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Rudis Erlebnisse lassen sich am besten in der Gute Nachricht Bibel, Copyright © 2006 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (Bibeltexte aus dem AT) und in der BasisBibel. Das Neue Testament, Copyright © 2010 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (Bibeltexte aus dem NT) nachlesen. In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie Frauen und Männern gerecht werden, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, wo beide gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Rudi ist da allerdings manchmal etwas großzügig und redet nicht immer ganz korrekt daher. Wir entschuldigen uns für unseren frechen Raben und bitten alle, sich angesprochen zu fühlen! Rudis Ausdrucksweise ist ausdrücklich keine Benachteiligung von Frauen oder Männern.

Eine Kooperation mit dem Jungscharleiter, der Zeitschrift mit Impulsen für die Arbeit mit Kindern

Impressum

© 1. Auflage 2014 buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart Printed in Germany. All rights reserved. ISBN Buch 978-3-86687-083-3 ISBN E-Book 978-3-86687-113-7 Lektorat: Gestaltung und Satz: Illustrationen: Bildrechte Autorenfoto: Druck und Gesamtherstellung: www.ejw-buch.de

buch+musik – Claudia Siebert, Kassel buch+musik – Fred Peper, Stuttgart Thees Carstens, Hamburg Michael Klingelhöfer, Eschenburg freiburger graphische betriebe, Freiburg


Vorwort Einmal Mäuschen, pardon, Rabe spielen ... Ich wünsche mir, ich hätte wenigstens bei einer der vielen biblischen Begebenheiten dabei sein dürfen: Einmal neben David stehen und Goliat besiegen. Mit Noah die Arche bauen und mit Daniel Träume deuten. Jesus predigen hören und dabei sein, wenn der Sturm gestillt wird. Dem Auferstandenen im Garten Gethsemane begegnen und die Osternachricht in Jerusalem verbreiten. Die Erlebnisse der ersten Christen teilen, lebendige Gemeinschaft erfahren. Mit Paulus durch Europa touren und miterleben, wie dort erste Gemeinden entstehen. Einmal live dabei sein, mitten im biblischen Geschehen oder wenigstens „Mäuschen spielen“: unauffällig beobachten, aber alles Spannende miterleben. Das wäre doch was! Nicht möglich? Stimmt, das mit dem Mäuschen klappt nicht. Dafür gibt es ja einen Raben. Er heißt Rudi, ist klein, frech und fliegt immer dahin, wo es aufregend wird. Und das Beste dabei ist, dass man den Eindruck hat, selbst bei seinen Ausflügen mit dabei zu sein. Was Rudi sieht, ist seinen Zuhörerinnen und Zuhörern in Bildern der eigenen Fantasie vor Augen. Plötzlich sitzt man mit auf dem Ast und wird Zeuge von Wundern, Heilungen und Gesprächen. Rudi erzählt die biblischen Geschichten aus seiner Vogelperspektive. Dabei redet er, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Mit seiner Art ist er Kindern ganz nah. Unverblümt und echt. Direkt und ehrlich. Wenn Rudi erzählt, gibt es keine Tabus. Er geht den Dingen des Lebens auf den Grund, nennt seine offenen Fragen, während er erzählt. Damit schafft er die Brücke von den spannenden Geschichten hin zur heutigen Alltagswelt der Kinder. Am Ende jeder Geschichte stellt Rudi selbst Fragen, die man mit den 4


Kindern weiter erörtern kann. So sind die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer herausgefordert, ihre eigenen Antworten zu suchen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Rudis Geschichten eignen sich hervorragend für den Einsatz in Kinder- oder Familiengottesdiensten, Jungscharen, Religionsstunden, bei Kinderaktionstagen und Kinderfreizeiten. In der Arbeitshilfe „Jungscharleiter“ ist Rudi auch zu finden mit immer wieder neuen Geschichten. Rudis Erfinder Frank E. W. Ortmann leitet ehrenamtlich eine wöchentliche Jungschargruppe und bringt seine praktischen Erzählerfahrungen in diesem Buch gebündelt aufs Papier. Damit entstand ein Erzählbuch, das seinesgleichen sucht. „Also Sachen gibt´s, die gibt´s gar nicht!“ ist einer von Rudis Lieblingssätzen. Einen wie Rudi gibt es sonst auch nicht mehr. Witzig, originell, schlagfertig nimmt er die Kinder mit hinein in die biblischen Geschichten. So, als wären sie live dabei. Wer da nicht an Rudis Schnabel klebt, muss taub sein ...

Antje Metzger Landesreferentin für die Arbeit mit Kindern im Ev. Jugendwerk in Württemberg und Schriftleiterin der Zeitschrift „Jungscharleiter“

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Inhaltsverzeichnis Einleitung .............................................................................................. 8

Geschichten aus dem Alten Testament Rudi und der Rausschmiss Rudi und der neidische Bruder Rudi und der komische Kapitän Rudi und das große Gedrängel Rudi und die Bauruine Rudi und der hinterlistige Bruder Rudi und die vielen Ausreden Rudi und der große Auftrag Rudi und das fragwürdige Versteck Rudi und die winzige Armee Rudi und die unglückliche Frau Rudi und der unerwartete König Rudi und der kleine Steinewerfer Rudi und die wichtige Aufgabe Rudi und das junge Mädchen Rudi und der gierige Typ Rudi und der junge König Rudi und die große Ungerechtigkeit Rudi und der Traum Rudi und der versengte Flügel Rudi und die hungrigen Löwen

1. Mose 3 1. Mose 4,1–16 1. Mose 6,1 – 9,17 1. Mose 6,9 – 8,22 1. Mose 11,1– 9 1. Mose 27; 32; 33 2. Mose 3,1 – 4,17 Josua 1 Josua 7 Richter 7,1–22 1. Samuel 1 1. Samuel 16,1–13 1. Samuel 17 1. Könige 17,1– 6; 1. Könige 18,10 2. Könige 5,1–14 2. Könige 5,8–27 2. Chronik 34 Nehemia 5 Daniel 2 Daniel 3 Daniel 6

14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 34 36 38 40 42 44 46 48 50 52 54

Geschichten aus dem Neuen Testament Themenreihe Weihnachten Rudi und der stumme Mann Rudi und die volle Stadt

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Lukas 1,5 –25.57– 64 Lukas 2,1– 7

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Rudi und die unglaubwürdigen Zeugen

Lukas 2,8 –21

60

Rudi und die zwei alten Leute

Lukas 2,22– 40

62

Rudi und die Sterndeuter

Matthäus 2,1–12

64

Rudi und der brave Träumer

Matthäus 2,13–23

66

Rudi und der ungerechte Typ

Matthäus 18,21–35

68

Rudi und der große Sturm

Markus 4,35 – 41

70

Rudi und die Wichtigtuer

Markus 9,33 –35

72

Rudi und der steinreiche Typ

Markus 10,17–27

74

Rudi und der große Irrtum

Lukas 7,36 –50

76

Rudi und die satten Leute

Lukas 9,10 –17

78

Rudi und das Gipfelerlebnis

Lukas 9,28 –36

80

Rudi und der dankbare Ausländer

Lukas 17,11–19

82

Rudi und der kleine Mann auf dem Baum

Lukas 19,1–10

84

Rudi und der Kranke am Teich

Johannes 5,1–18

86

Rudi und der erste Stein

Johannes 8,1–11

88

Rudi und der lebendige Tote

Johannes 11,1– 44

90

Themenreihe Ostern Rudi und die komische Party

Matthäus 26,20 –30;

Lukas 22,1–20

92

Rudi und die schlafenden Freunde

Matthäus 26,36 – 46

94

Rudi und der miese Verrat

Matthäus 26,47–56

96

Rudi und das vorlaute Versprechen

Markus 14,27–31.66 –72;

Johannes 21,15–19

98

Rudi und der Typ auf dem fetten Stein

Matthäus 28,1–15

100

Rudi und die traurigen Wanderer

Lukas 24,13 –35

102

Rudi und die begabten Erzähler

Apg 1,6–11

104

Rudi und das sonderbare Geplapper

Apg 2,1– 41

106

Rudi und die Betrüger

Apg 5,1–11

108

Rudi und der neugierige Fremde

Apg 8,26 – 40

110

Rudi und die Einladung

Apg 10

112

Rudi und der ungewöhnliche Gesang

Apg 16,16 –34

114

Rudi und die Schlafmütze

Apg 20,6 –12

117

Themenverzeichnis ............................................................................ 120 Der Autor .......................................................................................... 127

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Enttäuschung, Schöpfung, Schuld

Rudi und der Rausschmiss 1. Mose 3 Also Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Da leben der Mann und die Frau im Paradies auf Erden und nur weil sie nicht auf Gott hören wollen, müssen sie gleich wieder ausziehen. Aber am besten erzähle ich die ganze Geschichte von Anfang an: Ich saß auf meinem Lieblingsbaum mitten in einem herrlichen Garten. Die schönsten und leckersten Früchte gab es da. Das ganze Jahr. Und weil es genug zu essen gab, brauchte man auch nicht zu arbeiten. Das war wie im Urlaub! Die ganze Zeit. Klasse, was? Aber der Oberhammer kommt noch: Auch Gott lebte in dem Garten und kümmerte sich um die Menschen dort, ein Mann und eine Frau – Adam und Eva. Und noch etwas war total außergewöhnlich: Es gab dort keinen Stress, keinen Streit, keine Gemeinheiten, keine Lügen, keinen Ärger. Du weißt schon, was ich meine. Alle verstanden sich prima. Bis zu dem Tag, an dem diese blöde Schlange anfing, doofe Fragen zu stellen. Die Schlange ging zu Eva und fragte sie, ob es wahr sei, dass man alle Früchte in diesem Garten essen könne. Natürlich, sagte Eva, außer von dem Baum in der Mitte des Gartens. Da solle man besser die Finger von lassen, denn sonst würde man sterben. Quatsch mit Soße, sagte da die Schlange, da stirbt man nicht, da wird man genauso schlau wie Gott und weiß dann sogar, was gut und böse ist. Eva wurde echt neugierig. Ich dachte noch, dass die hoffentlich ihre Hände von dem Baum lässt! Aber da war es schon zu spät. Ehe ich einen Piep machen konnte, hatte sie sich eine Frucht stibitzt und in den Mund geschoben. Dann gab sie auch noch ihrem Mann von der Frucht ab. Der ließ sie sich auch schmecken. 14


Oh je, dachte ich da, ob die wissen, was sie da machen!? Aber im nächsten Moment war ihnen das schon klar. Die beiden sahen sich total erschrocken an. Sie kapierten, dass sie einen riesen Bockmist gebaut hatten. Die wussten ja jetzt, was böse war, nämlich nicht auf Gott zu hören. Der hatte ihnen doch gesagt, dass man die Früchte von dem Baum nicht essen sollte! Die zwei schämten sich total und versuchten, sich vor Gott zu verstecken. Und das Schlimmste: sie hatten auf einmal Angst vor Gott. Das Versteckspiel dauerte natürlich nicht lange. Gott wusste auch sofort, was sie für einen Mist verzapft hatten. Aber anstatt den Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen, schob einer die Schuld auf den anderen. Adam beschuldigte Eva und Eva die Schlange. Gott war echt sauer. Sein toller Plan, den er mit den Menschen gehabt hatte, war auf einmal zerstört. Gott hatte sich eigentlich vorgestellt, mit den Menschen zusammen im Paradies zu leben. Aber das ging jetzt nicht mehr. Adam und Eva mussten den herrlichen Garten verlassen. Sie mussten ab jetzt mit viel Mühe und Sorgen zusehen, wo sie etwas zu essen herbekamen. Aber das Schlimmste: Die Menschen waren nun getrennt von Gott. Schrecklich! Und auch die Schlange bekam ihr Fett weg: Sie musste ab sofort auf dem Boden herumkriechen. Nicht schön. Aber selbst schuld. Doch das war erst der Anfang von vielen kleinen und großen Streitereien, die es ab jetzt immer geben wird. Und jeder Streit, jede Lüge und jede Gemeinheit bringen den Menschen seitdem weiter weg von Gott.

Rudis Fragen • Mir begegnen im Alltag ganz schön viele Streitereien, Lügen und Gemeinheiten. Dir auch? Welche kennst du? • Machst du so was manchmal auch? Mir passiert es immer wieder, geht ganz schön schnell ... Was kann man dagegen machen? • Gibt es eigentlich jemanden, der wieder in Ordnung bringen kann, was die Menschen da verbockt haben?

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Enttäuschung, Schuld, Werte

Rudi und der neidische Bruder 1. Mose 4,1–16 Also Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Erst ist einer auf seinen eigenen Bruder so zornig, dass er ihn einfach umhaut. Und dann tut der Schlägertyp noch so, als ob er von nix wüsste. Das ist echt der Hammer. Aber am besten erzähle ich die ganze Geschichte von Anfang an: Die Sache passierte, nachdem wir alle von Gott aus dem wunderschönen Garten geschmissen worden waren, weil Adam und Eva einen riesen Bockmist gebaut hatten. (Die Story erzähle ich auf Seite 14.) Seitdem lebten die zwei mitsamt den Tieren mitten in der Pampa. Und sie mussten echt hart schuften, um etwas zu essen zu bekommen! Irgendwann wurde Eva schwanger. Und kurze Zeit später bekam sie einen Sohn, den sie Kain nannte. Doch das war noch nicht alles. Sie wurde wieder schwanger und bekam noch einen Sohn. Der hieß Abel. Die beiden Brüder wurden groß und echt stark. Kain war als Landwirt die meiste Zeit damit beschäftigt, die Erde umzugraben und leckere Sachen zu pflanzen, die man dann futtern konnte. Abel war da ganz anders. Der hatte als Hirte den ganzen lieben langen Tag nur seine Schafe im Kopf. Die züchtete er und hegte und pflegte sie, das kann ich dir sagen. Irgendwann kam Kain auf die Idee, Gott einige seiner besten Früchte zu schenken. Er wollte Gott zuliebe auf die besten verzichten, die er hatte. Und du stellst es dir nicht vor – Abel machte genau dasselbe, er schlachtete für Gott sein bestes Schaf. Toll, habe ich mir da gedacht, dass die beiden Gott in ihrem Leben nicht vergessen hatten. Doch irgendetwas stimmte nicht mit Kain. Der guckte auf einmal ganz sonderbar aus der Wäsche. Vor allem, wenn er 16


seinen Bruder sah. Dann schaute er ganz finster auf den Boden und biss die Zähne zusammen, als ob er stocksauer auf den wäre. Anscheinend hatte Kain das Gefühl, dass Gott Abel lieber hatte als ihn. Der Kain war voll neidisch auf seinen Bruder und hatte deshalb nix Gutes im Sinn. Und so passierte etwas echt Krasses: Kain sagte zu Abel, er wolle ihm mal seine Felder zeigen. Ich bin neugierig mitgeflogen. Und wie sie so auf dem Feld standen, da holte Kain aus und haute den armen Abel volles Programm um. Abel fiel hin und war sofort tot. Natürlich hatte Gott das mitbekommen. Und bei nächster Gelegenheit fragte er Kain, wo sein Bruder sei. Ob er auf den jetzt auch noch aufpassen solle, der sei schließlich alt genug, kam die schnippische Antwort von Kain. Doch Gott wusste genau, was Sache war. Er war ganz schön enttäuscht von Kain. Als Strafe musste sich der vom Acker machen. Er durfte nicht mehr die tollen Felder bearbeiten. Als Landwirt würde er in Zukunft keinen Erfolg mehr haben. Und ein richtiges Zuhause würde er auch nie wieder haben. Da bekam Kain es doch mit der Angst zu tun und jammerte rum. Er gestand Gott, dass er echt Panik habe, wenn er nicht mehr in der Nähe von Gott sei und sich noch nicht einmal selbst versorgen könne. Vielleicht würde er dann von irgendjemanden erschlagen. Doch Gott versicherte ihm, das würde nicht passieren. Er gab Kain ein Erkennungszeichen: Jeder, der Kain sah, wusste genau, dass er unter Gottes Schutz stand.

Rudis Fragen • Ist ja Wahnsinn, was passieren kann, wenn einer auf den anderen neidisch ist. Bist du auch schon mal auf jemanden neidisch gewesen? Was macht man dann am besten? • Kain hatte auf einmal echt Angst, so ganz ohne Gott. Bestimmt ist das immer so, wenn man sich von Gott entfernt. Aber wenn man weiß, dass Gott da ist, geht es einem echt gut, stimmt’s? • Ich finde es echt stark, dass Gott Kain trotz allem noch beschützt!

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Auftrag, Schuld, Versprechen

Rudi und der komische Kapitän 1. Mose 6,1 – 9,17 Also Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Dass einer mitten in der Pampa, wo es noch nicht einmal einen Fluss oder See gibt, Schiff fahren will, ist schon ziemlich merkwürdig. Und dass der Typ keinen blassen Schimmer von der Seefahrerei hat, macht es nicht besser. Aber am besten erzähle ich die ganze Geschichte von Anfang an: Ich wachte eines Morgens von lautem Lärm auf. Da machte sich doch tatsächlich ein Typ mit ein paar Männern daran, jede Menge Bäume zu fällen. Da musste ich mal nachsehen, was die vorhatten. Und du glaubst es nicht: Die waren dabei, ein riesiges Schiff zu bauen! Mitten auf dem Land. Der nächste Fluss war meilenweit weg. Das Boot würden die nie ins Wasser bekommen, habe ich mir da gedacht. Und noch etwas war äußerst merkwürdig: das Schiff hatte keine Segel und kein Ruder. Auch keine Fenster. Der einzige Ausguck war ganz oben im Dach. Und wenn man da rausschaute, sah man nur den Himmel. An der Seite war eine Luke, durch die man ins Schiff kam. Hatte denn der Typ, Noah hieß er übrigens, überhaupt keine Ahnung vom Schiffsbau? Das war bestimmt das erste Schiff, das der baute, kam mir in den Sinn. Alle Leute, die in der Nähe wohnten, lachten sich schon einen Ast über Noah. Aber der machte unbeirrt weiter. Bald war das Schiff fertig. Und da passierte etwas total Sonderbares. Von überall her kamen die unterschiedlichsten Tiere und gingen schnurstracks in das Schiff. Da musste doch was im Busch sein! Ich machte mich auch gleich auf die Socken. Vielleicht gab es ja was umsonst? In dem Schiff herrschte ein mächtiges Gedrän18


gel. Noah war mit seiner ganzen Familie auch schon drin. Und jetzt kam der Kracher: Auf einmal wurde die Luke des Schiffs von außen verschlossen. Na klasse, dachte ich mir da, irgendjemand hat uns jetzt ganz schön drangekriegt. Aber nix da, kaum war das Schiff zu, fing es draußen an zu regnen wie aus Kübeln. Es hörte überhaupt nicht mehr auf! Mehrere Wochen hörte man, wie es draußen nur noch am Regnen war. Da war ich doch froh, dass ich im Schiff schön im Trockenen saß. Und weil es so viel geregnet hatte und anscheinend draußen überall Wasser war, fing das Schiff tatsächlich an zu schaukeln. Es schwamm! Jetzt wäre ein Ausguck nicht schlecht gewesen und ein Ruder, damit man auch wusste, wo es hinging und nicht irgendwo dagegen fuhr. Aber Noah, unser Kapitän quasi, kümmerte sich gar nicht um den Kurs des Schiffes. Konnte er ja auch gar nicht ohne Sicht nach draußen und ohne Ruder. Er kümmerte sich um die Tiere und das war auch schon alles. Und du wirst es nicht glauben, aber Noah hatte sogar genug für jeden zu futtern dabei. Einige Monate waren wir in dem Schiff eingesperrt (mehr davon, wie das war, erzähle ich auf Seite 20). Irgendwann hörte es dann doch wieder auf zu regnen. Und noch einige Zeit später gab es einen mächtigen Rums. Das Schiff war doch glatt irgendwo gegengefahren. Das war mir von Anfang an klar gewesen, das so etwas passieren musste! Als Noah dann das Dach vom Schiff abbaute und wenig später auch die Luke aufbrach, da war vom Wasser nix mehr zu sehen. Das Schiff stand wieder mitten in der Pampa, nur ganz woanders als beim Start. Und noch etwas fiel mir auf: auf einmal war da am Himmel ein megascharfer Regenbogen. So einen hatte ich noch nie gesehen.

Rudis Fragen • Wo kam der Regenbogen auf einmal her? • Warum hatte der Kapitän sich eigentlich die ganze Zeit keine Sorgen gemacht und war die Ruhe selbst? • Und wer hatte überhaupt die Passagierliste zusammengestellt?

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Gemeinschaft, Hilfe, Vertrauen

Rudi und das große Gedrängel 1. Mose 6,9 – 8,22 Also Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht! Es ist ganz schön spannend, wenn ganz viele unterschiedliche Lebewesen ganz dicht nebeneinander auf einem Haufen zusammenleben. Dass diese Tour alle überlebt haben, ist mir noch immer ein Rätsel. Aber am besten erzähle ich die ganze Geschichte von Anfang an: Ich wachte eines Morgens von lautem Gehacke und Gesäge auf. Kurze Zeit später wusste ich auch schon, was da los war. Da waren doch tatsächlich einige Männer dabei, ein riesiges Schiff zu bauen! Aber nicht nur das, nee: Als es fertig war, strömten von überall Tiere in das Schiff. Ich natürlich hinterher. Wollte doch wissen, was da los war! Aber als ich im Schiff war, ging auf einmal die Luke zu und keiner, der drin war, kam mehr raus. Alle Tiere, die Männer mit ihren Frauen und auch ich waren im Schiff gefangen. Dummerweise gab es auch keine Fenster. Nur oben im Dach eine Luke. Doch wenn die auf war, konnte man nur den Himmel sehen. Tolle Wurst, habe ich mir da gedacht. Zu allem Übel fing es auch noch an zu regnen. Und das 40 Tage lang. Nicht einmal nachts hörte das auf. Da war ich aber doch froh, dass ich in dem Schiff war, das kann ich dir sagen. Irgendwann fing das Schiff an, leicht zu schaukeln und da war mir klar, dass wir tatsächlich schwammen. (Weitere Details erzähle ich auf Seite 18.) Aber was richtig blöd war: so viele unterschiedliche Tiere waren dicht zusammen eingesperrt. Ob das gut gehen würde, habe ich mich gefragt. Da waren Tiere zusammen, die sich überhaupt nicht gut leiden konnten. In einer Ecke hockten Schafe und Ziegen, Kühe und Schweine zusammen. Das ging ja noch. Aber weiter hinten saßen Löwen, Tiger und andere Raubtiere. Denen lief das Wasser sicher schon im Maul 20


zusammen ... Schräg über mir saßen die Geier und Adler. Mir war total flau im Magen, das kann ich dir sagen. Da habe ich mal lieber einen ganz flachen Ball gespielt und meinen Schnabel gehalten. Blöd war auch der Holzwurm, den man im Holz nagen hörte. Na klasse – der würde bald noch für ein paar Löcher im Boot sorgen, sodass wir absaufen! Und wenn nicht der das Boot zum Kentern bringen würde, dann bestimmt der Specht, der die ganze Zeit versuchte, den Holzwurm aus dem Holz zu hacken. Außerdem machte ich mir Sorgen, ob auch genug zu futtern an Bord war. Denn erstens bin ich ziemlich mies drauf, wenn ich Hunger habe, und zweites waren da ja noch meine Nachbarn, die sonst bestimmt mich futtern wollten. Doch tatsächlich hatte jeder jeden Tag genug zu futtern. Und du wirst es nicht glauben: Alle haben die Reise unbeschadet überlebt! Keinem ist etwas passiert. Ewige Zeit später setzte das Schiff irgendwo auf und noch ein wenig später konnten alle das Schiff gesund und munter verlassen.

Rudis Fragen • Wer hat wohl auf das Schiff und seine Passagiere die ganze Zeit aufgepasst? • Es ist nicht einfach, wenn unterschiedliche Typen auf engem Raum zusammenleben. Aber es klappt, wenn man sich respektiert. Lebst du mit deiner Familie auf engem Raum? Klappt das? • Was gehört dazu, wenn man Respekt füreinander hat?

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