Gnade, die Kraft des Evangeliums Nicht, was du tust, zählt, sondern was Jesus getan hat.
von Andrew Wommack
Falls nicht anders vermerkt, sind alle Bibelzitate folgender Ausgabe entnommen: Die Bibel. Elberfelder Übersetzung © 1985/1991/2006, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal Einige Wörter in Bibelzitaten wurden vom Autor durch Kursivschreibung hervorgehoben.
Gnade, die Kraft des Evangeliums Nicht, was du tust, zählt, sondern was Jesus getan hat.
Erstveröffentlichung dieser Ausgabe für Andrew Wommack Ministries – Europe ISBN 978-1-906241-27-8 Copyright © 2008 Andrew Wommack Ministries – Europe P. O. Box 4392, Walsall, WS1 9AR, England Herausgegeben von Andrew Wommack Ministries – Europe
Titel der englischen Originalausgabe: Grace, the Power of the Gospel It’s not what you do, but what Jesus did.
Gedruckt in Ungarn. Alle Rechte vorbehalten nach dem Gesetz für Internationales Copyright. Inhalte und/oder Umschlag dürfen weder im Ganzen noch auszugsweise ohne ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Herausgebers in irgendeiner Form reproduziert werden.
Inhaltsverzeichnis Einleitung ......................................................................................5 Kapitel 1 – Gute Nachricht............................................................7 Kapitel 2 – Ohne Entschuldigung ...............................................18 Kapitel 3 – Der Zweck des Gesetzes............................................28 Kapitel 4 – Glaube erschließt Gnade ...........................................40 Kapitel 5 – Gottes Geschenk .......................................................51 Kapitel 6 – Warum heilig leben? ..................................................66 Kapitel 7 – Der Sünde gestorben .................................................77 Kapitel 8 – Erneuere dein Denken...............................................89 Kapitel 9 – Wessen Diener bist du? ........................................... 102 Kapitel 10 – Verlangen nach Reinheit........................................ 111 Kapitel 11 – Du bist, was du denkst ........................................... 120 Kapitel 12 – Dein neuer Ehemann ............................................ 134 Kapitel 13 – Der Zuchtmeister .................................................. 144 Kapitel 14 – Im und nach dem Geist ......................................... 153 Kapitel 15 – Die Gerechtigkeit Gottes ...................................... 160 Kapitel 16 – Gnade und Werke kann man nicht vermischen ..... 171 Kapitel 17 – Im Herzen glauben – mit dem Mund bekennen ... 183 Jesus als deinen Retter annehmen .............................................. 195 Den Heiligen Geist empfangen ................................................. 196 Anmerkungen ............................................................................ 198 Über den Autor .......................................................................... 199
Einleitung Der Römerbrief ist das Meisterwerk des Apostels Paulus. Durchsetzt mit Beispielen aus dem Alten Testament, ist er eine ausführliche gelehrte Abhandlung zum Thema Gnade. Wenn wir seine Botschaft wirklich verstehen und empfangen, werden wir zu der völligen Überzeugung gelangen, dass wir aus Gnade und nicht durch unsere Werke in einen richtigen Stand mit – eine richtige Stellung zu – Gott kommen. Der Römerbrief hat die Welt buchstäblich verändert. Im sechzehnten Jahrhundert geriet der Mönch Martin Luther wegen der Unzahl religiöser Gebote, die er zu befolgen hatte, in totale Frustration. Als er schließlich an der Frage verzweifelte, ob er seine Errettung denn überhaupt jemals verdienen könnte, sprach der Herr durch folgenden Vers aus dem Römerbrief zu ihm: Denn wir urteilen, dass <der> Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke*. Römer 3,28; *Fußnote „Elberfelder Bibel“: w. getrennt von Gesetzeswerken, o. ohne Mitwirkung von Gesetzeswerken
Dieser Funke Offenbarung veränderte nicht nur das Leben Luthers, sondern entzündete auch die Bewegung, die wir heute als Reformation bezeichnen. Ihr Einfluss auf Einzelpersonen und Regierungen veränderte buchstäblich die Welt – und tut es auch heute noch.
5
Jeder Erweckung lag eine Offenbarung über die Gnade Gottes zugrunde. Mach dich bereit, Und jedem geistlichen Aufbruch war ein geschärftes Bewusstsein für die Bedie Tiefen von dürftigkeit des Menschen zu eigen, seine Gottes Gnade Unabhängigkeit aufzugeben und seine Abhängigkeit von Gott anzuerkennen. auszuloten! Deshalb muss auch heute der Wunsch nach Erweckung bei einem jeden mit dem Eingeständnis der völligen Unfähigkeit beginnen, eine richtige Beziehung zu Gott durch menschliches Bemühen und gute Werke herstellen zu können – sowohl in Bezug auf die Wiedergeburt als auch auf die tagtägliche Aufrechterhaltung unserer Beziehung zu Gott. Da sich der Römerbrief offen mit der selbstbewussten, eigenverantwortlichen Haltung des Menschen auseinandersetzt, die nach wie vor die Welt erfüllt, ist er auch für uns heute noch genauso aktuell wie zur Zeit seiner Entstehung. Der hier vorliegende kurze Abriss des Römerbriefes macht die fundamentalen Wahrheiten des Evangeliums unserem Verständnis leicht zugänglich. Mach dich bereit, die Tiefen von Gottes Gnade auszuloten!
6
Kapitel 1
Gute Nachricht Paulus schrieb den Römerbrief an die Christen in Rom. Diese römischen Gläubigen waren größtenteils Heiden gewesen, die das Evangelium angenommen, die Wiedergeburt empfangen und sich der Nachfolge des Herrn verschrieben hatten. Doch jüdische Gläubige, die versuchten, das alttestamentliche Gesetz mit dem Christentum zu vermischen, machten ihnen das Leben schwer. In den Anfangstagen der Gemeinde glaubten viele wiedergeborene Juden tatsächlich, dass das Christentum nur eine Erweiterung des Judentums sei. Deshalb betrachteten sie die Einhaltung aller elementaren Grundsätze des jüdischen Glaubens – insbesondere das alttestamentliche Gesetz, die Ernährungsvorschriften, den Brauch der Beschneidung und viele andere jüdische religiöse Gebote – auch als Grundlage ihres neuen Glaubens an Christus und versuchten, den Alten und den Neuen Bund miteinander zu vermischen. Paulus – der Apostel der Gnade für die Heiden – erklärte kühn, dass die Beschneidung und die Beachtung all der anderen jüdischen Sitten und Gesetze zur Errettung nicht erforderlich 7
Kapitel 1
seien. Sein beständiger Kampf mit gesetzlichen Juden (Judaisten genannt) wird in der Apostelgeschichte genau dokumentiert. Obwohl Paulus den Brief an die Galater mit derselben Absicht schrieb wie den Römerbrief, enthält der Galaterbrief einige starke und scharfe Zurechtweisungen gegen Gesetzlichkeit. Der Brief beginnt mit der Aussage: Falls jemand irgendein anderes Evangelium predigt als das, was ich gepredigt habe, dann soll er verflucht sein! (Gal 1,8; freie Wiedergabe vom Autor). Um seiner Aussage besonderen Nachdruck zu verleihen, wird sie in Vers 9 gleich noch einmal wiederholt. Paulus bezeichnet die Galater darüber hinaus als „unverständig“ und „bezaubert“ (Gal 3,1), weil sie gesetzlichen Lügen glaubten, und erklärte ihnen, dass sie aus der Gnade gefallen seien, wenn sie sich im Hinblick auf ihre Errettung auf solche Dinge wie die Beschneidung verließen (Gal 5,3). Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt, ihr seid aus der Gnade gefallen. Galater 5,4
Jeder, der die Botschaft des Römerbriefes wirklich versteht und annimmt, wird eine nachhaltige Veränderung in seiner Beziehung zu Gott erfahren.
Der Römerbrief zeigt dieselben Wahrheiten auf, legt sie jedoch von einem lehrhafteren Standpunkt aus dar. Auch der Autor des Hebräerbriefes – ich neige zu der Annahme, dass es Paulus war – befasst sich mit genau denselben Dingen. Der Hebräerbrief appelliert spezifisch an die jüdische Denkweise, diskutiert unter Zuhilfenahme jüdischer Tradition (wie beispielsweise der Patriarchen des Alten Testaments, des Tabernakels, des Priestertums, der Ordnungen von Opfern) den Glauben an das vollendete 8
Gute Nachricht
Erlösungswerk Christi und zeigt auf, wie Jesus alles vollkommen erfüllt hat. Der Römerbrief legt sowohl den jüdischen als auch den heidnischen Gläubigen die Gnade des Herrn Jesus Christus dar. Er ist an jeden gerichtet. Jeder, der seine Botschaft wirklich versteht und annimmt, wird eine nachhaltige Veränderung in seiner Beziehung zu Gott erfahren. Die im Römerbrief enthaltene Offenbarung von Gottes Gnade setzt Gläubige von einer Leistungsmentalität frei, die ihre Beziehung zu Gott auf eigenes Bemühen gründet, und stellt bei ihnen völliges Vertrauen zu und völlige Abhängigkeit von dem Herrn, seiner Güte und seiner Gnade her. Denn bei Errettung geht es ausschließlich um Gottes Treue und nicht um unsere! Diese Offenbarung ist grundlegend dafür, dass wir eine enge Beziehung zu Gott aufrechterhalten können. Wir mögen für eine Zeit lang alles gut machen, aber die Wahrheit ist, dass alle von uns gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes nicht erlangen (Röm 3,23). Wir brauchen einen Retter! Wir müssen unseren Glauben fortwährend in Gottes Güte setzen und nicht in unsere eigene.
Das Evangelium Paulus eröffnet den Römerbrief mit Begrüßungen und Grüßen. Er lobt die Gläubigen in Rom dafür, dass in der ganzen Welt von ihrem Glauben gesprochen wird. Nachdem er dann seinem Wunsch, sie zu besuchen, Ausdruck verliehen hat, fasst er die Botschaft des gesamten Briefes mit den Worten zusammen: Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht, ist es doch Gottes Kraft zum Heil* jedem Glaubenden, sowohl den Juden zuerst als auch den Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben, wie geschrieben steht: „Der Gerechte aber wird aus Glauben leben.“ Römer 1,16-17; *Fußnote „Elberfelder Bibel“: o. zur Rettung 9
Kapitel 1
Es wurden schon viele Dinge,
Die ersten fünf Kapitel des Römerbriefes stellen das Evangelium als die Kraft Gottes dar, die das Leben Gottes in den Menschen hervorbringt.
Bevor wir diese Dinge weiter vertiefen, müssen wir zunächst einmal das Wort „Evangelium“ definieren. Es ist zu Nachricht sind, einem religiösen Begriff geworden, der als „Evangelium“ heutzutage eigentlich viel von seiner Bedeutung eingebüßt hat. Viele Menschen propagiert. assoziieren „Evangelium“ mit allem, was mit Religion zu tun hat – besonders mit christlicher Religion. Wörtlich bedeutet „Evangelium“ aber „Wohlkunde“ oder „Gute Nachricht“. die keine gute
Das griechische Wort „euaggelion“, das in 74 Versen des Neuen Testaments mit „Evangelium“ oder „Gute Nachricht“ übersetzt wird, war in der übrigen Literatur außerhalb des Neuen Testaments so selten, dass es in den uns zugänglichen außerbiblischen Manuskripten nur zwei Mal zu finden ist. Warum? Weil dieses Wort nicht nur „Gute Nachricht“ bedeutet, sondern tatsächlich eine Nachricht beschreibt, „die fast zu gut ist, um wahr zu sein“. Und bevor Jesus kam, gab es in der Welt nicht viel, was fast zu gut war, um wahr zu sein. Die Autoren der Bibel übernahmen dieses Wort, da es ganz genau das beschreibt, was der Herr für uns getan hat. Das Evangelium ist eine gute und keine schlechte Nachricht! Das schränkt die Bedeutung des Wortes „Evangelium“ für uns definitiv ein. Es wurden schon viele Dinge, die keine gute Nachricht sind, als „Evangelium“ propagiert. So assoziieren zum Beispiel ziemlich viele Menschen innerhalb der sogenannten christlichen Kultur der Vereinigten Staaten das Evangelium mit einer Lehre, die besagt: Du bist ein Sünder! Wenn du keine Buße tust, kommst du in die Hölle! 10
Gute Nachricht
Nun, das sind zutreffende Feststellungen. Es gibt einen Himmel und eine Hölle, einen Gott und einen Teufel, und man kommt in die Hölle, wenn man nicht Buße tut und Rettung empfängt. Aber obwohl das alles wahr ist, so ist es doch keine gute Nachricht.
Ein Geschenk Viele Menschen haben irrtümlich angenommen, dass es sich um das Evangelium handelt, wenn man über die Hölle predigt, um Menschen mit Mitteln der Angst davor zu bewahren. Paulus lehrt im Römerbrief jedoch etwas ganz anderes. Wenn wir unsere Betrachtungen im Hinblick auf den Kontext des Briefes und die Adressaten des Apostels vertiefen, werden wir herausfinden, dass diese Vorstellungen das genaue Gegenteil dessen darstellen, wovon der Apostel Paulus spricht. Es ist Gottes Güte, die uns zur Buße leitet! (Röm 2,4). Obwohl es der Wahrheit entspricht, wenn man jemandem erklärt, dass seine Sünde ihn von Gott trennt und ewiger Verdammnis würdig macht, so ist die gute Nachricht jedoch, dass Jesus gekommen ist und für uns all unsere Sünde getragen hat. Wir müssen für unsere eigene Sünde keine Wiedergutmachung leisten. Wir müssen nicht erst so heilig werden, dass wir Errettung verdienen. Sie ist ein Geschenk. Denn der Lohn der Sünde ist der Tod, die Gnadengabe Gottes aber ewiges Leben in Christus Jesus, unserem Herrn. Römer 6,23
Religion betont heute überwiegend den Anfang dieses Verses – Denn der Lohn der Sünde ist der Tod ... – und bezeichnet das dann als Evangelium. Menschen predigen sich über die Themen Hölle, Feuer und Verdammnis förmlich die Seele aus dem Leib. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin selber in einer dieser Gemeinden aufgewachsen. Dort klammerten sich die Menschen 11
Kapitel 1
Wir müssen für unsere eigene Sünde keine Wiedergutmachung leisten. Wir müssen nicht erst so heilig werden, dass wir Erret-
oft mit beiden Händen verzweifelt an der Kirchenbank fest, weil sie eine solche Überführung und Reue verspürten! Natürlich gibt es auch dafür eine Berechtigung, aber wenn es nur um Gottes Zorn und sein Gericht über Sünde geht, handelt es sich nicht um das Evangelium. Das wahre Evangelium bezieht sich ausdrücklich auf das Mittel, durch das wir gerettet werden. Wir werden durch den Glauben an das, was Jesus für uns getan hat, gerettet und nicht durch den Glauben daran, was wir für ihn tun.
tung verdienen. Das Evangelium ist Gottes Geschenk des ewigen Lebens durch Jesus Christus, unseren Herrn. Die gute Nachricht ist: Gott will nicht, dass irgendjemand in die Hölle kommt. Wir müssen keinen Berg von religiösen Anweisungen oder Geboten beachten. Ewiges Leben ist ein Geschenk. Wir müssen lediglich glauben und es empfangen – glauben, was Jesus durch seinen Tod, seine Grablegung und Auferstehung vollbracht hat, und die Reinigung von all unserer Sünde samt der Freiheit und Befreiung, die sie mit sich bringt, empfangen. Das ist das Evangelium!
Gottes Gnade Das Evangelium steht in direktem Bezug zu Gottes Gnade. Gnade ist der einzige Weg, auf dem wir die Vergebung unserer Sünden erlangen können. Vergebung resultiert nicht aus unserer Heiligkeit oder unseren guten Werken. Gott nimmt nicht einfach die „guten“ Menschen und rettet sie. Er rechtfertigt den Gottlosen, er gewährt ihm Rettung (Röm 4,5).
12
Gute Nachricht
Diese Tatsache bereitet religiösen Menschen viele Probleme. Sie erklären: Niemand kann Jetzt aber mal langsam! Ich glaube sehr wohl, dass man so einiges tun muss, sich selber um heilig zu sein! Religion – falsche retten. Religion, menschliche Konzepte, nicht von Gott gewirkte Rettung – lehrt, dass eine richtige Stellung zu Gott und Gottes Segnungen aus unserem eigenen Gutsein und unseren Werken resultieren. Religion predigt ständig: Du musst diese Gemeinde besuchen! Du musst deinen Zehnten zahlen und dies und das tun! Und falls du all diese Dinge tust, wird Gott dich akzeptieren. Das ist das Anti-Evangelium! Es steht im Gegensatz zur guten Nachricht von Gottes Gnade, weil es uns die Last der Errettung auferlegt – und die können wir nicht tragen. Niemand kann sich selber retten. Genau das ist im Grunde genommen das falsche „Evangelium“, das heutzutage von Religion gepredigt wird. Dabei kann sogar von Begriffen wie „dem einen wahren Gott“ und „Gott Vater“ die Rede sein. Man mag sogar erwähnen, dass Jesus der Wenn ihr Retter der Welt ist, der für unsere Sünden versucht, durch starb. Doch im tiefsten Zentrum handelt irgendetwas es sich um ein anderes „Evangelium“, anderes als den das überhaupt kein Evangelium ist (Gal Glauben an 1,6.7). Jesus Christus Im Galaterbrief weist Paulus diese gerechtfertigt Perversion der guten Nachricht ärgerlich zu werden, dann zurück. Ihre Vertreter lehnten die grundglaubt ihr nicht legenden Wahrheiten des Evangeliums an das wahre nicht einmal vollständig ab, sondern Evangelium. pervertierten es und versuchten, ihm etwas hinzuzufügen, indem sie sagten: 13
Kapitel 1
Natürlich ist Jesus der Retter. Aber Errettung basiert auch auf unserer eigenen Güte, Heiligkeit und Leistung. Es ist Jesus plus die Erfüllung all dieser anderen Dinge. Paulus erklärte: Nein, nein, nein – tausendmal nein! Wenn ihr versucht, durch irgendetwas anderes als den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt zu werden, dann glaubt ihr nicht an das wahre Evangelium. Das Evangelium ist nicht einfach nur der Glaube, dass es Rettung gibt, sondern auch der spezifische Weg, auf dem diese Rettung erlangt wird. Wenn du gut handelst und Dinge gut machst, dann wird es gut mit dir sein, ist nicht das wahre Evangelium. Beachte, was Paulus auf der ersten Pastorenkonferenz der Geschichte in Ephesus sagte: Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen. Apostelgeschichte 20,24; Hervorhebung vom Autor
Paulus hätte es auch so ausdrücken können: Ich sage als Zeuge für das Evangelium aus, das die gute Nachricht von der Gnade Gottes ist. Mit anderen Worten sind die Begriffe „Evangelium“ und „Gnade“ austauschbar. Die gute Nachricht – oder das Evangelium – ist die Gnade Gottes.
Gnade gleich Evangelium Jemand mag jetzt einwenden: Nun, ich predige das Evangelium: Gott hasst Sünde, und er ist zornig auf dich. Bereue oder geh in die Hölle! Ändere deinen Lebenswandel oder du kommst in große Schwierigkeiten! Das ist nicht das Evangelium, weil hier nicht von Gottes Gnade die Rede ist. Ja, es gibt eine Strafe für Sünde – aber das Evangelium betont Gottes Lösung für dieses Problem. Im Galaterbrief verwendet Paulus die beiden Begriffe – „Evangelium“ und „Gnade“ – austauschbar. Beachte, dass die 14
Gute Nachricht
Formulierung, „die Gnade Christi“, in Galater 1,6 ganz eindeutig das Evangelium bezeichnet. Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, ... Galater 1,6; Hervorhebung vom Autor
Der Galaterbrief wurde aus genau demselben Grund geschrieben wie der Römerbrief, nämlich um das Prinzip von Gottes Gnade aufzurichten. Das Evangelium ist eine gute Nachricht. Es nimmt spezifisch auf das Bezug, was Jesus für uns getan hat. Es basiert auf seiner Leistung und nicht auf unserer. Wir verdienen uns unsere Errettung nicht durch gute Werke und unsere „Heiligkeit“. Wir müssen aus dieser Abhängigkeit von uns selbst herauskommen. Traurigerweise aber fördert vieles von dem, was heutzutage als Evangelium bezeichnet wird, in Wirklichkeit eher das Vertrauen auf das menschliche Ego als das Vertrauen auf den Retter. Das ist einfach falsche Religion!
Der einzige Weg zur Rettung Es ist die Gnade, die das wahre Christentum von jeder anderen Religion in der Welt unterscheidet. Andere Religionen erkennen vielleicht auch einen „einzig wahren Gott“ an und verehren ihn. Vielleicht stimmen sie sogar darin überein, dass Jesus existiert hat und seine Lehren bewundernswert sind. Sie sagen, dass er ein guter Mensch war, vielleicht sogar ein Prophet – aber definitiv nicht Gott, offenbart im Fleisch. Religion lehnt es ab, Jesus Christus als den einzigen Weg zur Errettung – einer richtigen Beziehung mit Gott – anzuerkennen. Jede falsche Religion – sogar religiöses Christentum – bürdet die Last der Rettung dem einzelnen Individuum auf. Mit anderen 15
Kapitel 1
Worten würde „Errettung“ dann auf unserer Leistung basieren. Wenn wir nur heilig genug lebten, genügend gute Dinge täten, alle Rituale und Regeln beachteten, dann könnten wir demnach vielleicht errettet werden. Das Problem ist nur – und der Römerbrief macht das sonnenklar –, dass niemand von uns diesen Wertmaßstäben entsprechen kann. Wir können uns nicht selber retten! Wahres Christentum ist der einzige Glaube auf der Erde, der einen Retter hat. Am Tag des Jüngsten Gerichts wird jeder von uns alleine vor Gott stehen und die Frage beantworten müssen: Was macht dich würdig, in meine Gegenwart einzugehen? Die Nachfolger all der anderen Religionen werden dann sagen: Ich war heilig und habe den Armen gegeben. Bestimmte Dinge habe ich nie und andere immer getan. Ich bin sogar zur heiligen Stadt gepilgert und habe die vorgeschriebenen Rituale ausgeführt. Ich habe dreimal täglich gebetet, und ich habe gefastet. Das Wort Gottes offenbart uns jedoch klar, dass alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes nicht erlangen (Röm 3,23). Wer möchte der beste von allen Sündern sein, der jemals in die Hölle gekommen ist? Wir können deshalb in Bezug auf Errettung einfach nicht auf uns selbst vertrauen. Ein wiedergeborener Gläubiger würde auf dieselbe Frage jedoch anders antworten und sagen: Jesus Christus ist mein Herr und Erretter. Ich vertraue völlig auf seine Güte und seine Leistung. Es geht ganz sicherlich nicht um etwas, das ich getan habe. Ich komme auf der Grundlage dessen, was er für mich durch seinen Tod, seine Grablegung und seine Auferstehung getan hat, hier rein. Das ist der richtige Ansatz!
Unabhängig von unserer Leistung Viele Menschen auf der ganzen Welt, die das „Christentum“ angenommen haben, haben im Hinblick auf die Güte und Gnade 16
Gute Nachricht
Gottes noch nie das wahre Evangelium gehört. Sie ersetzen den Verhaltenskodex des Islam, Hinduismus, Buddhismus oder welcher Religion auch immer mit dem des „Christentums“. Für viele Menschen ist das Christentum nichts weiter als ein anderes System von Regeln, Geboten und Vorschriften, durch die sie sich ihren Weg zu Gott verdienen müssen. Das ist nicht das wahre Evangelium, und es ist genau das, wogegen sich der Römerbrief wendet.
Das Evangelium, wie es im Römerbrief dargestellt wird, spricht von der guten Nachricht der Rettung unabhängig von
Das Evangelium, wie es im Römer- unserer Leistung. brief dargestellt wird, spricht von der guten Nachricht der Rettung unabhängig von unserer Leistung. Sie geschieht durch Gottes Gnade. Das ist beinahe zu gut, um wahr zu sein. Aber es ist wahr. Danke, Jesus!
17