Einführung
Zu Gott und anderen ehrlich sein Eine christliche Konferenz zum Thema »Persönliches Wachstum« ist nicht gerade der Ort, an dem man einen Kampf erwartet. Vor allem keinen Streit unter Leitern. Aber dennoch begegnete ich auf einer solchen Konferenz dem Unerwarteten. Als junger Christ war ich gerade dabei, etwas über Leiterschaft zu lernen. Die Chance, einmal zu beobachten, wie reife Christen miteinander umgehen, war genau das, was ich brauchte. So dachte ich zumindest. Im Verlauf der Veranstaltung führte die Beschäftigung mit einer delikaten Entscheidung zu einer heftigen Debatte. Die Debatte eskalierte zum Streit und führte schließlich zu einer ganz hässlichen Spaltung. Es dauerte lediglich fünfundvierzig Minuten, bis diese »reifen« Christen fast handgreiflich wurden! Bevor sie jedoch die ganze Sache klären konnten, kam das Signal zum nächsten Teil der Konferenz – einem Anbetungsgottesdienst. Alle flohen in einen angrenzenden Raum, in dem der Vorsitzende der Konferenz, der in der vorhergehenden Versammlung genauso streitsüchtig wie alle anderen gewesen war, zum Mikrofon griff. Er lächelte von einem Ohr zum anderen und meinte: »In der Bibel lesen wir, dass das Erkennungszeichen wahrer Christen die Liebe ist, deshalb wollen wir uns nun an den Händen fassen und den Chorus ›Wir sind einig im Geiste‹ singen.« So sah also meine Einführung in die Welt unauthentischen Christseins aus. Inzwischen weiß ich, dass diese Widersprüchlichkeit nichts Ungewöhnliches ist. Wenn Menschen im Rampenlicht stehen, verhalten sie sich viel zu oft anders als hinter verschlossenen Türen. Das Lexikon definiert »authentisch« als »echt, zuverlässig, glaubwürdig«. »Authentizität« bedeutet »Übereinstimmung«, Übereinstimmung zwischen Worten und Taten, zwischen beanspruchten Werten und tatsächlichen Prioritäten. Unaufrichtigkeit entsteht dann, wenn wir behaupten, etwas zu sein, und es dann offensichtlich wird, dass wir ganz anders sind. Vor einigen Jahren las ich eine Geschichte über einen kleinen Ort, auf dessen Marktplatz eine riesige Eiche stand. Dieser
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Interaktion Authentizität Baum war der Stolz der gesamten Bürgerschaft. Er hatte bereits dort gestanden, lange bevor die meisten von ihnen geboren wurden, und er würde sie zweifellos auch überleben. Eines Tages kam ein Sturm und ließ den Baum in der Mitte auseinanderbrechen. Dadurch wurde sichtbar, dass der Stamm innen ganz morsch war. Ein Symbol der Stärke nach außen, aber innerlich war die Eiche schwach und verwundbar. Jahrelang waren die unwissenden Bewunderer getäuscht worden. Diese Geschichte beschäftigt mich auch heute noch. Ich glaube, dass unauthentisches Christentum, das wie eine Krankheit die Kraft und Integrität der Kirche aufzehrt, in unserer Zeit eine ihrer größten Herausforderungen darstellt. Auf der Kanzel und in den Kirchenbänken gibt es einfach zu viele unbeständige Christen. Unauthentisches Christsein zeigt sich auf viele Arten. In diesem Arbeitsheft werden wir sechs von ihnen näher betrachten. Wir werden uns mit unauthentischem Christsein in folgenden Bereichen beschäftigen: 1. Mit einem christlichen Lebensstil, der mehr auf äußeren Methoden als auf innerer Veränderung basiert; er stellt einen Versuch dar, gottgefällig zu leben, dem aber die Kraft fehlt. 2. Mit Beziehungen, die eher durch Täuschung als durch ehrlichen Dialog gekennzeichnet sind. 3. Mit fehlgeleiteten Christen, die Kummer und Trauer hinter einer lächelnden Maske verstecken. 4. Mit Christen, die aufgrund eines Schuldgefühls evangelisieren. 5. Mit berufstätigen Menschen, für die die Arbeit eher eine Obsession als eine Profession darstellt und für die ihr Beruf eine einzige Schufterei statt eine sinvolle Betätigung bedeutet. 6. Mit Finanzen, die außer Kontrolle geraten, weil Christen ihre Aufgabe als gute Verwalter nicht ernst genug nehmen. Christsein sollte ein übernatürlicher Spaziergang an der Hand eines lebendigen, dynamischen, redenden und persönlichen Gottes sein. Warum aber neigen so viele Christen dazu, ein unglaubwürdiges und kraftloses Leben zu führen? Authentisches Christsein beginnt mit geistlicher Authentizität – mit einer lebendigen Beziehung zu Jesus Christus, die man jeden Tag aufs Neue pflegt. Aber eine lebendige Beziehung zu Jesus beansprucht Zeit – nicht die Zeit, die man gerade mal
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Einführung Zu Gott und anderen ehrlich sein übrig hat und in der man sonst nichts anzufangen weiß, sondern qualitativ hochwertige Zeit, in der man zur Ruhe kommen und nachdenken kann. In diesem Arbeitsheft der Reihe »Interaktion« werden wir gemeinsam entdecken, was es heißt, als ganz hingegebene Nachfolger Christi ein authentisches Leben zu führen. Bill Hybels
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