682079

Page 1


Gott, Gender und ich

Was sagt die Bibel dazu?

Gott, Gender und ich

Was sagt die Bibel dazu?

Impressum

Falls nicht anders angegeben, sind die Bibelstellen zitiert nach der Revidierten Elberfelder Übersetzung 2006. Copyright SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten.

Mohn, Henrik

Gott, Gender und ich

Was sagt die Bibel dazu?

1. AuïŹ‚age

ISBN: 978-3-95790-079-1

© 2023 rigatio Stiftung gGmbH

Umschlaggestaltung und Satz: rigatio

Bildernachweise:

Titel: tim-mossholder-UcUROHSJfRA-unsplash

Seite 5: christian-bowen-I0ItPtIsVEE-unsplash

Seite 8: sam-trotman-2f8SXXbP9nY-unsplash

Seite 16: look-up-look-down-photography-t02XukS9dUU-unsplash

Seite 26: sixteen-miles-out-PpJOb2ByPBY-unsplash

Seite 36: AdobeStock_285310036

Seite 46: shotinraww-gYezIhYbwzI-unsplash

Seite 54: todd-trapani-zCqZMEw-VbY-unsplash

Seite 64: tim-mossholder-UcUROHSJfRA-unsplash

Einleitung

Weißt du, was sich hinter diesen AbkĂŒrzungen alles verbirgt?

L =

G =

B =

T =

Q =

Im englischsprachigen Raum verbirgt sich hinter der AbkĂŒrzung LGBTQ das Folgende: Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer.1 Doch was genau ist gemeint, wenn diese BegriïŹ€e auftauchen?

Diese AusdrĂŒcke gehören in das Themenfeld des sogenannten Gender-Mainstreaming. Hinter diesem BegriïŹ€ verbirgt sich eine neuartige Weltanschauung. Erstmalig wurde diese neue Sichtweise 1985 auf der 3. UN-Weltfrauenkonferenz in Nairobi diskutiert. Zehn Jahre spĂ€ter wurde der BegriïŹ€ etabliert. „Das erklĂ€rte Ziel dieser Weltanschauung ist es, alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht als naturgegeben, sondern als gesellschaftlich bedingt anzusehen und zu bekĂ€mpfen.“2 Was genau bedeutet dies nun? Lass es mich an einer Beispielgeschichte illustrieren.

„Es ist ein MĂ€dchen“, sagt der Arzt. Freudestrahlend blicken die Eltern auf das kleine Baby in ihren Armen. Schnell ist klar, dass das Neugeborene den Namen Vivien tragen soll. Nachdem die ersten Monate wie im Flug vergingen und Vivien langsam zu sprechen beginnt, schockt Vivien ihre Eltern. Die Kleine soll – so die Angaben der Eltern – sehr frĂŒh zu verstehen gegeben haben, dass sie eigentlich ein Junge sei. Nach zahlreichen GesprĂ€chen und Unmengen an Buchseiten kamen Viviens Eltern zu dem Schluss, dass ihr Kind wohl „transgender“ sei. Also schnitten sie ihr die Haare ab, kleideten sie fortan wie einen Jungen und benutzten mĂ€nnliche Pronomen, wenn sie von ihrem Kind sprachen. Schlussendlich wurde aus Vivien Viktor.3

Stopp. Lies dir noch einmal das Beispiel durch. Schreibe danach auf, was du dabei empïŹndest bzw. denkst.

Vielleicht hast du im ersten Moment die Stirn gerunzelt, doch beim Blick in die Berichterstattung der Medien, ïŹnden sich immer hĂ€uïŹger solche „Positivgeschichten“. Zudem haben die BildungsplĂ€ne in Deutschland das Thema „Akzeptanz und Toleranz von Vielfalt“ in den Bildungskanon aufgenommen, um die Heranwachsenden frĂŒhzeitig in die Gender-Ideologie einzufĂŒhren. „Solche Bildungsprogramme vermitteln Kindern, dass sie ein Recht darauf haben, ihre eigene »sexuelle Orientierung« und »Gender-IdentitĂ€t« zum Ausdruck zu bringen.“ 4

Unverkennbar ist die voranschreitende globale sexuelle Revolution auch im Bereich der Medien. Kaum eine Serie auf digitalen Streamingplattformen wie NetïŹ‚ix, Amazon Prime u. a. kommt ohne Menschen aus, die ihre sexuelle Orientierung frei bestimmen und ausleben.

Kannst du hier einige TV- oder Serienbeispiele nennen, in denen diese Sichtweise vorkommt?

Meine persönliche Wahrnehmung in GesprĂ€chen mit Christen aus kirchlichem und freikirchlichem Kontext ist, dass es immer stĂ€rker zu einer Aufweichung biblischer MaßstĂ€be kommt. Gerade die biologische Unterscheidung von Mann und Frau steht viel hĂ€uïŹger zur Diskussion.5 Diese Transformation der Gesellschaft ist eine Herausforderung fĂŒr Menschen des 21. Jahrhunderts. Sie hat Folgen und zieht Probleme nach sich, mit denen auch wir als Christen konfrontiert werden.

Wie sollen Christen, die die Bibel als Grundlage ihres Glaubens ernst nehmen, auf solche VerÀnderungen reagieren?

Weshalb kommt es im 21. Jahrhundert zu einer Dekonstruktion dessen, was ĂŒber Jahrtausende von Menschen aller Gesellschaften auf allen Kontinenten als „normal“ angesehen worden ist?

Auf welche Art und Weise begegnet man BefĂŒrwortern und v. a. BetroïŹ€enen?

Dieser Studienkurs möchte dir ein Angebot machen: Begleite mich auf der Entdeckungsreise durch die Geschichte, Gottes Wort und den christlichen Glauben. Du wirst vieles ĂŒber die HintergrĂŒnde der aktuellen Gesellschaftstransformation erfahren und Gottes Wort intensiv zu dem Thema befragen, um dir – basierend auf der Bibel – eine Meinung zu bilden. „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhĂ€ufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden“ (2Tim 4,3-4).

Mein Gebet ist, dass du erkennst, was Gottes Wort zu all den VerĂ€nderungen in unserem Hier und Heute zu sagen hat. Dabei sollst du vor allem den entdecken, der der Urheber der Schöpfung ist: Jesus Christus. Zudem hoïŹ€e ich, dass du dabei begeistert von Gottes Wort wirst, weil es ehrlich und lebensnah ist. „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du ĂŒberzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast, und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist“ (2Tim 3,14f).

Weil das Thema komplex ist, wollen wir als Christen wissen, welche Antworten uns die Bibel gibt. „Ohne eine Theologie des Körpers ist das Evangelium nur ein gekĂŒrztes, unzureichendes Evangelium“, so Paul David Tripp.6 Lass uns also gemeinsam auf Entdeckungstour gehen und sehen, was Gottes Wort uns ĂŒber Gott, Gender und dich mitzuteilen hat.

Lektion 1 Eine neue Weltanschauung

Das Infragestellen der Geschlechterzweiteilung in Mann und Frau ist in vollem Gange. In mehreren Staaten gibt es mittlerweile Gesetze, die das „Recht“ auf „GeschlechtsĂ€nderung“ anerkennen. In solchen LĂ€ndern kann ein Mann von Rechts wegen einen Frauennamen annehmen. PopulĂ€r ist sicherlich das Beispiel der Transschwimmerin Lia Thomas, die 2022 als erste Transgender-Athletin einen US-Collegetitel gewann. „Ich habe angefangen, meine IdentitĂ€t in Frage zu stellen. Ich fĂŒhlte mich unwohl, hatte keine Verbindung zu meinem Körper“, sagte Thomas zu , Sports Illustrated ‘.7 Woher kommt diese neue Sichtweise?

BeeinïŹ‚usst durch Gedanken von Karl Marx, Friedrich Engels und Sigmund Freud entwickelte sich in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts die Kritische Theorie.8 Sie wollte auf SchwĂ€chen der damaligen gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse aufmerksam machen und trat fĂŒr VerĂ€nderungen ein.

Dem Historiker Trueman zufolge ist die Kritische Theorie heute ein vielfĂ€ltiges PhĂ€nomen, das sich in unterschiedlicher Weise auf marxistisches Denken, Psychoanalyse, feministische Theorie, Postkolonialismus, Poststrukturalismus, Queer Theory und Dekonstruktion stĂŒtzt. Er erklĂ€rt: „Die Welt teilt sich auf in Machthaber und Machtlose. Die vorherrschende westliche Darstellung von Wahrheit ist in Wirklichkeit ein ideologisches Konstrukt, das die Machtstrukturen des Status quo bewahren soll. Daher ist das Ziel der Kritischen Theorie, diese Machtstruktur zu erschĂŒttern, indem die vorherrschenden ErzĂ€hlungen, mit denen sie legitimisiert wird, destabilisiert werden.“9 Besonders Sigmund Freud spielt dabei eine gewichtige und fĂŒhrende Rolle. Seine Theorien – die wissenschaftlich verworfen sind – beeinïŹ‚ussen allerdings noch heute unsere Vorstellungen von SexualitĂ€t als IdentitĂ€t. Glaubt man seiner Sexualtheorie, dann macht der Sexualtrieb des Einzelnen ihn zu dem, was der Mensch von Kindheit an ist. Nach Freud ist Sex also dafĂŒr bestimmend, wer wir sind, als Individuen, als Gesellschaften und als Gattung. Die Folgen fĂŒr das heutige Denken sind darin erkennbar, dass die Akzentuierung der sexuellen ErfĂŒllung als Essenz des menschlichen GlĂŒcks zu einer Neuausrichtung der menschlichen Bestimmung fĂŒhrt. Trueman zeigt auf, dass von dem Augenblick an, da man IdentitĂ€t als sexuell verstand, es nur noch eine Frage der Zeit war, bis Sex politisch wurde. Und das, erleben wir heutzutage ĂŒberall. Ob Politik, Schule oder Alltag – die sexuelle Revolution ist im Hier und Heute angekommen. Aus diesem Denken entstand „der Übergang von einem VerstĂ€ndnis von Sex als AktivitĂ€t hin zu einem VerstĂ€ndnis von Sex als absolut grundlegend fĂŒr die IdentitĂ€t.“10

FĂŒr die Gender-Ideologie hatte dies u. a. folgende Auswirkungen:

Im Jahre 1955 experimentiert der amerikanische Sexualforscher John Money mit chirurgischen Geschlechtsumwandlungen an Kindern und verwendet als Erster den Gender-BegriïŹ€. Er wollte damit ausdrĂŒcken, dass das soziale Geschlecht

wĂ€hlbar sei. 1975 schrieb Alice Schwarzer 11, dass „die GebĂ€rfĂ€higkeit auch der einzige Unterschied ist, der zwischen Mann und Frau bleibt. Alles andere ist kĂŒnstlich aufgesetzt.“ John Money schreckt nicht davor zurĂŒck, seine Behauptung dadurch zu beweisen, dass er 1967 den zwei Jahre alten Bruce Reimer in ein MĂ€dchen umoperiert und ihn danach als Brenda erziehen lĂ€sst.

„David Reimer, als Knabe geboren, wurde nach einer missglĂŒckten Operation als MĂ€dchen aufgezogen. Er und sein eineiiger Zwillingsbruder Brian sollten Jahre dem renommierten amerikanischen Sexualwissenschaftler John Money als Beweis dafĂŒr dienen, dass geschlechtsspeziïŹsches Verhalten keine Frage der Natur sei, sondern eine Frage der Erziehung, der PrĂ€gung.

Das einst hochgelobte Experiment endete als Fiasko fĂŒr die Wissenschaft. Money galt als KoryphĂ€e seines Fachs. Er vertrat die These, das geschlechtsspeziïŹsche Verhalten sei allein ein Produkt der Sozialisierung und nicht genetisch festgelegt. Demzufolge könne ein Kleinkind bis zum Alter von 18 Monaten zu jeder sexuellen IdentitĂ€t erzogen werden. Die These wurde in den siebziger und achtziger Jahren begeistert aufgenommen, von Wissenschaftlern – und vor allem in der noch jungen Frauenbewegung: Es galt zu untermauern, dass traditionelle Frauenrollen nicht biologisch bestimmt sind.

‚Ich sah zu John Money auf wie zu einem Go ‘, berichtete die Mutter der ZwillingsbrĂŒder spĂ€ter. Bruce war 22 Monate alt, als seine Hoden operativ entfernt wurden, von da an wurde er als ‚Brenda‘ aufgezogen. Money verbot den Eltern, ihrer ‚Tochter‘ zu sagen, dass sie als Junge geboren wurde. Aber Brenda rebellierte frĂŒh gegen ihre weibliche IdentitĂ€t. Sie benahm sich wie ein Junge, verteidigte ihren Bruder gegen andere, pinkelte im Stehen, wollte keine Puppen, sondern die Spielzeugautos des Bruders. Brenda wurde eine unglĂŒckliche Außenseiterin, die MitschĂŒler verspotteten sie, sie blieb sitzen. Die ganze Familie litt unter dem dunklen Geheimnis: Der Vater begann zu trinken, die Mutter wurde depressiv, der Bruder gewalttĂ€tig, und Brenda war suizidgefĂ€hrdet.

Der Arzt John Money dagegen verkaufte der Welt unterdessen sein medizinisches Experiment als Erfolg und wurde dafĂŒr gefeiert. John Money (1921-2006) hat sich stets geweigert, Journalisten einen Kommentar zu seinem Experiment zu geben.“12 Dieses grausame Experiment scheiterte, denn Brenda nahm sich mit 39 Jahren das Leben.13

In den 1970/80er-Jahren entwickelte sich der BegriïŹ€ Gender zur Gender-Theorie weiter. Im Kern geht man dabei davon aus, dass die soziale Unterscheidung in zwei Geschlechtern nicht auf der Biologie beruhe, sondern auf gesellschaftlichen Normen, um die Macht des bĂŒrgerlichen Patriarchats zu erhalten.

1991 sorgte das Buch von Judith Butler „Das Unbehagen der Geschlechter“ fĂŒr Aufsehen. In ihrem Werk radikalisiert die bis heute einïŹ‚ussreichste Genderforscherin die Gender-Theorie und erlĂ€utert, „dass auch das biologische Geschlecht eine soziale Konstruktion“ 14 sei. Sie lĂ€utete damit eine grenzenlose VervielfĂ€ltigung von Gender-IdentitĂ€ten und sexuellen Orientierungen als den Weg zur „Befreiung“ des Menschen ein. So bietet Facebook beispielsweise ĂŒber 60 Gender-Optionen an.

Schlussendlich wurde der BegriïŹ€ „Gender“ bei der 4. UN-Weltfrauenkonferenz in den weltweiten Sprachgebrauch von Politik, Kultur und Gesellschaft eingefĂŒhrt. Das erklĂ€rte Ziel ist, die Gender-Ideologie global mit politischen Mitteln durchzusetzen. Der Name der politischen Strategie lautet: Gender-Mainstreaming.

Nimm dir kurz Zeit und denke ĂŒber das Bisherige nach. Was empïŹndest du dabei bzw. welche Gedanken gehen dir gerade durch den Kopf?

Viele Menschen gehen bei der Thematik davon aus, dass Gesetze zur „Gender-Anerkennung“ einfach nur deshalb etabliert werden, um eine winzige Minderheit vor Diskriminierung zu schĂŒtzen. „Einige wohlmeinende Menschen sagen, dass es im besten Fall unsensibel – und im schlimmsten Fall grausam – sei, sich in dieser Frage deutlich (ablehnend; Anm. des Verlags) zu Ă€ußern, denn damit wĂŒrde man den BetroïŹ€enen zu nahe treten und sie beleidigen.“15 Jedoch betreïŹ€en diese Gesetze und die damit verbundene neue Weltanschauung uns alle. An dieser Stelle seien nur ein paar wenige Beispiele angefĂŒhrt.

2019 schaïŹ€te die Stadt Hannover beispielsweise sĂ€mtliche Geschlechtsbezeichnungen in der Stadtverwaltung ab. Die Forderungen werden immer lauter, dass es in Zukunft neutrale Toiletten geben solle anstatt getrennte RĂ€ume fĂŒr MĂ€nner und Frauen. In deinen SchulbĂŒchern oder auf den ArbeitsblĂ€ttern wirst du sicherlich festgestellt haben, dass Schreibweisen wie SchĂŒler*innen oder Arbeitskolleg*innen keine Seltenheit mehr sind. Auch bei Stellenausschreibungen taucht der Hinweis (m/w/d)16 fast durchgehend auf. Mittlerweile geben Bund und LĂ€nder in Deutschland Millionen an Euros fĂŒr sogenannte Gender-Programme aus. Vorreiter der LGBTQ-Bewegung suggerieren Jugendlichen Folgendes: „Mit deiner Gender-IdentitĂ€t kannst du beschreiben, mit welchem Gender du dich von deinen EmpïŹndungen her identiïŹzierst. Vielleicht fĂŒhlst du dich wie ein Junge oder ein MĂ€dchen, oder du identiïŹzierst dich mit einem anderen Gender. Dieses Gender unterscheidet sich von deinem Geschlecht, das sich auf deinen Körper (wie ihn alle Menschen haben) und dein biologisches Geschlecht bezieht.“ 17

Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass diejenigen, die lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder queer empïŹnden oder Gender-Mainstreaming befĂŒrworten, sich hĂ€uïŹg nicht bewusst darum bemĂŒhen, diese Ideologie voranzutreiben. Vielmehr handelt es sich um eine politische Agenda, bei der Minderheiten benutzt werden, um Weltanschauungen voranzutreiben. Die promovierte Autorin Sharon James18 bringt die Behauptungen der Gender-Ideologie auf den Punkt:

1. BinÀr 19 ist etwas Schlechtes.

2. Gender ist ein Spektrum.

3. Junge/MĂ€dchen bzw. Mann/Frau sind lediglich gesellschaftliche Konstrukte.

4. Wir haben alle eine „Gender-IdentitĂ€t“, die sich in gesunder Weise von unserem biologischen Geschlecht unterscheiden kann.

Fakt ist, dass sich die Gender-Theorie in unserer Zeit immer stĂ€rker durchsetzt und damit fĂŒr noch mehr Verwirrung sorgen wird. Denk nur mal an die letzten Texte, die du gelesen hast. Durch das EinfĂŒhren eines neuen Vokabulars ist nicht mehr Gerechtigkeit und Minderheitenschutz gekommen, sondern Sprache wird verschwommen, kompliziert und schwerfĂ€llig.

Um ein wenig mehr Durchblick im Dschungel der BegriïŹ„ichkeiten zu haben, sei bereits jetzt schon erwĂ€hnt, dass man zwischen Gender-Mainstreaming und Gender-Ideologie unterscheiden muss. Der Grund dafĂŒr ist, dass die geschlechtstheoretische Diskussion eher einem Labyrinth gleicht. Professor Raedel von der Freien Theologischen Hochschule, Gießen, weist darauf hin, dass „hinter dem, was politisch mit Gender in Zusammenhang gebracht wird, kein in sich schlĂŒssiges VerstĂ€ndnis, keine klare DeïŹnition von Gender steht, sondern ein GeïŹ‚echt von Überzeugungen und Ansichten zur geschlechtlichen Natur des Menschen, die sich nicht spanungsfrei miteinander verbinden lassen.“

Auf der Homepage des Bundesministeriums fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird erklĂ€rt: „Gender Mainstreaming bezeichnet die VerpïŹ‚ichtung, bei allen Entscheidungen die unterschiedlichen Auswirkungen auf MĂ€nner und Frauen in den Blick zu nehmen.“ In anderen Worten ist es das große Ziel, Ungleichbehandlung unter den Geschlechtern abzubauen.

DemgegenĂŒber steht der politische BegriïŹ€ der Gender-Ideologie, der sich mit der Geschlechterforschung auseinandersetzt. BefĂŒrworter und Vertreter gehen dabei nicht von dem biologischen Geschlecht aus, das die Menschheit in mĂ€nnliche und weibliche Vertreter unterteilt, vielmehr betonen sie, dass das Geschlecht eines Menschen von seiner Umgebung deïŹniert wird. Doch mehr dazu weiter unten.

Denk darĂŒber nach

Inwieweit sind die Argumente der Gender-BefĂŒrworter (vor dem Hintergrund der Kritischen Theorie) durchaus verstĂ€ndlich?

Wie stehst du zu den Behauptungen der Gender-Theorie?

Berichte ĂŒber eigene Erfahrungen, die du bisher mit Gender-Mainstreaming erlebt hast.

Nach der Kritischen Theorie deïŹniert der Einzelne seine IdentitĂ€t ĂŒber Klassenzugehörigkeit, seine sexuelle Orientierung, seine Rasse u. a. Die Kritik richtet sich dabei auf die UnterdrĂŒckung durch Privilegierte (weiß, mĂ€nnlich, westlich, heterosexuell). Die Lösung dieses Problems sieht die Theorie im Sturz unterdrĂŒckerischer Systeme und ihrer Macht, denn der Sinn des Lebens bestehe darin, die Gruppe von der UnterdrĂŒckung zu befreien.

DemgegenĂŒber ist die Lehre der Bibel, dass er Mensch nach dem Bild Gottes geschaïŹ€en ist. Allerdings hat die SĂŒnde den Menschen vom heiligen Gott entfremdet. Doch Jesus Christus nimmt die Strafe der SĂŒnde auf sich, um das Problem der Trennung von Gott zu lösen. GemĂ€ĂŸ der Bibel ist dies durch den Glauben an ihn möglich (vgl. Joh 3,16-17.36), da der Sinn des Lebens in der Verherrlichung Gottes besteht.

Wenn du diese beiden Sichtweisen miteinander vergleichst, welche Weltanschauung ist fĂŒr dich nachvollziehbarer? BegrĂŒnde.

Wo stehst du?

In dieser Lektion startet unser Versuch, das Spannungsfeld Gender und deiner Sichtwiese auf dieses Thema aus einer christlichen Perspektive genauer unter die Lupe zu nehmen. Niemand erwartet, dass du bei den Fragen alle richtigen Antworten hast. Du brauchst nur eine oïŹ€ene Einstellung und den Wunsch, selbst zu denken und zu lernen. Wahrscheinlich machst du diesen Kurs, weil du konkrete Fragen hast. Sei einfach ehrlich im Blick auf deine Antworten.

Damit du sehen kannst, wie sich dein Standpunkt oder Glaube wÀhrend des Kurses entwickelt, sollst du dich immer wieder selbst einschÀtzen. Wenn du weitermachst, verÀndern sich vielleicht einige deiner Meinungen von einer Lektion zur nÀchsten. Mach dir bewusst, dass es hier nicht um einen Test, sondern um Wachstum geht. Je mehr du in die Suche nach der Wahrheit investierst, desto besser wirst du die behandelten Fragen in diesem Kurs verstehen.

Welche der folgenden Aussagen beschreibt am besten deine persönliche Sicht auf die Frage nach Gott, Gender und dir?

Die Gender-Theorie bringt VerschĂŒttetes zum Vorschein.

Die Gender-Theorie hat nichts mit mir zu tun.

Die Gender-Theorie ist eine neue Weltanschauung.

Die Gender-Theorie entthront Gott, der Mensch deïŹniert sich selbst.

Andere:

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.