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Christen und Muslime – geht das zusammen? Martin Mßller


Erste Auflage März 2011 © Schleife Verlag, Pflanzschulstrasse 17, 8411 Winterthur, Switzerland Tel. 0041 (0)52 232 2424 ISBN: 978-3-907827-80-2 Bestellnummer: 120.076 Lektorat: Michael Herwig, Judith Petri Gestaltung: Ilona Ingold Satz und Druck: Schönbach-Druck GmbH, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.


Inhalt Vorwort von Andreas Keller

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1. Einleitende Begriffsklärung: Was verstehen wir unter Toleranz?

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2. Der Einfluss von Judentum und Christentum auf die Entstehung des Islam

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3. Verehren Muslime und Christen denselben Gott?

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4. Die Entstehung und Ausbreitung von Christentum und Islam

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5. Die Zeit der islamischen Überlegenheit (8.–11. Jahrhundert)

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6. Die Zeit eines Machtgleichgewichts zwischen Islam und Christentum (11.–17. Jahrhundert)

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7. Die Zeit der abendländisch-christlichen Überlegenheit (18.–21. Jahrhundert)

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8. Wie orientieren wir uns als christliche Gemeinde und abendländische Gesellschaft in dieser Situation?

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9. Bedingungen für ein friedliches Zusammenleben (aktuelle Diskussion)

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10. Die Macht des Islam und die Herrschaft Christi, oder: das ‹Haus des Islam› und das ‹Reich Gottes›

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11. Unser Auftrag an den Muslimen

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Vorwort Dieses Büchlein ist ein dringend nötiger Beitrag zu einem brennenden Thema, welches uns früher oder später alle betreffen wird. Die Sensibilisierung und Aufklärung der christlichen Gemeinde in Bezug auf den Islam und seine Motive ist unabdingbar. Um es gleich vorwegzunehmen: Im Gegensatz zum Autor habe ich als Privatperson bei der Minarett-Initiative ein Ja in die Urne gelegt. Ob Gegner oder Befürworter – beide Meinungen können wohl einzelne Argumente gewinnen, aber zusammen, so fürchte ich, stehen wir in Europa in der Gefahr, den ganzen Kampf zu verlieren. Gut zu wissen, dass uns das Neue Testament ebenfalls Meinungsverschiedenheiten von Glaubensgeschwistern überliefert hat, die dem grossen Ziel des Wiederkommens Christi hier auf Erden mitnichten im Wege stehen! Dazu braucht es Herzen, so Müller, die durch Busse und Umkehr willig sind, vor der eigenen Haustür zu wischen, damit die Liebe Christi durch unser Leben die Herzen der Muslime erreicht. Das Anliegen von Martin Müller ist in der folgenden Passage der Bergpredigt Jesu zusammengefasst: «Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde und bittet für die, welche euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters in den Himmeln seid! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen

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über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, was habt ihr für einen Lohn? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüsst, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die Heiden dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.» (Matthäus 5,43-48) Martin Müller ist qualifiziert, über die sog. Toleranz im Zusammenleben mit den Muslimen zu schreiben. Während vieler Jahre hat er in der Verwandtschaft mit zugeheirateten Muslimen Kontakt gehabt und sich nicht zuletzt deswegen mit dem Koran und der christlich-islamischen Geschichte intensiv auseinandergesetzt. Müller distanziert sich sowohl von der Kuschelpolitik unserer Regierungen als auch vom salonfähigen Appeasement vieler Bevölkerungsschichten und der Medien gegenüber dem anti-christlichen System des Islamismus. Solcher Verharmlosung, aber andererseits auch der aus Bedrohung und Angst erwachsenen Überheblichkeit, Geringschätzung und Ablehnung gegenüber Muslimen, stellt er den Weg der gelebten Nächstenliebe und des Christuszeugnisses entgegen. Mag der Beitrag von Martin Müller auch nur ein Puzzlestückchen zum ganzen Bild beitragen, ohne dieses Fragment wird das Bild unvollkommen sein. Dazu hilft auch die Aufklärung über den geschichtlichen Hintergrund der Beziehung zwischen dem Christentum und dem Islam. Gerade in der Hitze der Diskussion vergessen wir oftmals, dass hinter einem unserer christlichen Weltanschauung diametral entgegengesetzten System von Gott erschaffene und geliebte Menschen sind, die die gleichen Bedürfnisse von Liebe, Annahme und Geborgenheit haben wie wir.

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Kürzlich offenbarte mir Gott in einem Traum, dass wir als «kleine Herde» im heissen Wüstensand, mit der Macht des Islam konfrontiert, nur einen Ausweg haben: Da wo wir unser Zeugnis über das Erlösungswerk Christi in uns haben und dies auch weitergeben, wird uns eine äusserliche Gefangenschaft ins «Haus des Islam» erspart bleiben. Es ist darum mein Gebet und meine Hoffnung, dass wir durch die vorliegenden Seiten den Weg zu unserem Zeugnis zurückfinden und es fröhlich weitergeben. IHM zur Ehre. Andreas Keller, Stiftung Schleife, Winterthur / Schweiz

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1. Einleitende Begriffsklärung: Was verstehen wir unter Toleranz?

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oleranz steht heute hoch im Kurs und wird zu Recht immer wieder gefordert; gerade im Blick auf das Zusammenleben verschiedener Religionen und Weltanschauungen in unserer pluralistischen und multireligiösen Gesellschaft ist sie wichtig. Aber was verstehen wir eigentlich unter Toleranz? – Das Wort kommt vom lateinischen ‹tolerare›, was ‹ertragen› heisst. Es geht darum, seine Mitmenschen zu ertragen, auch wenn wir nicht gleicher Meinung sind wie sie. Der französische Philosoph Voltaire hat sich in diesem Sinn für die in Frankreich verfolgten Hugenotten eingesetzt, obschon er ihren Glauben keineswegs teilte. Auch vom Evangelium her haben wir gute Gründe, uns für die Toleranz bzw. für die Glaubens- und Gewissensfreiheit einzusetzen. Es geht darum, auch die von uns abgelehnten Ansichten anderer zu respektieren und den sie vertretenden Menschen in Liebe und Achtung zu begegnen. Für uns Christen ist die Toleranz zutiefst darin begründet, dass Gott uns in Jesus Christus trotz allem, was gegen uns spricht, erträgt. Er duldet, er toleriert den Widerspruch, ja den Hass von uns sündigen Menschen selbst dort, wo wir seinen lieben Sohn ans Kreuz schlagen.1 Er schlägt nicht zurück und rächt sich nicht. Er macht vielmehr das

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Kreuz zum Zeichen der Versöhnung. Vom Kreuz her ruft er: «Lasst euch versöhnen mit Gott. Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.»2 Toleranz besteht aber nicht darin, dass wir nach dem Motto «Wir glauben ja alle an denselben Gott» vorschnell Unterschiede und Gegensätze verwischen. Der Theologe H. Hempelmann hat das an der Tagung des Landeskirchlichen Forums vom 6. Juni 2009 in Bern zu Recht betont. Es ist das Gegenteil von echter Toleranz, wenn man im Namen der Toleranz den verschiedenen Bekenntnissen verbietet, ihre jeweils besondere Identität auszudrücken und ihren eigenen Glauben zu bekennen. Es ist oberflächlich, vorauszusetzen, dass sowieso alle das Gleiche meinen. Das müsste sich bei näherer Prüfung erst noch erweisen.3 An derselben Tagung hat der als Moslem in Indien aufgewachsene und später zum christlichen Glauben übergetretene Shafique Keshavjee ebenfalls ein differenziertes Gespräch zwischen den Religionen gefordert, das die Unterschiede nicht von vornherein einebnet. Sein Buch ‹Der König, der Weise und der Narr› 4 führt den Dialog zwischen den Religionen in liebevoller und einfühlsamer Art, doch ohne den eigenen christlichen Glauben zu verleugnen und ohne die Differenzen zu bagatellisieren. Toleranz heisst nicht, dass Gott die Sünde gutheisst oder auch nur verharmlost. Toleranz kann für uns nicht bedeuten, dass alle irgendwie Recht haben, dass alles relativ ist und es keine uns unbedingt verpflichtende Wahrheit gibt. Wir haben unter Umständen eine Lüge

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aufzudecken oder Menschen in unserem Umkreis vor Irrwegen zu warnen. Gemäss dem Auftrag Jesu stehen wir in der Verantwortung, die Wahrheit des Evangeliums durch Wort und Tat zu bezeugen. Freilich hat das in Liebe, ohne psychischen oder materiellen Druck und ganz gewiss ohne Zwang und Gewalt zu geschehen. Die Herrschaft Gottes steht im Zeichen des sanftmütigen und demütigen Jesus. Im Sinn von Epheser 4,15 gilt es, die Wahrheit in Liebe festzuhalten und zu bezeugen. Demgegenüber hat Toleranz im politischen Bereich im Blick auf intolerante Ideologien, die uns ihrer Herrschaft unterwerfen wollen, keinen Sinn. Gegenüber Leuten, die unsere freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Ordnung ausnützen, um sie Schritt für Schritt durch eine ideologische Diktatur zu ersetzen, müssen wir uns vorsehen. Auch wenn die Demokratie nach Winston Churchill bloss die am wenigsten schlechte unter allen Staatsformen ist, so haben wir doch allen Grund, diese politische Ordnung mit legalen Mitteln zu verteidigen. In der Vergangenheit zeigte es sich, dass Toleranz gegenüber totalitären Ideologien, wie dem Nationalsozialismus und dem sowjetischen Kommunismus, keinen Sinn macht. Wieweit macht Toleranz gegenüber dem Islam und insbesondere gegenüber dem Islamismus Sinn? Meinen Muslime, wenn sie von Toleranz reden, dasselbe wie wir? Auf diese Frage werden wir später zurückkommen.5 Toleranz, wie wir sie verstehen, ist gerade in der Beziehung zwischen Christen und Muslimen keine Selbstverständlichkeit. Schon in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts hat der amerikanische Soziologieprofessor S. Huntington6 vorausgesagt, dass das 21. Jahrhundert vom Zusam-

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menprall der verschiedenen Kulturen, insbesondere von islamischer und westlicher Welt, geprägt sein werde. Ganz ähnlich hat Brother Andrew schon anfangs der Achtzigerjahre in der von ihm gegründeten Organisation ‹Open Doors› vor dem Islam als der entscheidenden Bedrohung des 21. Jahrhunderts gewarnt; dies, obschon ‹Open Doors› damals noch vor allem in kommunistischen Ländern wirkte.7 Er hatte seit 1979 immer wieder Kontakte mit libanesischen Christen, später auch mit Vertretern der Hisbollah und der Hamas.8 Die Ereignisse zu Beginn des 21. Jahrhunderts, vor allem die Terrorakte der al-Qaida, scheinen diesen Voraussagen Recht zu geben. Viele Abendländer, auch zahlreiche Christen, haben Angst vor dem Islam. Das ist angesichts immer wieder vorkommender islamistischer Terrorakte verständlich. Aber auch die stetig wachsende muslimische Bevölkerung in unseren Ländern wird oft als bedrohlich erlebt. Zwar überwiegen unter Intellektuellen und Islamwissenschaftlern, unter Politikern und Medienfachleuten, auch unter Theologen und Kirchenführern, die beschwichtigenden Stimmen. Der Islam sei nach Judentum und Christentum die dritte der monotheistischen Weltreligionen, die sich auf Abraham beriefen. Unsere Religionen hätten manches gemeinsam. Eine Verständigung und ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen seien gewiss möglich. Auf der anderen Seite glaubt man das im Volk nur so halb. ‹Fatwas› (muslimische Rechtsgutachten) gegen missliebige muslimische Schriftsteller, wie Salman Rushdie oder Ayan Hirsi Ali, der Mord am holländischen Filmschaffenden van Gogh, die gewalttätigen Reaktionen auf die dänischen Mohammedkarikaturen, die Morddrohungen

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gegen islamkritische Schriftsteller wie Udo Ulfkotte oder Bassam Tibi, die Diskriminierung oder gar Verfolgung von Christen in den meisten islamischen Ländern, die zahlreichen Selbstmordattentate in der Sowjetunion, in Indien, in Indonesien, im Irak, in Israel und anderswo, die gewalttätigen Revolten junger Muslime in französischen Vorstädten, aber auch das manchmal recht arrogante Auftreten von Muslimen bei uns, bestärken viele Leute im Misstrauen gegenüber dem Islam.

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2. Der Einfluss von Judentum und Christentum auf die Entstehung des Islam

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emeinsames: Mohammed wollte seinem arabischen Volk den Glauben an den einzigen, wahren Gott bringen. Nach seiner Überzeugung war das der Gott, der sich bereits im Alten und Neuen Testament den Menschen offenbart hatte. Abraham/Ibrahim, Josef/Jussuf, Mose/ Musa, König David/Daud, die Propheten, Jesus/Isa, kommen auch im Koran vor und werden dort als Propheten anerkannt; Jesus sogar als der Messias. Die Tora und der Psalter der Juden und das Evangelium der Christen sind für die Muslime heilige Schriften. Allah ist der Schöpfer der Welt, Lenker der Geschichte und Herr des Jüngsten Gerichts. Die Jungfrauengeburt Jesu, seine Heilungswunder und seine Wiederkunft am Jüngsten Tag werden im Koran bezeugt. Manche Gebote des Korans stimmen mit den biblischen 10 Geboten überein. Die Suren des Korans beginnen immer wieder mit den Worten «im Namen Allahs des Allbarmherzigen». Die Muslime glauben an einen barmherzigen Gott, der dem Sünder vergibt, wenn er umkehrt. Ihr Verständnis von Gottes Barmherzigkeit unterscheidet sich freilich vom unsrigen. Gebetet haben die Muslime in der ersten Zeit in Richtung Jerusalem, welches für sie die heilige Stadt war und bis heute bei ihnen ‹Al Kuds›, ‹die Heilige›, heisst.9

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Unterschiede: Es gibt aber auch grundsätzliche Unterschiede zwischen Bibel und Koran. Die Schöpfungsgeschichte, Erzählungen der Erzväter und weitere biblische Geschichten, insbesondere die Kreuzigung Jesu, sind im Koran in stark veränderter Form wiedergegeben. Das wird von muslimischer Seite so erklärt, dass die Bibel von den Juden und Christen nachträglich verfälscht worden sei. Der Koran stelle die ursprüngliche Wahrheit wieder her.10 Wir gehen demgegenüber davon aus, dass Mohammed die Bibel nicht selber gelesen hat. Er konnte ja weder lesen noch schreiben. Er kannte biblische Geschichten nur indirekt durch das, was ihm Juden und Christen, manchmal auch christliche Sektierer davon erzählten. So wird im Koran z. B. angedeutet, nicht Jesus, sondern ein anderer, sei für ihn gekreuzigt worden, wie es auch die frühchristliche Irrlehre des Doketismus vertrat.11 Weiter lehnte Mohammed die Dreieinigkeitslehre der Christen energisch ab. Das sei Vielgötterei. Dabei war nach seiner Meinung Maria gemäss der christlichen Trinitätslehre die dritte Person Gottes, nicht der Heilige Geist.12 Solches hat aber die christliche Kirche nie gelehrt. Der Glaube an die Dreifaltigkeit Gottes ist für uns Christen zudem gerade nicht Polytheismus und stellt die Einheit Gottes keineswegs in Frage. Er ist der Drei e i n i g e. Wegen dieser Unterschiede, aber auch weil Mohammed von Juden und Christen in Medina nicht als Prophet anerkannt wurde, wandte er sich mit der Zeit klar gegen sie. Besonders die in Medina lebenden Juden lehnten Mohammed als Propheten ab und konspirierten mit seinen Feinden in Mekka. Darum bekämpfte, unterwarf, tötete oder vertrieb er sie. In der Folge änderte er die Gebetsrichtung von Jerusa-

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lem nach Mekka. Manche der Surenstellen, die in für uns erschreckender Weise zum Kämpfen, Töten und Unterwerfen aufrufen, sind auf diesem Hintergrund zu verstehen. Ablehnung Mohammeds durch Juden und Christen: Nach dem biblischen Bericht in 1. Mose 16 und 21 wurde Hagar mit ihrem Sohn Ismael gegenüber dem jüngeren Abrahamsohn Isaak zurückgesetzt, zuletzt sogar vertrieben. Zwar wird gemäss 1. Mose 21,13.18-20 auch Ismael nach Gottes Willen zu einem grossen Volk werden, und Gott segnet ihn. Doch allein nach Isaak soll gemäss 1. Mose 21,12 Abrahams Geschlecht benannt werden. Diese Zurücksetzung wiederholt sich in gewissem Sinn in der Geschichte der Nachkommen Ismaels, der Araber. Auch Mohammed wird von Christen und Juden abgelehnt, wie Hagar und Ismael von Abraham und Sarah. Mohammed akzeptiert das aber nicht; er und die spätere muslimische Überlieferung schreiben die Geschichte um: Ismael, der älteste Sohn Abrahams, wird nun zu seinem bevorzugten Sohn; über ihn wird Abraham zum Stammvater der Araber und zum ersten Muslim; die Kaaba in Mekka wird zu einem vom Erzvater gestifteten Heiligtum erklärt. Der Ort der Opferung Ismaels, nicht Isaaks13, wird bis heute in der Nähe von Mekka gezeigt. Für dieses Umschreiben der biblischen Geschichte durch den Islam gibt es aus Sicht des Historikers keine überzeugenden Argumente. Der Koran wird aber nun zur abschliessenden Offenbarung Gottes erklärt, welche die vorangehenden Offenbarungen in Tora und Evangelium überbietet. Der Islam ist darum die allein wahre Religion und

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