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Zusammengetragen, bearbeitet und herausgegeben von

BERNHARD KOCH 3


Der uralte Gebetskämpfer

Copyright © 2008 by ReformaZion Media Braasstraße 30 D – 31737 Rinteln Fon 05751 / 97 17 0 Fax 05751 / 97 17 17 info@reformazion.de www.reformazion.de Alle Rechte vorbehalten. ISBN 978-3-938972-05-2 2. Auflage, Oktober 2008 Printed in Germany Umschlagfoto: Berg Kailas Die Bibelzitate wurden, wenn nicht anders angegeben, der Revidierten Elberfelder Bibel, R. Brockhaus Verlag Wuppertal, entnommen. Bibelzitate mit der Angabe (LU) entstammen der revidierten Lutherbibel, © 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlags.

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Inhalt

Einleitung Wer war Sadhu Sundar Singh? Begegnung mit dem Maharischi Eine über 300-jährige Lebensgeschichte Begegnung mit Jesus

1 2 3 4 33 5 In neuen Dimensionen 6 Körper und Seele 7 Beziehung zwischen geistlicher und materieller Welt 8 Die Geister der Verstorbenen 9 Johannes der Täufer 10 Der Tod und das Jenseits 11 Himmelwärts 12 Der Jüngling zu Nain 13 Zwei Philosophen 14 Das Ende der Welt ist nahe 15 Sundars zweite Reise zum Maharischi 16 Die geheimen Missionare 17 Sadhu Sundar Singhs letzte Reise Nachwort Anmerkungen Literatur

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Der uralte Gebetskämpfer

,,Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?“ (Johannes 3:12)

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2 Begegnung mit dem Maharischi

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Im Jahre 1912 veröffentlichte eine nordindische Zeitung folgende Zeilen: ,,Unser von der Welt gelöster, selbstloser und frommer Bruder Sundar Singh hat den christlichen Einsiedler, den Maharischi zu Kailas, aufgefunden, der jahrelang auf dem schneebedeckten Himalaja in Gebet und Fürbitte für die Welt lebte und noch lebt ... Du hast das Geheimnis eines der Mitglieder unserer Mission, des Maharischi zu Kailas, enthüllt.“ 12 Während seiner evangelistischen Reisen im westlichen Tibet suchte Sadhu Sundar Singh jedes Mal nach zurückgezogenen Asketen hinduistischen oder buddhistischen Glaubens. Er hatte gehört, diese hielten sich dort in Höhlen auf, um ihre letzten Tage in meditierender Betrachtung zu verbringen. Die Gebirgskette des Kailas wählten sie deshalb, weil dieser Ort sich in der Stille ewigen Schnees fernab von den Wohnungen der Menschen befindet und als heilig gilt. In diesem Hochland entspringt die Hauptquelle des gewaltigen Indus, aber auch dessen Nebenfluss Satledsch, der Sundar Singhs Geburtsland Punjab durchfließt. 1912 machte sich der christliche Sadhu wieder auf, um im 23


Der uralte Gebetskämpfer

Gebiet des Kailas die in den Höhlen lebenden Meditierenden zu finden. Es verlangte ihn, diesen von der Rettung durch Jesus Christus zu erzählen. Aufs Geradewohl schritt er in dieser wunderbaren Einsamkeit voran, um diesen Menschen zu begegnen. Dort gab es keine befestigten Wege. Nach etlichen Tagen des Herumirrens in viertausend Metern Höhe, völlig erschöpft und fast schon schneeblind, überlegte Sundar umzukehren. Das war in der Nähe eines Kailas-Gipfels, auf dem sich ein verlassener buddhistischer Tempel befand, der nur selten von Menschen besucht wurde. Doch plötzlich verlor er sein Gleichgewicht, glitt aus und rutschte einige Meter den Abhang hinunter, bis er wieder Boden unter die Füße bekam. Für kurze Zeit verlor Sundar sein Bewusstsein. Als er wieder aufwachte und die Augen öffnete, sah er den riesigen Eingang zu einer Höhle. Erschrocken von dem, was er zusätzlich erblickte, fiel er fast wieder in Ohnmacht. Am Eingang der Höhle saß ein gespenstisch und unheimlich wirkendes, be-haartes Wesen; mehr einem Tier ähnlich, als einem Menschen. Als er sich dieses Wesen genauer betrachtete, wurde er gewahr, er hatte einen offenbar uralten Mann entdeckt, der mit geschlos-senen Augen dasaß und sich in tiefer Meditation befand. Dieser Mensch war mit langem, wallenden Haar bedeckt, welches seine Körperglieder wie ein natürlicher Schutz umhüllte. Er trug einen bis zur Erde reichenden Bart; die Augenbrauen waren wie Büsche und beschatteten seine Augen. Sundar nahm all seinen Mut zusammen und sprach den Meditierenden an. Dieser öffnete langsam die Augen. ,,Es waren Augen“, berichtet der Sadhu, ,,die mich anschauten, die so leuchtend waren, dass es mir schien, als wollten sie mein in24


Begegnung mit dem Maharischi

nerstes Herz durchdringen und dort meine Gedanken lesen. Es waren Augen voller Liebe.“ Sundar Singh glaubte, einen Hindu-Rischi gefunden zu haben, dem er die gute Botschaft von Jesus Christus bringen konnte. Aus diesem Grunde war er höchst erstaunt, als der Alte ihn ansah, sein Schweigen brach und sagte: ,,Lass uns niederknien und beten.“ Der Einsiedler betete ein überaus salbungsvolles Gebet, welches er ehrfürchtig mit dem Namen Jesu beendete. Dann holte er ein Pergament hervor, mit dem Neuen Testament beschrieben, öffnete es und las einige Verse aus der Bergpredigt des Matthäus-Evangeliums vor.

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3 Eine über 300-jährige Lebensgeschichte 13

Nachdem er das Wort Gottes betrachtet hatte, saß der alte Mann ruhig da, ohne etwas zu sagen. Dann fragte ihn Sundar, wer er sei und was ihn in diese Gegend geführt habe. Daraufhin erzählte ihm der Maharischi seine Lebensgeschichte. Er begann mit einem Vers aus dem Johannes-Evangelium, in dem Jesus sagt: ,,Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ 14 Dann fuhr er fort: ,,Vor etwa 318 Jahren 15 wurde ich in einer moslemischen Familie in Alexandrien, Ägypten, geboren. Als junger Mann war ich so wie meine Eltern ein eifriger Anhänger des Propheten Mohammed. Ich wurde in allem unterwiesen und verbrachte viele Stunden mit dem Aufsagen von Gebeten und Koranversen. Doch mein Herz fand keine Ruhe. Mein geistlicher Hunger nahm mehr und mehr zu. Deshalb entschied ich, mein Leben größerer Selbstdisziplin zu unterwerfen.“ Sehnsucht nach Erlösung „Kaum war ich 30 Jahre alt, sonderte ich mich von der Welt ab, trat in ein moslemisches Kloster ein und wurde zum Einsiedler. Durch nächtliches Wachen und Beten und tägliches 27


Der uralte Gebetskämpfer

Nachsinnen wollte ich das Heil meiner Seele erlangen. Doch dadurch geriet ich nur noch mehr in seelische Niedergeschlagenheit. Mein unerlöster Zustand verschlimmerte sich. Je mehr ich den Koran las und betete, umso unglücklicher wurde ich. Das Leben wurde mir zur Last, da mein Geist hoffnungslos verwirrt und zu keinem klaren Gedanken mehr fähig war. Zusätzlich schwächten mich schlaflose Nächte und qualvolle Tage. Das alles zehrte an meinen Nerven und riss an meiner Seele. Ich wollte Erlösung! Dann bekam ich eines Tages neue Hoffnung. Man erzählte mir von einem christlichen Heiligen, der aus Indien gekommen sei, um in Alexandrien über den Erretter der Seele und Erlöser von den Sünden zu predigen. Sogleich beschloss ich, diesen Mann aufzusuchen. Aber noch ehe ich meinen Plan ausführen konnte, kam der Mann Gottes zu mir und erkundigte sich über den Zustand meiner Seele. Nachdem ich ihm alles über mein Befinden gesagt hatte, schaute er mich bedeutungsvoll an und sprach: ,,Ich weiß, was deiner Seele fehlt. Dann öffnete er ein kleines Buch und las mir Folgendes vor: ,,Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben.“ 16 Und: ,,Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.“ 17 Der Mann Gottes erklärte mir das Vorgelesene, und langsam begann ich zu verstehen. Er predigte mir Worte des Lebens, welche mein Herz mit Freude erfüllten. Ich wollte mehr von 28


Eine über 300-jährige Lebensgeschichte

dem hören, was dieser Mann zu sagen hatte; und so verbrachte ich Stunden bei diesem Jünger Christi. Bei ihm lernte ich das Geheimnis geistlicher Freude.“ Erlöst und gerettet „Es dauerte nicht lange, bis ich die Erlöserkraft Jesu Christi erkannte. Nachdem mir bewusst geworden war, Jesu Blut hat mich erlöst, nahm ich Gottes Sohn in mein Leben auf, ließ mich von meinem Lehrer taufen und trat der Herde Christi bei. Neue Freude und frischer Eifer zogen in meine Seele ein. Der langersehnte Frieden durchflutete mein Herz. Ich war mit Gott versöhnt. Dabei entflammte in mir der unwiderstehliche Wunsch, anderen das kostbare Geheimnis der Erlösung zu verkündigen. Ich bat meinen Lehrer, mir zu gestatten, ihn auf seinen Evangelisationsreisen zu begleiten. Dies gestand er mir in seiner gütigen Art zu, und so verließ ich das moslemische Kloster.“ Prediger des Evangeliums „Nach einer lehrreichen Zeit sprach mein Mentor eines Tages davon, dass er Ägypten verlassen wolle. Bei unserem Abschied wies er mich an, über die ganze Erde zu gehen und Gottes Wort von der Erlösung aller Welt zu verkündigen. Den Befehl meines ehrwürdigen Lehrers nahm ich sehr ernst. Nicht allzu lang danach reiste ich voller Freude über den ganzen Erdball und predigte vom Geheimnis des Heils in Jesus Christus. 29


Der uralte Gebetskämpfer

Nebenbei möchte ich noch ein paar Worte über meinen Lehrer sagen. Er hieß Jernaus und war ein Neffe des welt-bekannten katholischen Heiligen Franz Xavier, der von 1506 bis 1552 lebte. Xavier war der bedeutendste Jesuiten-Missionar, der im Osten arbeitete. Er war einer der Gefährten des Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens. Und dieses Pergament, aus dem ich dir vorlas, ist ein kostbares Vermächtnis, das über Franz Xavier zu mir gelangt ist. 18 Es ist eins von den Papieren, die zur Zeit Konstantins geschrieben wurden.“ 19 Als Sundar die Rolle betrachtete, bemerkte er, die Schrift war ganz in griechischen Unzialen geschrieben und musste deshalb für Forscher von großem Wert sein. 20 Altersruhesitz ,,Volle fünfundsiebzig Jahre reiste ich als Missionar umher“, setzte der Alte seine Erzählung fort, ,,bis ich einhundertundfünf Jahre alt wurde. Zum Reisen war dies ein ziemlich vorgerücktes Alter. Doch der Herr hielt mich aufrecht und versorgte meinen Körper und meine Seele. Auf meinen weltweiten Wanderungen um des Evangeliums willen lernte ich einundzwanzig Sprachen und Dialekte sprechen, zu denen auch Hindi gehört. Als ich ein stetes Schwinden meiner körperlichen Kräfte verspürte und die Abnahme meiner geistigen Fähigkeiten beobachtete, zog ich mich von allen Tätigkeiten zurück. Dann machte ich mich auf, einen Platz zu finden, an dem ich die wenigen verbleibenden 30


Eine über 300-jährige Lebensgeschichte

Jahre meines Lebens in Ruhe und beständiger Gemeinschaft mit Gott zubringen könnte. Mit diesem Vorhaben gelangte ich an diesen Ort 21, den ich schon zuvor als wandernder Missionar besucht hatte. Der Ruheplatz, den ich für mein Lebensende erwählt hatte, war ideal. Auch heute noch gibt es hier weit und breit keine Häuser. Nur wenige Menschen wagen sich hier hinauf, besonders wegen der großen Kälte. Hier wachsen viele Kräuter, die gegen Krankheit helfen und deren Genuss die körperlichen Kräfte erhält. Und um mich herum hat Gott ein wunderbares Panorama ausgebreitet. Meine Lebenskraft empfange ich durch den Verzehr einer Pflanze. Es gibt eine Wurzel, die ich im Winter ausgrabe und esse, denn sie hat eine wärmende Wirkung. Ich fürchte mich nicht vor wilden Tieren; ebenso fürchten sich diese auch nicht vor mir. Eine besonders glückliche Zeit erlebe ich in den Wintermonaten, wenn die Kälte besonders streng ist. Dann schmiege ich mich in der Höhle an die wilden Bären und sie schmiegen sich an mich; so wärmen wir uns gegenseitig.“ 22 Sundar Singh erwähnt, bei seiner ersten Begegnung mit dem Seher vom Kailas, sei er von der scharfen Kälte bis ins Innerste erstarrt gewesen. Der Alte hätte ihm Blätter einer gewissen Pflanze zu essen gegeben, woraufhin er sich sofort besser gefühlt habe. Sein Körper sei wie von einer angenehmen Glut durchströmt worden, die ihn schnell wieder zu Kräften kommen ließ. 23 31


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