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Leseprobe Deborah Joyner Johnson Auf kĂśniglichem Pfad

Schleife Verlag, CH-Winterthur

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Leseprobe

Titel der Originalausgabe: The Chosen Path © 2003 Deborah Joyner Johnson Published by MorningStar Ministries and Publications, P0. Box 19409, Charlotte,NC 28219-9409 USA. Tel 704522 8111 Fax 704 522 7212 www.momingstarministries.org 1. Auflage Juli 2004 © Schleife Verlag, Pflanzschulstrasse 17, Postfach 85, CH-8411 Winterthur, Switzerland Tel +41 (0)52 2322424 Fax +41 (0)52 2336082 Email:publications@schleife.ch. www.schleife.ch ISBN 3-907827-36-8 Vertriebspartner Deutschland, Österreich: Gerth Medien, Asslar Schweiz: Gerth Medien AG, CH-Rothrist Die Bibelzitate in diesem Buch sind, wenn nicht anders angegeben, der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift von 1980 entnommen. Die Bibelzitate aus der Luther Bibel (Rev. Fassung von 1984) sind mit Luth. gekennzeichnet. Die Bibelzitate aus der Elberfelder Bibel (Revidierte Fassung von 1985) sind mit EIb. gekennzeichnet. Die Bibelzitate aus der Hoffnung für alle (Fassung von 1996) sind mit Hfa. gekennzeichnet. Der Text des Buches folgt den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Die Bibelzitate sind der neuen Rechtschreibung angepasst. Übersetzung: Tina Pompe Lektorat: Judith Petri und Michael Herwig Umschlaggestaltung: Pia Maurer Satz und Druck: Schönbach-Druck GmbH, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.

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Leseprobe INHALTSVERZEICHNIS Vorwort von Lilo Keller 9 Vorwort von Rick Joyner 9 Einführung 13 Teil I Der Ruf 15 Teil II Reisevorbereitungen 37 Teil III Die Reise beginnt 71 Teil IV Die Reise 127 Teil V Der grosse Kampf 197 Teil VI Die Reise geht weiter 237 Teil VII Das Ende der Reise 271

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Leseprobe WIDMUNG Dieses Buch ist in Liebe all den Mutigen gewidmet, die ihrer Bestimmung folgen und sich für den Weg Gottes in ihrem Leben entscheiden. Meinen Kindern Matthew, Meredith und Abby: Ich wünsche euch, dass auch ihr euch für diesen Weg entscheidet und ihm folgt und so immer näher an das Herz des Königs kommt, der euch so sehr liebt. Meinem Bruder Rick: Ich bin dir zutiefst dankbar für deine Hilfe und Einsicht sowie deine Ermutigung, durchzuhalten und dieses Buch „Auf königlichem Pfad“ zu beenden. Danke, dass du so ein wunderbarer grosser Bruder bist. Allen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Buch verwirklicht werden konnte: Aufrichtigen und herzlichen Dank. Gott segne jeden von euch hundertfach für eure Treue.

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Leseprobe VORWORT Als ich dieses aussergewöhnliche Buch zum ersten Mal las, konnte ich es fast nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte von Zoe erinnert stark an Bunyans Pilgerreise. Kaum hat die junge Frau den Ruf vernommen, eine Dienerin des Königs zu werden, lässt sie alles Alte, Gewohnte, Vertraute und Liebgewordene hinter sich. Eine abenteuerliche Reise mit vielen Prüfungen, Herausforderungen, Entscheidungen, Kämpfen, mit Versagen und Überwinden beginnt. Wer sich zusammen mit Zoe auf ihre Pilgerreise begibt, wird selber einen inneren Weg beschreiten und einen Reifungsprozess durchlaufen und dabei herausgefordert, mit dem ganzen Leben dem König aller Könige und seinem Reich zu dienen. Ich glaube, dass diese prophetische Geschichte zur rechten Zeit erscheint, um gerade in dieser „Verfremdung“ einer jungen Generation, aber auch allen im Geiste jung Gebliebenen zu bezeugen: Die Liebe ist stärker als der Tod! Das Königreich Gottes ist angebrochen. Und es lohnt sich, für diesen König zu leben und zu sterben. Lilo Keller

Das Buch Auf königlichem Pfad ist eine fesselnde Geschichte. Aber es ist noch viel mehr als eine Geschichte es ist die Wahrheit. Es wurde in der Absicht geschrieben, in all denen neuen Mut und Entschlossenheit zu wecken, die treu an der höchsten Berufung festhalten. Dieses Buch wurde ganz speziell für die nachfolgende Generation geschrieben. Bereits jetzt ist klar zu erkennen, dass diese Generation sich nicht mit der Art von christlichem Glauben zufrieden geben wird, wie er heute in überwiegenden Teilen der Gemeinden gelebt wird. Diese kommende Generation hungert nach Abenteuer und dem Übernatürlichen Beides können wir in seiner ursprünglichen Form im Leben eines echten Christen finden. Der wahre christliche Glaube kommt aus seiner Verborgenheit hervor, und leidenschaftliche Seelen finden ihn. Das sind die Menschen, die sich von Büchern wie A uf königlichern Pfad stärken und ermutigen lassen. LESEN SIE DIESES BUCH NICHT ALS ROMAN - LESEN SIE ES ALS EINEN RUF. Debbie ist meine jüngere Schwester; und ich habe sie beobachtet, wie sie ihr ganzes Leben lang immer wieder durchgehalten und überwunden hat. Sie hat viele ihrer Kämpfe in Siege verwandelt — wie es auch die Heldin des vorliegenden Buches tut, die ihren Weg zu ihrer eigentlichen Bestimmung sucht und findet. Solche Erfahrungen sind immer die beste Quelle für die Wahrheit; deshalb liess der Herr seine ewige Wahrheit auch von Menschen aufschreiben und nicht von Engeln. Lebendige Wahrheit muss durch ein gelebtes Leben fliessen. Lebendige Wahrheit ist nicht nur Theorie, sondern sie ist eine Erfahrung. Die Kraft, die durch das Buch strömt, das Sie gerade in den Händen halten, ist eine solche lebendige Wahrheit. Aber die eigentliche Botschaft ist viel mehr als nur ein gutes Buch oder eine spannende Geschichte — es ist der Ruf, Ihre eigene grossartige Geschichte zu leben. Als Jesus seine zwölf Jünger aussandte, um das Evangelium zu predigen, kehrten sie voller Freude zu ihm zurück, weil sogar die Dämonen seinem Namen gehorchen mussten. Er entgegnete ihnen, dass sie sich aber viel mehr darüber freuen sollten, dass ihre Namen im Buch des Lebens stünden (s. Lukas 10). Das ist Ihre Berufung, der Grund, weshalb Sie auf dieser Erde leben — Sie sind hier, um Ihre eigene © Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe Geschichte in das Buch des Lebens zu schreiben, die in alle Ewigkeit an die Liebe Gottes und an die Kraft dieser Liebe erinnern wird. Die Symbolik und die Bilder in dieser Geschichte sind ganz unverhohlen christlich. Das wahre Leben eines Christen ist die Suche nach dem, was eigentlich von Wert ist; und es ist das grösste Abenteuer, das wir überhaupt auf dieser Erde erleben können. Gleichzeitig ist es aber auch das schwierigste Leben, das es gibt; genau aus diesem Grund sagt der Herr ganz klar und eindeutig, dass es in seinem Reich keine Feiglinge geben wird (vgl. Offenbarung 21,8). Auf königlichem Pfad ist ein Aufruf, die eigene Bequemlichkeitszone hinter sich zu lassen und sich nach dem grössten Schatz auszustrecken, den es gibt — nach einem Leben, das seine eigentliche Bestimmung erfüllt, nach einem Leben, das letztendlich den Sieg erringt und den höchsten Lohn der gesamten Schöpfung empfängt, nämlich den König der Könige sagen zu hören: „Gut gemacht, du guter und treuer Diener!“ Das ist Ihre Aufgabe, und dieses Buch bietet Proviant für Ihre Reise. Rick Joyner

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Leseprobe EINFÜHRUNG Es gibt viele Wege, für die wir uns in unserem Leben entscheiden können, und jeder wird uns zu einem anderen Ziel führen. Die Weisheit, den richtigen Weg zu wählen, gehört zu den kostbarsten Dingen, die wir besitzen können. Hier halten Sie die Geschichte eines Mädchens namens Zoe in den 1 länden, die den Weg beschreibt, für den sie sich entscheidet, mit allen Konsequenzen ihrer Entscheidung. Auf ihrem Weg hat sie noch viele Entscheidungen zu treffen, und jede davon hat die Macht, ihr Leben zu verändern. Ich hoffe, dass auch Sie an Weisheit dazugewinnen, wenn Sie nun Zoe auf ihrer lebensverändernden Reise begleiten. Der König der Könige hat bereits einen Weg für Sie bestimmt, dem Sie folgen sollen, weil er Sie liebt. Seine Liebe ist es auch, die Sie mehr als alles andere dazu befähigt, die richtigen Entscheidungen zu treffen, die den weiteren Verlauf Ihres Lebens bestimmen werden. Dieser Weg führt immer zu ihm und in die Erfüllung der Bestimmung, für die Sie geschaffen wurden. Während Sie Zoes Geschichte lesen, ist es mein Gebet, dass der Herr Ihnen Ihre eigene einzigartige Bestimmung vor Augen malt, und dass seine Weisheit dabei stets das Licht auf Ihrem Weg ist. Deborah Joyner Johnson Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit. (Psalm 16,11)

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Leseprobe

TEIL 1 Der Ruf KAPITEL EINS Ich habe dich von den Enden der Erde geholt, aus ihrem äussersten Winkel habe ich dich gerufen. Ich habe zu dir gesagt: „Du bist mein Knecht, ich habe dich erwählt und dich nicht verschmäht.“ (Jesaja 41,9) oe spähte angestrengt in die Weite und wagte kaum zu atmen, weil sie fürchtete, es würde alles wieder verschwinden. Ein Mann stand bei ihr. „ Was siehst du?“ Den Blick immer noch in die Ferne gerichtet, antwortete sie: Einen Ort, der schöner ist als alles, was ich mir je hätte vorstellen können.“ Er lächelte, als er die Sehnsucht in ihren Augen sah. „Du kannst dorthin kommen ...“ Ihre Augen rissen sich von dem Land los, als sie den Mann voller Hoffnung an blickte. Er fügte schlicht hinzu: „Es gibt einen Weg.“ Das waren stets die letzten Worte ihres Traumes. Zoe liess ihn immer und immer wieder vor ihrem inneren Auge ablaufen, weil sie verzweifelt versuchte, sich daran zu erinnern, ob ihr der Mann nicht vielleicht doch noch gesagt hatte, wie sie dieses wunderbare Land finden könnte — aber es half alles nichts. Sie ging nach draussen und setzte sich an den Bach, um nachzudenken. Sie erinnerte sich wieder an die überraschende Unterhaltung, die sie erst gestern mit angehört hatte, als ein Mann mit einer Frau über ein Land weit jenseits des Kristallmeeres sprach. Sie hatten es © Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe Remira genannt und erwähnt, dass ein Freund dorthin gereist war. Es war ein so wunderschöner Ort, dass er beinahe wie eine Wunschvorstellung erschien — das ganze Land war erfüllt von Frieden und Freiheit. Ganz unwillkürlich dachte sie, dass sich dieser Ort ganz genau so anhörte wie das Land in ihrem Traum. Wenn er es nun wirklich war, sehnte sie sich mehr als alles andere danach, dorthin zu kommen. Sie warf kleine Kieselsteine ins Wasser und musste plötzlich feststellen, dass sie noch niemals in ihrem Leben etwas Abenteuerliches unternommen hatte. Noch ahnte sie nicht, dass sich all das bis zum Sonnenuntergang schlagartig verändern sollte. Die Zeit verging. Zoe wurde langsam hungrig. Deshalb ging sie auf dem ausgetretenen Pfad zurück zu ihrem kleinen Steinhäuschen. Wenn ihre Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt waren, kam es häufiger vor, dass sie das Essen einfach vergass, wie man an ihrer schmalen Gestalt erkennen konnte. Mit ihrer zierlichen Figur, den goldbraunen Augen und der strahlenden Gesichtsfarbe, die von den vielen Stunden stammte, die sie im Freien verbracht hatte, war sie wirklich eine seltene Schönheit — eine Tatsache, derer sich Zoe aber nicht im Geringsten bewusst war. Als Zoe sich ihrem Häuschen näherte, hielt sie im Rosengarten an, um den Duft der vollen Blüten einzuatmen. Sie blickte sich um und musste innerlich zugeben, dass dies der erste Ort war, der ihr jemals wie ein Zuhause vorgekommen war. Es gefiel ihr hier, aber dennoch wusste sie tief in ihrem Inneren, dass es in diesem Leben noch mehr geben musste. Sie konnte dieses Gefühl einfach nicht abschütteln. Drinnen liess ihr der Duft von frischem Haferbrei über dem Feuer das Wasser im Mund zusammenlaufen. Sie schöpfte sich schnell eine grosse Schüssel voll und setzte sich zum Essen, als es plötzlich an der Türe klopfte. Sie spähte durch das Fenster und entdeckte einen Fremden, der seltsam gekleidet war. Seine Kleider sahen ganz anders aus als die der Leute in ihrem Dorf Brenmoor. Als Zoe ihm ins Gesicht sah, setzte ihr Herzschlag für einen Augenblick aus. Es war der Mann aus ihrem Traum. Er hatte sogar den gleichen wilden, weissen Haarschopf und die Kleider aus Schaffell. Er klopfte erneut, Sie zögerte noch, die Tür zu öffnen, aber dann war ihre Neugier stärker als ihre Vorsicht — sie musste einfach wissen, wer er war und was er wollte. Sie biss sich auf die Unterlippe und war entschlossen, ihre Furcht nicht zu zeigen, als sie die Tür einen Spalt breit öffnete. „Guten Tag“, sagte er mit einem Lächeln. „Ich bin Kieran, ein Bote des Königs. Seid Ihr Zoe Hirschfeld?“ Ihre Stirn legte sich in Falten, während sie nervös mit ihren langen braunen Locken spielte. „Ja, das bin ich.“ „Ich habe etwas für Euch vom König.“ Er hielt ihr ein säuberlich eingewickeltes braunes Bündel entgegen, an dem vorne ein Umschlag befestigt war. Mit grossen, verwunderten Augen öffnete sie die Tür ein wenig weiter, um das Bündel entgegenzunehmen. „Vom König — für m... mich?“ „Ja, ich habe eine weite Reise auf mich genommen, um es Euch zu bringen.“ Er bemerkte ihre Unsicherheit und lächelte erneut. Sie sah den Umschlag an, der an dem Bündel befestigt war, und strich mit den Fingern über das Berg-Wappen, mit dem er versiegelt war. Sie scharrte unruhig mit den Füssen und fragte: „Was ist das? Worum geht es?“ Er grinste breit: „Möchtet Ihr nach Remira kommen?“ Ihre Augen weiteten sich ungläubig: „Remira?“ Der Bote entgegnete geduldig: „Wo der König lebt.“ In ihren Augen leuchtete ein Hoffnungsschimmer auf. „Ich habe bisher nur Geschichten über Remira gehört, aber Ihr sagt, dass es dieses Land wirklich gibt?“ © Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe „Aber gewiss doch — alle dort leben in Frieden, weil unser König in Gerechtigkeit herrscht und allen Freiheit schenkt. Es gibt weder Krankheit noch Tod in Remira, weil die Liebe dort in ihrer höchsten und reinsten Form regiert, und die Liebe ist stärker als der Tod. Hier habt Ihr einen Feind, der versucht, alles Leben zu zerstören, indem er immer wieder neuen Streit und Zwietracht hervorbringt. Aber er ist aus Remira verbannt. Alle Lebewesen sind von Harmonie und Wohlgefallen erfüllt, vom Gras bis zu den Blumen, von den Tieren bis zu den Menschen.“ „Ist es wirklich möglich, dass es einen solchen Ort gibt, und dass wir von hier aus dorthin reisen können?“, fragte Zoe, die kaum fassen konnte, was der Bote gesagt hatte. Kieran lächelte und nickte so voller Gewissheit, dass Zoe spürte, wie auch sie anfing zu glauben. Dann fuhr er fort: „Es steht mir nicht frei, Euch alles zu offenbaren, was Eure Suche betrifft. Aber eines kann ich Euch sagen: Wenn Ihr Euch für diese Reise entscheidet, werdet Ihr Euch verändern. Wenn Ihr erfolgreich seid, wird Euer Leben nicht länger von Furcht geprägt sein, wie Ihr es so oft in Eurer Vergangenheit erlebt habt. Ihr werdet vielmehr ein Leben in Frieden führen; und Ihr werdet gebraucht werden, um Frieden an diesen Ort zurückzubringen.“ „Ich glaube nicht, dass mein Leben von Furcht geprägt ist, wie Ihr sagt. Ich lebe sehr friedlich hier allein.“ „Wenn das so ist, weshalb wagt Ihr Euch nie sehr weit von zu Hause fort?“ Zoe starrte den Mann nur kurz an. „Woher wisst Ihr das?“ „Ich bin ein Bote des Königs, und Er weiss alles. Er kennt Euch besser als jeder andere.“ „Aber wie kann das sein? Ich habe den König noch nie gesehen.“ „Ihr werdet es noch verstehen, wenn Ihr Euch entschliesst, diese Reise zu machen.“ Sie überdachte die Einladung gründlich. Kieran erwartete von ihr, sich im Glauben zu einem Ort aufzumachen, den sie bislang nur in einem Traum gesehen hatte, und von dem sie andere Leute hatte reden hören — wenn es denn der gleiche Ort war. Wie konnte sie sicher sein, dass es diesen Ort wirklich gab? Als wüsste er, was gerade in ihrem Kopf vor sich ging, sagte er: „Ihr müsst Euer Herz prüfen. Ihr werdet die Antwort tief in Eurem Innersten finden.“ Zoe blickte auf den Bach vor ihrem Haus. Mit einem Mal erkannte sie, dass sie entweder ihr restliches Leben in Tagträumen verschwenden oder sich auf diese Suche begeben konnte. Aber auf der anderen Seite, weshalb sollte sie die Behaglichkeit ihres hübschen, kleinen Heims aufgeben, um sich auf diese Reise ins Unbekannte zu machen? Sie bewegte diese Gedanken hin und her. „Gewährt Ihr mir einen Tag Bedenkzeit?“ „Ja. Ich kehre morgen um diese Zeit zurück und erwarte Eure Antwort.“ Als er sich zum Gehen wandte, hielt er noch einmal inne und blickte ihr tief in die Augen. „Wenn Ihr Eure Entscheidung trefft, lasst Euch nicht von Furcht beherrschen. Wenn Ihr das zulasst, werdet Ihr in einem Leben des Bedauerns gefangen sein. Ich versichere Euch, sobald Ihr Euch bei dieser Suche auf den Weg macht, wird der König Euch zu Hilfe kommen.“ Der Bote sah sie noch durchdringender an und fragte: „Wisst Ihr, was Euer Name bedeutet, Zoe?“ „Nein. Ich habe noch nie darüber nachgedacht.“ „Euer Name bedeutet Leben. Der König hat ein Leben in Fülle für Euch, und gleichzeitig neues Leben. Ihr habt doch immer schon gespürt, dass es noch mehr in Eurem Leben geben muss, als nur zu existieren, oder nicht?“ „Nun ja, also, ich meine, ich wollte schon immer einmal an : andere Orte reisen und Neues sehen. Ich lebe so zurückgezogen — manchmal wünsche ich mir so sehr, © Schleife Verlag CH-Winterthur


Leseprobe etwas anderes zu tun ...“ Ihre Augen schweiften träumerisch umher. „Ich wusste einfach nie, was es war, bis ich diesen Traum hatte.“ „Es gibt noch so viel mehr für Euch, Zoe. Aber Ihr werdet Glauben nötig haben, um dieses neue Leben zu beginnen, und grossen Mut, um weiterzugehen.“ Kieran lächelte sie beruhigend an. „Ich würde gerne noch bleiben, um mich länger mit Euch zu unterhalten; aber ich muss Euch jetzt verlassen, da ich noch eine weite Reise vor mir habe. Morgen kehre ich zurück, um Eure Antwort zu erfahren.“ Mit diesen Worten wandte er sich schnell zum Gehen und liess Zoe voller Fragen zurück. Sie ging still ins Haus zurück und setzte sich auf ihren alten blauen Lieblingssessel. Die Federn knarrten und quietschten bei jeder Bewegung. Aber die Vertrautheit gab ihr Trost. Sie zündete eine Kerze an und öffnete langsam den Umschlag. Vorsichtig liess sie den Brief herausgleiten.

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