühlt mindestens hundert Mal am Tag den Besen schwingen. Als wir unser Haus planten, träumte ich von einem Tresen in der Küche, auf dessen Holzarbeitsplatte nichts mehr zu finden war als schöne Deko und ein paar Blumen. Ganze zehn Jahre später werde ich immer wieder (schelmisch) von meinem Schwager daran erinnert, dass dieser Zustand bis jetzt (noch) nicht eingetreten ist. Stattdessen türmen sich Blätterstapel (ich glaube, sie haben irgendetwas mit Rechnungen zu tun), gebastelte Unikate meiner Kinder und Krimskrams, bei dem ich schon lange aufgegeben habe, eine sinnvolle Zugehörigkeit zu irgendjemandem zu finden. Okay, ich gebe es zu: Wenn man durch unser Haus streift, dann sieht es auf den ersten Blick recht aufgeräumt aus. Eben so, wie es mit drei Kindern und einem Hund aussehen kann. Allerdings muss ich bekennen, dass ich nicht nur zum Züchten wichtiger Blätterstapel neige, sondern auch zum Verstecken von bedeutenden Kleinigkeiten in Schubladen. Oh ja, ich liebe Schubladen und Schranktüren! Das wissen aber nicht viele … Die Schubladen unseres Sideboards im Wohnzimmer sind besonders wichtig für mich. Dort leben – neben Aufklebern, GEOlino-Heften, Pixi-Büchern, winzig kleinen Lego- oder Playmobilaccessoires (keine Ahnung, wo die immer herkommen), Kleinigkeiten aus Holz, Radiergummis und äußerst 11
wichtigen Überraschungseier-Inhalten – auch kleine süße Staubmäuse. Immer, wenn mir ein Dingsbums dieser Kategorie in die Hände fällt, wird es früher oder später liebevoll in diese Schubladen gelegt. Dort herrscht schon lange eine ordentliche Unordnung. Ich liebe Schubladen, weil ich darin etwas verstecken kann, damit es für die Augen anderer unsichtbar ist. Und trotzdem nervt mich dieser Stauraum, weil in ihm das absolute Chaos herrscht. In meinen inneren Schubladen kann ich auch ganz gut Dinge verstecken. Dinge wie Hass, Trotz, Verletzungen, Missgunst, Lieblosigkeit, Überforderung, Angst, Scham, Mutlosigkeit, böse Worte und Gedanken und vieles mehr. Sie sind zwar für manche Augen nicht sichtbar, und doch sind sie da. Eben gut versteckt. Für Jesus besteht immer die Möglichkeit des Hineinschauens in meine inneren Schubladen. Er weiß um das Chaos in ihnen, er weiß um den Inhalt. Er weiß darum, dass immer wieder neue, kleinere oder größere Kleinigkeiten in ihnen ihren Platz finden werden. Er schaut jedoch nicht mit einem genervten, abschätzigen Blick hinein und denkt: Oh Mann, die schafft es ja wohl gar nicht, hier mal aufzuräumen! Nein, sein Blick ist liebevoll und gütig. Vielleicht schmunzelt er in bisschen und will mir sagen: „Komm, meine geliebte Tochter, ich helfe dir, Ordnung zu schaffen! In all der Unordnung schenke ich dir meinen Frieden! Halte dich an meine Worte und du wirst sehen, wie wir Stück für Stück deine Schubladen ausmisten. Das Gute bleibt und das Schlechte wird weichen. Vertraue mir!“ Ich bin dankbar, Jesus an meiner Seite zu haben. Er kennt mich durch und durch. Vor ihm brauche ich mich nicht zu schämen, wenn er einen Blick in meine inneren Schubladen wirft. 12
Für die Schubladen und Schranktüren unseres Sideboards habe ich noch keine Lösung gefunden. Vielleicht werden sie noch ein paar Jahre ihren Inhalt bewahren und an die trubeligen Kinderjahre in unserem Hause erinnern. Dieser Gedanke zaubert mir ein wehmütiges Lächeln ins Gesicht. Ach, die Kinder werden einfach viel zu schnell groß! Ich möchte alles, was ich tue, stets nach deinen Ordnungen aus richten. Psalm 119,5 Dir diene ich, deshalb sei mir gnädig und lehre mich, deine Ord nungen zu verstehen. Psalm 119,124 Erhalte mich, dann werde ich gerettet, und ich will deine Ordnun gen immer in meinem Herzen bewegen. Psalm 119,117
Zum Weiterdenken Was bereitet gerade Chaos in deinem Leben? An welchen unguten Strukturen oder Denkmustern hältst du fest? Gibt es etwas, das du loslassen solltest? Gibt es etwas, wofür dir die Kraft zum Auf- oder Ausräumen fehlt? Wo wünschst du dir Gottes liebevollen Blick auf die Dinge, die du lieber verstecken würdest? Egal, was du in deinen Schubladen verstaust, Jesus möchte dir beim Aufräumen helfen. Lade ihn doch mal dazu ein! Wenn du magst, sprich dieses Gebet einfach mit:
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Jesus, danke, dass du mich kennst! Du liebst mich ohne Bedingun gen. Danke, dass du dein Leben gegeben hast, damit ich immer zu dir kommen kann – egal, wie es in meinem Innersten aussieht. Bitte hilf mir und schenke mir Ordnung in meinen inneren Schub laden, sodass alles weichen muss, was mich von dir trennt. Fülle du den Stauraum auf mit Liebe, mit Güte, mit Mut und Freiheit. Danke, dass ich dich immer wieder einladen kann und es dir nie mals zu mühselig ist. Amen!
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Zuflucht 00:15 Uhr. Ich liege bäuchlings auf dem Bett, genauer gesagt auf der Bettkante, und beuge mich zu Chewie, unserem Hund, herunter. Draußen knallt, zischt, böllert und blitzt es. Selbst die Musik, die ich extra laut aufgedreht habe, kann die Geräusche des Feuerwerks nicht wirklich übertönen. Blöd, unser Silvester dieses Jahr. Zum ersten Mal stehen wir ganz ohne Verabredung da, weil unsere Pläne zu spontan waren oder geplatzt sind. Nur unser Sohn Jonathan ist mit Freunden verabredet. Mein Mann Dennis und unsere Mädchen haben kurzfristig entschieden, dass sie zum Feuerwerk an den Strand fahren. Und weil unser Hund in diesem Jahr zum ersten Mal panische Angst vor dem Lärm hat, bin ich zu Hause geblieben und versuche – ziemlich erfolglos –, ihn zu beruhigen. Prost Neujahr! Die Angst unseres Hundes legt sich auch in den nächsten Tagen nicht. Unsere Neujahrsspaziergänge gestalten sich deshalb mühsam: Der Hund hat Angst und will nicht raus, schon gar nicht in den Wald, wo ihm die Böller um die Ohren geflogen sind (na ja, nicht wirklich, aber so würde er es wahrscheinlich beschreiben). Ich stehe auf dem Gehweg und versuche, ihn zum Weitergehen zu motivieren. Sämtliche Register, die mir einfallen, ziehe ich: gutes Zureden, sanft an der Leine ziehen, stark an der Leine ziehen, liebevolles Locken, nicht so liebevolles Rufen, Schimpfen und mehrmalige Richtungswechsel. Chewie schaut mich groß und vorwurfsvoll an, die Vorderpfoten in den Boden gerammt, und bewegt sich keinen Millimeter. „Das kannst du vergessen“, scheint seine Körpersprache zu sagen. Hätte er längere Ohren und kürzeres Fell, würde ich ihn glatt für einen Esel halten. Wenigstens die Leute, die an uns 15
vorbeikommen, haben ihren Spaß: Ein Frauchen, das seinen Hund anbetteln muss, damit er mit ihr spazieren geht, sieht man nicht alle Tage! Irgendwie schaffen wir es dann doch, kommen erst durch den Wald, dann aufs Feld und schließlich an den Sandweg beim Fluss. Chewie ist jetzt etwas entspannter, klebt aber trotzdem an meinem Bein und weicht mir – ganz unüblich – nicht von der Seite. Besonders, wenn irgendwo ein lautes Geräusch zu hören ist, passt kein Blatt Papier mehr zwischen uns beide. Er sucht das Höchstmaß an Nähe und scheint mich mit seinem Blick pausenlos zu fragen: „Ist alles okay bei uns? Sind wir hier sicher? Passt du auf mich auf? Passt du auch wirklich auf mich auf???“ Sein Bedürfnis nach Nähe und Schutz rührt mich. Ein großer, starker Hund, der bei mir Zuflucht sucht. Ich denke an eine meiner Lieblingsautorinnen, Bianka Bleier. Sie sagt von sich selbst, sie habe ein „Hasenherz“. Ich mag dieses Wort. Es klingt niedlich und beschreibt trotzdem gut, wie es ist, wenn man nicht gerade vor Mut und Entschlusskraft strotzt. In der Hundebrust von Chewie schlägt gerade so ein Hasenherz. Und ich habe auch eines. Ich bin oft genug verzagt, ängstlich, zögerlich, weiß nicht, ob ich mich weiter vorwagen soll oder nicht, bleibe erst mal stehen und denke: Nö, das ist mir viel zu riskant! Chewie wird mir hier und jetzt zum Lehrmeister – so wie ich überhaupt schon eine Menge durch ihn gelernt habe, hauptsächlich über mich selbst. Er hat sich entschieden, auf die eine Karte zu setzen, die er hat, wenn es um seine Sicherheit geht: mich! Was sollte er auch sonst machen? So bedingungslos, wie er sich mir jetzt anvertraut, so bedingungslos möchte ich auf meine Sicherheit schauen, wenn ich mich in Bedrängnis fühle. Meine Sicherheit ist auch eine Person, und die heißt Jesus. Wenn es um mich herum knallt und blitzt, möchte ich mich schnell besinnen und zu ihm rennen. 16
Und am liebsten so nah bei ihm sein, dass kein Blatt Papier mehr zwischen uns passt. Je besser ich ihn kennenlerne, desto eher wird mich mein Instinkt zu ihm führen – egal, was um mich herum geschieht. Was sollte ich auch sonst machen? „Herr, zu wem sollten wir denn gehen?“, antwortete Simon Petrus. „Nur deine Worte schenken das ewige Leben.“ Johannes 6,68 (Hfa)
Zum Weiterdenken Die meisten von uns haben „zwei Seelen in ihrer Brust“: ein Hasen- und ein Löwenherz. An welche Situationen wirst du erinnert, in denen dein Herz ängstlich reagiert hat und die du am liebsten vermeiden würdest? Das können aktuelle oder vergangene Situationen sein. Zu wem flüchtest du dich in Schwierigkeiten? Was gibt dir Halt, wenn du an deine Grenzen stößt? Bedingungsloses Vertrauen wächst mit der Zeit. Hier ist Platz für deinen Vertrauensbaustein: Schreibe oder male auf, was du jetzt vertrauensvoll vor Gott bringen möchtest:
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