In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie Frauen und Männern gerecht werden, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, wo beide gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Nicht immer gelingt dies auf eine Weise, dass der Text gut lesbar und leicht verständlich bleibt. In diesen Fällen geben wir der Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes den Vorrang. Dies ist ausdrücklich keine Benachteiligung von Frauen oder Männern.
Impressum
© 1. Auflage 2014 buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart Printed in Germany. All rights reserved. buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart Buch ISBN 978-3-86687-102-1 E-Book ISBN 978-3-86687-115-1 Verlag Haus Altenberg GmbH, Düsseldorf ISBN 978-3-7761-0316-8 Lektorat: Gestaltung: Satz: Bildrechte Umschlag und Seite 3, 25, 49, 79, 143, 185: Bildrechte Autorenfotos: Druck und Gesamtherstellung: www.ejw-buch.de
buch+musik – Claudia Siebert, Kassel b3plus – Benjamin Funk und Alina Viereck, Alheim-Heinebach buch+musik – Claudia Siebert, Kassel envato, Galyna_Andrushko, PhotoDune envato, peus80, PhotoDune envato, joshua_resnick, PhotoDune Die Fotos wurden von den Autoren zur Verfügung gestellt. freiburger grafische betriebe, Freiburg
Vorwort und Einleitung Wenn sich Menschen zusammentun, die vom Evangelium und von Filmen begeistert sind, dann entsteht etwas Neues. Beides passt gut zusammen. Deshalb haben wir „Film+Verkündigung“ herausgebracht. Nicht als Buch, das man einmal durchliest und wieder in das Regal stellt, sondern als Praxisbuch für die Jugendarbeit, das immer wieder einen Impuls gibt, mit jungen Menschen tiefer in Themen einzusteigen. Filme können richtig eingesetzt zur Brücke zwischen Glaube und Themen junger Menschen werden. Dies zeigt sich in der Vielfalt der Methoden. Andachten, Predigten, Gottesdienste oder Entwürfe für die Arbeit mit Gruppen sind hier genauso zu finden wie eine theologische Grundlegung, Hinweise zur Filminterpretation oder rechtliche Hinweise. Damit man gut mit dem Buch arbeiten kann, gibt es zu Beginn jeder Einheit einen kurzen Überblick über passende Themen, Bibelstellen und benötigtes Material. Die FSK-Angaben machen deutlich, dass man die Filme bzw. angegebenen Filmsequenzen nur mit der geeigneten Altersgruppe anschauen sollte. Die Zeitangaben der Filmsequenzen beziehen sich auf die DVDs der Filme. Es kann allerdings je nach DVD-Programm zu Abweichungen kommen. Auch das beste Praxisbuch erspart einem nicht die eigene Arbeit. Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, dass man sich den Film bzw. die Filmsequenzen zur Vorbereitung selbst anschaut. In den meisten Einheiten wird nicht der ganze Film angeschaut, sondern es werden nur kurze Szenen gezeigt. Dies erfordert in der Regel, dass man die Filmhandlung weitererzählt oder Sinnzusammenhänge darstellt. Dies sollte bei der Vorbereitung und der Zeitplanung berücksichtigt werden. Auch wenn oft nur kleine Filmszenen gezeigt werden, ist darauf zu achten, dass Ton- und Bildqualität stimmen – wie bei einem kompletten Film. Wir freuen uns über alle, die Filme in der Jugendarbeit einsetzen. Man bewegt sich damit aber nicht in einem rechtsfreien Raum. Im Kapitel „Rechtliche Bedingungen für die öffentliche Vorführung von Filmen“ gehen wir deshalb auf die wichtigsten Punkte ein, die man beachten muss. Wir sind begeistert von dem, was unsere Autorinnen und Autoren zusammengetragen haben. Wir wünschen uns, dass ihr bewegende Erfahrungen macht in der Arbeit mit Jugendlichen. Denn Filme und das Evangelium bewegen in ihrer eigenen Art und Weise. Deshalb: Film ab!
Martin Burger
und
Vassili Konstantinidis
5
| Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis Filmverzeichnis Jesus goes to Hollywood – oder: Wie Gott auf die Leinwand kommt Filme in der Jugendarbeit
8 13 22
Andachten Titel Film Helden wie wir Batman Begins Mit dem Herzen sehen Blind Side – Die große Chance Das Abenteuer des Lebens Der Hobbit: Eine unerwartete Reise Eine Geschichte voll Hoffnung Die Kinder des Monsieur Mathieu (Le Choristes) Auf der Suche nach Heimat Rambo (First Blood) Mit Leidenschaft dabei Sherlock Holmes – Spiel im Schatten Die Sehnsucht nach mehr Slumdog Millionär Wer zuletzt lacht, lacht am besten Sonnenallee Lebensentscheidungen Vaya con dios
Seite 26 28 30 32 34 36 38 40 43
Gottesdienste Titel Film So sein wie Gott Bruce allmächtig Das Wertvolle der Identität Die Bourne Identität (1. Teil der Trilogie) Von der Ausgrenzung zur Umarmung Invictus Auf dem Weg mit Gott Luther Und er trägt doch! Patch Adams Am Anfang steht das Ende Skyfall – James Bond 007 Weck den Spider-Man in dir Spider-Man Beziehungswaise Walk the Line
Seite 50 53 56 59 64 67 71 74
Predigten Titel Film Ein Mensch des Friedens Avatar – Aufbruch nach Pandora Jeder hat einen Auftrag Blues Brothers Was ist das Leben Das Beste kommt zum Schluss In der Tiefe hoch leben Das Haus am Meer Was glücklich macht Das Streben nach Glück Du bist dran Der Plan Ware Mensch Die Tribute von Panem – The Hunger Games Alles unter Kontrolle Die Truman Show Für dich tausendmal Drachenläufer Das Ende der Welt Jesus liebt mich Gemeinsam unterwegs Little Miss Sunshine 6
Seite 80 86 88 92 96 103 108 111 116 119 123
Das Trotzdem des Glaubens Das Abenteuer wagen Unvollkommene Schauspielerei Runter vom Baum – rein ins Leben
Lola rennt Mavericks Rango Ziemlich beste Freunde
126 129 134 138
Arbeit mit Gruppen Titel Film Der gute Kampf des Glaubens Atemlos – Gefährliche Wahrheit Alles ist verbunden Cloud Atlas Rache oder Menschlichkeit Defiance – Unbeugsam Liebe ist nicht gleich Liebe Der Aufreißer (Kurzfilm) Fairplayer Jesus Der ganz große Traum Vertrauen wagen Erbsen auf halb 6 Lebensträume bauen Inception Autokino Matrix Neid Neid Mutig voran Rapunzel – Neu verföhnt Auf der Suche nach festem Halt The life of Pi: Schiffbruch mit Tiger Echte Freundschaft The Social Network
Seite 144 147 150 153 156 159 163 166 169 173 176 179
Filmperspektiven Film Ab durch die Hecke Der Teufel trägt Prada Die fetten Jahre sind vorbei Die vier Federn Die Welle Goodbye Bafana Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels Last Samurai Mitten ins Herz Schindlers Liste Sophie Scholl Star Trek Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith Waltz with Bashir
Seite 187 188 189 190 191 192 194 196 198 199 200 201 202 203
Tipps aus der Praxis Anleitung zur Filminterpretation Rechtliche Bedingungen für die öffentliche Vorführung von Filmen Links und Literatur
206 208 211
Dank der Herausgeber Platz für deine Notizen
215 216 7
24
Andachten Die folgenden Andachten beziehen sich in der Regel nicht auf den ganzen Film, sondern auf einzelne Filmsequenzen. Sie sind zeitlich so gestaltet, dass man sie z. B. im Rahmen eines Gruppenprogramms oder auf einer Freizeit einsetzen kann. Auch wenn die Filme in der Regel ab 6 oder 12 Jahren von der FSK freigegeben sind, empfehlen wir sie fĂźr die Arbeit mit Jugendlichen ab dem Konfirmandenalter.
25
| Andachten – Helden wie wir
Helden wie wir Filmtitel FSK Thema Passende Bibelstelle Größe der Gruppe
Batman Begins (2005) ab 12 Jahren das eigene Schicksal annehmen, Fähigkeiten, Lebenserfahrungen, Menschsein, Niederlagen Matthäus 26,36-46 keine Begrenzung
Material keines
Batman zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Helden aus dem Comicuniversum. Doch nicht nur seine Bekanntheit lässt Batman aus der Riege vieler anderer Superhelden herausstechen. Es ist noch eine andere Besonderheit, die ihn ausmacht: Batman besitzt keine Superkräfte. Er kann nicht fliegen wie Superman, besitzt keinen magischen Hammer wie Thor und hat auch keine übernatürlichen Kräfte wie der Hulk. Batman ist ein Mensch. Und so wird er insbesondere in Batman Begins als ein zutiefst menschlicher Held gezeichnet: Der kleine Junge, der schon früh eine katastrophale Familientragödie erleben muss, als seine Eltern durch einen Straßenräuber mit nervösem Finger am Abzug getötet werden. Der junge Mann, der von Versagens- und Verlustängsten geplagt wird und orientierungslos nach dem Sinn und einer Aufgabe im Leben sucht. Und schließlich der erwachsene Mann, der immer wieder durch das Böse gebrochen und von Menschen enttäuscht wird; der sich immer wieder seiner Angst und seiner Vergangenheit stellen muss; der nahestehende Menschen verliert und immer wieder zu Boden fällt. Erfahrungen, die uns vielleicht auch bekannt vorkommen: Angst, Verlust, Enttäuschung, Niederlagen. Wenn Batman aber so menschlich ist, was macht ihn zu einem Superhelden? Sein milliardenschweres Vermögen? Es finanziert zwar seine technischen Hilfsmittel, macht aber keinen Helden aus ihm. Seine Kraft? Die hat er gut trainiert, aber für einen richtigen Superhelden ist sie doch zu wenig. Seine Intelligenz? Die ist unbestreitbar vorhanden, seine Widersacher kann er allein damit aber nicht besiegen. Wenn wir danach fragen, was Batman zu einem Helden macht, müssen wir einen Blick in seine Geschichte werfen. Dort finden wir eine entscheidende Begebenheit: Filmsequenz „Begegnung mit den Fledermäusen“ (00:00:41 bis 00:01:38) zeigen. Brutalerweise verwandelt sich dieser „symbolische“ Fall kurze Zeit später in einen ganz realen Schicksalsschlag: Filmsequenz „Tod von Batmans Eltern“ (00:09:45 bis 00:14:01) zeigen.
26
Diese beiden Erfahrungen legen die Grundlage dafür, dass Batman zum Helden wird. Aber nur, weil sein Vater ihm einen entscheidenden Satz mit auf den Weg gibt: „Warum fallen wir? Damit wir lernen, uns wieder aufzurappeln!“ Dieser Satz hilft Batman mit jedem „Fall“ umzugehen. Daraus erwachsen die Entschlossenheit, sich für seine Heimatstadt Gotham einzusetzen, die Willensstärke, den Enttäuschungen zu trotzen, und die Fähigkeit, nach jedem Fall wieder aufzustehen. Diese Eigenschaften machen Batman letztlich zu dem Helden, der er ist. Eigenschaften, die ganz menschlich sind. Eigenschaften, die auch uns zur Verfügung stehen. Diese Eigenschaften hatte auch ein ganz anderer Mensch. Einer, der viele Jahre vor uns gelebt und ganz ähnliche Lebenserfahrungen gemacht hat. Auch Jesus kannte Angst, als er im Garten Gethsemane allein war und betete. Auch er wurde von seinen Jüngern enttäuscht, die so oft ganz anders handelten, als er es von ihnen erhoffte. Auch er wurde von Menschen verlassen, verspottet und schließlich sogar gekreuzigt. Aber er ist nach jedem Fall wieder aufgestanden – und am dritten Tag sogar auferstanden. Jesus war kein Superheld. Ihm haben keine besonderen Fähigkeiten geholfen, sein Leben zu meistern und keine Superkräfte haben ihn von den Toten auferweckt. Die Kraft, der Mut und die Liebe zu den Menschen kamen aus einer ganz anderen Quelle: aus seiner Verbindung zu Gott, seinem Vater. Weil er eins war mit ihm und weil er ihm ganz vertraute, konnte er den Weg gehen, den die Bibel nachzeichnet. Und wenn wir Jesus als Helden bezeichnen wollen, dann nur deshalb, weil er diesen Weg als Mensch gegangen ist. Und dazu will er uns auch heute einladen und ermutigen: Mensch zu sein. Unseren Weg zu gehen. Zu fallen, aber auch wieder aufzustehen. Er will uns die Kraft und den Mut dazu schenken. So werden auch wir zu Helden. Nicht zu Superhelden, aber zu Glaubens- und Lebenshelden.
Stefan Westhauser Leiter des Bereichs Weiterbildung und der operativen Arbeit des Instituts für Erlebnispädagogik der CVJM-Hochschule, Kassel
27
48
Gottesdienste In der Regel werden (Jugend-)Gottesdienste von einem Team vorbereitet. Die folgenden Einheiten kÜnnen als Grundlage der eigenen Vorbereitungen verwendet werden. Die Einheiten beinhalten teilweise konkrete Abläufe und teilweise einzelne Bausteine, die frei kombinierbar sind. Es handelt sich immer um Ideen, die Teilnehmenden durch Aktionen einzubeziehen und ins Nachdenken zu bringen. Die Predigtideen sind in der Regel nicht ausformuliert. Sie helfen stattdessen dabei, sich selbst Gedanken zu machen und eigene Worte zu finden. Je nach Entwurf sollte man 1 bis 1,5 Stunden fßr die Gottesdienste einplanen. Wir empfehlen diese Form von Gottesdiensten ab dem Konfirmandenalter.
49
Auf dem Weg mit Gott Filmtitel FSK Thema Passende Bibelstelle Größe der Gruppe
Luther (2003) ab 12 Jahren Christsein, Glaube, Kirche, Vertrauen, Zweifel keine keine Begrenzung
Material Stifte, Papier, Reißnägel o. Ä., Hintergrundmusik
Vorbereitung In diesem Gottesdienstentwurf geht es nicht um eine kritische Auseinandersetzung mit der inhaltlichen Konzeption des Films oder den historischen Fakten. Vielmehr soll der Film so wahrgenommen werden, wie er sich dem Zuschauerauge bietet. Drei inhaltliche Aspekte werden anhand unterschiedlicher Methoden (Interview, Thesen-Aktion, Szenen) vertieft. Martin Luther soll mit seinem Glauben, seinen Überzeugungen und seinen Zweifeln wahrgenommen und Bezüge zur eigenen Lebenssituation sollen hergestellt werden. Das Thema eignet sich dazu, den Gottesdienst mit einer Konfirmandengruppe oder Firmgruppe vorzubereiten (diese kann z. B. eigene Interviewfragen oder Alltagsszenen entwickeln). Es empfiehlt sich, dass der Film nach dem Gottesdienst ganz gezeigt wird. Einen wichtigen Teil des Gottesdienstes machen die „Hinführungen“ aus. Hier wird nicht Gesehenes kurz zusammengefasst und inhaltlich zu den verschiedenen Aktionen hingeführt. Die angegebenen Texte stellen eine Hilfestellung für die eigene Erarbeitung dar.
Ablauf des Gottesdienstes Begrüßung Lieder Ich werfe meine Fragen hinüber Wo ich auch stehe Zweifeln und Staunen Einführung in den Gottesdienst und in den Film
59
| Gottesdienste – Auf dem Weg mit Gott
Luthers Zweifel – Film und Interview Filmsequenz „Gewitter, Gespräch mit Staupiz“ (0:01:17 bis 0:07:40) zeigen. Ein dramatisches Erlebnis bringt Luther dazu, Gott ein Versprechen zu geben: „Wenn du mir hilfst, dann werde ich Mönch.“ Es ist kein einfacher Weg, den er einschlägt. Er ist sich unsicher. Er leidet, hat Zweifel, ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat. Er zweifelt an der Liebe Gottes. Er leidet unter der Vorstellung, dass Gott ein zorniger Gott ist. Er hasst sich selbst und er hasst Gott. Obwohl er weiß, dass es Gott gibt, ist da keine Hoffnung und keine Zuversicht. In unserem Leben gibt es viele erfreuliche Erfahrungen. Es gibt aber auch die dunklen Seiten – das Leid, den Schmerz, die Fragen, die wir stellen und auf die wir keine Antworten bekommen. Wir wollen drei Personen fragen, wie sie in ihrem Leben damit umgehen. Ob sie das, was Luther erlebt, aus eigener Erfahrung kennen. Interview mit drei Personen Die folgenden Fragen sind als Impuls gedacht. Am besten ist es, wenn eigene Fragen aus der Vorbereitung heraus entwickelt werden. Die Interviews sollten keine Spontaninterviews sein, sondern die Personen vorher gut informiert werden. • Luther hat unter der Vorstellung eines unbarmherzigen, zornigen Gottes gelitten – es waren dunkle Bilder. Wie beschreibt ihr für euch Gott? Welche Bilder fallen euch ein? Wer ist Gott für euch? • Luther zweifelt an Gott, er geht durch ein dunkles Tal. Kennt ihr solche Situationen aus eurem Leben? Wie bringt ihr euren Glauben an Gott mit all dem Leid zusammen, das in der Welt geschieht? • Der väterliche Freund von Luther spricht von der Barmherzigkeit und der Liebe Gottes, die man erfahren kann. Wo wird für euch die Liebe Gottes im Leben deutlich? Lied Aus der Tiefe rufe ich zu dir Deine Barmherzigkeit Wohin sonst
Luthers Protest – Film und Aktion Der Film wird weitererzählt: Überleitung zu Filmsequenz 2 Der Film nimmt uns weiter mit hinein in das Leben von Martin Luther. Ein eindringliches Erlebnis hat er bei einer Pilgerreise nach Rom. Hier bekommt er große Zweifel an den Praktiken der Kirche: Mönche, die sich mit Prostituierten einlassen; Händler, die in ihren Bauchläden Heilige für alle Lebenslagen anbieten; Ablassbriefe, die für Verstorbene verkauft werden. Die Kirche betreibt ein gutes Geschäft, das auf Angst beruht. Angst vor dem Teufel und Angst vor den Höllenqualen. Verstärkt wird dies alles durch das Auftreten des Ablasspredigers Tetzel. Er wurde beauftragt, so viel Geld wie möglich für den Bau des Petersdoms in Rom aufzutreiben. Er sorgt dafür, dass das Geld kräftig im Kasten klingelt, damit die Seele aus dem Fegefeuer springt. In Luther wächst die
60
Gewissheit, dass das Heil nicht in der Kirche zu finden ist, sondern allein in Jesus Christus. Dass nicht Angst vor Gott und Teufel im Vordergrund steht, sondern dass es darauf ankommt, auf Gottes Liebe zu vertrauen. Als Reaktion auf Tetzels Auftreten schlägt Luther einen Zettel gegen den Ablass an die Kirchentür. Es sind die sogenannten „95 Thesen“. Filmsequenz „Mutter und Ablassbrief, Gesicht Tetzel“ (0:36:42 bis 0:39:33) zeigen. Das Gesehene wird aufgenommen: Hinführung zur Aktion Luther hat erkannt, welche Missstände es in der Kirche gibt. Er will die Kirche nicht abschaffen, aber verändern. Er hängt seine Thesen an die Kirchentür. Das Hämmern durchdringt die Kirche wie ein Weckruf. Es fällt uns oft schwer, in Worte zu fassen, was wir verändern wollen. Oft ärgern wir uns über Dinge, wissen aber nicht, wie wir es anders machen sollen. Vielleicht geht es euch mit der Kirche auch so. Vielleicht gibt es dort Dinge, die euch nicht passen, die ihr anders machen würdet. Ihr habt jetzt die Möglichkeit, diese Dinge aufzuschreiben und eure eigenen „Thesen“ zu veröffentlichen. Was stört euch, was soll sich verändern in Bezug auf Kirche, Gottesdienst und alles, was dazugehört? Wenn ihr fertig seid, werden wir eure Thesen an die Kirchentür heften und vorlesen. (Alternativ: Nicht nur das Thema Kirche, sondern auch „Gesellschaft“ mit einbeziehen.) Aktion „Thesenanschlag“ Während der Schreibphase läuft im Hintergrund Instrumentalmusik. Die Zettel werden an die Türe geheftet und einige davon vorgelesen. Lied Anker in der Zeit Gott gab uns Atem
Standhalten in Gefahr – Film und Spielszenen Der Film wird weitererzählt. Überleitung zu Filmsequenz 3. Die Schriften Luthers verbreiten sich in Windeseile. Zunehmend wird er für die Kirche zum Stein des Anstoßes. Luthers Erfolg führt zu einer Gegenreaktion. Sein Leben wird bedroht, seine Schriften werden auf Befehl des Papstes verbrannt. Er soll gezwungen werden zu widerrufen, was er gegen die Kirche und den Papst gesagt und geschrieben hat. Dies soll er beim Reichstag in Worms tun. Hier sind der Kaiser und die Kurfürsten Deutschlands sowie Vertreter des Papstes versammelt. Bei seinem ersten Auftritt ist er zunächst noch unsicher, er bittet um einen Tag Bedenkzeit. Er weiß genau, was von seiner Antwort abhängt – Tod oder Leben. Filmsequenz „Reichstag in Worms – Gott helfe mir“ (1:08:15 – 1:16:08) zeigen. Das Gesehene wird aufgenommen: Hinführung zu den Szenen „Ich kann nicht und ich werde nicht widerrufen. Hier stehe ich und kann nicht anders. Gott helfe mir.“ Diese Sätze kommen Luther nicht einfach von den Lippen. Er hat darum gekämpft. Er ist sich
61
| Gottesdienste – Auf dem Weg mit Gott
aber gewiss, dass er das, was ihn bewegt und woran er glaubt, nicht widerrufen kann. Obwohl er weiß, dass dies schlimme Konsequenzen für ihn haben wird. Er betet: „Ich bin dein, erlöse mich.“ Er vertraut sich Gott an, er weiß, dass Gott ihn begleiten wird. Luther steht für das ein, wovon er überzeugt ist. Es ist faszinierend, dass er sich nicht umstimmen lässt. In unserem Alltag zeigt es sich, dass es nicht einfach ist, zu dem zu stehen, was wir glauben und wovon wir überzeugt sind. Wenn alle der gleichen Meinung sind, fällt es uns leicht. Aber wenn wir Gegenwind bekommen, wenn andere uns dafür auslachen, dann wird es schon schwieriger. Die folgenden Szenen zeigen auf, was es heißen kann, für seine Meinung einzustehen. Szenen Das Team spielt verschiedene Szenen vor. Die folgenden Szenen sind Beispiele, es können auch eigene und andere gespielt werden. Szene 1: Szene auf dem Schulhof. Ein Clique steht herum und lästert über einen „Outsider“ (Streber, Kleider, andere Ansichten). Eine Schülerin, ein Schüler setzt sich für ihn ein und lässt sich nicht unterkriegen. Szene 2: Zwei Freunde unterhalten sich ein paar Wochen nach einem Fußballspiel über eine Foulszene. Der eine trägt dem Gegenspieler das Foul noch nach und schimpft über ihn. Der Freund versucht ihn davon überzeugen, dass dies im Spiel geschehen ist, dass er es seinem Gegenspieler nicht immer nachtragen soll. Sein Freund beschimpft ihn deswegen. Szene 3: Zwei Jungs reden über Mädchen. Dem einen ist es wichtig, so schnell wie möglich die Mädchen abzuchecken und mit ihnen ins Bett zu gehen. Sein Freund hat andere Ansichten über Freundschaft und Partnerschaft und wird deshalb als „uncool“ abgestempelt. Szene 4: Eine Jugendliche kann nicht mit auf ein Konzert gehen, weil sie eine Jungschargruppe leitet. Sie lässt sich von ihren Freunden nicht überreden, obwohl es in deren Augen blöd ist, sich in der Kirche zu engagieren. Lied Befreit durch deine Gnade Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen
Abschluss und Impuls Der weitere Verlauf des Films wird kurz zusammengefasst. Der Film über Luther zeigt uns einen Menschen, der in seinem Leben viel bewirkt hat. Es war für Luther aber kein leichter Weg. Immer wieder wird er uns mit seinem Zweifel, seiner Angst, seiner Unsicherheit vor Augen geführt. Luther kämpft immer wieder – mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit Gott. Aus diesen Fragen und Zweifeln heraus wächst aber die Zuversicht und die Gewissheit, dass Gott ein barmherziger, ein liebender Gott ist, dem er sich wie ein Kind anvertrauen kann. Dies gibt ihm die Kraft, seinen Weg zu gehen, an seinem Glauben und seinen Überzeugungen festzuhalten.
62
Fragen, Angst, Zweifel, Liebe, Glaube und Zuversicht – all das gehört zu unserem Leben dazu. Die Gewissheit, dass alles in Gottes Hand liegt, hat Luther Kraft gegeben und macht auch uns heute Mut, eigene Schritte und Wege mit Gott zu gehen. Lied Anker in der Zeit Lege deine Sorgen nieder Fürbitte Die Fürbitten folgen der inneren Struktur des Gottesdienstes: • Bitten gegen Verunsicherung und Zweifel • Bitten für die Kirche • Bitten für Einstehen für Glauben und Überzeugungen Vaterunser Ansagen Segen Lied Geh unter der Gnade Sei behütet
Martin Burger Landesjugendreferent für Jugendpolitik und Freiwilligendienste im Ev. Jugendwerk in Württemberg, Stuttgart
63
Predigten Die Predigten sind so gestaltet, dass sie innerhalb eines Gottesdienstes eingesetzt werden können. Bei einigen werden nur kurze Filmsequenzen gezeigt, andere (z. B. „Das Streben nach Glück“) sind eine Mischung aus Szenen, Filmerzählung und Impulsen. Filmpredigten dauern meistens etwas länger, dies sollte man bei der Zeitplanung beachten. In der Regel sind die Texte ausformuliert. Wichtig ist aber trotzdem, dass jeder seine eigenen Worte findet. Wir empfehlen den Einsatz ab dem Konfirmandenalter.
79
| Predigten – In der Tiefe hoch leben
In der Tiefe hoch leben Filmtitel FSK Thema Passende Bibelstelle Größe der Gruppe
Das Haus am Meer (2001) ab 6 Jahren Angst, Hoffnung, Krise, Leben, Veränderung, Zukunft Jesaja 35,4-10 keine Begrenzung
Material keines
Filmsequenz 00:16:52 bis 00:21:37 zeigen.
Georg, ... ... ein Mann, der kein Ehemann mehr ist, weil seine Ehe zerbrochen ist. ... ein Mann, der kein Vater mehr ist, weil sein Sohn Sam nichts mehr von ihm wissen will. ... ein Mann, der keine Arbeitsstelle mehr hat, weil sein Chef ihn gefeuert hat. ... ein Mann, der erfahren hat, dass er sterben muss. ... ein Mann, der keine Zärtlichkeit mehr kennt, kein Gefühl der Gemeinschaft spürt, keine Gebor genheit erfährt, keine Anerkennung bekommt, keine Familie bzw. Heimat mehr besitzt. ... ein Mann, der momentan weder Freude noch Hoffnung empfindet.
Jael, ... ... eine Frau, die ihre Heimat verloren hat. ... eine Frau, die in der Verbannung in Babylonien lebt. ... eine Frau, die ihre Umgebung und Gewohnheiten von jetzt auf gleich verloren hat. ... eine Frau, die nicht mehr in der Nähe ihres Tempels wohnt. ... eine Frau, die nicht mehr den Berg Zion sehen kann. ... eine Frau, die an ihrem Glauben zweifelt. ... eine Frau, die sich die Frage stellt, ob die Götter der Babylonier größer sind als ihr Gott. ... eine Frau, die immer wieder hört „Gott hat uns bestraft, weil wir nicht nach seinen Gesetzen gelebt haben.“ ... eine Frau, die ihre Frömmigkeit verloren hat. ... eine Frau, die zur Zeit Jesaja lebt.
92
Jesaja, ... ... ein Prophet, der in der Zeit der Verbannung ermutigt und tröstet zugleich. ... ein Prophet, der Gottes Botschaft verkündigt: „Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen“ (Jes 35,4 Luther). ... ein Prophet, der ein wunderbares Gemälde der Zukunft aufzeichnet: „(...) Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein (...). Es wird kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen“ (Jes 35,5-9 Luther). ... ein Prophet, der die Hoffnung verkündigt: „Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen“ (Jes 35,10 Luther). Georg und Jael, zwei unterschiedliche Menschen in unterschiedliche Zeiten mit unterschiedlichen Umgebungen – und doch haben sie etwas gemeinsam: Sie stecken beide in einer Krise. In einer Krise, in der Gefühle wie Trauer, Angst, Einsamkeit und mangelnder Selbstwert dominieren. In einer Krise, in der die Hoffnung und die Freude winzig klein sind. In der das Lachen weniger vorkommt als das Weinen. In der bei einem Regenbogen eher der Regen als die Sonne sichtbar ist. Und ganz ehrlich: Können wir uns da nicht auch einreihen?
Thomas, ... ... ein junger Mann, der seinen besten Freund beneidet, weil der eine so wunderbare Familie besitzt. ... ein junger Mann, der Lotta und Erwin bewundert für ihr geschwisterliches Verhältnis. ... ein junger Mann, der auch Situationen kennt, wo eher der Selbstwertmangel als die Selbst wertstärke dominiert.
Wir alle stecken immer mal wieder in kleineren, mittleren oder größeren Krisen. Und alle Krisen haben etwas gemeinsam: das negative und traurige Gefühl. Ein Gefühl, in dem Verzweiflung, Traurigkeit und vielleicht Angst dominieren. Und in so einer Krise taucht nun Jesaja auf. Jesaja zeigt über die Gegenwart hinaus auf die Zukunft. Durch das wunderbare Hoffnungsgemälde schenkt er uns eine Richtung, um unseren Kopf wieder zu heben. Durch den Zuspruch, dass unser Gott in unsere Krise kommt und uns hilft, tröstet und ermutigt er uns. Krankheit, Hungersnot, Ungerechtigkeit, zwischenmenschliche Konflikte, Trauer, Angst, Einsamkeit werden nicht das letzte Wort haben. Gott hat das letzte Wort. Wir dürfen in dieser Hoffnung aufbrechen. Aufbrechen, um einerseits unsere momentane kleine, mittlere oder große Krise bzw. Situation zu ertragen, aber auch aufbrechen, um los zu laufen und etwas zu verändern. Was haben wir denn sonst für eine Wahl? Entweder wir resignieren, bleiben im System, laufen mit dem negativen Strom mit, verfallen vielleicht sogar in Selbstmitleid: „Man kann ja eh nichts
93
| Predigten – In der Tiefe hoch leben
ändern.“ Alles ist doof und blöd. Oder wir halten aggressiv dagegen, steigern uns so sehr in unsere Situation hinein, dass man „anti“ wird: anti Gemeinschaft, anti Etwas-dagegen-Tun, anti anderen Menschen gegenüber, die eigentlich nichts dafür können. Und oben drauf kommt die Einstellung der Einstellungen: „Jetzt bin ich erst recht dagegen.“ Tolle Alternativen sind das nun wirklich nicht.
Was macht eigentlich Georg? Filmsequenz 01:01:56 bis 01:04:10 zeigen. Würden wir in unseren letzten Tagen nicht unser Konto plündern und noch das erleben wollen, was wir schon immer erleben wollten? Georg dagegen baut ein Haus. Er könnte alte Baustellen bereinigen, einen schönen Urlaub machen, sich mit seiner Exfrau versöhnen und dann in Ruhe und zufrieden sterben. Nein, dieser Typ baut ein Haus. Er baut ein Haus, obwohl er weiß, dass er nie darin leben wird. Er hat eine genaue Vorstellung davon, wie dieses Haus in der Zukunft fertig aussehen wird. Sein Zukunftsbild und seine Vision haben sich so sehr in seinen Kopf gebrannt, dass er voller Motivation und Freude an diesem Haus baut. Georg wird für uns zu einem Vorbild. Er lebt aus der Zukunft heraus. Er lebt und handelt in seiner Krise motiviert. Sein Handeln ist so stark, dass er nicht nur mit seiner Krise besser umgehen kann, sondern auch den Zugang zu seiner Exfrau und seinem Sohn dadurch wiederfindet. Eine unglaubliche und bewegende Handlung.
Und was heißt das für Jael und uns? Jael hatte ebenfalls durch Jesaja ein Zukunftsbild im Kopf. Ein Hoffnungsgemälde, das von einem tröstenden Gott spricht. Von einer Zeit, in der Sachen passieren, die man sich gar nicht vorstellen kann. Blinde werden sehen, Taube werden hören, Lahme springen wie Hirsche, wo es trocken war, soll es Teiche geben und die Erlösten kommen wieder nach Zion, Freude und Wonne werden sie ergreifen. Ein Hoffnungsbild, das später nicht so erfüllt wurde – bzw. es erfüllte sich schon: die Israeliten sind zurückgekehrt, allerdings nur ein kleiner Teil von ihnen, da die Rückkehr in keiner Weise so triumphal, schön und glatt verlief wie vom Propheten vorhergesagt. Es war ein mühsames NachHause-Kommen und ein mühsamer Aufbau des zerstörten Jerusalem. Und trotzdem hat dieses Hoffnungsbild den Israeliten Kraft gegeben. Kraft für die Zeit in ihrer Tiefe und um aus ihr heraus zu kommen. Gott schenkt uns viele solcher Hoffnungsbilder in der Bibel und will uns immer wieder dadurch motivieren, die Hoffnung „hoch“ zu halten, an ihn zu glauben und sich an ihm festzuhalten, zu glauben, dass nach der Tiefe noch etwas anderes kommt, dass Gott selbst das letzte Wort ist. Aus der Zukunft heraus sollen wir leben. In unserem eigenen, ganz persönlichen Tief sollen wir hoch leben. Aus der Zukunft heraus sollen wir in unserer schwierigen Lage hoffnungsvoll leben.
94
Hoffnungsvoll und motiviert, sodass diese Kraft, die dadurch entsteht, dass du von der Zukunft her denkst und nicht von dem, was jetzt gerade ist, dich weiter tr채gt und dich auf Lebensfreudekurs bringt. Keine gespielte oder aufgesetzte Freude, sondern echte Lebensfreude. Traurigkeit soll auch ihren Platz bekommen, aber es geht um die Kraft, die in der Hoffnung liegt. Und diese kann dann sogar, wie bei Georg, auf andere Menschen 체berspringen. Deshalb ein Motto f체r dich: In der Tiefe hoch leben.
Vassili Konstantinidis Referent f체r Freiwilligendienste beim netzwerk-m e.V., Kassel
95
142
Arbeit mit Gruppen Ob Konfirmandenunterricht, Jugendgruppe oder Jugendfreizeit – dieses Kapitel zeigt die vielfältigen Möglichkeiten, Filme in Gruppen einzusetzen. Die Einheiten sind unterschiedlich gestaltet und bieten verschiedene Bausteine, die man je nach Situation, Zeitrahmen, Gruppengröße usw. einsetzen kann. Zum zeitlichen Ablauf sollte man etwa 1,5 Stunden einplanen. Es ist in den meisten Fällen empfehlenswert, den Film komplett anzuschauen; das kann je nach Film den Zeitbedarf erhöhen. Bei besonders langen Filmen ist es vielleicht möglich, den Film bei einem Treffen zu zeigen und beim nächsten Mal die Einheit anzuschließen. Wir empfehlen den Einsatz ab dem Konfirmandenalter.
143
Liebe ist nicht gleich Liebe Filmtitel FSK Thema Passende Bibelstellen Größe der Gruppe
Der Aufreißer (Kurzfilm, 2006) ab 0 Jahren Liebe, Sexualität Johannes 8,3-11; 2. Timotheus 2,22 keine Begrenzung
Material Stifte, große Papierblätter, Endlospapier, Sonnenbrille, Kinderkappe, vorbereitete Herzen, Hintergrundmusik
Einstieg: Assoziationen zum Thema Liebe Die Teilnehmenden sammeln noch vor dem Film Begriffe, die ihnen zum Thema Liebe einfallen. Hierdurch wird das Thema im Verständnis geweitet. Die Leitung kann zudem die Aspekte der Nächstenliebe, der persönlichen Liebe (z. B. in der Familie), der erotischen Liebe und auch der Liebe Gottes durch Begriffsvorschläge einbringen und so die Bedeutungsvielfalt erweitern.
Empathisches Gedankenlesen Der komplette Kurzfilm wird gezeigt. Nach gewissen Szenen wird der Film angehalten. Die Teilnehmenden haben dann die Aufgabe, in die Rolle von Olli oder Yvonne zu schlüpfen und aus deren Sicht Gedanken zu äußern. Leitung: „Du bist Olli bzw. Yvonne. Welche Gedanken gehen dir jetzt durch den Kopf?“ Anfangssatz der Teilnehmenden: „Ich bin Olli bzw. Yvonne und mir geht durch den Kopf ...“ Je nach Größe der Gruppe sind alle Teilnehmenden gleichzeitig Olli bzw. Yvonne oder es werden zwei Gruppen gebildet. Die Teilnehmenden können ihre Gedanken durcheinander äußern. Filmstopp bei 00:02:22 Olli ist nach eigenen Angaben nicht Lauras Freund, kommt aber aus ihrem Schlafzimmer. („Du bist Yvonne ...“) Filmstopp bei 00:03:01 Yvonne will Olli ihr aufgeräumtes Zimmer zeigen. („Du bist Olli ...“) Filmstopp bei 00:03:47 (Vorsicht! Kaum Sprechpause!) Olli will keine Kinder haben. („Du bist Yvonne ...“) Filmstopp bei 00:06:03 Olli will Yvonne bezahlen, dass sie die Schlüssel herausgibt. („Du bist Yvonne ...“)
153
| Arbeit mit Gruppen – Liebe ist nicht gleich Liebe
Filmstopp bei 00:09:35 Yvonne umarmt Olli, weil er verspricht zum Frühstück zu bleiben. („Du bist Olli ...“) Filmstopp bei 00:12:00 Olli findet Laura klasse „nicht nur sexuell, sondern auch spirituell.“ („Du bist Olli / Laura ...“)
Beobachtungsaufgaben für Kleingruppen Vor dem Film werden Beobachtungsaufgaben an zwei (drei) Gruppen verteilt. Im Anschluss an den Film kann in diesen Kleingruppen weitergearbeitet und ein Ergebnis zusammengefasst werden. Beobachtungsfragen für Gruppe „Olli“ bzw. für Gruppe „Yvonne“ • An was denkt Olli (Yvonne), wenn er (sie) an Liebe denkt? • Welche Lebensweise gehört für Olli (Yvonne) also automatisch dazu? • Welche Lebensform strebt Olli (Yvonne) an und warum? Welche Sehnsucht steckt dahinter? Die Ergebnisse werden jeweils in den Umriss einer Personen auf einem großen Papier eingetragen. Dies kann mit Schlagworten oder Symbolen erfolgen. Beobachtungsaufgabe einer weiteren Gruppe Manche Verhaltensweisen und Äußerungen von Olli wirken verletzend. Findet heraus, in welcher Situation was auf wen verletzend wirkt! (Die Ergebnisse in Umrissen von Blitzen festhalten, die dann mit den Personenumrissen der beiden anderen Gruppen kombiniert werden.) Die Gruppen stellen sich ihre Ergebnisse vor. Die gemalten Umrisszeichnungen können auch einer anderen Gruppe zunächst zur Ansicht und Deutung gegeben werden. Bei der gegenseitigen Vorstellung können die geäußerten Vermutungen aufgrund der Symbole dann mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppe abgeglichen werden.
Schreibgespräch Nach dem Film werden fünf große Papierblätter mit folgenden Fragen verteilt: • Was ist für Olli Liebe? • Was ist für Yvonne Liebe? • Was wirkt verletzend in dem Film? • Was wirkt liebevoll in dem Film? • Was lernt Olli und von wem? Die Teilnehmenden gehen frei herum. Sie schreiben schweigend ihre Meinung auf die Papiere und sollen sich dabei auch gegenseitig kommentieren. Die Leitung hakt mit „W-Fragen“ nach und vertieft die rein schriftliche Diskussion. Tipp: Grundfragen und weitere Fragen der Leitung sollten mit besonderer Signalfarbe aufgeschrieben werden (Fokussierung des Schreibgesprächs). Ruhige Hintergrundmusik hilft den Teilnehmenden, sich auf die Schriftform zu konzentrieren.
154
Ist das Gespräch in Gang gekommen, kann die Leitung auch persönlichere Fragestellungen hinzufügen (oder auf weiteren Blättern beginnen), sodass die Jugendlichen in diesem einigermaßen anonymisierten Rahmen ihre eigene Meinung aufschreiben: • Würdest du wie Laura reagieren? • Was würde dich verletzen, wenn du im weitesten Sinn an das Thema Liebe denkst? • Was ist dir bei der Beschäftigung mit dem Thema Liebe wichtig geworden? Worauf möchtest du in Zukunft achten?
Filmriss und Szenen weiterspielen Der Film führt die Beziehung von Olli, Laura und Yvonne wie in einem Märchen zu einem Happy End. Im Film ist das möglich, im normalen Leben nicht unbedingt! Frage an die Teilnehmenden: Findet ihr Lauras Reaktion auf Ollis „Büchlein“ normal? Der Film kann nun noch einmal teilweise gezeigt werden. Dann sollen sich die Jugendlichen ein anderes Ende überlegen und selbst vorspielen. Dabei kann die Vorgabe gemacht werden, dass es kein Happy End geben soll. Zur Identifikationshilfe sollte Olli z. B. eine coole Sonnenbrille und Yvonne z. B. eine Kinderkappe tragen.
Aspekte von Liebe – meine Bewertung Der Film zeigt zwei extreme Positionen, was man unter Liebe verstehen kann. In ein großes Herz werden alle Aspekte von Liebe eingetragen. Dies kann in Kleingruppen erfolgen – so würde man den gegenseitigen Austausch fördern. Es kann aber auch bewusst in Einzelarbeit erfolgen, um die persönliche Meinungsbildung zu fördern. Aufgabe: Der Film macht deutlich, dass Liebe nicht nur Sex ist. Schreibe oder stelle in Symbolform dar, was nach dem Film alles zur Liebe gehört. Welche weiteren Aspekte von Liebe kennst du noch, die außerdem noch zum Thema Liebe gehören (z. B. religiöse Aspekte von Liebe)? Diskutiert in der Kleingruppe bzw. überlege allein für dich, welche Wichtigkeit die festgehaltenen Punkte haben. Verteile Punkte von 10 bis 1 nach der Wichtigkeit und trage diese Punkte ins Plakat ein. Begründet eure / begründe deine Meinung.
Johannes Barth Pfarrer in der Ev. Kirchengemeinde Oberkaufungen, Kaufungen
155