Steve Thompson Alle kรถnnen prophetisch reden
Steve Thompson
Alle kรถnnen prophetisch reden Praktische Anweisungen zum prophetischen Dienen
Schleife Verlag, CH-Winterthur
Titel der Originalausgabe: You May All Prophesy! Practical Guidelines for Prophetic Ministry © 2000 by Steve Thompson Published by MorningStar Publications and Ministries P.O. Box 19409, Charlotte, NC 28219-9409 U.S.A. www.morningstarministries.org 5. neu gestaltete Auflage 2012 © Schleife Verlag, Pflanzschulstrasse 17, Postfach 85, CH-8411 Winterthur, Switzerland Tel. +41 (0)52 232 24 24, Fax +41 (0)52 233 60 82 Email: verlag@schleife.ch www.schleife.ch ISBN: 978-3-907827-07-9 Die Bibelstellen wurden in der Regel der Einheitsübersetzung entnommen; wo es aber dem Autor auf Schlüsselworte ankam, die in der Einheitsübersetzung nicht vorkommen, sind andere Übersetzungen gewählt worden; diese sind dann hinter der Angabe der Bibelstelle vermerkt. Übersetzung und Lektorat: Nicole Gerster, Thomas Mankel, Michael Herwig Umschlaggestaltung: Rachel Hendrix Satz: Jordi AG, CH-Belp, Druck: Schönbach-Druck, D-Erzhausen Alle Rechte vorbehalten, auch für auszugsweise Wiedergabe und Fotokopie.
Dieses Buch ist Rick Joyner, Bob Jones und Paul Cain gewidmet, die für viele Menschen zu geistlichen Vätern geworden sind. Durch eure Freundschaft und Förderung habt ihr mich ermutigt und geformt. Euer Vorbild im Glauben, eure Demut und Hingabe an den Herrn haben mich immer wieder überführt und inspiriert. Was ich euch verdanke, könnte ich nie zurückerstatten.
INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort I II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII XIV
Die Grundlagen der Prophetie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Mythen und Täuschungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Wie redet Gott? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37 Wie interpretiert man Offenbarung? . . . . . . . . . . . . . . 65 Vorbereitung auf die Interpretation . . . . . . . . . . . . . . . 91 Start ins Prophetische – kein Raum für Fehler? . . . . 101 Wie gibt man Prophetie weiter? . . . . . . . . . . . . . . . . 119 Die Rückgewinnung des prophetischen Geistes . . . . 135 Weisheit und Warnungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 Woher kommen die falschen Propheten? . . . . . . . . . 163 Die Wurzel der Selbsttäuschung . . . . . . . . . . . . . . . . 177 Wie überwindet man Ablehnung? . . . . . . . . . . . . . . . 189 Ein Wort für prophetisch begabte Menschen . . . . . . 199 Ein Wort an Pastoren und Gemeindeleiter . . . . . . . . 205
Nachwort: Anmerkungen zum Thema «So spricht der Herr!»
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VORWORT
aben Sie schon erlebt, wie befreiend es sein kann, wenn durch eine klare, durchdachte Lehre komplizierte Zusammenhänge aufgehellt und plötzlich einsehbar und verständlich gemacht werden? Gerade das Prophetische präsentiert sich heute immer noch als eine unübersichtliche und verwirrende Baustelle. Missverständnisse, Vorurteile, aber auch negative Erfahrungen der Vergangenheit, wollen den Weg zu einem unverkrampften Umgang mit dem Prophetischen verstellen. Dabei würden wir heute nichts dringender brauchen als das aufbauende, wegweisende und klärende Reden Gottes. Das Buch von Steve Thompson könnte eine Wende in die festgefahrene Diskussion bringen. Die Tatsache, dass er gleichzeitig Pastor und Prophet ist, gibt ihm die Autorität, versöhnend zwischen den Fronten zu stehen. Über Jahre hat er zusammen mit einem Leitungsteam den prophetischen Dienst in den MorningStar-Gemeinden aufgebaut und integriert. Seine Ausführungen sind also im Gemeindealltag gewachsen und durch zahllose persönliche Erfahrungen erhärtet. Schon dies allein gibt Hoffnung, dass es Wege gibt aus der Sackgasse von unversöhntem Neben- und Gegeneinander von Prophetie und Gemeinde. Zugleich wird das Prophetische wieder eingebunden in die biblische Realität und an seinen Früchten gemessen. Was die Praxis des Prophetischen betrifft, erweist sich Steve als ein begnadeter Lehrer. Bei seinen Seminaren in der Stiftung Schleife waren wir Zeuge, wie Menschen auf der Grundlage einer gesunden Lehre für den prophetischen Dienst glaubwürdig
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aufgebaut und zugerüstet wurden. Dr. Jack Deere, USA, der einen weltweiten Lehrdienst hat, bestätigt dies aus der Optik eines Theologen und langjährigen Gemeindeleiters: Steve Thompson ist ein ausgewiesener Prophet. Er schreibt aus der Fülle von unterschiedlichen prophetischen Erfahrungen und einem jahrelangen sorgfältigen Schriftstudium. Sein Buch «Alle können prophetisch reden» ist das für die Praxis hilfreichste Buch, das ich zum Thema des prophetischen Dienstes gelesen habe, weil es die Dinge auf den Punkt bringt. Dem ist nichts mehr beizufügen als die Bitte, dass die Botschaft dieses Buches auf guten Boden fallen möge, damit sie reiche Frucht bringt für den wahren Propheten und Herrn der Ernte, Jesus Christus. Geri Keller
KAPITEL I
Die Grundlagen der Prophetie
ährend wir für ein Ehepaar beteten, empfing Matt ein prophetisches Wort für sie. Seine Bedeutung konnte er nicht wissen. Er wandte sich an die Frau und sagte: «Du hast drei Kinder. Dein Ältester wohnt nicht mehr zu Hause. Er hat dich zwar verlassen, aber der Herr möchte dir versichern, dass das Herz deines Sohnes in Gottes Hand ist.» Die Frau fing an zu weinen und Gott zu loben. Ihr Mann war fassungslos und kämpfte mit den Tränen. Ihre Freunde, die sie begleitet hatten, brachen in Jubel aus. Sie hatten tatsächlich drei Kinder, und ihr ältestes war in der Tat ein Sohn. Im Vorjahr war er vor der südafrikanischen Küste beim Schwimmen ertrunken. In den Jahren vor seinem Tod hatte er sich von Gott entfernt und sich auch seinen Eltern entfremdet. Seit seinem Tod hatten seine Eltern sich mit der Frage gequält, wie er wohl zum Herrn stand, als er starb. Weil sie nur noch wenig Kontakt mit ihm gehabt hatten, wussten sie nichts darüber. Durch dieses prophetische Wort wurden sie geheilt und sehr getröstet. Welchen Wert kann man so einem prophetischen Wort beimessen? Eine Mutter und ein Vater wurden von der quälenden Ungewissheit über ihr Kind befreit. Sie haben neues Vertrauen in Gottes Liebe für sie gewonnen. Solch ein prophetisches Wort ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Es ist schlichtweg unbezahlbar. Als Matt mir zum ersten Mal begegnete, war er viel zu schüchtern, um die einfachsten prophetischen Worte auszuspre-
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chen, ganz zu schweigen von einer derart gewaltigen Zusage. Aber durch Übung, Ermutigung und verschiedene Gelegenheiten, «flügge» zu werden, wurde er ein gesalbter prophetischer Mann. Er ist nur einer von Tausenden, die durch unsere Gemeinschaft und durch Schulungsseminare, die wir abgehalten haben, in diesem Bereich ausgebildet wurden.
Was ist aber mit . . . ? Zum Thema Prophetie und zum prophetischen Dienst gibt es eine Menge Fragen. Ist der prophetische Dienst auch heute noch gültig? Wer kann prophezeien? Wie spricht Gott? Woher weisst du, dass es Gott ist, der zu dir spricht? Was ist mit Prophetien, die nicht eintreffen? Falls das Wort nicht 100 Prozent zutrifft – ist dann derjenige, der es zugesprochen hat, ein falscher Prophet? Ist es erlaubt, Gott um Träume, Visionen und Worte zu bitten? Dieses Buch stellt sich diesen und weiteren Fragen. Wir werden untersuchen, wie Gott heutzutage zu uns spricht. Ich werde ausführlich darauf eingehen, wie man die von Gott erhaltene Offenbarung interpretiert. Dann werde ich Richtlinien aufzeigen, wie man in verschiedenen Situationen prophetisch dient. Ratschläge, wie man mit Weissagung weise umgeht und Fallen vermeidet, in die man als Mensch mit einer prophetischen Berufung geraten kann, sind in anderen Kapiteln dieses Buches zu finden. Bevor ich jedoch diese Fragen beantworte, möchte ich die Begriffe abgrenzen, die ich in diesem Buch verwende.
Was ist Prophetie? Paulus liefert uns in seinem ersten Brief an die Korinther eine einfache Definition des Begriffs Prophetie: Wer aber weissagt, spricht zu den Menschen, baut sie auf, ermutigt und tröstet sie. (1. Kor. 14, 3 / Jüdisches Neues Testament, abgekürzt JNT) 12
Prophezeien heisst also: Aussagen machen, durch die andere Menschen aufgebaut, ermutigt und getröstet werden. Prophetie vermittelt dabei aber nicht nur menschliche Ermutigung. Sie vermittelt vielmehr göttliche Ermutigung. Einfach ausgedrückt: Prophezeien heisst, von Gott zu «hören» und das Gehörte auszusprechen, um jemanden aufzubauen, zu trösten und zu ermutigen. Prophezeien heisst, von Gott zu hören und zu Menschen zu sprechen. Wann immer ich in diesem Buch das Wort «Prophetie» benutze, beschreibe ich damit den Vorgang, ein besonderes «Wort» von Gott für eine einzelne Person oder eine ganze Gruppe von Menschen zu bekommen und es an sie weiterzugeben. Ich meine damit also nicht eine Situation, in welcher eine Person in der versammelten Gemeinde aufsteht und in die Stille hinein eine allgemeine Ermahnung ausspricht. Wenn der versammelten Gemeinde eine Prophetie weitergegeben wird, die eine Ermutigung aus der Bibel oder vom Herzen Gottes ist, so hat diese Form von Prophezeien durchaus ihre Berechtigung. Aber darauf zielen wir mit unserer Ausbildung nicht ab. Wir möchten Gläubige dazu anleiten, Gott um genaue Offenbarung zu bitten, sie wahrzunehmen und sie auszulegen – mit dem Ziel, einzelne Menschen zu ermutigen, aufzubauen oder zu trösten. Dieselben Prinzipien können uns dann auch eine Hilfe sein, auf dieselbe Weise prophetische Einblicke für Gemeinden, Städte und Nationen zu bekommen.
Die verschiedenen prophetischen Gaben Prophetie umschliesst folgende Gaben des Geistes: Das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit, die Unterscheidung der Geister sowie die Gabe der prophetischen Rede. Im Sprachgebrauch unserer Ausbildung bezeichnen wir jede Offenbarung, die Gott schenkt und die an eine andere Person weitergegeben wird, als Prophetie oder als ein Wort der Prophetie. Eine Analyse, welche Geistesgabe dabei gebraucht wurde, werden wir aus Platzgründen nicht jedesmal vornehmen können. 13
In 1. Korinther 12, 8–10 führt Paulus neun verschiedene Geistesgaben auf. Drei dieser Gaben haben offenbarenden Charakter: das Wort der Erkenntnis, das Wort der Weisheit und die Unterscheidung der Geister. Eine vierte, nämlich die Gabe der prophetischen Rede, zählt zusammen mit den drei erst genannten zu den «prophetischen Gaben».
Wort der Erkenntnis Ein Wort der Erkenntnis betrifft einen besonderen Sachverhalt, der nicht auf natürliche Weise in Erfahrung zu bringen war – sei es im Zusammenhang mit einer Person, einem Ereignis oder einem Ort. Dabei kann es sich um den Namen, den Beruf, den Geburtsort, den Geburtstag, Einzelheiten der persönlichen Biografie oder andere Information über eine Person handeln. Im allgemeinen schliesst ein solches Wort keine Hinweise ein, was zu tun wäre, sondern nur Information über Tatsachen – daher seine Bezeichnung Wort der Erkenntnis. In der Bibel finden wir hierfür ein Beispiel im 4. Kapitel des Johannes-Evangeliums. Während seine Jünger in die Stadt gingen, um Nahrungsmittel einzukaufen, begann Jesus eine Unterhaltung mit einer Samariterin: Er sagte zu ihr: «Geh, ruf deinen Mann, und komm wieder her!» Die Frau antwortete: «Ich habe keinen Mann.» Jesus sagte zu ihr: «Du hast richtig gesagt: ‹Ich habe keinen Mann.› Denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann. Damit hast du die Wahrheit gesagt.» Die Frau sagte zu ihm: «Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.» (Joh. 4, 16–19) Jesus hatte diese Frau nie zuvor getroffen. Er empfing ein Wort der Erkenntnis über ihr Leben. Er bringt die Geschichte ihrer Beziehungen ans Licht – Eheschliessungen, Scheidungen, jetziges Verhältnis. Durch dieses Wort der Erkenntnis wird ihr bewusst, dass Gottes Salbung auf Jesus liegt, und sie ruft aus: «Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.» 14
Was hier geschieht, wird von Paulus als eine der Hauptaufgaben eines Wortes der Erkenntnis bezeichnet: Wenn aber alle prophetisch reden, herein aber kommt ein Ungläubiger oder ein Unkundiger, dann wird er überführt von allen, er wird beurteilt von allen. (1. Kor. 14, 24/Wuppertaler Studienbibel, abgekürzt WStB) Was in seinem Herzen verborgen ist, wird aufgedeckt. Und so wird er sich niederwerfen, Gott anbeten und ausrufen: ‹Wahrhaftig, Gott ist bei euch!› (1. Kor. 14, 25) Wir lernen daraus, welche Kraft in einem einzigen Wort der Erkenntnis liegen kann. Als Jesus mit der Samariterin sprach, erkannte sie ihrerseits, dass Gottes Gnade auf Jesus lag. Sie war von dieser Begegnung derart ergriffen, dass sie zu einer Evangelistin in ihrer Stadt wurde. Dadurch hatte nicht nur die Samariterin eine Begegnung mit Gott, sondern die ganze Stadt kam zu Jesus – und das infolge dieses einen Wortes der Erkenntnis (Joh. 4, 28–42).
Wort der Weisheit Ein Wort der Weisheit ist eine göttliche Offenbarung darüber, was Gott in einer besonderen Situation will, plant oder beabsichtigt. Von einem Wort der Erkenntnis unterscheidet es sich in verschiedener Hinsicht. Ein Wort der Weisheit ist eher geeignet, eine Richtung anzugeben, weil es prophetische Einsichten darüber vermittelt, was in einer bestimmten Lage zu tun sei. Ein Wort der Weisheit ist vielleicht nicht so spannend wie ein Wort der Erkenntnis; aber es kann um so wichtiger sein, weil es aufzeigt, was Gott von uns erwartet. Im 27. Kapitel der Apostelgeschichte finden wir ein gutes Beispiel für ein Wort der Weisheit, das durch Paulus übermittelt wurde. Bevor Paulus an Bord gebracht worden war, hatte Gott ihm den Eindruck gegeben, dass die Schiffsreise nicht stattfinden sollte – andernfalls würde es für die Insassen Probleme geben (Vers 10). Als das Schiff in Seenot geriet, erschien dem Paulus ein Engel, der ihm Schutz für jeden an Bord zusicherte (Vers 22–26). 15