Uwe Swarat (Hg.)
Wer glaubt und getauft wird … Texte zum Taufverständnis im deutschen Baptismus
Inhalt Vorwort (Uwe Swarat) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Hans Luckey: Die baptistische Lehre von der Taufe (1956/1970) . . . . . . . . 8 Johannes Schneider: Die urchristliche Taufe (1956) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 George R. Beasley-Murray: Die Taufe, Symbol oder Sakrament? (1965) . . . 35 Erich Rädel: Die Baptisten und die Taufe (1967) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Günter Wagner: Die neutestamentliche Taufe (1971) . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 Adolf Pohl: Die Taufe im deutschen Baptismus (1977) . . . . . . . . . . . . . . . . 73 Eduard Schütz: Thesen zum Thema Glaube und Taufe (1981) . . . . . . . . . . 80 Manfred Otto: Das Taufverständnis im deutschen Baptismus (1982) . . . . . 92 Edwin Brandt: Erst der Glaube, dann die Taufe (1987) . . . . . . . . . . . . . . . 99 Adolf Pohl: Taufe als Durchgangsritus (1989) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101 Uwe Swarat: Ist die Taufe ein Sakrament? (2005) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 Uwe Swarat: Ein freies und mündiges Bekenntnis vor der Taufe. Theologische Anmerkungen zum Mindestalter von Täuflingen (2005) . . . 123 André Heinze: Glaube und Taufe als Initiation. Exegetische Anmerkungen aus baptistischer Sicht (2005) . . . . . . . . . . . . . . 126 Paul S. Fiddes: Glaube und Taufe im Neuen Testament und in christlicher Lehre (2005) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 139 Kim Strübind: Ist die Taufe ein „Gehorsamsschritt“? Das Dilemma der baptistischen Tauflehre und Taufpraxis (2007) . . . . . . . . 149
Anhang: Der Taufartikel in den baptistischen Bekenntnissen Günter Balders: Zu den Taufartikeln in den früheren Glaubensbekenntnissen der deutschen Baptisten. Mit Gottfried Wilhelm Lehmanns Bericht über die Entstehung des Glaubensbekenntnisses von 1847 und einer Synopse der Tauftexte von 1837, 1843, 1847, 1912, 1944 sowie einer undatierten Vorlage (2010) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174 Günter Balders und Uwe Swarat: Die Taufe in der „Rechenschaft vom Glauben“ (2010) . . . . . . . . . . . . . . . . 197 Bibliographie zum Taufverständnis im deutschen Baptismus (Günter Balders) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214 Orte der Erstveröffentlichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221 Die Verfasser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
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Vorwort „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig“ (Mk 16, 16). Diese Verheißung des auferstandenen Jesus Christus steht im Schlussteil des Markusevangeliums, der im 2. Jahrhundert dem ursprünglichen Text angehängt wurde, und ist dort mit dem universalen Predigtauftrag der Jünger Jesu verbunden – ähnlich wie am Schluss des Matthäusevangeliums (Mt 18, 19f ) aus dem 1. Jahrhundert die Sendung der Jünger zu allen Völkern mit dem Auftrag zu taufen und zu lehren verknüpft ist. Für das Taufverständnis der Baptisten ist speziell die Formulierung im Markusevangelium wichtig geworden, und darum spielt auch der Titel dieses Buches auf sie an. Im Markusevangelium wird nämlich die Taufe nicht nur ausdrücklich mit dem Glauben verbunden, sondern Glaube und Taufe stehen auch in genau jener Reihenfolge, die von der gesamten Tauflehre und -praxis der Urchristenheit vorausgesetzt wird und die Baptisten für die einzig angemessene halten: Zuerst der Glaube, dann die Taufe! Diese Reihenfolge ist für Baptisten keine bloße Formalität, sondern von erheblicher Bedeutung dafür, was es heißt, ein Christ zu werden und zur Gemeinde Jesu zu gehören. Wird die Taufe an Personen vollzogen, die noch nicht an Jesus Christus glauben bzw. – wie im Fall der Säuglingstaufe – die von diesem Jesus noch nicht einmal gehört haben, wird damit signalisiert, dass man auch ohne persönliche Beteiligung Christ werden und Glied der Kirche Christi sein könne. Damit aber bekommen die christliche Gottesbeziehung und die christliche Kirche einen ganz anderen Charakter als im Neuen Testament. Der Charakter einer persönlichen Ich-Du-Beziehung zwischen Gott und Mensch tritt hinter die Vorgänge ritueller Heilsvermittlung zurück, und als „Kirche“ werden weniger die Gemeindeglieder als die Amtsträger angesehen. Dass Baptisten keine Säuglinge taufen, ist keine Sonderlehre, sondern beruht auf dem gesamten neutestamentlichen Zeugnis von Christsein und Kirche. Wer Kirche und Gemeinde als persönliche Gemeinschaft der Gläubigen will, der kann nach baptistischer Überzeugung die Taufe nur als Taufe von Gläubigen vollziehen. In dieser Grundsatzfrage sind Baptisten weltweit vollkommen einig. Ihre Meinungen gehen jedoch auseinander, sobald sie versuchen, genauer zu beschreiben, wie sich die äußere Zeichenhandlung der Taufe zum inneren Geschehen des Glaubens verhält. Für die einen verweist die Taufe auf das Gläubiggewordensein eines Menschen in der Vergangenheit zurück, so dass der gläubige Mensch in der Taufe sichtbar zum Ausdruck bringt, was vorher bereits innerlich geschehen und abgeschlossen ist. Die Taufe ist nach diesem Verständnis ein Bekenntnisakt, durch den ein Mensch sich nach außen als Christ zu erkennen gibt. Zugleich reagiert der Mensch mit ihr bestätigend auf das glaubenweckende Handeln Gottes an ihm. Die andere Gruppe unter den baptistischen Theologen bestreitet diesen Sinn der Taufe nicht, will ihn aber dadurch ergänzt wissen, dass die Taufe zugleich auch ein Bestätigungsakt Gottes am Täufling ist, in dem Gott die Gültigkeit
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seiner Zusage gegenüber dem Menschen bekräftigt. Hier grenzt man sich sowohl gegen ein Taufverständnis ab, das in der Taufe nur ein „Wortzeichen“ (Sakrament) Gottes sieht, als auch gegen das andere, das in der Taufe nur die Antwort des Menschen sich ereignen lässt. Die Taufe ist nach diesem Verständnis sowohl ein Handeln des Menschen als auch ein Handeln Gottes am Täufling, eine Zeichenhandlung, in der sich Gottes Gnadenwort und des Menschen Glaubensantwort begegnen – Gnadenmittel und Bekenntnisakt in einem, sowohl Anrede Gottes als auch Antwort des Menschen. Diese Differenz in der Tauftheologie ist nicht auf baptistischem Boden entstanden, sondern hat ihre Wurzeln in der Theologie der großen Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin; durch den bedeutenden evangelisch-reformierten Theologen Karl Barth ist sie im 20. Jahrhundert auch außerhalb des Baptismus erneut zu einem wichtigen Thema geworden. Die streitbare Diskussion um diese Frage gehört seit den Anfängen zum baptistischen Taufverständnis im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus. Die in diesem Sammelband zusammengestellten 17 Beiträge erklären in unterschiedlicher Weise, warum Baptisten nur die Gläubigentaufe und nicht die Säuglingstaufe praktizieren, und sie geben einen Einblick in das innerbaptistische Ringen um die Frage: Taufe – Bekenntnisakt und/oder Gnadenmittel? Damit kommen zwei der drei Hauptthemen baptistischer Tauflehre ausführlich zur Sprache. Das dritte Hauptthema ist das Verhältnis von Taufe und Gemeindemitgliedschaft, genauer gesagt die Ordnungsfrage, ob der Empfang der Gläubigentaufe zu den unabdingbaren Voraussetzungen für die Mitgliedschaft in einer Baptistengemeinde gehört oder nicht. Seit Mitte der 50er Jahre ist diese Frage im deutschen Baptismus in mehreren Wellen kontrovers diskutiert worden, und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Die Beiträge zu diesem Thema sind so zahlreich, dass sie hier nicht auch noch aufgenommen werden konnten.1 Das vorliegende Buch stellt die 2., bearbeitete und aktualisierte Auflage des „Textbuchs zur Tauftheologie im deutschen Baptismus“ dar, das Günter Balders und Uwe Swarat 1994 im Auftrag des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG) als geheftetes Manuskript beim J. G. Oncken Verlag in Kassel herausgeben haben. Die damalige Textsammlung war als Arbeitsmaterial für die Gemeinden des BEFG bestimmt, die auf ihrer Bundesratstagung 1995 über eine Neufassung des Taufartikels im Bekenntnis „Rechenschaft vom Glauben“ zu beschließen hatten. Nachdem der ursprüngliche Zweck erfüllt und das Heft vergriffen war, zeigte sich immer wieder, dass eine solche Textsammlung weiterhin nützlich wäre. Zum einen bot sie interessierten Nicht-Baptisten die Möglichkeit, sich über die baptistische Taufanschauung nicht allein anhand der beiden Bücher baptistischer Neutestamentler zu informieren, die dieses The-
1 Der Stand von 1996 ist dokumentiert im „Textbuch Taufe und Mitgliedschaft“, herausgegeben von Günter Balders, als geheftetes Manuskript erschienen 1997 beim J. G. Oncken Verlag in Kassel.
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ma behandeln,2 sondern die Texte eines größeren Kreises baptistischer Theologen kennenzulernen. Zum anderen erlaubte sie natürlich auch Baptisten, sich intensiv mit der eigenen Tradition und ihrer theologischen Reflexion zu beschäftigen, um zu einem vertieften Taufverständnis zu gelangen. Aus diesen Gründen haben sich der Verlag und (nachdem G. Balders aus eigenem Entschluss aus der Herausgeberschaft ausschied) der Unterzeichnete entschlossen, das Textbuch neu und jetzt nicht nur als Manuskript, sondern als reguläres Buch herauszubringen. Ein einfacher Nachdruck der Sammlung von 1994 kam nicht in Frage – schon deshalb, weil ihr erster Teil sich auf eine Textvariante des Taufartikels der „Rechenschaft vom Glauben“ bezog, der durch die Beschlussfassung im Mai 1995 überholt wurde. Außerdem sind seit 1994 einige Aufsätze neu erschienen, die in einer Neuauflage keinesfalls fehlen dürfen. Wir haben uns deshalb entschieden, die beiden Aufsätze, die sich speziell mit dem Taufartikel in den baptistischen Bekenntnissen befassen, zu überarbeiten und in den Anhang aufzunehmen. Den Hauptteil bilden Aufsätze oder Buchausschnitte, die die baptistische Tauflehre generell zum Thema haben, und zwar in chronologischer Folge, so dass man prüfen kann, ob es im Laufe der letzten 50 Jahre eine Entwicklung gegeben hat. Da mehrere neue Beiträge aufgenommen werden sollten, mussten einige ältere gestrichen werden, um das Buch nicht zu umfangreich und unübersichtlich werden zu lassen. Bei vier Theologen haben wir andere Texte als in der 1. Auflage aufgenommen, weil wir meinen, dass ihr Anliegen in den neuen Texten noch besser zum Ausdruck kommt. Alles, was man hier in der 2. Auflage möglicherweise vermisst, ist am Schluss des Buches in der „Bibliographie zum Taufverständnis im deutschen Baptismus“ zu finden, die Günter Balders freundlicherweise überarbeitet und aktualisiert hat. Die Auswahl der Beiträge erfolgte mit dem Ziel, Personen zu Wort kommen zu lassen (und sei es auch nur mit kurzen Texten), die aufgrund ihrer Funktion oder der weiten Verbreitung ihrer Texte als für den deutschen Baptismus repräsentativ angesehen werden können. Dazu gehören auch zwei Engländer, die im deutschen Sprachraum viel gelesen und diskutiert wurden bzw. werden. Von jedem Verfasser ist jeweils nur ein Beitrag aufgenommen, es sei denn, ein zweiter bringt wichtige zusätzliche Gesichtspunkte für das Thema. Das Buch geht in der Hoffnung hinaus, dass es sowohl im ökumenischen Dialog als auch in der baptistisch-theologischen Selbstverständigung anregend und klärend wirkt. März 2010
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2 George Beasley-Murray: Die christliche Taufe. Eine Untersuchung über ihr Verständnis in Geschichte und Gegenwart, Kassel: Oncken 1968, Neuauflage mit einem Geleitwort von U. Swarat Wuppertal: R. Brockhaus 1998; André Heinze: Taufe und Gemeinde. Biblische Impulse für ein Verständnis der Taufe, Wuppertal – Kassel: Oncken 2000.