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ahres JZeiten Mit Bianka Bleier durch das Jahr


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Vorfrühling Immer noch weit und breit kein Anzeichen von Frühling, mal abgesehen von ein paar unerschütterlich wagemutigen Schneeglöckchen. Es schneit … Ein Gefühl, als wenn alles, was Winter heißt, sich noch einmal aufbäumte. Aber es ist nicht mehr dasselbe, und ich bin auch nicht mehr dieselbe. Die Zeichen stehen auf Neubeginn! Ich glaube fest daran, ich weiß es: Der Frühling wird kommen, er steht mitten auf dem Kalenderblatt, er lässt sich nicht mehr aufhalten durch frostige Nachttemperaturen. Er knospt an den kahlen Zweigen, er drängt durch die Erde – die Macht des Winters ist gebrochen! Auch wenn er in Ausläufern noch einmal zurückkehrt. Was sich da Schnee nennt, sind lediglich Tausende von Himmelsküssen, harmlose dicke Flocken. Im verschneiten Baumwipfel sitzt eine Krähe und ruft. Durch ihr energisches Schwanzwippen gerät der Baum in Bewegung. Schneewehen und Vogelgetön, wie ungewöhnlich ... In einiger Entfernung antwortet eine zweite Krähe. Dazwischen allerhand Frühlingsgezwitscher. Ich kann den Frühling nicht sehen, aber offensichtlich ist er da. Er schlummert im Verborgenen, wartet auf seine Zeit, um die Welt zu verwandeln, uns mit seiner Lebenslust anzustecken. Der Frühling ist keine Idee, an die man nur eine vage Erinnerung hat, unsicher, ob sie Traum oder Wirklichkeit war. Frühling geschieht tatsächlich! Auch wenn noch nichts danach aussieht – er wird kommen. Irgendein Vogel wird schon als Erster das alte Lied anstimmen.

Er gibt einen Befehl, und schon schmilzt der Schnee; er lässt den Frühlingswind wehen, und schon taut das Eis. Psalm 147,18 HFA

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Rückkehr der Zugvögel Der Metzger blinzelt in die Morgensonne und sagt selig: „Was für ein herrliches Wetter wir heute bekommen!“ Es klingt, als würde er ein unerwartetes Geschenk erhalten. Die Bäckerin nebenan sagt, als auch ihr die Sonnenstrahlen in der Nase kitzeln: „Blöde Sonne! Nützt ja eh nix, wärmt nicht mal. Es passieren nur eine Menge unnötiger Unfälle wegen dieser blöden, tief stehenden Sonne!“ Das ist meine Lektion des Tages, Variante der Geschichte mit dem halb leeren Glas … Abends, genau in dem Moment, als auch ich gerade zu lamentieren anfange, allerdings deshalb, weil die Sonne untergeht und es schon wieder dämmert, überrascht mich das Leben: Über unser Haus hinweg zieht ein riesiger, nicht enden wollender Schwarm von

Wildgänsen, immer weiter Richtung Norden. Und schlagartig dämmert es auch (in) mir: Die Zugvögel kehren zurück! Ich springe zum höchstgelegenen Zimmer des Hauses, um keinen Flügelschlag zu verpassen. Als längst der letzte Vogel aus meinem Blickfeld verschwunden ist, sitze ich immer noch da, das Herz voller Hoffnung. Die Engländer nennen meine Lieblingsjahres­ zeit „spring“. Das kann ich gut verstehen. Schlägt man die deutsche Übersetzung nach, stößt man auf „Sprung, Satz, Sprungfeder, Federkraft, Elastizität, Triebfeder, Quelle, Ursprung, Frühling, springen, sprießen“. Gibt es eine treffendere Wortsammlung für Frühling?

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Nicht verpassen möchte ich das Einsetzen des Tauwetters die Rückkehr der Zugvögel das Aufspringen der Knospen den Aufstieg des Kometen Nicht verpassen möchte ich die Flucht der Mächtigen die Auferstehung der Schwachen Nicht verpassen möchte ich den Tag an dem alle Felder grün sind von Hoffnung an dem auf allen dunklen Wegen Kerzen leuchten an dem die Menschen sehen hören und sprechen den Tag an dem Steine weich werden Ich möchte dabei sein Anne Steinwart

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Frühlingsahnen Wie jedes Jahr halte ich gespannt Ausschau nach den ersten Frühjahrsboten. Die Haselnusswürmchen, die über Nacht an den nackten Sträuchern baumeln, überraschen mich immer zuerst. Dann blüht plötzlich der gelbe Ranunkelstrauch. Aus Erfahrung weiß ich, dass er den Reigen eröffnet, je nach Lust und Laune im März oder April zeigt er unabhängig vom Kalenderstand den wahren Frühlingsanfang an. Hier und da ein Hauch Grün. Die erste Nacht ohne Wärmflasche! Werner entdeckt die männliche Antwort auf den Frühling: Im Gartenmarktprospekt gibt es Häcksler, Grillwagen und Gartenscheren! Über mein Gesicht breitet sich wissendes Grinsen aus. Sofort erinnert sich alles in mir an den Frühling. Da stört es kaum noch, dass der Großteil von Erde, Bäumen und Sträuchern noch kahl ist, dass in den Nächten noch Frost herrscht. Die Zeichen sind unverkennbar! Eine Amsel, die prächtig durch den Winter gekommen zu sein scheint, macht Frühjahrsputz in einer Pfütze. Weitsichtig benässt sie zuerst ihr Bauch- und Brustgefieder. Sie schaufelt mit den Flügeln Wasser über die Schwanzfedern, lässt es über den Rücken perlen. Am Ende taucht sie mit dem Kopf voran ins kühle Nass und stürzt sich wollüstig in die Fluten. Der Pfützenwasserspiegel schwappt beachtlich. Draufgängerin! Eine Vogeltränke vor dem Küchen­ fenster wäre eine schöne Idee. Eine immerwährende Einladung für ein Kneipp’sches Ganzkörperbad von Amsel, Drossel, Fink und Star. Ich bekomme Lust, meine Fenster zu putzen. Lust, überhaupt etwas anzupacken. Frühlingsahnen …

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Frühlingswehen Aber dann kommt der Morgen, der beim Erwachen einen vagen Duft durch das Fenster hereinwehen lässt, etwas wie Erde als Luft, ein Geruch, der aus den tiefsten Tiefen unseres Planeten aufzusteigen scheint ... Arthur Miller

Ein ungewohntes Geräusch weckt mich aus dem Winterschlaf. Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Noch im Halbschlaf weiß ich genau, dass ich es schon einmal gehört habe. Da, wieder! Ein Vogel plärrt an meinem Fens­ ter, immer wieder die gleichen Töne. Es ist eindeutig, dass er mir eine Botschaft mitteilen will! Was schreit er so aufdringlich? Ich öffne das Fenster einen Spalt, um ihn besser zu verstehen: „Frühlingsanfang! Frühlingsanfang!“ Er jubiliert und tiriliert ohne Ende. Frühling! Obwohl lange herbeigesehnt, kommt er dennoch überraschend und wie immer gerade rechtzeitig. Die ersten warmen Sonnenstrahlen sind eine Verheißung. Morgens, bevor der Wecker klingelt, ist es hell.

Ich wusste gar nicht mehr, dass es das gibt. Ein erfrischender Morgenwind weht herein. Ich kann nicht mehr schlafen, aber die Luft ist köstlich. Ich schlage im Duden nach: „Jubel: lauter Ausbruch ungebundener Freude; Fest zur Erinnerung an etwas Denkwürdiges.“ – „Tirili: Tonwort zur Bezeichnung des Vogelgesangs; Trillern der Vögel wie eine Lerche.“ Das ist es! Es ist eine Lerche, die da draußen ausflippt, sich vergisst, hemmungslos das neue Leben ankündigt. „Frühling: Lenz, auf den Winter folgende Jahreszeit, Blütezeit des Lebens, des Geistes.“

untergekriegt! Ade, ihr langen Nächte, ade, du kahle, schlafende Natur, ade, klirrende Kälte, Heizungsluft, vier Wände und dicke Textil­schichten, ade! Seid gegrüßt, ihr hellen, langen Tage! Salve, erwachende Natur, all ihr Blumen, Blätter, Vögel und Bienen! Seid gegrüßt, wärmende Sonne, laue Nächte, Düfte und Klänge, Frühlingssalate und Frühlingskollektion! Auch diese Reifeprüfung ist überstanden! Wieder habe ich die Aufgabe bewältigt, nachzureifen im Kellerregal des Winters. Kein Wunder, dass ich glücklich bin!

Geschafft! Ich habe es geschafft! Dieser ewig lange Winter hat mich auch nicht

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Mach schnell, mein Liebes! Komm heraus, geh mit! Der Winter ist vorbei mit seinem Regen . Es grünt und blüht, so weit das Auge reicht. Im ganzen Land hört man die Vögel singen; nun ist die Zeit der Lieder wieder da! Hoheslied 2,11-12 GNB


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