Skip to main content

657342

Page 1

Sendungsbewusstsein und die christliche Ghettomentalität Sendung und Gemeinde Wir kommen zu einer entscheidenden Frage: Wie verhalten sich Sendung und Gemeinde zueinander? Die vorherrschende Meinung ist, die Sendung sei eine Maßnahme der Gemeinde. Nach dem Neuen Testament ist es jedoch genau umgekehrt: Die Gemeinde ist eine Maßnahme der Sendung.

Die vorherrschende Meinung: Sendung ist eine Funktion der Gemeinde

Gemeinde bestimmt hier fälschlicherweise Inhalt und Struktur der Sendung.

33


Nach dem NT ist es umgekehrt:

Gemeinde ist Funktion, Werkzeug der Sendung! Sendung ist nicht Teil der Gemeinde. Gemeinde hat Teil an der Sendung. Es gibt die Gemeinde, weil es die Sendung gibt, nicht umgekehrt. Dramatische Konsequenz: Sendung bestimmt Inhalt und Struktur der Gemeinde

Wie Christus der Gesandte und Sendende zugleich ist, so ist auch seine Kirche die Frucht und das Werkzeug seiner Sendung zugleich. Die Kirche hat sich also nicht zu entscheiden, ob sie Mission treiben will, sondern sie kann sich nur rufen lassen, Kirche zu sein, das heißt sich senden zu lassen.* Nicht die Gemeinde brachte die Mission hervor, sondern die Mission Gottes hat die Gemeinde hervorgebracht. Die Mission ist also keine Frucht der Gemeinde, sondern die Gemeinde ist eine Frucht der Mission. Die Sendung ist somit größer und umfassender als die Gemeinde. Gemeinde gibt es also nur, weil es die Sendung gibt und nicht umgekehrt. Das führt zu einer erregenden Schlussfolgerung: Die Sendung bestimmt nach dem Neuen Testament Inhalt, Dienst und * Aus den Thesen der Generalsynode der VELKD

34


Struktur der Gemeinde. Alle Dienste der Gemeinde sind um der Sendung willen zu leisten, weil die Gemeinde im Dienste der Sendung steht. Die Sendung darf nicht zu einem Alles ist Bereich unter vielen verkommen. Sie ist nicht um der Sendung neben Gemeindeleitung, Gebet, Hauskreise, willen da und mit ihren Diakonie, Abendmahl, Kirchenchor oder Gliedern ist die GemeinBibelstunde zu stellen. Nein, Sendung ist de der Sendung vielmehr das, was all diese Teile umfängt, unterstellt. durchdringt und zusammenhält. In der Sendung Jesu haben die übrigen Dienste ihren Sinn und ihr Ziel. Alles ist um der Sendung willen da und mit ihren Gliedern ist die Gemeinde der Sendung unterstellt. Sendung ist nicht – wie viele meinen – ein Aspekt des Ganzen. In der Sendung geht es ums Ganze, um den dreieinigen Gott, der ein Gott der Liebe und der Sendung ist.

Hauskreis – Tankstelle und Ghetto? Es liegt auf der Hand: Zu viele Hauskreise bleiben nach außen hin unwirksam. Sie beschäftigen sich zu sehr mit sich selbst, machen aus dem Glauben eine private Liebhaberei, schmoren oft „im eigenen Saft“, leben im religiösen Ghetto und führen ein Nischen-Dasein. Dem wird häufig entgegengehalten: „Wir sind in unserem Hauskreis, um Kraft zu schöpfen. Am Arbeitsplatz können wir unser Christsein besser leben, wenn wir uns im Hauskreis stärken. Er ist unsere ‚Tankstelle‘.“ Natürlich sollen Hauskreise auch Tankstellen sein. Es geht mir hier jedoch um die Einseitigkeit, in der die Rolle der Hauskreise oft gesehen wird. Wenn diese ausschließlich Kraftquelle sind, wandeln sie sich leicht ins Gegenteil: Sie rauben Kräfte. 35


Unsere Missionslosigkeit macht uns Christen müde, weil der Geist Gottes in unserer Selbstumdrehung keinen Sinn und kein Ziel erkennen kann, wodurch es letztlich zu Lähmungserscheinungen im Glauben kommt. Unsere Hauskreise besitzen jedoch grundsätzlich Missionslosigkeit alle nötigen Gaben, um gesegnete Missionsmacht uns mannschaften zu werden. Werden diese Christen müde. Gaben aber nicht eingesetzt, verkümmern sie. Geistlicher „Muskelschwund“ ist die Folge. Schließlich macht sich auf Grund von Erlebnismangel Langeweile breit. Missionslose Hauskreise machen müde.

In wessen Namen versammelt? Wenn Sie in Ihrem Hauskreis Langeweile empfinden, ist es wahrscheinlich, dass Jesus Christus nicht mehr gegenwärtig ist. Könnte es sonst langweilig sein? Hier mögen Sie stutzen und fragen: Er ist doch dort gegenwärtig, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind (Matthäus 18,20)? Zunächst müssen wir klären, was es heißt, in seinem Namen versammelt zu sein. Als Maria das Kind verkündet wird, besteht der Engel darauf, dass es den Namen Jesus erhält. Jesus ist nicht dasselbe wie Hans oder Franz. Der Name ist sein Lebensprogramm und beschreibt Gottes Absicht mit der Welt. Jesus bedeutet: Gott rettet. Jesus bedeutet: In seinem Namen versammelt sein beGOTT RETTET. deutet, im Namen der Gottesrettung zusammen zu sein. Wenn wir uns beständig im Namen eigenmächtiger Zielsetzungen versammeln, stehen wir kaum unter der Verheißung seiner Gegenwart. 36


Zwei oder drei ist im Alten Testament ein Ausdruck, der immer dann gebraucht wird, wenn es um Zeugen geht. Das Bezeugen einer Sache soll aus zweier oder dreier Zeugen Mund geschehen. Zeugen sind diejenigen, die im Namen der Gottesrettung zusammenkommen. Was aber ist von Zeugen Jesu zu halten, die der Neigung, sich ins fromme Ghetto zu verdrücken, beständig nachgeben? Sie bleiben gegenüber den Menschen in ihrer Umgebung stumm. Ich vermute, dass sie in ihren Versammlungen vorwiegend sich selbst erfahren, selten aber die Gegenwart des Herrn.

„Zwei oder drei“ sind Gemeinde Als Hauskreis sind Sie nicht nur ein Teil der Gemeinde. Sie sind Gemeinde! Mehrfach grüßt Paulus in seinen Briefen Gemeindeglieder mit dem Zusatz: Grüßt auch die Gemeinde in ihrem Hause (siehe Römer 16,5). Zwei oder drei in Jesu Retternamen Versammelte sind Gemeinde, weil der Herr mitten unter ihnen ist. Damit stehen sie unter allen Verheißungen, die der Gemeinde gelAlles, was ten! Und genauso wie der Gemeinde gilt ihnen der Gemeinde an aber auch der Missionsauftrag! Alles, was der Verheißung und Auftrag Gemeinde an Verheißung und Auftrag gegegegeben ist, ist jedem ben ist, ist auch jedem Hauskreis zugesproHauskreis zugechen und anvertraut. sprochen. Stellen Sie sich vor, die weltweite Gemeinde sei ein riesiger Kuchen, der aus verschiedenen Zutaten gebacken wurde. Als Hauskreis gehören Sie einerseits zum Kuchen, sind ein kleiner „Kuchenkrümel“, gleichzeitig sind in jedem Krümel aber ebenso alle Zutaten anwesend und verbacken. Jeder Krümel ist wieder ein ganzer Kuchen, wenn auch nur ein winzig kleiner. Genauso ist das Verhältnis von 37


weltweiter Christenheit, Ortsgemeinde und Hausgemeinde zu definieren. Noch einmal: Weil Hauskreise Gemeinde sind, gelten ihnen gleichermaßen Verheißung und Auftrag. Das stimmt auch dann, wenn wir in Rechnung stellen, dass ein Hauskreis von zwölf Leuten nicht alle Begabungen einer größeren Gemeinde haben kann. Je größer eine Gemeinde, umso größer die Vielfalt ihrer Begabungen. Wie groß Gemeinde jedoch auch immer ist, sie soll wissen: Seit der Auferstehung Jesu hat die Völkerwelt ein Gottesrecht auf das Evangelium. Diese Völkerwelt aber beginnt vor unserer Haustür und in unserem Bekanntenkreis.

38


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook