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Bernhard Koch (Hrsg.) Stärker als Dämonen

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Bearbeitet und herausgegeben von

BERNHARD KOCH 3


Stärker als Dämonen

Copyright © 2009 by ReformaZion Media Braasstraße 30 D – 31737 Rinteln Fon 05751 / 97 17 0 Fax 05751 / 97 17 17 info@reformazion.de www.reformazion.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN 978-3-938972-07-6 1. Auflage, April 2009 Printed in Germany Bibelzitate mit der Angabe (EB) wurden der Revidierten Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, entnommen. Bibelzitate mit der Angabe (LU) entstammen der revidierten Lutherbibel, © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags.

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Inhalt

Vorwort Einleitung 1 2 3 4

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Leben in der Abgeschiedenheit Die ersten Wunder Am Berg des Antonius Erneuter Aufbruch in die Einsamkeit

17 31 59 73

Anmerkungen Literaturhinweis

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2 Die ersten Wunder

Ein Kind für eine unfruchtbare Frau Viele Jahre wurde Hilarion in seiner Einsamkeit kaum gestört. Zwar sprach man in ganz Palaestina darüber, im Sumpfgebiet am Mittelmeer habe sich ein absonderlicher Religiöser niedergelassen, der ein fast schon unirdisches Leben führe und unaufhörlich im Gebet versenkt sei, doch niemand behelligte ihn. So konnte er täglich ungestört in Gottes Gegenwart Hymnen singen und lange Passagen der Bibel, besonders Psalmen, aus seinem Gedächtnis zitieren. Die Jahre vergingen, sie waren für Hilarion mit nichts anderem ausgefüllt, als der Sehnsucht nach Gott. Hin und wieder kamen einzelne Mönche zu ihm, oder solche, die es werden wollten, und brachten ihm, was er für sein enthaltsames Leben bedurfte. Im Austausch dafür gab Hilarion ihnen die Körbe, welche er mit großer Sorgfalt geflochten hatte. Jedoch insgesamt betrachtet, lebte er in Ruhe und Frieden. Dem Höchsten gefiel es, ihn während eines längeren Zeitraumes für sich allein in Unscheinbarkeit zu halten. Nachdem Hilarion achtunddreißig Jahre alt geworden war und schon zweiundzwanzig Jahre in der Einöde zugebracht hatte, sollte sich alles ändern. Um Hilfe zu erfahren, wagte es eines Tages eine 31


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jüdische Frau aus Eleutheropolis 46, einer Stadt zwischen Jerusalem und Aschkelon, ihn aufzusuchen. Bisher war noch keiner zu ihm gekommen, um geheilt zu werden oder einen Rat zu erhalten. Aber der Ruf seiner Gottesfurcht war weit ins Land gedrungen und gelangte auch zu jener Frau, die als erste zu ihm kam. Die Jüdin hörte von Hilarions heiligem Leben, den Entbehrungen, die er auf sich nahm, um seinen Körper und seine Seele in Zucht zu halten. Sofort war ihr klar, dieser Mensch ist inniger mit Gott verbunden als andere. Sie sprach zu sich selbst: ,,Der kann mir helfen von Unfruchtbarkeit geheilt zu werden.“ Kinderlosigkeit war ihre große Not. In ihrer fünfzehnjährigen Ehe war sie ohne Kinder geblieben. Nun lehnte ihr Mann sie ab und drohte, sie zu verstoßen. Als diese Frau bei Hilarion angekommen war, warf sie sich in ihrer Verzweiflung sofort zu dessen Füßen. Total überrascht – er war gerade in seinen Betrachtungen vertieft und dachte dabei überhaupt nicht an eine Begegnung mit einer Frau – wusste er sich nicht entsprechend zu verhalten und versuchte, sie schnell loszuwerden. Sie jedoch sprach weinend zu ihm, in großer Hoffnung auf Hilfe: ,,Wende dich nicht ab! Verzeihe meine Kühnheit, halte sie meiner Bedrängnis zugute! Warum schaust du mich nicht an? Warum willst du vor einer Bittenden fliehen? Betrachte nicht mein Geschlecht, obwohl das weibliche Geschlecht den Erlöser geboren hat, sondern nur mein Anliegen. Ich bin eine vom Unglück Verfolgte! Ich bedarf deiner Fürbitte. Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, wohl aber die Kranken.“ 47 Als die Frau so zu ihm sprach, hielt Hilarion inne. Sie war das erste weibliche Wesen, welches er nach langer Zeit zu sehen bekam. Liebevoll fragte er sie nach ihrem Anliegen und warum sie weine. Daraufhin erzählte sie ihm, was ihr zu schaffen machte. Tröstend 32


Die ersten Wunder

sprach Hilarion zu ihr, den Blick zum Himmel erhebend: ,,Vertraue mehr auf Gott, der für alle Dinge Zeit und Stunde festgesetzt hat, als auf das Gebet eines armseligen Einsiedlers.“ Dann sagte er zu ihr, die immer noch weinte: ,,Geh jetzt wieder heim.“ 48 In dem Glauben, der Mann Gottes würde für sie beten, kehrte sie nach Hause zurück. Dabei war sie voller Gewissheit, ein Kind zu empfangen. Tatsächlich, sie wurde bald schwanger und nach etwa einem Jahr gebar sie einen Sohn. Um Hilarion voller Dankbarkeit Gottes Wunder zu zeigen, besuchte sie ihn wiederum, diesmal mit ihrem Kind. Das war das erste Wunder, welches Gott durch Hilarion wirkte. Er sah sich jedoch selbst nicht wirklich daran beteiligt.

Freigesetzt zum Heilen Kurz nach dieser Begebenheit wurde Hilarions erstes Wunder durch ein noch größeres in den Schatten gestellt. Das geschah, als sich Aristänete, die Ehefrau des Elpidius, der später zum Präfektus Prätorio wurde, wegen ihrer drei Kinder an ihn wandte. Aristänete stand bei den Menschen ihres Landes in hohem Ansehen, besonders wegen ihres christlichen Lebensstiles. Bevor sie zu Hilarion kam und ihn um Hilfe bat, war sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern bei Antonius in der ägyptischen Wüste gewesen, um von ihm geistlichen Segen zu empfangen. Während der Heimreise erkrankten in Gaza ihre drei Kinder derart an Malaria, dass sie dort zurückbleiben mussten. Es sah so aus, als würden sie an diesem Fieber sterben. Die Ärzte wussten nicht, was sie tun sollten, und gaben die Kinder auf. Aristänete war nicht zu beruhigen. Manchmal lag sie am Boden und weinte um ihre 33


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Kinder; und zuweilen lief sie zwischen ihren drei Kindern hin und her, ohne recht zu wissen, wie ihnen zu helfen sei und welches der drei sie zuerst beweinen sollte. Als Aristänete ihre Not kaum noch ertragen konnte, erzählte ihr jemand aus ihrer Dienerschaft von einem Mann Gottes, der ganz in der Nähe leben würde. Ihr wurde berichtet, dieser Heilige würde in solch einer Gemeinschaft mit Jesus leben, dass Gott an seinen Gebeten Wohlgefallen hätte. Ohne sich ihres Standes entsprechend herzurichten und zu kleiden, nur begleitet von ihren Dienerinnen und Eunuchen, machte sie sich mit der Erlaubnis ihres Mannes und mit neuer Hoffnung sofort auf den Weg, um den Einsiedler so schnell wie möglich zu finden. Als sie an die Wohnstätte Hilarions gelangte und ihn von weitem sah, rief sie ohne ihn zu begrüßen und sich vorzustellen: ,,Ich bitte dich um der Liebe und Güte Jesu Christi willen und flehe dich bei seinem am Kreuz vergossenen Blut an, gib mir meine drei Söhne wieder! Für die Heilung meiner Kinder möge der Name des Herrn Jesus, des Erlösers, in der heidnischen Stadt Gaza verherrlicht werden. Dann magst du in die Stadt kommen und das Götzenbild des Marnas 49 zertrümmern.“ 50 Doch Hilarion ging nicht sofort auf den Wunsch der Mutter ein. Er verhielt sich ablehnend und wies darauf hin, er hätte seine Wohnstätte bisher nicht verlassen und beabsichtigte auch nicht, dies zu tun. Er sei es nicht mal gewohnt, ein kleines Landgut zu betreten, geschweige denn eine Stadt. Sein Platz sei in der Einöde. Als Aristänete die Weigerung des Heiligen vernahm, warf sie sich auf die Erde und rief anhaltend: ,,Hilarion, Diener Christi, gib mir meine Kinder wieder! Antonius hat sie in Ägypten auf den Armen getragen, in Palaestina sollst du sie mir erhalten.“ 51 34


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Dabei weinte Aristänete so trostlos, dass auch ihre Dienerschaft, in Mitleid für ihre Herrin, in Tränen ausbrach. Und auch Hilarion konnte nicht an sich halten und musste weinen. Jedoch bestand er weiterhin darauf, zu bleiben, wo er war. Die Frau ließ jedoch nicht locker. Verzweifelt flehte sie ihn unaufhörlich an, mit ihr zu gehen, und für ihre Kinder zu beten. Dieser Leidenschaft der Mutter, die für ihre Kinder eintrat, konnte Hilarion nach einer gewissen Zeit nicht mehr widerstehen. Er versprach ihr, nach Sonnenuntergang in Gaza einzutreffen. Hilarion hielt Wort, er kam nach Gaza. Als er zu den Betten der fieberglühenden Kinder gebracht worden war, betete er über ihnen unter Anrufung des Namens Jesu. Augenblicklich zeigte sich Gottes Wunderkraft. Aus allen dreien trat der Schweiß in Strömen hervor. Das Fieber verließ sie derart schnell, dass sie noch in der gleichen Stunde zu essen verlangten. Überglücklich fielen sie in die Arme ihrer Mutter, dankten Gott und küssten Hilarions Hände.

Vorbild für Mönche Nachdem sich die Nachricht über die Heilung der sterbenden Kinder herumgesprochen hatte, eilten die Menschen mit ihren Anliegen zu Hilarion. Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen, sogar von Syrien und Ägypten. Seine Einsiedelei wurde zum Wallfahrtsort. Viele der Besucher glaubten an Jesus Christus, wollten aber mehr, als nur errettet sein. ,,Heiden kamen und gingen als Gläubige fort; Gläubige kamen und kehrten nicht mehr in die Welt zurück.“ 52 Etliche folgten dem Beispiel des Hilarion und entschieden sich für das Mönchtum. Bisher hatte es in Palaestina keine Mönchsniederlassung außer dem Sitz Hilarions gegeben. In Syrien war 35


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