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Der große Hohepriester Eine Erklärung des Briefes an die Hebräer und der himmlischen Geheimnisse des eröffneten Heiligtums und des Priesters auf dem Thron Gottes.

Ein Leitfaden für das Glaubensleben von Andrew Murray ____ Aus dem holländischen Original übersetzt von Ernst Wolff Pastor in Rotterdam.

Neu überarbeitet und herausgegeben von Mathias Müller, Großkötz

Gesamtausgabe

Verlag Dr. R.-F. Edel • Lüdenscheid


Neuauflage der 1897 erschienenen deutschen Ausgabe

© by Verlag Dr. R.-F. Edel • Lüdenscheid www.edel-verlag.de Postanschrift: Rathmecker Weg 13, 58513 Lüdenscheid Umschlaggestaltung: Kristin Hartmannsberger Druck: Totem, Polen Printing in Poland ISBN: 978-3-87598-527-6 Bestell-Nr.: 614527 Kontaktadresse nach EU-Sicherheitsverordnung: oekverlag@t-online.de


Anmerkungen zur neuen Überarbeitung des Buches: Persönliches: Das vorliegende Werk von Andrew Murray „Der große Hohepriester“ beeindruckte mich wegen seiner überaus christozentrischen und verständlichen Auslegung des Hebräerbriefes. Es war für mich ein großer Gewinn im Verständnis des himmlischen und irdischen Heiligtums- und Priesterdienstes Jesu Christi, wie dieser auf feinfühlige und tiefgründige Art und Weise den Gläubigen vor Augen geführt wird. Der Verfasser dieses Werkes führt den Leser in die Tiefen des Hebräerbriefs Vers für Vers theologisch ein und stellt darin die Person Jesu Christi in Seiner Funktion und in Seinem Dienst als unseren heutigen himmlischen Hohenpriester auf so liebevolle und berührende Art und Weise dar. So ist der Hebräerbrief eines der wichtigsten neutestamentlichen Bücher bezüglich der Erkenntnis auch über unseren irdischen und himmlischen Heiligtums- und Priesterdienst, in den wir Christen mit zunehmender Reife hineingeführt werden. Dies alles hat mich zu der Überlegung geführt und dazu motiviert, dieses Buch auch anderen interessierten Lesern durch eine Überarbeitung nahezubringen. Intension war es, durch eine Neubearbeitung auch ein paar grundlegende Dinge zu berücksichtigen, die aus meiner Sicht notwendig und sinnvoll waren, um es für heutige Leser attraktiver und verständlicher zu machen. Dazu sollten nachfolgende Änderungen beitragen: 1. Umstellung der für viele nur schwer lesbaren Frakturschrift auf die heute aktuelle Schrift. 2. Der teilweise antiquierte Bibeltext, der vom Holländischen ins Deutsche übertragen wurde, sollte auf einen aktuelleren, verständlicheren Text (hier Luther 1984) umgestellt werden. In der ursprünglichen Ausgabe von 1897 kommen immer wieder auch veraltete, nicht mehr gebräuchliche und schwer verständliche Ausdrücke vor, welche durch heute besser verständlichere Synonyme ersetzt wurden. 3. Im Auslegungstext befanden sich ebenfalls etliche altdeutsche, schwer verständliche Ausdrücke, welche durch heute verständlichere Ausdrücke ersetzt wurden. Auch die Bibelausdrücke in der Auslegung wurden auf den Luthertext 84 angepasst, ohne die ursprünglichen inhaltlichen Aussagen damit zu verändern. Wenn dadurch der Zugang erleichtert und schlussendlich auch dazu beigetragen wird, dass dadurch dem Leser der persönliche Glaube gestärkt oder auch neu entdeckt wird, würde mich das sehr erfreuen. Nach über 7 Jahren konnte dieses zunächst ganz persönliche Projekt, an dem ich immer nur nebenbei gearbeitet habe, nun doch endgültig beendet werden. Möge die Neubearbeitung dieses Werkes von Andrew Murray dem Leser ein persönlicher Segen und Bereicherung sein.

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Hinweise zur textlichen Überarbeitung dieser vorliegenden Ausgabe: – Veraltete Ausdrücke und Worte im Auslegungstext wurden im Einzelfall, wenn sinnvoll, auf die heutige Schreibweise der Bibeltexte angepasst. Beispiele: „Jesum Christum“ zu „Jesus Christus“; „lasset“ zu „lasst“; „bewahret“ zu „bewahrt“, „heiliget“ zu „heiligt“, „thun“ zu „tun“, „hienieden“ zu „auf Erden“, „Seligkeit“ zu „Heil“ – jedoch meist, wo passend, Seligkeit in Klammern gelassen: „als Genossen des Sohnes Gottes“ wurde zu „als Brüder des Sohnes Gottes“, „zum Vollkommenen fahren“ zu „zum Vollkommenen wenden“, „Pfleger des Heiligtums“ zu „Diener des Heiligtums“, „Ebräer“ zu „Hebräer“... etc. pp. – Manche Bibelzitate, die ohne Bibeltextverweis in der Originalvorlage waren, wurden, wo es möglich war, hinzugefügt. Vereinzelt versehentlich fehlerhaft zitierte Bibeltextstellen im Original wurden soweit wie möglich korrigiert. – Es wurde allgemein darauf Wert gelegt, dass so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig am Text der Auslegung selbst etwas verändert wurde, um dem Original so treu wie möglich zu bleiben und es dennoch für den Leser dem heute aktuellen und verständlicheren Sprachgebrauch entsprechend anzupassen. In der Hoffnung, diese tiefgehenden Gedanken des Verfassers Andrew Murray über den großen Hohenpriester Jesus Christus sprachlich angepasst wiederzubeleben und neu zugänglich zu machen und um auch die Bedeutung Jesu Christi als unseren neutestamentlichen Hohenpriester zu vergegenwärtigen und damit auch den Sinn und Zweck des alttestamentlichen Priester- und Opferdienstes besser verstehen zu können, war es mir die Mühe wert, diese Überarbeitung des Originals vorzunehmen. Es möge jeder in der Erkenntnis wachsen und jedem zum persönlichen Segen werden. Mathias Müller, Großkötz, Mai 2023

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Inhalt. Seite Anmerkung zur neuen Überarbeitung Hinweise zur textlichen Neubearbeitung Zum Geleit Vorrede Der Hebräerbrief – Übersicht

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Zur Einleitung 1. 1,1 2. 1,1-2 3. 1,2-3 4. 1,3

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Gott hat geredet. Das zweifache Reden Gottes. Die Herrlichkeit des Sohnes. Die Herrlichkeit des Werkes, welches der Sohn vollbracht hat.

Christus ist mehr als ein Engel. 5. 1,4 Jesu Name geht über den aller Engel hinaus. 6. 1,5-6 Jesus der Sohn Gottes. 7. 1,7-9 Jesus ist Gott 8. 1,10-12 Jesus der ewige Schöpfer. 9. 1,13-14 Jesus zur Rechten Gottes.

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Erste Warnung. Es gilt, so große Seligkeit ja nicht zu verachten. 10. 2,1-4 So großes Heil (Seligkeit).

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Jesus steht auch als Mensch höher als die Engel. Auseinandersetzung der Gründe, welche zu Seiner Erniedrigung geführt. 11. 2,5-9 Nicht den Engeln, dem Menschen ist alles untertan. 12. 2,8-9 Wir sehen Jesus mit Preis und Ehre gekrönt. 13. 2,9 Das Todesleiden. 14. 2,10 Der Herzog unseres Heils (Seligkeit). 15. 2,10 Um Dessentwillen und durch Den alle Dinge sind. 16. 2,11-13 Jesus nennt uns Seine Brüder. 17. 2,14-15 Dem Teufel die Gewalt genommen 18. 2,16-18 In allen Dingen den Brüdern gleich.

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Christus der Sohn steht höher als Mose der Knecht. 19. 3,1 Schaut auf Ihn – Jesus Christus – nehmt Ihn wahr! 20. 3,1-6 Christus steht höher als Mose. 21. 3,6 Wenn wir nur das Vertrauen festhalten.

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Seite

Zweite Warnung. Es gilt, die verheißene Ruhe nicht zu verlieren. 22. 3,7-11 Die Verstockung. 23. 3,7 Darum, wie der Heilige Geist spricht. 24. 3,7 Der Heilige Geist sagt: „Heute!“ 25. 3,12 Ein arges ungläubiges Herz. 26. 3,13 Ermahnt euch alle Tage! 27. 3,14-15 Wir sind Christi teilhaftig geworden. 28. 3,16-19 Die Ruhe in Kanaan. 29. 4,1-3 Die Ruhe des Glaubens 30. 4,3-8 Die Ruhe Gottes. 31. 4,9-10 Ruhe von Werken. 32. 4,11 Das Gelangen zur Ruhe. 33. 4,12-13 Das die Herzen durchdringende Wort Gottes.

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Christi Priestertum. 34. 4,14 Der große Hohepriester. 35. 4,15 Der mitleidige Hohepriester. 36. 4,16 Mit Freudigkeit hinzutreten. 37. 5,1-3 Der Hohepriester mit Schwachheit umgeben. 38. 5,4-6 Der von Gott eingesetzte Hohepriester. 39. 5,7-8 Der Hohepriester hat durch Leiden Gehorsam gelernt. 40. 5,8-9 Der Hohepriester – durch Gehorsam vollendet. 41. 5,8.9 Der Hohepriester für die, welche Ihm gehorsam sind.

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Dritte Warnung. Warnung vor Trägheit, Stillstand und Abfall 42. 5,11-13 Die Trägheit im christlichen Leben. 43. 5,14 Den Vollkommenen gehört feste Speise. 44. 6,1-3 Lasst uns zum Vollkommenen wenden! 45. 6,4-8 Vom Abfall. 46. 6,9-12 Fleiß und Geduld. 47. 6,13-15 Der Segen Gottes. 48. 6,16-18 Der Eid Gottes. 49. 6,18-20 Das Inwendige des Vorhangs.

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Seite Christus: ein Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. 50. 7,1-3 Melchisedek mit dem Sohn Gottes verglichen. 51. 7,4-10 Melchisedek und Abraham. 52. 7,11-14 Melchisedek und Aaron. 53. 7,15-17 Priester in Ewigkeit. 54. 7,18-19 Melchisedek und das Gesetz. 55. 7,20-22 Der Herr hat geschworen. 56. 7,23-25 Er kann für immer selig machen. 57. 7,26-28 Der Sohn, der ewig und vollkommen ist. Das neue Heiligtum und der neue Bund. 58. 8,1-5 Jesus im Himmel als Diener des neuen Heiligtums. 59. 8,6-9 Der Mittler des neuen und besseren Bundes. 60. 8,10 Der eigentliche Segen des neuen Bundes: Das in die Herzen geschriebene Gesetz. 61. 8,10-11 Die Seligkeit im neuen Bund: Die unmittelbare Gemeinschaft mit Gott. 62. 8,12-13 Der Eingang zum neuen Bund: Die vollkommene Vergebung der Sünden. Die Kraft des Blutes Jesu, welche sich in der Einweihung des neuen Heiligtums und Stiftung des neuen Bundes offenbart. 63. 9, 1-5 Das irdische Heiligtum. 64. 9,6-10 Der Weg zum Heiligtum noch nicht geoffenbart. 65. 9,8 Der hl. Geist und der Weg zum Heiligtum oder zur Herrlichkeit. 66. 9,11-12 Das Heiligtum steht offen. 67. 9,11-12 Die Kraft des Blutes Christi, welches den Himmel zugänglich macht 68. 9,13-14 Die Kraft des Blutes Christi, das Gewissen zu reinigen. 69. 9,14 Durch den ewigen Gott. 70. 9,14 Zu dienen dem lebendigen Gott! 71. 9,15-17 Das Testament durch den Tod fest geworden. 72. 9,18-23 Der Bund ist mit Blut gestiftet. 73. 9,23-24 Die Reinigung der himmlischen Dinge durch Christi Blut. Christus ist in den Himmel selbst eingegangen. 74. 9,25-28 Die Aufhebung der Sünde durch Selbsthingabe. Der Neue Weg in das Allerheiligste. 75. 10,1-4 Die Opfer des Gesetzes können nicht vollkommen machen. 76. 10,5-7 Du hast Mir einen Leib geschaffen. 77. 10,8-10 Siehe, Ich komme, zu tun, Gott, Deinen Willen.

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Seite 78. 79. 80.

10,11-14 10,10-14 10,15-18

Er sitzt für immer zur Rechten Gottes. Für immer vollendet. Das Zeugnis des Heiligen Geistes.

Ermunterung zu einem Leben, welches mit der Herrlichkeit der Offenbarung Gottes in Seinem Sohn im Einklang ist 81. 10,19.22 Der Eingang ins Heiligtum. 82. 10,19 Freudigkeit durch das Blut Jesu. 83. 10,19-20 Der lebendige Weg durch den Vorhang. 84. 10,21-22 Ein großer Priester über Gottes Haus. 85. 10,22 Mit wahrhaftigem Herzen. 86. 10,22 In völligem Glauben. 87. 10,22 Besprengt in unserem Herzen und los von dem bösen Gewissen. 88. 10,22 Gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. 89. 10,22 Lasst uns hinzutreten! 90. 10,23 Ein Bekenntnis der Hoffnung, welche nicht wankt 91. 10,24 Reizung zur Liebe. 92. 10,25 Unsere Versammlungen.

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Vierte Warnung. Von denen, welche mutwillig sündigen und abfallen. 93. 10,26-27 Vom mutwilligen Sündigen 94. 10,28-31 Die Sünde gegen den Dreieinigen Gott 95. 10,32-34 Eine bessere und bleibende Habe 96. 10,35 Die große Belohnung, welche das Vertrauen verschafft 97. 10,36-39 Von der Geduld Wie viel uns der Glaube verschafft. 98. 11,1-3 Der Glaube: Eine feste Zuversicht auf das, was zukünftig ist und eine Hingabe an das Unsichtbare. 99. 11,4 Abel – oder das Opfer des Glaubens. 100. 11,5-6 Henoch: Der Wandel des Glaubens. 101. 11,7 Noah: Die Tätigkeit des Glaubens. 102. 11,8-10 Abraham und das Land der Verheißung. 103. 11,11-12 Sarah: Der Glaube im Gehorsam gegen Gott. 104. 11,13-16 Der Glaube, welcher auf die Verheißung sieht, sie in sich aufnimmt und empfängt. 105. 11,17-19 Der Glaube, der Gedanke an das, was Gott kann. 106. 11,20-23 Der Glaube segnet die Kinder.

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Seite 107. 11,24-26 108. 11,27-31 109. 11,32-35a 110. 11,35b-38 111. 11,39-40

Mose: Die Entscheidung des Glaubens. Israel und die Erlösung durch den Glauben. Des Glaubens Kraft im Streit. Des Glaubens Kraft im Leiden. Das Bessere und Vollkommene.

Von der Geduld der Hoffnung. 112. 12,1-2 Mit Geduld im Kampf laufen. 113. 12,2 Im Aufblick auf Jesus. 114. 12,3-6 Gegen Mutlosigkeit und Verzagtheit 115. 12,7-10 Heiligung der Züchtigung. 116. 12,11-13 Richtet auf die wankenden Knie!

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Fünfte Warnung. Hütet euch, den Sohn Gottes zu verschmähen. 117. 12,14-15 Jagt der Heiligung nach! 118. 12,15-17 Vom Versäumen der Gnade. 119. 12,18-21 Nicht Sinai, sondern Zion. 120. 12,22-24 Ihr seid gekommen zum Berg Zion. 121. 12,25-29 Unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.

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Von der Liebe und den guten Werken. 122. 13,1-4 Von der Liebe. 123. 13,5-6 Von der Genügsamkeit. 124. 13,7-9 Jesus Christus, der Unveränderliche. 125. 13,10-14 Lasst uns zu Jesus hinausgehen außerhalb des Lagers!

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126. 13,15-19 127. 13,20-21 128. 13,20-21 129. 13,21 130. 13,22-25

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Gott wohlgefällige Opfer. Der Gott, welcher in Christus alles vollendet hat. Der Gott, welcher uns in allem Guten tüchtig machen wird. Ihm die Ehre! Abschiedsworte.

Anmerkungen: A) Hebräer 7 Der Gekreuzigte und der Verklärte. B) Hebräer 8,10 Aus Gerhard Tersteegens Schriften. C) Auszüge aus dem Buch Steinhofers zur Vollkommenheit.

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Zum Geleit. Gern gebe ich als ein dankbarer Verehrer Murray’s seiner Auslegung des Hebräerbriefes ein empfehlendes Geleitwort mit; hat doch der Verfasser zu der Gemeinde, die er im fernen Südafrika bedient, durch seine Schriften eine große Gemeinde von Lesern um sich gesammelt, denen er aus der Fülle seiner christlichen Lebenserfahrung geistlichen Segen mannigfacher Art vermittelt hat. – Die vorliegende Auslegung des so eigenartigen neutestamentlichen Briefes zeichnet sich nicht nur durch ein ungewöhnlich tiefes Eindringen in den reichen Lehrgehalt desselben aus, der Verfasser hat auch von der ihm verliehenen, zur Unterweisung anderer unentbehrlichen Gabe der Teilung und Einteilung des behandelten Stoffes den für seine Leser vorteilhaftesten Gebrauch gemacht. Wie in seinen früheren Schriften hat er auch für diese umfangreiche durch die in einer Reihenfolge von 130 Abschnitten verlaufende Auslegung es ermöglicht, dass auch viel beschäftigte Leser im kurzen Zeitraum einer Morgenandacht sich an der kräftigen Speise, die Murray bietet, für die Aufgabe des Tages stärken können. Dem Unterzeichneten ist es nicht zweifelhaft, dass alle, die ohne Vorurteil und im Gehorsam gegen die Hebräer 12,1-14 ausgesprochene Mahnung sich diesem Schriftausleger anvertrauen, reiche Förderung ihres inneren Lebens empfangen werden. Es ist mir eine besondere Freude, dass ein jüngerer Geistlicher, der aus seiner hessischen Heimat in das Sprachgebiet des Verfassers berufen worden ist, aus dem ihm selbst zuteilgewordenen Segen die Freudigkeit geschöpft hat, Murray’s „Hebräerbrief“ als eine den evangelischen Christen unserer Zeit zur Lehre und Besserung dargebotene Gabe in unsere Muttersprache zu übertragen. Möge dieser Dienst von recht vielen deutschen Lesern und vielen Amtsbrüdern des Übersetzers gewürdigt und benutzt werden zu hingebender Versenkung in den Brief des neuen Testaments, der gerade in unserer Zeit für die evangelische Kirche von unschätzbarem Wert ist! Kassel, 1. Februar 1897, Lohr, General-Superintendent

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Vorrede Es kann seinen Nutzen haben, wenn ich mit einem kurzen Worte auf die Veranlassung hinweise, welcher dieses Buch seine Entstehung verdankt. Die Passionszeit des Jahres 1891 führte mich zur Behandlung von Texten aus dem Brief an die Hebräer. Bei der Gelegenheit fühlte ich mich immer wieder veranlasst, über die Person und das Werk unseres Herrn Jesus, des großen Hohenpriesters Seines Volkes, und über den Zugang zu reden, welchen wir durch Sein Blut, durch Ihn selbst, zu Gott haben. Von mehr als einem wurde ich gebeten, diese meine Predigten herauszugeben. In derselben Zeit hatten wir zwei PredigerZusammenkünfte, zuerst eine kleinere zu Worcester, dann eine größere zu Somerset-Ost. Auf beiden Zusammenkünften ward die Betrachtung des himmlischen Priestertums des Herrn Jesus und die besondere Erwägung, welch eine Kraft in Seinem unvergänglichen Leben liegen müsse, uns zu sehr großem Segen. Indessen hätte mich dies noch nicht dazu gebracht, dieses Buch herauszugeben, wäre nicht noch etwas anderes dazugekommen. Zur Abhaltung der besonderen Gottesdienste, welche vor und nach der Zusammenkunft zu Somerset hier und da stattfanden, reiste ich mit einem Amtsbruder zusammen. In den Häusern, in welchen wir einkehrten, kamen wir öfters in eingehende Gespräche. Wir merkten, wie sehr es an dem rechten Wachsen in der Gnade und Erkenntnis fehlt. Die Frage wurde aufgeworfen, ob nicht mehr geschehen könne, um Christen auf die Mängel ihres christlichen Lebens hinzuweisen und ihnen den Weg, welcher zu einem Wandel in dem vollen Genuss der in Christus geschenkten Gnade führt, deutlich zu machen. Ich suchte meinen Amtsbruder zu bewegen, ein Buch in diesem Sinne zu schreiben. Mein Amtsbruder aber wurde verlegen und wusste nicht, ob er es würde tun können. Während wir so miteinander redeten, wurde es mir deutlich, dass der Brief an die Hebräer gerade die Wahrheit enthält, welche der Kirche unserer Tage sowohl zur Warnung als auch zur Ermutigung nottut. Nicht lange danach wurde der Wunsch in mir lebendig, einen Versuch zu machen, die Wahrheit Gottes, welche in diesem Brief liegt, auch 12


den weniger Geförderten unter den Kindern Gottes zu erklären und auf ihre Verhältnisse anzuwenden. Dieses Ziel vor Augen hielt ich es für besser, keine Predigten herauszugeben. Lernte ich doch in einem der Häuser, in welchem wir eingekehrt, einen jungen Mann kennen, welcher ein Christ sein wollte, auch ein Predigtbuch für den Sonntag hatte, aber kein Buch besaß, aus welchem er in der Woche Stärkung schöpfen konnte. Ich wies ihn darauf hin, dass ein Christ bei all der Zeit und Aufmerksamkeit, welche die Welt beansprucht und durch welche sie so viel Macht über uns bekommt, jeden Tag Zeit finden müsse, sich mit himmlischen Dingen zu beschäftigen. Im andern Falle werde es nicht zum Vorwärtsschreiten kommen. Wer nicht vorwärts strebe, werde gar leicht in die Gefahr geraten, vor welcher dieser Brief besonders warnt, in die Gefahr, aus der Gnade Gottes zu fallen. In diesem Gespräch gewann ich die Überzeugung, dass eine Erklärung des Hebräerbriefes in kurzen Abschnitten, welche von Tag zu Tag gelesen werden können, dazu dienen könne, manchen zum Lesen zu ermutigen, welchen sonst die zu große Länge sofort abschreckt, und ihm zugleich die herrlichen Lehren des Geistes Gottes, welche sich in diesem Brief finden, im Zusammenhang der Reihe nach nahezubringen. Siehe, das ist die Veranlassung zur Abfassung meines Buches! Wir finden in diesem Brief zwei Dinge wunderbar nebeneinander. Auf der einen Seite sehen wir die Mängel und den Rückschritt in dem geistlichen Leben gar ernstlich beschrieben. Die Warnung fehlt nicht und die Strafe ist angedroht. Auf der anderen Seite wird die einzige und vollkommene Heilung aller Mängel in Christus, unserem himmlischen Hohenpriester, gezeigt, welcher in der Kraft Seines himmlischen Lebens in uns wirken und uns zu einem Leben und Wandel hinter dem Vorhang, zu wahrer und völliger Gemeinschaft mit Gott instandsetzen will. Weiter zeigt uns der Brief den beiden eben genannten Zuständen gegenüber, dass alle Mängel und Gebrechen ihre Wurzel in dem Unglauben haben, während alle Segenskraft der von Christus vollbrachten Erlösung uns durch den Glauben zuströmt. Aus Vorstehendem kann mein Leser hinreichend erkennen, worauf es mir ankommt. Ich möchte so gern, dass er, wenn er überhaupt mein Buch zur Hand nimmt, sich jeden Tag die Zeit nähme, ein Stückchen 13


zu lesen und über dasselbe nachzudenken. Ich möchte so gern, dass er den Brief als einen Spiegel des christlichen Lebens liest und nicht nur seine betrübenden Mängel, sondern auch die herrliche Möglichkeit der Heilung findet, welche in Christus liegt. Ich möchte zu gern, dass er sich zum Studium dieses Briefes entschließt – mit dem kindlichen Verlangen, sich von seiner Sünde, seiner Trägheit und seinem Unglauben überzeugen zu lassen. Allein dann möchte ich ihm auch die feste und fröhliche Gewissheit wünschen, dass der Herr bereit ist, mit der Kraft Seiner ewigen Erlösung in ihm zu wirken und ihn die völlige Seligkeit genießen zu lassen, welche für ihn bereit ist. Mit anderen Worten, wenn jemand in seiner Verehrung zum Herrn Jesus gekommen ist, ist es mit seiner Erkenntnis des Herrn noch recht mangelhaft bestellt, obwohl sein Herz voll von Liebe und Freude ist. Wo man nun mit dieser oberflächlichen Erkenntnis des Herrn zufrieden ist und nicht in Seiner Erkenntnis zu wachsen sucht, zeigt sich gar bald ein Hinschwinden und Rückwärtsschreiten, wie man in der Regel beobachten kann. Soll Wachstum und Zunahme in dem geistlichen Leben eintreten, so muss die Seele unbedingt zu einer tieferen Erkenntnis des Herrn Jesus gebracht werden, damit sie ihrer täglichen Gemeinschaft mit dem Herrn gewisser werde und eine Stärkung des Geistes durch Himmelsspeise erhalte. Dies aber bietet gerade der Brief an die Hebräer auf ganz besondere Weise an. Er weist uns einzig und allein auf den Herrn Jesus hin. Er beschäftigt uns mit Ihm. Er stellt uns von allen Seiten vor Seine Person und Sein Werk. Er lehrt uns, wie vollkommen Er uns mit Gott vereinigt. Er zeigt uns, dass es für uns nur auf das Eine ankommt, auf Ihn zu schauen und an Ihn zu glauben. Ach, dass doch alle, welche nicht nur ihre verstandesmäßige Erkenntnis vermehrt zu sehen wünschen, sondern auch in der Herzenserkenntnis ihres geliebten Heilands zunehmen wollen, sich mit mir verbinden möchten, bei der Betrachtung dieses Briefes dies allein zu erstreben: Jesus immer besser zu erkennen und die göttliche Kraft der Erlösung immer mehr kennenzulernen, welche Er durch Sein Blut vollbracht hat und vom Himmel aus in uns zum Sieg führen und lebendig erhalten will. 14


Beim Jahreswechsel erhielt ich von meinem Bruder Albertyn den Text: „Da nahm Jesus mit Sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und Er wurde verklärt vor ihnen.“ (Mt 17,1-2) Dazu hatte Bruder Albertyn den Gebetswunsch, dass ich dies erfahren möge. Dieses Wort gebe ich an alle meine Leser weiter – gleichfalls mit dem Gebetswunsch, dass dieser Segen ihnen bei der Betrachtung dieses Briefes zufließen möge, dass unser Herr Jesus sie mit Sich nehme, allein auf den hohen Berg, wo Er wohnt zu der Rechten der Majestät im Himmel, und dass Er Sich da vor ihnen verkläre. Dann ist Er für uns derselbe – und doch nicht mehr derselbe –, aber in der Tat der Herr in Seiner himmlischen Macht, welcher uns an Seinem himmlischen Leben Anteil schenkt. Dann wird Er tatsächlich unser Hoherpriester, welcher in der Kraft des unvergänglichen Lebens in uns wirkt, uns zu Gott bringt und uns völlig selig macht. Dann wird auch bei uns das Wort zur Wahrheit, welches von Seinen Jüngern auf dem Berge der Verklärung erzählt: „Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.“ (Mt 17,8). Das aber ist es, was unser Brief einzig und allein begehrt. Wir sollen leben im Aufblick auf Jesus. Mit dem Gebetswunsch, dass die Freude und Kraft, welche beim Schreiben über mich kam, meinen Lesern noch weit reichlicher zuteilwerden möge, befehle ich sie alle Gott und der Lehre Seines Heiligen Geistes. Er mache, was nicht ohne viel Gebet zu Ihm geschrieben wurde, für all Sein Volk in diesem Lande zu reichem Segen. 17. Januar 1893. Andreas Murray

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Zum besseren Verständnis dieses Buches nehme ich mir die Freiheit, dem Leser folgende Winke zu geben: 1. Der Hauptzweck des Briefes ist, uns zu zeigen, wie Jesus den Zugang zum Heiligtum ermöglicht hat und nun in demselben lebt, um uns in demselben leben und wandeln zu lassen. Lass dies darum auch dein Ziel sein, dich von dem Herrn Jesus in das Heiligtum bringen zu lassen und in demselben alle Tage vor Gottes Angesicht zu wohnen! Der Weg, welcher dahin führt, ist die Selbstaufopferung und die Reinigung von Sünde. Wer danach vor allem verlangt, wird von diesem Brief Segen haben. Was Gott mit dem Erlösungswerk beabsichtigt und durch diesen Brief zu erreichen sucht, sei auch dein Wunsch! 2. Rechne darauf, dass der Heilige Geist dich unterweisen wird, um dir die geistlichen Lehren des Briefes deutlich zu machen! Halte an der Überzeugung fest, dass du mit deinem Verstand das Geheimnis des himmlischen Priestertums Jesu nicht verstehen kannst, dass aber Gott es dir durch Sein verborgenes Wirken in deinem Herzen zum Verständnis bringen will! Der Heilige Geist allein kann uns den Zugang zum Heiligtum zeigen. 3. Wenn du ein Stück gelesen hast, nimm dir die Zeit, dich still hinzusetzen und über dasselbe nachzudenken, den Verstand ein wenig zum Schweigen zu bringen und das Herz für Gottes Geist zu öffnen! In diesem stillen Augenblick eigne dir die Ermahnung oder Ermutigung an, welche in dem Wort lag! Und glaube, dass der Heilige Geist dies in dir lebendig und kräftig machen kann! Gar zu oft hält das Wort Gottes uns von Gott ab. Kommt es doch vor, dass wir uns so sehr mit dem Worte beschäftigen, dass wir nicht zu dem Gott kommen, welcher redet. Darum lass dich durch das Wort jeden Tag zu Gott Selbst bringen! Bete Ihn an! Gib dich Ihm hin! Warte in Stille darauf, dass Er mit dir spricht! Dann wird dieser Brief auch für dich ein Führer zu wahrerer Gemeinschaft mit Gott, zu einem Leben in dem Allerheiligsten, zu der Erfahrung, dass Jesus völlig selig macht und dass Gott dich zu jedem guten Werk geschickt zu machen weiß.

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Die Epistel an die Hebräer – Übersicht Erste Hälfte. (Kap. 1 – 10,18) Die Herrlichkeit der Offenbarung Gottes in Seinem Sohn ________

Das 1. Kapitel. Einleitung 1,1-3. Die Herrlichkeit des Sohnes. 1 Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, 2 hat Er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den Er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den Er auch die Welt gemacht hat. 3 Er ist der Abglanz Seiner Herrlichkeit und das Ebenbild Seines Wesens und trägt alle Dinge mit Seinem kräftigen Wort und hat vollbracht die Reinigung von den Sünden1) und hat Sich gesetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe. 2) 1)

2,17; 4,15; 9,14,26; 10,12.18;

2)

2,9; 4,14; 6,20; 7,18.25.26; 8,1; 9,12.21; 10,12; 12,3.24.25

Erster Abschnitt, 1,4-14. Christus als Sohn Gottes mehr als ein Engel. Er ist Gottes Sohn. 4 Und ist so viel höher geworden als die Engel, wie der Name, den Er ererbt hat, höher ist als ihr Name. 5 Denn zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: „Du bist Mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt?“ (Ps 2,7) Und wiederum (2 Sam 7,14): „Ich werde Sein Vater sein, und Er wird Mein Sohn sein“? 6 Und wenn Er den Erstgeborenen wieder einführt in die Welt, spricht Er (Ps 97,7): „Und es sollen Ihn alle Engel Gottes anbeten.“7 Von den Engeln spricht Er zwar (Ps 104,4): „Er macht Seine Engel zu Winden und Seine Diener zu Feuerflammen“, 17


Der Sohn Gottes ist Gott. 8 aber von dem Sohn (Ps 45,7-8): „Gott, Dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und das Zepter der Gerechtigkeit ist das Zepter Deines Reiches 9 Du hast geliebt die Gerechtigkeit und gehasst die Ungerechtigkeit; darum hat Dich, o Gott, Dein Gott gesalbt mit Freudenöl wie keinen Deinesgleichen.“ Der Sohn Gottes ist Schöpfer. 10 Und (Ps 102,26-28): „Du, Herr, hast am Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Deiner Hände Werk.“ 11 „Sie werden vergehen, Du aber bleibst. Sie werden alle veralten wie ein Gewand“ (Jes 51,6) 12 „und wie einen Mantel wirst Du sie zusammenrollen, wie ein Gewand werden sie gewechselt werden. Du aber bist derselbe, und Deine Jahre werden nicht aufhören.“ Der Sohn Gottes sitzt zur Rechten des Vaters. 13 „Zu welchem Engel aber hat Er jemals gesagt: „Setze dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße mache?“ (Ps 110,1) 14 „Sind sie nicht allesamt dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil ererben sollen?“ _____

Das 2. Kapitel. Erste Warnung. 2,1-4. Es gilt, die große Seligkeit nicht zu verachten. 1 Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören1), damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. 1) 3,7.19; 4,2.11; 5,11; 6,5; 10,26.39; 12,25. 2 Denn wenn das Wort fest war, das durch die Engel gesagt ist, und jede Übertretung und jeder Ungehorsam den rechten Lohn (1 Mose 19,17 u. 26; 5 Mose 27,26) empfing, 3 wie wollen wir entrinnen, wenn wir ein so großes Heil nicht achten, das seinen Anfang nahm mit der Predigt des Herrn und bei uns bekräftigt wurde durch die, die es gehört haben? 18


4 Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben durch Zeichen, Wunder und mancherlei mächtige Taten und durch die Austeilung des Heiligen Geistes nach Seinem Willen.

Zweiter Abschnitt. 2,5-18. Jesus ist auch als Menschensohn mehr als ein Engel. Die Ursachen Seiner Erniedrigung

Alles ist dem Menschen untertan, nicht den Engeln. Denn nicht den Engeln hat Er untertan gemacht die zukünftige Welt, von der wir reden. 6 Es bezeugt aber einer an einer Stelle und spricht (Ps 8,5-7): „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst, und des Menschen Sohn, dass Du auf ihn achtest?“ 7 „Du hast ihn eine kleine Zeit niedriger sein lassen als die Engel; mit Preis und Ehre hast Du ihn gekrönt;“ 8 „alles hast Du unter seine Füße getan.“ (Ps 8,7) Wenn Er ihm alles unter die Füße getan hat, so hat Er nichts ausgenommen, was ihm nicht untertan wäre. Jetzt aber sehen wir noch nicht, dass Ihm alles untertan ist. In Jesus ist die Weissagung bereits erfüllt. 9 Den aber, der eine kleine Zeit niedriger gewesen ist als die Engel, Jesus, sehen wir durch das Leiden des Todes „gekrönt mit Preis und Ehre“; denn durch Gottes Gnade sollte Er für alle den Tod schmecken. Die Erklärung des Leidens Jesu. 10 Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, dass Er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres Heils1), durch Leiden vollendete.

1)

6,19; 12,2; 13,13.

Zu Seiner Heiligung als unser Herzog (Führer). 11 Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der heiligt1) und die geheiligt werden, darum schämt Er Sich auch nicht, sie Brüder zu nennen, 1) 3,1; 6,10; 8,2; 9,8.12.13; 10,10.14.19.29. 12 und spricht: „Ich will Deinen 19


Namen verkündigen Meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde Dir lobsingen.“ (Ps 22,23) 13 Und wiederum: „Ich will Mein Vertrauen auf Ihn setzen“; (Ps 18,3) und wiederum: „Siehe, hier bin Ich und die Kinder, die Mir Gott gegeben hat.“ (Jes 8,18) In unserer Erlösung aus der Macht des Teufels. 14 Weil nun „die Kinder“ von Fleisch und Blut sind, hat auch Er’s gleichermaßen angenommen, damit Er durch Seinen Tod die Macht nähme dem, der die Gewalt des Todes hatte, nämlich dem Teufel, 15 und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Um Ihn zu einem barmherzigen Hohenpriester zu machen. 16 Denn Er nimmt Sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt Er Sich an. 17 Daher musste Er in allem Seinen „Brüdern“ gleich werden1), damit Er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. 1) 2,14; 4,15; 5,2.3; 10,5.7; 12,2; 13,13. 18 Denn worin Er Selber gelitten hat und versucht worden ist, kann Er helfen denen, die versucht werden. ______

Das 3. Kapitel. Dritter Abschnitt. 3,1-6. Christus ist mehr als Mose. Er ist wie Mose getreu. Darum, ihr heiligen Brüder, die ihr teilhabt an der himmlischen Berufung1), schaut auf den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen2), Jesus, 1) 1,3; 8,1; 2) 4,14; 10,23; 11,13; 13,15 2 der da „treu“ ist dem, der Ihn gemacht hat, wie auch Mose „in Gottes ganzem Hause.“ (4 Mose 12,7)

20


Als Sohn Gottes ist Er mehr als Mose, der Knecht Gottes. 3 Er ist aber größerer Ehre wert als Mose, so wie der Erbauer des Hauses größere Ehre hat als das Haus. 4 Denn jedes Haus wird von jemandem erbaut; der aber alles erbaut hat, das ist Gott. 5 Und „Mose zwar war treu in Gottes ganzem Hause als Knecht“ (5 Mose 18,15.18) zum Zeugnis für das, was später gesagt werden sollte, 6 Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen1) und den Ruhm der Hoffnung2) festhalten3). 1) 4,16; 6,18; 10,19. 35; 13,6;

2)

6,11.18; 7,19; 10,23; 11,1;

3)

3,14; 4,14; 5,12.14; 6,18.29; 9,17; 10,23; 11,27; 12,28.

Zweite Warnung. 3,7 – 4,13. Es gilt, die verheißene Ruhe nicht zu verlieren. Gottes Zorn über Israel. Darum, wie der Heilige Geist spricht: „Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet (Ps 95,7), 8 so verstockt eure Herzen nicht, wie es geschah bei der Verbitterung am Tage der Versuchung in der Wüste (2 Mose 17,2), 9 wo Mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch Meine Werke gesehen vierzig Jahre lang. 10 Darum wurde Ich zornig über dieses Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden Meine Wege nicht, 11 sodass Ich schwor in Meinem Zorn: Sie sollen nicht zu Meiner Ruhe kommen.“ (4 Mose 14,21; 5 Mose 1,34) Ermahnung, bis zum Ende auszuhalten. 12 Seht zu, liebe Brüder, dass keiner unter euch ein böses, ungläubiges Herz1) habe, das abfällt von dem lebendigen Gott2); 1) 3,19; 4,2.121 2) 9,14; 10,31; 12,22. 13 sondern ermahnt euch selbst alle Tage, solange es „heute“ heißt, dass nicht jemand unter euch „verstockt“ werde durch den Betrug der Sünde. 14 Denn wir haben an Christus Anteil bekommen, wenn wir die Zuversicht vom Anfang bis zum Ende festhalten. 15 Wenn es heißt: „Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht, wie es bei der Verbitterung geschah.“ 21


Durch Unglauben und Ungehorsam hat Israel Gott erzürnt. 16 Wer hat sie denn gehört und sich „verbittert“? Waren es nicht alle, die von Ägypten auszogen mit Mose? 17 Und über wen war Gott „zornig vierzig Jahre lang“? War’s nicht über die, die sündigten und „deren Leiber in der Wüste zerfielen“? (Ps 106,26; 4 Mose 14,36) 18 Wem aber schwor Er, „dass sie nicht zu Seiner Ruhe kommen sollten“, wenn nicht den Ungehorsamen? (Hbr 4,6; 5 Mose 1,3. 4) 19 Und wir sehen, dass sie nicht dahin kommen konnten wegen des Unglaubens. ______

Das 4. Kapitel. Durch den Glauben kommen wir zur Ruhe. 1 So lasst uns nun mit Furcht darauf achten, dass keiner von euch etwa zurückbleibe, solange die Verheißung noch besteht, „dass wir zu Seiner Ruhe kommen.“ 2 Denn es ist auch uns verkündigt wie jenen. Aber das Wort der Predigt half jenen nichts, weil sie nicht glaubten, als sie es hörten. 3 Denn wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe, wie Er gesprochen hat: „Ich schwor in Meinem Zorn: Sie sollen nicht zu Meiner Ruhe kommen.“ (Ps 95,11) Nun waren ja die Werke von Anbeginn der Welt fertig; Die Ruhe, zu welcher Josua das Volk brachte, war die wahre Ruhe nicht. 4 Denn so hat Er an einer anderen Stelle gesprochen vom siebenten Tag (1 Mose 2,2): „Und Gott ruhte am siebenten Tag von allen Seinen Werken.“ 5 Doch an dieser Stelle wiederum: „Sie sollen nicht zu Meiner Ruhe kommen.“ 6 Da es nun bestehen bleibt, dass einige zu dieser Ruhe kommen sollen, und die, denen es zuerst verkündigt ist, nicht dahin gekommen sind wegen des Ungehorsams, 7 bestimmt Er abermals einen Tag, ein „Heute“, und spricht nach so langer Zeit durch David, wie eben gesagt: „Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht.“ (Ps 95,7) 8 Denn wenn Josua sie zur Ruhe geführt hätte, würde Gott nicht danach von einem anderen Tag

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geredet haben. 9 Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Lasst uns, um zu dieser Ruhe einzugehen, uns Mühe geben! 10 Denn „wer zu Gottes Ruhe gekommen ist“, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den Seinen. 11 So lasst uns nun bemüht sein, „zu dieser Ruhe zu kommen“, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam. Die richtende Kraft des Wortes Gottes. 12 Denn das Wort Gottes1) ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Pred 12,11; Jes 49,2) 1) 2,2; 3,18.19; 4,11; 5,11; 6, 5.6; 10,26. 29. 38. 39; 12,25. 13 Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Ps 33,12)

Vierter Abschnitt. 4,14 – 5,10. Jesus steht als Hoherpriester höher als Aaron. Jesus, der große und mitleidige Hoherpriester. 14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. 15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. (Jes 33,9) 16 Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. _____

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Das 5. Kapitel. Ein Hoherpriester muss Mitleiden haben. 1 Denn jeder Hohepriester, der von den Menschen genommen wird, der wird eingesetzt für die Menschen zum Dienst vor Gott, damit er Gaben und Opfer1) darbringe für die Sünden. 1) 5,7; 8,3; 9,7. 9. 14. 23. 25. 26. 28; 10,1. 2. 5. 6. 8. 10. 12. 14. 18. 26. 2 Er kann mitfühlen mit denen, die unwissend sind und irren, weil er auch selber Schwachheit an sich trägt. 3 Darum muss er wie für das Volk, so auch für sich selbst opfern für die Sünden. (3 Mose 9,7; 16,6) 4 Und niemand nimmt sich selbst die hohepriesterliche Würde, sondern er wird von Gott berufen wie auch Aaron. (2 Chron 26,16; 2 Mose 28,1; 1 Chron 23,13) Ein Hoherpriester muss von Gott berufen sein. 5 So hat auch Christus Sich nicht Selbst die Ehre beigelegt, Hoherpriester zu werden, sondern der, der zu Ihm gesagt hat: „Du bist Mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt.“ (Ps 2,7) 6 Wie Er auch an anderer Stelle spricht: „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“ (Ps 110,4) Jesus ist durch Leiden und Gehorsam als Priester zur Vollkommenheit gelangt. 7 Und Er hat in den Tagen Seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der Ihn vom Tod erretten konnte; und Er ist auch erhört worden, weil Er Gott in Ehren hielt. 8 So hat Er, obwohl Er Gottes Sohn war, doch an dem, was Er litt, Gehorsam gelernt. 9 Und als Er vollendet war, ist Er für alle, die Ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden, 10 genannt von Gott ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.

24


Dritte Warnung. 5,11 – 6, 20 Es gilt, sich vor Trägheit und Abfall zu hüten. Der Unterschied zwischen den Trägen und den Vollkommenen. 11 Darüber hätten wir noch viel zu sagen; aber es ist schwer, weil ihr so harthörig1) geworden seid. 1) 6,12 und 12,12 12 Und ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise. 13 Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren in dem Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind. 14 Feste Speise aber ist für die Vollkommenen1), die durch den Gebrauch geübte Sinne haben und Gutes und Böses unterscheiden können. 1)

2,10; 5,9.14; 6,1; 7,28; 9,9; 10,1.14; 11,40; 12,23; 13,21. ________

Das 6. Kapitel. Ermahnung, nach der Vollkommenheit zu trachten. 1 Darum wollen wir jetzt lassen, was am Anfang2) über Christus zu lehren ist, und uns zum Vollkommenen wenden; wir wollen nicht abermals den Grund legen mit der Umkehr von den toten Werken3), mit dem Glauben an Gott, 2) 3,14; 5,12; 3) 9,14. 2 mit der Lehre vom Taufen, vom Händeauflegen, von der Auferstehung der Toten und vom ewigen Gericht. 3 Das wollen wir tun, wenn Gott es zulässt. Für den Abgefallenen gibt es keine neue Bekehrung. 4 Denn es ist unmöglich, die, die einmal erleuchtet worden sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und Anteil bekommen haben am Heiligen Geist und geschmeckt haben 5 das gute Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt 6 und dann doch abgefallen sind, wieder zu erneuern zur Buße4), da sie für sich selbst den Sohn Gottes abermals kreuzigen und zum Spott machen. 4) 10,26.29.39; 12,17. 7 Denn die Erde, die den Regen trinkt, der oft auf sie fällt, und nützliche Frucht trägt denen, die sie bebauen, empfängt Segen von Gott. 8 25


Wenn sie aber „Dornen und Disteln“ trägt, bringt sie keinen Nutzen und ist „dem Fluch nahe“, sodass man sie zuletzt abbrennt. Ermahnung zum Fleiß und zur Ausdauer. 9 Obwohl wir aber so reden, ihr Lieben, sind wir doch überzeugt, dass es besser mit euch steht und ihr gerettet werdet. 10 Denn Gott ist nicht ungerecht, dass Er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr Seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient. (Spr 14,31) 11 Wir wünschen aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung festzuhalten1) bis ans Ende, 1) 10,22. 12 damit ihr nicht träge werdet, sondern Nachfolger derer, die durch Glauben und Geduld die Verheißungen ererben.2) 2) 6,17; 9,15; 11,7.8; 12,17. Von der Sicherheit, welche wir durch den Eid Gottes haben. 13 Denn als Gott dem Abraham die Verheißung gab, „schwor Er bei Sich Selbst“, da Er bei keinem Größeren schwören konnte, 14 und sprach: „Wahrlich, Ich will dich segnen und mehren.“ (1 Mose 12,3; 17,4; 22,16; Ps 105,9) 15 Und so wartete Abraham in Geduld und erlangte die Verheißung.3) 3) 11,13.33.39. 16 Die Menschen schwören4) ja bei einem Größeren, als sie selbst sind; und der Eid dient ihnen zur Bekräftigung und macht aller Widerrede ein Ende. (2 Mose 22,11) 4) 3,11; 7,21.

17 Darum hat Gott, als Er den Erben der Verheißung noch kräftiger beweisen wollte, dass Sein Ratschluss nicht wankt, Sich noch mit einem Eid verbürgt. 18 So sollten wir durch zwei Zusagen, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, dass Gott lügt –, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. 19 Diese haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, „der auch hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang.“ 20 Da hinein ist der Vorläufer für uns gegangen Jesus, der ein Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks. ______

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Das 7. Kapitel. Fünfter Abschnitt: 7,1-28 Das Priestertum Jesu nach der Ordnung Melchisedeks Melchisedek ist dem Sohne Gottes zu vergleichen. Dieser Melchisedek aber war König von Salem, Priester Gottes des Höchsten; er ging Abraham entgegen, als der vom Sieg über die Könige zurückkam, und segnete ihn; (1 Mose 14,18) 2 Ihm gab Abraham auch den Zehnten von allem. Erstens heißt er übersetzt: König der Gerechtigkeit; dann aber auch: König von Salem, das ist: König des Friedens. 3 Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt „Priester in Ewigkeit.“ Melchisedek hat Abraham gesegnet, weil er über ihm stand. 4 Seht aber, wie groß der ist, dem auch Abraham, der Erzvater, den Zehnten gab von der eroberten Beute. 5 Zwar haben auch die von den Söhnen Levis, die das Priestertum empfangen, nach dem Gesetz das Recht, den Zehnten zu nehmen vom Volk, also von ihren eigenen Brüdern, obwohl auch diese von Abraham abstammen. (4 Mose 18,21; 5 Mose 18,1; Josua 14,4; 2 Chron 31,15) 6 Der aber, der nicht von ihrem Stamm war, der nahm den Zehnten von Abraham und segnete den, der die Verheißungen hatte. (1 Mose 14,20) 7 Nun ist aber unwidersprochen, dass das Geringere vom Höheren gesegnet wird. Abraham hat als der Geringere den Zehnten gegeben und in Abraham auch Aaron. 8 Und hier nehmen den Zehnten sterbliche Menschen, dort aber einer, dem bezeugt wird, dass er lebt. 9 Und sozusagen ist auch Levi, der doch selbst den Zehnten nimmt, in Abraham mit dem Zehnten belegt worden. 10 Denn er sollte seinem Stammvater ja erst noch geboren werden, als Melchisedek diesem entgegenging. 27


Die Ordnung Aarons – durch die Ordnung Melchisedeks beseitigt. 11 Wäre nun die Vollendung durch das levitische Priestertum gekommen – denn unter diesem hat das Volk das Gesetz empfangen –, wozu war es dann noch nötig, einen andern als Priester „nach der Ordnung Melchisedeks“ einzusetzen, „anstatt einen nach der Ordnung Aarons“ zu benennen? 12 Denn wenn das Priestertum verändert wird, dann muss auch das Gesetz verändert werden. 13 Denn der, von dem das gesagt wird, der ist von einem anderen Stamm, von dem nie einer am Altar gedient hat. 14 Denn es ist ja offenbar, dass unser Herr aus Juda hervorgegangen ist, zu welchem Stamm Mose nichts gesagt hat vom Priestertum. (Jes 11,11) Die ewige Dauer dieses Priestertums. 15 Und noch klarer ist es, wenn in gleicher Weise wie Melchisedek ein anderer als Priester eingesetzt wird, 16 der es nicht geworden ist nach dem Gesetz äußerlicher Gebote, sondern „nach der Kraft unzerstörbaren Lebens.“ 17 Denn es wird bezeugt (Ps 110,4): „Du bist ein Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“ (Ps 110,4) 18 Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es zu schwach und nutzlos war.1) 1) 8,13; 10,9; 12,18. 19 Denn das Gesetz konnte nichts zur Vollendung bringen –, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir uns zu Gott nahen.2) 2) 4,16; 7,25; 9,8.14; 10,1.19; 12,22. Ein ewiges Priestertum bestätigt die Erhabenheit dieses Priestertums. 20 Und das geschah nicht ohne Eid3). Denn jene sind ohne Eid Priester geworden, 3) 3,11; 6,16. 21 dieser aber durch den Eid dessen, der zu Ihm spricht: „Der Herr hat geschworen und es wird Ihn nicht gereuen: Du bist ein Priester in Ewigkeit.“ (Ps 110,4) 22 So ist Jesus Bürge eines viel besseren Bundes geworden. Ein ewiges Priestertum gibt eine vollkommene Seligkeit. 23 Auch sind es viele, die Priester wurden, weil der Tod keinen bleiben ließ; 24 Dieser aber hat, weil Er ewig bleibt, ein unvergängliches Priestertum.4) 4) 1,8; 5,6.9; 6,20; 7,17.21.24.25.28; 9,12.14.15; 10,14.15; 13,8.21. 25 Daher kann Er auch für immer selig machen, die durch Ihn zu Gott kommen; denn Er „lebt für immer und bittet für sie.“ 28


Die Vollkommenheit des Sohnes als Hoherpriester. 26 Denn einen solchen Hohenpriester mussten wir auch haben, der heilig, unschuldig, unbefleckt, von den Sündern geschieden und höher ist als der Himmel. 27 Er hat es nicht nötig wie jene Hohenpriester, täglich zuerst für die eigenen Sünden Opfer darzubringen und dann für die des Volkes (3 Mose 9,7; 16,6); denn das hat Er ein für alle Mal5) getan, als Er Sich Selbst opferte. 5) 9,12.26.28; 10,10.12.14. 28 Denn das Gesetz macht Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit an sich haben; dies Wort des Eides aber, das erst nach dem Gesetz gesagt worden ist, setzt den Sohn ein, der ewig und vollkommen ist. ______

Das 8. Kapitel. Sechster Abschnitt. 8,1-13. Das neue Heiligtum und der neue Bund Der Priesterkönig, der Diener des neuen Heiligtums. Das ist nun die Hauptsache bei dem, wovon wir reden: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der da sitzt zur Rechten des Thrones der Majestät im Himmel1) 1) 1,3; 2,9; 4,14; 6,20; 7,16.25.26; 8,5; 9,12.23.24; 10,12; 12,3.22.24.25. 2 und ist ein Diener am Heiligtum und an der wahren Stiftshütte, die Gott aufgerichtet hat und nicht ein Mensch. 3 Denn jeder Hohepriester wird eingesetzt, um Gaben und Opfer darzubringen. Darum muss auch dieser etwas haben, was Er opfern kann. 4 Wenn Er nun auf Erden wäre, so wäre Er nicht Priester, weil da schon solche sind, die nach dem Gesetz die Gaben opfern. 5 Sie dienen aber nur dem Abbild und Schatten des Himmlischen, wie die göttliche Weisung an Mose erging, als Er die Stiftshütte errichten sollte: „Sieh zu“, sprach Er, „dass du alles machst nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt worden ist.“ (2 Mose 25,40)

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Der Priesterkönig ist auch der Mittler des neuen Bundes. 6 Nun aber hat Er ein höheres Amt empfangen, wie Er ja auch der Mittler eines besseren Bundes ist, der auf bessere Verheißungen gegründet ist. 7 Denn wenn der erste Bund untadelig gewesen wäre, würde nicht Raum für einen andern gesucht. 8 Denn Gott tadelt sie und sagt: »Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da will Ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen (Jer 31,31.32.33.34), 9 „nicht wie der Bund gewesen ist, den Ich mit ihren Vätern schloss an dem Tage, als Ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen. Denn sie sind nicht geblieben in Meinem Bund; darum habe Ich auch nicht mehr auf sie geachtet, spricht der Herr.“ Die Segnungen des neuen Bundes. 10 Denn das ist der Bund, den Ich schließen will mit dem Haus Israel nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will Mein Gesetz geben in ihren Sinn, und in ihr Herz1) will Ich es schreiben und will ihr Gott sein und sie sollen Mein Volk sein. (Jer 31,33; Sach 8,8) 1) 3,8.10.12; 10,22; 13,9. 11 „Und es wird keiner seinen Mitbürger lehren oder seinen Bruder und sagen: Erkenne den Herrn! Denn sie werden Mich alle kennen von dem Kleinsten an bis zum Größten.“ 12 „Denn Ich will gnädig sein ihrer Ungerechtigkeit, und ihrer Sünden will Ich nicht mehr gedenken.“ 13 Indem Er sagt: „einen neuen Bund“, erklärt Er den ersten für veraltet. Was aber veraltet und überlebt ist, das ist seinem Ende nahe. ______

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