Michael entwickelte für sich persönlich auch drei Checklisten, die ihn täglich daran erinnerten, was er zu tun versuchte – dem Beispiel Jesu als Führungsperson, wie es in der Bibel beschrieben wird, zu folgen. Er konnte auf diese Listen immer dann zurückgreifen, wenn er das Gefühl hatte, vom Kurs abzukommen.
Checkliste 1 Mein dienendes Herz – der Charakter einer Führungsperson 1. Effektives Führen kommt von innen. ❿ Echte Verhaltensänderung erfordert letztlich eine Veränderung des Herzens. Dort sitzt der Kern dessen, was ich bin. ❿ Die Botschaft Jesu ist nicht nur an den Verstand gerichtet. Sie richtet sich an mein Herz. Es geht in ihr um Charakterveränderung. Jesus ist daran interessiert, mich in einen anderen Menschen zu verwandeln – in einen guten und fürsorglichen Menschen. 2. Echtes Führen kommt von innen aus einem dienenden Herzen und kehrt sich dann nach außen, um anderen Menschen zu dienen. ❿ Ich bin in erster Linie Diener und erst in zweiter Linie Führungsperson. Deshalb will ich Führung nur dann übernehmen, wenn ich sie als Möglichkeit sehe, anderen zu dienen. Ich bin zu einer Füh142
rungsaufgabe »berufen«, nicht dazu getrieben, weil ich von Natur aus anderen helfen möchte. ❿ Jesus wollte seine Jünger nicht in erster Linie zu Führungspersönlichkeiten machen; er wollte sie zu Dienern machen. Er sagte ihnen: »Bei euch muss es anders sein! Wer von euch etwas Besonderes sein will, soll den anderen dienen, und wer von euch an der Spitze stehen will, soll sich allen unterordnen.«25 3. Führungspersonen mit einem dienenden Herzen haben bestimmte Charaktermerkmale und Werte: ❿ Mein Hauptziel ist das Wohl der Menschen, die ich führe. ❿ Es befriedigt mich persönlich, das Wachstum und die Entwicklung der Menschen zu beobachten, die ich führe. ❿ Ich empfinde liebevolle Fürsorge für die Menschen, die ich führe. ❿ Ich möchte zur Verbindlichkeit angehalten werden. Ich frage: »Haben meine Bemühungen den Bedürfnissen der Menschen entsprochen, die ich führe?« ❿ Ich bin bereit zuzuhören. Ich lege Wert auf Feedback und Ratschläge – auf alle Informationen, die mir dabei helfen, anderen besser dienen zu können. ❿ Ich habe mein Ego unter Kontrolle. Ich denke deshalb nicht geringer von mir, ich denke nur weniger an mich. Ich lasse Gott nicht außen vor. 143
Checkliste 2 Mein dienender Verstand – Führungsmethodik 1. Führen beginnt mit einer klaren Vision. ❿ Es gibt zwei Aspekte von Führung: eine visionäre Funktion (die richtigen Dinge tun) und eine ausführende Funktion (Dinge richtig tun). ❿ Eine Vision ist ein Bild von der Zukunft, das Begeisterung auslöst. Dieser Begeisterung wollen ich und andere Menschen folgen. Eine Organisation ohne klare Vision ist wie ein Fluss ohne Uferbegrenzung – sie stagniert und fließt ins Nichts. ❿ Eine klare Vision hat vier Aspekte: Zweck: sagt mir und anderen, um was es eigentlich geht. Bild: gibt eine Vorstellung davon, wie die Dinge aussehen könnten, wenn alles so läuft wie geplant. Werte: bestimmen, wie ich und andere uns verhalten, wenn wir an der Umsetzung unserer Absicht arbeiten. Ziele: konzentrieren meine Energie und die Energie von anderen. ❿ Die traditionelle pyramidale Hierarchie ist effektiv für den visionären Aspekt von Führung. Meine Mitarbeiter erwarten von mir als Führungsperson Vision und Richtungsweisung. Während ich erfahrene Personen in die Gestaltung der Richtung einbeziehen sollte, kann und will 144
ich die Verantwortung für die Findung von Vision und Richtung nicht delegieren. 2. Wenn ich möchte, dass Leute Verantwortung übernehmen, muss ich auf sie eingehen. ❿ Im Bereich der Umsetzung (entsprechend der gesetzten Vision und Richtung zu leben) fangen für die meisten Führungspersonen und Organisationen die Probleme an. Die traditionelle Hierarchie wird aufrechterhalten; dabei bleiben die Kunden am untersten Ende der Hierarchie auf der Strecke. Die ganze Energie des Unternehmens klettert die Pyramide nach oben, wenn die Mitarbeiter versuchen, auf die Wünsche ihres Chefs einzugehen, dabei aber die Mitarbeiter, die den häufigsten Kundenkontakt haben, zu »Enten« werden lassen, die nur quaken: »Das ist unsere Vorschrift«, »Ich bin nur angestellt« oder: »Möchten Sie meinen Vorgesetzten sprechen?« ❿ Effektive Umsetzung erfordert die Umkehrung der traditionellen Hierarchie. Nun stehen die Mitarbeiter, die den Kontakt zum Kunden haben, an der Spitze der Organisation und können selbstverantwortlich handeln. Sie können auf die Kunden eingehen und wie Adler aufsteigen. Dagegen sind Führungspersonen wie ich dazu da, den Mitarbeitern zu dienen und auf sie ein145
zugehen, ihnen dabei zu helfen, ihre Ziele zu erreichen und entsprechend der vorgegebenen Vision und Richtung zu leben. ❿ Der Kern eines dienenden Führungsstils zeigt sich in Jesus, als er seinen Jüngern die Füße wusch. Er kommt zum Einsatz, wenn alle im Unternehmen Vision und Richtung verstanden haben. ❿ Eine klare Vision kommt aus der traditionellen Hierarchie; die Umsetzung geschieht dann aus einem dienenden Führungsverständnis heraus, in dem der Hirte zum Wohl der Schafe da ist. 3. Die dienende Führungsperson als Coach. ❿ Ein effektives Managementsystem besteht aus drei Elementen: Ergebnisplanung: Am Anfang guter Leistungen stehen immer klare Ziele. Coaching in der Umsetzungsphase: die Leistung einer Person beobachten, Fortschritte loben, gegebenenfalls die Richtung korrigieren. Leistungsauswertung: abschließende Beurteilung der Leistung einer Person nach einem bestimmten Zeitraum. ❿ Die meisten Organisationen betonen die Leistungsbewertung und widmen auch der Ergebnisplanung gewisse Aufmerksamkeit. Der am häufigsten vernachlässigte Bereich ist das Coaching in der Umsetzungsphase. Dieser Bereich ist für dienende Führungspersonen am entscheidendsten. Ich will meine Auf146
merksamkeit darauf richten. ❿ Als dienende Führungsperson kann ich potenziellen Gewinnern mit folgenden fünf Schritten helfen, zu wirklichen Gewinnern zu werden: 1. 2. 3. 4. 5.
Ich sage ihnen, was sie tun sollen. Ich zeige ihnen, was sie tun sollen. Ich lasse es sie selbst versuchen. Ich beobachte ihre Leistung. Ich lobe ihre Fortschritte oder korrigiere ihre Richtung.
❿ Am häufigsten wird der Schritt der Leitungsbeobachtung vergessen. In dem Augenblick, in dem ich die Leistung nicht mehr zur Kenntnis nehme, höre ich auf, Coach zu sein. Nachdem Jesus seinen Jüngern den Missionsauftrag erteilt hattee, sagte er ihnen, er werde immer bei ihnen sein. Er ist immer da und bereit zu helfen. Das sollte auch für alle dienenden Führungspersonen gelten. ❿ Ich will meine Mitarbeiter dadurch fördern, dass ich sie dabei »erwische«, wie sie etwas richtig machen. Wenn sie etwas Neues lernen, lobe ich sie auch, wenn sie etwas nahezu richtig machen. Ich lobe sie für Fortschritte. Ich weiß, dass Fortschritt ein bewegliches Ziel ist.
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