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Wo Himmel und Erde sich berĂźhren Meine Gartenleidenschaft


© 2011 SCM Collection im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Gesamtgestaltung: Miriam Gamper, Essen, www.dko-design.de Fotos: © Flora Press Druck: Offizin Andersen Nexö Leipzig ISBN 978-3-7893-9471-3 Bestell-Nr. 629.471 Quellennachweise Die Bibelzitate entstammen: Hoffnung für alle® (Brunnen Verlag Basel und Gießen), Copyright © 1983, 1996, 2002 by International Bible Society®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Verlags. (HFA) Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe in neuer Rechtschreibung, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LUT) S. 12 „Im Garten“ (Auszug) aus: Hermann Hesse, Sämtliche Werke, Band 13: Betrachtungen und Berichte 1899-1926. © Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2003 S. 32 Julia Kospach, Der Garten ist der Ort des Gedankenwechsels, aus: André Heller, Julia Kospach: Augenweide. Der Garten der Gärten, © Christian Brandstätter Verlag, Wien – München 2003 S. 42 Ingrid Bade, Der Garten ist ein umfriedetes Stück Land ..., aus: dies. (Hrsg.), Das kleine Gartenglück © 2004 Deutscher Taschenbuch Verlag, München S. 44 „Sommertage“, aus: Georg Bulla, Kindheit und Kreide. © Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1986 S. 50 Reiner Kunze, Zuflucht noch hinter der Zuflucht. Aus: ders., gespräch mit der amsel. © S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 1984 S. 52 Hanns Dieter Hüsch: Herr, es gibt Leute die behaupten (Juni-Psalm) aus: Hanns Dieter Hüsch/Uwe Seidel Ich stehe unter Gottes Schutz, Seite 62, 2009/11 © tvd-Verlag Düsseldorf, 1996 S. 66 Pierre Stutz, Zu meiner ganzen Lebenskraft stehen © Pierre Stutz, Lausanne, www.pierrestutz.ch S. 68 „Dieser Monat hat etwas an sich ...“, aus: Elizabeth von Arnim, Elizabeth und ihr Garten. Aus dem Englischen von Adelheid Dormagen. © Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig 1987 S. 70 Werner Milstein: kleiner herbstgedanke © Werner Milstein, Hamburg S. 76 Hanns Dieter Hüsch: Mit fester Freude (Dezember-Psalm) aus: Hanns Dieter Hüsch/Marc Chagall Das kleine Weihnachtsbuch, Seite 6, 2009/12 © tvd-Verlag Düsseldorf, 1997


Ich werde diese Wildnis in einen blühenden Garten verwandeln, schön und prächtig wie der Garten Eden. Jesaja 51,3


Fellwechsel Er gibt einen Befehl, und schon schmilzt der Schnee; er lässt den Frühlingswind wehen, und schon taut das Eis. Psalm 147,18

Wieder habe ich durchgehalten! Die kalten Monate sind vorüber. Morgens, wenn ich aufwache, ist es hell! Ich wusste fast nicht mehr, dass es das gibt. Die Tage werden allmählich länger, die härteste Durststrecke scheint vorüber. Mein Herzschlag erwacht aus dem Winterschlafrhythmus. Ich muss hier raus! Ich werde heute gut zu mir sein und mir ein paar Stunden freinehmen. Meine Winterhöhle verlassen. Meinen Horizont erweitern. Auch im Hund, der nur noch teilnahmslos vor dem Ofen lag, regt sich neues Leben. Ich muss ihn gar nicht erst überreden, mich zu begleiten. Ich lege eine Decke vor den Holzschuppen. Begeistert sinkt er mit einem Seufzer neben mich in meinen Windschatten. Wir halten unser Fell in die Schneeglöckchensonne und träumen von guten Zeiten. Die Ruhe und das Licht tun so gut. Frühlingsahnen … Plötzlich sind die kleinen Waldblumen wieder da, Taubnesseln, Kuckucksblumen, Märzenveilchen und andere, namenlose. Sie kennen ihre Zeit und drücken durch den Erdboden. Die Luft wird wärmer. Einige Büsche sind über Nacht explodiert. Die biologische Uhr fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Was für eine Kraft steckt dahinter! Gott schafft der Natur ein neues Kleid! Makellos rein,

lindgrün, ohne Vogeldreck und Raupenfraß. Die Vögel jubeln. Frühlingsfreude. Auferstehungsfreude. Schmetterlingsgetümmel im Flieder. Freudentaumel im Himmel. Die Natur verjüngt sich durch Nachwuchs: Winzige Blättchen und Blüten knospen. Neuanfang – Gott gibt uns immer wieder eine neue Chance – ich möchte Gott auch eine Chance geben, Neues in meinem Leben anzufangen. Spannung macht sich in mir breit, Vorfreude auf neues Land.

Alles, was Winter heißt, bäumt sich noch einmal auf. Aber ich weiß sicher, der Frühling wird kommen, er hat sich angekündigt, er steht auf dem Kalender und es knospt schon überall. Seine Macht ist gebrochen. Ich bin so froh, dass uns Gott die Natur als Bilderbuch des Lebens immer wieder vorblättert! Cornelia Gorenflo


Verheißungsvoll Die ersten Samentütchen, unterwegs noch ohne Plan mitgenommen, machen Hoffnung. Die ersten Frühlingsboten in Pflanzkübeln und Beeten sind eine Verheißung. Blumenzwiebeln, im Herbst voller Hoffnung gesteckt, belohnen meine Geduld. Tja, und die Blumen, die ich versäumte, als Zwiebeln zu stecken, sind nun nicht da. Das Naturgesetz vom Säen und Ernten wird greifbar, konkreter als im übrigen Leben. Dennoch gilt es auch da, in der Arbeit, in den Beziehungen zu unseren Mitmenschen, zu Gott.

Das Jahr geht weiter, und ehe man sich’s versieht, ist für die Tulpen, die man im Herbst nicht gesetzt hat, die Zeit gekommen, nicht zu blühen.


Es gibt keinen besseren Nachweis fßr Glauben, als wenn ein Mensch auf einem Beet Samen aussät.


Frühlingsschlaf… … bei offenem Fenster. Ich erwache in der Morgendämmerung, weil der Wind ins Zimmer weht, aber die Luft ist so köstlich, dass ich das Fenster einfach auflassen muss. Als ich endlich wieder in Halbschlaf falle, hindert mich ein neues Geräusch an der endgültigen Versenkung. Ist das ein Theater da draußen – der Spatzenchor in der efeubewachsenen Wand übt sein Frühlingsrepertoire. Über mein Gesicht breitet sich ein wissendes Grinsen aus. Herrlich, wie der Frühling auf den Garten sinkt. Welch ein Fest! Mit jedem Tag wird die Luft wärmer. Meine neugeborene Seele jubelt und kriecht aus ihrem Schattendasein hervor. Ich kann es noch kaum fassen. Zu sehr steckt mir der Winter noch in den Knochen, zu gegenwärtig sind mir noch die kahlen Zweige, der graue Himmel, der eisige Wind. Ich liebe den Jubel der Schöpfung, die immer noch weiß, was sie einmal gelernt hat, die wieder nicht vergessen hat, wie es geht. Nicht umsonst fällt Ostern in diese Jahreszeit.

Die Regenzeit liegt hinter uns, der Winter ist vorbei! Die Blumen beginnen zu blühen, die Vögel zwitschern, und überall im Land hört man die Turteltauben gurren. Hoheslied 2,11


Aber dann kommt der Morgen, der beim Erwachen einen vagen Duft durch das Fenster hereinwehen lässt, etwas wie Erde als Luft, ein Geruch, der aus den tiefsten Tiefen unseres Planeten aufzusteigen scheint. Arthur Miller


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